Kapitel 27:

„Ihr Seid zu spät.", mahnte die Hausherrin, als Hermione und Draco das Speisezimmer betraten. Sie gingen zügig zum Tisch und ließen sich auf zwei der vielen Stühle sinken – natürlich saßen sie nebeneinander und damit Narzissa gegenüber.

„Verzeih Mutter, ich musste Hermione noch etwas zeigen.", sagte Draco mit einem leicht verschmitzten Grinsen auf dem Gesicht. Natürlich würde er niemals sagen, was er ihr gezeigt hatte. Es reichte, dass seine Mutter ihn mit ihr im Bett zusammen gesehen hatte. Er war sich beinahe sicher, dass sie ahnen konnte, was die Beiden noch so getan haben könnten. Ihm war natürlich auch bewusst, dass er ihren Vornamen genutzt hatte. Vor seinen Eltern. Nicht das es ihm etwas ausmachte.

Es blieb nicht unbemerkt, denn sowohl Narzissa, als auch Lucius sahen sich kurz gegenseitig an. Hermione hingegen lächelte selig als sie an dem Glas Wasser nippte, welches schon bereit gestanden hatte.

Natürlich hatte sie nicht vergessen, dass ein großer, dunkler Knutschfleck ihren Hals zierte, aber sie hatte versucht so gut es ging den Kragen ihrer Bluse aufzustellen, so dass es nicht so auffiel. Außerdem war er auf der rechten Seite ihres Halses und so würde Lucius ihn schon mal nicht sehen können. Immerhin saß er links von ihr. Zumindest hoffte sie das er ihn nicht sehen würde.

„Ich werde wohl besser nicht fragen, was du ihr so dringend zeigen musstest.", entgegnete die ältere Frau schließlich und schüttelte ihren Kopf.

„Das klingt doch nach einer sehr weisen Entscheidung."

„Draco...", ermahnte sein Vater ihn, doch dieser schien in diesem Moment nicht wirklich darauf reagieren zu wollen. Er war erzogen worden seinen Eltern zu gehorchen und ihnen nicht zu widersprechen und meistens tat er dies auch aus voller Überzeugung, aber in diesem Moment übertrieben sie es doch in seinen Augen. Und er wusste auch wieso und das hielt er für absolut lächerlich. Noch nie hatte er es so gesehen, doch langsam begann er seine Augen für Neues zu öffnen. Wenn auch langsam und ohne das er es zugeben würde.

„Ich dachte wir sollten zum Essen erscheinen und nicht zu einer Gerichtsverhandlung, wo ich auf der Anklagebank sitze.", witzelte er, doch man konnte auch diesen sauren Unterton in seiner Stimme hören.

Hermione sah zu Draco herüber und schüttelte ihren Kopf kaum merklich und legte ihre Hand auf seine um ihn zu stoppen. Er sollte nichts sagen, was er am Ende bereuen würde. Diese Gesten geschahen mittlerweile von ganz alleine und es fiel den Beiden schon gar nicht mehr auf. Umso mehr fiel es allen Anderen immerzu auf.

„Ich klage dich nicht an Draco. Ich hatte nur angenommen, dass ich dir Manieren beigebracht habe – was Pünktlichkeit mit einschließt.", erwiderte Narzissa und sah ihren Sohn vielsagend an, doch dieser schüttelte noch immer den Kopf. Er schien ihr partout nicht zustimmen zu wollen.

„Ich will dich wie schon gesagt nicht Kritisieren Mutter, aber das mit den Manieren solltest du überdenken, so taktvoll wie du mit dem Gast umgehst, den ich mitgebracht habe."

„Draco bitte ...", sagte Hermione nun, der Platinblonde drehte sein Gesicht zu ihr herum und nickte nur leicht. Sie sollte sich nicht schon wieder so unwohl wegen ihm fühlen.

„Aber da wir ja friedlich essen wollen, besprechen wir das wohl an einem anderen Tag.", schloss Draco ab und sah seine Eltern erwartungsvoll an. Früher hätte er wohl klein beigegeben und alles getan was ihm gesagt wurde, doch in den letzten Wochen und Monaten hatte er begriffen, dass viele ihrer Probleme darauf basierten, weil sie nicht zu ihrer Meinung standen. Er hätte schon lange den Mund aufmachen müssen und sich widersetzen sollen. Und sein Vater hätte mutig genug sein müssen um seine Familie zu beschützen. Sie hatten alle Fehler gemacht und er war es Leid sie wieder und wieder zu machen. Es war Zeit etwas zu ändern. Man musste das Rad nicht neu erfinden und alles von heute auf Morgen umkrempeln, aber er wollte es zumindest langsam angehen lassen. Wie seine Eltern es sahen … das wusste er allerdings nicht.

„Sehr vernünftig, vor allem da deine Mutter dir eigentlich noch etwas sagen wollte.", erwiderte Lucius und sah dabei zu seiner Frau herüber, sah sie regelrecht auffordernd an. Er konnte sehen wie schwer es ihr fiel, doch er empfand es als richtig es ihnen zu sagen.

Lucius Stimme war nicht so kühl wie noch vor wenigen Stunden. Er wirkte deutlich aufgeschlossener und bereitwillig mit ihnen zu sprechen und es wunderte Hermione. Er hatte sie auch nicht missbilligend angesehen, als sie den Raum betreten hatte. Es fiel ihr erst jetzt auf, als sie so darüber nachdachte.

„Was willst du mir denn sagen Mutter?", fragte Draco, nachdem er sich etwas von der Suppe eingeschenkt hatte. Er hatte Hermione die Suppenkelle gereicht und wartete nun auf die Antwort seiner Mutter, die ihre Hände faltete und vor sich auf den Tisch legte. Sie wirkte nervös auf ihn und das allein machte ihn neugierig. Sie war sonst eine sehr gefasste Frau und zeigte selten so etwas wie Nervosität. Und schon gar nicht so öffentlich.

„Das euch Madame Pomfrey nicht ohne Grund zu uns geschickt hat. Poppy meinte deinen Vater und mich. Wir litten genauso unter diesem Zauber, so wie ihr auch.", erklärte sie nach einer langen Pause.

Der Schock ließ Draco seinen Löffel in die Suppe fallen, was dazu führte, dass er sowohl die Tischdecke als auch sein Hemd mit Suppe bespritzte. Nicht das es ihn wirklich interessierte. Was ihn interessierte war die Tatsache, dass seine Mutter ihn angelogen hatte.

„Du hast mich angelogen? Du hast uns vorhin gesagt es wäre jemand anderes gewesen.", spie Draco schon fast zornig hervor. Er konnte seine Gefühle kaum mehr unterdrücken. Dabei wurde er sonst nie zornig seiner Mutter gegenüber. Man könnte eigentlich sagen sie waren ein Herz und eine Seele. Nun bis jetzt, denn er war sich ziemlich sicher, dass man sich nicht belog, wenn man sich so nahe stand. Er war schockiert.

„Draco, deine Mutter hatte ihre Gründe. Und nun hat sie es überdacht", rechtfertigte Lucius seine Frau und griff über den Tisch nach Narzissas Hand. Er sah wie schlecht sie sich fühlte, auch wenn sie nach außen hin nichts davon zeigte. Er konnte es auch nach all den Jahren noch fühlen. Er verstand natürlich wieso Draco sich hintergangen und natürlich auch vor den Kopf gestoßen fühlte, doch er verstand seine Frau ebenso. Er wollte ihr beistehen so gut es eben ging.

„Warum Mutter? Warum dachtest du es wäre klug es uns nicht sofort zu sagen?"

„Ich habe gedacht ..." Narzissa rang nach Worten und da begann Hermione Mitleid für die Frau zu empfinden. Sie wusste, dass egal was Narzissas Beweggründe gewesen waren sie diese kaum artikulieren konnte. Es fiel ihr schwer über Gefühle zu sprechen und das war wohl etwas was in der Familie lag. Sie konnte sich kaum vorstellen, dass Lucius es konnte. Und Draco … nun der war auch nicht unbedingt der Größte darin.

„Ich dachte, wenn ich dir sage, dass es dein Vater und ich waren … sind, dann siehst du es als eine Art Zukunftsvision. Das es auch für euch so enden müsste.", sprach sie schließlich und sah zu Draco herüber, der noch immer keine Gefühlsregung zeigte. Es war als hätte er seine eiskalte Maske aufgesetzt, die Hermione immer so gehasst hatte. Noch immer hasste.

„Und du willst nicht, dass es so ist."

„Ja. Ich will es nicht.", dabei drehte Narzissa ihren Kopf in Hermiones Richtung und sah sie beinahe entschuldigend an. Das überraschte sowohl Hermione als auch Draco. Der Unterschied dabei war jedoch, dass Hermione ihre Überraschung zeigte, während Draco nicht einmal die Miene verzog.

„Es liegt nicht an ihrer Herkunft. Es liegt an der Tatsache, dass es doch mein einziger Sohn ist. Objektiv betrachtet könnte ich mir wohl niemand besseren wünschen, denn sie sind klug und haben wohl eine glorreiche Zukunft vor sich. Aber ich weiß wie es zwischen mir und Lucius gewesen ist. Wie schnell es gegangen war. Und selbst nachdem der Gegentrank gebraut war, blieb noch immer dieses Gefühl zusammen zu gehören. Und diese Vorstellung macht mir … Angst. Ich will mein einziges Kind doch nicht so früh schon verlieren.", gab Narzissa zu und da sahen sich Hermione und Draco doch kurz an. Sie hatten nicht damit gerechnet. Sie waren mit Fragen hierher gekommen und wurden schließlich mit etwas konfrontiert über das sie nicht einmal nachgedacht hatten. Nun ja zumindest glaubte Hermione nicht, dass Draco es getan hatte.

„Mutter, ihr seid alle so vorschnell. Nicht nur du und Vater, auch Madame Pomfrey oder unsere Mitschüler. Wir kennen uns kaum. Wir waren nicht schon vorher befreundet so wie du und Vater. Du sprichst hier, als wollte ich dir sagen, dass ich morgen heirate und wir uns nur noch zu den Feiertagen sehen."

„Ich verstehe es auch nicht Mrs Malfoy. Ich meine ich verstehe es irgendwie, da sie in dieser Situation gewesen sind, aber sie können nicht ihre Erfahrungen auf uns projizieren. Wir sind andere Menschen und wir gehen einen anderen Weg. Ich habe nicht vor ihnen ihren Sohn weg zu nehmen. Wir sind eigentlich hier erschienen um die Geschichte zu hören und vielleicht etwas daraus zu lernen. Mehr nicht."

„Was meine Frau sagen möchte ist, dass sie es für eine Möglichkeit hält, dass es so kommt. Und um ehrlich zu sein, glaube ich es auch. Und das sagt uns die Erfahrung. Der Zauber wirkt anziehend und verstärkend. Er spiegelt und lässt einen mitfühlen und leiden. Sie sollten sich dessen im Klaren sein Miss Granger. Und sie sollten sich im Klaren sein, was diese Effekte in ihnen auslösen. Was es für sie bedeutet, oder bedeuten könnte."

„Also was ihr uns eigentlich sagen wollt, dass egal was wir tun wir am Ende sowieso zusammen sein werden? Aber euch das nicht wirklich passt.", kommentierte Draco schließlich und lehnte sich in seinem Stuhl zurück.

„Ich glaube du missverstehst so einiges Draco."

„Dann drück dich deutlicher aus. Ich habe genug von diesen kryptischen Reden. Was war als ihr unter dem Zauber gelitten habt? Warum seid ihr euch so sicher, dass wir genauso enden werden wie ihr? Es könnte anders kommen … könnte es doch oder nicht?", murrte der Platinblonde und Hermione neben ihm zuckte etwas zusammen. Sie wusste, dass er aufgebracht war und sie sich nicht verletzt fühlen sollte. Doch irgendwie trafen sie seine Worte mehr als sie sich eingestehen wollte, denn es klang so, als könne er sich einen solchen Ausgang niemals vorstellen. Dabei hatte er sie gerade eben noch bis zu den Sternen gebracht. Hermione fühlte wie schwer ihre Schultern wurden.

Seine Hand auf ihrer konnte dabei leider auch nichts ändern, auch wenn er es gut meinte.

„Draco … es beeinflusst euch egal was wir euch sagen. Wir wollen euch euren eigenen Weg gehen lassen.", sagte Narzissa und sah ihren Sohn durchdringend an, doch dieser schüttelte nur seinen Kopf.

„Das will ich nicht hören. Ich will wissen, war ihr wisst. Was erwartet uns Mutter?", sagte Draco herausfordernd und da senkte Narzissa ihre Hände ergeben und sah zu ihrem Mann. Sie bat nonverbal um Unterstützung und die gab er ihr.

„Dieser Zauber lässt nie … niemals wirklich nach. Der Gegentrank neutralisiert nur die körperlichen Auswirkungen, aber ihr seid ein Leben lang verbunden. So wie deine Mutter und ich es sind. Es ändert sich nicht. Der Effekt kann sich verstärken oder abschwächen, je nachdem wie stark ihr euch zueinander gehörig fühlt, aber eure Verbindung wird niemals mehr ganz verschwinden."

„Wo hast du Tracey gelassen?", fragte Daphne als sie Theo durch die Tür kommen sah. Sie war direkt aufgesprungen, aber als sie seinen Blick sah, hielt sie inne und runzelte die Stirn.

„Weiß der Geier. Geht mich auch nichts an wo sie ist.", kommentierte der Slytherin und schritt durch den Gemeinschaftsraum. Er war schon fast an der Wendeltreppe, als ihn jemand zurück hielt.

Er spürte die Hand seines Freundes auf seinem Oberarm und er drehte sich widerwillig zu Blaise herum und wünschte sich augenblicklich er hätte es nicht getan, denn dieser sah nicht wirklich zufrieden aus. Er wirkte eher, als wolle er ihn erdolchen.

„Was ist passiert Theo? Du und Tracey seid doch Freunde, wie kannst du so etwas sagen?", hakte der Dunkelhäutige nach und versuchte dabei so ruhig zu bleiben wie es ging. Es sollte nicht jeder jede Einzelheit mitbekommen auch wenn er sich sicher war, dass sie besonders still sein würden nur um genau das tun zu können. Die Neugier siegte meist. Und er konnte sich davon ja auch nie ganz freisprechen.

„Merlin noch mal lass mich in Ruhe Blaise. Ich will nichts hören. Ihr seid alle so groß darin mir Moralpredigten zu halten – du und Daph und ...", er stoppte und schüttelte dabei den Kopf. Jeder im Raum konnte spüren, dass er unzufrieden war und wütend und das nicht unbedingt auf Tracey sondern wohl auf sich selbst. Egal was vorgefallen war, es war schlimm und das konnten alle sehen … und spüren.

Blaise ließ ihn los. Seine Hand senkte sich nur langsam als er ihn fassungslos anstarrte, denn so kannte er ihn einfach nicht. Und kaum hatte er ihn losgelassen, da drehte er sich auch schon wieder um und ging.

„Was war das denn?", hörte Blaise Millie fragen. Er bewegte sich langsam zurück zu den Anderen und legte seine Hände auf die Rückenlehne der Couch, starrte dabei in das prasselnde Kaminfeuer. Es war als suchte er Antworten darin, aber er wusste, dass er die nicht erhalten würde.

„Das können wir nur Tracey fragen, wenn sie wieder da ist.", murrte der Slytherin.

„Hälst du das für eine wirklich so gute Idee? Wenn er schon so reagiert hat, was ist dann wohl mit ihr? Ich bin mir sicher, dass wenn sie gestritten haben dieser Streit sie mindestens genauso getroffen hat wie ihn … wenn nicht schlimmer.", sagte Ginny an den Slytherin gewandt und er kam nicht drumherum ihr innerlich zuzustimmen. Tracey Davis war kein Mensch der großen Gefühlsausbrüche, doch wenn sie sich mit Freunden stritt, dann sah man es auch ihr an. Und wenn Theo schon so aufgewühlt und wütend war … wie ging es dann erst Tracey?

„Ich rede mit ihm.", hörte er plötzlich Lisa sagen und sein Blick glitt automatisch zu ihr herüber.

„Warum?"

„Weil ich glaube, dass es gut wäre, wenn er mit jemandem spricht."

„Und warum hältst du dich da für eine gute Wahl?", fragte er weiter und verschränkte schließlich die Arme vor seiner Brust. Er hielt es um ehrlich zu sein für eine vollkommen hirnrissige Idee, denn Lisa war doch erst der Auslöser für all die Probleme gewesen. Das konnte er ihr ja aber nicht sagen. Vor allem nicht, wenn so viele ihrer Mitschüler dabei waren.

„Weil ich keine Angst vor seinen Gefühlsausbrüchen hab. Er kann mir nichts sagen oder an den Kopf werfen, was mich verletzen könnte. Er kennt mich dafür nicht gut genug."

Blaise spürte wie Daphne zu ihm herüber blickte und für einen kurzen Moment ließ er seine Augen zu ihr herüber gleiten und sie nickten sich gegenseitig zu. Es kam auf einen Versuch an. Da waren sie sich wohl einig. Blaise ließ sich auch nur darauf ein, weil er hoffte … dass sie doch einen positiven Effekt auf ihn haben könnte. Die Chancen waren geteilt und man musste es wohl riskieren. Hirnrissig fand er die Idee dennoch.

„Gut, versuch dein Glück. Aber erwarte nicht zu viel."

Lisa atmete einige Male tief ein und aus, ehe sie sich von ihrem Platz erhob und zu der Wendeltreppe hinüber ging. Sie nahm gleich zwei Stufen auf einmal und flitzte regelrecht nach oben und schon bald hörten sie wie sie energisch an eine Tür klopfte und dann wie diese Tür ins Schloss fiel.

„Ich hätte sie nicht allein lassen sollen.", sagte Daphne plötzlich in die Stille hinein und Blaise legte eine Hand auf ihre Schulter. Eine ermutigende Geste, die sie brauchte und durchaus wertschätzte. Genau solche Momente zwischen den Slytherins wurden mit Argusaugen von den anderen Schülern gesehen und verinnerlicht. Es führte wohl auch dazu, dass die Slytherins sich immer mehr und mehr in die Gruppe integrierten und es deutlich besser lief als zu Beginn. Es war als zeigten sie zum ersten Mal nach außen, dass auch sie ernsthafte Freundschaften eingingen und sich sorgen konnten. Sie waren nicht so distanziert und unterkühlt, wie alle immer dachten. Sie taten immer nur sehr gerne als wäre es so.

„Du kannst dir daraus keinen Vorwurf machen. Du konntest ja nicht wissen was passieren würde. Man sollte meinen, dass zwei Menschen die eigentlich miteinander befreundet sind in der Lage wären sich miteinander zu unterhalten."

„Seh ich auch so.", sagte Ron plötzlich und Daphne sah überrascht aber immer noch leicht verstimmt zu ihm herüber. Sie fragte sich, wieso er überhaupt etwas in ihrer Gegenwart sagte. Sie hatten sich bis gerade eben ignoriert. Es hätte doch weiterhin so bleiben können.

„Man kann sich nicht für alles verantwortlich fühlen.", fügte er hinzu und Daphne funkelte ihn an. Sie konnte jetzt deutlich sehen wieso er es gesagt hatte. Er wollte sich besser fühlen. Er wollte sich damit selbst sagen, dass er auch nicht verantwortlich gewesen ist. Doch den Zahn würde sie ihm noch ziehen.

„Anstelle mir das zu sagen und so zu tun als würdest du verstehen wie ich mich fühle, sag es doch dir selber. Geht doch sowieso nur um dich. Du sagst mir das aus einem einzigen Grund, damit du es dir selbst sagen kannst. Es dir einreden kannst. Damit keiner hier denkt du wärst verantwortlich für die Tatsache das sowohl Draco als auch Hermione im Krankenflügel gelandet sind. Das ist erbärmlich Weasley. Und außerdem ist es falsch."

„Kein Streit Daph.", ermahnte Blaise sie, doch sie hatte sich wieder in Rage geredet.

„Du kannst noch so verständnisvoll tun und dich so verhalten als würde es dir Leid tun, aber es tut dir nur Leid weil Hermione in Mitleidenschaft gezogen wurde. Alles andere interessiert dich nicht einmal."

„Hör auf meinen Bruder so anzukeifen du Furie.", knurrte Ginny regelrecht und sprang von ihrem Sitz auf. Daphne tat es ihr gleich und sowohl Ron als auch Harry hatten Mühe Ginny zurück zu halten, während Blaise Daphne an ihrem Arm festhielt.

„Was ist denn hier los?"

Sofort war der Streit vergessen, denn beide Mädchen blickten zum Eingang, wo sie Hermione, Draco aber auch Tracey sahen. Diese sah nicht unbedingt gut aus, aber sie wirkte nicht so angespannt wie Theo.

„Ihr seid ja wieder da.", kommentiere Ginny das Offensichtliche und Hermione zwang sich zu einem Lächeln.

„Und ihr seid immer noch da. Ihr könnt doch nicht euer Leben einfach so unterbrechen wegen mir. Ihr müsst zurück zu euren Jobs. Ginny ich kann mir kaum vorstellen, dass du einfach so jedes Training schwänzen kannst. Und ihr Beide … müsst ihr nicht zu eurer Ausbildung zurück?"

„Um ehrlich zu sein ...", begann Ginny dann und blickte zu ihrem Freund und dann zu ihrem Bruder herüber.

„Als wir gehört haben was los ist … und du dann auch noch ohnmächtig geworden bist, da haben wir …"

Ginny stotterte sonst nie so viel herum. Sie war eigentlich sehr schnell dabei ihre Meinung zu sagen und das auch dann wenn es unangebracht erschien. Und genau deswegen war Hermione auch so beunruhigt, denn so kannte sie Ginny einfach nicht.

„Was sie sagen will ist, wir haben uns entschieden doch wieder hierher zu kommen. Es ist alles schon geregelt. Wir haben es in eurer Abwesenheit mit Professor McGonagall abgesprochen und wir dürfen nächste Woche wieder zurück kommen. Sie freut sich sogar darüber, dass wir wieder die Schulbank drücken wollen.", beendete Harry das was Ginny angefangen hatte. Und damit ließ er eine Bombe platzen, denn nicht nur Hermione weitete ihre Augen und wirkte schockiert, alle anderen Schüler sahen sie ebenso geschockt an.

„Dieser Tag endet wohl nie.", murmelte Tracey nur und schüttelte ihren Kopf, als sie an der Gruppe vorbei ging um zu den Wendeltreppen zu gelangen. Sie hatte das Geschnatter jetzt schon satt. Und da sich jetzt alle auf die Drei stürzten und sie mit Fragen überhäuften, gelang es ihr sich aus dem Staub zu machen. Zumindest dachte sie es.

„Trace ...", stoppte Daphne sie kurz bevor sie oben ankam und umfasste dabei ihr Handgelenk.

„Nein bitte, nicht heute Daph. Ich will einfach nur in mein Bett. Mir platzt der Schädel und ich … ich brauch einfach meine Ruhe."

Tracey sah ihre Freundin nicht einmal an. Diese nickte aber und ließ sie die Treppe weiter hochgehen. Es musste wirklich schlimm gewesen sein, was zwischen ihr und Theo passiert war. Nur das Tracey im Gegensatz zu Theo nicht diese unterdrückte Wut in sich trug, sondern ihre Traurigkeit öffentlich zur Schau stellte. Es passte nicht zu ihr. Es schien ein neuer Trend unter ihnen zu sein – sie taten alle Dinge, die einfach nicht ihren Charakteren entsprachen. Das Zusammenleben konnte schwieriger sein als gedacht. Es musste immerhindarauf zurückzuführen sein, denn es hatte genau dann begonnen so kompliziert zu werden.

„Ihr habt sie unterwegs gefunden?", fragte Daphne leise an Hermione und Draco gerichtet, als sie wieder zu der Gruppe stieß.

„Ja, sie war nicht so gut drauf. Aber sie wird wieder Daph, keine Panik.", erwiderte Draco. Daphne war zuerst nicht überzeugt, dass Draco Recht behalten würde, doch als er sie lange durchdringend ansah und dabei so zuversichtlich wirkte, da schwanden die Bedenken in ihr Stück für Stück.

Gemeinsam blickten sie schließlich zu dem Rest der Gruppe herüber, die sich alle noch immer mit Harry, Ginny und Ron beschäftigten und sie ausfragten. Die Frage, wie sie auf diese Idee gekommen waren, fiel dabei wahrscheinlich hunderte Mal.

„Was hälst du davon?", fragte Draco Hermione leise, während sie auf einen der leeren Sessel zusteuerten. Beinahe automatisch zog Draco sie auf die Armlehne und sorgte dafür, dass sie ihre Beine über sein Schoß legte. Er legte seine Hand auf ihren Oberschenkel und das Mädchen lehnte sich mehr an ihn. „Ich weiß es nicht. Ich glaube … ich sollte da auch keine Meinung zu haben. Es ist ihre Entscheidung und sie sollten tun was sie für richtig halten, auch wenn ich es nicht unterstützen kann, wenn sie es nur für mich tun."

„Versteh ich.", murmelte er nur und sah dabei weiterhin zum Kamin.

Sie registrierten gar nicht wie sie von allen angestarrt wurden. Wie alles um sie herum still geworden war.

„Ist es dann jetzt offiziell?", hörte Draco dann aber plötzlich und sein Kopf drehte sich herum und er blickte Hannah an, die ihn angesprochen hatte. Naja sie Beide angesprochen hatte.

„Was?"

„Naja, dass ihr zusammen seid? So nah wie ihr euch jetzt seid und das ohne euch zu genieren.", kommentierte sie die Art und Weise wie Hermione schon beinahe in seinem Schoß saß. Erst jetzt bemerkten die Beiden es auch. Es war so selbstverständlich passiert, wie die Tatsache, dass sie sich nicht mehr so weit voneinander entfernten. Es gehörte dazu.

„Ihr ward also unterwegs und hattet ein Date und jetzt ist es offiziell und wir müssen nicht mehr spekulieren, huh?", neckte Blaise seinen besten Freund, der jedoch nur die Augen verdrehte.

„Da liegst du falsch. Wir waren bei meinen Eltern."

„Wieso ward ihr in Malfoy Manor?", fragte der Slytherin sichtlich verwirrt.

Hermione schüttelte ihren Kopf und fixierte Blaise mit ihrem Blick. Sie hatten Beide beschlossen noch nichts Preis zu geben, denn sie wussten selber noch nicht viel. Sie hatten das Gespräch mit Lucius und Narzissa zwar als hilfreich empfunden, doch es hatte sie auch verwirrt zurück gelassen.

„Es ist etwas, was wir noch für uns behalten wollen. Aber ihr liegt falsch wir sind nicht zusammen."

„Sieht für mich aber anders aus."

„Blaise ...", murrte Draco nur und der Dunkelhaarige zuckte mit den Schultern.

„Wir berichten euch ein anderes Mal davon. Wir sollten auch langsam zurück zum Krankenflügel oder Madame Pomfrey gibt eine Vermisstenmeldung für uns auf."

„Uh huh.", trällerte Hannah und legte ihren Kopf schief.

„Was ist denn jetzt noch Abbott?"

„Naja dafür das ihr nicht zusammen seid, fühlt ihr euch ganz schön wohl bei einander ...", begann sie und ein Stöhnen entfuhr Dracos Lippen.

„Ja und?"

„Und … dafür ziert auch ein viel zu schöner Fleck Hermiones Hals. Ganze Arbeit geleistet Malfoy ...", grinste die Blondine und Hermione spürte wie ihr die Röte ins Gesicht schoss. Sie wusste es machte es nur noch schlimmer, doch sie richtete den Kragen ihrer Bluse auf. Sie hatten es dennoch schon alle gesehen.

Das allerschlimmste war aber der Blick, den Ron ihr zuwarf. Es fühlte sich an, als würde sie ihm das Herz brechen. Sie konnte es in seinen Augen sehen und das sorgte dafür, dass ihr Herz ebenso in Stücke zersprang. Sie hatte ihm niemals weh tun wollen.

„Komm wir gehen, mir ist das zu viel dummes Getratsche.", sagte Draco lediglich und als er ihre Hand ergriff und sie auf die Beine zog, grinsten einige ihrer Mitschüler wissend. Es nervte ihn. Es nervte sie mindestens genauso. Sie verstanden die Situation nicht und sie urteilten dennoch darüber. Es war kindisch.

„Dann gute Nacht ihr Beiden.", flötete Blaise ihnen noch hinterher und sowohl Seamus, als auch Hannah lachten. Manch Anderen war aber gar nicht zum Lachen zu Mute.

„Ich brauch etwas frische Luft.", brachte Ron nach einer ganzen Weilehervor und erhob sich sofort von seinem Platz und rauschte in windeseile aus dem Raum. Er hatte nur darauf gewartet, dass sie lang genug weg waren. Begegnen wollte er ihnen nicht wirklich.

„Er wird drüber hinweg kommen."

Daphne hatte es auf eine freundliche und ehrliche Art und Weise gesagt, weswegen Ginny nichts negatives sagen konnte. Sie hatte lediglich zu ihr herüber gesehen und mit den Schultern gezuckt. Sie konnte es beim besten Willen nicht mehr einschätzen, was geschehen würde und was nicht.

„Jetzt zurück zu euch … zieht ihr hier ein?", fragte Dean und brachte das Thema zurück auf Harry, Ginny und Ron.

„Ja – wir drei ziehen hier ein."

„Aber Weaselette ist doch gar nicht in unserem Jahrgang.", kommentierte Pansy und sah dabei zu der Rothaarigen herüber. Erstaunlich war, dass ihre Stimme neutral klang und nicht abfällig. Pansy gab sich wirklich Mühe offener zu sein und es gelang ihr mehr als gut. Es fiel allen auf. Aber sagen tat niemand etwas, man war zu sehr besorgt, dass man damit etwas falsches sagen könnte. Bei Pansy wusste man nie so genau.

„Aber sie hat den Großteil ihres sechsten Jahres hinter sich gebracht und Professor McGonagall hat ihr vorgeschlagen, dass sie ihr letztes Jahr hier machen könne, wenn sie einige Tests im Verlauf dieser Woche besteht. Nur um das sechste Schuljahr abzuschließen. Und da sind wir optimistisch, oder Ginny?"

„Ja, schon. Es wird schon werden.", sagte Ginny relativ teilnahmslos und sah zum Fenster heraus. Sie war mit den Gedanken ganz woanders. Sie fragte sich, ob sie nicht doch nachsehen sollte wie es ihrem Bruder ging. Sie konnte sich nicht wirklich auf das konzentrieren, was sie gefragt wurde … oder was um sie herum gesprochen wurde. Es interessierte sie auch nicht wirklich. Zu viel hatte sie heute mitbekommen und gesehen, zu viel war passiert und ihr Kopf rauchte davon regelrecht. Sie konnte sich nur vorstellen wie die nächsten Wochen und Monate werden würden.

„Du kannst mich nicht ewig anschweigen.", murrte Lisa und setzte sich schließlich im Schneidersitz auf das Bett. Sie fixierte Theo mit ihrem Blick, der beharrlich an die Wand starrte und sie ignorierte. Seit Minuten.

„Gut wenn du weiterhin stur spielen willst bitte. Ich will dir doch nur helfen.", stöhnte die Brünette genervt und ließ sich theatralisch nach hinten fallen und sah an die Decke des Betthimmels. Manchmal wünschte sie sich es wäre alles einfacher. Doch seit Jahren schon war alles so kompliziert geworden und das mochte sie nicht.

„Gerade du.", murmelte der Slytherin vor sich hin und sofort schreckte Lisa hoch. Sie hockte auf ihren Knien, hatte ihre Hände vor sich abgestützt und beugte sich zu ihm vor. Dabei kam sie ihm verdächtig nah.

„Du sprichst ja doch. Du hast deine Zunge nicht verschluckt.", grinste die Ravenclaw und der Slytherin verzog sein Gesicht.

„Was denn, was denn, was denn? Du spielst doch den Sturen und Bockigen.", witzelte sie und bewegte sich nun direkt neben ihn.

„Also sprich mit mir. Sag mir alles … oder nur ein wenig. Mecker und schimpf wenn du willst. Alles was dir hilft.", schlug sie vor und Theo schüttelte seinen Kopf beinahe sofort.

„Ich will einfach nur das du gehst."

„Damit du dich weiterhin fertig machen kannst und du Zeit hast über unwichtiges Zeug nachzudenken? Nicht in diesem Leben. Warum lehnst du meine Hilfe so ab?"

„Merlin, verdammt noch mal … weil das alles deine Schuld ist.", brach es aus ihm hervor und Lisa starrte ihn sprachlos an. Sie war verwirrt und er konnte es ihr ansehen. Er war es auch, denn er hatte es nicht sagen wollen. Nicht zugeben wollen.

„Jetzt ist es eh schon zu spät … Ich hab dich mit … Boot gesehen. Verdammt noch mal, was hat der Bitte was ich nicht hab?"

Noch immer sah Lisa ihn absolut verwirrt an und verblieb stumm, weswegen er erst richtig loslegte.

„Ich dachte offensichtlicher kann ich es nicht mehr machen, dass ich dich gerne kennen lernen will aber du siehst es ja nicht. Und dann … dann hab ich euch gesehen und wurde so verdammt wütend. Und Tracey war da. Sie ist eben immer da. Und ich … und sie… und ich wollte eben nicht dran denken müssen."

Theo wusste selbst wie dumm es alles klang was er da so vor sich hin erzählte, aber es tat gut es los zu werden. Vor allem da er langsam aber sicher begriff, dass er es sich mit Tracey verdorben hatte. Und es war alles seine Schuld. Er hatte sie erst benutzt und sie dann von sich gestoßen. Sie hatte ihm helfen wollen. Aufrichtig helfen wollen und er war ein Idiot, der sich nicht helfen lassen wollte.

„Und sie wollte mit mir drüber reden. Sie wollte mir helfen. So wie du … und ich hab sie angeschrien und von mir gestoßen. Merlin, ich war so ein Arschloch weil ich wollte, dass sie mich in Ruhe lässt." Zu Beginn hatte er noch regelrecht getobt und dann brach er letztlich in sich zusammen.

Zu seinem Erstaunen legte Lisa eine Hand auf sein Knie und es erstaunte ihn noch mehr, dass es tatsächlich beruhigend auf ihn wirkte.

„Du wirst mit ihr sprechen – so wie du es mit mir getan hast. Sie wird dir verzeihen, egal was du gesagt hast … denn Freundschaft wirft man nicht weg. Und wenn sie es nicht tut, dann rede ich mit ihr.", sprach sie nach einer gewissen Zeit und dann strich sie sich eine Strähne aus dem Gesicht als sie ganz nervös wie sie war nach Worten suchte. Nach etwas, was ihm helfen könnte.

„Und du hättest es mir schon früher sagen sollen, denn ich kann keine Gedanken lesen Theo. Ich mag dich nämlich auch gerne … aber du kommst zu spät. Ich bin kein Mädchen, dass … von Junge zu Junge hüpft. Es tut mir Leid.", sagte sie aufrichtig und sie konnte sehen wie er die Schultern hängen ließ. Doch sie konnte nichts daran ändern. Und sie wollte fair ihm gegenüber sein … und auch Terry gegenüber. Er hatte es verdient.

„Danke."

„Immer doch. Wir sind doch Freunde, oder nicht?"

„Ja. Ja ich glaube schon."

„Dann lass ich dich jetzt allein, damit du über alles nachdenken kannst. Aber nicht in Selbstmitleid versinken, verstanden? Versuch zu schlafen und morgen früh … entschuldigst du dich bei ihr und alles wird wieder so wie vorher."

Mit diesen Worten sprang Lisa vom Bett. Sie grinste leicht, als sie Theo noch einmal freundschaftlich durchs Haar fuhr und ihm damit die Frisur ruinierte – was er ihr auch in einem amüsiert genervten Ton zu verstehen gab. Danach verließ sie das Zimmer und ließ Theo allein mit seinen Gedanken.