Kapitel 13:
„Was meinst du, haben sie sich geküsst als sie betrunken war?"
„Würde Sinn ergeben. Kannst du dir vorstellen, dass sie sich von ihm küssen ließe, wenn sie nüchtern ist?"
„Merlin sei Dank hat Pans es ist nicht gehört, die wäre nur unnötig an die Decke gegangen."
„Ich verstehe immer noch nicht wieso sie nicht einfach los lassen kann. Draco behandelt sie wie Dreck. Wieso lässt sie sich das gefallen?"
„Trace, niemand außer Pansy weiß das wohl. Obwohl wahrscheinlich weiß sie es selber nicht so genau. Ich weiß nur eines, wenn Pansy mal die Augen aufmachen würde, dann wäre sie vielleicht nicht so verdammt einsam."
„Wenn du von Goyle redest … nein."
„Als ob ich von Greg sprechen würde. Pansy und er würden einfach nicht zusammen passen. Das Problem ist doch einfach … sie hat sich auf Draco fixiert und das nur weil ihre Eltern ihn für eine perfekte Partie halten. Sie wagt es nicht einmal in eine andere Richtung zu blicken und schon gar nicht in eine, die unkonventionell wäre."
„Du redest von Millie. Das würden ihre Eltern niemals zulassen, Daph."
„So wie ihre Eltern es niemals zulassen wollten, dass sie hierher zurück kommt und sie musste es dennoch tun. Schau dir an wo unsere Eltern uns hineingetrieben haben – ihre mehr als unsere, es wird Zeit uns von dem ganzen Unfug abzuwenden und neu zu beginnen."
„Ich hab noch nie an diesen Unsinn geglaubt. Meine Eltern waren aber auch nie wirklich streng in dieser Hinsicht mit mir..."
„Du kennst meine Eltern, sie haben mich und auch Astoria immerzu mit ihren Ansichten konfrontiert und berieselt. Ich weiß nicht wann wir Beide begonnen haben unseren eigenen Verstand zu benutzen, aber ich bin froh, dass wir es getan haben. Sieh dir an wohin das alles geführt hat."
„Die Frage ist doch nicht nur, ob wir uns alle abwenden können und unsere Einstellung überdenken können, die Frage ist doch auch … sind die Anderen in der Lage zu verzeihen?"
„Bis auf die Animositäten zwischen Draco und den Gryffindors funktioniert es doch gut. Draco scheint als einziger wirkliche Feinde unter den Löwen zu haben, selbst mit Blaise kommen sie zurecht. Lass mich ehrlich sein Trace, Draco hat es verdient so von ihnen behandelt zu werden, aber ich glaube wären wir alle gleich erzogen worden, hätten sie Freunde sein können. So verschieden sind sie alle gar nicht."
„Manchmal frage ich mich wirklich, ob du nicht doch eine geborene Hufflepuff bist."
„Du klingst wie Blaise."
„Und du klingst wie Bones oder Abbott. Von mir aus auch Jones."
„Naja wenigstens kling ich nicht wie Pansy."
„Merlin bewahre. Es genügt eine Person, die von Draco schwärmt."
Beide Mädchen lachten. Der Unterricht war öde und es schien niemand so richtig aufzupassen und auch ihr Gespräch schien nicht weiter aufzufallen.
„Pssst, Daph."
„Mh?", Daphne drehte sich zu Nott und Zabini herum, die zwei Reihen hinter ihnen saßen.
„Wo sind Granger und Draco?"
Daphne drehte ihren Kopf herum und schaute zu dem leeren Tisch herüber. Sie fehlten noch immer. Seltsam.
„Woher soll ich das eigentlich wissen?"
„Na hattest du nicht gerade schon Unterricht mit den Beiden?"
„Da waren sie auch nicht."
„Das hat dich nicht gewundert Daph?", fragte Tracey schließlich und selbst Lisa und Ernie schienen sich nun für das Thema zu interessieren. Sie saßen in der Reihe zwischen den Slytherins.
„Doch schon, aber sie hatten sich so am Frühstückstisch gestritten, ich dachte sie müssten vielleicht … naja darüber reden."
„Sie haben sich gestritten?", hakte Ernie nach und Tracey nickte leicht. Sie war nicht dabei gewesen, aber sie hatte die Geschichte von Daphne gehört.
„Hermione war … ziemlich in Rage."
„Das ist die Untertreibung des Jahrhunderts Turpin. Ich dachte sie erdolcht ihn mit ihren Blicken."
„Wir sollten sie nach dem Unterricht suchen. Wenn sie noch mehr Unterricht verpassen, dann fällt es noch auf und wir sollten ihnen mehr Ärger ersparen. Reicht das sie aneinander kleben.", sagte die Brünette ohne wirklich auf Nott und seine Kommentare zu achten.
„Gute Idee.", pflichtete Ernie nur bei und sowohl Daphne als auch Tracey nickten.
„Ich weiß nicht ob ich mich da einmischen will."
„Dann lass es Theo, kümmer du dich um deine eigenen Sachen, wir finden sie auch ohne deine bescheidene Hilfe."
„Liebenswert Davis."
„Immer doch."
„Du hast behauptet es ist eine Abkürzung."
„Ist es ja auch."
„Das sehe ich."
„Könntest du aufhören dich wie ein Mädchen zu benehmen Malfoy."
„Und du könntest mir verraten wo wir hier sind."
„In einem Geheimgang, sagte ich dir bereits. Ich fürchte nur, dass bei den Kämpfen hier einige Gänge verschüttet wurden, vielleicht auch zugebaut.", sagte Hermione letztlich etwas niedergeschlagen. Sie hatte eine Abkürzung nehmen wollen, denn sie wollte nicht noch mehr vom Unterricht verpassen und letztlich saßen sie jetzt fest, denn der so genannte Geheimgang war zum Geheimlabyrinth geworden.
„Dort waren wir schon."
„Nein waren wir nicht, wir sind dort schon gewesen. Und jetzt gehen wir hier lang, irgendwo muss es einen Ausgang geben. Notfalls müssen wir eben zurück.", sie deutete in einen Seitengang.
„Ja sollten wir wohl, aber die Frage ist doch eher, ob du noch weißt von wo wir gekommen sind."
„Zweifelst du an mir?"
„Oh niemals, ich würde doch niemals an der klügsten Hexe unserer Zeit zweifeln."
„Der Sarkasmus spricht eine andere Sprache. Wenn du so schlau bist, dann führ du uns doch wieder heraus."
„ich wollte hier gar nicht erst lang."
„Wieso bist du mir dann gefolgt?"
„Weil du ja sicher Rücksicht darauf genommen hättest was ich will."
„Du nimmst dir doch sonst immer was du willst."
„Hätte ich dich also über meine Schulter werfen sollen oder was?"
„Würde zu dir passen."
„Verdammt noch Mal Granger."
„Was?"
„Kannst du aufhören so mit mir zu sprechen? Ich weiß wirklich nicht was dein Problem ist."
„Soll ich es dir wirklich noch einmal erklären? Mein Problem ist, dass deine Arroganz stinkt Malfoy. Du glaubst du bist der Beste und Tollste und jedes Mädchen will dich. Nur leider stimmt das nicht."
„Du reitest auf dem Thema ganz schön häufig herum. Ich glaube dein Problem ist nicht meine Arroganz, sondern dein verletztes Ego."
„Entschuldige, aber was?"
Hermione drehte sich zu ihm herum und funkelte ihn wütend an. Es sollte ihn wohl davon abhalten noch mehr zu sagen, doch er hat Warnungen noch nie wirklich verstanden.
„Du reitest darauf so herum, weil du dich in deinem Ego gekränkt fühlst, weil ich dich geküsst hab und zwar nicht weil ich dich per se küssen wollte, sondern um mir zu beweisen, dass selbst du meine Küsse gut finden würdest. Das kränkt dich. Und es kränkt dich, dass ich zu Zabini gesagt hab ich würde dich nicht flach legen, weil es dir das Gefühl gibt, dass du unattraktiv bist. Oder nicht begehrenswert. Ihr Frauen tickt doch so...einerseits wollt ihr nicht so betrachtet werden, andererseits seid ihr sofort wütend, wenn man euch abweist. Prinzipiell ist es sowieso immer falsch was man als Mann auch macht."
Hermiones Hände ballten sich zu Fäusten. Seine kleine Rede war zu viel. Es war alles zu viel. Sie hasste ihn. Sie hasste ihn für seine Worte, für sein Verhalten, für sein dümmliches Grinsen und für die Art und Weise wie er mit Frauen umsprang. Sie hasste ihn für all die Beleidigungen in all den Jahren und sie hasste ihn, weil sie ihn eben nicht hassen konnte.
„Sei einfach still..."
Hermiones Ton war leise, berechnet aber man konnte heraushören, dass nur ein einziges Wort dazu führen konnte, dass sie doch noch explodierte.
„Du hast mir nichts zu sagen Granger. Außerdem bist du nur wütend, weil ich einen wunden Punkt getroffen habe, weil ich Recht hab."
Es war als würden all ihre Sicherungen durchbrennen. So wie wenn ihre Eltern zu Hause alle vorhandenen Elektrogeräte anwarfen und sich dann wunderten, warum der Strom plötzlich ausfiel. Sie sah rot und als sie seine Nase mit ihrer Faust traf, da sah er wohl auch rot, denn seine Nase blutete. So wie in ihrem dritten Jahr.
„Bist du wahnsinnig?"
„Nicht wahnsinniger als du. Wie kannst du es wagen so mit mir zu reden. Nach all dem was du mir über die Jahre angetan hast. Nach all den Jahren, die du uns gequält hast. Nach dem du mir nicht geholfen hast ...", ihre Stimme zitterte und sie spürte wie ihr ganzer Körper zu beben begann und Tränen hochkamen. „Du hast mich gesehen Malfoy. Du hast gesehen wie sie mich gequält hat und du hast nichts getan. Nichts. Und ich war dennoch da als man dich angeklagt hat, ich hab für dich gesprochen weil ich weiß wie deine Eltern dich erzogen haben, wie sie dich manipuliert haben und wie sie dein Gehirn gewaschen haben. Und dann sprichst du so mit mir? Und sagst ich wäre wahnsinnig? Du, der sich erdreistet zu glauben er wäre überlegen. Du, der wie ein kleines Kind geheult hat und wie ein Feigling von seinen Eltern vom Schlachtfeld gebracht wurde."
Sein Blick ließ sie kalt. Sie konnte spüren wie auch Wut in ihm aufstieg, doch es war ihr egal. Er hatte alles in ihr hervorgeholt und sie ließ es heraus. All die Wut und Verzweiflung und all die Abscheu, die sie in diesem Moment empfand. Ihr war auch egal, dass das Blut sein Kinn runter floss und auf sein weißes Hemd tropfte. Er hatte es verdient.
„Wag dich nie wieder so etwas zu sagen Granger. Nie wieder. Du weißt nichts über mich und mein Leben. Nichts über meine Eltern. Oder wie es war auf der anderen Seite zu stehen. Ihr alle schaut auf uns hinab, denkt ihr seid etwas besseres – und genau das hast du mir gerade eben selbst vorgeworfen – ist das nicht ironisch?"
Sie sahen sich noch lange an. Ihre Blicke beide voller Wut, ehe sie nach einem langen Blickduell ihre Augen abwendeten und den Weg aus dem Labyrinth heraus suchten.
„Da seid ihr ja...Oh Merlin Draco was ist mit dir passiert?", fragte Zabini, als sie die Beiden gefunden hatten. Hermione hatte endlich den Ausgang entdeckt und kurz darauf waren sie in Zabini und Daphne hineingelaufen.
„Wir haben euch überall gesucht. Lisa und Theo, und auch Ernie und Tracey suchen noch nach euch. Ihr habt den ganzen Vormittagsunterricht verpasst.", ermahnte Daphne die Beiden, ehe auch sie die Blutspuren auf Malfoys Hemd bemerkte und ihr Blick glitt herüber zu Hermione, doch ehe sie fragen konnte erhob Malfoy seine Stimme. „Ich bin gestolpert und hab mir die Nase aufgeschlagen. Granger wollte so einen komischen Geheimgang benutzen und da haben wir uns verlaufen, scheint so als wären die ganzen geheimen Passagen unbrauchbar, alte Wege sind zugemauert und es sind neue Wege dazugekommen."
Er zuckte nur mit den Schultern und wäre Daphne nicht aufmerksam, hätte sie ihm wahrscheinlich geglaubt, doch sie bemerkte Hermiones Blick. Er war voller Erstaunen. Doch weiter nachhaken wollte sie fürs Erste definitiv nicht.
„Alter, du solltest aufpassen wo du lang läufst.", zog Zabini ihn auf und Malfoy rollte nur die Augen.
„Naja wir gehen jetzt die Anderen suchen. Nicht das sie euch noch lange weitersuchen, ihr solltet hoch gehen, damit Draco such umziehen kann. Wir sehen uns beim Mittagessen ja?"
„Mach dir keine Sorgen Daphne, wir erscheinen gleich zum Essen. Wir sollten aber vorher auch noch mit den Lehrern sprechen und uns für die Abwesenheit entschuldigen."
„Das können wir auch noch die nächsten Tage vor dem Unterricht machen."
„Na gut.", seufzte die Brünette, aber auch nur weil Malfoy sie nicht verpfiffen hatte. Er hätte Zabini und Daphne durchaus sagen können, woher das Blut stammte. Das es ihre Schuld gewesen war.
„Darf man fragen, wo ihr ward?", fragte ein neugieriger Nott, als er sich neben Hermione auf die Bank gleiten ließ.
„Haben es dir Daphne und Blaise nicht gesagt?"
„Als ob ich den Schachsinn glaube, den ihr den Beiden erzählt habt."
„Ist aber die Wahrheit.", sagte Hermione eher unbeteiligt und griff nach ihrem Glas mit Kürbissaft.
„Wer soll euch das glauben?"
„Mir egal was du glaubst Nott, aber eines kann ich dir versichern, ich wäre lieber im Unterricht gewesen als mich irgendwo zu verlaufen."
„Das allerdings glaube ich dir Granger. Dich macht der Unterricht ja aber auch unglaublich an."
Das Glucksen von Parkinson ließ Hermione zu ihr herüber sehen.
„Ich weiß nicht was daran witzig ist, wenigstens sabbere ich nicht sobald ich Malfoy sehe."
Sofort setzte sich Parkinson aufrechter hin und funkelte die Brünette an.
„Und ich muss wenigstens nicht befürchten als Jungfrau zu sterben."
„Ja und das schon seit du 12 bist, wirklich großartig. Darauf sollte man wirklich stolz sein."
„Nur weil du es nicht besser weißt."
„Nun ist es also moralisch verwerflich Jungfrau zu sein? Lieber bin ich das als mir irgendwelche Krankheiten zu holen, weil ich mich nicht mehr daran erinnere mit wem ich letzte Nacht verbracht hab."
Pansys Augen verzogen sich zu Schlitzen. In der großen Halle war es erstaunlich still geworden, alle schienen den Disput zwischen den Mädchen aufmerksam zu verfolgen.
„Lieber verbringe ich sie mit jemandem als immer allein im Bett zu liegen."
„Genau richtig, mit jemandem, weil die Person die du wirklich willst dich nicht will. Lieber bin ich alleine in meinem Bett, als mit einem billigen Ersatz."
„Ich weiß nicht wovon du sprichst."
„Davon, dass du mit der halben Schule geschlafen hast nur um die Aufmerksamkeit von einem Jungen zu bekommen, was erbärmlich ist. Und er will dich nicht Parkinson. Er will dich einfach nicht und du solltest beginnen es zu akzeptieren und mehr Respekt vor dir selbst zu haben. Du bist mehr wert, du könntest was besseres haben."
„Granger..."
„Nein Malfoy, lass es. Sie muss es doch wissen oder? Sie muss doch merken, dass es nichts bringt an deinem Rockzipfel zu hängen. Es weiß doch jeder hier. Jeder. Ich wette selbst die Lehrer wissen es. Sie macht sich lächerlich damit. Und wofür? Nur um von dir wie Abschaum behandelt zu werden? Das bist du nicht Wert Malfoy."
„Granger übertreib es nicht."
„Warum? Weil du es nicht hören willst, dass du die Gefühle anderer Menschen verletzt? Sie ist deine Freundin oder nicht? Warum sagst du es ihr nicht auf humane Art und Weise. Warum stehst du nicht zu dem was du denkst und fühlst … stattdessen lässt du sie sich quälen…."
Hermione wollte noch weitersprechen, doch dann bemerkte sie wie Parkinson ihr gegenüber aufgesprungen war und aus der Halle stürmte. Dicht gefolgt von Bullstrode und Tracey.
Plötzlich fühlte sie sich elend. Sie hatte Parkinsons Gefühle wirklich verletzt.
„Ich muss dir wahrscheinlich nicht sagen, dass du zu weit gegangen bist.", meinte Daphne nach einer ganzen Weile.
„Nein musst du nicht, aber … sie hat es doch hören müssen. Es weiß doch jeder hier. Es ist lächerlich und es ist vor allem lächerlich, dass du es nicht unterbindest Malfoy. Das Mädchen kommt nie von dir los."
„Draco...lass mich...", setzte Daphne an. Sie wollte nicht noch mehr Streit und wenn Malfoy sprechen würde, nun es würde eskalieren. Schon wieder.
„Draco kann nichts für Pansys Verhalten. Er hat es ihr gesagt. Mehrfach. Immer und immer wieder. Er behandelt sie nicht immer gut, aber er verwendet zumindest nicht ihre Gefühle für ihn gegen sie. Pansy versteht es dennoch nicht. Und ich weiß nicht, ob deine Rede etwas geändert hat. Wenn es etwas geändert hat, dann … dann weiß ich dennoch nicht ob es richtig war. Ich hab sie noch nie so weinen sehen."
Hermiones Augen wanderten zu Malfoy, der stocksteif neben ihr saß und sich wahrscheinlich sehr unbehaglich fühlte. Sie fragte sich, ob es ihm unangenehm war, wenn Menschen etwas positives über ihn sagten, so wie Daphne gerade. War es für Slytherins eine Beleidigung? Sie schienen immerhin keinen Wert auf Nettigkeiten zu legen. Bis auf Daphne und Tracey vielleicht.
„Sie wird sich wieder beruhigen, nur … du solltest vorsichtig sein Granger."
Hermione nickte Nott nur zu, auch wenn seine Warnung sie erstaunte. Sie hatte nicht vor unvorsichtig Pansy gegenüber zu werden, aber von einem Slytherin gewarnt zu werden, sorgte definitiv dafür, dass sie sich mehr Sorgen machte als zuvor.
Tracey, Millicent und auch Parkinson fehlten in den nächsten Stunden. Hermione wurde ihre Abwesenheit immer deutlicher bewusst je weiter der Tag voranschritt.
In der letzten Stunde wurde ihr schon fast schlecht, als sie darüber nachdachte, dass sie daran Schuld war, dass die drei fehlten. Und diese Gedanken nahmen ihr ganzes Denken ein und ließen es nicht zu, dass sie sich auf den Unterricht konzentrieren konnte.
Und dann war da noch die Nervosität, die sie empfand je näher das Ende der Stunde rückte. Sie würde Parkinson bald wieder sehen und die Angst vor dem was kommen würde, spürte sie allzu deutlich. Sie hatte das Mädchen öffentlich gedemütigt und sie wusste, dass sie jegliche Rache verdient hatte, doch die Unwissenheit machte sie wahnsinnig.
„Soll ich mit ihr reden?"
„Was?", Hermione sah irritiert zu Malfoy herüber, der sie lange betrachtet hatte. Den ganzen Nachmittag über um genau zu sein.
„Du machst dir Sorgen wegen Pansy. Ich kann mit ihr reden. Sie würde nichts tun, was ich für nicht gut befinde."
„Damit würdest du genau das tun, was ich dir vorwerfe … du würdest ihre Gefühle ausnutzen."
„Also willst du lieber weiterhin kreidebleich vor dich hinstarren und den Unterricht ignorieren."
„Warum interessiert es dich überhaupt?"
Malfoy zuckte nur mit den Schultern und Hermione seufzte leise. Er verwirrte sie mit seinem Verhalten. Das alles verwirrte sie. Selbst ihr eigenes Verhalten verwirrte sie.
„Pans, jetzt reicht es aber."
Tracey sah hilfesuchend zu Millicent herüber, die einfach nur still dasaß. Seit Stunden, während Pansy vor sich hin jammerte.
„Merlin Millie, hilf mir doch."
„Was soll ich schon sagen?"
„Pansy, ich weiß du willst es nicht hören, denn wir haben es dir alle schon gesagt. Draco hat es dir schon gesagt. Sie hat Recht."
Pansy jammerte lauter.
„Es war nicht richtig wie sie es gesagt hat, aber du bist doch wirklich mehr wert als das. Du kannst ihm doch nicht ewig nach jagen und hoffen, dass aus euch etwas wird."
„Trace hat Recht, P. Er ist es nicht wert, dass du dich so fertig machst.", versuchte Millicent schließlich und Tracey sah dankbar zu dem Mädchen herüber.
„Ich liebe ihn aber."
„Nein Pans. Du liebst den Gedanken von euch Beiden als Paar, aber du liebst Draco nicht. Sei doch wenigstens ehrlich zu dir selbst."
„Was weißt du schon...du schleichst seit Jahren zu Nott ins Bett und was passiert? Nichts. Er will dich nicht. Er wird dich niemals so wollen."
Millicent verzog das Gesicht als sie zu Tracey herüber sah, doch die Blondine zuckte nicht einmal mit der Wimper.
„Der Unterschied zwischen mir und dir ist, dass ich weiß wie Theo für mich fühlt. Und das ich nichts für ihn empfinde. Wir haben Spaß und wir wissen es Beide. Du hingegen trauerst jemandem nach, der dich nie geliebt hat und nie lieben wird und den du selbst nicht liebst."
Pansy fauchte regelrecht, doch Tracey ließ sich nicht beirren.
„Lass ihn gehen Pans. Mach dich nicht noch unglücklicher. Was wenn du dadurch etwas wundervolles verpasst. Jemand wundervolles."
„Wen? Wer will mich schon Trace, wer?"
Traceys Augen wanderten zu Millie, doch diese blickte nur auf ihre Hände hinab, also sagte Tracey nichts und Pansy vergrub ihr Gesicht wieder in ihrem Kissen und begann herzzerreißend zu schluchzen. Nicht einmal ihre Freundinnen schienen jemanden zu kennen, der sie lieben könnte und das zerriss sie innerlich.
„Sie ist nicht einmal zum Abendessen erschienen."
„Hab ich mitbekommen."
„...ich mach mir Sorgen."
„Granger gib ihr Zeit. Du hast ihr ganz schön zugesetzt. Man muss schon sagen, du weißt wie man einem Mädchen das Herz bricht, alle Achtung."
Hermione bedachte Malfoy mit einem bösen Blick, während sie sich aus ihrer Uniform befreite. Es war seltsam wie sehr sie sich doch ständig stritten, aber wie normal es dann doch immer wieder wurde. Sie war noch immer wütend auf ihn, doch im Moment überwog das schlechte Gewissen Parkinson gegenüber.
„Ich versteh einfach nicht, wieso sie sich selbst so quält und dir nachrennt wie ein Hund."
„Das musst gerade du sagen."
„Bitte?"
„Wer ist den zur Furie geworden, als Wiesel mit Brown zusammen war."
Hermione zog eine Augenbraue hoch.
„Das war das Thema schlechthin, selbst bei uns Slytherins gingen die Wetten los wann du Brown umlegst."
„Das ist nicht dein Ernst."
„Mein voller Ernst. Ich weiß noch das Nott damals prophezeit hat, dass du und Wiesel es nicht lange machen werdet."
Hermione zuckte leicht zusammen. Man wettete an dieser Schule wohl viel und der Gedanke daran, dass sie Teil mancher Wetten war, fühlte sich einfach nur falsch an.
„Ich frage mich was sie jetzt wetten.", sagte sie schließlich und setzte sich auf das gemeinsame Bett.
„Was Nott und Zabini wetten ist klar, dass wissen wir Beide."
Hermione drehte sich der Magen um bei dem Gedanken, dass sowohl Zabini als auch Nott dachten, sie würde jemals mit Malfoy schlafen. Die zwei waren wirklich vollkommen übergeschnappt.
„Ich ziehe die Frage übrigens zurück, ich will es doch nicht wissen."
„Besser so."
Hermione hatte sich mittlerweile unter die Decke verkrochen, während Malfoy noch immer auf seiner Seite, an das Kopfende gelehnt, saß.
„Waffenstillstand bis die Sache mit Parkinson erledigt ist?"
„Uh huh.", brachte Hermione zwischen zwei Gähnern heraus.
Sie war schnell eingeschlafen und erst dann griff Malfoy nach ihrem Handgelenk und ließ seine Finger über die Narben gleiten.
