Kapitel 23:
„Ich hab Nein gesagt."
„Und ich habe dir erklärt, warum dein Nein mich nicht interessiert."
„Ich gehe nicht nach Malfoy Manor. Ich setze keinen Fuß in dieses Haus."
Malfoy drehte sich zu Hermione herum, die aufgebracht hinter ihm her gelaufen war. Madame Pomfrey hatte sie fürs erste entlassen, sie sollten aber am Abend wieder kommen, denn sie wollte noch einige Tests durchführen während sie schliefen.
Der Platinblonde legte seine Hände beinahe beruhigend auf Hermiones Oberarme und sah sie dabei durchdringend an. Er kam ihr dabei auch etwas näher, was Hermiones Herzschlag wieder einmal aus dem Takt brachte.
„Ich weiß, dass du Angst hast und du brauchst es auch nicht leugnen. Das Haus ängstigt dich und ich bin mir sicher … meine Eltern tun es auch, aber sie stehen unter Arrest. Sie dürfen Malfoy Manor nicht verlassen – ich kann sie nicht hierher bitten und diese Dinge per Eule zu klären würde dauern. Ich will jetzt wissen worauf Madame Pomfrey hinaus wollte. Willst du das nicht?"
Er spielte auf ihre Neugier an und hoffte damit einen Treffer zu erzielen. Sie musste sonst auch immer alles wissen, vielleicht würde es ihm hier etwas nützen. Und tatsächlich konnte er sehen wie ihre Gesichtszüge sich veränderten und sie ins Wanken geriet. Sie wollte es genauso sehr wissen wie er auch. Er konnte es in ihrem Gesicht, in ihren Augen erkennen und alleine das jagte ihm Angst und Schrecken ein, denn seit wann konnte er Granger so gut lesen? Seit wann verstand er sie und wusste, was er sagen musste um sie von etwas zu überzeugen? Wann waren sie sich so nahe gekommen?
„Ich … ich komme mit. Ich habe ja keine andere Wahl, oder?", sagte sie schließlich aber ihre Stimme zeigte noch immer ihre Angst und Unsicherheit. Er wünschte sich tatsächlich er könnte sie ihr nehmen, doch das war unmöglich. Er konnte ihr nichts sagen, was ihr die Sicherheit geben würde, die sie brauchte. Sie konnte nur ins kalte Wasser springen, sich überwinden und damit die Ängste bekämpfen.
„Dann sollten wir Professor McGonagall noch Bescheid geben – ansonsten heißt es noch wir haben unerlaubt das Schulgelände verlassen."
„Sehr weitsichtig Mr Malfoy.". scherzte Hermione dann um ihre Nerven zu beruhigen und tatsächlich schmunzelte Malfoy leicht, ehe sie gemeinsam den Gang einschlugen, der zu dem Büro der Schulleiterin führte.
„Sie sind gerade gegangen. Sie sollten aber heute Abend wieder hier sein. Ich kann ihnen nicht sagen wohin sie gegangen sind.", sagte Madame Pomfrey an die Schüler gerichtet, die gekommen waren um Hermione und Malfoy zu besuchen.
„Vielleicht sind sie zum Gemeinschaftsraum gegangen?", spekulierte Tracey leise, ehe sie sich wieder an Madame Pomfrey wendete. „Danke dennoch Madame Pomfrey. Wir wollen sie dann auch nicht weiter stören."
„Ich würde gerne sagen, dass sie nicht stören, aber leider habe ich noch einiges an Arbeit zu erledigen meine Lieben.", sagte die Medi Hexe und scheuchte die Schüler wieder aus dem Krankenflügel.
Als die Tür hinter ihnen zufiel sahen sie sich nur kurz an und beschlossen dann zum Mittagessen in die Große Halle zu gehen, denn vielleicht würden Malfoy und Hermione ja dorthin gehen. Die Vermutung läge genauso nahe wie die Sache mit dem Gemeinschaftsraum.
„Ich frage mich, ob Madame Pomfrey mehr rausbekommen hat. Und ich frage mich, ob sie uns mehr darüber sagen werden oder es für sich behalten."
„Warum sollten sie Daph? Es ist nicht so als wären wir ihre Feinde. Sie werden schon darüber sprechen. Und wenn sie nicht mit uns allen reden, dann werden sie es eben … einzelnen Menschen sagen."
„Wenn du das sagst, ich weiß nicht … ich bin mir nicht einmal sicher, ob Draco Blaise davon erzählen würde.", entgegnete Daphne und kreuzte ihre Handgelenke in ihrem Rücken. Es war typisch für sie. Sie hatte sich diesen Gang von ihrem Großvater abgeschaut, der immer seine Arme auf den Rücken gelegt und dann die Handgelenke gekreuzt hatte. Er hatte es immer gemacht, wenn er nachdenklich hin und her geschritten war und als kleines Mädchen hatte Daphne es ihm immer gleich getan. Auch jetzt tat sie es noch, wenn sie nachdachte.
„Ich glaube wir sollten abwarten und uns nicht den Kopf zerbrechen. Die Hauptsache ist doch, dass es den Beiden wieder besser geht.", mischte sich nun Lisa ein, die die beiden Slytherin Damen begleitet hatte. Sie hatten sich alle geeinigt gehabt, dass sie unmöglich alle gemeinsam in den Krankenflügel stürmen konnten, also hatten sich Daphne, Tracey und Lisa angeboten. Daphne war schon am Abend zuvor dort gewesen also ergab es Sinn, dass sie auch jetzt dabei sein würde. Lisa war der ganzen Sache neutral gegenüber und stand weder Malfoy noch Hermione allzu Nahe. Es erschien den Meisten aus der Gruppe als richtig jemand neutrales mitgehen zu lassen. Und Tracey – sie hatte darauf bestanden, auch wenn niemand genau verstanden hatte wieso.
„Du hast wahrscheinlich recht.", sagte Tracey schließlich als sie die Große Halle erreichten.
Dort waren Malfoy und Hermione jedoch nicht zu sehen. Die Mädchen sahen sich einen Moment lang an, ehe sie zu dem Slytherintisch herüber gingen und sich dennoch zu den Anderen setzten, die sie mit gespannten Blicken ansahen.
„Sie sind nicht im Krankenflügel – zumindest im Moment nicht.", erklärte Daphne ohne irgendwelche Fragen abzuwarten. Sie wusste, sie würde spätestens jetzt dutzende erhalten.
„Wo sind sie dann?"
„Keine Ahnung. Ich wünschte wir wüssten das. Madame Pomfrey hat sie für den Tag entlassen, sie sollen aber am Abend zurück gehen. Vielleicht sind sie im Gemeinschaftsraum?"
„Wir waren bis gerade eben dort – das wäre sehr unwahrscheinlich.", erwiderte Nott und zuckte nur mit den Schultern. „Solange es ihnen gut geht – wir sind nicht ihre Babysitter.„
„Das nicht Theo, aber wir machen uns trotzdem Sorgen.", murrte Tracey.
„Ich frage mich wirklich um wen du dir da Sorgen machst Trace. Weil um Granger … ich glaube dir ja das du sie magst, aber so sehr? Nie im Leben."
Wieder einmal hing ihre Beziehung zu Draco im Raum und Tracey spürte wie ihr Herz schneller schlug, denn sie hatte bis zu diesem Moment angenommen, dass es endlich in Vergessenheit geraten war. Sie wollte nicht darüber sprechen was sie und Draco verband und sie wusste, dass es sie nur noch verdächtiger aussehen ließ. Pansy und Hermione hatten ja ebenfalls Vermutungen aufgestellt gehabt und es hatte sowohl Draco als auch sie in einem Licht dastehen lassen, welches ihr missfiel. Sie wollte nicht, dass jemand dachte es verbände sie eine romantische Beziehung. Aber sie konnte auch schlecht in Worte fassen, was sie wirklich verband.
„Ich finde nicht, dass sie sich da rechtfertigen muss.", sprang ihr Neville zu Hilfe. Er hatte bisher kaum ein Wort mit ihr gewechselt, aber er hatte mitbekommen, dass sie sich anständig verhalten konnte und versuchte sowohl Hermione als auch Malfoy zu verteidigen. Er wollte dasselbe für sie tun, wenn es ging.
„Seh ich genauso. Wenn du dein Revier markieren willst Theo, dann tut es mir Leid es dir zu sagen – aber du bist kein Hund und Trace ist kein Baum den du anpinkeln kannst.", sagte Pansy so cool sie konnte und verteidigte ihre Freundin. Sie verstanden sich wieder besser. Sie hatten sich wieder angenähert und es zeigte sich in solchen Momenten ganz deutlich.
Tracey verzog angewidert das Gesicht, bedankte sich dennoch mit einem Zwinkern bei Pansy, während Zabini, der neben Nott saß, schallend anfing zu lachen bei der Vorstellung wie Nott Tracey anpinkelte nur um jedem verständlich zu machen, dass er etwas mit ihr hatte. Es war auch so verständlich und offenkundig, aber gut …
„Wie lange seid ihr eigentlich schon zusammen?", fragte Lisa neugierig, als sie eine Kartoffel mit ihrer Gabel aufspießte.
„Wer? Wir? Bei Merlins Bart ich bin doch nicht mit Theo zusammen.", quiekte Tracey pikiert und schüttelte ihren Kopf.
„Ach nein?"
„Nein, bestimmt nicht. Wir kennen uns Ewigkeiten und wir verstehen uns ab und an ganz passabel, aber mehr als … das Körperliche ist nicht zwischen uns."
„Ihr seid da wirklich sehr sehr offen.", murmelte Neville vor sich hin und man sah wie seine Ohren dabei ganz rot wurden.
„Und ihr seid verdammt verklemmt.", entgegnete Nott ziemlich unterkühlt. Man hörte und sah ihm an, dass er solche Kommentare keineswegs mochte.
„Lass ihn doch. Es ist doch in Ordnung, wenn jeder andere Ansichten und Ideale hat. Wir Beide sind da eben offener und manche Menschen sind da eben weniger offen, aber das ist doch nicht schlecht … oder schlechter.", verteidigte Tracey Neville und biss sich danach leicht auf die Unterlippe. Sie mochte Neville. Sie mochte ihn sehr und obwohl sie so offen war und eigentlich niemals Hemmungen hatte, ängstigte sie die Vorstellung ihn darauf anzusprechen. Er war anders und außerdem war er ein Gryffindor und sie war eben … Tracey Davis. Sie war offen und er hatte es gerade eben erst gesagt und irgendwie wusste sie nicht, ob er es als etwas schlechtes ansah. Ob er sie deswegen weniger mögen würde.
„Ich geb Tracey Recht.", sagte Lisa nur und Nott nickte auffällig unauffällig als er das hörte. Er stimmte ihr natürlich sofort zu. In Traceys Augen war es so auffällig wie sehr Theo für Lisa schwärmte aber das Mädchen schien es nicht zu bemerken. Oder sie ignorierte es, was deutlich amüsanter wäre.
„Wie harmonisch wir doch sind ...", schmunzelte Daphne und lehnte sich an ihre Freundin, die sie leicht lächelnd in die Seite knuffte.
„Wir sagen es ja – du bist Hufflepuff durch und durch."
Und spätestens jetzt stimmten sie alle in ein gemeinsames Lachen ein.
„Wo sind wir?"
„Das ist mein Zimmer."
Hermione weitete ihre Augen und sofort sah sie sich in dem großen Raum um. Es war kühl hier – nicht von der Raumtemperatur her – sondern von der Einrichtung. Der Boden war mit dunklem Holz ausgekleidet und die Wände waren zwar deutlich heller und aus Stein aber es war dennoch keine Wärme zu spüren. Das Mobiliar war mindestens genauso dunkel wie der Holzboden und sie hatten kunstvolle Verzierungen und wirkten antik auf die Brünette. Sie sahen nicht gemütlich oder einladend aus. Sie sahen mehr nach Vorzeigeobjekten aus, herrschaftlich und elegant. Die Decken waren hoch und und die großen, Fenster waren von schweren smaragdgrünen Samtvorhängen verdeckt. Das Himmelbett in der Mitte des Raumes hatte die gleichen Samtvorhänge und auf dem Bett selbst lag eine Tagesdecke aus dem gleichen Stoff. Hermione fröstelte. Es gab nichts persönliches in diesem Zimmer. Es hatte nichts von Malfoy. Keine eigene Handschrift. Keine Details. Nicht einmal Bilder.
„Es gefällt dir nicht."
„Muss es mir denn gefallen?", fragte sie dann nach einiger Bedenkzeit.
Malfoy zuckte nur mit den Schultern als Antwort darauf.
„Es ist … schön, ich meine wenn man auf diesen prunkvollen, beinahe majestätischen Stil steht, aber es fehlt hier an Leben. Man sieht nicht, dass hier tatsächlich jemand lebt. Es wirkt wie … als wenn es nur ein Gästezimmer wäre, welches selten bewohnt wird.", erklärte sie ihre Gedankengänge ehe sie ihren Kopf schüttelte. „Ich wollte dir damit nicht zu nahe treten."
„Ich habe dich doch mehr oder weniger nach deiner Meinung gefragt, also ..."
„Auch wenn ich nicht verstehe wieso."
„Ist ja auch egal. Wir sollten dann ...", lenkte Malfoy schließlich ab, da es ihm unangenehm war weiter über dieses Thema zu sprechen. Er konnte ja schlecht zugeben, dass ihm ihre Meinung wichtig geworden war. Er konnte auch schlecht zugeben, dass sie Recht damit hatte. Er lebte hier nicht. Hier existierte er. Seitdem der Krieg vorbei war lebte er nicht mehr – nun in Hogwarts hatte er wieder damit begonnen. Seine Freunde hatten ihm geholfen, der Unterricht … sie. Sie hatte ihm auch geholfen. Mehr als er es zugeben wollte, mehr als sie es jemals ahnen könnte.
„Dann zeig mir den Weg.", forderte sie ihn auf und riss ihn damit aus seinen Gedanken und er ging mit ihr zur Tür hinaus.
Malfoy führte sie durch mehrere Gänge und mied dabei so gut es ging jenen Bereich des Hauses, den sie schon kannte. Sie verband nur schreckliche Erinnerungen damit, weswegen er sie damit nicht konfrontieren wollte, vor allem nicht weil sie sich so tapfer schlug.
Es dauerte eine ganze Weile bis sie vor der Tür des Salons standen und er noch einmal stehen blieb. Er sah zu Hermione herüber, die ihn neugierig musterte. Sie wirkte zwar noch immer etwas verunsichert auf ihn, doch sie hatte auch diesen Kampflustigen Blick, den er faszinierend fand. Sie hatte diesen Blick so häufig und er kam niemals umhin ihn faszinierend zu finden. Sie reckte dann immer das Kinn in die Höhe und dieses Funkeln in ihren Augen zeigte ihm, dass sie nicht klein bei geben würde. Er liebte es.
Hatte er das wirklich gedacht?
Er räusperte sich schließlich und nickte ihr aufmunternd zu und öffnete dann die Tür zum großen Salon und natürlich fand er dort seine Eltern vor. Sein Vater saß in dem großen Ledersessel vor dem Kamin und las im Tagespropheten während seine Mutter auf dem Ledersofa saß und ihre Nase in ein Buch gesteckt hatte. Auf dem Tisch standen zwei Gläser mit etwas Feuerwhiskey und im Kamin prasselte ein gemütliches Feuer.
Zuerst blickte seine Mutter auf und dann sah auch sein Vater zu ihm herüber. Die Gesichter veränderten sich von Erstaunen, zu Verwirrung, zu Freude bis hin zu absoluter Ausdruckslosigkeit als ihre Augen auf Hermione fielen.
„Sohn ..."
„Vater, ich hätte meinen Besuch angekündigt, aber er ist sehr spontaner Natur.", sagte der Platinblonde und machte zwei Schritte in den Raum hinein und automatisch machte auch Hermione zwei Schritte. Sowohl Narzissa als auch Lucius runzelten die Stirn, vor allem als Draco noch näher kam und Hermione ihm dabei immer weiter folgte.
„Und deine Begleitung hast du auch spontan mitgebracht?", fragte Narzissa schließlich und versuchte dabei so neutral wie möglich zu klingen.
„Genau diese Begleitung ist das Thema dieses spontanen Besuches.", setzte Draco an und ließ sich in den Sessel gegenüber von Lucius fallen. Hermione blieb einen Schritt neben dem Sessel stehen, doch beinahe automatisch klopfte Draco auf die Armlehne des Sitzes. Nicht nur Narzissa und Lucius schauten erstaunt, auch Hermione wirkte erstaunt über diese Geste. Sie nahm dennoch auf der Armlehne Platz, hielt aber so viel Abstand von Malfoy wie sie eben konnte.
„Ich hatte euch nicht geschrieben, ich wollte euch nicht beunruhigen, denn ihr hättet sowieso nichts unternehmen können. Während einer Zaubertränke Stunde ist ein Trank missglückt und seither leiden Granger und ich unter dem Zauber Magus adaesiona..."
Er hatte weiter sprechen wollen, doch sofort bemerkte er wie Lucius und Narzissa sich Blicke zuwarfen und er stoppte. Er beobachtete seine Eltern genau und er bemerkte sofort, dass sie mehr wussten, als er es je für möglich gehalten hätte.
„Madame Pomfrey hat uns heute Nahe gelegt, dass ich mit euch sprechen solle … wieso hat sie mir das Nahe gelegt?"
Das Schweigen war erdrückend und Beide – Hermione und Draco – dachten eine ganze Weile sie würden keine Antwort mehr erhalten, ehe Narzissa anfing zu erzählen.
„Es war in Lucius letztem Schuljahr. Da gab es ebenfalls ein kleines Missgeschick. Es war jedoch ein eigentlich geplanter Trank – Lucius hatte eine sehr talentierte Hexe in seinem Jahrgang, die versucht hatte neue Tränke zu entwickeln. Bei einem ihrer Versuche verkalkulierte sie sich jedoch und der Trank war nicht zu bändigen. Lucius hat mir davon berichtet, wie es zwei seiner Mitschüler – ebenfalls Slytherins – aneinander gebunden hatte. Damals mussten viele Maßnahmen vorgenommen werden, damit es für Beide möglich war weiterhin zum Unterricht zu gehen und ihr tägliches Leben zu führen. Sie waren auch vorher schon unzertrennlich, aber es war als würde dieser Zauber sie nur noch mehr miteinander verbinden."
Als Narzissa ihre Geschichte beendete, atmete Draco tief aus. Ihn hatte lange Zeit das Gefühl beschlichen, dass Madame Pomfrey seine Eltern gemeint hatte. Er hatte es sich nicht ausmalen wollen … er hätte seine Eltern plötzlich in einem neuem Licht gesehen.
„Madame Pomfrey hat gesagt, sie haben geheiratet ...", sagte Hermione dann plötzlich und ihre Stimme zitterte regelrecht. Sie war unsicher den Malfoys gegenüber. Sie war in ihrem Haus, sie saß nahe bei ihrem Sohn und sie wussten nun, dass sie fürs erste unzertrennlich waren. Sie fühlte sich leicht eingeschüchtert, wenn sie ehrlich sein sollte.
„Ja das haben sie.", entgegnete Lucius kühl und musterte die Brünette kurz, ehe seine Augen sich wieder auf Draco hefteten.
„Ich nehme an sie brauen den Gegentrank?"
„Ja das tun sie Vater, aber Professor Montgomery ist sich nicht ganz sicher wie lange es noch dauern wird."
„Ich hoffe deine schulischen Leistungen leiden nicht darunter.", ermahnte der ältere Mann seinen Sohn, was dazu führte, dass Draco sich gerader hinsetzte. Er schüttelte zügig seinen Kopf.
„Natürlich nicht. Wir hatten zwar gestern einen Zwischenfall, weswegen wir heute entschuldigt sind. Die Leistung hält sich trotz allem stabil Sir."
Hermione blickte zu Draco herüber und ihr Herz fühlte sich schwer an. Sie sah und hörte wie die Drei miteinander umgingen und auch wenn der Ton etwas rauer, deutlich kühler und so viel Distanz zwischen ihnen war, vermisste sie es. Sie vermisste es so mit ihren Eltern zusammen zu sitzen. Sie bemerkte wie sehr sie ihre Eltern vermisste und wie sehr sie sie noch immer brauchte. Ihre Brust schnürte sich regelrecht zusammen und ihre Augen füllten sich unkontrollierbar mit Tränen.
Als hätte er es gespürt, blickte Draco zu ihr herüber und als ihre Blicke sich trafen, atmete Hermione tief aus. Sie wusste nicht was sie erwartet hatte, aber sie hatte bestimmt nicht erwartet, dass Draco ihre Hand nahm und diese drückte wenn seine Eltern dabei waren. Er tat es dennoch.
„Willst du darüber sprechen?", fragte er so leise er konnte, damit seine Eltern es nicht unbedingt hörten. Sie schüttelte lediglich leicht ihren Kopf und er nickte kurz. Er würde sie nicht zwingen schon gar nicht hier. Er ließ aber ihre Hand nicht los. Im Gegenteil er drückte sie etwas fester und lächelte leicht, als er spürte wie sie ihre Finger mit seinen verschränkte.
„Ich will nicht neugierig sein, denn ich habe dir immer beigebracht das Neugier keine Tugend ist, aber … dürfte ich erfahren ob du seit neustem eine neue Freundin hast?", fragte Narzissa nun wenig subtil. Sie blickte dabei auf die verschränkten Finger der beiden jungen Menschen auf dem Sessel schräg gegenüber. Sie hatte ihre Beine übereinander geschlagen und wartete auf eine Antwort, während ihr Mann nach dem Whiskey Glas gegriffen hatte und den Rest der Flüssigkeit seinen Rachen hinunterkippte.
„Wenn du auf Granger anspielst Mutter, dann liegst du damit falsch. Wir sind lediglich magisch aneinander gebunden."
Er ließ ihre Hand noch immer nicht los, weswegen sich der Verdacht bei seiner Mutter trotz seiner Worte verhärtete. Sie blickte das Mädchen lange an … sie musterte sie ganz offenkundig und verzog dabei keine Miene, während Lucius sich noch ein Glas einschenkte. Es war als könnte er diese Neuigkeiten nicht auf leeren Magen vertragen.
„Miss Granger, richtig. Ich erinnere mich. Mir war der Name für eine Sekunde entfallen, auch wenn das Gesicht einem so bekannt vor kommt.", sprach die Hausherrin dann weiter und schwenkte nun ihr Glas hin und her. Sie hatte es in die Hand genommen, da sie eine Beschäftigung für ihre Finger zu brauchen schien. Hermione beobachtete jede Handbwegung, die die Malfoys machten und sie konnte sehen, dass sie die Situation beunruhigte und nervös machte. Und es machte sie selbst nur noch nervöser.
„Ich würde dir niemals unterstellen zu lügen Mutter, aber ich bin mir sicher, dass dir ihr Name nicht entfallen ist. Du hast ihn oft genug in der Zeitung gelesen, sie häufig genug gesehen … auch hier vor nicht allzu langer Zeit."
Die Luft vibrierte regelrecht, denn Draco hatte damit ein Thema angeschnitten, welches nicht wirklich einfach war.
„Wie ich sehe steht ihr euch wirklich nahe.", sagte Narzissa lediglich ohne mit der Wimper zu zucken. Dennoch sah man sowohl Lucius als auch ihr die Anspannung an. Es war für sie genauso seltsam und irritierend, was hier geschah, wie für die beiden Jugendlichen.
„Man kommt sich zwangsläufig näher, wenn man sich ein Zimmer teilt.", sprach Draco das naheliegende aus.
Die Brünette hatte natürlich bemerkt wie die Anspannung zugenommen hatte, wie die Situation langsam aber sicher gereizter wirkte und sie wollte es ändern. Sie hatte das Bedürfnis die Stimmung irgendwie etwas zu lockern, denn sie war nicht hier um einen Streit vom Zaun zu brechen. Sie waren hierher gekommen um ihre Neugier zu befriedigen – nicht mehr und nicht weniger.
„Ich habe mich nie bedankt ...", sagte sie schließlich und alle Drei sahen sie plötzlich an. Es war ihr unangenehm, aber nun gab es kein zurück mehr. Nun musste sie sagen, was ihr auf der Seele brannte.
„Was meinen Sie Miss Granger?", fragte Lucius nach einem langen Moment des Schweigens.
„Ich weiß, dass nicht jeder meiner Meinung ist – was mir unendlich Leid tut – aber ich weiß von Harry, dass wir alle nur deswegen noch leben, weil Sie ihren Sohn … ihre Familie mehr geliebt haben, als das was …", Hermione brach ab und sah auf ihre mit Draco verschränkten Finger. „Ich kann mich niemals genug dafür bedanken, auch wenn wir nicht immer auf einer Seite standen und es auch vielleicht immer noch nicht tun."
Draco neben ihr hatte sie so durchdringend angesehen, dass sie unter seinem Blick zu zittern begann. Als er aber sanft mit seinem Daumen über ihren Handrücken strich, wusste sie, dass er ihr keinerlei böse war, dass sie dieses Thema angeschnitten hatte. Sie war sich bei seinen Eltern jedoch nicht sicher, denn die schwiegen beharrlich.
Vielleicht hatte sie eine Grenze überschritten und sie wollte sich gerade danach erkundigen, als Narzissa mit einem Wink ihres Zauberstabes zwei weitere Gläser mit Feuerwhiskey befüllte und zu den beiden Jugendlichen schweben ließ.
„Ich möchte auch nicht sagen, dass wir unbedingt auf der selben Seite stehen Miss Granger, aber ich denke wir verdanken ihnen und Potter auch so einiges. Es wäre angebracht darauf zu trinken."
Hermione atmete erleichtert aus. Sie hatte angenommen, dass sie etwas falsches gesagt hatte auch wenn sie es nur gut gemeint hatte. Doch es erschien ihr, als hätte sie doch alles richtig gemacht und die Wogen zumindest etwas geglättet. Und es erschien ihr außerdem, als hätte sie allen Beteiligten bewusst gemacht, dass sie einander viel schuldig waren, aber auch viel Bediengungslos füreinander getan hatten. Auch wenn es vielleicht im ersten Moment aus Eigennutz geschehen war. Sie wusste, dass Narzissa Voldermort nur deswegen angelogen hatte, weil sie eine sichere Zukunft für ihre Familie gewollt hatte. Sie wusste auch, dass sie selbst nur deswegen für die Malfoys gesprochen hatte, weil sie es ihnen schuldig gewesen war. Erst später – Wochen nach den Anhörungen – hatte sie begonnen auch wirklich daran zu glauben, dass sich Menschen bessern konnten. Sie hatte begonnen daran zu glauben, dass auch die Malfoys sich integrieren konnten und sich anpassen würden.
Hermione ergriff ihr Glas und auch Draco neben ihr ergriff das Seine und sie stießen miteinander an, ehe sie ihre Gläser leicht erhoben. Lucius und Narzissa taten es ihnen nach, ehe sie alle einen Schluck der honiggelben Flüssigkeit nahmen,
„Da ihr entschuldigt zu sein scheint – wieso bleibt ihr nicht bis zum Abend und leistet uns auch noch Gesellschaft beim Abendessen?", fragte die Hausherrin, nachdem sie noch einen weiteren Schluck getrunken hatte.
„Granger, was sagst du?"
„Ich wäre niemals so unhöflich Nein zu sagen.", sagte Hermione ehrlich und Draco lächelte sie beinahe dankbar an. Sie konnte sehen, dass er seine Eltern vermisst hatte und sich freute mit ihnen zu Abend essen zu können. Hermione konnte sich zwar schönere Dinge vorstellen als ein Abendessen mit den Malfoys, aber sie war sich auch sicher, dass es nicht viel schlimmer kommen konnte. Sie würde es schon überstehen.
„Ihr werdet mich solange entschuldigen müssen, ich habe noch einiges zu klären. Geschäftlich versteht sich."
Lucius stand von seinem Sessel auf und legte das Glas auf dem antiken Couchtisch ab, ehe er seinem Sohn und auch Hermione kurz zunickte und aus dem Salon verschwand.
„Ich werde mich auch bald in den Garten zurück ziehen – Draco du könntest deinem Gast das Haus zeigen. Ich lasse euch dann zum Abendessen rufen."
Auch Narzissa erhob sich. Anstelle einfach zu gehen, ging sie jedoch noch einmal zu den Beiden herüber und gab Draco einen Kuss auf die Stirn und strich ihm liebevoll über die Wange. Hermione fühlte wie ihr Herz sich wortwörtlich erwärmte. Ihr wurde ganz warm bei diesem Anblick, welcher so ungewöhnlich und unerwartet für sie war.
Narzissa bedachte sie noch mit einem langen, etwas freundlicher wirkendem Blick und ließ sie dann alleine zurück.
„Vielleicht nutzen wir die Zeit auch lieber für ein Schläfchen. Ich habe sehr schlecht in diesem Krankenflügelbett geschlafen.", gab Malfoy zu und Hermione schmunzelte.
„Was?"
„Du willst wirklich in einem Bett mit mir schlafen? In deinem Elternhaus? Ganz schön mutig Malfoy."
„Hast du Angst, dass meine Mutter reinkommt und dich erdrosselt?"
„Das nicht … ich finde es dennoch mutig. Was würden deine Eltern wohl sagen?"
„Ich glaube nicht, dass es mich in dem Fall wirklich interessieren würde. Es geht nicht anders und das müssten sie verstehen."
Hermione konnte nicht abstreiten, dass es sie ein wenig enttäuschte, dass er den zweiten Satz auch noch hervorgebracht hatte. Es wäre schöner gewesen, wenn er es nicht getan hätte, aber sie wusste es besser. Sie wusste, dass er Recht hatte. Es ging wirklich nicht anders. Auch wenn sie sich wünschte, er hätte eine andere Argumentation. Eine die weniger pragmatisch war.
„Na dann führe mich – ich bin mir ziemlich sicher ich würde mich nur verlaufen, wenn ich den Weg alleine finden sollte.
Draco lachte leise und zog sie schließlich hoch. Ihre Finger waren noch immer miteinander verschränkt, als er mit ihr aus dem Salon ging.
