Kapitel 14:
Das ungewöhnliche an den kommenden Tagen war, dass nichts erwähnenswertes passierte. Es war als läge ein unausgeprochener Waffenstillstand zwischen den Schülern und keiner wagte es den fragilen Frieden zu gefährden.
Die Mahlzeiten verliefen ohne großartige Gespräche, ohne Klatsch und Tratsch und auch ohne Streitereien. Der Unterricht verging während die Schüler fleißig mitschrieben und lernten und auch die Freizeit war erfüllt von einer seltsamen Stille.
Hermione hatte es seit Tagen argwöhnisch beobachtet, doch sie zuckte lediglich mit den Schultern und nahm die Tatsache hin, dass einfach nichts geschah. Es war ihr lieber, dass sie in Frieden dem Unterricht folgen konnte und nachmittags mit Malfoy im Schlepptau in der Bibliothek saß und ihre Aufgaben erledigte, bevor sich die Schüler abends gemeinsam für einige Stunden in den Gemeinschaftsraum setzten.
Auch das Zusammenleben mit Malfoy hatte einen gewissen Rhythmus und war einfacher geworden und die Streitigkeiten hatten sich reduziert, doch sie wusste einfach nicht woran es lag. Es war ihre Art alles zu hinterfragen und dann Antworten zu erhalten, oder diese eben selbst zu finden, doch in dieser Situation traute sie sich nicht, denn egal wie neugierig sie auch war … der Frieden gefiel ihr. Es war eine willkommene Abwechslung zu all dem Trubel.
Erst am Freitagabend schien der kurze Frieden langsam zu bröckeln.
Hermione saß mit ihrem Rücken an einen großen Ohrensessel gelehnt auf dem Boden. Sie hatte ein Kissen in ihrem Schoß, worauf sie ein Buch platziert hatte und las darin, während Malfoy in dem Ohrensessel saß und sich mit Zabini unterhielt. Sie sprachen vom Quidditch Training, von dem Auswahl Verfahren für das neue Team und ihre Chancen auf den Pokal.
Nicht weit entfernt spielten Dean und Ernie Zauberschach – jedoch nicht so gut wie Harry und Ron es immer getan hatten – und Seamus kommentierte das Spiel, so als wolle er üben um ein genauso guter Kommentator zu werden wie Lee Jordan.
Neville saß auf der Fensterbank und machte einige Aufgaben, die er noch abgeben musste.
Wo der Rest war … nun ja sie waren einander ja keine Rechenschaft schuldig.
Hermione genoss die Stille und die Tatsache, dass sie sich zum ersten Mal seit langem auf einen Roman konzentrieren konnte, als sie plötzlich laute Stimmen von ihren Schlafzimmern aus vernahm. Sie hob als erstes den Kopf, doch bald sahen alle zu den Wendeltreppen und wirkten durchaus irritiert. Es dauerte nicht lange und eine wütend aussehende Parkinson kam die Treppe hinab und warf sich lautstark auf das Sofa direkt neben Zabini.
Hermione blickte zu der Slytherin, die wütend wirkte und ihre Arme vor der Brust verschränkte, während Zabini neben ihr nur leicht die Augenbraue hochzog.
„Was ist dir denn für eine Laus über die Leber gelaufen?", fragte der Dunkelhäutige Slytherin letztlich nach langem Schweigen und das Mädchen machte ein eher wenig mädchenhaftes, genervtes und gleichzeitig wütendes Geräusch, welches in Hermiones Ohren noch lange widerhallte.
Parkinson antwortete nicht, stattdessen lehnte sie sich zurück, ließ den Kopf gegen die Rückenlehne fallen und schloss ihre Augen. Verwundert schauten sich sowohl Malfoy als auch Zabini an bis sie sahen wie Tracey Davis den Gemeinschaftsraum betrat und ihre Arme vor der Brust verschränkte.
„Was ist los?", wieder war es Zabini der fragte.
„Was los ist? Dieses Mädchen ist wahnsinnig geworden. Hat mein halbes Zimmer verwüstet angeblich um etwas zu suchen was sie mir mal geliehen hat."
„Ich bin nicht wahnsinnig.", knirschte Parkinson.
„Ach nein? Du bist in mein Zimmer gestürmt wie ein aufgestachelter Troll und hast all meine Schubladen durchwühlt. Was hast du gehofft zu finden?"
Parkinson blähte ihre Wangen auf, doch sie sagte nichts und diese Tatsache war irritierender als alles andere.
„Das heißt, du hast nichts von ihr was sie suchen könnte?"
„Was sollte ich schon haben Blaise? Ihre Spitzenunterwäsche? Ich hab nichts von Pansy und ich weiß nicht was sie gesucht hat. Aber sie hat es nicht gefunden, sie wurde wütend und hat angefangen rumzubrüllen, dass alle ihr immer das Wegnehmen was ihr gehört."
Nicht nur Zabini sah zu Parkinson herüber. Alle Anderen taten es auch und als sie all die Blicke auf sich spürte, sprang die Slytherin auf.
„Du weißt genau was ich gesucht hab. Du bist eine solche Lügnerin. Lässt mich hier dastehen wie eine Idiotin. Erst macht Granger das und jetzt du … aber ich lass mich doch nicht von euch als Wahnsinnige bezeichnen.", brüllte sie regelrecht und Tracey zuckte kaum merklich zusammen, doch sowohl Zabini als auch Malfoy hatten es bemerkt. Ja selbst Hermione hatte gesehen wie sie einen kurzen Augenblick die Beherrschung über ihre Mimik verloren hatte.
„Was hast du gesucht?"
„Beweise.", knirschte Parkinson schließlich und der Blick, den sie damit bei Tracey hervorrief war überrascht.
„Wofür?"
„Wenn du es selbst nicht weißt dann …", Parkinson zuckte nur mit den Schultern und ließ sie alle verdutzt im Gemeinschaftsraum sitzen.
Hermione zog ihre Augenbrauen zusammen, ehe sie zu Malfoy herüber sah, der ebenso irritiert wirkte, wie sie sich fühlte. Aber nicht nur sie und er waren verwirrt, auch Zabini wirkte absolut perplex und von Tracey sollte man wohl gar nicht sprechen, denn die war mittlerweile zum Sofa geschritten und hatte ihre Hände auf die Lehne gelegt. Sie wirkte kraftlos, so als benötigte sie diesen Halt.
An diesem Abend sprach man nicht mehr über Parkinsons Ausbruch, doch es wäre gelogen, wenn man sagte, dass keiner mehr daran dachte. Jeder dachte für sich darüber nach und schwieg.
Als Hermione und Malfoy sich letztlich abends in ihr Zimmer zurückzogen, seufzte die Brünette und entledigte sich ihrer Schuluniform. Sie warf sich ein übergroßes Shirt und stieg auf das gemeinsame Bett, während Malfoy sich beinahe kraftlos auf ihre Bettseite setzte und den Kopf schüttelte.
Hermione sah zu ihm herüber und runzelte die Stirn bei diesem Anblick. Er hatte es gerade mal geschafft sein Hemd aufzuknöpfen und die Krawatte zu lockern.
„Denkst du über Parkinson nach?"
Malfoy nickte so leicht, dass Hermione sich nicht sicher war, ob sie es sich nicht vielleicht doch einbildete.
„Hast du eine Vermutung worum es geht?"
„Es spielt keine Rolle, worum es wirklich geht."
„Was spielt dann eine Rolle?"
„Das sie paranoid wird. Schon wieder. Was auch immer sie vermutet, was auch immer sie als Beweis sucht existiert nicht."
„Wie kannst du dir da so sicher sein?"
„Weil du sie in diese Paranoia geworfen hast."
Hermione schwieg und runzelte die Stirn nur noch mehr.
„Aber nur weil ich eventuell paranoide Gedanken in ihr geweckt habe, bedeutet ja nicht, dass diese nicht wahr sein können."
„Traust du Tracey zu, dass sie Pansy auf irgendeine Art und Weise hintergeht?"
Hermiones Blick glitt zu ihren Händen, die in ihrem Schoß langen und sich in ihr Shirt krallten.
„Nein."
„Na also. Ich weiß ihr haltet nichts von Slytherin Freundschaften und ich weiß ihr Gryffindors seid so überheblich, dass ihr denkt, wir sind zu nichts anderem als Hinterlist fähig, aber wir können echte Freunde sein. Tracey ist eine wahre, echte Freundin und sie würde Pansy niemals wirklich weh tun."
„Manchmal tun wir Dinge … die wir gar nicht tun wollen.", brachte Hermione langsam, gestreckt hervor und Malfoy sah zu ihr herüber. Er bedachte sie mit einem so durchdringendem Blick, dass sie unter seinem Blick unruhig wurde. Erst als er seinen Blick wieder abwendete, gelang es ihr auszuatmen.
Malfoy entkleidete sich weiter und begab sich auf seine Seite des Bettes. Sie sprachen danach auch nicht mehr miteinander und wenn Hermione ehrlich war, dann war ihr das durchaus Recht so.
Es war mitten in der Nacht, als Hermione wegen einer Bewegung neben ihr wach wurde. Sie war noch zu verschlafen und müde um die Augen zu öffnen, aber sie bemerkte durchaus, dass ihr unfreiwilliger Bettgefährte sich aufsetzte. Sie wollte die Decke gerade enger um sich schlingen, als ihr etwas seltsames auffiel. Sie hörte nichts. Nicht einmal das Rascheln der Bettlaken. Kein Ticken der Uhr. Kein Atmen. Nichts.
Hermione war so irritiert von dieser Erkenntnis, dass sie sich doch wagte ein Auge langsam zu öffnen und was sie erblickte ließ sie die Augen sofort wieder zukneifen.
Malfoy saß aufrecht auf seiner Bettseite und neben ihm auf dem Bett saß Tracey Davis. Hermione hatte sie sofort erkannt und sie würde sich sonst wohl nicht viel dabei denken – auch wenn es mitten in der Nacht war – aber Malfoy hatte Traceys Wange berührt und das Mädchen hatte ihren Oberkörper in seine Richtung vorgelehnt. Was folgen würde, wollte Hermione sich gar nicht ausmalen.
Und bei dieser Erkenntnis begann ihr Kopf auf Hochtouren zu arbeiten. Sie verstand plötzlich was Parkinson gesagt hatte. Sie entlarvte Malfoy als Lügner und Tracey als schlechte Freundin. Sie schloss aus diesem kurzen Anblick genau das, was auch Parkinson wohl ahnte und es ließ ein bitteres Gefühl in Hermione zurück und zum ersten Mal wollte sie Partei für Parkinson ergreifen. Zum ersten Mal hatte sie das Gefühl, dass man dem Mädchen übel mitspielte und hinter ihrem Rücken Geheimnisse hatte nur weil man ihr nicht zutraute es zu verkraften.
Aber nicht nur dieses bittere Gefühl belastete ihr Gemüt. Sie war außerdem wütend. Natürlich nur weil Malfoy Damenbesuch hatte während sie neben ihm schlief. Natürlich lag es nur daran und an nichts anderem. Und dennoch war diese Wut so enorm, dass es sie beinahe zittern ließ.
Und da beschloss sie so zu tun, als würde sie langsam wach werden, dann würde Tracey schon gehen aus Angst erwischt zu werden und Hermione konnte in der Nacht darüber nachdenken, was sie mit all diesen Erkenntnissen machte. Die Brünette seufzte, bewegte sich etwas mehr auf ihrer Seite und begann dann so gut es ging zu schauspielern. Und es schien zu wirken, denn nach nur wenigen Augenblicken spürte sie wie Malfoy sich bewegte und wieder neben ihr im Bett lag. Sie wagte es nicht die Augen zu öffnen und nachzusehen ob Tracey noch bei ihm war.
Letztlich war es nicht von Bedeutung, denn egal ob sie da war oder nicht, schlafen würde sie sowieso nicht können. Der Gedanke, dass Tracey sich vielleicht schon seit Tagen zu ihnen schlich, ließ sie nicht wieder einschlafen und sorgte außerdem dafür, dass ihr übel wurde.
Sie verfluchte Malfoy lautlos.
„Um Merlins Willen Granger, was ist denn mit dir passiert?", fragte Zabini, als sie sich ihm gegenüber an den Frühstückstisch setzte.
Es war Samstag Morgen und die Schüler neigten länger zu schlafen und das Frühstück auszudehnen. Dennoch war die große Halle mittlerweile schon fast wieder leer, nur vereinzelt saßen noch Schüler an den Tischen. Ihre Mitschüler jedoch saßen beinahe vollzählig am Slytherintisch und genossen die Mahlzeit, die man schon eher als Brunch bezeichnen konnte.
„Sympathisch Zabini, wenn du mir jetzt noch sagen würdest was du meinst, dann wäre mir sehr geholfen.", Hermione knirschte. Sie wusste genau worauf er anspielte, doch sie tat so als wüsste sie es nicht. Nun ja sie versuchte es.
„Du hast Augenringe, die selbst für dich ein Rekord sein dürften. Deine Haare stehen noch mehr zu Berge als sonst und sag mal … hast du dein Shirt falsch rum an?"
Hermione sah an sich hinab und rollte dann mit den Augen. Das hatte sie natürlich nicht bemerkt. Wer zog ein Shirt verkehrt herum an und bemerkte es nicht? Malfoy hatte auch nichts gesagt, die Augenringe und Haare jedoch hatte er sehr wohl kommentiert.
„Ich hatte eine … schwierige Nacht.", sagte sie dann nur und goss sich zügig eine Tasse Kaffee ein.
„Hat Draco dich wach gehalten ja?", grinste Zabini nun dreckig und auch Nott wurde hellhörig.
„Worum geht es?", fragte Tracey, die in diesem Moment auftauchte und sich zwischen Nott und Zabini quetschte. Sofort verfinsterte Hermiones Blick sich, doch sie überspielte es in dem sie ihren Kaffee mit Zucker versetzte.
„Ach nur das Granger eine lange Nacht hatte, was darauf hindeutet, dass Draco sie lange wach gehalten hat."
„Ach ja?"
„Lass es.", zischte Hermione plötzlich.
Zabini sah sie irritiert an und auch Tracey blickte zu ihr herüber. Parkinson, die sich bis zu diesem Moment herausgehalten und mit Millie gesprochen hatte, drehte ihren Kopf nun auch interessiert in die Richtung von Hermione.
„Was meinst du genau?", fragte Zabini und Hermione biss sich auf die Unterlippe. Sie hatte sich versprochen nicht mehr so impulsiv zu sein und Streit zu meiden, denn sie hatte den Waffenstillstand und die Stille genossen, doch allein Traceys Art und Weise brachte sie dazu wütend zu werden.
„Zumindest mein ich nicht dich Zabini, aber diese scheinheilige Frage von Miss Blondie muss wirklich nicht sein."
Der Blick von Tracey war schon beinahe lustig, doch Hermione war nicht nach Lachen zu Mute.
„Was hab ich dir denn getan?", fragte Tracey irritiert. Sie war sichtlich erstaunt und ließ deswegen ihren Becher mit Kaffee sinken.
„Tu nicht so."
„Fängst du schon an wie Pansy oder was ist mit dir los?", fragte Tracey irritiert und Hermione spürte wie die Wut in ihr zu lodern begann. Sie sah zu Parkinson herüber, die genauso neugierig wirkte wie so manch andere Person an dem Tisch. Hermione fing ihren Blick eine Sekunde lang auf und für diesen einen Moment schenkte sie der Slytherin all ihr Mitgefühl, ehe sie sich wieder auf Tracey konzentrierte.
„Du stempelst Pansy als paranoid ab, genauso wie der gute Malfoy neben mir.", sie nickte zu ihrem unfreiwilligen Zimmergenossen und ihr Blick verfinsterte sich. Natürlich war dennoch niemandem entgangen, dass sie Parkinson beim Vornamen genannt hatte. „Dabei seid ihr Beide Schuld an ihrem Verhalten. Es wundert mich nicht, dass sie euch nun misstraut. Es ist eine Unverschämtheit, dass ihr Beide so tut als wäre nichts und sie dastehen lasst als wäre sie verrückt."
„Granger..."
„Nichts Granger. Merlin steh mir bei, sonst verhexe ich dich doch noch du elender Frauenheld. Du sagst zu mir noch, dass Tracey Pansy niemals hintergehen würde, da sie eine wahre Freundin ist und was sehe ich mitten in der Nacht als ich wach werde? Tracey Davis. Super Freundin."
Hermione wusste nicht, warum sie neuerdings Streitigkeiten immer in der Gruppe klärte, aber es schien zur Gewohnheit zu werden. Das Bloßstellen vor Anderen schien auf sie abzufärben und sie fühlte sich elend deswegen, doch sie war auch immer noch sehr wütend auf Tracey. Auf Malfoy. Auf alle hier. Bis auf Parkinson. Die tat ihr unendlich leid.
Es war ganz still geworden und Hermione sah zu Parkinson herüber, die sie nach einiger Zeit ebenso ansah. Ein gequältes Lächeln huschte über ihre Lippen und irgendwie sah sie beinahe dankbar aus. Hermione fühlte sich dennoch elend.
„Ihr denkt beide ...", Tracey begann langsam zu sprechen und als Hermione zu ihr sah und sie bemerkte wie die Blondine zu Malfoy herüber blickte, war da wieder dieses schreckliche Gefühl in ihrer Magengegend, welches sie kaum zuordnen konnte.
Und plötzlich lachten Beide. Malfoy und Tracey.
„Was ist daran so witzig?"
„Granger, du bist wirklich eine geborene Komikerin.", brachte Malfoy hervor, auch wenn es ihm durch das schallende Lachen schwer fiel. Hermione hatte ihn noch nie so lachen hören und irgendwie klang es nicht richtig in ihren Ohren.
„Sie war bei uns im Zimmer."
„Das stimmt.", gluckste die Blondine und strich sich einige Tränen aus dem Gesicht, die sie vor Lachen zu vergießen begonnen hatte.
„Und ihr habt mich verhext, damit ich euch nicht höre.", fuhr Hermione fort und Malfoy nickte und versuchte sich zu beruhigen, was ihm nur langsam zu gelingen schien.
„Was du gesehen hast, oder glaubst gesehen zu haben, ist nur die halbe Geschichte Granger."
„Und was ist die Ganze?"
„Jeder hat seine Geheimnisse und Davis und ich haben unsere, aber was ich dir … und auch dir Pansy, sagen kann ist, dass Davis die letzte Frau wäre mit der ich in die Kiste spränge."
Tracey verzog das Gesicht theatralisch. „Danke Draco, ganz meinerseits.", brachte die Blondine gespielt empört hervor.
„Also mich würden die Geheimnisse auch brennend interessieren Mann.", gab Zabini nun grinsend hinzu und stützte sein Kinn auf seiner Handfläche ab, worauf Tracey ihn nur mit dem Ellenbogen anstieß. Und während Zabini, Nott, Tracey und Malfoy über das so genannte Geheimnis sprachen, sah Hermione zu Parkinson herüber und genau wie sie, wirkte diese nicht wirklich überzeugt. Auch in ihrem Gesicht sah man Misstrauen, aber man sah auch die Kränkung, denn man hatte über sie Beide gelacht. Über die fixe Idee, die Beide hatten. Parkinson hielt Hermiones Blick und für den Bruchteil einer Sekunde nickten sie sich zu und es war als würden sie sich gegenseitig versprechen das Geheimnis zu lüften und dann brach der Blickkontakt und der Moment war verflogen.
„Also siehst du so elend aus, weil du gedacht hast die zwei vögeln direkt neben dir?", brachte Zabini nach einer gefühlten Ewigkeit hervor.
Hermione verschluckte sich an ihrem Kaffee und das erheiterte Zabini ungemein.
„Also ich weiß nicht, wieso du das so lustig findest. Ich finde diesen Gedanken anstößig und … würdest du das wollen?", fragte sie schließlich.
Zabini lachte schallend, ehe er mit den Schultern zuckte.
„Du weißt, dass wir uns schon immer einen Schlafsaal geteilt haben? Ich habe Draco schon mehrfach beim Sex erwischt. Ich habe ihn so manche Nächte gehört und getan als würde ich schlafen. Bei Merlins Bart, ich kann nun wirklich nicht sagen, dass es mich noch stören würde."
Hermione verzog angewidert das Gesicht.
„Blaise du redest mit der heiligen Jungfrau Gryffindors, wie kannst du es wagen über Sex zu sprechen?", spöttelte Malfoy und Hermiones Ohren wurden rot.
„Ich vergaß...wie konnte ich nur.", grinste der Slytherin und beide feixten.
„Lasst sie ihn Ruhe.", sagte Parkinson plötzlich zu Hermiones Erstaunen.
„Sie ist wie sie ist und sie damit aufzuziehen ist nicht gerade erwachsen."
Beide Slytherins waren verstummt und Hermione sah dankbar zu dem anderen Mädchen herüber, doch diese hatte sich wieder Millie gewidmet.
Vielleicht war es möglich für Beide irgendwann miteinander auszukommen, dachte Hermione als sie den letzten Schluck ihres Kaffees zu sich nahm.
„Du strafst mich wieder mit Schweigen.", murrte Malfoy als er in das warme Wasser glitt.
„Du strafst mich mit deiner Anwesenheit, deinen Unverschämtheiten, deinen Anzüglichkeiten und dann noch mit diesen dreisten Lügen."
Hermione hatte keine wirkliche Lust mit Malfoy zu sprechen. Sie hatte dem heißen Bad nur aus einem Grund zugestimmt, sie wollte sich entspannen. Doch wenn er dabei mit ihr reden wollte, würde es mit der Entspannung nichts werden.
„Lügen?"
„Als ob ich dir das glaube, dass du und Tracey nichts miteinander habt."
„Warum würde es dich überhaupt stören? Und sag nicht wegen Pansy, weil wir wissen Beide es könnte dich nicht weniger interessieren."
„Und ob es mich wegen ihr stören würde. Ihr habt sie beide dastehen lassen, als wäre sie eine paranoide, eifersüchtige und wahnsinnige Idiotin, dabei spielt ihr ihr Beide etwas vor. Ihr … widert mich an."
Und ganz plötzlich kam er ihr nah, zwang sie dazu sich gegen den Wannenrand zu drücken, damit sie sich nicht doch noch berührten bei der Nähe, die er zu ihr aufnahm.
„Wie wäre es wenn du dir einfach eingestehst, warum es dich stört."
„Ich weiß immer noch nicht wovon du sprichst."
Malfoy löste eine seiner Hände, die er neben ihrem Körper an der Wand der Badewanne positioniert hatte, und umfasste mit Daumen und Zeigefinger ihr Kinn und sorgte dafür, dass sie zu ihm aufsah.
„Das es dich stören würde, wenn ich mir ein Mädchen ins Bett hole, wo ich doch dich dort liegen hab."
Hermiones Herz machte einen Satz bei dieser Aussage und die Art und Weise wie seine nassen Finger sich auf ihrer Haut anfühlte, ließ sie rot werden. Sie war sonst so redegewandt und ihr Verstand war schon immer ihre stärkste Waffe gewesen, doch diesmal hatte er sie vollkommen entwaffnet und das nicht nur mit seinen Worten, sondern auch mit der Berührung und der Nähe. Und die Tatsache, dass er ihr so nahe war, machte sie mehr als nur etwas nervös, denn immerhin war er genau wie sie unbekleidet.
„Du bist … wahnsinnig geworden.", brachte sie eher schlecht als recht hervor und das wiederum ließ ihn leicht grinsen. So selbstsicher. Sie wollte ihm dieses Grinsen am liebsten aus dem Gesicht fegen.
„Genau wie du. Beinahe rasend vor Eifersucht."
Sie weitete ihre Augen als er sie als eifersüchtig bezeichnete, doch auch das ließ ihn nur noch mehr grinsen.
„Ich bin nicht ...", begann sie, doch er schüttelte nur den Kopf und sie stoppte.
„Zwischen mir und Tracey ist wirklich nichts. Es ist mir egal was Pansy glaubt, oder die Anderen. Ich will nur, dass ...", er hielt inne und schüttelte den Kopf.
Hermione spürte wie ihr Herz begann zu flattern bei dem Gedanken wie der Satz hätte lauten können, wenn er ihn ausgesprochen hätte. Ich will nur, dass du es weißt, sagte sie zu sich selbst und stellte sich vor wie er es sagte und allein das ließ ihre Wangen noch mehr erröten.
Wann war das alles genau passiert?
Sie wurden bestimmt einfach nur verrückt, weil sie Tag und Nacht aneinander hingen. Es war wie ein Tanz zwischen ihnen – erst stritten sie sich, dann kamen sie sich näher, dann neckten sie sich und dann trieben sie sich wieder in den Wahnsinn. Und dann gab es diese Momente wo Malfoy sie entwaffnete. Es gab die Momente, in denen er Dinge sagte, die sie rot werden und Bilder in ihrem Kopf erscheinen ließen.
Und dennoch, als sie den unvollendeten Satz wieder und wieder im Geist wiederholte, fühlte sich ihr Inneres an wie Sprudel, dass man mit Brausepulver versetzte. Es zischte, fizzelte und kribbelte und es hörte nicht auf damit.
„Du hast sie an der Wange berührt.", sagte Hermione schließlich. Schwach und es klang noch eifersüchtiger als zuvor schon.
„Ich wollte sie trösten.", gab er langsam zu, so als wisse er nicht wie viel er sagen konnte und durfte.
„Ihr trefft euch heimlich, während ich schlafe...", gab sie dennoch bestimmt von sich. So als wäre es das Totschlagargument. So als könne er darauf nichts erwidern.
Und es schien einen langen Moment so als könne er es wirklich nicht, denn er schwieg beharrlich.
Sie war enttäuscht nichts mehr von ihm zu hören, aber auch überzeugt davon die Wahrheit zu kennen, denn er leugnete nicht mehr. Hermione legte ihre Hände auf seine Brust um ihn wegschieben zu können, als sie spürte wie er mit seinen Fingern mehr Druck an ihrem Kinn ausübte und sie zu sich heran zog.
Und das Brausepulver in ihrem Inneren begann von neuem zu kribbeln.
