Kapitel 22:

Schritte, das Klirren von Glas und dann das Kratzen von einer Feder auf Pergament weckte Hermione an diesem Morgen. Sie war leicht irritiert von der Helligkeit, die sie umgab – immerhin war ihr Schlafzimmer durch die schweren Vorhänge abgedunkelt – und von den Geräuschen, die sie nicht zuordnen konnte. Auch die Bettwäsche fühlte sich seltsam unter ihren Fingern an, als sie ihre Hände bewegte um die Decke etwas von sich zu schieben. Als sie sich dann langsam aufsetzte, spürte sie einen stechenden Schmerz in ihrer Schläfe und das Mädchen wimmerte leise und fasste sich an die Stirn, was nun auch Malfoy aus seinem Schlaf weckte.

„Oh wie gut sie sind wach.", sagte Madame Pomfrey und sah kurz zu den beiden Schülern herüber, kümmerte sich dennoch zuerst um das, was sie eben gerade tat. Hermione konnte es nicht erkennen und um ehrlich zu sein, sie hatte andere Probleme.

Malfoy, der im Bett neben ihr lag, grummelte schlaftrunken, ehe auch er sich langsam aufrappelte. Er wirkte ähnlich munter wie sie, nämlich überhaupt nicht, seine Lippe war leicht geschwollen und er war blasser als er ohnehin schon war.

„Was machen wir hier?", fragte Hermione leise und mehr zu sich selbst als zu Malfoy oder gar zu Madame Pomfrey, die gerade ihre Arbeit beendet hatte. Natürlich hatte sie auch die Frage gehört.

„Sie sind gestern Abend ohnmächtig geworden – sie Beide. Es wundert mich nicht, dass sie sich nicht erinnern können, ich habe ihnen Schlaftränke gegeben, damit sie sich erholen konnten.", sagte die Medi Hexe sachlich und hoffte keine weiteren Gefühlsausbrüche mitansehen zu müssen. Sie hatte genug von emotionalen Schülern. Sie war gerne hier an der Schule und verarztete Schüler, aber sie hasste wie übertrieben dramatisch manche ihrer Schützlinge waren. Nicht das sie die gestrigen Streitereien für tatsächlich übertrieben dramatisch hielt – sowohl Weasley als auch Greengrass hatten durchaus verständliche Dinge von sich gegeben – aber sie konnte dennoch nicht viel damit anfangen. Streitereien führten nur zu mehr Arbeit und obwohl sie ihre Arbeit mochte, sie bevorzugte es dennoch wenn die Schüler gesund waren.

„Und ich habe sie außerdem für einige Tage entschuldigen lassen, denn ..", die Hexe stoppte kurz, was Hermione und Malfoy dazu veranlasste sich irritierte Blicke zuzuwerfen. Sonst fehlten Madame Pomfrey eher selten die Worte. „ … ich würde gerne einige Dinge ausprobieren. Gestern Abend – ihre Ohnmacht – sie war ungewöhnlich und hat Fragen aufgeworfen. Wir wissen nicht genug über den Bindungszauber, dem sie unterliegen, wir würden gerne mehr darüber erfahren. Natürlich nur um ihnen zu helfen. Also … wären sie einverstanden sich einigen Tests unterziehen zu lassen?"

Wieder wechselten Malfoy und Hermione Blicke und Madame Pomfrey musste sich eingestehen, dass sie durchaus erstaunt darüber war. Sie hatte die Aussagen von Daphne Greengrass nicht ganz ernst genommen. Sie hatte es bestimmt etwas übertrieben und es schöner dargestellt als es wirklich war, doch wenn sie die beiden Schüler jetzt so ansah, da konnte sie sich wirklich vorstellen, dass sie sich besser verstanden als man es annehmen würde. Vielleicht war dieser Zauber tatsächlich für etwas gut. Sie schüttelte diesen Gedanken ab, denn was konnte so ein Zauber schon gutes bringen? Es wäre unfair so etwas zu denken, immerhin litten Beide darunter, oder nicht?

„Natürlich wollen wir helfen, damit sie den Zauber besser verstehen können Madame Pomfrey. Wie können wir denn helfen? Was für Tests?", fragte Hermione dann langsam und setzte sich noch mehr auf und schlug die Bettdecke etwas mehr bei Seite.

„Nun erst einmal muss ich ihnen noch einmal etwas Blut abnehmen und dann werde ich an ihrem Blut einige Tests durchführen. Seit gestern Abend habe ich einige – teilweise auch sehr wilde – Spekulationen und Ideen, was dieser Zauber tatsächlich alles bewirken kann, oder könnte. Wir müssen da auf Nummer sicher gehen – um ihretwillen."

Die Medi Hexe wirkte beruhigend auf die beiden Schüler, denn weder Malfoy noch Hermione waren aufgebracht, oder verwirrt. Sie waren im Krankenflügel wach geworden und dennoch waren sie vollkommen ruhig. Vielleicht waren es aber auch noch die Nachwirkungen von den Schlaftränken.

„Aber sicher, wir helfen auf jede erdenkliche Weise.", sagte die Brünette kooperativ wie sie war und krempelte ihren Ärmel hoch. Malfoy tat es ihr nach und bald füllten sich auch schon einige Kanülen mit ihrem Blut und Madame Pomfrey machte sich an die Arbeit, während Malfoy und Hermione sich wieder hinlegen sollten. Sie gehorchten, wenn auch mit sehr viel Widerwillen.

„Was soll das heißen, sie sind noch im Krankenflügel?"

„Das soll bedeuten, sie müssen noch da bleiben.", sagte Neville zum wiederholten Mal, aber Ron war so irritiert, dass er es immer noch nicht begriff. Er stand vor Neville, der geduldiger war als ein leeres Blatt Papier.

„Was … aber warum?"

„Was will er?", fragte Daphne lauthals, als sie die Wendeltreppe herunter kam. Sie war noch immer nicht gut auf Ron zu sprechen und man hörte es in ihrer eisigen Stimme. Dennoch begrüßte sie Harry und Ginny mit einem Lächeln. Sie hatte Anstand.

„Er versteht nicht, dass sie immer noch im Krankenflügel sind.", gab Neville dann von sich und Daphne rollte mit den Augen.

„Du warst gestern selbst dabei, wir wussten Beide, dass sie noch da bleiben würden."

Neville sah zu Daphne herüber, die ihre Arme vor der Brust verschränkt hatte und Ron abwertend ansah.

„Ich ...", murmelte er nur, doch sie unterbrach ihn sofort wieder.

„Ja, was denn? Du hast nicht zugehört, denn du warst in deiner eigenen kleinen Welt. Du hast die Beiden dorthin verfrachtet aber alles was du gesehen hast ist die Tatsache, dass er dich provoziert hat. Großartig Weasley, wirklich."

„Jetzt fahr ihn nicht so an. Man sieht doch wohl, dass es ihm Leid tut.", keifte Ginny, die sich nun neben ihren Bruder stellte und eine Hand auf seine Schulter legte. Ja sie war sauer auf ihn und ja er hatte Mist gebaut, aber er musste sich doch nicht von einem Slytherin Blondchen so anmaulen lassen, oder?

„Und? Was können die Beiden sich jetzt davon kaufen? Nicht einmal Gute-Besserungs-Blumen. Er sollte zu ihnen gehen und ihnen in den Arsch kriechen und betteln und auf den Knien rutschen damit sie ihm verzeihen."

„Daph.", Traceys Stimme war ruhig als sie neben ihre Freundin trat.

„Was?"

„Es reicht, glaubst du nicht? Wir haben gestern selbst gesagt, dass es genug Streit gab. Es reicht.", ermahnte die andere Blondine und Daphne schüttelte Traceys Hand ab, die sie auf ihren Unterarm gelegt hatte.

„Ja unter uns – die Drei gehören nicht dazu. Er taucht hier auf und stiftet Unruhe. Die Zwei kamen ganz wunderbar ohne ihn aus, sie hatten es auch so schon schwer genug mit all den Leuten, die sie immer anstarren. Sich das Maul zerreißen und ihr … ihr seid doch nicht besser mit den Wetten, die ihr auf sie abgeschlossen habt.", Daphne redete sich regelrecht alles von der Seele und es war als würde sie nicht einmal Luft zwischen den einzelnen Worten holen.

„Beruhig dich, es wird alles gut.", sagte Tracey noch einmal eindringlicher und umklammerte nun Daphnes Oberarme mit ihren Fingern und schüttelte sie sachte. Es brachte sie zwar nicht davon ab Ron weiterhin wütend anzufunkeln, aber zumindest hielt sie fürs erste den Mund. Sie zuckte mit den Schultern und lehnte sich gegen das Sofa.

„Was geht es sie überhaupt an?", murmelte Ginny und drehte sich zu Harry herum.

„kein Streit.", ermahnte Tracey noch einmal und schüttelte ihren Kopf.

„Ja, Tracey hat Recht. Also ich meine … wir sollten nicht streiten.", sagte Neville und wurde leicht rot um die Nase. Er hatte Tracey noch nie beim Vornamen genannt. Allgemein hatte er noch nie mit ihr gesprochen. Zumindest nicht wirklich.

„Ja, es bringt uns nicht weiter.", gab Harry dann zu und sah zu seiner Freundin herüber, die noch immer empört zu sein schien. Sie kreuzte ihre Arme vor der Brust und schüttelte ihren Kopf.

„Da ihr schon einmal hier seid, vielleicht wollt ihr ja mit uns essen kommen?", schlug Neville vor und Harry lächelte seinen Freund dankbar an. Wenigstens einer bemühte sich um Frieden. Naja Tracey Davis schien sich auch zu bemühen, auch wenn er nicht verstand wieso.

„Klingt gut und wenn ihr im Unterricht seid, dann können wir ja nach den Beiden sehen.", sagte der Schwarzhaarige und folgte kurz darauf Neville aus dem Gemeintschaftsraum der ‚Achtklässler'.

„Jetzt schau nicht so grimmig."

„ich bin wütend, lass mich.", murrte die Blondine und erstach eine Weintraube mit ihrer Gabel. Und das auf die brutalste Art und Weise.

„Das kann ich sehen Daph, aber du solltest dich wirklich zusammenreißen.", sagte Nott so ruhig es ging. So leise wie es ging, denn sie saßen nicht weit von den ehemaligen Gryffindors entfernt.

„Ach ich soll mich zusammenreißen?"

Daphne blähte ihre Wangen beleidigt auf und sofort beschwichtigte Nott sie, legte eine Hand auf ihren Oberschenkel und sah sie mit durchdringendem Blick an.

„Daph, bitte … du bist das Beste was Slytherin zu bieten hat. Du hast eine Vorbildfunktion – ich weiß, dass er dich wütend gemacht hat. Ich weiß, dass du Granger magst und ich weiß auch, dass du an Draco hängst aber … du musst jetzt diplomatisch sein. Wir können nicht den Kopf verlieren und mehr Ärger machen. McGongall grillt uns sonst … bei lebendigem Leibe. Ich bin zu jung und zu gutaussehend um zu sterben Daph."

Nott konnte theatralisch sein und es brachte Daphne jedes Mal aufs Neue zum Lachen.

„Ich bemühe mich, versprochen.", sagte sie schließlich atemlos vor Lachen.

Man sah zu ihnen herüber, doch niemand fragte, was auch gut so war. Schlussendlich beteiligte sich Nott an dem Gespräch zwischen Zabini und McMillan und Daphne hörte Tracey und Pansy bei ihrem Gespräch zu.

„Also …", begann die Medi Hexe, als sie mit einer ganzen Rolle Pergament zu den Betten herüber schritt. „ … Ich habe dann noch einige Fragen."

Hermione und Malfoy hatten sich die Zeit ganz gut vertreiben können. Zuerst hatten sie Frühstück serviert bekommen und danach hatten sie ein Gespräch angefangen. Es war oberflächlich und seltsam, aber die Zeit war dennoch ganz passabel verflogen. Zumindest fürs erste. Beide konnten nur ahnen wie langweilig es werden würde, wenn sie tatsächlich länger bleiben sollten.

„Mister Malfoy, ich fang bei ihnen an."

Malfoy nickte nur und Hermione drehte sich auf dem Bett, so dass sie ihn direkt ansehen konnte. Ihre Beine zog sie an ihren Körper und sie legte ihr Kinn auf ihre Knie ab, als sie den Fragen lauschte.

„Haben sie das Gefühl sich … persönlich verändert zu haben seit dem Zauber – damit meine ich nicht Veränderungen, die natürlich auf sie wirken. Ich meine eher – Persönlichkeitsveränderungen … vielleicht sogar verschiebungen, die sie für unerklärlich halten?"

Malfoy zog eine Augenbraue hoch und sah dann zu Hermione herüber, aber auch sie wirkte überrascht und zuckte nur mit den Schultern. Sie kannte ihn ja kaum.

„ich weiß nicht. Ich würde schon sagen, dass ich mir treu geblieben bin – vielleicht bin ich hier und da etwas … zickiger.", sagte er schließlich und zuckte ebenfalls mit den Schultern.

„Fühlen sie sich generell müder? Ausgelaugter?"

„Wer würde das nicht? Man hat keine Möglichkeit sich zurückzuziehen und man ist die absolute Schulattraktion … ist schon ermüdend, ja."

„Leiden sie unter Kopfschmerzen?"

„Manchmal. Nicht so häufig wie Granger."

„Hier geht es um sie Mister Malfoy.", sagte Madame Pomfrey, lächelte dabei aber. „Schlafstörungen?"

„Nicht mehr so häufig, also nein."

„Albträume?"

„Auch seltener geworden."

„Haben sie das Gefühl, dass Miss Granger ihre Laune beeinflusst?"

„Wie meinen sie das?"

„Haben sie konkret das Gefühl, dass sich ihre Laune verschlechtert, wenn es ihr auch schlecht geht?"

Stille. Malfoy sah die Medi Hexe an und wirkte sprachlos. Er sah zu Granger herüber und auch sie wirkte überrascht und schien darauf keine wirkliche Antwort zu haben. Auf so etwas achtete man ja schließlich nicht.

„Ich weiß nicht – ich glaube es kommt darauf an … wenn ich der Grund bin eher nicht. Aber wenn die Anderen dafür sorgen, dass sie schlechte Laune hat dann irgendwie schon. Aber eher weil ich ihre schlechte Laune ertragen muss, verstehen sie?"

„Fühlen sie sich wohl in Miss Grangers Gegenwart?"

„Bitte was?"

„Ob sie sich körperlich wohl fühlen in ihrer Gegenwart?"

„ich hab schon verstanden aber … was? Warum fragen sie so etwas?"

„Beantworten sie mir meine Frage Mister Malfoy."

„Ich glaube, dass wenn ich es nicht tun würde … wir uns wohl schon umgebracht hätten. Sie kann … eine angenehme Gesellschaft sein."

„Das habe ich nicht gefragt, achten sie bitte darauf, was ich Frage."

„Ja ich fühle mich wohl. Ich bin nicht gestresst oder sonst irgendetwas. Ich kann mich in ihrer Gegenwart entspannen – es macht mir nichts."

„Nun da wir das geklärt hätten – löst Miss Granger denn andere Gefühlsextreme in ihnen aus? Also ihre Gegenwart?"

Malfoys Augen wurden groß. Sofort dachte er natürlich an das eine Gefühlsextrem – sie machte ihn an. Das war wohl kaum zu verleugnen. Manchmal wusste er gar nicht wieso und woher das so plötzlich gekommen war. Aber ja, sie löste solche Gefühlsextreme in ihm aus. In letzter Zeit sogar häufiger als für ihn erträglich wäre.

„Ja."

„Werden sie wach, wenn Miss Granger es ist?"

„Manchmal. Sie denkt so fürchterlich laut."

„Wird sie wach, wenn sie es sind?"

„Häufig, ich sehe es zumindest, dass sie langsam wach wird."

„Wenn sie morgen wieder getrennt wären – wie würde sich das für sie anfühlen?"

„Seltsam."

Die Antwort war so schnell gekommen, dass es ihn selbst überraschte. Er hatte schön sagen sollen. Befreiend. Wundervoll. Aber doch nicht seltsam. Aber das war das perfekte Wort um die Situation zu beschreiben oder? Es wäre seltsam sie nicht mehr bei sich haben zu müssen. Und er gestand es sich langsam auch selbst ein, dass er sie sogar irgendwie vermissen würde. Ob sie ihn auch ein klein wenig vermissen würde? Wahrscheinlich nicht, denn sie hatte doch gerade eben erst einen Nervenzusammenbruch gehabt, weil der Gegentrank noch so lange brauchen würde. Er fühlte sich irgendwie dumm … sie hatte seine Antwort immerhin gehört und dachte bestimmt Merlin weiß was dabei. Malfoy schluckte.

„Dankesehr. Nun zu ihnen Miss Granger."

Hermione war noch immer in Gedanken bei Malfoy und all den Antworten, die er der Medi Hexe gegeben hatte. Manche hatten sie erstaunt. Manche nicht. Und manche hatten sie sogar sprachlos zurück gelassen – um genau zu sein die Letzte hatte es getan.

„Haben sie das Gefühl, dass sie Mister Malfoys Gefühllage einschätzen können?"

„Jetzt oder generell?"

„Generell."

„Ja, ich denke schon."

„Sind sie häufig in einer ähnlichen Gefühlslage?"

„Es fühlt sich so an, ja. Nicht immer, aber häufig trifft es ganz gut."

„Haben sie das Gefühl, es beruhigt sie, wenn es Mister Malfoy gut geht?"

Hermione sah Malfoy lange an, ihre Augen hielten seine fest, ehe sie antworten konnte.

„Ja. Es fühlt sich an, als müsse es ihm gut gehen, damit es mir auch wirklich gut gehen kann. Als … würde es meiner Laune schaden, wenn es ihm nicht gut ginge."

„Sie leiden mehr unter Kopfschmerzen als Mister Malfoy, stimmt das?"

„Wird wohl so sein."

„Ist er ein Auslöser?"

„Nicht immer, meistens die Umstände an sich."

„Neigen sie generell zu Kopfschmerzen?"

„Ja. Schon immer."

„Wenn sie zwei alleine sind, werden sie besser?"

„Ja."

„Schlafen sie besser, wenn Mister Malfoy bei ihnen ist?"

„Ja."

Es war seltsam es zuzugeben, aber sie schlief deutlich ruhiger neben Malfoy und es hatte sie bisher noch nicht einmal gewundert. Nun wunderte es sie aber. Sie wollte wissen wo die Zusammenhänge waren und was Madame Pomfrey eigentlich wirklich wissen wollte. Sie verstand die Fragen nicht. Sie verstand es alles nicht.

„Und wie würden sie sich fühlen, wenn sie morgen plötzlich wieder getrennt wären?"

„Seltsam."

Es kam einfach so aus ihr heraus und auch sie war überrascht über die schnelle Antwort. Und über die Antwort an sich.

Madame Pomfrey jedoch nickte nur, vollendete ihre Notizen und stand auf. Sie ging zu ihrem Tisch hinüber und ließ die beiden Schüler alleine. Ansehen konnten sie sich jedoch nicht – all die Fragen und Antworten hatten sie aufgewühlt zurück gelassen.

Eine Viertelstunde später klopfte es an der Tür, ehe diese aufging nur damit Ginny ihren roten Schopf hindurchschieben konnte.

„Guten Morgen aller liebste beste Freundin.", trällerte das Mädchen und kam in den Raum gestiefelt, dicht gefolgt von Harry und Ron.

Hermione lächelte breit und kniete sich auf das Bett, damit sie mit Ginny au Augenhöhe war um sie umarmen zu können. Sie drückte das Mädchen eng an sich, ehe sie auch Harry eine feste Umarmung gab. Ron blieb am Fußende stehen und wirkte so, als wolle er nicht einmal dort sein.

„Und du sagst mir nicht Hallo?", fragte die Brünette schließlich und der Weasley Spross zuckte nur mit den Schultern.

„Er hat ein schlechtes Gewissen und hofft auf dein Mitleid.", knirschte seine Schwester und setzte sich zu Hermione aufs Bett. Sie sah zu Malfoy herüber und nickte ihm nur kurz zu. Freundlich war sie dabei aber keineswegs. Harry hingegen reichte Malfoy sogar seine Hand. Er war so viel erwachsener geworden, dachte Hermione als sie die Geste sah.

„Ein schlechtes Gewissen?", fragte Hermione irritiert und sah zu Malfoy herüber, doch auch dieser zuckte nur mit den Schultern, was für Irritation unter den ehemaligen Gryffindors führte. Selbst Ron war plötzlich voll bei der Sache.

„Soll das heißen, ihr erinnert euch nicht?", hakte er nach und Hermione zuckte mit den Schultern. Wieder einmal.

„Woran denn?"

„Na daran, dass der Trottel sich mit Malfoy geprügelt hat und ihr daraufhin zusammengebrochen seid. Er hat wahrscheinlich gehofft keiner sagt es euch – aber ich finde er sollte sich entschuldigen.", sagte Ginny, dabei war sie wenig einfühlsam ihrem Bruder gegenüber.

„Oh warte, ich weiß es wieder.", sagte Malfoy plötzlich und seine Lippen verzogen sich zu einem Grinsen.

„Ich hab gesagt – dass es gut ist, dass du nie mit Granger über ...", doch Hermione unterbrach ihn. Sie war aufgesprungen und hatte ihm eine Hand auf den Mund gedrückt.

„Um Merlins Willen, halt doch den Mund….", sagte sie schnell und dann kreischte sie laut auf. „Bwah … spinnst du? Du kannst doch nicht meine Hand … das ist ja widerlich."

Hermione verzog ihr Gesicht und strich ihre Hand über ihre Bluse.

„Du wolltest mich ausreden lassen. Strafe muss sein Prinzessin."

Hermione verzog das Gesicht bei dem Spitznamen, setzte sich aber wieder auf ihr Bett und ließ sich nach hinten fallen.

„Also … darf ich dann?", fragte Ron, dessen Stimme ganz schwach und zittrig wirkte.

„Was denn?"

„Naja mich entschuldigen?"

„Ach was, ich hab dich provoziert Weasley."

Alle vier sahen erschrocken zu Malfoy, der nur lachte, seinen Kopf schüttelte und schließlich mit den Achseln zuckte.

„Du färbst ab Granger – du und Greengrass, die langsam zur Hufflepuff mutiert."

„Davon hab ich nichts gemerkt."

„Was meinst du?", sofort war Hermiones Neugier geweckt und sie sah Ron gespannt an. Vergessen waren Malfoys Anwandlungen.

„Sie hat mich vor McGonagall und diesem Montgomery und Madame Pomfrey fertig gemacht und heute Morgen auch noch einmal."

„Hast du aber auch verdient Bruderherz."

Das Gespräch wurde von Madame Pomfrey unterbrochen, die zwar kurz überrascht stehen blieb, als sie die Besucher an den Betten sah, sich aber nicht beirren ließ.

„Die Besuchzeit wird auf später verschoben meine Dame und meine Herren – ich muss mit den Patienten noch einiges besprechen … also husch."

„Aber sicher, wir sehen uns später.", sagte Ginny und hoppste von Hermiones Bett herunter. Sie winkte ihr noch einmal zum Abschied und schenkte Malfoy ein schiefes Lächeln. Harry und Ron nickten Beiden nur zu, ehe sie dem Mädchen folgten.

„Du hast Recht.", murmelte Ginny, als die Drei endlich auf den Ländereien waren. Sie hatten sich Zeit gelassen und waren gemächlich durch das Schloss spaziert, aber sie hatten alle die Ländereien anvisiert. Hogwarts fühlte sich noch immer nach zu Hause an, aber irgendwie waren die Mauern dennoch beklemmend.

„Was meinst du?", fragte Harry leicht irritiert an seine Freundin gerichtet, die ihre Augen mit einer Hand vor der Sonne schützte. Es war ein schöner, noch leicht spätsommerlicher Herbsttag und sie wünschte sie könnte einfach mit ihren Freunden hier draußen sitzen und das Wetter genießen. Leider war das nicht möglich.

„Ron hat Recht, es ist etwas zwischen ihnen. Sie benehmen sich so offen, sie bemerken es nicht einmal.", erklärte die Rothaarige und ließ sich schlussendlich unter einem Baum nahe des Sees fallen.

„Ich bin also nicht wahnsinnig?", grummelte Ron nur und Ginny verzog ihr Gesicht leicht.

„Doch du bist wahnsinnig, weil es dich stört. Es sollte uns nichts angehen. Es geht uns auch nichts an. Und wenn sie sich mit ihm versteht, dann … dann ist es eben so."

Und obwohl ihre Worte so positiv den Beiden gegenüber gestimmt waren, fühlte es sich für das Mädchen dennoch falsch an sie auszusprechen. Sie merkte selbst wie unsicher sie klang. Sie stand nicht vollends hinter ihrer Aussage. Sie war sich sicher, dass Malfoy ihr nicht schaden würde und wenn, dann könnte sie sich wehren, aber auch ihr missfiel die Vorstellung von Hermione und dem Malfoy Spross. Und sei es nur als entfernte Bekannte. Es hörte und fühlte sich einfach falsch an. Sie verstand Ron da besser, als er es wahrscheinlich ahnte.

„Vielleicht löst sich dieses Problem ja von alleine – sie hängen noch aneinander und sind Tag und Nacht zusammen soweit ich es verstanden habe. Vielleicht können sich die Beiden bald auch nicht mehr sehen und ihr müsst euch darum keinen Kopf mehr machen.", gab Harry dann schlussendlich von sich. Er wirkte leicht gereizt, weswegen Ginny ihn fragend ansah, doch er schüttelte nur den Kopf. Er hatte gehofft, dass Ginny mehr Verständnis zeigen konnte, doch auch wenn sie es versuchte … etwas sträubte sich in ihr und es missfiel und enttäuschte Harry, auch wenn es unsinnig war.

„Ist auch egal oder? Eine Sache wissen wir definitiv … du liebst sie noch und solltest sie vergessen. Und wir helfen dir. Es war enorm schwer Mom zu trösten und ihr zu sagen, dass Hermione dennoch Teil der Familie ist, da wird es ein Kinderspiel sein dir diese Idee aus dem Kopf zu schlagen."

Ron seufzte nur, nickte aber und hoffte dennoch, dass Ginny unrecht hatte – vielleicht musste er sie ja nicht vergessen.

„Und was bedeutet das?", fragte Hermione, als sie auf die verschiedenen Proben blickte, die Madame Pomfrey ihnen abgenommen hatte. Sie konnte nichts erkennen, und auch die Notizen daneben ergaben für sie keinen wirklichen Sinn.

„Es ist wie folgt … Ich habe immer eine Blutprobe von ihnen und eine von ihnen nah beieinander gelegt und da konnte man schon Wirkungsweisen im Blut erkennen. Wenn ich dann eine Blutprobe präpariert habe reagierte die Andere darauf.", erklärte die Medi Hexe und deutete auf die ersten zwei Kanülen.

„Vitamin C – ein ganz einfaches Vitamin und man sollte meinen es täte nichts, aber siehe da nur eine Probe hat es erhalten und dennoch hat man einen geringen Effekt in der anderen Blutprobe gesehen. Es bedeutet nicht, dass einer von Beiden sich jetzt vernachlässigen darf, aber es ist ein Anhaltspunkt dafür, dass sie enger zusammenhängen als geahnt."

Hermione betrachtete die Proben noch einmal und blickte dann auf die Notizen aber noch immer verstand sie nicht viel davon. Malfoy wirkte absolut desinteressiert, auch wenn sie beinahe spüren konnte, dass der Gegenteil der Fall war.

„Das Gleiche habe ich mit weiteren Wirkstoffen gemacht und dann habe ich ihnen Fragen gestellt – einfach um meine Vermutungen zu untermauern."

„Was bedeutet das konkret?"

„Konkret kann ich nicht werden Miss Granger, denn ich weiß immer noch viel zu wenig und dieser Zauber wird wohl auch weiter ein Mysterium bleiben, aber was ich feststellen konnte – und das dank ihrer Hilfe – ist die Tatsache, dass sie Einfluss auf den Anderen haben. Es scheint ihnen besser zu gehen, wenn es dem Anderen auch gut geht. Ihre Laune senkt sich, wenn es dem Anderen schlecht geht. Generell scheinen sie sich gut zu tun, denn sie Beide neigen nicht mehr so zu Schlafstörungen und Albträumen und wie man an den Bluttests sehen konnte, neigen auch diese zu Spiegelungseffekten. Sie sind nicht enorm, aber nicht vernachlässigbar. Als Mr Malfoy ohnmächtig wurde, haben sie ihn gespiegelt, dazu kam die Entfernung und es führte zu ihrer Ohnmacht.", schlussfolgerte die Hexe letztlich und sah die Schüler erwartungsvoll an.

Malfoy runzelte die Stirn, während Hermione lange Zeit nur auf ihre Hände in ihrem Schoß starrte.

„Aber es ergibt keinen Sinn … da waren so viele Momente in denen … es anders war. Diese Momente würden die Theorie zunichte machen.", stammelte sie nun leise vor sich hin.

„Ich glaube – und das ist meine tatsächliche Vermutung aber eben auch nur eine Spekulation – es liegt viel an ihnen selbst. Je mehr sie sich verbunden fühlen umso ausgeprägter wirkt dieser Effekt. Ich glaube auch, dass er mit der Zeit zunehmen wird, da ihr Zusammengehörigkeitsgefühl steigen wird. Sie sind jetzt schon besser aufeinander zu sprechen, als man es jemals für möglich gehalten hätte."

Hermione sah zu Malfoy herüber und traf auf die kühlen, sturmgrauen Augen, die sie immer wieder in ihren Bann zogen. Zusammengehörigkeitsgefühl – sie konnte es spüren und sie wusste, dass er es auch konnte.

Es würde sich seltsam anfühlen, wenn er nicht mehr da wäre, schoss es ihr dann durch den Kopf und ihr Herz schlug schneller.

„Ich habe es ihnen nie gesagt, aber die zwei Menschen, die in der Vergangenheit dem Zauber zum Opfer fielen … haben sich gut verstanden, schon vor dem Zauber. Sie heirateten später, denn diese Bindung … sie sind sie zwar vom magischen Aspekt her los geworden, doch sie fühlten sich auch Jahre später noch immer zueinander hingezogen. Zugehörig."

Hermione fühlte wie ihr Herz immer schneller schlug, diesmal aus Verwirrung … und irgendwie auch aus Angst.

„Professor … wer?"

„Mr Malfoy, sie sollten mit ihren Eltern sprechen.", sagte Madame Pomfrey nur und stand dann auf um den beiden Schülern etwas Luft zu geben und sie alleine überlegen zu lassen.