Kapitel 33:

„Hey.", sagte Hermione an alle Anwesenden gerichtet, als sie sich zum Abendessen an den Tisch setzte. Draco glitt wie immer direkt neben sie auf die Sitzbank, es blieb ihm ja auch nichts anderes übrig.

„Ihr seid wie immer verschwunden und ward unauffindbar.", meinte Zabini beinahe sofort – er sagte ihnen nicht einmal Hallo bevor er das sagte. In Hermiones Augen war es definitiv unhöflich von ihm. Aber sie konnte ihm nicht noch öfter sagen, dass er sich absolut daneben benahm.

„Ganz so würde ich das nicht sagen. Immerhin wurde uns hinterher spioniert.", meinte Draco nur und sah Zabini dabei nicht einmal an. Hermione konnte sich ein leichtes Schmunzeln nicht verkneifen, denn der frostige Ton in seiner Stimme galt nicht ihr. Irgendwie war das ziemlich erfrischend.

„Was?"

„Es scheint so, als müssten manche Menschen ihre Nasen immer in fremde Angelegenheiten stecken. Wenn ihr doch alle unbedingt was wissen wollt, dann fragt uns doch direkt verdammt noch Mal.", murrte der Slytherin dann. Er war in keiner guten Stimmung, denn er hatte das Gespräch mit Hermione nicht zu Ende führen können. Sie hatte nachdem sie die Stimmen und Schritte gehört hatte sofort abgeblockt und ihn nicht einmal mehr ausreden lassen.

„Wir kriegen ja doch keine Antwort.", gab Zabini von sich und Draco blickte ihn finster über den Tisch hinweg an.

„Weil es euch auch nichts angeht."

„Was eine grandiose Antwort Draco. Ich dachte wir sind Freunde, da spricht man doch über gewisse Sachen oder nicht?"

„Nur leider muss man in letzter Zeit annehmen, dass es dann nicht unter vier Augen bleibt, sondern es bald die ganze verdammte Schule weiß."

„Also ist da wirklich etwas zu erzählen?"

„Verdammt nochmal Blaise."

„Beruhigt euch doch.", versuchte Hermione zu beschwichtigen und sah dabei zu Zabini. Sie sah ihn schon beinahe flehend an.

„Daphne … du wolltest mir vorhin etwas erzählen und ich war so … unfreundlich. Es tut mir Leid. Was wolltest du erzählen?", wechselte Hermione dann das Thema und wendete ihr Gesicht von den Jungs ab, um mit dem Mädchen links von ihr zu sprechen, die ihr dann nach etwas zögern die Idee präsentierte, die sie gehabt hatten.

„Draco.", sagte Tracey währenddessen eindringlich und ließ ihre Hand zu seinem Bein gleiten, so dass er sie ansehen würde. Was er dann auch tat.

„Warum murrst du Blaise so an?"

„Geht dich nichts an."

„Draco.", sagte sie wieder und schüttelte ihren Kopf nur ganz sachte. Sie hoffte, dass sie so diskret wie es eben ging miteinander sprechen konnten. Sie wusste, dass es an einem vollen Essenstisch denkbar ungünstig war. Aber sie hatte eben auch kaum andere Optionen.

„Ich kann nicht darüber reden."

„Warum nicht?"

„Weil … es geht niemanden etwas an. Hier könnte jeder jedes Wort hören. Und Blaise würde sich sowieso nur über alles lustig machen. Er kann nie ernst bleiben. Für ihn ist alles ein riesengroßer Witz."

„Dann sprich doch mit mir.", schlug die Blondine vor, doch Draco lachte trocken.

„Wie denn? Ich klebe an ihr. Sie würde jedes verfluchte Wort hören und du kannst dich nicht Ewigkeiten in unser Zimmer schleichen. Das muss auch irgendwann aufhören. Die Gerüchteküche hier ist … zum kotzen."

Tracey zog ihre Augenbrauen hoch, sagte aber nichts auf seine kleine, große Beschwerde hin. Was sollte sie auch großartig sagen.

„Wie lange noch?"

„Ich weiß es nicht. Pomfrey und Montgomery wollen sich bei uns melden. Es wird verdammt noch einmal Zeit."

Traceys Gesichtszüge gefroren regelrecht bei diesen Worten, denn irgendwie hatte sie doch angenommen, dass Draco und Hermione sich nahe standen. Alle nahmen es an, oder etwa nicht?

„Dieser dumme Zauber raubt mir den letzten Nerv. Ich weiß nicht einmal mehr was ich wirklich denke, was ich wirklich will, weil dieser dumme Zauber mit mir spielt. Mit ihr spielt. Verflucht Trace … ich weiß nicht was real ist und was nicht.", sagte er in einem so leisen Ton, dass Tracey ihn kaum verstand. Aber sie verstand ihn. Und zum ersten Mal seitdem der Zauber über den Beiden hing hatte sie das Gefühl, dass er einen zurück bleibenden Schaden hinterlassen würde.

Sie hatte immer angenommen, dass sie Beide sobald sie wieder frei voneinander waren, einfach weiter machen konnten. Das alles wieder so wäre wie vor dem Zauber, doch so wie sie Draco gerade sah, wusste sie, dass der Zauber ihnen Beiden auf einer tieferen Ebene schadete. Er spielte mit ihren Sinnen und Emotionen. Zumindest war es doch das, was Draco ihr damit hatte sagen wollen, oder?

„Vielleicht solltet ihr versuchen euch voneinander zu distanzieren solange der Gegentrank noch nicht fertig ist?"

„Als ob das möglich wäre. Jedes Mal wenn sie es versucht, wenn ich es versuche dann … passiert irgendetwas. Ich werde wahnsinnig.", Draco raufte sich buchstäblich die Haare. Er vergrub seine Finger in seinen Haaren und schüttelte nur seinen Kopf. Sie hatte ihn noch nie so erlebt. Noch nie so gesehen.

„Alles okay Draco?", fragte Theo, der bis gerade eben noch Daphne geholfen hatte Hermione das Listenspiel zu erklären. Doch sein Blick hatte immer wieder Draco und Tracey ins Visier genommen. Und wie vertraut sie miteinander umgingen. Es machte ihn auf eine seltsame Art und Weise rasend. Bis er sah, dass es Draco wohl nicht gut ging. Wie Granger zuvor. Ob das ansteckend war?

Hermione drehte ihr Gesicht zu Draco herum und sofort verfinsterte sich ihr Blick, als sie ihn genauer betrachtete. Er wirkte müde. Sie konnte fühlen, dass es ihm nicht gut ging, doch da es ihr selber nicht wirklich gut ging, hatte sie es beinahe vollständig ausgeblendet.

„Ja, alles okay. Kopfschmerzen. Scheinen ansteckend zu sein.", sagte er schlicht und ergreifend und hatte sich so schnell wieder gefasst, wie seine Verzweiflung gekommen war. Hermione wunderte sich jedes Mal aufs Neue über seine schnellen Wechsel – es war als wäre er der Meister der Masken. Als könnte er beliebig schnell von nett auf böse, von zärtlich und lieb zu gemein und verletzend, von lustig zu ernst schwanken. Es war als wäre nichts davon echt.

„Dann geht doch hoch, euch hinlegen. Ich bin sicher Granger wird so nett sein und dich begleiten, wenn es dir schlecht geht."

Hermione sah Draco lange und durchdringend an und irgendwann – es fühlte sich wie eine Ewigkeit an – sah auch er zu ihr. Sie nickten sich zu.

„Vielleicht kannst du Draco dann ja von der Liste erzählen.", schlug Daphne vor und Hermione nickte wiederum nur und kletterte über die Bank. Draco war schon aufgestanden und wartete auf sie.

„Schlaft gut.", sagte Daphne noch, doch da waren die Beiden schon fast verschwunden.

Tracey blickte eine ganze Weile nachdenklich auf ihren Teller, ehe sie von ihrem Sitz aufsprang. „Ich hab völlig vergessen, dass ich noch was erledigen muss. Entschuldigt mich.", sagte sie und rannte regelrecht aus der großen Halle und sorgte damit für einige verwirrte Gesichter.

„Du hast keine Kopfschmerzen oder?"

„Nicht wirklich."

„Dachte ich mir.", sagte sie nur und presste ihre Lippen fest aufeinander.

„Können wir trotzdem noch ein Bad nehmen?"

„Du brauchst Entspannung?"

„Wäre nicht verkehrt."

Hermione nickte schließlich nur und kramte ihre Sachen hervor. Es war nicht so, als könnte sie ihm seine Bitte abschlagen. Er hatte mehr als höflich gefragt und wenn sie ihn so betrachtete, dann sah er unglaublich fertig aus. Sie wusste nicht einmal genau wieso. Sie verstand nicht warum er sich schlecht fühlte.

Als auch er seine Sachen genommen hatte, gingen sie gemeinsam in Richtung Badezimmer. Sie hatten noch etwas Zeit bis die Anderen auch langsam hoch kommen würden. Sie konnten sich also durchaus Zeit nehmen.

„Tracey. Was machst du denn hier?"

„Narzissa, ich muss dich etwas dringendes fragen.", sagte die atemlose Blondine, als sie sich auf den Sessel nahe dem Kamin setzte. Sie saß Narzissa damit genau gegenüber und konnte ihre Gesichtszüge sehen und jede Veränderung in ihnen.

„Draco und Hermione waren hier oder?"

„Woher weißt du das?"

„Er hat es uns erzählt. Aber er hat nicht gesagt wieso. Narzissa, ich wäre nicht hier wenn ich mir nicht solche Sorgen machen würde. Ich kann ihn so nicht sehen. Er sieht so fertig aus. So erschöpft. Es muss doch bald ein Ende haben oder? Wann hat es ein Ende?"

Narzissa blickte das Mädchen aus ernsten Augen an, legte ihr Buch bei Seite und rutschte in ihrem Sitz nach vorne, bis sie nur noch auf der Kante des Sitzes saß.

„Er hat dir also gesagt, dass Lucius und ich unter diesem Zauber gelitten haben?"

„Was?"

Traceys Frage war Antwort genug und Narzissa bereute es jemals angesprochen zu haben.

„Hör zu Tracey. Ich weiß, dass du Draco sehr magst. Ihr seid wie Pech und Schwefel gewesen als Kinder und ich kann nur ahnen wie sehr er dir am Herzen liegt. Aber das kannst du nicht begreifen. Du kannst ihm auch nicht helfen. Es wird sich nie wirklich ändern. Die Zwei haben eine Bindung und die wird sich niemals wirklich lösen."

Traceys Augen weiteten sich bei jedem Wort immer mehr, bis sie entschieden den Kopf schüttelte.

„Es muss doch wohl einen Weg geben, diese dumme Bindung zu brechen. Er wird wahnsinnig Zissa. Er wird wahnsinnig. Du hättest ihn heute sehen sollen … er hat zu mir gesagt er wüsste nicht was real ist und was nicht. Dieser Zauber spielt mit seinem Kopf. Er weiß nicht was er fühlt. Und ich glaube sie weiß es auch nicht. Was wenn sie einen großen Fehler machen?"

Narzissa sah auf ihre Hände und zuckte mit den Schultern. Sie hatte über Draco und das Mädchen nachgedacht. Natürlich hatte sie es. Sie hatte über nichts anderes nachdenken können. Immerhin dachte sie noch immer, dass sie irgendwann einmal ihre Schwiegertochter werden könnte. Das legte der Zauber nahe, oder etwa nicht?

„Wir können sie nicht daran hindern ohne ihnen zu schaden Tracey. Wenn wir sie voneinander fern halten dann … leiden sie. Sie müssen warten bis der Gegentrank gebraut ist und dann können wir nur versuchen sie voneinander fern zu halten, um ihnen mehr Klarheit zu verschaffen. Aber wie ich sagte … die emotionale Bindung, sie geht nicht abhanden. Sie werden sich immer noch zusammengehörig fühlen. Es ist als würde ein Teil von dir fehlen, wenn der Andere nicht da ist."

„Aber was wenn sie das mit Liebe verwechseln?"

Tracey hatte sich vorher noch nie darum Gedanken gemacht. Sie hatte die Zwei sogar als angenehmes Paar wahrgenommen, sich sogar vorgestellt wie es wäre. Sie war sich so sicher gewesen, dass er sie mochte. Sie hatte seinen Blick gesehen. Sie hatte ihren Blick gesehen. Doch nun war sie sich unsicher. Sie wollte Draco nicht in etwas hineinrennen lassen, was ihn vielleicht sogar unglücklich machen würde.

„Die Frage ist doch eher, was ist Liebe überhaupt?"

Tracey starrte Narzissa an. Es war als könnte sie nicht begreifen, was die Frau ihr damit sagen wollte. Alles was sie wusste war, dass sie nicht so einfach nachgeben … aufgeben würde wie sie. Sie musste dafür sorgen, dass Beide sich nicht in etwas verrannten. Und sie brauchte Hilfe dafür.

„Ich … muss wieder los Narzissa. Ich melde mich bei dir.", sagte die Blondine und erhob sich von ihrem Platz. Sie war schneller verschwunden, als sie gekommen war und Narzissa konnte ihr lediglich nachsehen. Und hoffen, dass sie nichts dummes anstellen würde.

„Herein."

Als die Tür aufging und Seamus in das Zimmer kam, zog Hermione eine Augenbraue hoch. Sie hatte mit vielen Menschen gerechnet, aber mit ihm nun wirklich nicht.

„Was gibt es?", fragte sie und klappte ihr Buch zu. Sie saß im Schneidersitz auf dem großen Himmelbett. Sie trug ein übergroßes Sweatshirt, welches so locker fiel, dass es ihr über ihre linke Schulter rutschte. Ihre Haare waren nass und in einem Dutt hochgebunden. Draco lag neben ihr auf dem Bett, lehnte mit seinem Rücken am Kopfteil und las. Sie hingegen hatte versucht einen Aufsatz zu schreiben. Vergeblich.

„Ich wollte mich bei euch entschuldigen."

Hermione sah zu Draco herüber, der nun auch sein Buch sinken ließ und zu Seamus herüber blickte. Neugierig. Gespannt. Irgendwie aber auch unterschwellig gereizt.

„Was meinst du? Warum willst du dich entschuldigen?"

„Na ihr habt ja vorhin gesagt, dass ihr … das Gefühl hattet, dass man euch ausspioniert hat. Ich war das. Nicht absichtlich. Ich wollte nur nach draußen und da hab ich eure Stimmen gehört. Und ich weiß – ich hätte nicht neugierig sein sollen, aber ich hab gelauscht."

Hermione biss sich auf ihre Unterlippe, da sie nicht genau wusste, was sie darauf sagen sollte. Einerseits wollte sie ja wütend auf ihn sein, aber andererseits konnte sie das, wenn er versuchte ehrlich zu ihnen zu sein? Er hätte es ihnen ja nicht sagen müssen. Und er hatte sich dennoch entschieden es zu tun.

„Was genau hast du mitbekommen?"

„Draco, das ist ja wohl nicht wichtig.", sagte Hermione sofort und drehte ihren Kopf zu Draco herum und schüttelte diesen beinahe sofort um ihm zu vermitteln, dass es keine Rolle spielte. Oder das es zumindest keine Rolle spielen sollte.

„Ich finde schon, dass es wichtig ist. Du weißt genau wie sich hier alles wie ein Lauffeuer verbreitet Granger."

Ihr Blick wurde wieder finster, denn wie immer schwenkte er von Hermione zu Granger und zurück und vermittelte ihr damit immer wieder die Distanz zwischen ihnen – und das er diese kontrollierte.

„Seamus?"

„Ja?", fragte dieser sofort und machte einen Schritt auf das Himmelbett zu. Er tat es unterbewusst und als er es bemerkte, war es ihm beinahe unangenehm.

„Du behältst alles was du gehört hast für dich oder?"

„Ich … natürlich. Es hat sowieso keinen wirklichen Sinn ergeben. Also, wüsste ich auch gar nicht was ich sagen sollte Mione. Wirklich. Ich will einfach nur nicht, dass ihr denkt ich … hab es absichtlich gemacht. Ich konnte mich einfach nicht losreißen.", gab er zu und sah dann hinab zu seinen Schuhen. „Darf ich dich trotzdem etwas fragen Mione?"

Hermione nickte, doch da Seamus sie nicht ansah, machte sie einen zustimmenden Laut. „Mh."

„Wenn das alles vorbei ist. Wenn ihr von einander gelöst seid meine ich. Würdest du dann … naja Mal mit mir runter nach Hogsmeade gehen?"

Hermiones Überraschung und Dracos Empörung über diese Frage waren sowohl sichtbar, hörbar und schon beinahe greifbar. Während Hermione erstaunt zu Seamus herüber blickte und einen überraschten Laut von sich gab, knurrte Draco tief – so als wäre er ein Hund und man hätte ihm seinen Lieblingskauknochen weg genommen.

Noch ehe Draco etwas sagen konnte, war Hermione aufgesprungen und ging den einen fehlenden Schritt zu Seamus herüber. „Natürlich, aber du gehst jetzt besser … Monsieur-Vollidiot springt dir sonst noch an die Gurgel.", sagte sie zügig und schob Seamus Richtung Tür. Nicht ohne ihn dabei noch einmal anzulächeln. Sie fühlte sich geschmeichelt.

Kaum war Seamus aus der Tür, sprang Draco aber schon auf und kam auf sie zu. Er packte sie an ihren Schultern und sah sie durchdringend an.

„Was soll das?"

„Lass mich los. Du hast kein Recht eifersüchtig zu sein."

„Ach nein?"

„Nein."

„Verdammt noch mal Hermione."

„Siehst du … du machst es wieder. Wenn du Abstand haben willst bin ich Granger, wenn du was von mir willst und hoffst, dass ich dir nachgebe, dann bin ich Hermione. Wenn du an meine Wäsche willst dann sogar Mione. Ich hab es satt Draco. Ich hab es einfach satt. Und das nach nicht einmal einem Monat mit dir."

„Du gehörst nicht an die Seite von diesem Idioten."

„Aber das hast Merlin sei Dank ja nicht du zu entscheiden."

„Willst du damit etwas erreichen? Damit hier? Willst du das ich dir sage, dass ich einen Fehler mache? Willst du, dass ich auf die Knie gehe und dich anbettel mir eine Chance zu geben. Das wird nicht passieren."

„Oh das weiß ich. Draco Malfoy würde doch niemals von seinem hohen Ross herunter kommen und mit einer Gryffindor zusammen sein. Geschweige denn mit einem Schlammblut."

Hermione hatte gezischt bei diesen Worten und er war dabei einen Schritt zurück gewichen. Erst jetzt merkte er wie sehr sie dieses Wort wohl immer verletzt haben musste. Und er konnte nur ahnen, wie viel Schmerz ihr die Narbe an ihrem Handgelenk bereitete … genau dieses Wort war immerhin dort verewigt.

„Du willst mich doch gar nicht. Verdammt nochmal Granger. Du bist nicht verliebt. Du willst nichts von mir. Ich versuche uns Beide vor noch mehr dummen Entscheidungen zu retten. Das ist alles dieser verfluchte Zauber. Du … du machst einen Fehler. Wir machen diesen Fehler.", schrie er sie schon beinahe an und die Brünette drehte ihr Gesicht von ihm weg.

„Sag mir nicht was ich fühle."

„Und du sei nicht so unglaublich dumm und naiv."

Ihre Augen verengten sich zu Schlitzen, als sie ihn ansah. „Nenn mich nie wieder dumm."

Mit diesen Worten ging sie um ihn herum und kletterte wieder auf das Bett. Sie ließ mit einem Schwenk ihres Stabes ihre Sachen auf dem Schreibtisch landen, ehe sie sich unter der Bettdecke verkroch. Sie wartete nicht einmal darauf, dass er dazu kam, sie löschte das Licht ohne zu fragen und schloss ihre Augen. Für sie war dieses Gespräch beendet. Für sie war dieses Zusammenleben beendet.

„Ich bin dagegen."

„Wieso?"

„Wir können uns da nicht einmischen Trace."

„Sehe ich genauso wie Daph."

„Aber Pans."

„Nicht aber. Ich verstehe was dein Problem ist. Ich weiß, dass du ihm nur helfen willst … aber das geht zu weit Trace."

Tracey starrte ihre Freundinnen an, die Beide nicht zu begreifen schienen, worum es hier ging. Hier ging es nicht darum etwas zu sabotieren. Hier ging es darum zwei Menschen vor idiotischen Fehlern zu bewahren.

„Ihr versteht es einfach nicht."

„Nein du verstehst es nicht. Du glaubst du wirst die zwei vor etwas retten, was sie gar nicht wollen. Aber was wenn du dabei mehr kaputt machst? Wir können nicht alles und jeden vor sich selbst retten Trace. Wenn Draco es nicht will … dann muss er Merlin verdammt noch einmal stark genug sein und auch nein sagen. Und wenn sie ihn nicht will, dann muss sie das selbe tun.", fügte Daphne hinzu und sah die andere Blondine durchdringend an. Es war verständlich, was Tracey vor hatte. Sie konnte es nachvollziehen und zum Teil wollte sie ihr sogar helfen, doch sie konnte einfach nicht zulassen, dass man sich in ihr Leben einmischte. Auch wenn es gut gemeint war. Es war dennoch einfach nicht richtig.

„Also wollt ihr lieber, dass die Beiden sich am Ende vielleicht sogar wieder hassen? Ich glaube, dass die Zwei sich in einer Situation befinden, die es für sie unmöglich macht klar zu denken. Sie brauchen uns dafür. Und ihr wollt daneben stehen und einfach nur zusehen?"

„Du kannst machen was du willst, aber ich bin nicht dabei. Das gibt nur Schwierigkeiten.", sagte Pansy schließlich und lehnte sich zurück. So sehr sie solche Spielchen und Intrigen auch mochte, so wenig wollte sie Streit provozieren. Und wenn sie das machte, was Tracey von ihr verlangte war sie bald Löwenfutter.

„Fein, dann muss ich eben selber zusehen wie ich den Beiden helfe. Danke für eure nicht besonders hilfreiche Art.", murrte die Blondine und stand auf. Sie wirbelte herum und verschwand mit schnellem aber sehr lautem Gang und knallte die Tür hinter sich zu.

„Glaubst du wir sollten sie warnen?"

„Ich glaube wir sollten uns ganz raus halten. Ich habe wirklich gar keine Lust auf den Stress, der so oder so auf uns zukommt. Wenn wir ihr nicht helfen wird sie uns dafür noch bestrafen – früher oder später. Dann können wir uns ja auch eventuell was von den Beiden anhören, weil sie doch auf ihrer Seite sind. Merlin weiß warum, aber die Zwei machen nie das, was man von ihnen erwartet. Mischen wir uns doch ein, und halten sie auf … dann ist sie sauer auf uns und es kommt bestimmt zu unvorhergesehenen Komplikationen und wir sind die Doofen. Glaub mir Daph, das Beste ist wir warten ab. Es wird so oder so Stress geben, aber so wird es am Erträglichsten für uns."

„Glaubst du denn sie hat recht?"

„Ich weiß nicht. Sie macht sich eh immer viel zu viele Gedanken um Dinge, die keine Rolle spielen. Und selbst wenn die zwei jetzt glauben sie würden was füreinander fühlen, wen juckt es denn? Dann sind sie halt noch nen Monat zusammen, haben ihren Spaß und dann sehen sie eventuell ein, dass es alles nur der doofe Zauber war … und?"

Daphne schüttelte ihren Kopf nachdenklich und seufzte leise.

„Wir haben auch noch so viel darüber geredet und diese doofe Wette, die ja irgendwie immer noch läuft. Jetzt kommt es mir alles so unglaublich dumm vor."

„Du hast doch nicht einmal mitgewettet Daph."

„Ja, du aber. Das er ihr das Herz bricht."

„Wer weiß, vielleicht gewinne ich ja doch noch.", sagte Pansy und Daphne sah sie mahnend an. „Ich wünsch es mir nicht, glaub mir. Herzschmerz wegen einem Malfoy kenne ich. Ist nicht so schön. Aber ich kann mir irgendwie auch nicht vorstellen, dass sie ein … glücklich bis ans Lebensende haben, verstehst du?"

„Ja. Ja ich verstehe es. Ach verdammt … warum ist dieses verflixte Jahr nur so … daneben?"

„Karma."

„Was ist denn bitte Karma?"

„Hast du denn nie ins Muggelkundebuch geschaut? Das ist quasi … eine höhere Gewalt – Gerechtigkeit sozusagen. Du tust was böses und irgendwann kriegst du dann was du verdienst. Karma. Und wir scheinen sehr viel mieses Karma gesammelt zu haben, sonst wäre es nicht so daneben oder?"
„Seit wann schaust du denn ins Muggelkundebuch?"

„Seit dem ich darin ein Bild von diesem süßen Muggelsänger gefunden hab. … Sein Name ist nur vollkommen fürchterlich. Wie kann man Elvis heißen?"

Daphne lachte, weil Pansy ihr Gesicht so verzog und Pansy lachte, weil Daphnes Lachen ansteckend war. Doch so richtig entspannen wollte sich die Situation nicht. Beide hingen den ganzen restlichen Abend noch mit ihren Gedanken an der Sache fest … ohne Lösung. Ohne Erfolg.