Kapitel 19:
Es gab Menschen, die besaßen die unglaubliche Gabe sich unauffällig zu verhalten. Sie schafften es auch in heiklen Situation einen kühlen Kopf zu bewahren und sich nichts anmerken zu lassen.
Hermione wünschte sich sie besäße mehr von dieser Gabe. Sie wusste, dass sie in vielerlei Situationen über diese Gabe verfügte, doch diese Situation überforderte sie. Vielleicht weil sie mit dieser Situation überfordert war. Vielleicht weil sie eine solche Situation auch nicht einzuschätzen wusste.
Immer wenn Malfoy sie ansah, kribbelte ihr ganzer Körper und die Brünette biss sich auffällig unauffällig auf ihre Unterlippe. Wenn er sprach, starrte sie regelrecht Löcher in die Luft und reagierte auf nichts und niemanden. Wirklich auffällig wurde es jedoch, wenn Malfoy sie berührte – ob absichtlich oder unabsichtlich – denn dann zuckte die Brünette regelrecht zusammen.
Unter ihnen empfand sie es schon als peinlich, doch beim Frühstück wurde es ihr immer unangenehmer. Jeder konnte sehen, dass irgendetwas nicht stimmte. Es war so auffällig wie die roten Haare der Weasleys und sie wollte sich am liebsten verkriechen.
Sie schwieg also während des Frühstücks beharrlich, denn jedes Wort, welches sie verlor konnte gegen sie verwendet werden. Und sie hatte die Spekulationen satt. Sie hatte die Blicke und Wetten und Sticheleien satt.
„Sie hat ihre Zunge verschluckt.", schlussfolgerte Nott schließlich nach einer ganzen Weile des Schweigens am Tisch.
„Manche Menschen brauchen eben ihre Ruhe am frühen Morgen."
„Granger gehört da nicht zu.", sagte er an Lisa gerichtet, die jedoch nur mit den Schultern zuckte.
„Lasst sie in Ruhe.", mischte sich Tracey ein und schlug dabei ein Bein über das Andere.
„Seit wann spielst du denn Anwältin für Granger?"
„Seit dem sie selbst keinen Ton rausbekommt. Sie hatte gestern Abend schon Kopfschmerzen wegen dem ganzen Stress hier. Ich würde mich nicht wundern, wenn wir ihre Kopfschmerzen begünstigen. Vielleicht braucht sie einfach etwas Ruhe.", ihre Stimme war fest und sie sah Nott dabei mit ernstem Blick an. „Ich weiß Empathie ist nicht unbedingt deine Stärke, aber sieh es als Herausforderung Theo. Du stehst doch so auf Herausforderungen."
„Was auch immer ...", murmelte der Slytherin und schüttelte seinen Kopf.
„Können wir das Thema dann wechseln?", fragte Lisa und sofort verwickelte Susan sie in ein Gespräch an dem sich auch Megan beteiligte. Tracey lauschte dem Gespräch stumm, wobei ihre Augen auf Nott lagen, der Lisa aus dem Augenwinkel beobachtete.
Es war so auffällig, doch niemand außer ihr schien es zu bemerken. Sie seufzte leise und konzentrierte sich wieder auf ihren Kaffee. Zumindest bis die Eulen eintrafen.
Es war auch nach so vielen Jahren immer noch einer der Momente auf den man sich den ganzen Tag lang freute. Selbst wenn man keine Post erhielt, hatte es etwas energetisches wie die Eulen in die große Halle flatterten und den Empfänger ihrer Post suchten.
Wie immer erhielten die üblichen Verdächtigen ihre morgendliche Zeitung, Post von ihren Eltern oder Freunden und man hörte überall in der Halle das Rascheln von Pergament und bald das kratzen von Federn. Viele Schüler kritzelten schnelle Antworten auf die empfangenen Nachrichten, während sich andere Zeit ließen.
Hermione erwachte aus ihrer Abwesenheit als eine Eule vor ihr landete und ihr das Beinchen hinstreckte an dem ein Brief festgebunden war. Ihre Zeitung lag auf ihrem Teller – eine Eule hatte sie im vorbeifliegen fallen lassen, so wie immer – doch das hatte sie nicht aufschrecken lassen. Der Brief jedoch, welchen sie von dem Bein der Eule befreite, erweckte neue Lebensgeister in ihr.
„Vielen lieben Dank.", sagte die Brünette sanft an die Eule gerichtet und tätschelte ihren Kopf liebevoll und ließ es zu, dass die Eule etwas in dem Essen vor ihr herumpickte. Sie hatte sowieso keinen Hunger mehr.
Sie entfaltete das Stück Pergament und erkannte sofort die Schrift ihres besten Freundes. Ihr Herz machte einen freudigen Hüpfer, ehe das schlechte Gewissen sich in ihr ausbreitete. Sie hatte ihm lange nicht geschrieben. Sie hatte aber auch nicht gewusst was sie ihm hatte sagen sollen. Sie hatte es vermeiden wollen ihm von der Sache mit Malfoy erzählen zu müssen und so waren Tage verstrichen … sie fühlte sich elend bei dem Gedanken. Sie hatte Harry und Ron immer dafür gerügt, dass sie ihr nicht schrieben und nun war sie keinen Deut besser.
Ich schreibe dir nur eine schnelle Warnung. Ron ist auf dem Weg. Er hat von der Sache mit Malfoy gehört.
P.S. Über die Sache sprechen wir auch noch. Vor allem über die lückenlose Berichterstattung deinerseits.
H.P.
Hermiones Augen weiteten sich als sie die wenigen Zeilen wieder und wieder überflog.
Ron war auf dem Weg hierher und er wusste von der Sache mit Malfoy. Sie faltete das Pergament zügig zusammen und zog ihre Augenbrauen angestrengt zusammen während sie darüber nachdachte, wer wohl diesen Brief geschrieben haben konnte.
Ihre Augen fielen auf Neville, dann glitten sie weiter zu Dean und Seamus, doch irgendwie bezweifelte sie es, dass einer von ihnen Harry einen Brief geschrieben hatte. Oder gar Ron.
Letztlich konnte es ihr egal sein, wer den Brief geschrieben hatte, denn sie hatte sich selbst in diese Lage gebracht.
Nun musste sie es ausbaden. Genauso wie Malfoy.
„Ron ist auf dem Weg hierher.", sagte sie an Malfoy gerichtet. Ihre Stimme war ruhig und emotionslos, obwohl sie innerlich vollkommen aufgewühlt war. Sie wusste nicht was sie erwarten würde. Was er zu erwarten hatte.
„Was?"
„Ron wird uns einen Besuch abstatten, weil er weiß, dass wir aneinander kleben. Irgendjemand muss ihm geschrieben haben.", sagte sie so leise es ging und bisher schien sich auch niemand für ihr Gespräch mit Malfoy zu interessieren.
„Wieso ist er dann noch nicht hier?"
Hermione presste ihre Lippen aufeinander und ließ ihre Augen durch die große Halle wandern. Nur für einige Sekunden. „Ich glaube er ist schon in der Nähe."
„Du glaubst er wartet bis er uns Beide allein erwischt?"
„So in etwa, ja.", gab Hermione zu und seufzte leise. Sie hatte eigentlich keinerlei Bedürfnis nach einer solchen Begegnung. Sie sollte sich eigentlich freuen Ron wieder zu sehen, denn egal wie sie auseinander gegangen waren, sie waren immerhin noch immer Freunde. Sie freute sich aber nicht. Kein bisschen.
„Diese Woche beginnt ganz hervorragend.", sagte Malfoy schließlich und Hermione seufzte betreten aus. Es war als würden sie nie zur Ruhe kommen. Als stünde dieses letzte Jahr unter einem schlechten Stern.
„Vergessen sie nicht bis zum Ende der Woche ihre Aufsätze abzugeben.", sprach Montgomery, doch es hörte niemand mehr zu. Nicht wirklich.
„Miss Granger, Mr Malfoy – würden sie noch einen Moment hier bleiben?"
Hermione hatte gerade ihre Tasche geschultert, sah dann aber nach vorne zu ihrem Zaubertränkeprofessor und nickte.
Erst als alle anderen Schüler verschwunden waren, begab sich der junge Mann zu dem Tisch, an dem Malfoy und sie während des Unterrichts saßen, und lehnte sich gegen den Tisch in der Reihe davor.
„Ich wollte ihnen mitteilen, dass die Vorbereitungen für den Gegentrank in vollem Gange sind. Ich kann ihnen nicht genau sagen wie lange es noch dauern wird, da die Angaben sehr ungenau sind. Die Zeitangaben sind sehr vage und letztlich werde ich erst wissen, dass der Trank fertig ist, wenn er eine bestimmte Farbe erreicht hat."
Hermione schluckte schwer und Malfoy neben ihr lehnte sich nur noch mehr zurück, so als hätte er nichts anderes erwartet.
„Glauben sie mir, dass Madame Pomfrey, Professor McGonagall und auch ich unser bestmögliches tun."
„Sie können also keinerlei Prognose stellen?", fragte Hermione. Ihre Stimme zitterte und hörte sich ganz fremd in ihren Ohren an.
„Leider nein Miss Granger. Madame Pomfrey meint sich zu erinnern, dass es damals fast zwei Monate dauerte den Trank zu brauen, aber ich würde mich auf solche Angaben nicht verlassen.", gestand er und Hermione fühlte wie ihr Kopf schwirrte.
Zwei Monate. Diese Worte hallten durch ihren Kopf und ließen nicht von ihr. Zumindest nicht so schnell.
„Dann können wir jetzt also gehen?", fragte Malfoy kühl und Montgomery nickte schnell.
„Ja natürlich, ich will sie nicht von ihren anderen Unterrichtsfächern abhalten.", sagte er hastig. Er selbst verließ daraufhin das Klassenzimmer und zog sich in das Hinterzimmer zurück, während Malfoy Hermione mit zusammengezogenen Augenbrauen beobachtete.
„Wir sollten wirklich weiter."
„Zwei Monate.", sagte sie leise. Es war als würde ihr Verstand keine andere Information mehr zulassen.
„Ich weiß Granger, jetzt beweg deinen Hintern. Wir kommen zu spät. Und dann hast du umso mehr Gründe mich zu verfluchen. Ich bin dann bestimmt wieder Schuld für alles was du versäumt hast."
Sie wollte ja. Sie wollte wirklich aufstehen und zum nächsten Klassenraum gehen und sich von diesen Gedanken ablenken lassen, doch noch immer ließ dieser Gedanke sie nicht los. Sie musste Malfoy noch zwei Monate Tag und Nacht ertragen. Es gab keinerlei Privatsphäre zwischen ihnen. Er sah und hörte alles. Er war da wenn sie wach wurde und er lag neben ihr wenn sie einschlief. Es gab nichts was sie einfach so für sich behalten konnte und sie bekam alles mit was er so tat. Es war beängstigend.
Was hatte sie in ihrem Leben nur falsch gemacht?
Sie ließ sich nach hinten gegen die Rückenlehne fallen und plötzlich flossen heiße Tränen über ihre Wangen als ihr bewusst wurde wie sehr sie es vermisste sich zurück ziehen zu können. Nicht einmal alleine weinen konnte sie. Sie saß hier in seiner Gegenwart und hatte einen nervösen Zusammenbruch und am liebsten wäre sie einfach aus dem Klassenraum gerannt und hätte ihr Gesicht in ihren Kissen vergraben, doch das ging nicht. Malfoy und sie waren unzertrennlich, sie konnte ihm nicht ausweichen und so ließ sie ihre Emotionen einfach zu. Sie wusste es würde nur böse enden, wenn sie diese weiterhin runter schlucken würde. Es gab eben nur dieses eine Fass, welches sich befüllen ließ. Und es ließ sich auch nur bis zum Rand füllen. Ihr Fass war voll und lief nun nach und nach über.
Und ihre Mitschüler schafften es regelmäßig, dass noch mehr an Füllmenge hinzukam. Vielleicht war das Fass deswegen so voll. Vielleicht brachte sie dieser Satz von ihrem Professor sie deswegen zum Weinen. Sie war einfach erschöpft und ausgebrannt. Ihr Kopf pochte wieder unbarmherzig und sie fühlte sich müde.
„Weinen bringt nun wirklich nichts."
Hermione rieb sich ihre Augen, versuchte die Tränen wegzuwischen, doch es folgten immer mehr. Es war wie ein Wasserfall. Es endete einfach nicht.
Sie konnte seinen Blick spüren, aber es war ihr egal. Sie konnte ihre Emotionen nicht länger unterdrücken. Es war alles so viel. Ein ständiges Hin und Her. Sie konnte sich da einfach nicht beruhigen. Sollte er doch mitbekommen was für ein emotionales Wrack sie war.
Womit sie nicht rechnete war, dass er nach einigen Augenblicken ihre Hand nahm und diese fest drückte. Seine Haut war kühl und auch diesmal löste die Berührung ein Kribbeln in ihr aus, welches sie am liebsten ignorieren wollte. Die Berührung löste aber auch noch eine weitere Sache aus, ihr Schluchzen wurde leiser und der Knoten in ihrer Brust fühlte sich nicht mehr ganz so eng und beklemmend an.
„Geht es?", fragte er leise und Hermione wagte es sich zu ihm herüber zu sehen. Ihre Augen waren ganz gerötet vom Weinen und plötzlich schämte sie sich für den Gefühlsausbruch.
Hermione wollte gerade nicken und aufstehen, damit sie endlich gehen konnten, als die Tür zum Klassenraum geöffnet wurde. Hermione drehte ihren Kopf schlagartig herum und natürlich erkannte sie das fuchsrote Haar sofort. Ron war hier, so wie sie es vermutet hatte, und offensichtlich hatte er sie wirklich nach der Stunde irgendwo abfangen wollen. Zumindest glaubte sie das. Es würde Sinn ergeben.
Erst stand er nur im Türrahmen, doch sobald seine Augen auf sie fielen, zog er seine Augenbrauen zusammen und er wirkte wütend. Sie konnte sehen wie die bekannten roten Flecken in seinem Gesicht auftauchten und seine Ohren sich deutlich rot verfärbten. Ein eindeutiger Indikator dafür, dass Ronald Weasley wütend wurde. Sie verstand zwar nicht wieso, aber sie würde es heraus finden.
Malfoy neben ihr hatte sich nun auch halb herum gedreht und seine Augen verzogen sich zu Schlitzen als er Ron sah, der nun auf sie zu stampfte.
Es geschah alles wie in Zeitlupe und war dennoch unaufhaltsam – Ron hatte Malfoy am Hemd zu fassen bekommen und zog ihn auf seine Beine, wobei er letztlich Hermiones Hand los ließ und seine Finger zügig um die Handgelenke des anderen Jungen schlang. Ihrem Mund entfleuchte ein überraschtes aber gleichzeitig aufgebrauchtes Geräusch und sie sprang auf, ihre Hand legte sich Rons Oberarm, während sie ihn mit einem mahnendem Blick strafte.
„Ronald Bilius Weasley, was soll das?", brachte sie krächzend hervor und sah ihren Freund an, der sie noch immer keines Blickes würdigte, denn er erdolchte Malfoy gerade damit.
„Ich habe hier etwas zu klären Hermione.", presste er hervor und ihre Lippen zitterten auf diese Antwort hin. Männer waren manchmal so hirnlos.
„Und kannst du mir auch sagen was du zu klären hast? Was kann er dir schon getan haben?"
Sie hörte amüsiertes Brummen von Malfoys Seite und sofort wurde Rons Griff fester. Seine Knöchel traten weiß hervor und Hermione war sich unsicher wen sie hier eigentlich zu beschützen versuchte: Malfoy vor Ron oder Ron vor sich selbst. Eventuell auch Ron vor Malfoy. Vor allen Dingen aber sich selbst vor diesem Anblick.
„Nicht mir. Dir.", knurrte Ron und Hermione zog eine Augenbraue hoch.
„Wie kommst du darauf, dass es da Klärungsbedarf gäbe?"
„Er hat dich zum Weinen gebracht."
Hermiones Augen weiteten sich und sie sah ungläubig zu Malfoy herüber, der nun wirklich nicht mehr an sich halten konnte. Er lachte. Es führte letztlich dazu das Ron ihn los ließ und mit einem leichten Stoß von sich schob, so dass Malfoy zurück in seinen Stuhl gedrückt wurde, doch er lachte noch immer. Für ihn schien das alles ein riesiger Scherz zu sein.
„Wovon sprichst du?"
„Du hast doch geweint oder nicht? Ich seh es doch. Du hast ganz gerötete Augen. Ich … kenne diesen Blick."
Die Art und Weise wie er sie dabei ansah, als er das sagte, ließ ihr Herz flattern. Es erinnerte sie an den Ron, den sie schon immer geliebt hatte. Es war der Ron, dem sie nachgeweint hatte und den sie hatte nicht überwinden können. Er hatte diesen vertrauten, besorgten Blick und zeigte dieses dumme, beschützerische Verhalten wie früher. Es überrumpelte sie vollkommen, denn sie hatte mit den Gefühlen zu Ron abgeschlossen gehabt. Sie wusste, dass sie ihn noch immer liebte – das würde sie immer tun – doch sie wusste auch, dass sie keine Zukunft miteinander hatten. Sie waren zu gegensätzlich. Sie wollten unterschiedliche Dinge.
„Wann benutzt du einmal deinen Verstand, Ron?", sagte sie deutlich sanfter als zuvor und ihre Lippen verzogen sich zu einem unsicheren Lächeln. „Er hat mich nicht zum Weinen gebracht. Ich habe schon vorher geweint. Er saß einfach … nur daneben. Wir können uns nicht trennen Ron. Da kann er schlecht weg gehen und mich alleine lassen."
Ihre Stimme war ruhig und sie versuchte ihm zu erklären, was vorgefallen war einfach nur um sein Gemüt zu beruhigen, denn sie kannte sein Temperament. Sie wusste wie einfach es war ihn wütend zu machen. Vor allem den Slytherins gelang es sehr schnell. Er war einfach nicht der größte Freund der Schlangen.
„Wieso hast du mir nichts gesagt?"
„Was meinst du?"
„Diesen dummen Zauber. Weder Ginny noch Harry wussten davon und mir hast du auch nicht geschrieben.", sagte er dann ernst und Hermione fühlte sich schrecklich. Er hatte das Recht danach zu fragen, denn eigentlich war es unverzeihlich. Sie waren Freunde und sie verheimlichte ihnen so etwas wichtiges.
„Ich wollte … Ich weiß selbst nicht was ich wollte. Ich will mir einreden, dass ich euch nicht damit belasten wollte. Das ich euch keine Sorgen bereiten wollte, doch ich weiß das es Unsinn ist. Ich weiß es einfach nicht. Ich dachte ich komme alleine damit zurecht und bisher …"
Hermione schluckte und sah zu Boden. Sie hatte Malfoy ausgeblendet und erst als sie seine Schuhe sah, fiel ihr ein, dass er ja auch noch anwesend war und ihre Augen wanderten zu dem Platinblonden. Sein Blick war finster.
„Du musst nichts allein durchstehen Mione.", sagte Ron dann wieder sanft und seine Hände legten sich auf ihre Oberarme und sie richtete ihren Blick automatisch wieder auf Ron. Wieder machte ihr Herz einen Hüpfer. Er war schon immer ihr Schwachpunkt gewesen und in diesem Moment spürte sie, dass er es wohl immer bleiben würde.
„Ihr lebt euer Leben Ron. Nicht hier. Ihr seid weit weg und ich muss damit zurecht kommen. Ich mach euch keinen Vorwurf, dass ihr nicht wiederkommen wolltet. Ich verstehe es. Aber ich kann nicht mit jedem Problem zu euch rennen, so wie ihr nicht mit jeder Kleinigkeit zu mir kommen könnt. Wir müssen lernen unabhängig voneinander zu sein, aber dennoch Freunde zu bleiben."
„Ich will nicht, dass du das Gefühl hast du könntest nicht mit jeder Kleinigkeit zu mir kommen."
Hermione schluckte und schüttelte demonstrativ den Kopf.
„Ich habe doch gar nicht dieses Gefühl, ich weiß nur, dass ich es nicht tun sollte. Ich weiß, dass du für mich da bist. Genauso wie Harry und Ginny, aber ..."
„Hier geht es um dich und mich, nicht um Harry oder Ginny."
Hermione biss sich auf ihre Unterlippe und für einen Moment setzte ihr Herz aus. War das der Moment wo er ihr sagte, dass sie es doch noch einmal versuchen sollten? War das der Moment in dem sie ihm weinend in die Arme fallen würde und sagte, dass sie ihn vermisste?
War es das was sie wollte?
Ehe sie sich eine Antwort auf diese Frage geben konnte, hörte sie wie Malfoy sich räusperte.
„So ungerne ich dieses romantische Gesäusel störe, Wiesel, Granger und ich haben Unterricht und da wir schon den Unterricht bei Professor Vektor verpasst haben würde ich meinen sollten wir zumindest bei Professor Babbling auftauchen. Außerdem glaube ich, dass dieser Raum gleich belegt sein wird und ich bin mir sicher, dass wir den Unterricht hier nicht auch noch stören sollten."
Hermione biss sich auf die Unterlippe und berührte Ron sofort am Unterarm, nur um ihn davon abzuhalten doch noch etwas dummes zu tun. Sie war sich sicher, dass er es nicht gut fand gestört zu werden auch wenn Malfoy recht hatte.
„Dann … geht zum Unterricht. Ich werde warten und … wir können das Gespräch später beenden.", sagte er schließlich und sah dabei nur Hermione an. Sie konnte sehen wie es in seinen Augen funkelte und wie er sich nicht entscheiden konnte, was er tun wollte. Ob er sie umarmen sollte, oder küssen, oder ob er einfach gehen sollte. Sie konnte es sehen und sie wünschte sich, dass sie es ihm sagen konnte.
„Bis später dann.", sagte sie nur und sah zu Malfoy herüber, ergriff sein Handgelenk und zog ihn auf die Beine. Ohne noch einmal zurück zu sehen, eilte sie mit Malfoy im Schlepptau aus dem Kerkerzimmer.
Sie waren zwar zu spät, doch noch war Professor Babbling nirgends zu sehen. Hermione seufzte erleichtert und setzte sich auf ihren gewohnten Platz und Malfoy ließ sich auf den Stuhl neben ihr gleiten.
Sie ahnte, dass ihre Mitschüler neugierig waren und wissen wollten, wieso sie so spät waren, doch noch hielt man sich zurück. Tracey und Daphne sahen kurz zu ihnen herüber, aber da betrat auch schon Professor Babbling den Raum und so wurde die Aufmerksamkeit neu verteilt.
Hermione kramte ihre Sachen hervor und versuchte sich auf den Unterricht zu konzentrieren, was deutlich einfacher gewesen wäre, wenn sie nicht den stechenden Blick von Malfoy gespürt hätte.
Was?, schrieb sie also auf einen Zettel und legte ihn in die Mitte des Tisches, so dass er es lesen konnte. Sofort zog er seine Feder und schrieb feinsäuberlich eine Antwort darunter.
Musste das sein?
Was meinst du genau?
Musste ich euer elendiges Geflirte mitbekommen?
Pass bloß auf, du könntest eifersüchtig klingen.
Das ich nicht lache.
Was ist dein Problem? Ich kann mich eben nicht von dir trennen und ich kann nichts dafür, dass Ron mit mir sprechen wollte.
Dann könntest du wenigstens ehrlich zu ihm sein, anstelle wie ein unschuldiges Reh dazustehen und mit den Wimpern zu klimpern.
Was soll das schon wieder heißen?
Das du ihm was vormachst Granger. Heute Morgen wolltest du mich noch anspringen und jetzt … ist er wieder im Spiel und er will dich also ergreifst du die Chance oder wie darf ich das verstehen?
Eifersüchtig?
Merlin, nein. Ich sagte doch ich bin nicht eifersüchtig. Nur sollte kein Mann die zweite Wahl spielen. Nichtmal Wieselbee. Was er wohl davon halten würde, dass du mich schon mehrfach geküsst hast?
Soll das eine Drohung sein?
Keinesfalls. Soll dir nur einen Denkanstoß geben.
Und ein Denkanstoß wozu genau?
Was du eigentlich willst Granger.
Was ich will? Das du mich mit deinen Psychospielchen in Ruhe lässt.
Sagt die, die ihren Ex Freund bei Laune hält, aber eigentlich auf wen anders scharf ist … Träume lügen nicht Baby.
Du bist widerlich.
Scheinst drauf zu stehen.
Lass mich in Ruhe okay? Ich weiß selbst, dass ich Ron nicht zurück will.
Ach?
Ja. Aber nicht aus den Gründen, die du genannt hast.
Wie auch immer. Zeig es ihm aber. Der Junge ist Hals über Kopf in dich verschossen – immer noch – und du willst doch nicht so erbärmlich sein wie ich, der ja Pansy so lange bei Laune hält, oder?
Du bist die Pest.
Und du scheinheilig.
Du kannst mich mal.
Gerne, wann und wo?
Hermione drehte ihren Kopf zu Malfoy herum und sah wie er sie breit angrinste. Die Brünette presste ihre Lippen fest zusammen, faltete das Stück Papier und ließ es zwischen den Seiten ihres Buches verschwinden, ehe sie sich wieder auf den Unterricht konzentrierte. Sie hatte genug Unterricht versäumt.
Und dennoch ging ihr das Gespräch nicht aus dem Kopf. Beide Gespräche um genau zu sein. Sie war in einem Dilemma. Und sie wusste es.
