Kapitel 16:

Das Schweigen war irgendwann unangenehm geworden und dennoch brachen sie es nicht.

Hermione tat es nicht, weil sie nicht wusste was sie sagen sollte. Und Malfoy, er schwieg, weil sie so beharrlich schwieg.

Letztlich hatten sich die Beiden irgendwann aus ihren Kleidern geschält und unter die Decke verkrochen. Zwar sehr zeitig für einen Samstagabend, doch unter die Augen der Anderen wollten sie definitiv nicht mehr treten. Wer wusste schon, was Nott und Zabini rumerzählten. Morgen würden sie sich dem stellen müssen, doch für heute hatten sie Beide genug mit ihren eigenen Gedanken zu kämpfen. Und mit der Anwesenheit des Anderen.

Die Uhr tickte leise vor sich hin, die Bettlaken raschelten unter ihr und sie hörte das leise, aber gleichmäßige Ein- und Ausatmen des Slytherin. Diese Geräusche waren so leise, dass sie sonst nicht wahrnahm. In diesem einen Moment jedoch, da kamen sie ihr so unerträglich laut vor, dass sie nicht schlafen konnte.

Hermione hatte sich auf die Seite gedreht und eine Hand unter ihre Wange gelegt. Ihre Beine hatten sich in die Decke verwickelt und sie hatte sie etwas an ihren Körper herangezogen. Es fiel ihr schwer abzuschalten, wenn er so neben ihr lag. Ihre Augen hatten sich auf ihn gelegt und betrachteten ihn – nun da sie unbeobachtet war – ganz schamlos. Wäre er wach, dann würde sie es als peinlich empfinden ihre Augen so lange auf ihm zu lassen. Er schlief aber und so nahm sie sich die Freiheit sein Gesicht zu mustern.

Es wirkte friedlich. Seine Augen waren geschlossen und einige seiner platinblonden Haarsträhnen fielen ihm locker ins Gesicht und verdeckten einen Teil seiner ebenso hellen Augenbrauen. Sein Gesicht war schmal geschnitten und er hatte ziemlich hohe Wangenknochen für einen Jungen. Er hatte durchaus etwas markantes an sich und nichts von dem freundlichem, oder gar rundlichem, was sie von den Weasley Brüdern kannte. Sein Gesicht war auf eine eigene Art und Weise schön, auch wenn sie ihm das niemals sagen würde. Das hieße schließlich nur, sie würde ebenso, wie alle anderen Mädchen mit denen er angebandelt hatte, auf sein Äußeres reinfallen. Und obgleich sie eine Bewunderin des Schönen war, sie war kein Mensch für Äußerlichkeiten.

Ihre Augen waren noch immer auf sein Gesicht gerichtet. Auf die langen Wimpern, die so hell waren, dass sie sie manchmal gar nicht sah. Im Dunkeln jedoch schimmerten sie schon beinahe, weil sie so hell waren. Sie umrahmten seine Augen nicht so wie dunkle Wimpern es getan hätten und auch das verlieh ihm etwas, was sie kaum mit Worten beschreiben konnte.

Ihre Blick glitt über seinen Hals zu seinen starken Schultern und dann zu seiner nackten Brust. Zumindest soweit sie sie sehen konnte. Die Decke verdeckte einen Großteil seiner Brust und den Rest seines Körpers. Sie wusste jedoch was darunter zu sehen war. Sein Bauch war flach und genauso hell wie der Rest seines Körpers. Die Haut war von Narben übersät, die sich im Gegensatz zu den meisten anderen Menschen, beinahe etwas dunkler auf seiner Haut absetzten, da sie einen viel rosigeren Ton hatten. Er trug eine dunkelgrüne Boxershorts, die entweder aus Seide war, oder zumindest aus einem seideähnlichem Stoff gefertigt wurde. Sie hatte vorhin aus dem Augenwinkel gesehen, wie das Kleidungsstück im Licht geschimmert, beinahe geglänzt hatte. Diesen Schein kannte sie eigentlich nur von Seide und da sie die Malfoys kannte, ging sie tatsächlich davon aus, dass Malfoy Junior Seidenboxershorts trug. Bisher hatte sie nicht wirklich darauf geachtet, aber nun da sie schon etwas länger darüber nachdachte, war es für sie beinahe klar, dass gerade er nichts tragen würde, was nicht mindestens einer solchen Qualität entsprach. Er war ein Snob. Und das dachte sie ohne es wertend zu meinen. Es war immerhin nicht falsch oder verwerflich über Qualität nachzudenken oder einen gewissen Standard zu haben. Sie hatten alle ihre Vorlieben und jeder legte Wert auf andere Dinge.

Wenn Malfoy Wert auf Seidenshorts legte, dann war es sein gutes Recht.

Sie hingegen legte auf andere Dinge Wert. Auf gehobene Unterhaltungen. Auf stilsicher geschriebene Literatur. Auf malerische Momente, wie einen Sonnenaufgang. Auf den ersten Schnee, der sich in ihren braunen Locken verfing. Auf Frieden.

Hermione fragte sich, was ihm wohl wirklich wichtig war. Ob ihm der Luxus wirklich so viel bedeutete, oder ob es einfach nur ein Mittel war. Eine Machtdemonstration sozusagen. Luxus war ein Zeichen von Wohlstand. Wohlstand bedeutete, man besaß viel Geld. Und Geld … nun jeder wusste, dass Geld die Welt regierte. Nun zumindest einen Großteil der Welt.

Ihre Gedanken kreisten noch eine ganze Weile, ehe sie kurz vor Sonnenaufgang doch noch einschlief.

Zu ihrer Überraschung sah man sie nicht mit besonders neugierigen Augen an, als sie die große Halle betraten. Keiner sah auf, oder hatte gar ein freches Grinsen im Gesicht. Es war als wüssten sie alle nicht, was geschehen war.

Hatten Nott und Zabini etwa nichts erwähnt?

Hermione sah überrascht zu Malfoy herüber, der ihren Blick nur kurz erwiderte. Auch er wirkte erstaunt, doch sofort wandte er den Blick wieder ab und griff nach dem magischsten aller Zaubertränke – Kaffee. Sobald er sich selbst eingeschenkt hatte, gab er die Kanne an Hermione weiter.

Der Geruch der dunklen, heißen Flüssigkeit war einer ihrer Schwachpunkte. Schon früh hatte Hermione bemerkt wie sehr sie den Geruch von Kaffee am Morgen liebte. Allein dieser Geruch ließ sie gerne wach werden und konnte ihre Laune schlagartig verbessern. An den Geschmack von Kaffee jedoch, an den musste sie sich erst quälend langsam gewöhnen. Sie erinnerte sich noch an ihre aller erste Tasse Kaffee und wie sie ihr Gesicht verzogen hatte. Sowohl ihre Mutter als auch ihr Vater hatten gelacht, als sie solange rumexperimentiert hatte, bis das Gebräu für sie trinkbar wurde.

Lange Zeit hatte sie ihren Kaffee so stark gesüßt und mit Milch versetzt, dass es nur noch einen Hauch von dem ursprünglichem Kaffeearoma hatte. Es wirkte auch keineswegs aufputschend mehr. Das Koffein wirkte nun nicht mehr wie in seiner reinen Form, zumindest nicht bei ihr.

Mit der Zeit jedoch, vor allem aber mit den vielen schlaflosen Nächten, hatte sie sich abgewöhnt den Kaffee mit Milch auszudünnen. Der Zucker war immer noch fester Bestandteil ihres morgendlichen Kaffees, aber sie trank ihn nun schwarz und kochend heiß. Nur dann entfaltete er seine volle Wirkung und hielt sie wach. Nur so hatte sie so viele Nächte lernen, recherchieren oder lesen können. Nur so hatte sie in den letzten Jahren so produktiv und so erfolgreich sein können.

Sie schmunzelte und Seamus, der neben ihr saß, zog eine Augenbraue hoch als ihr auch noch ein leises Kichern entfuhr.

„Was ist so lustig?", fragte er an die Brünette gewandt und die Gryffindor schüttelte amüsiert ihre braune Lockenpracht ehe sie zu ihm herübersah.

„Ich habe gerade nur darüber nachgedacht, dass … ich so oft von so vielen Menschen gefragt wurde, was mein Geheimnis wäre. Du weißt schon, wie ich so viel Wissen anhäufen konnte und eigentlich sage ich immer, ich lerne und lese eben viel.", die Gryffindor musste wieder Kichern. Der Schlafmangel hatte sie albern gemacht. „Dabei liegt es doch an diesem Zaubertrank hier."

Seamus irritierter Blick, verriet ihr, dass er nicht verstand was sie ihm sagen wollte. Und da sie sich sicher war, dass man ihnen zuhörte und er sicherlich nicht der Einzige war, der nicht verstand, seufzte sie ergeben.

„Kaffee. Es liegt an dem vielen Kaffee. Würde der als Droge gelten, könnte man meinen ich würde Doping betreiben."

Sie war sich nicht ganz sicher, ob man in der magischen Welt wusste, was Doping genau war. Sie wusste jedoch, dass sie stolz auf sich war einen solchen Witz gemacht zu haben und als Seamus leise lachte, war sie umso zufriedener mit sich.

„Also liegt die Antwort im Kaffee? Gut zu wissen, dann sollte ich mehr davon trinken und die Prüfungen werden ein Kinderspiel.", sagte er dann und Hermione grinste ihn an.

„So weit würde ich jetzt nicht gehen. Das Lernen solltest du nicht vernachlässigen, der Kaffee kann dir dabei aber gute Dienste leisten. So schaffst du es vielleicht auch einmal eine Nacht durchzumachen."

„Du bist die einzige Person, die ich kenne, die soetwas sagen würde. Eine Nacht durchmachen … und dann meinst du lernen damit.", er verzog das Gesicht und Hermione lachte wieder leicht.

„Nicht jeder denkt nur an sein Amusement Mr. Finnigan."

Sie sprach Amusement so geschmeidig und französisch aus, dass es schon beinahe pikiert klang. Seinen Namen sprach sie auf die selbe Art und Weise aus – es verlieh ihren Worten eine gewisse Empörung. Natürlich nur eine gespielte.

„Du hast ja gute Laune.", sagte Seamus dann plötzlich und zog eine Augenbraue hoch.

„Ich bin übermüdet, ich glaube es ist die alberne Müdigkeit, die da aus mir spricht.", sagte sie leichthin und zuckte mit den Schultern ohne wirklich darüber nachzudenken, was sie da eigentlich sagte.

„Und wieso sieht Draco, dann so ausgeruht aus? Irgendetwas stimmt da nicht Theo.", setzte Zabini nachdenklich an und Hermione wollte sich am liebsten ohrfeigen.

Sie hatten bis hierhin geschwiegen und es für sich behalten. Das hatte man so deutlich gemerkt, dass sie ihnen eigentlich sogar hatte danken wollen und nun hatte sie ihnen eine solche Vorlage geliefert. Wundervoll.

„Vielleicht hat er ja so geschnarcht, dass sie nicht schlafen konnte.", grinste Dean nur leicht, doch Nott und Zabini sahen ihn auf eine Art und Weise an, die jedem sofort vermittelte, dass sie mehr wussten.

„Ich konnte einfach nur nicht schlafen.", presste Hermione hervor und ihre Finger umklammerten ihre Tasse so fest, dass ihre Knöchel schon weiß hervortraten.

„Und ich dachte schon, dass du unseretwegen nicht schlafen konntest.", sagte Nott gespielt erleichtert.

„Lass es gut sein Theo."

„Glaubst du nicht, dass sie für sich selbst sprechen kann Draco?", provozierte Nott weiter und Malfoy setzte sich sogar schon aufrechter hin.

Und dennoch entging es niemandem am Tisch, wie Hermione ihre Hand auf die seine legte um ihn zu beschwichtigen. Es war eine sanfte, friedliche aber auch durchaus vertrauliche Geste und genau das irritierte. Nicht Nott und Zabini und auch Malfoy war nicht irritiert von dieser Berührung. Der Rest jedoch war beinahe sprachlos. Aber eben nur beinahe. Man hörte hüsteln und das japsen nach Luft und irgendwer zog die Luft scharf zwischen seinen oder ihren Zähnen ein. Es war Hermione aber egal.

„Ich kann mich wirklich selbst verteidigen, aber danke."

Malfoy nickte nur und Hermiones Blick glitt zu Nott, der sehr zufrieden mit sich zu sein schien.

„Euer Besuch hat mich wirklich irritiert, aber der Grund für meine schlaflose Nacht ward ihr nicht. Im Leben würdet ihr mir keine schlaflosen Nächte bereiten Nott, weder du noch Zabini. Es wäre zu schade um die Energie, die ich damit verschwenden würde."

Das hatte gesessen. Zumindest sagte Notts Gesichtsausdruck das. Er wirkte nun um einiges kühler und das Grinsen war sogar aus seinen Augen verschwunden.

„Ganz schön scheinheilig, oder Prinzessin? Wir sind dir deine Energie nicht wert, aber Draco schon? Ich frage mich ehrlich, was alle Mädchen an ihm finden. Er muss einen goldenen haben."

Hermiones Augenbrauen zogen sich ärgerlich zusammen.

„Und du klingst gerade ja auch absolut nicht so als wärst du neidisch auf Malfoys Erfolg bei der Damenwelt, also erzähl mir nichts von scheinheilig."

„Du bist scheinheilig Granger. Gerade du – die beste Freundin des goldenen Jungen schmachtet dem Slytherinprinzen hinterher, dem ehemaligen Rivalen deines besten Freundes. Tragisch wirklich."

„ich schmachte Malfoy nicht hinterher."

„Nein, natürlich nicht."

Das Gespräch zwischen Nott und Hermione war verbittert und es hatte die Luft zum knistern gebracht. Mit einem Feuerzeug könnte man sie einfach in Flammen setzen, so geladen war die Atmosphäre zwischen ihnen.

„Worum geht es hier überhaupt?", fragte ein völliger verwirrter Seamus und Dean zuckte als Antwort mit den Schultern.

„Es geht darum, dass Granger ganz feucht unter ihrem Schlüpfer wird, wenn sie Draco sieht, aber sie gibt es nicht zu.", knurrte Nott. Es erklärte wenig, aber brachte zumindest seinen Standpunkt zu Tage.

„Und selbst wenn, was ist das Problem Theo? Jedes Mädchen und auch jeder Junge hat seine Schwachpunkte. Und wenn sie ihn attraktiv fände, dann spielt es doch dennoch keine Rolle und geht uns auch nichts an. Darüber zu urteilen wäre falsch.", ermahnte Daphne den Slytherin, der seine Augen so stark rollte, dass ihm davon schwindelig wurde.

„Merlin Daphne, hör auf wie eine Hufflepuff zu klingen, dass ist ja nicht auszuhalten.", knirschte er und die Blondine funkelte ihn wütend an.

Die Streitereien waren zurück und Hermione konnte nun wirklich nicht behaupten, dass sie diese vermisst hätte.

„Ich will nicht … das es hier in einem Streit ausartet. Können wir das eventuell … allein besprechen?", fragte sie schließlich an Nott gerichtet. Sie hatte die Streitigkeiten satt. Sie wollte nicht bei jeder Mahlzeit überlegen was sie sagte, nur um keinen Streit zu provozieren. Sie wollte nicht nach jedem Gespräch einen Trank gegen Kopfschmerzen nehmen müssen. Sie wollte doch nur einige ruhige, harmonische Augenblicke genießen.

„Fein."

„Gut.", sie seufzte erleichtert, aber durchaus dankbar, während Nott immer noch wütend funkelte.

Irgendetwas sagte ihr, dass ihr dieses Gespräch nicht gefallen würde.

„Du wolltest allein sprechen … hier sind wir. Ich höre."

Hermione hatte sowohl Nott als auch Zabini mit in Malfoys und ihr Zimmer gebracht. Sie wusste wie neugierig die Anderen wohl waren, aber es war eben doch ein Gespräch, welches sie am Besten allein mit den Slytherins führen sollte. Zumindest glaubte sie es wäre besser so.

„Zuerst wollte ich mich eigentlich bei euch bedanken.", gab Hermione kleinlaut zu.

Vielleicht war es nicht die schlechteste Taktik, wenn sie zu Beginn weniger kratzbürstig war und mehr Kooperationsbereitschaft zeigte.

Nott zog eine Augenbraue hoch und Zabini grinste nur breit und hüpfte galant auf ihre Schreibtischplatte.

„Ihr hättet schon gestern Abend allen erzählen können was ihr gesehen habt und so wie sich alle verhalten haben, kann ich wohl davon ausgehen, dass ihr es nicht getan habt. Dafür sollte ich euch wohl dankbar sein.", ihre Stimme war fest und bestimmt, auch wenn ihr die Worte nicht leicht fielen. Nott hatte sie beim Frühstück doch verärgert und es fiel ihr nicht immer unbedingt leicht ihr Temperament zu zügeln.

Offensichtlich hatte Nott mit ihren Worten nicht gerechnet, denn er blieb stumm. So als wüsste er vor Überraschung nicht mehr was er eigentlich sagen wollte, also fuhr sie fort.

„Ich weiß, dass ihr – und damit meine ich nicht nur dich und Zabini, oder auch Malfoy, nein ich meine euch Slytherins an sich – es genießt andere Menschen aufzuziehen. Es ist eure Art Spaß zu haben. Ihr genießt die Anzüglichkeiten und die Reaktion der Menschen, die ihr mit euren spitzen Bemerkungen traktiert. Ich weiß auch, dass Malfoy und mein Zusammenleben durchaus interessant zu sein scheint und für viele Diskussionen sorgt …", Hermione stoppte und sah zu Boden, so als könne sie dort die passenden Worte finden.

„Ich genieße es aber nicht, wenn man mein Privatleben so auseinandernimmt. Ich mag die Anspielungen nicht und ich fühle mich beinahe albern, weil es mich so stört. Ich versuche mich daran zu gewöhnen und euch paroli zu bieten und ich denke, dass es mir auch gelingt – Tiefschläge beiderseits sind jedoch vorbestimmt."

Ihr langes Seufzen kündigte die Pause an, die sie nun machte, während sie sich langsam durchs Zimmer bewegte. Natürlich nie zu weit von Malfoy weg. Auch wenn sie es gerade jetzt gewollt hätte.

„Falls ich dich ernsthaft verärgert haben sollte, dann tut es mir Leid, aber ich lasse mich nicht als scheinheilig betiteln nur damit du eine Möglichkeit hast vor allen anderen zu Erzählen, was du gesehen hast."

„Darum geht es nicht. Hätte ich gewollt, dass alle wissen wie nah ihr euch seid, dann hätten wir es gestern Abend schon erzählt.", brummte der Slytherin nach einiger Zeit und Hermione war beinahe erleichtert darüber. Sie hatte fast befürchtet sie würde weiterhin diesen peinlichen Monolog führen und sich vor drei Slytherins zum Affen machen.

„Worum geht es dann?"

„Es geht darum, dass du auf einem ziemlich hohen Ross sitzt. Ihr alle haltet euch für etwas besseres als uns, man merkt es euch an. Und so wie du gesprochen hast, hältst du dich auch definitiv für zu gut für einen von uns, ob wir dich nun wollten oder nicht. Deine Energie wäre dir zu schade. Aber unser guter Draco hier, der ist ausgeschlossen und das macht dich scheinheilig Granger. Das macht dein Verhalten so lächerlich."

Es war nicht so als würde sie seine Worte nicht begreifen, es war eher so, dass sie irritiert von ihnen war. Sie hatte Malfoy etwas ähnliches sagen hören. Es war noch nicht allzu lange her. Saß sie wirklich auf einem so hohen Ross? Hielt sie sich denn wirklich für etwas besseres?

„Was dich also ärgert ist die Tatsache, dass ich mich euch überlegen verhalte in diesem Verhalten aber inkonsequent bin?", fragte sie schließlich und zog eine ihrer Augenbrauen hoch.

„Was er sagen will ist ...", Zabini hüpfte vom Schreibtisch und machte einige Schritte auf sie zu, und bedachte sie mit einem langen Blick. Er war beinahe anzüglich und irritierte Hermione zutiefst.

„Das du dich aufführst als wärst du eine Heilige, wie jemand absolut perfektes. Du gibst dich ungerne mit uns ab und schaust uns von oben herab an. Wäre immerhin stimmig, wenn du uns alle so behandeln würdest, tust du aber nicht. Draco ist ausgeschlossen und das macht dich zu einer Heuchlerin."

Ihre Augen lagen auf Zabini und für einen Moment hatte sie das Gefühl in Tränen auszubrechen.

Hatte sie ihnen wirklich dieses Gefühl gegeben. Das Gefühl, welches sie ihr immer gegeben hatten? Das hatte sie nie gewollt. Sie hatte besser sein wollen. Ein besseres Beispiel für Andere. Sie hatte Größe zeigen wollen, doch offensichtlich war sie gescheitert.

„Es tut mir Leid, wenn ihr euch fühlt als würde … ich euch verurteilen.", presste sie hervor. Zu mehr war sie nicht im Stande.

„Das klingt, als wolltest du sagen, dass du es nicht tust ..."

„Richtig. Ich verurteile keinen von euch. Weder dich Zabini, noch dich Nott. Auch Malfoy nicht. Meine Distanz zu euch ist doch wohl aber verständlich."

„Erwartest du jetzt also, dass wir uns in deine Lage versetzen und dich armes Mädchen betrauern, weil die bösen Slytherins dich gemobbt haben?"

„Nein.", sie fuhr Nott beinahe wütend an, ehe sie ihren Kopf kaum merklich schüttelte. Sie durfte nicht wütend werden. Nicht schon wieder.

„Was ich sagen will ist, wir kennen uns nicht einmal. Natürlich ist da diese Distanz. Slytherins und Gryffindors kamen noch nie gut miteinander aus und die Feindschaft liegt irgendwie doch zwischen uns, auch wenn ihr – weder du, noch Zabini – mir je etwas getan habt."

„Deswegen begreife ich es erst recht nicht.", murrte Nott, doch es schien als wolle er darüber nicht mehr reden.

„Ich kann mich bessern."

Er lachte trocken und Hermione hoffte es war ein gutes Zeichen. Sie machte einen Schritt auf ihn zu. Nott zog eine seiner Augenbrauen kritisch hoch und beäugte ihre Hand, die sie ihm entgegengestreckt hatte. Er ergriff sie erst nach einer ganzen Weile.

„Und wir werden versuchen, dich nicht mehr so vor allen anderen zu provozieren. Macht bestimmt sowieso viel mehr Spaß dich aufzuziehen wenn wir allein sind.", sagte der Slytherin breit grinsend und Hermione stöhnte genervt auf und drehte sich herum. Sie sah Malfoy hilfesuchend an, doch der hob nur die Hände und grinste. Ihm schien die Situation ja durchaus zu gefallen.

„Er wird dir nicht helfen. Ich wette er wird es sogar genießen mitanzusehen wie du dich windest bei den Sachen, die wir sagen oder fragen könnten.", gab Nott zu bedenken und Hermione schnappte nach Luft. Es entlockte Zabini ein leises Glucksen und Nott machte es sich nun auf dem Bett bequem und beobachtete sie. Sie stand immer noch einige Schritte entfernt vom Bett und sah nun zum Fenster hinaus, doch auch der Blick hinaus konnte ihr nicht helfen.

Ihre Gedanken wanderten umher. Sie dachte darüber nach wie seltsam die ganze Situation war. Wie häufig sie sich schon bei den Slytherins entschuldigt hatte. Wie häufig sie im Irrtum gewesen war. Wie häufig sie sich stritten, aber auch wieder vertrugen. Sie fragte sich so langsam, ob sie sich alle besser verstehen würden, wenn es niemals so etwas wie Häuser gegeben hätte.

„Und sie ist weg."

„Ja sie verschwindet immer wieder, ihre Gedanken rasen regelrecht. Man kann es beinahe hören wie ihr Gehirn arbeitet."

„Nervig."

„Vor allem wenn man schlafen will."

„Schlafen oder … schlafen?"

Das Glucksen, welches Zabini von sich gab, ließ Hermione letztlich aufhorchen. Sie hatte das Gespräch am Rande mitbekommen, aber nur unterbewusst wahrgenommen. Sie wusste nur, dass es um sie ging und einerseits mochte sie es überhaupt nicht aber andererseits … wer mochte es nicht so viel Aufmerksamkeit zu erhalten?

„Bleibt ihr also noch?", fragte sie schließlich, da ihr sonst nichts besseres einfiel.

„Oh Blaise, sie will uns los werden. Vielleicht ist sie immer noch wütend und sie muss die Wut an Draco auslassen."

Das schiefe Grinsen ließ Hermione erröten. Sie wusste worauf er hinaus wollte.

„Alles möglich. Du kennst doch den Spruch – Stille Wasser sind tief."

„Oh ja, und dreckig."

Das Lachen der beiden Slytherins war einerseits etwas schönes, aber es ärgerte Hermione auch, denn es ging um sie und diese Spekulationen gingen ja doch zu weit. Andererseits wusste sie von Malfoy wieso er solche Kommentare brachte. Sie regte sich über diese auf. Je mehr sie sich aufregte und ärgerte, umso häufiger würde sie sich solche Sprüche anhören dürfen.

„Bedeutet es dann, das ihr eine Pfütze seid? Bei eurer großen Klappe kann ja nicht viel dahinter stecken.", konterte sie schließlich und Malfoy brach in schallendes Gelächter aus. Sie würde lügen, wenn sie behaupten würde, es täte ihr nicht gut Malfoy zum Lachen gebracht zu haben.

„Autsch Granger, Autsch.", schüttelte Zabini nur den Kopf und machte zwei Schritte auf sie zu. Er war ihr nun so nahe, dass sie ihn fast berühren konnte. Slytherins schienen es zu mögen in den persönlichen Sphäre eines anderen Menschen zu treten.

„Wie wäre es wenn du dich erst selbst davon überzeugt, bevor du solche voreiligen Schlüsse ziehst."

Seine Stimme war dunkel und rau und für eine Sekunde hatte sie das Gefühl er würde sich tatsächlich zu ihr runter beugen, um ihr zu demonstrierten, dass er garantiert keine Pfütze war. Doch er tat es nicht. Und sie war erleichtert darüber. Und das aus vielerlei Gründen, nicht das sie in der Lage wäre diese in einem solchen Moment aufzuzählen.

Zabini grinste und drehte sich herum und machte es sich danach neben Nott auf dem Bett bequem, während Hermione versuchte ihren Herzschlag unter Kontrolle zu bekommen. Sie konnte Malfoy dabei nicht einmal ansehen. Es war so als hätte sie Angst etwas in seinem Gesicht zu sehen was ihr missfallen könnte.

„Ich...", sie räusperte sich schließlich um so souverän und selbstbewusst wie möglich zu klingen. „Ich will mich davon gar nicht überzeugen. Es mag für euch erstaunlich sein, aber ich habe kein Interesse an solchen Abenteuern."

„Sicher nicht. Draco scheint abenteuerlich genug zu sein."

Ihr genervtes Stöhnen ließ Beide wiederum lachen. Wie schnell sich Situationen verändern konnten. Gerade eben hatten sie noch gestritten und nun zogen sie sie wieder auf. Es war zum verrückt werden.

„Ich bin euch keinerlei Erklärung schuldig."

„Oh selbstverständlich nicht, aber Draco als unser Freund – und Männer reden über soetwas – ist uns eine schuldig und da du nun einmal an ihm klebst...", Nott zuckte lediglich mit den Schultern.

„Richtig, also Draco ...", Zabini drehte sich nun zu Malfoy herum und Hermione sah diesen flehend an, doch Malfoy sah zu seinen beiden Freunden und nicht zu ihr. Nicht einmal für einen kurzen Augenblick.

„Ich weiß nicht was ihr hören wollt."

„Was da läuft."

„Merlin verdammt Blaise, sie hat mir verboten in der Zeit in der wir aneinander hängen Sex zu haben. Man muss sehen wo man bleibt oder?"

Diese Worte trafen sie wie eine Faust. Oder wie ein Messerstich. Oder wie der verdammte Fluch von Bellatrix. Es war als würde unter ihr der Boden einbrechen. Und sie konnte nichts tun außer alles mitanzuhören. Vor den dreien zusammenzubrechen wäre nur noch demütigender, deswegen riss sie sich und all ihre Kräfte zusammen, während sie innerlich diese unbändige Wut, diese tiefe Enttäuschung und diesen entsetzlichen Ekel vor sich selbst verspürte.

Er hatte mit ihr gespielt.

Was für eine unglaubliche Überraschung.