Kapitel 32:
„Sind die zwei Turteltauben immer noch nicht aus ihrem Zimmer gekrochen?", fragte eine entsetzlich gut gelaunte Pansy, als sie sich am nächsten Morgen an den Frühstückstisch setzte.
Noch vor einigen Tagen hätte sie es für unmöglich gehalten mit all ihren Mitschülern morgens am Slytherintisch zu sitzen, nun gehörte es zu ihrem Alltag. Es war selbstverständlich geworden.
„Nicht wirklich. Also ich habe sie nicht gesehen.", sagte Daphne und betrachtete ihre Freundin über den Tisch hinweg mit zusammengezogenen Augenbrauen. „Und was ist dir wundervolles passiert? Du strahlst richtig. Welchem Kind hast du den Lolli geklaut, huh?"
Pansy verdrehte ihre Augen gespielt genervt, doch sie wusste wie Daphne es meinte. Ja sie war eben keine Frohnatur wie Daph es war, oder so wie Hannah … oder Luna Lovegood. Sie war eben nicht so und es war auch gut so, aber manchmal konnte sie auch gut gelaunt sein oder etwa nicht? Zumindest war sie der festen Überzeugung, dass sie es dürfte.
„Ach hatte einfach eine sehr … erholsame Nacht.", sagte Pansy schließlich und ließ es so beiläufig wie möglich klingen. Offenbar gelang es ihr auch, denn Daphne hakte nicht weiter nach. Sie glaubte wohl wirklich, dass sie einfach eine Mütze voll Schlaf bekommen hatte.
„Morgen.", flötete eine mindestens genauso fröhliche Hannah, als sie sich zusammen mit Megan und Susan zu Daphne, Tracey und Pansy setzte. Lisa war noch nirgends zu sehen, Millicent war schon früh wieder verschwunden, weil sie noch zur Eulerei wollte und Hermione – tja die war noch nicht wieder aufgetaucht.
„Wo sind eigentlich die Jungs abgeblieben?", fragte eine verwirrte Hannah, die sich eine Sekunde lang umgesehen hatte. „Sind die alle noch am Schlafen? Wenn ja dann … schaffen die es wohl nicht mehr vor dem Unterricht zu frühstücken."
„Keine Ahnung, Blaise hatte Theo und Greg zu sich gerufen … er wollte irgendetwas erledigen sagte er. Ich glaube, dass die anderen Jungs wohl auch dabei sind … würde Sinn ergeben. Wer weiß was für einen Quatsch die planen.", gab Tracey von sich und nippte an ihrem Tee.
Pansy verstecke ihr Grinsen hinter einer Tasse Kaffee, denn sie wusste ganz genau was Blaise plante. Sie hatte ihm immerhin die Liste am frühen Morgen vorbei gebracht. Seine Aufgaben. Sie wusste genau was darauf stand und sie wusste auch genau woran er arbeitete, wenn er alle männlichen Wesen um sich herum versammelte.
„Dann sollten wir uns wohl hüten … sie sind zwar nicht die Weasley Zwillinge, uns werden wohl keine Hasenzähne wachsen, aber man weiß nie worauf die Jungs kommen könnten.", gab Megan zu bedenken und Daphne grinste leicht.
„Die Weasleys hatten aber schon ganz lustige Ideen …", sagte sie und biss sich dann auf ihre Unterlippe. Sie wusste natürlich, dass die Sache vorbei war. Es würde nie wieder so werden wie es einmal gewesen war. Es gab keine Weasley Zwillinge mehr.
Genau in solchen Momenten hasste Daphne sich selbst. Sie hatte nie offen und ehrlich zu dem gestanden, was sie gedacht hatte. Sie hätte schon vor Jahren mit den Weasley Zwillingen reden können und nun gab es sie so nicht mehr. Und alles was blieb waren zwar schöne und lustige Erinnerungen an all die Streiche und Ideen, die sie gehabt hatten, aber sie waren lächerlich im Gegensatz zu dem was hätte noch kommen können. Es war einfach nicht fair.
„Alles okay Daph?"
„Geht es euch auch manchmal so, dass … ihr euch in solchen Momenten ertappt und denkt … was können wir einfach so froh sein und einfach so weiter machen? Ich meine … wir reden hier über die Weasleys und wir wissen alle was passiert ist und ...", das Mädchen brach ab und schüttelte ihren Kopf.
„Alles was wir tatsächlich tun können ist weiter machen. Aufgeben würde ihnen doch auch nichts bringen. Wenn wir nur hier sitzen und jammern, sie bedauern und betrauern, dann ändert es ja auch nichts oder? Ich glaube und das hoffe ich wirklich felsenfest, dass alle die nicht mehr da sind sich freuen würden zu sehen, dass wir uns zwar streiten und uns auch manchmal die Köpfe einschlagen, aber uns auch gut verstehen. Wir haben uns weiter entwickelt und das war die Opfer vielleicht nicht wert, aber … es ist ein schwacher, aber dennoch vorhandener Trost, oder nicht?"
Daphne sah Megan mit großen Augen an. Sie hatte gar nicht gemerkt wie ihre Augen sich bei diesen Worten mit Tränen gefüllt hatten, aber als sie diese über ihre Wangen laufen spürte, wischte sie diese sehr undamenhaft mit ihrem Ärmel weg.
„Vor wenigen Monaten hätten wir uns das alle nicht vorstellen können, aber soll ich euch Mal etwas verraten? Ich hab es noch nie irgendwem gesagt … nicht einmal Draco, oder Blaise ...", begann Pansy und sah dabei auf ihre Hände, da sie die anderen Mädchen einfach nicht ansehen konnte dabei. Es ging einfach nicht.
„Ich bin froh, dass es so gekommen ist. Ich stand wahrscheinlich sehr lange auf der anderen Seite, ich weiß gar nicht wann ich erwogen habe die Seiten wirklich zu wechseln … ich hätte Potter wahrscheinlich schneller verraten, als die meisten anderen meiner Mitschüler und das für die längste Zeit. Aber als ich mich unter den Verletzten umgesehen hab und gesehen hab was es alles mit sich gezogen hatte. Wie unsere eigenen … Leute sich gegenseitig gequält und verraten haben. Und dann hab ich nur darüber nachgedacht, was die meisten von uns erwarten würde … Ich glaube ich habe noch nie so einen lichten Moment in meinem Leben gehabt. Und als die ganzen Verhandlungen waren und so viele Menschen gegen einen waren und die Strafe Askaban gewesen wäre – und nicht der Tod oder Folter wie bei … - habe ich es gewusst. Den Unterschied. Und dann waren da Potter, die Weasleys … Hermione … sie haben immer und immer und immer wieder für uns alle gesprochen so als wäre es selbstverständlich. So als würden sie tatsächlich an uns glauben. Ich habe noch nie eine weisere Entscheidung in meinem Leben getroffen. Ich glaube, dass wird mir auch erst jetzt so richtig bewusst. So mit der Zeit. Aber je länger ich Zeit mit euch verbringe und je mehr Normalität einkehrt, umso klarer wird mir einfach … dass ich gar keine Ahnung von dem allem hatte. Noch immer habe ich dieses Gefühl … keine Ahnung zu haben, meine ich. Es ist noch nicht ganz … durchgesickert."
„Ich glaube, dass … ihr eure zweite Chance tatsächlich wunderbar nutzt. Die meisten von euch zumindest.", sagte Susan und legte ihren Kopf etwas schief. Sie hatte keine Ahnung was sie sonst sagen konnte. Sie hatte Pansy Parkinson noch nie so emotional erlebt. Sie hatte immer wieder in ihrer Rede gestoppt und in die Ferne gesehen. So als würden Bilder vor ihren Augen erscheinen. So als müsste sie diese Dämonen abschütteln, die sie noch immer verfolgten.
„Wir sind keine perfekten Menschen und ich glaube wir halten uns trotz allem für etwas besseres – zumindest kann ich mir vorstellen, dass Theo, Blaise und Draco es so sehen wie ich. Manchmal verstehe ich es immer noch nicht wie so gegensätzliche Gedanken in einem einzigem Kopf Platz haben, aber es ist so. Aber wir geben uns Mühe. Wir wollen diese zweite Chance. Ich will diese zweite Chance."
Es überraschte sie, als Megan ihre Hand nach ihrer ausstreckte und ihre damit sanft berührte. Sie strich sogar mit ihrem Daumen über Pansys Handrücken. Es war eine vertraute Geste, die Pansy nicht zuordnen konnte. Sie tat ihr aber gut und deswegen zog sie ihre Hand auch nicht weg.
„Und wir geben sie euch. Vergeudet es nicht."
„Uhhh lala, was hab ich denn verpasst?", grinste Lisa, als sie sich zu den Mädchen gesellte und sah wie Megan Pansys Hand hielt.
Der Moment war schneller vergangen, als er gekommen war und die Mädchen waren zum größten Teil froh darüber. Sie waren aber auch froh, dass es ihn gegeben hatte.
„Och … wir haben uns nur unsere ewige Liebe geschworen. Hast es leider verpasst, bekommst auch keine Zugabe. Hättest da sein müssen um diese unendlich epische Liebesgeschichte zu begreifen.", sagte Megan ganz trocken und als sie endete, entfleuchte ihr dann doch ein Kichern, woraufhin die Anderen auch begannen zu lachen. Nur Lisa begriff noch nicht ganz wieso die anderen Mädchen lachten. Es spielte keine Rolle, denn irgendwann ließ sie sich dennoch von ihrem heiteren Lachen anstecken.
„Ich glaub nicht, dass da etwas dran ist.", sagte Seamus an Dean gerichtet, als sie sich langsam auf dem Weg zum Unterricht machten. Das Frühstück hatten sie durch das Gespräch mit den anderen Jungs leider verpasst. Er war nicht unbedingt wütend deswegen, aber er fragte sich immer noch wieso er geglaubt hatte, es könnte wichtig sein was Zabini ihnen sagen wollte.
„Denk mal drüber nach – die zwei haben es doch vorgeschlagen. Sie könnten wirklich betrügen."
„Traust du Hannah das zu? Ich meine Tracey – über sie wissen wir ja nicht viel, aber Hannah?"
„Gerade ihr traue ich es zu. Ich glaube die zwei wollen wirklich manipulieren, stell dir doch Mal vor, dass Hannah auf einen von uns steht … wenn sie seine Liste hätte, dass wäre doch ein wundervoller Startpunkt für sie um Gespräche zu beginnen."
„Dean, du bist zu misstrauisch. Vor allem … sie würde es einem ja wohl sagen. Gerade Han ist doch absolut direkt."
„Ich glaub trotzdem, dass er Recht hat. Wir sollten sie wirklich beobachten und sicher gehen, dass die zwei nichts sabotieren."
„Ihr habt echt eine blühende Fantasie. Ich glaub einfach, dass Zabini Tracey ärgern will … mehr auch nicht."
„Wenn du das sagst … dann kann es ja nicht schaden zu helfen, dann wirst du ja sehen ob es stimmt oder nicht."
„Ich verstehe einfach nicht was sie davon haben sollten – würde es fürs erfolgreiche erraten irgendwelche Preise geben ..."
„Diskutier doch nicht.", murrte Dean und schüttelte seinen Kopf.
„Na gut … ich mache mit. Du beobachtest Davis und ich Hannah."
„Und warum beobachte ich Davis und nicht Hannah?"
„Weil ich weiß, dass du eine Vergangenheit mit Hannah hast und du willst doch nicht, dass sie Merlin weiß was denkt oder?"
„Du hast gewonnen, Mann."
„Wusste ich es doch."
„Da seid ihr ja.", begrüßte eine fröhliche Daphne sowohl Draco als auch Hermione, als die zwei den Unterricht gerade noch pünktlich betraten. Hermione schlüpfte auf den Platz neben der Blondine, während Draco den Platz hinter ihr neben Zabini einnahm.
„Sieht so aus, oder?", sagte Hermione nur und kramte ihre Sachen hervor. Es ließ Daphne die Augenbrauen zusammenziehen, denn Hermiones Verhalten war ihr suspekt.
„Wir wollten euch was vorschlagen … aber nun ja … ihr ward ja nicht mehr anzutreffen.", sagte sie dann und Hermione drehte ihren Kopf zu ihr herum und strich sich eine wild gewordene Haarsträhne hinters Ohr.
„Ich war müde okay?", brachte die Brünette schon beinahe zickig hervor, so dass die Blondine neben ihr zusammen zuckte.
„Tut mir Leid … ich … es tut mir leid.", sagte Hermione sofort und schüttelte ihren Kopf. Sie hasste sich selbst für ihr Verhalten, aber sie wusste einfach nicht wie sie sich sonst verhalten sollte. Sie konnte ihre Emotionen nur schwer verstecken.
Daphne schüttelte nur ihren Kopf, lächelte die Brünette an und beließ das Gespräch dabei. Sie wollte Hermione nicht weiter reizen und noch etwas abwarten. Vielleicht würde es sich im Laufe des Tages ja noch legen. Zumindest hoffte sie es.
Blaise hinter ihr hatte unterdessen Draco einen Zettel geschrieben.
Was ist ihr denn für ne Laus über die Leber gelaufen?
Geht dich nichts an, oder?
Also warst du Mal wieder Schuld?
Sagt wer?
Sagt niemand. Ich frage – siehst du das Fragezeichen? Das ist ein Zeichen für eine Frage mein Freund.
Ich hasse dich.
Nein du liebst mich. Du kannst ohne mich nicht leben. Würdest du auf Männer stehen, wäre ich dein, Draco. Wir wären das Traumpaar der Schule.
Was hast du getrunken Zabini?
Willst du auch was davon abhaben? Nennt sich Kaffee.
Witzig.
Ich weiß, ich bin der Brüller. Also was ist mit Granger?
Sie ist gereizt.
Hab ich schon gemerkt. Weiter?
Nichts weiter.
Verarsch mich nicht Draco. Was hast du gemacht?
Warum immer ich, huh? Was wenn es nichts mit mir zu tun hat?
Als ob es nichts mit dir zu tun hat? Du klebst doch an ihr. Du bist die Person, die Tag und Nacht an ihr dran hängt, oder nicht? Wer soll sonst was getan haben? Wiesel? Potter? Wieselette?
„Fick dich.
Blaise starrte auf die zwei Worte und verzog sein Gesicht. Hatte er es übertrieben? Wahrscheinlich. Hatte er das Recht anzunehmen, dass Draco etwas getan hatte? Verdammt nochmal ja, das hatte er.
„Hast du nicht gut geschlafen, Mione?", fragte ein besorgter Neville, als er sich neben seine Freundin setzte. Sie hatten Mittagspause und zum ersten Mal an diesem Tag saßen sie alle zusammen.
„Sehe ich so müde aus?"
„Um ehrlich zu sein ja. Ich meine wir sind alle deine dunklen Augenringe gewohnt, weil du Ewigkeiten recherchierst und lernst … aber heute siehst du einfach nur erschöpft aus. Ausgelaugt."
Zabini hatte sich etwas geduckt, weil er mit einer Explosion rechnete, doch zu seinem Erstaunen seufzte die Brünette nur und stocherte in ihrem Essen herum.
„Ich hab gestern … etwas gemacht worauf ich nicht stolz bin. Ich weiß nicht … es kam so über mich. Und jetzt kann ich nicht anders, ich muss ständig daran denken. Ich krieg es nicht aus meinem Kopf. Ich …"
Hermione stoppte, weil ihre Stimme so sehr zitterte, dass sie einfach nicht weiter sprechen konnte. Ihr Herz pochte schnell und hart gegen ihren Brustkorb und dann liefen ihr heiße Tränen über ihre Wangen. Sie konnte sie nicht stoppen und sie wusste, dass sie in letzter Zeit schreckliche Stimmungsschwankungen hatte, aber sie konnte sie einfach nicht bremsen. Sie konnte einfach nicht.
„Was hast du gemacht?", fragte Neville sanft, doch das Mädchen schüttelte nur ihren Kopf und lehnte dann diesen an seine Schulter. Er legte einen Arm um sie und hoffte, dass es ihr wenigstens etwas Trost spenden würde. Er kannte sie einfach nicht in einem solchen Zustand. Er kannte sie wütend, aufbrausend, gespannt und aufgeregt, er kannte sie eifersüchtig und enthusiastisch, er kannte sie auch wirklich zornig und rachsüchtig … aber er hatte sie noch nie so aufgelöst gesehen. Noch nie. Traurig ja, aber noch nie so, dass es selbst ihm den Brustkorb zuschnürte.
„Was zwischen den Beiden wohl vorgefallen ist?"
„Wie kommst du darauf, dass es mit ihm zu tun hat?"
Blaise sah Tracey beinahe belustigt an.
„Ernsthaft Trace … was soll sonst gewesen sein?"
„Ich weiß es nicht, aber warum glaubst du, dass Draco der Grund ist? Vielleicht hat er einmal in seinem Leben nicht alles kaputt gemacht, sondern hat sich anständig verhalten?"
„Du glaubst doch selbst nicht was du sagst. Ich liebe Draco wie einen Bruder, ohne Witz Tracey, aber er hat sich schon immer alles selbst verbaut. Glaubst du wirklich, dass er plötzlich alles anders macht … bei ihr? Ich glaub es nicht."
„Ich hab es sowieso satt darüber zu reden. Wir spekulieren immer nur … wir sollten die Zwei langsam in Ruhe lassen. Wir machen es nicht einfacher für sie.", sagte sie schließlich und zuckte mit ihren Schultern.
„Richtig wir warten lieber ab und … sammeln dann die Scherben auf oder?"
Tracey blickte wütend zu Blaise herüber, funkelte ihn regelrecht an. Sie hasste es wenn er solche Dinge sagte, denn damit weckte er ihren beschützerischen Instinkt. Sie wusste es war albern, aber sie hatte ihn Draco gegenüber entwickelt. Sie empfand für ihn wie für einen Bruder und somit kam dieser Instinkt ab und an zu Tage. Vielleicht musste sie also doch ein Wörtchen mit Hermione wechseln … denn Scherben sollte es keine geben. Oder sie ignorierte Blaise, so wie es sich für ein kluges Mädchen gehörte.
Doch wer war schon wirklich klug, wenn Gefühle im Spiel waren?
„Verfolgst du mich?"
„Nein … nein ich … also … ja irgendwie schon.", gab Seamus letztlich zu und kratzte sich am Hinterkopf.
„Du hättest mich auch fragen können, ob wir etwas Zeit miteinander verbringen ...", sagte Hannah, die gerade ein Buch bei Seite stellte.
„Ja hätte ich. Ich weiß nicht. Ich … naja."
„Wenn du schon hier bist, wir können gerne noch einen Spaziergang machen, wenn du willst natürlich nur."
„Klar. Ich meine … sicher."
Hannah lachte und ohne groß darüber nachzudenken ging sie auf den Gryffindor zu und hakte sich bei ihm unter.
„Na dann lass uns gehen.", sagte sie äußerst motiviert und die Beiden schlugen den Weg nach draußen ein.
Sie gingen ohne wirklich miteinander zu sprechen. Seamus weil er sich ertappt fühlte und nun versuchte sich einen neuen Plan zu überlegen, denn er konnte sie ja schlecht einfach fragen, ob sie schummeln wollte. Und Hannah weil sie darauf wartete, dass Seasmus etwas sagte. Was er nicht tat.
Erst als sie knapp vor der Tür nach draußen waren, hörten sie Stimmen aus einem Klassenraum. Hannah stoppte sofort, denn sie erkannte die eine Stimme. Es war Hermione. Die andere Stimme musste also Draco gehören.
„Es denken jetzt alle, dass ich Schuld für deinen Ausbruch bin."
„Es hat dich doch noch nie interessiert, was andere über dich denken."
„Merlin … es interessiert mich auch nicht, aber verdammt noch Mal ich will auch nicht, dass sie denken, dass ich das Arschloch bin, was dich zum weinen bringt."
„Also willst du von mir, dass ich ihnen sage – ich bin traurig, aber Malfoy ist nicht der Grund oder was?"
„Das wäre ein verdammter Anfang."
„Und du bist ein verdammtes Arschloch."
„Warum das denn schon wieder?"
„Weil ich …"
„Hermione."
„Nein … wag es ja nicht. Wag es nicht mich so anzusehen und dann meinen Namen zu benutzen."
„Warum nicht? Wirst du dann wieder schwach?"
Hermiones kaltes Lachen hallte regelrecht durch die Flure und Hannah zuckte vor der Tür zusammen, sah dabei zu Seamus herüber, der seine Augenbrauen zusammen gezogen hatte.
„Ich werde bei dir nicht mehr schwach. Das ist vorbei Draco. Es ist vorbei. Ich mach mich doch nicht lächerlicher, als ich es sowieso schon gemacht hab."
„Verdammt Hermione. Du hörst mir nie richtig zu, oder?", fragte er lautstark. Hannah versuchte sich auszumalen wie er sie dabei ansah, doch sie konnte es einfach nicht. Sie waren zwar häufig bei ihren Auseinandersetzungen dabei, doch … bei solchen wohl eher selten. Sie schienen sich wirklich näher zu stehen, als sie alle angenommen hatten.
„Ach tue ich das nicht? Ich glaube schon, dass ich mich genau an deinen Wortlaut erinnern kann."
„Du scheinst aber nicht zu verstehen, was ich dir sagen will."
„Was denn? Du fühlst nicht so. Es ist okay verdammt noch einmal. Du bist nicht der Mittelpunkt der Welt … meiner Welt."
Hannah weitete ihre Augen und starrte Seamus an, der sie ebenso anstarrte. Er wirkte ebenso geschockt wie sie es war. Sie hatten zwar alle gewettet, doch das Hermione wirkliche Gefühle entwickelte … es war doch eher Spaß gewesen. Zumindest von ihrer Seite aus. Sie hatte es nicht geglaubt.
„Nein was ich dir sagen wollte ist ..."
„Hannah, Seamus was macht ihr denn hier draußen?", hörten die Zwei dann und sofort drehten sie sich um. Sie sahen Dean, der sie freudig angrinste und sofort fühlten sie sich ertappt, schnappten ihn an den Händen und zogen ihn mit sich. Sie liefen … dabei stolperte Dean hinter ihnen her bis sie um die gefühlt fünfzigste Ecke bogen. Dann stoppten sie endlich und schnappten nach Luft.
„Was sollte das?", fragte Dean, der noch vollkommen außer Atem war.
„Hättest du nicht drei Sekunden später auftauchen können?", fragte Hannah, die sich gegen die Wand lehnte und ihre Hand gegen ihre Seite presste, weil sie Seitenstechen hatte.
„Was ist in euch gefahren?"
„Frag lieber … was wir durch dich nicht erfahren haben.", murrte die Blondine wieder und Dean sah seinen Freund an, der jedoch nur seinen Kopf schüttelte. Er war selbst noch ganz überrascht von den Ereignissen.
„Wohin gehen wir?"
„Wirst du schon sehen."
„Warum hast du mich überhaupt gefragt, ob ich mit will?"
„Du hast heute Morgen so traurig gewirkt … ich dachte … ich muntere dich etwas auf.", sagte Megan, die Daphne durch das Schloss manövrierte.
„Pansy doch auch."
„Schon, aber die hat schon ihre Ablenkung."
„Ach?"
„Mh, mein Zimmer ist direkt neben dem von Zabini – sagen wir es so ich erkenne ihre Stimme. Vor allem wenn sie so laut ist."
Daphne weitete ihre Augen, lachte dann aber. Vor allem da Megan ihr Gesicht verzogen hatte bei dieser Bemerkung.
„Also bekomme ich eine Aufmunterung, während Pansy Orgasmen kriegt? Ich finde, dass ist doch sehr gerecht."
Megan sah zu der Blondine herüber und zog eine Augenbraue hoch. Daphne hob augenblicklich ihre Hände, so als wollte sie sich verteidigen. Sie hatte sofort Angst missverstanden zu werden.
„Ich will dich damit zu nichts … also … ", stammelte sie vor sich hin und brachte Megan damit tatsächlich zum Lachen.
„Keine Angst. Ich weiß was ihr alle denkt. Also zumindest glauben wir es. Also Hannah, Susan und ich. Ich meine man sieht eure Blicke. Aber so ist es nicht. Wir drei haben uns lieb. Mehr ist da nicht."
„Das habe ich doch nie ...", begann Daphne, doch Megan rollte ihre Augen.
„Also musst du keine Angst haben solche Kommentare von dir zu geben. Du hattest ja wohl Angst, dass … ich etwas falsches denken könnte. So als würdest du von mir mehr wollen. So etwas wie Parkinson von Zabini. Und du hattest Angst mir damit zu unterstellen, dass ich lesbisch wäre … weil ihr alle genau das denkt, oder etwa nicht?"
Daphne senkte resigniert ihren Kopf.
„Nun ja, ich glaube nicht, dass ich denke, dass du lesbisch bist. Ich denke eher … ich glaube, dass du die Nähe zum selben Geschlecht genießt. Aber ja … es war mir unangenehm, ich hatte Angst du könntest dich angegriffen fühlen oder so etwas in der Art."
„Ich weiß es um ehrlich zu sein selbst nicht genau. Alles was ich weiß ist, dass ich Menschen mag, die clever sind. Die nicht allzu angeberisch sind … oder zu laut. Ich mag es mich gut zu unterhalten und ich mag die Nähe zu diesen Menschen. Verliebt war ich noch nie. Weder in Mädchen noch in Jungen.", gestand die Brünette und öffnete schließlich eine Tür.
„Wo sind wir hier?", fragte Daphne, als sie sich in dem Raum umsah. Sie war sich sicher, dass sie noch nie hier gewesen war.
„Susan, Han und ich haben hier sehr viel Zeit verbracht. Der Raum wurde eigentlich nie genutzt. Er ist so nah am Ravenclaw Turm, dass es nie aufgefallen ist, wenn wir rausgeschlichen sind. Wir haben ihn so gemütlich es eben ging gestaltet und hier so manche Abende verbracht. Es ist unser Rückzugsort geworden.", gestand die Brünette und Daphne nickte, als sie einige Schritte durch den Raum machte.
Es war wohl einmal ein Klassenraum gewesen, doch nun war er das nicht mehr. Die Mädchen hatten die Wände mit Vorhängen ausstaffiert und den Boden nahe den Wänden mit Kissen ausgelegt. Vor ihnen standen mehrere kleinere Holzkisten – zwischen ihnen war immer etwas Abstand gelassen und auch sie waren mit dunklem samtigen Material überzogen. An der Decke klebten Sterne und hier und da hingen Schnüre mit durchsichtigen Kristallen hinab, die das wenige Licht, welches durch die fast komplett verhangenen Fenster schien, brachen und im Raum verteilten.
„Es ist wirklich schön hier."
„Danke.", sagte Megan zufrieden und setzte sich auf einen der Kissenberge. Daphne tat es ihr nur kurze Zeit später gleich.
„Weißt du … wir kennen uns nicht wirklich, aber ich würde das gerne ändern, wenn du nichts dagegen hast.", sagte Megan dann schließlich. Daphne nickte nur und dann ließen sich die Beiden nach hinten fallen und starrten gemeinsam an die mit Sternen verzierte Decke.
