Kapitel 25:
Daphne zog eine Augenbraue hoch, als sich Tracey wortlos neben sie setzte und ihre Sachen aus ihrer Tasche hervorholte. Theo und sie hatten den halben Unterricht versäumt, sie entschuldigten sich nicht einmal bei Professor Montgomery, als sie den Klassenraum betraten. Natürlich hatte der junge Lehrer es bemerkt und mit einem ernsten Ausdruck zur Kenntnis genommen, doch er sagte nichts. Zumindest noch nicht. Sein Unterricht musste weiter gehen. Das war seine oberste Priorität.
„Und jetzt sag mir, was so wichtig sein konnte, dass Theo dich mitten aus dem Unterricht entführt?"
„Er hat mich nicht mitten aus dem Unterricht entführt, sondern einige Minuten davor ...", korrigierte die leicht atemlose Blondine und schlug das eine Bein über das Andere, presste dabei ihre Beine fester aneinander.
Natürlich bemerkte Daphne genau diese kleine Bewegung sofort und sie ließ ihre Feder auf das Stück Pergament fallen.
„Nicht euer ernst. Trace ...", murmelte das Mädchen beinahe erschüttert und ihre Sitznachbarin rollte ihre Augen. Sie wusste selbst, dass es nicht schlau gewesen war und sie brauchte niemanden, der ihr das noch einmal bestätigte. Daphne tat es offensichtlich dennoch gerne.
„Ich weiß nicht was los war. Er wirkte aufgewühlt um ehrlich zu sein. Sonst ist er nicht so. Nie….", Tracey biss sich auf ihre Unterlippe und als sie begonnen hatte zu sprechen, schossen ihr unzählige Gedanken durch den Kopf. Sie entfernte sich immer mehr von dem hier und jetzt und auch das konnte Daphne deutlich sehen. Aus ihrer anfänglichen Empörung wurde immer mehr Sorge. „ … es war als wollte er einfach irgendetwas vergessen. Als brauchte er Ablenkung. Als wollte er nicht nachdenken."
Daphne kannte Theo nicht so gut wie Tracey es tat, oder Blaise oder Draco, aber sie kannte ihn gut genug um zu wissen, dass er selten etwas tat was jemand anderem Sorgen bereiten würde. Sein Verhalten war meist sehr einfach einzuschätzen – zumindest wenn man ihn kannte. Blaise und Draco, aber auch Tracey konnten ihn lesen wie ein offenes Buch. Zumindest wirkte es immer so auf sie. Und wenn selbst Tracey nicht verstand, was in ihn gefahren war, dann machte sie sich natürlich Sorgen.
„Es ist nichts ungewöhnliches, dass er Ablenkung sucht Trace. Das tut ihr alle. Ist es dir noch nie aufgefallen? Es scheint eine Art Eigenschutzmaßnahme zu sein, die wir alle gemeinsam haben. Blaise tut das, Draco, Pansy, du … auch ich kann mich nicht davon frei sprechen. Wenn Theo etwas belastet, dann ist es nur verständlich, dass er sich ablenken will."
Tracey nickte nur zögerlich.
„Du machst dir eher Sorgen, weil du nicht weißt, wovon du ihn ablenken solltest?"
„Ja. Ich bin nicht seine Freundin und das weiß ich auch. Ich will es auch gar nicht sein, aber ich mache mir trotzdem Sorgen. Ich kann sehr gerne die Ablenkung für ihn sein, die er haben will … aber ich bin doch auch mehr oder? Ich bin doch nicht nur das Mädchen, welches stumm da ist und ihm die Ablenkung verschafft … ich kann ihm auch zuhören, wenn er reden wollte. Aber das zieht er nicht einmal in Betracht."
„Trace, du musst klare Grenzen setzen, wenn du das Gefühl hast, dass das was er von dir verlangt nicht okay ist. Ich meine, wenn du dir benutzt vorkommst. Oder so als würde er dich auf das körperliche reduzieren und dich nicht auch als Freundin … als jemand mit einem offenen Ohr für seine Probleme sehen. Du kannst nichts erwarten, wenn du nicht darüber mit ihm sprichst."
„Wie bist du bloß eine Slytherin geworden Daph?"
Die Blondine verzog ihr Gesicht und schüttelte ihren Kopf.
„Lenk nicht ab. Das tut ihr alle immer wieder. Das kann Draco auch sehr gut. Aber du musst dich auch unschönen Dingen stellen. Für einen Augenblick hast du ihn abgelenkt, aber was ist später? Oder Morgen? Was wenn er diese Ablenkung öfter suchen wird? Kannst du wirklich guten Gewissens mitmachen oder wirst du irgendwann doch sagen, dass eine Grenze erreicht ist."
Tracey seufzte lautlos und rutschte etwas in ihrem Stuhl, so dass sie mehr in diesem hing als saß. Sie starrte ausdruckslos an die Decke und dachte über die Fragen nach, die Daphne formuliert hatte. Doch um ehrlich zu sein, wusste sie nicht einmal was sie wollte. Was sie erwartete.
„Das einzige was ich wirklich weiß ist, dass ich diese Sache mit Theo nicht ewig machen kann. Ich … mag jemanden. Und wenn ich jemals eine Chance haben will, dann kann ich mich nicht an diese Sache klammern. Oder an ihr festhalten." Ihre Worte waren leise und sie wusste, dass sie eigentlich schon mehr sagte, als sie Daphne jemals hatte sagen wollen. Nur Draco wusste von ihrer Schwäche für Neville Longbottom. „Wenn ich jemals eine Chance bei ihm hab, wenn man bedenkt, dass wir aus zwei unterschiedlichen Welten kommen. Unterschiedliche Ansichten haben."
Es machte Daphne regelrecht sprachlos, was sie zu hören bekam. Tracey Davis hatte noch nie etwas dieser Art zu ihr gesagt. Sie hatte auch noch nie eine feste Beziehung mit jemandem gehabt und allgemein galt sie bei den Slytherins, als das Mädchen, welches sich emotional sehr distanziert verhielt. Pansy war schon immer liebestoll gewesen und hatte ihre Liebe zu Draco offen und – zu aller Leuts Leid – laut verkündet. Millie hatte hier und da kleine Liebschaften gehabt und auch nie einen Hehl daraus gemacht, dass sie sowohl Jungs als auch Mädchen gern hatte. Sie war zwar nicht so wie Pansy, aber auch sie hatte sich schon des öfteren weicher gezeigt und ihre Zuneigung für jemanden offenbart, auch wenn es immer in einer Katastrophe für sie endete. Sie selbst war nicht die typische Romantikerin, aber sie hatte zwei Beziehungen hinter sich und davon wussten auch alle Slytherins. Sie hoffte und glaubte daran, dass irgendwann jemand in ihrem Leben auftauchen würde, der sie komplett von den Füßen reißen würde. Sie wollte es glauben.
Tracey hingegen war so anders und manchmal beneidete Daphne sie darum. Sie machte ihr Leben nicht von einer anderen Person abhängig. Sie war selbstbewusst und tough, sie war emanzipiert und zeigte sich auch so. Es war ihr immer egal gewesen, was Andere von ihr hielten und sie hatte auch genau so gelebt. Bisher zumindest. Bisher hatte sie niemals so gewirkt, als würde sie an irgendetwas zweifeln oder ihre Ansichten in Frage stellen. Doch so wie sie nun hier saß und ihr davon erzählte, dass sie jemanden mochte, war gar nicht Traceys Art. Es passte nicht zu ihr. Sie klang verunsichert und eingeschüchtert. Sie war doch kein Mädchen, das jemals solche Gedanken zuließ. Sie war sonst die Art von Mädchen, die jeden schnurstracks fort schicken schicken würde, der ihre Art und Weise und ihren Lebensstil kritisierte. Nun zweifelte sie selber. Nun klang sie so, als würde sie sich selbst kritisieren und beginnen über ihre Handlungen nachzudenken.
„Ich will nicht so klingen wie ein absolutes Klischee aber … niemand hat dich verdient, der dich für deine Ansichten und deine Art verurteilt Trace. Du bist du und du bist genau richtig so. Klar ich fand es war doof von dir einfach so den Anfang des Unterrichts zu verpassen, ich mag deine große Klappe nicht immer und ich finde auch … dass du manchmal sehr dramatisch bist, aber es bedeutet nicht, dass du nicht gut so wärst. Du bist eben Tracey Davis. Du bist wer du bist und du hast auch nie einen Gedanken an Andere verschwendet oder was sie denken könnten. Fang doch nicht jetzt damit an. Keine Entschuldigungen. Keine Ausflüchte. Frag ihn. Geh zu ihm und sag ihm, dass du ihn magst Trace … dann wirst du sehen ob er dich so mag oder eben nicht. Wenn er es nicht tut, verpasst er etwas. Einen Wirbelsturm, ein Feuer … eine absolute Naturgewalt."
Ein Lächeln legte sich um Traceys Lippen und sie drehte ihr Gesicht zu Daphne herum. Sie hatten mittlerweile den Unterricht komplett ausgeblendet und es schien auch niemanden zu interessieren, dass sie ein langes und detailliertes Privatgespräch führten.
„Danke Daphne Greengrass – ich sollte dir öfter mein eiskaltes Herz ausschütten, wenn ich dann solche Komplimente bekomme."
Daphne rollte ihre Augen gespielt genervt, was Tracey zum Grinsen brachte.
„Also wirst du mit ihm reden?"
„Mal sehen … eine Sache weiß ich aber … ich muss mit Theo reden. So bald wie möglich."
„Finde ich gut."
„Ich glaube das wird er nicht sagen."
Daphne zuckte nur mit den Schultern und sah zu ihrem Schulkamerad hinüber, der mindestens genauso nachdenklich aussah wie Tracey einige Augenblicke zuvor.
„Vielleicht öffnet er sich dir auch anderweitig. Er sieht schon ziemlich mitgenommen aus."
„Ich glaube das überlass ich Blaise. Vielleicht ist es auch nichts, was für meine Ohren bestimmt ist."
Daphne wollte gerade etwas erwidern, als sie irritiert fest stellte, dass um sie herum alle ihre Sachen begannen einzupacken. Sie sah auf und nach kurzer Bedenkpause begann auch sie ihre Sachen in ihre Ledertasche zu stopfen.
„Miss Davis, Miss Greengrass und Mister Nott – ich würde sie gerne noch einen Moment sprechen.", hörte sie dann Professor Montgomery sagen und seufzte. Sie wusste, dass es das Gespräch wert war, immerhin hatte Tracey sich ihr gegenüber geöffnet, doch sie wusste auch, dass sie Gespräche mit Lehrern hasste. Vor allem, wenn diese sie belehren wollten. Als ob sie nicht wusste, dass sie hätte aufpassen sollen.
„Nun denn … auf zur Strafe.", sagte sie an Tracey gerichtet. Diese verzog ihr Gesicht nur leicht und gemeinsam gingen sie zum Lehrerpult.
„Wo sind Daph und Tracey? Und wo ist Nott?", fragte Lisa, als sie sich im Gemeinschaftsraum umsah. Alle waren von ihrem Unterricht zurück gekehrt – selbst Harry, Ginny und Ron waren hier – doch sie konnte die drei Slytherins nirgends sehen.
„Ich denke sie werden noch immer bei Montgomery sein."
„Der soll mal nicht so übertreiben – klar kamen Nott und Tracey zu spät, aber es ist ja nicht so, als hätten sie viel verpasst. Er kam ja selbst eine halbe Ewigkeit zu spät.", murmelte die Ravenclaw.
„Wieso kamen sie überhaupt zu spät?", fragte Neville, der sich neben Ginny gesetzt hatte. Er war noch immer etwas unsicher im Umgang mit den Slytherins, doch er taute langsam mehr und mehr auf. Langsam begannen sie alle mehr miteinander zu sprechen und es war eine willkommene Abwechslung. Natürlich war es immer noch sehr weit davon entfernt perfekt zu sein.
„Das fragst du wirklich?", gluckste Zabini und als Neville ihn fragend aber auch irritiert ansah, verzog der Slytherin sein Gesicht.
„Longbottom du bist zu naiv, aber wenn du richtig drauf geachtet hättest – hättest du gesehen wie zerknittert ihr Rock und wie durcheinander ihre Haare waren."
„Was du also sagen willst – sie kamen zu spät, weil sie irgendwo rumgemacht haben?", fragte Hannah und setzte sich nun etwas auf. Megan neben ihr runzelte die Stirn, sagte aber nichts dazu, dass Hannah ein solches Interesse dafür zeigte.
„Volltreffer. Sie waren wohl auch nicht die Einzigen, die sich vor dem Unterricht noch etwas vergnügt haben.", grinste er schließlich und sein Blick glitt zu Lisa und Terry, die zwar nicht nebeneinander saßen, aber doch nah genug bei einander waren. Es fiel natürlich auf und sofort färbten sich Lisas Wangen schon beinahe dunkelrot und Terry kratzte sich verlegen am Hinterkopf.
Zabini hätte es niemals öffentlich gemacht und es alle so wissen lassen – vor allem nicht bei Menschen, die er kaum kannte – aber er wusste, dass es Theo etwas ausmachte. Er wusste, dass Lisa der Grund für sein Verhalten gewesen war und irgendwie wollte er sie dafür strafen. Und wenn es auch nur durch das Öffentlichmachen ihres Verhältnisses war. Es spielte auch keine Rolle, denn es änderte nichts.
„Hier ist ja ganz schön was los.", kommentierte Ginny nur, die bemerkt hatte wie Neville sich etwas verwirrt zurück lehnte. Es war als wäre ihm all das zu viel. Als wollte er gar nicht so viel wissen.
„Oh ja – ihr verpasst den ganzen Spaß.", bestätigte Dean leicht lachend, schüttelte aber den Kopf dabei um sie wissen zu lassen, dass es nicht immer Spaß war. Es konnte anstrengend sein und schwierig. Solche Momente waren die Besseren, auch wenn sie nicht wirklich gut waren.
„Ich finde es um ehrlich zu sein überhaupt nicht spaßig.", murmelte Megan.
„Ich auch nicht. Weiß nicht was du sagen willst, aber ich finde jeder sollte selbst wissen was er tut und wir sollten aufhören darüber zu urteilen und hier Klatsch und Tratsch zu verbreiten. Was immer zwischen Tracey und Theodore ist – ist ihre Sache. Das Gleiche gilt für Terry und Lisa wie ich finde. Und du Zabini – du solltest dir mal überlegen ob es wirklich nötig war hier das Neuste zu verbreiten ohne zu wissen, ob es überhaupt wer wissen soll."
Susan hatte mit einem festen Ton gesprochen, war dabei nie abfällig oder bösartig geworden. Sie war auch nicht der Typ dafür. Aber sie hatte genau wie Megan nicht das Gefühl, dass es alles so spaßig war.
„Und wie ihr seht, haben wir auch sehr häufig Meinungsverschiedenheiten.", fügte Seamus hinzu.
„Oh ja. Leider viel zu häufig … und ganz ganz häufig sind Hermione und Draco das Thema.", gestand Hannah und für einen Augenblick sah Seamus zu ihr herüber und lächelte ihr leicht zu. Es war nicht selbstverständlich in dieser Gruppe, dass jemand einem zustimmte.
„Klingt nach einer schlechten Soap."
„Was zum Henker ist eine Soap?", fragte Parkinson irritiert und starrte Harry dabei unverwandt an. Es erstaunte die Meisten, wie sie ihn ansah. Sie war immerhin wirklich neugierig und in ihrem Blick und auch in ihrem Ton schwang kein einziger Funke von Abfälligkeit mit. Es verwirrte die Anwesenden. Es verwirrte auch Harry, doch irgendwie freute es ihn auch.
„Oh das ist eine verdammt lange Geschichte …"
„Gut das wir Zeit haben.", erwiderte sie und tatsächlich entlockte es Harry ein leises Glucksen und da begann er, mit etwas Hilfe, zu erklären was Soap Operas waren.
„Er hätte uns wirklich nicht gleich drei Wochen geben müssen.", murrte Daphne leise vor sich hin.
„Wir können froh sein, dass es nur drei Wochen geworden sind … er war wirklich wütend. Ich glaube er denkt keiner hat Respekt vor ihm, weil er noch so jung ist.", erwiderte Tracey trocken. Sie fügte nicht hinzu, dass sie manchmal das selbe Gefühl hatte. Sie konnte sich davon auch nicht freisprechen, denn häufig sah sie ihn einfach nicht als Lehrer. Er war ihrer Meinung nach nicht präsent genug und schaffte es nicht eine Klasse unter Kontrolle zu bringen. Vor allem wenn so viele Jahre Streitigkeiten hinter ihnen lagen und die Diskussionen und Spannungen überhand nahmen.
Tracey, Daphne und Theodore waren auf dem Weg zum Gemeinschaftsraum und während die Mädchen einige Worte wechselten, schwieg Theo beharrlich. Es fiel auf, doch was sollte man dazu schon sagen?
Erst als Theo auf dem Weg stehen blieb, blieben die Mädchen ebenfalls stehen. Tracey drehte sich zu Theo herum und sah ihn mit besorgtem, aber auch ernstem Blick an.
„Willst du reden?", fragte sie schließlich nach einer ewig langen Pause.
Theo nickte lediglich und Daphne räusperte sich leise, verabschiedete sich von ihren Hauskameraden und ließ sie in dem Gang zurück. Sie wusste, dass wenn er reden wollte, er nur mit Tracey sprechen würde. Es war in Ordnung. Sie würde nicht stören. Vor allem da sie wusste, wie sehr Tracey sich um Theo sorgte.
Theo wartete bis ihre Schritte verhallt waren und er sicher sein konnte, dass Daphne nicht zurück kehren würde, ehe er sich nervös durch die Haare strich.
„Es … ist meine Schuld. Ich wollte nicht das du Ärger bekommst. Ich …"
Tracey war umso besorgter, je mehr er stammelte. Und er stammelte viel. Er war verwirrt und er hatte nichts von dem Theo, den sie so gut kannte. Es ängstigte sie schon fast.
„Hey, ich bin mitgegangen. Du kannst dir nicht die Schuld dafür geben. Ich hätte jederzeit gehen können. Ich hab es aber nicht getan."
„Du hättest es tun sollen ..."
„Theo, worum geht es hier? Warum bist du so?"
Tracey ging auf ihn zu und je näher sie kam, umso mehr mied er den direkten Augenkontakt. Er blickte zu Boden, zur Seite oder sogar zur Decke. Er konnte ihr nur nicht in die Augen sehen. Es fühlte sich falsch an. Und das zerriss Tracey innerlich, denn sie hatte gehofft sie wären ehrlicher und offener zu einander. Sie hatte gehofft sie könnte etwas bei ihm bewirken … etwas entlocken und ihm vielleicht behilflich sein.
„Du musst es mir nicht sagen.", sagte sie schließlich und schüttelte ihren Kopf. Sie war enttäuscht von diesem Gespräch. Von Theo. Von der Freundschaft, die vielleicht gar keine war, wenn sie nicht einmal so etwas aushielt.
„ich will nicht drüber reden. So wie du nicht über die Sache mit Draco reden willst."
„Was hat Draco damit zu tun?"
Ihre Stimme wurde etwas heller, höher … beinahe schriller. Er verzog das Gesicht.
„Nichts – so wie mein Verhalten nichts damit zu tun hat. Es ist alles einfach nichts verstehst du? Es wird auch nie etwas sein."
Tracey weitete ihre Augen. Er war immer lauter geworden. Er hatte sie beinahe angeschrien. Es war als würde ihm mehr auf der Seele brennen, als sie geahnt hatte. Und irgendwie versuchte er ihr auch zwischen den Zeilen mitzuteilen, was sein Problem war ohne es offen auszusprechen. Das Problem war, sie verstand kein Wort.
„Ich weiß nicht worum es geht Theo, ich kann nur spekulieren und genau das will ich nicht, aber ich weiß eine Sache genau. Es ist nicht nichts. Und … sag niemals nie. Egal worum es geht, du weißt es nicht bevor du es nicht probiert hast."
Theo presste seine Lippen fest zusammen und schüttelte seinen Kopf. Er hasste dieses Gespräch jetzt schon. Er hasste es, wenn er Gefühle zulassen sollte … sie zeigen sollte. Auch wenn es Tracey war, war es ihm zuwider.
„ich bin da für dich, egal was ist. Ich will deine Freundin sein und dir zuhören … hörst du Theo? Zuhören. Nicht ablenken. Ich kann … das nicht.", murmelte Tracey schließlich und sprach damit das Thema an vor dem sie so enorme Angst hatte.
„Was soll das bedeuten?"
„Das … sieh mich doch nicht so an Theo. Es ist eben nicht gut was wir tun. Wir können nicht ein Leben lang so weiter machen. Ich will vielleicht auch mehr als … dein Betthäschen sein.", zischte Tracey schließlich und da veränderte sich Theos Blick. Erst war er traurig gewesen, dann beleidigt und schließlich waren seine Augen ganz ausdruckslos und kalt geworden.
„Wer wird dir schon mehr geben Davis?"
„Jetzt werd nicht verletzend Theo. Ich meine es gut ..."
„Bestimmt. Aber gut meinen und es gut machen sind zwei unterschiedliche Dinge. Ich werds eh nicht vermissen. Ist nicht so als könnte ich dich nicht ersetzen."
Tracey spürte den Stich, den ihr dieser Satz versetzte, doch sie versuchte so gefasst wie es nur möglich war zu bleiben.
„Du sagst das weil du enttäuscht bist...", sagte sie ruhig, doch er lachte trocken.
„Jeder und jede ist ersetzbar Davis. Auch du. Und um ehrlich zu sein … du warst wirklich nur eine Ablenkung, nur der Ersatz für das was ich eigentlich will."
Tränen traten in ihre Augen und sie wusste nicht wieso. Sie brannten heiß in ihren Augen und sie merkte wie ihr ein klägliches Wimmern entfleuchte. Für einen Moment sah sie wie er es bereute. Sie konnte dieses Funkeln in seinen Augen sehen, die Traurigkeit und die Reue, doch er schwenkte schnell wieder um und der Theo, den sie kannte und mochte war wieder verschwunden. Und damit verschwand auch sie. Sie rannte. Sie rannte als gäbe es kein Morgen mehr. Sie rannte und weinte und schluchzte und noch immer wusste sie nicht genau warum. Ob sie nun weinte weil sie ein Ersatz war, oder weil er sich so kühl ihr gegenüber verhalten hatte, oder weil sie wusste, dass eine lange Freundschaft mit diesem Streit in die Brüche ging.
Ihre Beine fühlten sich an wie Wackelpudding, als er über ihre Seiten strich. Seine Fingerkuppen berührten ihre Haut kaum. Es war als würde er mit einer Feder ihre Haut streifen und ihr damit eine Gänsehaut über den Körper jagen. Ihr Körper wurde ganz warm unter seinem, ihre Lippen brannten weil er sie so intensiv küsste. Es war als wüsste er genau, was er tun musste, um in ihr die Lust nach mehr zu entfachen. Es war als wüsste er genau, was sie brauchte um alles und jeden um sich herum zu vergessen. Er wusste, wie er ihre Gedanken auslöschen und von neuem starten konnte. Und nur er gab vor in welche Richtung diese neuen Gedanken gingen.
Hermiones Finger waren unter sein Hemd geglitten. Sie hatte an ihm gerupft, bis sie es aus seiner Hose hatte ziehen können. Nun hatte sie die Freiheit ihre Finger über seinen Rücken wandern lassen zu können. Sie spürte sofort, wie er unter ihren Berührungen erzitterte und es bereitete ihr eine enorme Freude zu wissen, dass sie dazu imstande war. Nicht nur er konnte in ihr ein Feuer entfachen. Auch sie konnte zur Brandstifterin werden und es in ihm brennen lassen, wenn sie es wollte.
Und wie sie es wollte.
Die Brünette musste den Kuss lösen, als seine Finger über ihre Schenkel strichen. Seine Finger waren über ihre Hüfte gefahren und dann über die nackte Haut ihrer Schenkel. Seine Fingerkuppen fuhren immer wieder an der Außenseite ihres Beines hinab, während sie quälend langsam an der Innenseite hochfuhren und ihr ein wohliges, aber auch irgendwie ungeduldiges Seufzen entlockten. Sie rollte ihren Kopf leicht zur Seite und ließ sich das Streicheln gefallen, während er seine Lippen auf ihren Hals presste. Er küsste, saugte und leckte über die Haut und glitt dabei hinab zu ihrem Schlüsselbein. Ihre Bluse war mittlerweile leicht derangiert und die obersten zwei Knöpfe waren geöffnet, was ihm einen leichteren Zugang zu ihrer Schulter verschaffte, die er mit seiner Zunge nach strich und sie zum erschaudern brachte. Ihre Zähne vergruben sich in ihrer Unterlippe, als seine Finger unter ihren Rock glitten und den Saum ihres Slips nachfuhren. Sie hob beinahe automatisch ihr Becken etwas an und der Slytherin ließ seine Hände zu ihrem Po gleiten und presste ihren Körper enger an sich, während seine Lippen langsam wieder über ihren Hals hoch wanderten.
Er hielt kurz über ihren Lippen inne, er sah sie an und wartete, dass auch sie ihre Augen öffnete um ihn anzusehen. Es dauerte einige Augenblicke, doch dann öffnete sie ihre Augen um zu sehen, worauf er wartete.
Es war beinahe als könnten sie stumm miteinander kommunizieren, als sich ihre Blicke trafen. Aber nur beinahe. Sie wusste was er wollte und sie sagte ihm mit ihrem Blick was sie wollte und doch … schüttelte er nur leicht den Kopf. Wieder seufzte sie leise. Enttäuscht. Schon beinahe frustriert.
„Wieso quälst du mich so?", flüsterte sie leise, als sie mehrfach vergebens versucht hatte seine Lippen mit ihren einzufangen.
„Weil es dann umso spaßiger wird."
„Ist es das was es für dich ist? Ein Spaß, den du hinauszögerst?"
Sie wusste, dass es eine dumme Frage war und sie wollte sie am liebsten zurücknehmen. Sie konnte es nur nicht mehr.
„Das ist nicht was ich meine. Je mehr du es willst, je sicherer du dir bist, dass du mehr willst … umso besser wird es.", flüsterte er ihr ins Ohr und presste dabei seine Lippen gegen ihr Ohrläppchen. Er zog sanft mit seinen Lippen an diesem und entlockte Hermione damit ein weiteres leises, aber wohliges Seufzen.
„Wenn ich nicht vorher sterbe...", murmelte sie dramatisch. Es fühlte sich an, als würde sie noch vergehen. Dieses Gefühl war unbeschreiblich. Noch nie hatte sie sich so nach etwas gesehnt. Nach etwas verzehrt. Sie wollte ihn überall spüren. Seine Hände, seine Lippen … seinen Körper. Er hatte sie süchtig nach etwas gemacht, was sie noch nie gehabt hatte. Was sie nicht kannte.
„Oh das wäre zu schade. Dann würdest du nie in den Genuss davon kommen, wie ich dir langsam deinen Slip abstreife. Ich würde dich dabei nicht einmal berühren … meine Finger würden den Stoff greifen und ihn dir langsam hinab ziehen … quälend langsam."
Er flüsterte es ihr immer noch ins Ohr. Er spürte wie sie sich dabei unter ihm zu winden begann. Sie rutschte hin und her, ungeduldig und erregt.
„Und dann würde ich deinen Hals hinab küssen. Zwischen deinen Brüsten hindurch … obwohl ich sie liebend gerne mit Küssen versehen würde. Vielleicht würde ich es ja tun, meine Zunge über deine Brustwarzen gleiten lassen. Sie zwischen meinen Lippen rollen, bis sie ganz hart werden und ganz empfindlich sind. Dann würde ich weiter hinab küssen. Deinen Bauch entlang. Über deine Schenkel ...", er stoppte und hörte wie sie lautstark nach Luft schnappte.
Ihre Wangen waren ganz gerötet und er spürte wie warm ihr sein musste. Sie glühte förmlich unter ihm.
„Und ..?", fragte sie nach einer ganzen Weile, die er geschwiegen hatte. Er hatte sie angesehen und sich genau das vorgestellt, was er ihr so detailreich beschrieben hatte.
„Was würdest du dann wollen?"
Sie drehte ihr Gesicht zu ihm herum, leckte sich über ihre noch leicht geschwollene Unterlippe und hoffte die richtigen Worte zu finden.
Und genau da klopfte es an der Tür.
