Kapitel 34:
Der nächste Morgen verlief im Gegensatz zu den letzten Tagen ruhig.
Es war so, als hätte die Nacht alle Gemüter beruhigt und ihnen etwas Klarheit verschafft.
Die Schüler duschten, zogen sich an, redeten etwas auf dem Weg zum Frühstück und selbst während des Frühstücks herrschte herrlicher Frieden. Oder zumindest Stille. Die letzten Hausaufgaben wurden gemacht, Kaffee wurde getrunken und die Post geöffnet, die von den Eulen in die große Halle geflogen wurde.
Vielleicht war es auch, weil die Schulwoche sich dem Ende neigte und die Schüler sich langsam unterbewusst auf das freie Wochenende freuten. Vielleicht lag es an dem guten Wetter, welche die Stimmungslage der meisten Menschen beeinflusste. Vielleicht war es auch einfach nur ein guter Tag.
„Hermione?", fragte Daphne als sie sich bei der Brünetten unterhakte. Sie waren auf dem Weg nach draußen zu den Gewächshäusern.
Hermione drehte ihr Gesicht zu Daphne herum und lächelte sie an. Sie war in besserer Laune und sie hatte die Sache mit Ron auch schon wieder vergessen. Sie wusste, dass es für sie keinen Grund gab auf Daphne böse zu sein. Auch wenn sich etwas zwischen ihr und Ron entwickeln sollte. Auch wenn das wohl sehr sehr unwahrscheinlich war.
„Hattest du mit Draco wegen den Listen gesprochen?"
„Hab ich tatsächlich. Er hat nur gemurrt, es als eine seltsame Idee betitelt aber gesagt, dass er keine Spaßbremse sein würde, wenn es alle machen.", erklärte sie und ließ damit Daphnes Gesicht erstrahlen. Sie alle hatten etwas mehr gemeinsame Zeit nötig in ihren Augen und vielleicht würde es ja auch helfen Tracey von der Idee abzubringen das Zusammenleben von Hermione und Draco zu sabotieren. Sie mussten einfach alle nur mehr zusammen sein.
„Da das Wochenende ja quasi vor der Tür steht, hab ich gedacht wir könnten nach Hogsmeade? Vielleicht kann Draco ja Blaise mitschleppen, damit er sich nicht so verloren fühlt?"
Hermione legte ihren Kopf zur Seite und zuckte letztlich nur mit den Schultern. „Ich meine ich hätte definitiv Lust, aber ich kann nicht für Draco sprechen. Ich werde ihn aber fragen ...", sagte sie nur und Daphne gab sich damit zufrieden.
„Ich müsste sowieso noch einige Besorgungen erledigen…", stellte Hermione schließlich nach einiger Zeit fest, als sie am Gewächshaus angekommen waren und drehte ihren Kopf zu Draco herum, der hinter den Mädchen her gegangen war. Nott und Zabini im Schlepptau. „Wir müssen nach Hogsmeade.", sagte sie schlicht. Es klang mehr nach einer Information, die sie mit ihm teilte, als nach einer Frage oder gar Bitte. Es wirkte so, als hätte er nicht viel Mitspracherecht bei dieser Entscheidung.
„Müssen wir das?"
„Ja müssen wir. Ich habe einige Erledigungen zu machen und es würde uns ganz gut bekommen, raus zu kommen. Zeit unter Menschen zu verbringen.", Hermione schluckte die Worte, die sie sonst noch hatte sagen wollen. Es war Zeit mit anderen Menschen Zeit zu verbringen, denn sonst würden sie sich irgendwann noch umbringen. Oder einander hassen – so wie früher schon einmal.
Zabini gluckste wieder einmal und demonstrierte allen wie talentiert er darin war ernst zu bleiben. Hermione sah nur kurz zu ihm herüber und rollte mit ihren Augen. Sie war es langsam Leid. Es war nicht so, dass sie ihn per se nicht mochte, es war eher die Tatsache, dass für ihn alles ein Spiel und ein riesiger Spaß zu sein schien. Manche Dinge waren aber keineswegs spaßig.
„Ich nehme an Daphne begleitet uns?"
„Du nimmst richtig an – ich würde ja sagen du kannst Zabini mitbringen, aber die Frage ist, ob du das überhaupt willst."
Hermione konnte sich die kleine Stichelei nicht verkneifen. Zabini verzog natürlich sofort sein Gesicht und wollte schon zu einem Kommentar ansetzen, doch Draco schnalzte mit seiner Zunge. So als wolle er ihr einerseits zustimmen, aber es andererseits nicht öffentlich zugeben. Zumindest wirkte es auf Zabini so.
„Wir werden sehen, ich nehme an Morgen früh?"
„Würde am meisten Sinn ergeben.", gab sie zu und drehte sich dann wieder von ihrem Zimmernachbarn weg und betrat das Gewächshaus. Für sie war das Gespräch beendet.
Zabini gluckste wiederum, er konnte es einfach nicht lassen. Er fand es zu komisch wie die Beiden sich verhielten und was für ein Tänzchen sie immer wieder in der Öffentlichkeit aufführten.
„Was ist daran wieder so komisch?", fragte Draco an ihn gerichtet.
„Sie lässt dich einfach stehen, du musst ihr folgen. Langsam glaube ich sie hat die Hosen an. Und du wirst immer mehr zum kleinen Schoßhund."
„Wie gut das glauben nicht wissen ist."
„Wie gut, dass alle Anderen es wohl auch glauben würden und auch werden. Seien wir ehrlich Draco – sie hat deine Eier ganz schön fest in ihrem Griff."
Nott gluckste nun ebenfalls, was Draco natürlich nicht behagte. Er hasste es, wenn seine männlichen Freunde sich über ihn lustig machten und seine Männlichkeit in Frage stellten. Dabei waren die Beiden selbst nicht besser. Nott rannte irgendeinem Mädchen nach und seine Laune war dementsprechend auf dem Gefrierpunkt und Zabini … er benahm sich wie ein kleines Mädchen mit dem Gekicher, Rumgealbere und dem ganzen Klatsch und Tratsch den er verbreitete. Wirklich sehr männlich.
„Hat dir deine Mutter nicht beigebracht, dass man nur über Dinge sprechen sollte, von denen man auch etwas versteht Blaise?"
„Stimmt ich hab keine Erfahrung damit, dass Frauen mich an den Eiern packen und mir sagen wo es lang geht."
„Das liegt daran, dass du deine Eier nicht einmal zeigst."
„Was soll das schon wieder bedeuten?"
„Das du mindestens genau so ein großes Mädchen bist wie Pansy. Obwohl, selbst die hat mehr Eier in der Hose als du."
„Jungs ...", ermahnte Nott die Beiden, denn Blaise hatte seine Schultern schon angriffslustig hochgezogen, seine Brust durchgedrückt und leise geknurrt – so dass sie von allen im Gewächshaus angestarrt wurden.
Die Zwei sahen sich nur noch einmal kurz an, wendeten sich dann voneinander ab. Draco ging zu Hermione herüber, die nur vier Schritte von ihm entfernt Platz genommen hatte, während Blaise neben Nott Platz nahm. Es wurde eine leise, konzentrierte aber auch unterschwellig gereizte Stunde.
„Willst du nicht doch mitkommen?"
„Ich halte das für zu früh, wirklich. Theo und ich haben den Waffenstillstand noch nicht einmal offiziell gemacht. Außerdem … ich muss doch auf Blaise aufpassen. Der baut sonst nur Unsinn.", sagte Tracey zu Daphne, die sich gerade eine riesige Portion Kartoffelgratin auf ihren Teller häufte. Das einzig wichtige Indiz dafür, dass es Daphnes Zeit des Monats war. Tracey kannte ihre Angewohnheiten und wusste, dass sie ein regelrechtes Schwarzes Loch wurde und alles in sich hineinstopfen konnte, ohne das ihr auch nur im entferntesten übel wurde.
„Hey – wo sind die Anderen?", fragte Neville, der sich nur wenige Sekunden später zu den beiden Mädchen setzte.
„Gute Frage. Ich weiß es nicht. Die werden aber noch auftauchen, der Hunger treibt sie irgendwann alle hierher.", flötete Tracey fröhlich. Sie war immer freundlicher, ausgelassener, heiterer wenn Neville in ihrer Nähe war.
„Schade – ich dachte wir könnten über Sonntag sprechen."
„Moment – was ist denn Sonntag?"
„Ach ja, ihr könnt es ja gar nicht wissen. Naja, da ist Hermiones Geburtstag."
Tracey und Daphne sahen sich lange an, ehe Daphne einen wissenden Laut von sich gab.
„Vielleicht ist das auch der Grund für die Erledigungen, die sie machen muss.", spekulierte sie und biss sich auf ihre Unterlippe.
„Warum hat sie es nicht erwähnt?"
„Ich glaube sie will nicht einmal wirklich feiern. Ich meine …", Neville stoppte, denn er wusste nicht wie viel die Beiden von Hermiones Familiengeschichte wussten. Und er wollte ja auch keinen Klatsch und Tratsch verbreiten. Es wäre nicht richtig über Hermione zu sprechen, während sie nicht dabei war.
„Neville, glaubst du sie wäre uns denn böse, wenn wir etwas für sie planen würden?"
Neville zuckte mit den Schultern. Er wusste es nicht. Er war sich bei so vielem nicht mehr sicher. Schon gar nicht was seine Mitschülerin anging. Sie hatte sich seit Beginn des Schuljahres sehr verändert und er gab dem Trank die Schuld.
„Wir können uns ja zumindest etwas kleines überlegen. Und wir müssen es Draco irgendwie wissen lassen – damit er nicht ganz so überrascht ist. Oder sich überrumpelt vorkommt.", schlug Daphne vor und Tracey legte ihren Kopf schief.
„Neville – lass uns doch nach Hogsmeade gehen und uns etwas für sie überlegen ja?"
Daphne blickte zu Tracey. Sie war misstrauisch. Gerade eben hatte sie noch hier bleiben wollen und nun wollte sie mit Neville nach Hogsmeade? Was plante das Mädchen da bloß? Andererseits konnte Daphne sich kaum vorstellen, dass sie Neville in ihren Plan involvieren wollte. Sie konnte sich auch nicht vorstellen, dass dieser so etwas mitmachen würde. Es beruhigte sie nicht vollständig, aber es ließ sie zumindest etwas ruhiger durchatmen. Sie konnte Tracey nicht auf Schritt und Tritt beschatten – sie konnte nicht alles verhindern, was sie eventuell planen könnte. Sie durfte auch nicht paranoid werden. Irgendeiner musste bei Sinnen bleiben in diesem Jahrgang. Zumindest dachte sie das.
„Wenn … du möchtest.-" sagte Neville nur und wurde rot um die Nase. Daphne hätte es beinahe nicht bemerkt, hätte er nicht so geflüstert und gestottert beim Sprechen. Es fiel ihr erst jetzt auf, dass Tracey so ganz anders in seiner Gegenwart war.
„Ist das dann euer erstes Date?", fragte die Blondine grinsend und zog ihre Freundin damit liebevoll auf. Diese seufzte lediglich leise.
„Irgendwie schon.", sagte Neville dann an ihrer Stelle und überraschte Tracey damit. Das Mädchen sah zu ihm herüber und selbst Daphne konnte ihre Aufregung sehen – ja schon beinahe spüren. Es war schon beinahe süß.
„Na dann denkt nicht nur an Hermione und ihren Geburtstag, sondern macht auch was schönes. Ein erstes Date sollte sich nicht um eine andere Person drehen.", grinste Daphne schließlich und und griff über den Tisch nach ein paar Weintrauben, die sie in ihren Mund schob.
„Danke für den Tipp Daph, wäre ich ohne dich niemals drauf gekommen.", witzelte Tracey und presste ihre Lippen zusammen. Sie wollte einfach nicht zu breit grinsen. Sie war noch immer vollkommen überrascht weil Neville es tatsächlich als Date bezeichnet hatte. Und das vor Daphne.
„Gern geschehen."
„Willst du drüber reden?"
„Worüber?"
„Na der Streit mit Zabini. Ihr Zwei ignoriert euch seit Kräuterkunde.", stellte Hermione fest.
Der Schultag war vorbei und sowohl Hermione als auch Draco hatten ihre Mitschüler gemieden. Sie hatten selbst das Mittagessen bei den Hauselfen in der Küche abgeholt und es alleine zu sich genommen. Hermione hatte Streit vermeiden wollen, den Draco noch provozieren könnte und Draco … er wollte Zabini einfach nicht den Kopf abreißen.
„Glaub mir, wenn ich dir davon erzähle, dann gibt es nur noch mehr Streit. Dann willst du ihm genauso den Kopf abreißen wie ich auch."
„Verstehe.", gab sie lediglich von sich und griff nach einem Buch, welches sie für ihren Zaubertränke Aufsatz brauchte. Sie waren zum ersten Mal gemeinsam in der Bibliothek und irgendwie änderte es die Stimmung zwischen ihnen. Sie waren ruhiger, weniger gereizt und das empfand Hermione als angenehm. Vielleicht lag es daran, dass sie sich an diesem Ort so unsäglich sicher fühlte.
„Du weißt schon wie du aussiehst, wenn du ein Buch öffnest oder?"
„Wie denn?" Hermione zog eine Augenbraue hoch.
„Wie ein kleines Kind, welches seine Weihnachtsgeschenke öffnet."
„Falls du mich damit kränken wolltest, ist es dir misslungen mein Lieber.", die letzten beiden Worte betonte sie schon beinahe wie Professor McGonagall. So als würde sie ihn belehren wollen.
„Wollte ich nicht. Ist nur eine Feststellung. Ich kann ab und an auch weniger feindselig sein Granger."
Hermione seufzte. Sie hasste dieses Hin und Her. Sie konnte sich davon jedoch nicht freisprechen, denn sie war mindestens genauso schlimm wie Draco selbst. Auch sie hatte Stimmungsschwankungen und behandelte Draco mal mit unendlicher Freundlichkeit und manchmal spielten ihre Hormone verrückt und sie behandelte ihn wie ihren Todfeind. Sie war sich nicht einmal sicher was davon sie selbst war, was ihre Hormone waren und was der Trank wirklich hervorrief.
„Verstehe.", sagte sie nur und ließ sich auf eine der Bänke gleiten. Draco setzte sich neben sie.
Sie hatten beschlossen, dass sie Beide an dem Aufsatz arbeiten würden, denn alles Andere würde nur wenig Sinn ergeben. So könnten sie zumindest gleichzeitig mit der Aufgabe fertig werden und sich Anderen widmen.
„Deine Freunde ziehen dieses Wochenende wieder ein."
„Du sagst es so, als wüsste ich es nicht."
„Und du tust so als wüsstest du es nicht. Macht es dir nichts aus?"
„Was soll es mir schon ausmachen?"
„Verflixt noch einmal Granger – spiel nicht die Scheinheilige. Dein Ex kommt zurück. Ich erinnere mich noch genau was du über ihn gesagt hast. Dazu kommt die Sache mit mir und … dass du Finnigan ein Date versprochen hast. Ich glaube du hast dich selbst in ziemlich viele Komplikationen gebracht. Nun ist die Frage wie Mademoiselle Parfait das nun wieder zurecht biegt."
„Du erfreust dich an meinen Problemen oder?", fragte Hermione gereizt und drehte ihr Gesicht zu ihm herum.
„Nein. Ich erfreue mich eher an deinem Einfallsreichtum."
„Wer es glaubt ...", sagte sie lediglich und wendete sich wieder dem Buch zu. Das Gespräch hatte für sie sowieso keinerlei Sinn.
„Was für Erledigungen übrigens?"
Hermione seufzte genervt.
„Ich will arbeiten."
„Und du zwingst mich nach Hogsmeade zu gehen. Ich finde ich verdiene eine Antwort.", argumentierte er mehr als schlüssig, weswegen Hermione ihre pochende Stirn massierte. Sie wusste, sie musste ihm zumindest irgendetwas sagen. Er hatte Recht, er verdiente eine Antwort.
„Nichts großes. Nur einige Dinge, die … einfach zu dieser Zeit im Jahr gehören und die ich wieder benötige. Nichts weltbewegendes. Und wenn du mich jetzt weiter arbeiten lassen würdest, dann wäre ich dir sehr verbunden."
„Wir sind schon verbunden ...", sagte er leise und sein Ton wurde wieder so dunkel und rauchig und ließ Hermione frösteln. Es war unfair wie einfach er sie aus dem Konzept bringen konnte. Wie einfach ein einzelner Ton, ein Blick oder eine Berührung sie aus dem Gleichgewicht bringen konnte.
Es musste wirklich eine Art Liebeszauber sein … alles andere ergab einfach keinen Sinn für sie.
„Wach auf Draco ..."
„Mh?"
„Wach schon auf."
„Trace … was soll das?", murrte der Platinblonde und rieb sich seine Augen. „Hatten wir nicht geklärt, dass das aufhören muss. Granger dreht noch durch, wenn sie dich noch einmal hier sieht."
„Sei doch mal ruhig und hör mir zu.", murrte die Blondine sofort und setzte sich neben Draco auf die Bettkante.
Draco rieb sich seine Augen immer noch, als er sich langsam aufsetzte. So richtig gutheißen konnte er Traceys Verhalten nicht, aber er war dennoch neugierig wieso seine Freundin ihn um diese Uhrzeit geweckt hatte. Ohne Vorwarnung auch noch. Es musste also wichtig sein.
„Daphne und du ihr müsste Hermione in Hogsmeade ablenken. Theo ist zwar auch dabei, aber ich glaube wohl kaum, dass er sie ablenken will."
„Was … zum Henker … was ist hier los Trace?"
Für Draco machte es alles absolut keinen Sinn. Er war noch absolut verschlafen. Sien Schädel pochte. Er verstand nichts und es machte auch wenn er darüber nachdachte keinerlei Sinn – nicht wirklich.
„Sie hat am Sonntag Geburtstag Draco. Wir wollen zumindest etwas kleines organisieren. Neville macht mit mir einige Besorgungen – wir wollen die Anderen auch irgendwie involvieren, deswegen solltet ihr Drei dafür sorgen, dass sie nichts merkt."
Das machte schon mehr Sinn. Dracos Gehirn begann langsam zu arbeiten.
Wollte sie deswegen nach Hogsmeade und Erledigungen machen? War sie deswegen so still über das Wiederauftauchen ihrer Freunde in Hogwarts – hatte sie sowieso damit gerechnet, dass sie dieses Wochenende kommen würden? Und dann traf ihn eine Erinnerung wie ein Blitz – ihre Eltern. Er erinnerte sich an das Tattoo und was sie ihm darüber gesagt hatte. Vielleicht wollte sie auch einfach nur ihre Ruhe.
„Seid ihr euch sicher?", fragte er deswegen nur. Er sah wie Traceys Blick sich veränderte – fragend wurde.
„Was meinst du?"
„Seid ihr sicher, dass die das überhaupt will? Vielleicht hat sie deswegen nichts gesagt, weil sie gar nicht feiern will."
„Du weißt mehr oder? Neville hat auch so rumgedruckst."
„Trace – ich find es schön, dass ihr euch Mühe geben wollt, aber übertreibt es nicht. Kauft ihr etwas – von mir aus, aber macht daraus keine Party. Ich glaube nicht, dass sie es gut finden würde."
„Draco ..."
„Nein, mehr sage ich dazu nicht. Sie würde es mir nicht verzeihen."
„Draco ...", Tracey wurde leiser, ihr Blick sanfter. „Du ergibst in letzter Zeit wirklich keinerlei Sinn. Du wirkst als würdest du etwas für sie fühlen und dann sagst du mir … dass du nicht weißt was real ist und was nicht und dann das hier."
Tracey sprach mit ihm wie mit einem kleinen Kind. Sie wusste nicht wie sie sonst sprechen sollte. Was sie sagen sollte. Wie sie etwas mehr Licht ins Dunkel bringen konnte.
„Ich weiß es auch nicht Trace. Alles was ich weiß ist, dass … wenn der Zauber nicht wäre wir uns trotzdem verstehen könnten."
Tracey zog eine Augenbraue hoch.
„Ich meine es genau so … ich meine nicht, dass wir uns im Bett verstehen könnten. Auch wenn ich da nichts gegen hab. Kein bisschen. Aber verdammt, sie ist clever Trace, sie kann witzig sein und sie treibt mich in den Wahnsinn, was ich tatsächlich irgendwie mag. Ich mag die Streitereien … das ist doch verrückt."
„Es macht dich an. Und ich glaube ja schon beinahe, dass das normal ist. Du warst schon immer sehr hitzig. Deswegen hast du es mit Pansy auch niemals versucht, sie hat dir nie die Stirn geboten. Du brauchtest schon immer jemanden auf deiner Höhe, jemand der dir Widerworte gibt und dich herausfordert. Der deine Dominanz in Frage stellt. Du bist deinem Vater nicht unähnlich.", grinste Tracey.
„Und das bringt mich nicht weiter. Ich … sie ist … und ich bin ...", er murrte leise vor sich hin und vergrub seine Finger in seinen Haaren. Es war zum verrückt werden.
„Du könntest ja mal etwas ganz verrücktes tun – mit ihr drüber reden. Reiß dich zusammen und sag ihr wie verwirrt du bist. Das es dich wahnsinnig macht, dass du sie einerseits gut leiden magst – auch wenn du es nie für möglich gehalten hättest – du sie aber andererseits unheimlich attraktiv findest. Das etwas in ihr – schmück es ruhig aus und erzähl ihr was es genau ist – dich anzieht und du deswegen so ein hormoneller Vollidiot bist."
„Hey."
Tracey grinste breit. „Ihr zwei macht euch das Leben schwer weil ihr auf engstem Raum zusammen lebt. Ihr wisst nicht was echt ist und was nicht, aber ich glaube … dass ihr tief in euch drin wisst was wahr ist und was nicht. Das ihr wisst, dass das nicht alles nur ein dummer Zauber sein kann."
Tracey hatte zwar immer noch die Befürchtung, dass die Beiden einen fürchterlichen Fehler machen könnten und sie sorgte sich um Draco, aber vielleicht konnte sie es ja auch so verhindern. Beide zum Denken motivieren. Beide dazu bringen sich erst einmal mit den Dingen auseinander zu setzen, die sie wirklich dachten und fühlten. Und es schien vor allem körperlicher Natur zu sein.
„Was glaubst du denn?"
„Was es ist?"
„Mh."
„Ich glaube, dass ihr Beide vor allem durch eure Hormone angetrieben werdet. Du scheinst der erste Junge in ihrem Leben zu sein, der sie mehr wollen lässt. Und du scheinst das erste Mal in deinem Leben ein Mädchen zu finden, welches du jagen musst. Klar ist das anziehend."
Draco grinste leicht, weswegen Tracey ihre Augenbraue hob. „Was denn?"
„Sagen wir so … ich hab sehr erfolgreich gejagt."
„Oh Merlin … ihr zwei … ?", fragte sie nach und Draco nickte, damit erlosch das Grinsen aber.
„ Und du willst es immer noch?"
„Verdammt Trace … du hast keine Ahnung. Sie macht alles mit so viel Feuer und Leidenschaft. Wenn sie spricht, wenn sie argumentiert … im Unterricht, mit Freunden. Alles ist bei ihr durch Leidenschaft und Passion angetrieben. Ich hab geahnt, dass es sich nicht nur auf solche Dinge beschränkt. Ich wusste es als sie mich das erste Mal zurück geküsst hatte."
„Du klingst wie ein verliebtes Schulmädchen.", kommentierte Tracey.
„Nein. Verliebt bin ich nicht. Ich weiß, dass ich es nicht bin. Sie denkt sie wäre es. Sie hatte es mir gesagt. Und ich hab … wie ein Idiot reagiert. Ich will sie aber nicht verletzen. Und ich glaube außerdem, dass sie Verliebtsein mit Anziehung verwechselt. Das der Zauber sie wirr werden lässt."
„Und was wenn sie es wirklich ist?"
„Dann muss ich mich einmal in meinem Leben anständig verhalten und sie von mir schieben. Auch wenn ich es vermissen würde. Du weißt gar nicht wie unglaublich es ist wenn sie ..."
Tracey hüstelte um Draco zu unterbrechen. Sie brauchte keinerlei Details seines Liebeslebens. Sexlebens.
„Stell klare Grenzen auf Draco. Sag ihr was du mir gesagt hast. Sag ihr was du willst und was die Regeln sind. Vielleicht kommt sie damit ja sogar zurecht. Das kannst du nicht wissen."
„Wer kann schon wirklich damit umgehen?"
„Verdammt Draco – selbst wenn nicht, wenn sie sich falsch einschätzt … du kannst sie nicht vor allem beschützen."
Dracos Blick wurde kühl. Er drehte sein Gesicht von Tracey weg.
„Du solltest gehen."
„Draco..."
„Nein … geh einfach. Und … ich lenke sie ab. Das war doch alles was du wolltest oder?"
Tracey wusste, dass sie etwas gesagt haben musste, was ihn verletzte. Oder zumindest beschäftigte. Sie wusste nur nicht wieso … und was.
„Und … viel Spaß mit Longbottom."
Tracey hatte darauf noch etwas sagen wollen, ließ es jedoch. Sie ließ die Tür leise wieder ins Schloss fallen und hoffte, dass sie noch einmal würde mit Draco drüber reden können. Sie hasste Streit. Vor allem mit ihm.
