Kapitel 21:
„Es war verantwortungslos von dir."
„Was soll das denn heißen?"
„Du hättest dich beherrschen müssen."
„Also bin ich Schuld oder was?"
„Siehst du etwa jemand Anderes hier, der Schuld sein könnte? Ich nicht."
„Er hätte einfach … die Klappe halten sollen."
„Und du hättest nicht auf ihn los gehen sollen."
„Das hier ist der Krankenflügel und nicht das Quidditch Feld.", ermahnte Professor McGonagall als sie durch die Tür herein kam.
„Ja Professor.", erklangen beide Stimmen im Gleichklang und sofort wirkte die ältere Frau deutlich entspannter.
„Wo ist Madame Pomfrey?"
„Auf dem Weg zu Professor Montgomery … sie glaubt, dass der Trank wohl doch … auch noch andere Wirkungen haben könnte.", murmelte Daphne, die sich langsam beruhigt hatte.
„Miss Greengrass, wollen sie mir dann auch erzählen was genau passiert ist?"
„Ich wünschte ich könnte Professor, aber ich war nicht anwesend. Ich habe nur Weasleys hysterisches Brüllen gehört. Wir sind alle von unseren Sitzen aufgesprungen und sind hochgerannt, aber da lagen Beide schon am Boden und waren nicht ansprechbar.", erklärte die Blondine und blickte zu dem Rotschopf herüber und ihr Gesicht verzerrte sich leicht wütend. Sie war entsetzt von dem aggressiven Verhalten, welches der Weasley Spross an den Tag gelegt hatte.
„Also Mr Weasley?", hakte Professor McGonagall dann nach und wendete sich an den Rotschopf, der betreten zu Boden blickte und mit seinen Füßen auf dem Boden herumscharrte. Als würde es etwas ändern, oder er dadurch weniger schuldig wirken, dachte Daphne und verdrehte ihre Augen.
„Malfoy und ich haben uns wohl in die Haare bekommen. Ich … hab ihn geschlagen, aber er hat mich provoziert – ich … hab rot gesehen Professor, wirklich.", stammelte der Junge und bekam die nervösen roten Flecken an Hals und überall am Gesicht als er aufsah nur um in das enttäuschte Gesicht seiner ehemaligen Hauslehrerin zu sehen. „Er stolperte und plötzlich hörte ich wie Hermione zu Boden ging."
„Wo sind ihre Mitschüler?", fragte McGonagall nachdem sie einige Sekunden hatte verstreichen lassen um die Informationen sacken zu lassen. Sie hatte Ron dabei mit mahnenden, enttäuschten und auch wütenden Blicken gestraft und der Junge wirkte dabei immer kleiner. Er sackte immer mehr in sich zusammen.
„Tracey und Pansy sind schnell hierher gerannt und hatten Madame Pomfrey Bescheid gegeben, als wir hier ankamen waren sie aber nicht mehr hier. Seamus und Dean hatten mir geholfen die Beiden hierher zu bringen und sind dann in die Eulerei verschwunden, sie wollten Harry und Ginny informieren – sie fanden es wäre nur richtig wenn Beide von der Sache wüssten. Der Rest ist im Gemeinschaftsraum geblieben, sie wollten den Krankenflügel nicht … belagern."
Die Schulleiterin nickte nur und machte einige Schritte auf die zwei eng aneinander stehenden Betten zu und betrachtete ihre Schüler eingehend. Es gab viel mehr Ärger als sie es angenommen hatte. Mehr als sie verkraften und schlichten konnte.
„Dann sollten wir jetzt auf Madame Pomfrey warten.", sagte die Frau schließlich und setzte sich zwischen die zwei Jugendlichen. Sie ließ es sich nicht ansehen, aber sie war erstaunt als Ron ihre Hand ergriff. Offensichtlich war er nun wirklich besorgt und brauchte den Rückhalt, aber es störte sie, dass er sich lediglich um Hermione Granger sorgte. Was mit Malfoy geschah, dass war ihm egal und es war etwas, was Professor McGonagall leider schmerzlich bewusst war.
„Da sind sie ja."
Sofort sprang die ehemalige Hauslehrerin der Gryffindors auf und bedeutete Daphne und Ron sitzen zu bleiben als sie auf die Medi Hexe zuging.
„Ja, da bin ich wieder."
Sie war kurz angebunden und bewegte sich hastig zu einem großen Eichenholzschrank herüber und suchte nach etwas. Die Phiolen, die sie dabei berührte klirrten und klapperten.
„Zack, was ist hier los?"
„Ich befürchte wir haben zu wenig Informationen über diesen Bindungszauber. Alles was wir uns bisher dazu überlegt hatten beruhte lediglich auf Vermutungen … Hypothesen.", sagte er so ruhig er unter diesen Umständen konnte.
„Ich habe recherchiert – sehr viel recherchiert - in den letzten Tagen und ich habe bisher kaum Informationen sammeln können und es konnte mir auch sonst kaum jemand helfen. Meine Briefe erhielten wenig Resonanz und jedes Buch, welches diesen Zauber erwähnt … spricht darüber so vage, dass ich das Gefühl habe immer noch am Anfang zu stehen. Das wir einen Gegentrank kennen ist beinahe ein Wunder."
„Was soll das bedeuten?", fragte Daphne neugierig und lehnte sich etwas in ihrem Sitz vor. Sie alle hatten angenommen, dass die Lehrer genau wussten was sie taten und das es sich lediglich um ein zeitliches Problem handelte. Sie hatte keine Ahnung gehabt, dass dieser Trank und dieser Zauber absolute Mysterien waren.
„Das wir uns hier auf Madame Pomfreys Erfahrungen verlassen. Sie hat diesen Zauber schon einmal gesehen und sie hat miterlebt wie der Gegentrank gebraut wurde … sie kann sich aber auch an keinerlei Besonderheiten mehr erinnern. Sie sagte damals wäre alles zwar schwierig gewesen, es wäre aber so weit normal verlaufen. Keine Komplikationen. Hier stehen wir vor einer, die wir nicht verstehen. Bisher dachten wir alle, dass die Distanz der ausschlaggebende Punkt für das Unwohlsein beider Parteien ist...", Professor Montgomery sah zu den beiden bewusstlosen Schülern herüber und schüttelte seinen Kopf. „Es scheint nicht der einzige Aspekt zu sein. So weit ich es verstanden habe, entfernten sie sich Beide zu weit voneinander ja, aber es sollte keine solchen dramatischen Konsequenzen nach sich ziehen."
„Wie konnte das alles überhaupt passieren?", knurrte Ron plötzlich wütend und erhob sich von seinem Platz. Er hatte alles mitangehört und war von Wort zu Wort wütender geworden. Dieser Lehrer plapperte vor sich hin und im Endeffekt wusste er nichts. Er philosophierte darüber, dass er nichts wusste, während Hermione da lag und darunter litt. Jeden Tag. Für Merlin weiß wie lange noch. Rons Wut wurde immer größer, je mehr er darüber nachdachte.
„Sie hätten aufpassen sollen und stattdessen stehen sie hier und … sagen im Grunde nichts. Das alles ist IHRE VERDAMMTE SCHULD.", nun war er laut geworden und sowohl Daphne als auch Montgomery sahen ihn erschrocken an.
„Mr. Weasley...", ermahnte McGonagall ihn doch er schüttelte nur den Kopf.
„Ich bin kein Schüler mehr, ich darf meine Meinung sagen. Das hier ist alles verdammt noch einmal ihre Schuld. Sie haben das zu verantworten. Wie können sie Nachts schlafen? Sie wissen, dass die zwei sich immer gehasst haben, oder? Wie er sie gequält und beleidigt hat?"
„Mr Weasley..."
Die Stimme der Schulleiterin zitterte regelrecht, doch was Ron tatsächlich stoppte war Daphne, die auf ihn zugekommen war und ihn mit einem solchen kühlen, abwertenden Blick ansah, dass es ihm die Sprache verschlug.
„Wie kannst du nur so sprechen? Du weißt nichts, oder? Du bildest dir ein etwas zu wissen … eine Ahnung von dem zu haben was in dem Kopf von Hermione vorgeht, aber eigentlich … verstehst du nichts. Du gibst Schuldzuweisungen von dir, dabei solltest gerade du wissen, wie sehr es ihr missfallen würde. Sie hat Draco damals dafür geschlagen, weil er genau das Selbe gesagt hatte. Auch er hat Professor Montgomery die Schuld gegeben und sie hat ihn dafür geohrfeigt … sei froh, dass ich nicht sie bin und ich mir meine Hand nicht an deinem Gesicht verletzen will.", Daphne Stimme war frostig. Sie zitterte dabei, weil sie sich so zusammenreißen musste nicht doch noch die Beherrschung zu verlieren.
„Sie und Malfoy kommen besser miteinander zurecht als du denkst. Vielleicht hast du ja recht – hast du bestimmt, denn er hat sie beleidigt und gedehmütigt ja – aber sie hat ihm verziehen. Sie hegt keinen Groll gegen ihn, sie ist ihm … uns gegenüber offener gewesen als die anderen Gryffindors, oder … Schüler im Allgemeinen. Wie wäre es wenn du dir eine Scheibe von deiner Ex Freundin abschneiden würdest."
Daphne betonte das Wort Ex besonders. Es sollte weh tun. Es sollte ihn treffen und das tat es auch. Ron zuckte zusammen als er es hörte und sein Gesicht wurde schneller grau und fahl, als sie sie blinzeln konnte. Sie hatte ihn getroffen und ihn zur Ruhe gebracht.
„Wenn sie mit ihrem Vortrag dann fertig sind...", räusperte sich die Medi Hexe schließlich. „...Ich warte schon eine Weile, aber ich wollte diese weltbewegenden, tiefgründigen Themen nicht unterbrechen."
Keiner der Anwesenden hatte Madame Pomfrey jemals so zynisch erlebt. Auch sie schien am Rande ihres Möglichen zu sein.
„Entschuldige Poppy.", sagte McGonagall zügig und versuchte die Wogen zu glätten. Sie waren alle gereizt und wütend. Sie hatten alle ihre eigenen Gründe dazu … obwohl allen bewusst war, dass die beiden bewusstlosen Schüler wohl die herausragendesten Gründe dafür hätten wütend zu sein. Gereizt zu sein. Überfordert und müde zu sein.
„Ich werde Mr Malfoy und Miss Granger einige Tage hier behalten und einige Dinge testen. Wir müssen mehr herausfinden, um Risiken zu minimieren und die Chancen für Beide zu optimieren. Sie haben aber keinerlei körperliche Verletzungen … es scheint ihnen soweit gut zu gehen. Ich habe ihnen einen Schlaftrank eingeflößt, damit sie sich erholen können. Damit beende ich die Besuchszeit, Miss Greengrass und Mr Weasley ich wünsche ihnen einen schönen Abend. Minerva, Zack … euch würde ich gerne noch in meinem Büro sprechen."
Daphne und Ron sahen sich nicht an als sie gemeinsam das Zimmer verließen. Sie wechselten kein einziges Wort. Es war alles gesagt worden, oder nicht?
„Ich wusste, dass Weasley Ärger machen würde."
Pansy rollte ihre Augen und streckte sich etwas in ihrem Sitz. Sie war hektisch, beinahe panisch gewesen als sie Draco bewusstlos gesehen hatte, doch sie hatte sich beruhigt. Sie war ruhiger geworden, als Madame Pomfrey ihr gesagt hatte, dass alles gut werden würde. Sie glaubte der Hexe. Sie würde es wohl niemals offen zugeben, aber sie vertraute der Medi Hexe mehr als den meisten anderen Menschen.
„Pans, er wollte das ja wohl nicht.", sagte Tracey langsam, doch auch sie war wütend auf Weasley, der hierher gekommen war und alles nur noch schlimmer gemacht hatte. Sie fragte sich, ob er wenigstens ein schlechte Gewissen hatte.
„Ich frage mich wirklich, wer ihm geschrieben hat.", brachte Zabini dann hervor und die Anwesenden sahen sich lange um. Es war aber unmöglich den Übeltäter herauszufinden. Niemand sah irgendwie in irgendeiner Weise schuldig aus. So als würde er oder sie sich schlecht fühlen.
„Vielleicht ja niemand von uns … sondern jemand aus den unteren Stufen?", spekulierte Hannah und zog ihre Beine auf die Couch und lehnte sich dabei mehr an Megan, die neben ihr saß und nur nachdenklich in das Kaminfeuer starrte.
„Spielt sowieso keine Rolle.", sagte die Brünette dann und blickte zu ihrer Freundin herüber und die Blondine nickte nur leicht. Sie war anderer Meinung, dass konnte man deutlich sehen, doch sie hielt sich damit zurück.
„Was machen wir nun?"
„Abwarten … wir können nur darauf warten, dass Daphne bald zurück ist und uns mehr sagt."
Auch wenn Zabini mit den Schultern zuckte und versuchte zu wirken, als wäre es ihm egal, er war für seine Verhältnisse blass um die Nase. Es hatte sie alle aufgeschreckt von diesem Vorfall zu hören. Sie waren die Streitereien gewohnt, aber doch nicht so etwas.
„Was wenn Weasley auch hierher kommt?"
„Er kann bei mir übernachten, falls es darum geht … und keinen Streit. Wir haben genug gestritten. Das Streiten hat uns bisher nicht weiter gebracht oder?", fragte Neville mutiger als er sich eigentlich fühlte. Dean und Seamus nickten verstehend und auch wenn der Rest der Anwesenden wohl nicht begeistert war, keiner widersprach ihm.
„Und ihnen geht es bestimmt gut?"
„Es wird ihnen gut gehen."
Daphne lag auf ihrem Bauch und ließ ihre Beine auf eine nervöse Art und Weise in der Luft auf und ab schwingen. Es hatte etwas ruheloses und zeigte wie besorgt und aufgewühlt sie noch immer war.
Es klopfte an der Tür und Tracey setzte sich auf um ihr Gesicht zur Tür drehen zu können.
„Ja?"
Als die Tür aufging, schoben sich die Gesichter von Megan, Hannah und Lisa durch den Spalt und Tracey winkte die Mädchen herein. Sie verbrachten nie Zeit gemeinsam, aber es fühlte sich nicht falsch an sie hereinzubitten.
Es war nicht mehr viel Platz auf Traceys Bett, aber sie quetschten sich alle enger zusammen, Pansy nutzte Millicents Schoß als Kissen und sowohl Hannah als auch Megan hatten sich im Schneidersitz an das Kopfende des Bettes gesetzt.
„Seltsam wie … es uns zusammen bringt, dass es den Beiden schlecht geht.", murmelte Daphne in das Kopfkissen hinein, welches sie näher zu sich gezogen hatte.
„Es ist wohl eher … die Sorge.", korrigierte Lisa und blickte dabei zu Daphne hinunter, die vollkommen erschöpft wirkte. Wahrscheinlich war sie vor allem so erschöpft, weil sie von ihren Mitschülern so gelöchert wurde. Sie hatten sie gefühlte Ewigkeiten ausgefragt. Nicht nur wegen dem Befinden von Hermione und Malfoy, sie hatten auch nach Ron gefragt. Er war verschwunden. Keiner wusste wo er war. Sie hatte lediglich gesagt, dass er irgendwann nicht mehr neben ihr hergelaufen war … sie hatte es auch nicht für wichtig empfunden. Sie war noch immer wütend auf ihn.
„Was glaubt ihr warum sie ohnmächtig geworden ist?", fragte Pansy schließlich in die Stille hinein. Millicent fuhr ihr beruhigend durch die Haare, weswegen sie beinahe entspannt klang. Doch die Sorge ließ sie natürlich nicht los. Keinen von ihnen.
„Ich glaube, dass ihre Anziehung … durch diesen Zauber sich auch anders manifestiert.", sagte Tracey langsam und leckte über ihre Unterlippe. „Vielleicht spüren sie einfach das, was der Andere auch spürt?"
„Aber sie hatte so häufig Kopfschmerzen und er hat nie über welche geklagt, auch nie so ausgesehen als hätte er welche.", gab Lisa zu bedenken und Tracey biss sich auf ihre Unterlippe.
Es war kompliziert und sie verstand warum Professor Montgomery wohl gesagt hatte, dass es sich anfühlte als würde er ganz am Anfang stehen. Sie alle verstanden nichts von der Sache. Sie konnten sich alle nichts erklären und das war das Tragische an der ganzen, dummen Situation.
„Was wenn es doch die Entfernung war?", fragte Millicent und zuckte mit den Schultern. „Es war wohl nicht weit, aber vielleicht doch genug."
„Es spielt keine Rolle …", unterbrach Daphne die Spekulationen und schüttelte ihren Kopf, ehe sie ihre Schultern ergeben hängen ließ. „ … was eine Rolle spielt ist, dass die zwei etwas schreckliches durchmachen und wir sie nicht darin unterstützen. Wir streiten alle nur, sind neugierig und geradezu … provokant. Als würden wir ihre Situation genießen. Ich frage mich … wiehäufig solche Sachen wie heute passieren müssen, bevor wir daraus lernen?"
„Warum hast du niemandem gesagt, dass du es warst?"
„Um mir anhören zu dürfen, dass ich Schuld bin? Weil Ron hierher gekommen ist und eine riesige Szene gemacht hat?"
Das Feuer wurde immer kleiner und es würde bald erlöschen. Sie könnten es mit etwas Zauberei am Leben erhalten, doch keiner machte auch nur Anstalten genau das zu tun. Sie saßen stumm auf der Couch. Erschlagen von den heutigen Ereignissen.
„Wieso hast du es überhaupt gemacht, ich versteh es immer noch nicht."
„Ich dachte, wenn er hierher kommt, dann … vergisst sie Malfoy."
Neville wirkte irritiert und zog die Augenbrauen kraus.
„Was meinst du mit, dann vergisst sie ihn? Sie klebt an ihm."
„Nein, dann vergisst sie ihn als Jungen. Als Mann. Sie merkt es vielleicht selbst noch nicht, aber alle Anderen tun es. Sie und er … sie gehören nicht zusammen. Er hat sie nicht verdient."
„Aber das hast nicht du zu entscheiden.", gab Neville energischer von sich, als man es von ihm gewohnt war.
„Ich meine es interessiert mich nicht, dass du ihm geschrieben hast, aber es geht dich nichts an. Ich bin auch nicht begeistert von ihm, aber wenn Hermione etwas für ihn fühlen sollte … dann ist es ihre Sache. Und seine. Nicht deine. Oder meine. Oder von irgendwem sonst."
Das Feuer erlosch und das Gespräch endete. Es gab nichts mehr zu sagen.
„Du bist so ein Idiot.", murmelte Ginny als sie sich auf einen der Stühle setzte.
Es war spät und sie war müde, aber sie würde ihrem Bruder dennoch den Kopf waschen, wenn es sein musste.
„Hier bitte.", sagte die Kellnerin und stellte drei Krüge auf den Tisch, ehe sie sich schnell einem anderen Tisch zuwandte. Es war später Abend und der Laden brummte geradezu. Das Feierabendbier rief immerhin.
„Ich wusste doch nicht ...", murrte Ron leise vor sich hin, ehe er an seinem Bier nippte. Es schmeckte nicht so wie es sollte. Der bittere Nachgeschmack von Reue, verdarb ihm das Bier.
„Und dann bist du einfach gegangen? Anstelle vielleicht noch einmal zu den Anderen zu gehen und dich der Sache zu stellen, kommst du hierher und bemitleidest dich selbst ja?", redete Ginny sich weiter in Rage und schüttelte ihren roten Schopf.
„Gin."
„Nichts da Harry, er muss das hören. Er hat Grenzen überschritten und so wie ich das höre, weiß er es auch. Aber er redet sich schön ein, dass er es nicht wusste und es nicht seine Schuld sein kann. Er redet sich ein, dass er es gut gemeint hat ..."
Ginny war außer sich und es lag nicht nur daran, dass ihre beste Freundin im Krankenflügel lag. Es lag auch daran, dass ihr Bruder schuld war. Es lag daran, dass er immer noch zu kindisch war und sich nicht zügeln konnte. Noch immer war es ein leichtes ihn in Rage zu bringen und dann verlor er sich. Es war seine Schuld und er gab es nicht einmal offen zu.
„Wir gehen sie morgen besuchen, dann kannst du dich entschuldigen. Und dann kannst du nur noch beten, dass sie dir verzeiht.", sagte sie nur noch und verschränkte ihre Arme.
„Und du solltest dich auch noch bei Malfoy entschuldigen.", brachte Harry dann hervor und Ginny nickte, während Ron ihn entgeistert ansah.
„Was soll ich?"
„Ihn hast du immerhin geschlagen. Aus welchem Grund auch immer."
„Er hat mich provoziert."
„Und dann schlägst du gleich zu? Was für einen kühlen Kopf du immer bewahrst, ein wahrer Held. Das richtige Material für einen Auror.", säuselte Ginny in einem gespielt süßen Ton, der deutlich machen sollte, dass sie ihre Worte keineswegs ernst meinte. Im Gegenteil.
„Ihr hättet es sehen müssen wie die zwei … wie sie miteinander umgegangen sind.", sagte Ron schließlich und vergrub seine Hände in den Haaren. Er war verzweifelt und müde, er fühlte sich schlecht und schuldig.
„Was meinst du?"
Harry hatte sich etwas aufrechter hingesetzt und man sah, dass der Beschützerinstinkt in ihm geweckt war. Auch er hatte einen enormen beschüchtzerischen Instinkt in sich was Hermione anging. Sie war wie eine Schwester für ihn. Nur Ginny schien sich keine Sorgen zu machen. Sie wusste, dass Hermione gut alleine zurecht kam.
„Es war als wäre ich nicht da. Sie haben sich … gekabbelt. Es war … ich konnte es nicht mitansehen.", gab er letztlich zu und ließ seinen Kopf hängen. Er hatte es sich nicht eingestehen wollen, dass der Großteil seiner Wut darauf beruhte, dass er eifersüchtig gewesen war. Es war etwas zwischen ihnen und er hatte es spüren können.
Ginny rollte ihre Augen, ehe sie in ihrem Sitz nach vorne rutschte und ihre Hände auf der Tischplatte abstützte nur um sich noch weiter zu ihm vorbeugen zu können.
„Das bedeutet, dass du noch schlimmer bist als gedacht. Dann hast du dich nicht nur persönlich provozieren lassen, nein du warst auch noch eifersüchtig. Worauf bitte? Ihr seid nicht einmal zusammen Ron. Ihr habt euch getrennt. Und sei froh, dass Hermione jedes Mal erzählt, dass ihr euch getrennt habt weil ihr unterschiedliche Ansichten habt. Ansonsten hättest du wahrscheinlich eher eins Übergebraten bekommen.", keifte die Rothaarige ihren Bruder an.
Sie liebte ihn über alles, aber sie liebte Hermione wie eine Schwester. Sie hatte sich immer gewünscht, dass sie ihre Schwester würde. Sie hatte gebetet, dass Ron sie irgendwann fragen würde, doch dann war alles auseinander gegangen. Hermione hatte allen gesagt, dass sie einfach andere Vorstellungen von der Zukunft hatten. Ginny hatte erst viel später herausbekommen, dass Ron ein anderes Mädchen gesehen hatte, als er mit Hermione zusammen gewesen war. Hermione hatte darüber niemals ein Wort verloren. Es ehrte sie in Ginnys Augen, dass sie Rons Ansehen nicht in den Abgrund schubsen wollte. Sie hätte es definitiv getan. Sie hätte ihn über die Klippe gestoßen und ihm dabei zugesehen wie er unterging.
„Nicht diese Geschichte wieder Ginny.", sagte Ron kleinlaut und seine Ohren wurden ganz rot, weil ihm das Thema unangenehm war. Natürlich war es das. Er hatte immerhin einen riesigen Fehler begangen.
„Zurück zum Thema.", sagte Harry dann und schüttelte seinen Kopf. Er hasste es manchmal, dass er zwischen den Stühlen saß – in vielerlei Hinsicht. Wenn Ron und Hermione sich gestritten hatten, Hermione und Ginny oder jetzt eben – Ginny und Ron. Er stand dazwischen und wusste nicht was er tun sollte. Er versuchte objektiv und sachlich zu bleiben, doch es fiel ihm häufig schwerer als er zugeben wollte.
„Wir gehen morgen hoch und du entschuldigst dich. Bei Malfoy und bei Hermione. Und lass uns hoffen, dass du keine weitere Szene provozierst, dann kann dir keiner mehr helfen Mann."
„Was wenn sie … mich jetzt hasst?"
„Dann hast du es verdient.", brachte Ginny kühl hervor und nahm Abstand in dem sie sich zurück gegen die Rückenlehne lehnte.
„Und was wenn sie … tatsächlich etwas mit ihm anfängt? Gerade mit Malfoy?"
Es war als hätte er Ginny ignoriert. Er hatte sie vollkommen ausgeblendet, denn in ihm war nur diese enorme Angst Hermione zu verlieren und das nicht nur als Partnerin fürs Leben, auch als Freundin. Und dann nicht nur einfach so, sondern auch noch an ihn. An Draco Malfoy.
