Kapitel 15:
Ihre Gedanken waren überall und nirgends zugleich. Sie rasten und irgendwie standen sie dennoch still. Die ganze Situation war ein Paradoxon in sich.
Sie war in der Badewanne. Mit Draco Malfoy. Nackt. Und er küsste sie.
Allein der Gedanke sollte Widerwillen in ihr auslösen, doch die Realität bewies, dass dem nicht so war. Im Gegenteil Hermione bemerkte wie ihre Mauern durch den Kuss in sich zusammen fielen.
Hermione sollte sich schlecht fühlen, denn letztlich ließ sie sich von Malfoy küssen und das obwohl sie Parkinsons Gefühle vor allen anderen Schülern verteidigt und Tracey Davis öffentlich angegriffen hatte. Nun war sie die jenige, die mit ihm zusammen im Wasser saß und sich von ihm küssen ließ und nichts dagegen unternahm, doch ihr Gehirn wollte einfach nicht mehr normal arbeiten. Im Gegenteil, es verabschiedete sich von seinen üblichen Funktionen und ließ eine Hermione zurück, die von ihren Instinkten gesteuert wurde.
Ein Seufzen verließ ihre Lippen, als sie die Finger seiner anderen Hand in ihren Haaren spürte. Seine Finger verfingen sich regelrecht in ihren wilden Locken und zogen ihr Gesicht näher zu seinem Gesicht heran, während der Daumen seiner anderen Hand behutsam über ihre Wange streichelte. Es war eine beruhigende Geste, die sie so überraschte, dass sie einen erstaunten Laut von sich gab … der jedoch kaum zu hören war, immerhin lagen seine Lippen noch immer auf ihren.
Hermiones Finger, die noch immer auf seiner Brust lagen – immerhin hatte sie ihn von sich schieben wollen - , glitten nun über seine Brust nach oben und ihre Arme schlangen sich um seinen Hals. Ihre Finger fuhren dabei über seinen Nacken, was ihm ein leicht atemloses, wohliges und dunkles Brummen entlockte. Allein dieses Geräusch, welches er von sich gab schickte Hunderte von Impulsen durch ihren Körper und ließ sie erzittern. Und das wiederum blieb nicht unbemerkt. Er grinste in den Kuss hinein, was sie natürlich wahrnahm.
Der Kuss endete mit einem unzufriedenem Seufzen beiderseits, ehe sie hastig nach Luft japsten. Die Magie des Augenblickes war noch nicht verflogen und noch immer war ihr Verstand wie benebelt, weswegen sie ihn nicht wegschob, als seine Lippen ihre Wange streiften. Im Gegenteil, es ließ ihr Herz höher schlagen und ihren Körper so erhitzen, dass sie – wenn sie es nicht besser wüsste – glauben würde sie wäre fiebrig. Seine Lippen erreichten ihre Ohrmuschel und als sie sich leicht teilten um sanft an ihrem Ohrläppchen zu ziehen, zog es mindestens ebenso intensiv in ihrem Unterleib.
Hermione hatte ihren Kopf instinktiv leicht schief gelegt und als er seinen Mund über ihren gereckten Hals wandern ließ, erzitterte die Brünette leicht. Ein sanftes Wimmern kam über ihre Lippen und bei diesem Geräusch, bewegte Malfoy seine Lippen zurück über ihre Wange zu ihrem Mund.
Hermiones Finger klammerten sich nun schon beinahe an seinem Nacken fest und Malfoy ließ seine Zunge über ihre Unterlippe wandern, bis sie ihre Lippen für ihn teilte und er seine Zunge hindurch schieben konnte. Es war ein Kuss, der sie absolut entwaffnete und für einige Momente vergaß sie sogar wer er war. Sie genoss es nur …
… und dann bewegte er sich zu sehr auf sie zu, ihre Körper berührten sich und alle Alarmsignale in ihrem Körper und ihrem Kopf sprangen an.
Sofort hatte sie die Augen geöffnet, ihre Finger hatten sich von seinem Nacken gelöst und wieder zu seiner Brust gefunden. Sie drehte ihr Gesicht weg und schob Malfoy von sich. Noch immer atemlos, erhitzt und durchaus erregt von dem Kuss, biss sie sich auf ihre Unterlippe, als sie Abstand zwischen ihnen schaffte. Und sobald der Abstand gewonnen war, schaltete sich auch ihr Verstand wieder ein. Zwar noch nicht vollständig, und nur sehr langsam, aber ihr Gehirn funktionierte wieder gut genug um zu wissen, dass sie Malfoy geküsst und es genossen hatte. Sie wusste außerdem, dass sie es wieder tun wollte und das sie eigentlich ein schlechtes Gewissen haben sollte.
So weit war sie jedoch noch nicht.
Sie spürte seinen Blick auf ihr und die Gryffindor nahm all ihren Mut zusammen um ihn anzusehen und als ihre braunen Augen auf seine sonst so eisigen Augen trafen, nahm es ihr den Atem.
Malfoys Augen waren dunkler geworden. Sehnsüchtig. Und sie war sich sicher, dass in ihren Augen genauso viel Erregung wie in seinen zu lesen war. Und dennoch hatte sie es beenden müssen. Es war nicht richtig.
„Wir sollten ...", begann sie langsam und Malfoys Daumen glitt zu ihren Lippen, um sie am Reden zu hindern. Seine Hände lagen immer noch auf ihrer Haut und sie war kurz davor ihre Hände zu heben und seine Handgelenke zu umfassen nur damit sie seine Hände wegziehen konnte, doch es wollte ihr einfach nicht gelingen. Zu sehr genoss sie diese Berührung. Und er löste sich auch noch nicht von ihr. Im Gegenteil, sein Daumen strich noch einige Augenblicke gedankenverloren über ihre Unterlippe und das Prickeln und Zischen in ihrem Körper ließ sie wieder leise Seufzen.
Und dann ließ er von ihr ab, bewegte sich auf seinen ursprünglichen Platz zurück und Hermione spürte wie sich eine seltsame Mischung aus Erleichterung, Enttäuschung und Frustration breit machte. Und ehe sie vielleicht doch noch etwas sagen würden, was den Augenblick zerstören könnte, tauchte sie unter und hoffte das das Wasser diese Gedanken und Gefühle wegzuspülen vermochte.
Da es Samstag - der unausgeprochene Waffenstillstand jedoch sehr brüchig geworden – war, verbrachten die meisten Schüler ihre Zeit allein. Oder in kleineren Gruppen. Hermione hatte gehofft etwas Ablenkung zu finden, doch letztlich verbrachte sie ihren Samstag Mittag mit Malfoy auf den Ländereien. Besser gesagt auf seinem Besen.
Als er sie nach ewig langem Schweigen gefragt hatte, ob sie etwas dagegen hatte, wenn sie gemeinsam flogen, war es ihr einfach unmöglich gewesen nein zu sagen. Und das obwohl sie sich sicher war, dass die Nähe sie umbringen würde.
Sie wusste nicht wo Zabini oder Nott waren. Es wäre durchaus angenehm gewesen, wenn sie da wären, um Malfoy abzulenken und ihr damit mehr Freiraum zu verschaffen.
Da sie aber nicht da waren, saß sie auf Malfoys Besen und dieses Mal hatte er sich hinter sie gesetzt, seine Arme streckten sich an ihr vorbei nach vorne und hielten den Stiel fest. Hermione spürte wie es wieder in ihrem Bauch zu Kribbeln begann, immerhin saß er direkt an ihren Rücken gepresst, seine Arme berührten ihre Seiten und seine Hände lagen zwischen ihren Beinen. Zwar hielten seine Hände dort nur den Besen fest, sie waren ihr aber dennoch so nahe, dass sie das Prickeln kaum ignorieren konnte, welches er verursachte.
„Wir müssen alles testen, bald beginnt das Auswahlverfahren und ich muss herausfinden wie ich am besten mit dir zusammen fliegen kann.", sagte er an sie gerichtet und so nah an ihrem Ohr, dass es sie erschaudern ließ.
Es war als wollte er sie provozieren. Als wollte er eine ähnliche Situation wie in der Wanne heraufbeschwören. Nur diesmal schien es, als wollte er sehen, ob sie den ersten Schritt machen würde, wenn er sie nur lang genug ärgerte.
Würde sie nicht. Bestimmt nicht.
Hermione hatte sich fest vorgenommen nicht noch einmal so leichtfertig auf die Attraktivität des Slytherins reinzufallen und sich in seine Arme zu werfen. Sie brauchte diese Ablenkung nicht und sie wollte nicht nur eine weitere Kerbe in seinem Bettpfosten sein. Sie hatte ein Ziel und sie wollte dabei keine Umwege machen. Auch wenn er ein möglicher Umweg wäre.
„Ich glaube ja, dass diese Position eher ungünstig zum Fliegen sein wird.", sagte sie schließlich. Ihre Stimme wirkte rau und atemlos, doch sie war froh, dass sie überhaupt etwas hervorgebracht hatte. Er sollte nicht zu sehr mitbekommen, wie sehr er sie irritierte. Was für eine Wirkung er auf sie hatte.
Und dennoch gluckste er leise, so als wisse er genau was in ihrem Kopf vorging, und stieß sich mit beiden Füßen vom Boden ab.
Sie gewannen schnell an Höhe und da Hermione ihr Gesicht diesmal nicht an seinen Rücken lehnen konnte, war sie gezwungen zuzusehen wie sie immer höher flogen und das Schloss, die Ländereien mit dem Wald und dem See, langsam unter ihnen kleiner wurden.
Wie auch beim letzten Mal, machte er keine schwierigen, schnellen Manöver. Im Gegenteil er flog langsame Kreise über dem Schlossgelände und ließ den Wind durch ihre Haare fahren. Das Wetter war noch immer erträglich, es war weder zu kalt noch zu warm und so war der Wind keineswegs unangenehm. Im Gegenteil, Hermione genoss die Brise in ihren Haaren und wie diese ihren Hals und ihren Nacken kitzelten, wenn sie wegen dem Wind über ihre Haut streichelten.
Sie zogen schon seit einer ganzen Weile diese trägen Kreise über dem Gelände, als Malfoy seinen Kopf herumdrehte. Es kam jemand auf sie zugeflogen und er schien wissen zu wollen wer. Er erkannte Zabini und als dieser kurz vor ihnen stoppte, drehte auch Hermione ihr Gesicht zu ihm herum. Sie sah den Slytherin an, während sie den Besenstiel enger mit ihren Fingern umschloss. Unerklärlicherweise bereitete es ihr mehr Angst, wenn Malfoy auf dieser Höhe stoppte, als wenn er einfach weiter fliegen würde. Die Höhe wirkte so nur beängstigender auf sie. Sie versuchte einfach nicht hinab zu schauen auch wenn es unmöglich zu sein schien.
„Gewöhnst du sie an die Höhe? Oder wieso fliegst du wie eine blinde Oma?",stichelte Zabini.
Hermione schnappte nach Luft und wollte am liebsten ansetzen um ihm etwas um die Ohren zu hauen, doch Malfoy war schneller.
„Nennt sich Gewöhnungsphase Blaise, nicht das du sowas kennst. Aber ich bin mir sicher, dass sie einem Wettrennen zustimmen würde. Alleine schon um dir zu beweisen, dass sie mutiger ist als du glaubst."
Malfoy hatte Recht. Sie nickte eifrig, denn sie würde sich von Zabini definitiv nicht als feige bezeichnen lassen. Ja Höhen machten ihr Angst, denn sie waren unberechenbar. Alles was unberechenbar war machte ihr Angst. Aber sie war nicht feige und sie hatte sich bisher nur selten vor Herausforderungen gedrückt.
Und dennoch – egal wie mutig sie erscheinen wollte und wie sehr sie es Zabini auch beweisen wollte – rumorte es ganz fürchterlich in ihrem Magen, als sie die freudige Erwartung in Zabinis Gesicht las. Er hatte angenommen und das mulmige Gefühl in ihrem Bauch verriet ihr, dass sie es nun langsam begriff.
Sie würde dieses Wettrennen mitfliegen müssen.
Malfoy und Zabini vereinbarten eine Strecke, während Hermione versuchte ihre Gesichtfarbe unter Kontrolle zu bekommen. Es gelang eher schlecht als recht und als die beiden Slytherins sich in Startposition begaben – klammerte sie sich fester an den Besenstiel.
Der Startschuss ertönte durch Magie und die beiden Slytherins schossen durch die Luft, als würde ihr Leben von einem Sieg abhängen. Hermione konnte nur ahnen wie viel ihnen das Gewinnen wohl wirklich bedeutete. Sie wusste, dass Erfolg, Siege und Anerkennung für das männliche Geschlecht einen gewissen Stellenwert hatte. Nicht das Frauen weniger erfolgreich sein wollten, oder weniger gerne gewannen, aber es schien als würden Männer die Qualität ihres Lebens daran messen. Und sie hatte es Jahre lang beobachtet, wie Ron immer wieder Harry um seinen Erfolg und Ruhm beneidete. Nicht nur ihn, auch seine Brüder hatte er immer beneidet. Aber nicht nur Ron schien so zu denken, sie hatte diese Rivalität unter Jungen und Männern schon des häufigeren erlebt und nun spürte sie diese so deutlich zwischen Zabini und Malfoy aufflammen, wie sie sonst nur die eigene Vorfreude beim Kauf eines neuen Buches verspürte.
Es war beinahe greifbar.
Hermione hatte Mühe sich festzuhalten und dabei nicht zu schreien, denn immer wieder hatte sie das Gefühl, das Malfoys Manöver übertrieben waghalsig und aufschneiderisch waren. Einen Moment lang dachte sie sogar, er würde sie gegen einen Baum fliegen, doch er lenkte in letzter Sekunde höher und bald war Zabini ein ganzes Stück hinter ihnen. Sie wusste nicht, ob er es getan hatte um ihn geschickt abzuhängen, oder ob er beeindrucken wollte. Letztlich war es ihr auch egal, solange er sie nicht in die Bäume hinein manövrierte.
Der Vorsprung erfreute Malfoy. Sie konnte sein Grinsen regelrecht sehen und das obwohl sie keine Augen im Hinterkopf hatte. Aber nicht nur ihn freute es, auch sie freute sich, dass sie vorne lagen. Zabini war überheblich gewesen und hatte es ihr nicht zugetraut dieses Rennen mitzufliegen. Er hatte einen Dämpfer verdient und sie wollte ihm diesen gerne verpassen. Mit Malfoy zusammen. Es würden ihren Tag definitiv um einiges aufwerten.
Es waren nur noch wenige Meter vor ihnen und sie war sich sicher, dass sie gewinnen würden, doch durch das festkrallen am Besenstiel verkrampften ihre Finger sich letztlich und glitten vom Holz des Besens ab. Ein erstickter, erstaunter und leicht panischer Laut entfuhr ihr und für eine Sekunde sah sie sich schon hinabstürzen.
Doch Malfoy hatte schneller als sie Blinzeln konnte, einen seiner Arme um ihre Taille geschlungen und hielt sie fest an sich gepresst. Er musste das Tempo drosseln, denn sonst würde ihm das Lenken des Besens nicht mehr gelingen. Sie waren zu zweit auf dem Besen und das schien ihn vollste Konzentration zu kosten und damit auch all sein Geschick. Das schien er mit einer Hand nicht zu können.
Und damit gewann Zabini doch noch.
„Es tut mir Leid."
„Muss es nicht.", sagte er kurz angebunden und Hermione hatte umso mehr das Gefühl sie müsse sich entschuldigen.
Sie waren oben in ihrem gemeinsamen Zimmer angekommen. Malfoy hatte zu Zabini gesagt, er wolle sich etwas weniger warmes anziehen. Zabini hatte nur genickt, breit gegrinst und jedem auf ihrem Weg erzählt, er habe Malfoy bei einem Wettrennen geschlagen.
Verflixter Angeber.
„Doch, es war meine Schuld. Du warst schneller."
„Und? Wärst du gefallen, wäre ich ohnmächtig geworden und wir Beide hätten uns etwas brechen können."
Er klang so trocken, so ernst und Hermione fragte sich, ob er wirklich nicht wütend auf sie war. Menschen verloren so schon ungerne, aber man verlor noch weniger gern, wenn man eigentlich wusste, dass man besser war.
„Du darfst ruhig sauer sein Malfoy. Ich hab es vermasselt."
„Du willst also, dass ich dich anschreie.", sagte Malfoy letztlich und drehte sich zu ihr herum und Hermione seufzte daraufhin nur und zuckte mit den Schultern.
„Es ist nur … es macht mich unsicher, dass du nicht wütend bist. Oder zu sein scheinst."
Malfoy grinste leicht und zog sich sein Sweatshirt über den Kopf, wobei das Shirt darunter etwas mit hochrutschte. Für einen Augenblick konnte Hermione seine blasse Haut oberhalb seiner Jeans sehen und obwohl sie ihn jetzt schon öfter nur in Shorts oder in ein Handtuch gewickelt gesehen hatte, ließ dieser flüchtige Blick sie erröten.
„Und du?"
Hermiones Augen wanderte von seinem Bauch weg und zu seinem Gesicht zurück, wo sie sein leichtes Grinsen bemerkte.
„Was?"
Er kam zwei Schritte auf sie zu, und allein das ließ ihren Puls rasen.
„Ist dir nicht zu warm darin?", fragte er leise, während seine Finger mit dem Saum des Pullovers spielten, welchen sie über ein simples Top gezogen hatte.
Ihre Atmung ging schneller und sie fühlte wie ihr definitiv zu warm für diesen Pullover wurde und er schien es auch zu bemerken, denn er lächelte etwas breiter, ehe er den Pullover etwas höher schob. Er schob den Stoff immer höher und höher und sie wusste nicht wieso sie es zuließ, aber er streifte ihn letztlich ab und warf ihn auf das gemeinsame Bett.
„Ich bin wirklich nicht wütend, aber ich meine … du kannst dennoch versuchen mich zu besänftigen.", schlug er dann leise vor. Er war ihr wieder so nah, dass sein Atem ihre Lippen streifte und Hermione hatte das Gefühl, dass er ihren Verstand einfach so, ohne viel Aufwand kurzschließen konnte.
„Wie?", flüsterte sie fragend und Malfoys Arm schlang sich langsam um ihre Taille. So wie auf dem Besen, nur dieses Mal tat er es langsam und nicht weil sie sonst stürzen könnte, obwohl sie irgendwie schon das Gefühl hatte ihre Beine könnten unter ihr nachgeben. Und sie würde lügen, wenn sie behauptete, er wäre nicht der Grund dafür.
„Zum Beispiel in dem du deinen Mund für etwas schöneres als Reden benutzt."
Sein Lächeln war entwaffnend und wäre sie bei Verstand, würde sie ihn in diesem Moment wohl verlieren. Ihre Mundwinkel zogen sich leicht hoch und schenkten ihm ein zaghaftes, scheues, beinahe schüchternes Lächeln, ehe er das letzte Stück zwischen ihnen überbrückte und sie küsste.
Erneut.
Hermione konnte nicht fassen wie oft sie Malfoy schon geküsste hatte. Häufiger als sie Viktor jemals geküsst hatte. Und wenn sie ehrlich war, dann wollte sie ihn auch deutlich öfter Küssen als Ron. Es lag nicht nur an der Qualität der Küsse, denn an dieser gemessen konnten weder Ron noch Viktor mithalten, sondern auch an dem Gefühl, welches er in ihr auslöste, wenn er sie küsste. Es war als würde in ihr alles vibrieren und erzittern. Als würde er Feuerwerke in ihrem Bauch zünden und ihre Haut zum brennen bringen. Sie war verliebt in Viktor gewesen und sie hatte Ron geliebt. Sie liebte ihn noch immer. Doch ganz gleich was sie für diese beiden Jungen empfunden hatte, sie hatten nie diese Sehnsüchte in ihr geweckt. Diesen Hunger nach mehr. Dieses Verlangen nach Berührungen. Und das obwohl sie immer noch der festen Überzeugung war, dass sie Malfoy nicht ausstehen konnte.
Hermione wusste, dass es ein gefährliches Spiel war. Ein Spiel mit dem Feuer. Er löste diese Gefühle in ihr aus und schien auch zu wissen, dass er es tat. Er schien es außerdem selbst zu genießen. Und dennoch war es gefährlich mit dem Frauenheld der Schule dieses Spiel zu spielen. Ein Spiel, dessen Regeln sie nicht einmal kannte. Wäre sie bei Verstand, dann würde sie das Spiel abbrechen. Oder sich zumindest die Regeln erklären lassen.
Sie war aber eben nicht bei Verstand und sie wollte es um ehrlich zu sein auch gar nicht sein. Nicht jetzt. Vielleicht etwas später.
Seine freie Hand wanderte wieder und seine Finger vergruben sich erneut in ihren Locken, während sein Arm sich enger um sie schlang. Sie fühlte wie er sie enger an sich zog und diesmal, da sie eine schützende Schicht aus Kleidung trugen, schob sie ihn nicht von sich.
Im Gegenteil, sie lehnte sich an ihn als ihre Lippen sich teilten und ihre Zunge – mutig wie sie war – seine anstupste. Der zufriedene Laut, den er in ihren Mund entließ, sorgte dafür, dass ein Schauer durch ihren Körper jagte.
Hermiones Finger krallten sich in sein Shirt und hielten sich fest, so als würde ihr Leben davon abhängen. Ihr ganzer Körper fühlte sich an, als würde er in Flammen aufgehen, als er mit seinen Lippen sanft an ihrer Unterlippe zog – neckend und frech. Und dann war da noch seine Hand, die mittlerweile auf ihrem Po lag und sie noch enger an sich zog.
Hermiones Herz setzte beinahe aus und sie wusste, dass sie aufhören sollte, doch sie konnte nicht. Ihre Lippen wollten mehr von seinen, ihr Körper wollte weiterhin berührt werden und die Art und Weise wie sie sich aneinander drückten war einfach unbeschreiblich für sie.
Dann zog er sie langsam mit sich. Er machte es sich auf der Bettkante bequem und ließ sie dabei auf seinen Schoß gleiten, wobei sie noch enger an ihn rückte als sowieso schon. Ihr Becken rutschte eng an seines und ihre Hände vergruben sich in seinem weichen, platinblondem Haar. Sie löste den Kuss, da sie nach Luft schnappen musste und als er seine Lippen an ihren Hals legte, entfleuchte der Brünetten ein tiefes, jedoch leises Stöhnen. Sie konnte spüren wie sie errötete bei der Vorstellung, dass er sie Stöhnen hörte, doch sie schob den Gedanken so schnell bei Seite wie er gekommen war.
Seine Lippen glitten über die sanfte, empfindliche Haut ihres Halses bis er etwas unterhalb ihres Ohrs stoppte. Er bemerkte wie sie sich in seinem Schoß versteifte, wie ihre Atmung schlagartig schneller wurde und aus dem leisen, zufrieden Seufzen ein eher gequältes Wimmern wurde. Er grinste. Er hatte einen ihrer Schwachpunkte gefunden und er ahnte, dass sie von diesem nicht einmal wusste. Als er seine Zunge über genau diesen Punkt gleiten ließ, wimmerte sie etwas lauter, intensiver und ihre Finger krallten sich schon beinahe in seine Haare.
Er grinste und wiederholte sein Tun einige Male, dabei wimmerte sie immer wieder lauter werdend und ihr Becken drückte sich fester gegen ihn. Er ließ letztlich von diesem Punkt ab und küsste wieder sanft über ihre Wange. Sie war warm und gerötet und als er sie betrachtete, stellte er fest, dass ihre Augen geschlossen und ihre Lippen schon ganz geschwollen von ihrem Kuss waren.
„Sieh mich an.", sagte er auf eine sanfte Art und Weise, obwohl seine Stimme ganz rau und dunkel geworden war und Hermione öffnete beinahe sofort ihre Augen, um ihn mit vor Lust verdunkelten Augen anzusehen. Er konnte nicht anders als bei diesem Anblick leise aufzustöhnen, was sie wiederum unruhig in seinem Schoß hin und her rutschen ließ.
Ihre Augen weiteten sich leicht und als sie ihr Becken noch einmal so bewegte wie eben, hörte sie von ihm ein weiteres, kehliges Stöhnen. Es trieb ihr die Röte ins Gesicht – wenn der Rotton ihrer Wangen denn noch intensiver werden konnte als er ohnehin schon war.
Seine Hände hielten plötzlich ihre Hüfte fest und Hermione zog eine Augenbraue hoch. Nur leicht, aber dennoch fragend.
„Wenn du so weiter machst dann ...", er beendete den Satz nicht, doch Hermione ahnte was er sagen wollte und ihr wurde heiß bei dem Gedanken. Ihr wurde heiß bei dem Gedanken, dass sie Malfoy in den Wahnsinn treiben konnte.
Die Gryffindor lächelte nur leicht und lehnte sich vor um seine Lippen wieder mit ihren einzufangen. Sie war süchtig geworden und es war ihr auch egal ob er es wusste oder nicht. Sie wollte ihn küssen, denn sie wusste nicht ob es das letzte Mal sein würde, oder ob sie es wiederholen würden. Sie wusste nicht was das hier war und sie wusste auch nicht, ob sie es überhaupt wissen wollte.
Und dann ging die Tür auf und ein lautes Klatschen ließ sie auseinander fahren. Hermione saß noch immer halb auf Malfoys Schoß, als ihr Kopf herumfuhr nur um Nott und Zabini in der Tür stehen zu sehen, die Beide Beifall gaben. So als hätten sie eine wirklich gute Show beobachtet. Als wären sie Darsteller und sie die Zuschauer.
Die Gryffindor wollte von Malfoys Schoß rutschen, doch er hielt sie noch immer an der Hüfte fest. Er musterte seine Freunde abschätzend und Hermione konnte aus ihrem Augenwinkel sehen, dass er wenig erfreut dreinblickte.
„Wie wäre es, wenn ihr darauf warten würdet, dass man euch herein bittet?", fragte er kühl und Hermione drückte ihr Gesicht an seine Brust. Sie wollte im Erdboden versinken. Sie wollte weg von Malfoy, doch er hielt sie noch immer fest auf seinem Schoß.
Wenn sie doch nur wüsste wieso.
„Beim nächsten Mal vielleicht. Ich nehme an, dass ihr dann wohl nicht mit zum Abendessen wollt immerhin … scheint ihr gerade euren Hunger auch so zu stillen.", Zabini feixte und Nott gluckste.
„Richtig. Wir wollen nicht mit. Also falls es euch nichts ausmacht … raus hier."
Malfoys Stimme war beinahe ein Grollen und Hermione zuckte leicht zusammen, doch Nott und Zabini lachten noch immer, ehe sie aus dem Zimmer verschwanden und die Tür hinter sich zuzogen.
Natürlich war die Stimmung damit vollkommen zerstört und Hermione rutschte von Malfoy ab und nach einigen Sekunden ließ er es zu, dass sie von seinem Schoß glitt und sich neben ihn auf das Bett legte. Sie starrte an die Decke und schwieg beharrlich. Und selbst als er sich neben sie legte, sagte sie noch immer kein Wort. Sie fühlte sich wie eine Verräterin, wie ein hormongetriebenes Schulmädchen … wie eine Idiotin.
Er wusste nicht was er sagen sollte, weswegen er schwieg und sie war ihm dankbar dafür. Sie war ihm dankbar für die Stille. Für das Schweigen.
