Kapitel 20:
„Granger, Weasley ist da.", brach es aus Parkinson heraus als sie sich an den Essenstisch setzte. Ihre Worte wirkten wie ein Verstummungszauber. Plötzlich war es Totenstill und Hermione war sich sicher, dass man eine Nadel hätte fallen hören können.
Es wäre schön gewesen, wenn sie wüsste, weswegen alle still geworden waren. Wurden sie still, weil sie auf ihre Reaktion gespannt waren? Waren sie so still, weil sie schockiert über die Information waren? Überraschte sie es vielleicht, dass Parkinson ihr diese Information weiter gab? Letztlich war es wohl egal, weswegen sie alle verstummten und keinen Ton von sich gaben. Es änderte nichts an der Tatsache, dass sie alle zu ihr sahen. Die neugierigen und gespannten Blicke machten sie nervös und sorgten dafür, dass ihre Hand zitterte und sie ihr Glas wieder abstellen musste.
„Ich weiß.", sagte sie dann langsam und versuchte dabei sicherer zu klingen als sie war. Ihr Leben war zu einer Art Unterhaltung für ihre Mitschüler geworden. Es war für sie das, was für sie ihre Bücher waren. Es war eine Ablenkung von ihren eigenen Sorgen und ein Eintauchen in eine andere Welt. Sie konnte in ihren Gesichtern regelmäßig sehen, dass sie sich unterhalten fühlten von der gewöhnungsbedürftigen Kombination aus Malfoy und ihr. Es war unterhaltsam mitanzusehen wie sie sich stritten, vertrugen und immer wieder Dinge taten und sagten, die alle zu überraschen schienen. Es war außerdem vollkommen kostenlos im Gegensatz zu ihren Büchern.
Sie hatte Klatsch und Tratsch noch nie verstanden. Sie hatte nie begriffen, warum Frauen sich dieser absolut geistlosen Tätigkeit so hingaben. Sie redeten manchmal stundenlang mit einer solchen Inbrunst über Dinge, die keinen interessieren sollten oder einfach vollkommen falsch waren. Doch langsam begann sie zu begreifen, was die Faszination an genau diesem – eher weiblichem – Hobby war: Es war eine gelungene Abwechslung und eine Möglichkeit sich Überlegener zu fühlen als man war. Die Probleme Anderer zu betrachten, sich darüber zu amüsieren und das Maul zu zerreißen, ließ einen in dem Glauben das eigene Leben wäre besser. Lebenswerter. Einfacher.
Hermione schüttelte ihren Lockenkopf sachte und ließ ihren Zeigefinger langsam über den Rand ihres Glases gleiten, während sie nachdenklich an ihrer Unterlippe knabberte und versuchte passende nächste Worte zu finden, die weder verängstigt noch teilnahmslos klangen.
„Er hat uns vorhin schon abgefangen und einige Worte mit uns gewechselt..."
Sie wusste das die Worte keineswegs perfekt gewählt waren, denn von tatsächlichem Wortwechsel konnte man wohl eher nicht reden. Er hatte Malfoy angegriffen und erst dann hatte er mit ihr gesprochen. Und dann war es in dem geendet was Malfoy als Gesäusel bezeichnet hatte. Es war ein heilloses durcheinander und sie war Schuld an dem Schlamassel.
Natürlich war sie nicht Schuld daran, dass sie an Malfoy hing, aber sie war Schuld an der ganzen Situation, die daraus entstanden war.
Ihre Beziehung zu Malfoy hatte sich in der letzten Zeit so stark verkompliziert, dass sie in der Lage wäre darüber ein mehrseitiges Essay zu schreiben. Sie würde sich der Thematik nähern in dem sie ihre Gefühle zu Papier brachte und die Situationen so objektiv wie es ging beschrieb, doch da waren so viele Ungereimtheiten, dass sie nicht in der Lage wäre ein schlussendliches Fazit zu ziehen. Es war eben kompliziert und wenn sie ehrlich war, dann war sie sich nicht einmal sicher, ob sie genauer durchblicken wollte. Je öfter sie darüber nachdachte, umso sicherer war sie sich, dass es besser wäre es nicht zu wissen. Nicht zu wissen wie man das zwischen ihnen nennen konnte. Nicht zu wissen, was er eigentlich wirklich wollte. Nicht zu wissen, was sie eigentlich wirklich wollte. Nicht zu wissen, was alle anderen in ihnen sahen. Nicht zu wissen, welche Optionen sich ihnen boten.
Sie hatte diese so komplexe Beziehung zu Malfoy und das obwohl etwas in ihr immer noch an Ron hing und das war der nächste Punkt an dem sie Schuld war.
Sie hatte Ron mit dem Gesäusel – wie Malfoy es nannte – Hoffnungen gemacht und sich selbst etwas vorgespielt.
Ja sie empfand noch immer etwas für den jüngsten männlichen Weasley Spross, doch sie wollte nicht mehr mit ihm zusammen sein. Sie liebte ihn und das würde sie auf ewig tun, doch er löste in ihr nicht mehr aus als Harry es tat. Es war eine freundschaftliche, beinahe brüderliche Liebe, die sie in ihrer Brust für ihn verspürte und es wäre ungerecht ihm etwas vorzumachen. Hoffnungen für sie gab es keine. Bis auf die Hoffnung sich zu den Feiertagen zu treffen, ihre zukünftigen Familien zusammen zu bringen und eng befreundet zu bleiben. Doch konnte sie das wirklich erwarten?
Hermione war so in ihre Gedanken vertieft, dass sie erschrocken aufjapste als sie jemand in die Seite knuffte.
Tracey saß neben ihr und sah sie unschuldig an, ehe sie ihr Kinn auf ihrer Handfläche abstützte.
„So nachdenklich wie du bist waren diese Worte wohl sehr interessant..."
Es war nicht so, dass sie aus alldem ein riesiges Geheimnis machen wollte, aber sie wollte eben auch keine enorme Szene aus der Situation mit Ron machen. Er war da und fürs erste war es eine Sache zwischen ihm und ihr. Es wurde zwangsläufig auch zu einer Sache zwischen Ron und Malfoy. Aber die Anderen … sie spielten keine tragende Rolle, oder?
„Was ich interessanter fände ...", setzte Malfoy dann an und Hermione war im ersten Moment erleichtert, denn sie hoffte, dass er das Gespräch von Ron und ihr weg lenken würde. Was er aber nicht tat. „ … wer dem Wiesel geschrieben hat und ihm davon berichtet hat, was hier los ist. Ich will ja nicht sagen, dass das ein wirklich beschissener Schachzug war, aber … es war ein ziemlich beschissener Schachzug."
Wieder Stille. Immer wieder breitete sich diese Stille über dem Tisch aus. Und immer waren sie der Grund. Hermione hatte es satt, dass sie immer wieder der Auslöser für Getratsche waren, für Streitigkeiten, für diese unerträglich laute Stille, die bis in ihr Innerstes dröhnte und sie leicht zittern ließ.
„Wieso glaubst du, dass es einer von uns war, Mann?", fragte Zabini beinahe beleidigt und schüttelte den Kopf.
„Weil ihr Unruhe stiften wollt vielleicht?", entgegnete Megan, was eher untypisch für sie war. Sie war sonst niemand, die herausstach und ihre eigene Meinung selbstbewusst mit anderen teilte. Vielleicht war sie es Leid. Vielleicht ärgerte sie diese Situation aber auch, denn immer wieder waren Hermione und Malfoy das Gesprächsthema. Vielleicht war sie es genauso satt wie Hermione.
„Und da schreib ich Wiesel? Bist du wahnsinnig? Vielleicht hast du ihm ja geschrieben? Wer weiß das schon, ihr Frauen seid manchmal vollkommen unberechenbar."
„Verallgemeiner das noch einmal und ich sorge dafür, dass es keinen Spaß mit Frauen für dich mehr geben wird … so für die nächsten paar Wochen.", grummelte Tracey ärgerliche neben Hermione und die Brünette ahnte schon, dass es wieder in einem handfesten Streit enden würde.
Sie waren eben alle so unterschiedlich.
Hermiones Blick lag auf Tracey, die so ganz anders war als sie. Sie war blond, sportlich und sie hatte etwas feuriges, freches an sich. Sie konnte etwas unglaublich fürsorgliches und liebes an sich haben, doch sie konnte sehr schnell angriffslustig werden, wenn sie etwas verärgerte. In Hermiones Augen waren sie wie Feuer und Wasser, auch wenn sie sich wohl ähnlicher waren, als sie es jemals für möglich halten würde.
Lisa Turpin hingegen war zurückhaltend. Sie war eine Strategin, sie beobachtete zuerst ehe sie etwas kommentierte und ihre eigene Meinung teilte. Man hatte bei ihr auch immer das Gefühl, sie würde Grenzen kennen und verstehen. Hermione konnte sich nicht erinnern jemals gehört zu haben, dass sie etwas abfälliges von sich gegeben hatte. Es würde auch nicht zu ihr und den unschuldigen, großen Augen, den langen braunen Haaren und dem zierlichen Äußerem passen.
Susan war so ganz anders mit ihren roten Haaren und dennoch erinnerte sie sie nicht im Geringsten an Ginny. Sie hatten lediglich die Haarfarbe gemein. Sie war ruhig, freundlich und sie fiel eher selten auf. Sie war wahrscheinlich eines der hübschesten Mädchen, welches Hermione kannte und dennoch fehlte es ihr an Feuer und Charisma – sie wirkte so als würde sie sich hinter anderen Menschen verstecken wollen.
Ähnlich war es mit Megan. Auch sie versteckte sich hinter Anderen. Sie sprach selten aus was sie dachte und sie zog sich häufig zurück. Sie war eng mit Susan und Hannah befreundet und ihnen gegenüber schien sie offener zu sein, was nichts daran änderte das Hermione sie kaum kannte und damit nicht einschätzen konnte. Ähnlich wie Lisa war Megan von kleiner, zierlicher Statur, hatte langes braunes Haar und beinahe türkisfarbene Augen, die einen in den Bann ziehen konnten. Sie sah einen jedoch nie lange an und somit verflog dieser Zauber sehr schnell. Hermione wünschte sich manchmal sie würde Megan und auch Susan besser kennen, doch leider blieben die Mädchen meist sehr distanziert und unter sich.
Hannah hingegen war offener als ihre beiden Hauskameradinnen. Sie war blond, etwas größer als ihre beiden Freundinnen und hatte eine deutlich weiblichere Figur. Sie war sich ihres Körpers bewusst und Hermione ahnte, dass Hannah wohl eines der Mädchen war, welches auch schon Abstecher in den Kerker zu den Slytherins gemacht hatte. Sie konnte sich vorstellen, dass sie nicht abgeneigt gewesen war sich auf Flirtereien mit den Schlangen einzulassen. Sie zeigte es nicht offen und es war nur eine Vermutung, aber es war schwer vorzustellen, dass jemand wie Hannah nicht mit ihren Reizen spielte und sie sich zu Nutzen machte.
Hermiones Blick glitt weiter zu Parkinson und für einen langen Augenblick dachte sie darüber nach, was sie eigentlich von ihr wusste. Nicht viel. Es war erschreckend wie wenig sie eigentlich von dem Mädchen wusste, die über die Jahre so viel hübscher und größer geworden war. Sie hatte dunkle Haare und eine blasse Haut und in manchen Momenten, wenn sie unbeobachtet war und ganz geistesabwesend wirkte, da erlaubte sich Hermione den Vergleich zu Schneewittchen anzustellen. Dann machte Parkinson jedoch immer den Mund auf, blaffte jemanden an oder nörgelte herum, und weg war die Ähnlichkeit zu Schneewittchen.
Millicent Bullstrode hatte sich ähnlich positiv entwickelt. Sie war weniger stämmig und unproportional wie früher. Sie hatte lange braune Locken, die Hermiones jedoch nicht ähnelten. Sie waren viel dunkler und waren geordneter und weniger aufgeplustert. Sie hatte immer noch einige Kilos mehr auf den Rippen als die meisten anderen Mädchen in ihrem Jahrgang, doch sie war auch deutlich größer als die meisten Anderen. Es stand ihr erstaunlicherweise.
Aber niemand konnte mit Daphne mithalten, zumindest nicht in Hermiones Augen. Sie war genau das Typ Mädchen, welches in den dummen Teenie Romanen die hübsche blonde Cheerleaderin war. Sie war sportlich, blond, hatte tiefblaue Augen und ihre Haut hatte noch immer etwas von der leichten Sommerbräune, die sie so frisch und gesund aussehen ließ. Sie war außerdem nett, fröhlich und wirkte als wäre sie das absolute Gegenteil von allem was Hermione je von Slytherins gehalten hatte.
Hermione seufzte – würde man ihre Gedanken lesen können, dann würden ihre Mitschüler wohl jetzt eindeutig denken sie wäre seltsam und hätte etwas für die Damen ihrer Jahrgangsstufe übrig.
„Wo bist du bloß mit deinen Gedanken?", fragte Seamus sie neckend. Er hatte sich nach hinten gelehnt, so dass er sie besser ansehen konnte, da Tracey zwischen ihnen saß.
„Ich … hab über uns alle nachgedacht.", gestand sie Seamus schließlich und nickte in die Richtung des Tisches. Ihr Blick wirkte dabei immer noch abwesend.
„Wir sind alle so verschieden und jetzt verbringen wir alle so viel Zeit miteinander und das traurige ist … die meiste Zeit streiten wir. Es ist wohl normal, wir sind eben so verschieden, aber ich frage mich ob es nicht vielleicht daran liegt, dass wir uns kaum kennen?", Hermione biss sich auf ihre Lippe und ihre Augen hefteten sich auf Seamus, der ihren Blick freundlich erwiderte. Er wirkte ermutigend auf sie, weswegen sie weitersprach. „Ich hab darüber nachgedacht wie wenig ich über die Mädchen hier weiß. Ich kenne keine von ihnen wirklich. Ich weiß, dass nötigste und das was ich sehe oder seit einigen Wochen mitbekomme, das was ich über Jahre aus der Ferne gesehen habe .. aber ist das genug? Ich muss zugeben, dass es mich traurig macht. Ich schäme mich richtig, dass ich nicht einmal die Geburtstage kenne von den Menschen mit denen ich mir die Badezimmer teile."
Sie hatte sich richtig in Rage geredet und ihr war nicht aufgefallen wie der Streit leiser geworden war. Bis er ganz aufgehört hatte.
„Wir kennen uns alle wirklich kaum.", stimmte Seamus ihr zu und Hermione lächelte ihn sanft an. Seamus wirkte plötzlich irritiert, sein Blick wich ihrem aus und er leckte sich mehrfach nervös über seine Unterlippe ehe er sich Dean zuwandte. „Siehst du es nicht auch so?"
„Ist nicht so als können wir erzwingen uns gut zu verstehen und uns besser zu kennen."
„Wir könnten es aber probieren. Hermione hat ja Recht. Wir streiten immerzu und … es ist ermüdend.", seufzte Megan leise und zum ersten Mal trafen sich ihre Blicke für einen längeren Augenblick. Hermione blickte das für sie fremde Mädchen an und lächelte dankbar wegen ihrer Unterstützung.
„Wir hatten schon einmal einen Abend lang Spaß, wir sollten versuchen so etwas öfter zu machen. Uns Zeit nehmen um uns kennen zu lernen, vielleicht auch mal mit anderen Leuten etwas unternehmen.", schlug Daphne vor, die natürlich sofort Feuer und Flamme für die Idee war. Typisch.
„Daph – wieso bist du noch einmal eine Slytherin?", neckte Zabini sie, doch Daphne ließ sich nicht beirren.
„Wie wäre es wenn wir uns heute Abend Zeit nehmen und anstelle gemeinsam im Gemeinschaftsraum zu sitzen und doch nichts zusammen zu machen, könnten wir ja etwas machen. Gemeinsam. Kein Trinkspiel offensichtlich, aber wir könnten ja ein anderes Spiel spielen. Irgendetwas … was uns als Gruppe stärkt."
Es war als hätte Daphne ein Unterrichtsfach belegt, welches es gar nicht in Hogwarts gab : Coaching & Motivation. Sie wirkte so als wäre sie absolut in ihrem Element wie sie so dasaß und versuchte alle miteinzubeziehen und ihre Idee gut aussehen zu lassen.
„Wir können es zumindest probieren.", knirschte Parkinson und Hermione musste sich eingestehen, dass es mehr war als sie erhofft hatte. Noch hatte sonst niemand zugesagt oder sich dazu geäußert, aber zu hören das Parkinson bereit war es zu probieren stimmte sie hoffnungsvoll.
„Wisst ihr was mich eigentlich brennend interessiert?", murrte Nott.
„Was denn?"
„Wie wir von dem Weasley Problem zu dieser Gruppendynamikdiskussion gekommen sind?"
„Ihr habt euch ganz schön Zeit gelassen."
Hermione quiekte erschrocken auf als sich zwei Arme um ihre Mitte schlangen und sie eng an sich zogen. Ihr Herz schlug ihr bis zum Hals, das Tempo normalisierte sich aber bald wieder, als ihr bewusst wurde, wer sie da überrascht hatte. Natürlich war es Ron – wer auch sonst?
Aber sein Ton hatte ihr nicht wirklich gefallen und auch diese stürmische, besitzergreifende Umarmung gefiel ihr nicht, denn es ließ ihre Entscheidung wanken. Es ließ sie selbst wanken.
Sie wollte nicht nachgeben und sich doch noch einmal auf Ron einlassen, aber ihn so nah zu spüren war wie Balsam für ihre Seele. Sie hatte sich so müde und ausgelaugt gefühlt und nun hatte sie jemanden hier, dem sie vollends vertraute und der ihr blind vertraute.
Es war, als hätte der Himmel ihn ihr geschickt. Der Zeitpunkt war jedoch sehr schlecht, denn sie wollte sich nicht in etwas stürzen, nur weil sie sich schwach fühlte. Sie wollte ihm keine Hoffnungen machen, nur weil sie gerade jetzt jemanden zum Anlehnen brauchte. Sie wollte ihn nicht ausnutzen und ihm etwas vormachen. Sie musste besser sein und ihm deutlich machen, dass nie mehr etwas zwischen ihnen sein würde. Nie mehr als Freundschaft.
„Wir hatten ein langes Gespräch am Tisch.", sagte sie dann als ihr Herz sich beruhigt hatte und sie wieder in der Lage war sich klar auszudrücken.
„Und worum ging es?", fragte er dann und versuchte sich nicht anmerken zu lassen, dass es ihn irritierte, als Hermione sich aus seinen Armen befreite. Es war vergebene Liebesmüh. Die Verwirrung stand ihm ins Gesicht geschrieben.
„Deine Freundin hat eine wirklich inspirierende Rede über unsere Gruppe gehalten und das wir uns alle noch gar nicht kennen es aber tun sollten...", Malfoy äffte dabei Hermiones Ton so überspitzt nach, dass es wie der dümmliche Traum eines kleinen Mädchens klang. So als würde ein 5 Jähriges Mädchen davon sprechen, dass sie Prinzessin werden wollte. Hermione fühlte wie ihre Wangen erröteten. Malfoy stellte sie vor Ron bloß und sie wusste nicht wieso und sie wusste auch nicht wieso sie deswegen so wütend war.
„Sprich nicht so mit ihr...", knurrte Ron und Hermione hielt ihn am Arm fest um ihn zu beschwichtigen. Die Nähe zu Malfoy machte es zu einfach für Ron – Malfoy konnte ihm nicht entkommen, falls Ron ihn wirklich angreifen sollte. Wiedereinmal.
„Ich kann mich selbst verteidigen danke.", brachte sie hervor und blickte Malfoy dabei an. Ihre Augen wirkten dabei trauriger als sie es gewollt hätte und ihre Stimme zitterte bei ihren nächsten Worten. „Wenn dir meine Rede nicht gefallen hat … du hättest etwas sagen können, hast dich aber entschieden zu schweigen. Ich wusste noch nicht, dass du weniger Mumm hast als Parkinson, aber gut zu wissen, wer die Hosen von euch Beiden an hat."
Malfoy funkelte sie wütend an, doch es störte sie nicht. Er kam einen Schritt auf sie zu und Hermione drückte ihren Rücken durch um größer zu wirken. Sie vergaß Ron, der noch immer neben ihr stand vollkommen und fokussierte sich ganz und gar auf Malfoy, der sie nun mit seinen Augen fixierte. Er war schon vorher irgendwie seltsam gewesen, doch jetzt wirkte er wirklich wütend auf sie. Sie hatte einen wunden Punkt bei ihm getroffen und sie hatte es schon vorher gewusst, dass es ihn treffen würde. Sie hatte es gewollt. Sie hatte ihn treffen und verletzen wollen.
„Glaub mir, wenn Parkinson und ich tatsächlich zusammen wären … sie hätte keine Hosen an."
Er war von wütend auf anzüglich und belustigt umgeschwenkt und das in wenigen Sekunden. Es überraschte sie und ließ sie Blinzeln. Sein Ton war noch immer hochnäsig und distanziert aber was er sagte und die Art und Weise wie er sich danach über die Unterlippe leckte ließ sie wissen, was er meinte und wie er es meinte.
„Du bist ein solches … Schwein."
Er lachte heiser und schüttelte nur leicht den Kopf.
„Nur weil ich sage, was wäre wenn … ? Außerdem macht es mich nicht zu einem Schwein, wenn ich meine Freundin ohne Hosen sehen wollte."
„Du weißt genau was ich meine."
„Oh weiß ich das?"
„Oh ja. Du sagst das nur um mich wieder aus der Reserve zu locken."
„Oh Prinzessin, da liegst du richtig. Und es gelingt mir immer wieder, so prüde wie du bist."
„Ich bin nicht prüde...", brachte sie zwischen zusammengekniffenen Lippen hervor und Malfoy rollte mit seinen Augen.
„Natürlich bist du das. Du wirst immer noch rot nur bei der Erwähnung von Sex. … siehst du? Schon wieder."
Wie als wolle er seinen Standpunkt beweisen machte er eine Handbewegung, die auf sie deutete. Auf ihre Wangen um genau zu sein, die sich natürlich rot gefärbt hatten. Solche Verräter.
„Wieso sprecht ihr zwei überhaupt über so etwas?"
Die Stimme von Ron sorgte dafür, dass Hermione erschrocken herumfuhr. Sie hatte ihn vollkommen vergessen. Ausgeblendet. Sie hatte sich so auf Malfoy konzentriert, dass sie ihren besten Freund einfach ignoriert hatte. Was war sie bloß für eine Freundin?
„Oh Wiesel, wir sprechen ständig über sowas. Es ist zu amüsant sie damit aufzuziehen.", entgegnete Malfoy bissig und Hermione blähte ihre Wangen empört auf und sah wieder zu dem Slytherin herüber.
„Wenn du sehen würdest wie rot sie jedes Mal wird, oder wie die Schnappatmung bei ihr einsetzt … es ist köstlich. Wirkt beinahe so, als wäre es bei euch niemals ein Thema gewesen – über sowas spricht man wohl bei euch Heiligen nicht.", zog er weiter auf und sowohl Hermione als auch Ron funkelten ihn an.
„Es geht dich gar nichts an was wir für Themen hatten."
„Oh tut es auch nicht, ich mein ja nur. Aber ist auch gut so. Das du mit ihr nie über so etwas gesprochen hast, mein ich – man soll ja nur über die Dinge sprechen von denen man Ahnung hat."
Und da hörte Hermione das Knallen und Klatschen auch schon. Rons Faust hatte Malfoy mitten im Gesicht getroffen und Malfoy war einige Schritte zurück getaumelt. Er stolperte und ging zu Boden, während Hermione fühlte wie alles um sie herum zu schwanken begann.
Rons Stimme hörte sich so weit entfernt an, und sie konnte aus zusammen gekniffenen Augen sehen wie er sich über Malfoy gebeugt hatte und ihn anschrie – sein Gesicht wurde dabei immer knallrot. Sie sah bunte Flecken vor ihren Augen tanzen und dann war alles wie in Watte gepackt – stumpf und unterdrückt.
Es wurde dunkel um sie herum als auch sie zu Boden ging.
