Kapitel 17:
Sie redeten. Sie redeten noch eine ganze Weile, nicht das Hermione irgendetwas davon mitbekommen hätte. Sie war zu schockiert, um weiter zuzuhören. Sie wollte nicht wissen was Malfoy sonst noch so über sie zu sagen hatte. Sie wollte seine angeberischen Sprüche nicht hören. Sie wollte Notts und Zabinis Lachen nicht hören. Sie wollte sich nur verkriechen und von allen in Ruhe gelassen werden.
Ging nur leider nicht.
Sie lehnte sich an die Fensterbank und hatte ihr Gesicht so gedreht, dass sie hinaus sehen konnte. Sie spürte das bekannte Ziehen in ihrer Magengegend, doch noch war es auszuhalten und sie hatte auch nicht vor auf Malfoy zuzugehen. Um ehrlich zu sein wollte sie mehr Abstand schaffen. So viel es ging ohne das ihr schwindelig wurde. Ein gar nicht so einfaches Unterfangen.
Hermione biss auf ihre Unterlippe als sie ihre Augen über das Schulgelände schweifen ließ, ihre Gedanken jedoch waren wo ganz anders.
Sie dachte über Malfoy nach. Sie dachte an das erste Mal, als sie ihn gesehen hatte und ihr Herz einen Hüpfer gemacht hatte. Bis er ihr zu verstehen gab, was er von ihr hielt. Sie erinnerte sich daran wie er sie Schlammblut genannt hatte und Ron sie hatte verteidigen wollen. Sie erinnerte sich an den Schlag in der dritten Klasse. Sie erinnerte sich an den Ball und wie sie immer wieder zu ihm rüber gesehen hatte, während sie mit Viktor getanzt hatte. Sie erinnerte sich an sein blasses Gesicht in ihrem sechsten Jahr. Daran wie unglaublich ausgelaugt er ausgesehen hatte. Sie erinnerte sich an die vielen Male, die er an ihr vorbei gelaufen war ohne sie zu beachten, weil er so übermüdet gewesen war. Sie erinnerte sich an sein Gesicht in Malfoy Manor. Sie erinnerte sich an den verängstigten und panischen Jungen, der in der Schlacht von Hogwarts von seinen Eltern beschützt wurde. Sie erinnerte sich an die gebrochene Gestalt vor dem Zaubergamot. Sie erinnerte sich an seinen stechenden Blick, als sie für ihn ausgesagt hatte. Sie erinnerte sich an das tonlose ‚Danke'.
Hermione erinnerte sich auch an die erste Berührung in diesem Schuljahr. Die erste Nacht neben ihm. An die Art und Weise wie er sie ansah. Sie bekam nicht aus dem Kopf, wie er sie aufzog und reizte. Sie bekam nicht aus dem Kopf wie er sie zur Weißglut trieb, aber auch wie er sie etwas spüren ließ, was sie noch nie zuvor gespürt hatte.
Das Mädchen war verwirrt und traurig, sie war wütend und enttäuscht und vor allen Dingen fühlte sie sich dumm, weil sie die ganze Sache nicht gestoppt hatte.
„...Granger.", hörte sie schließlich und zuckte leicht zusammen, als sie seine Finger auf ihrer Haut spürte. Er hatte sie am Handgelenk berührt und sie drehte ihren Kopf sofort zu ihm herum. Ihr Blick verfinsterte sich.
„Was?", sie klang gereizter als sie geplant hatte, aber es war ihr auch egal.
„Du klingst aber gereizt.", gab er von sich und die Brünette rollte nur mit ihren Augen. Sie bemerkte, dass Zabini und Nott nicht mehr da waren und sie somit sagen konnte, was sie wollte. Sie hatten keinerlei Zeugen. Nur … wollte sie das auch?
„Vielleicht hab ich es eben nicht gerne, wenn man über mich redet, wenn ich dabei bin und man dann so tut, als wäre ich es nicht."
Sie wusste, dass sie zickig klang aber es war ihr egal. Er hatte sie schon beinahe gedemütigt und sie ließ sich das nicht gefallen. Schon gar nicht von Malfoy.
„Wir können uns eben nicht trennen."
„Und das macht es in Ordnung?", sie zog ihre Augenbraue hoch.
„Tu nicht so als hättest du in dieser Zeit nie etwas gesagt was mir geschadet hätte.", er brummte und Hermione wurde nur noch wütender.
„Ihr seid alle drei solche Idioten. Ich habe mich auch noch schlecht gefühlt, weil ich das Gefühl hatte ihr könntet recht haben. Und jetzt will ich nur noch das ihr Recht habt, ich will das ihr euch so fühlt. So über Menschen zu sprechen … ganz schön armselig."
Ihre Stimme zischte richtig und sie zitterte schon beinahe vor Wut. Sie hatte ruhig bleiben wollen, doch irgendwie löste Malfoy immer die extremsten Reaktionen in ihr aus. Es war als könne sie sich nicht kontrollieren, wenn er dabei war.
„Dafür, dass du dich für etwas besseres hältst, bist du eine ganz schöne Furie.", knurrte er wieder.
„Ach ich bin eine Furie? Und was bist du? Ein emotionsloses, eiskaltes Arschloch."
Hermione fluchte sonst nicht, aber ihr fiel nichts besseres ein. Sie wusste sich nicht mehr anders zu helfen und sie bereute es nicht. Sie wollte ihm noch ganz andere Sachen an den Kopf werfen. Am liebsten würde sie ihm eigentlich eine Bratpfanne über den Kopf ziehen, aber ihr war die Bratpfanne beinahe zu Schade dafür.
„Da ist jemand aber wütend. Vielleicht erklärst du mir den Stimmungswandel? Gerade schließt du Frieden mit Theo und jetzt fauchst du mich an? Was ist los, hast du deine Tage gekriegt?"
Es war zum verrückt werden, dachte die Brünette als sie einen Schritt auf ihn zumachte, nur um ihn mit voller Wucht mit ihren Händen zurück zu stoßen. Sie drückte dazu ihre Handflächen gegen seine Brust und er machte einen Schritt zurück und wirkte erschrocken von ihrem Tun. Aber nur für einen kurzen Moment, dann fing er sich wieder.
„Es ist unglaublich was du dir einbildest Malfoy. Vielleicht erklärst du dir mal so einiges selber. Vielleicht denkst du nach bevor du etwas tust, oder sagst. Vielleicht kümmerst du dich mal um Andere Menschen und nicht immer nur um dich selbst. Und vielleicht wird dir dann auch klar, dass nicht alle Frauen menstruieren, wenn sie wütend auf dich sind – keine Menstruation der Welt ist so schlimm für die Laune einer Frau wie du es bist."
Nun zog er eine Augenbraue hoch. Er war sich immer noch nicht sicher, was mit ihr los war, er wusste nur das sie wütend auf ihn war und einerseits fand er es unheimlich nervig und andererseits aber auch unheimlich heiß.
Sie wollte ihn gerade noch ein Stück zurück stoßen, als er seine Finger um ihre Handgelenke schlang und sie an sich zog. Sie war an seine Brust gepresst und er sah sie durchdringend an, was dazu führte, dass ihr Herz schneller schlug. Er konnte die Röte auf ihren Wangen erkennen und er wusste, dass egal weswegen sie wütend auf ihn war, sie ihn dennoch immer noch sehr anziehend fand.
„Lass mich los...", fauchte sie wiederum, als sie bemerkte wie fest er sie an sich gedrückt hielt, doch er gab nicht nach. Er hielt sie weiterhin fest an seine Brust gepresst und die Brünette funkelte ihn wütend an. „Du machst mich krank."
„Nein ich mach dich an.", brummte er nun in einem tiefen Ton, welches Schauer durch ihren Körper fahren ließ. Sie wollte es nicht, doch sie konnte sich seiner Wirkung eben nur schwer entziehen.
Hermione atmete schwerer und Malfoy grinste leicht als er bemerkte wie schwierig es für sie war die Kontrolle über sich selbst wieder zu gewinnen.
„Warum gibst du nicht einfach nach. Ich weiß, dass du es auch willst.", murmelte er ganz nah an ihrem Ohr und lockerte den Griff um ihre Handgelenke etwas.
Das war ihre Chance. Angestachelt durch seine Worte, löste sie sich aus seinem Griff und schubste ihn, diesmal heftiger, zurück. Ihre Augen funkelten wütend.
„Du bist ein solches Arschloch. Ich bin doch kein Spielzeug. Ich bin kein Ersatz für deine zahlreichen Frauengeschichten. Ich bin mehr wert als das..."
In ihren Augen hatten sich Tränen der Wut und der Trauer angesammelt und ihre Hände hatten sich zu Fäusten geballt.
„Du kannst von mir aus irgendein Mädchen flachlegen, mir egal wen. Aber nicht mit mir Malfoy. Ich werde nie soweit sinken."
Er sah sie durchdringend an und für einen langen Moment glaubte sie, er würde es dabei belassen, doch wäre er dann noch Malfoy? Wahrscheinlich nicht. Er musste immerhin immer seinen Mund aufreißen und alles kommentieren was gesagt wurde. Egal ob jemand seine Worte hören wollte oder nicht.
„Das fühlte sich gestern Abend anders an."
„Da war ich nicht bei klarem Verstand. Jetzt bin ich es."
„Und da sitzt du wieder auf deinem hohen Ross.", murrte der Slytherin.
„Lieber auf dem hohen Ross als auf dir.", sie knurrte regelrecht und ihre Fäuste zitterten, weil sie sich so anstrengen musste ihm nicht doch noch eine zu verpassen.
„Worum geht es hier genau Granger? Ich begreife deine Stimmungsschwankung nicht. Ihr Frauen habt hormonelle Entgleisungen, die kaum ein Kerl verstehen kann – da kriegt man schon fast ein Schleudertrauma."
Hermione rollte ihre Augen und schüttelte nur ihren Kopf.
„Wenn du es selbst nicht weißt, dann tust du mir Leid. Das bedeutet, dass du keinerlei Einfühlungsvermögen besitzt. Und ich dachte du hättest doch eine gute Seite, tief in dir drin. Verborgen unter all der Arroganz und Überheblichkeit und Kälte und Oberflächlichkeit. Ich hab mich geirrt."
Seine Augen verengten sich bei ihren Worten und er kam wieder einen Schritt auf sie zu. Sie machte keinen Schritt zurück, sie wollte ihm nicht die Genugtuung geben und zurückschrecken. Er machte ihr keine Angst. Bestimmt nicht.
„Wo wir schon von Arroganz sprechen Granger, du bist nicht besser. Und das hast du heute nicht zum ersten Mal gehört oder? Dein Verhalten zeigt eindeutig für was du dich hältst. Du bist nicht perfekt und deine Scheinheiligkeit ist widerlich. Dein besserwisserisches Getue ist nervtötend, du bist langweilig und stur und deine Diskussionen treiben mich in den Wahnsinn."
Er hatte hart begonnen aber irgendwann hatten seine Worte an Stärke verloren und es wirkte als wolle er einfach nur noch mehr Dinge finden, die ihn an ihr störten.
Hermione sah ihn noch immer wütend, aber auch verwirrt an. Seine Stimme und der Tonfall und die Worte … Draco Malfoy verwirrte sie immer und immer wieder aufs Neue.
„Hast du nicht mehr zu bieten?"
„Das selbe könnte ich dich fragen."
„Mir fallen noch unzählige Sachen ein Malfoy. Dein anzügliches Grinsen, deine spitzen Kommentare, deine verdammten Seidenshorts …"
Stille.
Malfoys Blick wandelte sich von gereizt, zu verwirrt, zu belustigt, ehe er anfing laut zu lachen.
„Was ist daran so komisch?"
„Was stört dich an meiner Unterwäsche … ihre bloße Existenz?", sein Prusten machte sie nur noch wütender und die Brünette verschränkte ihre Arme vor der Brust.
„Es ist ein Symbol. Es steht für deine absolute Oberflächlichkeit und was für ein Snob du eigentlich bist. Wer braucht schon Seidenunterwäsche."
Er presste seine Lippen zusammen um nicht wieder loslachen zu müssen. Er gab sich wirklich Mühe, auch wenn das Grinsen bis zu seinen Augen hoch wanderte und man es ihm deutlich ansehen konnte, dass er grinste.
„Sagt die Person, die noch nie welche getragen hat. Glaub mir es ist ein wundervolles Erlebnis auf der Haut.", sagte er nun deutlich anzüglicher. Die Belustigung aus seiner Stimme war verschwunden und er hatte sie so offensichtlich durch diesen beinahe rauchigen Ton ersetzt, der Hermione Schauer über den Rücken jagen ließ. Sie verfluchte ihn innerlich.
„Es interessiert mich auch nicht."
„Aber natürlich nicht. Nur weil du es nicht besser weißt. Sprich bitte über Sachen von denen du Ahnung hast Liebes."
Malfoy betonte das Wort Liebes auf eine Art und Weise, die ihr Herz höher schlagen ließ, doch sofort ermahnte sie sich wieder. Er spielte nur mit ihr. Sie konnte nicht wieder auf seine Spielchen reinfallen.
„Vielleicht will ich davon auch keine Ahnung haben. Ich bin nicht so wie du."
„Stimmt, du lebst nicht einmal richtig. Für jemanden, der so für das Leben gekämpft hat, bist du richtig langweilig."
„Was soll das denn schon wieder heißen?"
„Das das Leben kurz ist Granger, genieße es doch mal. Hör auf ständig nachzudenken und dir von allem die Laune verderben zu lassen. Was auch immer dir die Laune verdorben hat, denk nicht drüber nach. Soweit ich mich erinnern kann, könnten wir heute schon alle tot sein. Sind wir aber nicht … dann leb auch."
Es überraschte sie sehr wie er sprach. Sie hatte nie darüber nachgedacht wie Malfoy über solche Dinge dachte. Sie hatte aber nicht angenommen, dass sein Lebensmotto ‚Carpe diem' war. Er schien ihr aber genau diesen Rat auf den Weg zu geben. Er war damit definitiv nicht der Erste.
„Und leben bedeutet für dich mit dir in die Kiste zu hüpfen – vielen Dank ich verzichte.", murrte sie.
„Du bist wirklich frustrierend."
„Und du gefühlskalt."
„Zicke."
„Gehirnloser Frauenaufreißer."
„Du bist unheimlich heiß, wenn du dich so aufregst."
„Was?"
Er lachte und für eine Sekunde, dachte sie, dass er sich wieder nur über sie lustig machte, doch als sie in seine Augen blickte, erkannte sie, dass er es durchaus ernst meinte. Er mochte es also nicht nur sie zu reizen, weil er die Reaktion genoss … er fand sie auch noch heiß, wenn sie sich so aufregte.
„Sag mir was ich falsch gemacht hab."
Ihre Augenbraue wanderte hoch und sie schüttelte nur den Kopf und machte dabei einen Schritt zurück.
Er folgte ihr bis er sie letztlich gegen die Fensterbank drücken konnte.
„Sag mir was ich schon wieder getan hab. Irgendetwas muss es ja sein, sonst würdest du nicht so reagieren."
Seine Hand war wieder zu ihrem Gesicht hoch gewandert und sein Zeigefinger und Daumen umfassten ihr Kinn, während ihre Hände versuchten ihn von sich zu drücken. Ohne Erfolg.
„Ich sagte es doch schon … ich bin kein Spielzeug.", knurrte sie lediglich und Malfoy blickte sie durchdringend an. So als hoffte er auf mehr. Er würde nur nicht mehr bekommen.
„Ich glaube schon, dass ich das weiß."
„Faszinierend, wieso behandelst du mich dann so, als wäre ich eins?"
„Tu ich das?"
„Tu nicht so. Was bin ich denn sonst für dich?"
Diese Frage schien ihn so zu überraschen, dass Hermione nur bitter lachen konnte.
„Siehst du. Vielleicht war es dir nicht einmal bewusst, dass du mich als Spielzeug siehst, kann ja wirklich sein, aber es reicht. Ich will das nicht. Ich will …", sie stockte. Sie konnte doch nicht sagen, dass sie mehr wollte. Mehr von was? Mehr von ihm? Mehr vom Leben? Mehr als nur Sex? Sie biss sich auf ihre Unterlippe.
„Nicht."
Hermione sah zu ihm, als seine Daumen über ihre Lippe strich und ihre Unterlippe zwischen ihren Zähnen hervorzog. Es war eine seltsam intime Geste. So vertraut, dass es sie überraschte.
„Wieso?"
„Merlin Granger, du kannst dir nicht deine schönen Lippen kaputt beißen."
Hermiones Herzschlag wurde wieder schneller und sie fühlte sich wie auf einer Achterbahn. Oder wie auf seinem Besen bei dem Wettrennen. Es war als wüsste sie nie was als nächstes passiert. Er überraschte sie immer wieder und sein Verhalten trieb sie in den Wahnsinn.
„Wenn jemand dran knabbert, dann ich.", sprach er weiter und ihr Herz klopfte nicht nur schneller, es machte freudige Hüpfer. Auch wenn sie es nicht wollte. Sie wollte vernünftig bleiben. Sie wollte so stark sein wie einige Sekunden zuvor. Sie wollte ihn in seine Schranken weisen und ihm zeigen, dass er sie nicht haben konnte.
Wenn er aber solche Dinge sagte, dann wollte sie ihm genau das Gegenteil zeigen.
„Malfoy..."
„Draco."
„Was?"
„Mein Name ist Draco."
Ihre Augen weiteten sich. Sie hatte zwar Pansy schon beim Vornamen genannt, aber Malfoy bei seinem zu nennen war für sie unvorstellbar.
Was sie am meisten verwirrte war aber die Tatsache, dass sie nicht verstand, was er mit all dem bezweckte. Was wollte er eigentlich?
„Was willst du eigentlich?", sprach sie ihre Gedanken also aus.
Sie hatte das Gefühl sie würde diese Frage noch bereuen und als sie seinen dunklen Blick sah wusste sie es.
„Dich auf die Fensterbank setzen, dein Becken an mich ziehen ...", seine Stimme war düster und dunkel und jagte ihr Schauer über den Rücken. „ ...meine Zunge in deinen Mund schieben, damit du keine Widerworte mehr geben kannst und dann will ich ..."
„Nicht...", sie stoppte ihn. Ihre Wangen waren ganz rot geworden. Allein diese Beschreibung ließ sie schnappartig Atmen, doch sie konnte es sich nicht weiter anhören. Sie konnte und wollte nicht. Sie musste vernünftig bleiben.
„Ich weiß doch, dass du es auch willst."
Die Art und Weise wie er sprach verriet ihr, dass er sie wirklich wollte. Sie konnte fühlen wie warm er war, sie konnte hören wie erregt seine Stimme klang und seine Augen zeigten seine Lust mehr als nur deutlich. Sie wollte sich geschmeichelt fühlen, doch sie hörte ihn immer wieder sagen ‚Man muss sehen wo man bleibt' und da verging ihr alles.
„Nein."
„Nein?"
„Nein, ich will es nicht. Ich will dich nicht. Ich will dich nicht küssen oder berühren, ich will nicht mit dir in diesem Zimmer zusammen sein. Ich will nicht jeden Abend neben dir im Bett liegen und morgens neben dir aufwachen. Ich will nicht mit dir duschen und baden, mit dir fliegen und frühstücken und ich will erst recht nicht mit dir schlafen."
Ihre Unterlippe zitterte als sie endete, ihr ganzer Körper zitterte um genau zu sein.
Nach einer ganzen Weile der Stille, zog er sich von ihr zurück und nickte nur.
„Fein."
Und damit löste er sich komplett von ihr, drehte sich herum.
Hermione war einerseits erleichtert, doch etwas in ihr vermisste jetzt schon seine Nähe. Sie war wirklich eine Heuchlerin.
Hermione fragte sich ob sie alles kaputt gemacht hatte. Wenn man es überhaupt so bezeichnen konnte, denn was hatten sie schon gehabt. Sie hatten sich geküsst und sie hatte ihren Kopf verloren. Und nun hatten sie wieder nichts. Naja bis auf das elende Schweigen zwischen ihnen.
Es fiel auf. Das Schweigen blieb nicht unbemerkt. Sowohl beim Mittagessen als auch danach, als sie ihre Zeit mit ihren Mitschülern verbrachten. Niemand sagte etwas, doch sie wurden wie immer ganz genau beäugt.
Beim Abendessen dann hielten es ihre Mitschüler wohl nicht mehr aus.
„Habt ihr euch gestritten?", fragte Tracey ganz offen und sofort setzten sich einige ihrer Mitschüler gerader hin, oder beugten sich mehr zu ihnen herüber. Sehr auffällig.
„Ich weiß nicht ob man das Streit nennen kann."
Malfoys Antwort war kühl und distanziert und Hermione wollte ihm am liebsten den Hals umdrehen, denn sie hasste diesen Ton. Sie hasste ihn, weil sie ihn von ihm kannte aber nicht mehr hören wollte. Sie hatte diesen anderen Tonfall kennen gelernt und sie wollte ihn hören. Sie wollte seine dunkle, rauchige Stimme hören, oder das Glucksen, wenn er einmal lachte.
Es war alles so seltsam, so kompliziert. Hermione spürte wie ihr Kopf wieder einmal zu pochen begann. Sie kniff ihre Augen leicht zusammen und atmete scharf ein.
„Alles okay?", fragte Seamus neben ihr besorgt. Sie spürte seine Hand auf ihrer und ein Lächeln umspielte ihre Lippen. Ein leichtes, zaghaftes nur. Sie war dankbar für seine Fürsorge. Es war als würde er Harrys Rolle einnehmen. Er und Neville.
„Mein Kopf tut weh, aber sonst ist alles gut.", gab sie zu und lächelte schwach.
„Wenn du mich nicht immer so anbrüllen würdest, würde dein Kopf auch nicht so weh tun."
„Wenn du nicht so ein Arschloch wärst, müsste ich dich auch nicht anbrüllen."
„Wenn du dein Temperament unter Kontrolle hättest, könntest du es auch in einem normalen Ton mit mir klären."
„Wenn du deine Hormone unter Kontrolle hättest gäbe es diese Probleme gar nicht erst."
Sie funkelte ihn wütend an und Malfoy drehte sich letztlich zu ihr herum.
„Du redest über meine Hormone? Was ist mit deinen?"
„Ich weiß nicht wovon du sprichst."
„Du hast Stimmungsschwankungen die einen eigenen Eintrag in einem Lexikon verdienen Granger."
„Und du bist so selbstverliebt, dass selbst Narziss erblassen würde neben dir."
Sie wusste nicht wieso sie sich immer stritten. Und dann häufig in der Gegenwart anderer Menschen. Vielleicht brauchten sie das ja? Vielleicht sollte es ihr sagen, dass sie sich niemals verstehen würden, auch wenn sie es sich wünschte. Vielleicht zeigte es einfach nur, dass sie Beide von Grund auf verschieden waren.
„Was sich liebt das neckt sich.", hörte sie da plötzlich jemanden kichern. Lisa Turpin. Sie erkannte die Stimme und sie erkannte auch, dass Hannah mit kicherte.
Sah man sie beide etwa so? Dachten das etwa alle? Ihre Augen weiteten sich leicht, als ihr dieser Gedanke kam und sie plötzlich fest stellte, dass es damals mit Ron ähnlich gewesen war. Sie hatten sich gestritten und sie waren selten einer Meinung. Er hatte sie nie wirklich beachtet. Bis auf die Eifersucht, die sich immer mal wieder zeigte, die er sich aber selbst nie eingestanden hatte.
Sie stritt sich mit Malfoy. Konsequent. Beinahe täglich. Auch er zeigte es nicht, aber er wurde durchaus eifersüchtig. Zumindest wirkte es so auf sie. Eine Sache war allerdings anders als mit Ron. Oder besser gesagt zwei. Sie waren keine Freunde. Und sie fühlte sich körperlich zu ihm hingezogen. Ja sie hatte sich auch irgendwie zu Ron hingezogen gefühlt, aber das war anders. Malfoy war anders. Er entwaffnete sie. Er sorgte dafür, dass ihr heiß wurde und das sie ihren Verstand über Bord warf.
„Und schon sind sie still.", grinste Zabini und Hermione schüttelte ihren braunen Lockenkopf und drehte ihr Gesicht von Malfoy weg. Keine Streitereien mehr vor den Anderen nahm sie sich vor. Sie wusste wie sinnlos dieses Vorhaben war.
„Jetzt schweigen sie es aus, damit sie es nicht zugeben müssen.", fügte Nott hinzu und Hermione seufzte laut.
„Wir schweigen nichts aus. Ich will euren seltsamen Fantasien nur nicht noch mehr Nahrung geben.", sagte sie letztlich und Nott verdrehte seine Augen. Hermione fragte sich, ob er nicht dauerhaft Kopfschmerzen haben musste bei dem ganzen Augengerolle.
„Wie langweilig."
„Du bist nicht der Erste, der mir sagt, dass ich langweilig bin."
„Ach hat dir Draco das schon gesagt? Sehr … geschickt und charmant der Kerl.", lachte Zabini nur. Ihr Kopf pochte immer mehr und sie verzog ihr Gesicht schmerzlich. Sie spürte wie sie schneller atmete und die Luft scharf zwischen ihren Zähnen einsog. Es schien nicht unbemerkt zu bleiben.
„Du solltest hoch gehen. Dich hinlegen.", sagte Seamus besorgt. Er war aufmerksam und hatte natürlich bemerkt, dass es ihr nicht gut ging. Die Fürsorge war erfrischend und tat ihr gut. Es fühlte sich an, als würde sich jemand um sie Sorgen und als wäre sie nicht allein.
„Na dann komm Granger, ehe du hier noch zusammenbrichst."
Hermione nickte Malfoy nur leicht zu. Sie drückte Seamus Schulter sanft und ein dankbares Lächeln legte sich um ihre Lippen.
Natürlich sah man ihnen nach, sie spürte es. Sie konnte auch förmlich das Gerede hören, doch es war ihr egal. Sie wollte nur eine dieser Phiolen mit dem Kopfschmerzmittel nehmen und schlafen.
Am liebsten bis der Gegentrank für sie Beide vorbereitet war.
