Kapitel 35:
„Einen wunderschönen guten Morgen euch allen.", flötete eine sehr gut gelaunte Daphne, als sie sich zu ihren Mitschülern in den Gemeinschaftsraum begab. Nicht das viele von ihnen anwesend gewesen wären.
Die Meisten hatten Pläne für den Tag, somit hatten manche das Frühstück schon hinter sich gebracht, während Andere es noch vor sich hatten. Das war typisch für Wochenenden – erst zum Abendessen fanden sich die meisten Gruppen wieder zusammen und die Haustische waren wieder mit Leben gefüllt.
„Du hast aber lange geschlafen Daph.", kommentierte Pansy, die zwischen Megan und Goyle auf einem der Sofas saß. Sie hatte wohl nichts eiliges vor, denn sie wirkte nicht so, als wolle sie jeden Moment irgendwo hin gehen. Zumindest nicht auf Daphne.
„Irrtum liebste Pansy – ich habe nicht lange geschlafen. Ich hatte nur einiges zu erledigen bevor ich euch mit meiner Anwesenheit beehren konnte. Aber da ich ja jetzt alles erledigt habe, kann ich ja in Ruhe einen Kaffee trinken gehen."
Ihr Ton amüsierte Pansy offenbar, denn das Mädchen grinste leicht.
„Ich komme mit, wenn es dir nichts ausmacht. Ich hab noch nichts gegessen. Ich dachte ja das Susan und Hannah auf mich warten würden – aber die Beiden sind nicht aufzufinden."
Megan erhob sich von ihrem Platz und Daphne strahlte sie regelrecht an, als sie zu ihr herüber ging und sich bei ihr unterhakte. Die Zwei waren auf lustige Weise verschieden aber auch irgendwie vom selben Schlag. Daphne mit ihrem blonden Haar und den hellblauen Augen, und Megan mit ihren langen mahagonifarbenen Haaren und den undefinierbaren Augen – die mal grüner, mal brauner aussahen. Sie Beide hatten die selbe vornehme Blässe, während Daphne jedoch sehr weibliche Züge hatte – sowohl in ihrem Gesicht als auch körperlich – hatte Megan ein eher mädchenhaftes, jugendliches Äußeres. Sie war klein und zierlich und auch ihr Gesicht wirkte sehr jung und unschuldig. Die freundliche Art, die sie ausstrahlten hatten sie jedoch gemein. Und das machte sie wohl auch zu einem so ungewöhnlichen, aber Sinn machendem Gespann.
„Großartig. Theo – wir treffen uns dann um halb elf am Eingang, ja? Sagst du Draco und Hermione Bescheid, wärst du so gut?", fragte die Blondine noch schnell, ehe Megan sie Richtung Ausgang ziehen konnte.
„Aber sicher. Genieß du erst einmal nen Muntermacher. Ich kümmer mich darum, dass die Zwei auftauchen.", gab er als Antwort von sich und schüttelte nur den Kopf, als er die Mädchen daraufhin den Gemeinschaftsraum verlassen sah.
„Sie könnte wirklich eine geborene Hufflepuff sein."
„Ich glaube der Hut war zu beeindruckt von ihrem Namen.", grinste Theo als Antwort. Pansy hatte wirklich nicht unrecht mit ihrer Aussage, aber sie wussten alle, dass Daphne auch durchaus Slytherin typische Züge haben konnte.
„Also du gehst mit den Dreien nach Hogsmeade?"
„Sieht so aus."
„Und ich spiele Babysitter für Zabini – zumindest hat Trace mir das aufgetragen."
„Und seit wann tust du, was Tracey sagt?"
„Seitdem sie mir gesagt hat, dass ich dann einen gut bei ihr hätte. Trace hält ihre Versprechen immer und wer weiß, wann ich mal ihre Hilfe benötige ...", grinste die dunkelhaarige Slytherin nur und streckte sich etwas.
„Wo ist er eigentlich? Du bist eine schlechte Aufpasserin Pans."
„Sagen wir es so – er hatte heute Nacht Damenbesuch. Er schläft sich aus. Ich war vorhin in seinem Zimmer und wollte ihn wecken, dabei kam mir aber eine nur halb bekleidete Ravenclaw entgegen. Ich glaube der Streit mit Draco hat ihn frustriert, da musste er beweisen was für ein Kerl er ist."
„In dem er eine Ravenclaw flach legt? Der Junge sollte wirklich mal seine Ansichten überdenken."
„Ach ist es etwa kein Beweis für seine Männlichkeit?"
„Schon gar nicht, wenn er danach für 24 Stunde ins Koma fällt – nein."
Pansy musste lachen.
„Unrecht hat er dennoch nicht. Hermione hat Draco wirklich ziemlich fest im Griff, aber man muss dazu sagen – er hat sie auch nicht schlecht im Griff. Sie stehen sich in nicht viel nach."
Pansy legte ihren Kopf schief, so als wollte sie über seine Worte nachdenken – da meldete sich Goyle unvorhergesehner Weise zu Wort.
„Die Beiden sind sich eben … ähnlich. Sie sind ähnlich stur. Was erwartet ihr dann?", fragte er schon beinahe erstaunt und Pansy zog eine Augenbraue hoch, denn so wirklich beteiligt hatte Goyle sich an keinem Gespräch – seit langem schon nicht mehr.
„Und was glaubst du – macht es ihn weniger männlich?", fragte sie also neugierig.
„Ich glaube über ihn sagt es nichts aus. Es sagt eher … das sie einfach sehr stark ist. Aber das ist auch nichts neues."
Pansy sah überrascht zu Theo herüber, der genauso erstaunt zu sein schien. Sie kannten Goyle seit langem und eigentlich hatten sie nie das Gefühl gehabt, dass er viel nachdachte. Vielleicht hatte er aber auch einfach immer seine Meinung für sich behalten – wenn man ihre Vergangenheit betrachtete, dann war es vielleicht gar nicht so dumm das zu tun. Vielleicht hatte er einfach nur nie seine eigenen Ansichten nach außen getragen so wie manch Anderer von ihnen.
„Stimmt – sie hat schon immer die Gruppe der Gryffindors sehr dominiert.", gab Theo zu und Pansy grinste schief.
„Und was sagst du zu Blaise?"
„Der versteckt alles was ihn wirklich ausmacht unter … seinem nervigen Getue. Ich glaube er spielt uns allen was vor."
Goyles Ansichten waren interessant und für Beide überraschend aber durchaus nachvollziehbar und sinnig. Vor allem was Blaise anging.
„Möglich. Er war noch nie so … extrem. Es hat erst dieses Jahr begonnen – klar er hat schon immer alle Anderen aufgezogen, aber dieses Jahr nimmt es Überhand an.", führte Pansy den Gedankengang weiter und zuckte letztlich mit den Schultern. „Aber wenn er nicht darüber reden will, dann können wir ihm auch nicht helfen."
„Vielleicht wollen wir aber auch nur nicht sehen, dass er ja schon nach Hilfe ruft.", sagte Goyle noch ehe er von seinem Platz aufstand. „ich geh aufs Quidditch Feld."
Und damit war er verschwunden und ließ zwei völlig erstaunte Slytherins zurück.
„Könntest du mir eben helfen?"
„Wobei?", fragte er, doch als er hoch sah, konnte er schon sehen wobei er helfen sollte. Hermione stand mit ihrem Rücken zu ihm und brauchte Hilfe beim Schließen ihres Oberteiles. Sie hatte sich hübsch gemacht, dass konnte er sehen. Er wusste jedoch nicht genau wieso.
Die Brünette hatte ihre Haare über ihre Schulter geworfen und hielt mit einer Hand einige widerspenstige Strähnen in ihrem Nacken zusammen. Draco machte einen Schritt auf sie zu und als sie seine Finger an ihrem Rücken spürte und wie er langsam den Reißverschluss hochzog, spürte sie wie sich eine angenehme Wärme in ihrem Körper ausbreitete.
Es war nicht so, als hätte sie es nicht alleine gekonnt, denn sie hatte einen Zauberstab für solche Fälle. Sie wusste es. Er wusste es. Und sie wusste auch, dass er ihr hätte sagen können – dass sie es doch alleine machen solle. Das hatte er aber nicht. Im Gegenteil, er hatte sie hauchzart am Rücken berührt. Seine Finger hatten ganz sanft über ihre Haut gestreichelt und das obwohl er den Reißverschluss schon komplett geschlossen hatte.
„Ungewöhnliche Taktik. Normalerweise versucht man doch jemanden zu verführen indem man sich beim ausziehen helfen lässt.", hauchte er dunkel in ihr Ohr und die Brünette zitterte sowohl bei den Worten, als auch bei der Art und Weise wie er mit ihr gesprochen hatte.
„Wer sagt, dass ich dich verführen will?", fragte sie stockend, denn seine Finger glitten über ihre Seiten, bis er seine Arme um ihre Mitte schlang und sie an ihn sich presste. Als ihr Rücken gegen seinen Oberkörper gepresst wurde, konnte sie nicht anders als zufrieden aufzuseufzen … und zu ihrem Erstaunen machte es ihr nichts aus.
„Was willst du denn dann? Ist das deine Art dich mit mir auszusöhnen. Weil wir streiten und uns immer wieder gegenseitig unschöne Dinge an den Kopf werfen?"
Hermione würde ihm am liebsten sagen, dass er ja wohl an ihrem letzten Streit Schuld war, doch sie konnte seine Lippen an ihrem Hals fühlen und das vernebelte ihren Verstand vollkommen.
„Oder willst du mich ärgern … und mich auf diese Ideen bringen, ehe du dich zurückziehst und mich frustriert hängen lässt, huh?"
Hermione biss sich auf ihre Unterlippe, denn Draco hatte begonnen an ihrem Ohrläppchen zu knabbern und sie wollte nicht aufstöhnen. Sie liebte dieses Gefühl … es ging durch ihren ganzen Körper und ließ sie ganz ungeduldig werden, aber sie wollte es nicht offen zeigen. Er sollte nicht wissen, dass es eine ihrer empfindlichsten Körperregionen war. Er würde es nur gegen sie verwenden.
„Wir haben leider keine Zeit um das fortzuführen, denn du hast uns ja diese Verabredung eingehandelt.", grinste er schließlich, als er sich zurückzog und eine vollkommen erhitzte Hermione betrachten konnte. Sie hatte sich sofort zu ihm herumgedreht – ihre Wangen waren gerötet, ihre Lippen geschwollen, weil sie auf diese gebissen hatte und ihre Augen waren ganz dunkel vor Erregung geworden. Sie wollte ihn am liebsten an sich ziehen und das fortführen, was er begonnen hatte, doch sie wusste auch, dass er Recht hatte. Sie waren verabredet.
„Aber wenn du heute Abend noch immer in dieser verführerischen Stimmung bist … lass es mich wissen.", grinste er ihr zu, was die Gryffindor jedoch nur mit einem Kopfschütteln beantwortete. Sie musste sich zusammenreißen.
„Hier, ich habe eine Liste gemacht. Die Meisten wollen sich beteiligen, so dass wir doch einige Besorgungen mehr zu machen haben."
Neville sah nur kurz auf die lange Liste herüber und stellte fest, dass es wohl wirklich ein langer Tag werden würde. Er hatte nicht damit gerechnet, dass Tracey sich solch eine Mühe mit Hermiones Geburtstag machen würde. Die Blondine war scheinbar immer für eine Überraschung gut.
„Und was ist mit denen, die sich nicht beteiligen wie du sagst?"
„Die wollen selbst etwas kleines besorgen oder machen – je nachdem. Weißt du ob Potter und so … etwas planen?"
„Nicht das ich wüsste. Sie ziehen morgen wieder ein – ich denke, dass sie ihr einfach nur gratulieren werden und mit ihr den Abend verbringen wollen. Es ist nicht so, als hätten wir jemals einen Geburtstag groß gefeiert."
Tracey zog ihre Augenbraue hoch. Sie hatte angenommen, dass die Gryffindors mindestens genauso gerne feierten wie die Slytherins auch. Die meisten Geburtstage wurden bei den Slytherins groß gefeiert, was letztlich bedeutete, dass viel Alkohol floss. Natürlich heimlich. Sie hatte angenommen es wäre bei allen anderen Schülern ebenso. Es überraschte sie, dass die Unterschiede zwischen den Häusern doch so beträchtlich waren.
„Nun gut, wie dem auch sei … nicht beteiligen wollen sich sowieso nur Pansy, Draco und Finnigan. Der Rest hat uns alles weitere überlassen, was bedeutet, dass sehr viel Verantwortung auf unseren Schultern lastet."
„Übertreibst du nicht etwas?"
„Vielleicht – vielleicht aber auch nicht. Das ist ihr erster Geburtstag, den wir so zusammen feiern. Der Letzte, den sie in Hogwarts feiern wird. Ich finde, da können wir es doch besonders machen oder? Du hast gesagt nichts großes – ja – aber etwas besonderes schließt es ja dann nicht aus."
„Ich hoffe du hast einen genauen Plan?"
„Aber sicher doch – du wirst sehen wir sind in Windeseile fertig und können noch etwas zusammen trinken.", grinste Tracey ihn über den Tisch hinweg an und Neville konnte nicht anders als zurück zu lächeln. Das Mädchen hatte etwas an sich, was ihn einerseits nervös machte, aber auch absolut entspannte.
„Was wollen wir hier?", fragte Hermione mit hochgezogener Augenbraue, als sie ein kleines Geschäft etwas abseits der üblichen Wege in Hogsmeade betraten.
„Meine Schwester hat doch bald Geburtstag – ich wollte mich etwas umsehen.", lächelte Daphne und nahm Hermiones Hand und zog sie zu einer der vielen Vitrinen. Das Geschäft hatte viel zu bieten – es gab einige Vitrinen und Schaukästen mit Schmuck, kostbaren Füllfederhaltern und sonstigen kleinen Besonderheiten, ebenso wie Kleiderstangen mit einzigartig aussehenden Kleidungsstücken, außergewöhnlichen Dekorationen und vereinzelten Möbelstücken.
Theo und Draco waren ihnen natürlich hinterher gegangen und standen nun einige Schritte von ihnen entfernt – beide hatten ihre Hände in ihren Hosentaschen vergraben und wirkten beinahe gelangweilt.
„Was hältst du denn davon?", fragte Daphne und deutet auf ein Paar Ohrstecker. Sie waren schlicht und elegant und würden wohl kaum auffallen.
„Ich kenne den Geschmack deiner Schwester wohl nicht so gut wie du ...", meinte Hermione nur und klang dabei leicht verunsichert.
„Was sagst du denn Draco?", fragte Daphne nun den Platinblonden, der einen Schritt auf die Vitrine zu machte und nach nur einem kurzem Blick den Kopf schüttelte.
„Kann mir kaum vorstellen, dass Tori solche kleinen Steckerchen tragen würde. Im Gegensatz zu dir behängt sie sich doch ganz gerne mit dem ganzen Weihnachtsschmuck eurer Familie."
Theo im Hintergrund lachte und auch Daphne musste grinsen.
„Und ich dachte ich kaufe ihr ausnahmsweise etwas zeitloses."
„Wohl eher etwas sinnloses. Seien wir ehrlich Daph, Tori braucht keinen Schmuck. Was sie braucht ist eine Uhr, damit sie nicht immer so unpünktlich ist."
Hermione spürte einen seltsamen Stich. Allein wie er ihren Spitznamen sagte gefiel ihr nicht. Sie kannte Astoria nicht gut – um ehrlich zu sein gar nicht – aber Draco schien sie gut zu kennen. Allein diese Tatsache machte sie eifersüchtig und das hasste sie. Sie wollte nicht eifersüchtig sein. Vor allem grundlos.
„Naja mir würden sie gefallen.", sagte Daphne schließlich und zwinkerte den beiden Jungs zu – so als wolle sie ihnen damit ein Geheimzeichen geben und Hermione schüttelte nur leicht den Kopf darüber. Frauen konnten ja so subtil sein.
Als sie ihren Blick zu Daphne herüber gleiten ließ, fiel er auf etwas anderes. Etwas, dass ihre Aufmerksamkeit sofort auf sich zog.
Hermione machte einen Schritt an Daphne vorbei und auf die Vitrine zu. Sie verguckte sich nicht häufig in etwas – sie hatte einen schlichten Geschmack was Kleidung anging und auch Schmuck trug sie selten. Für sie war wichtig, dass Dinge bequem waren und sie nicht einschränkten. Und dennoch gab es seltene Momente in denen sie zum kleinen Mädchen wurde und sich einfach in etwas auf den ersten Blick verliebte. Und genau so ein Moment war es.
„Gefällt sie Ihnen?", fragte die schon etwas ältere Hexe, die schon die ganze Zeit im Geschäft gestanden, aber bisweilen nichts gesagt hatte.
Hermiones Augen rissen sich los um nicht unhöflich zu sein.
„Ja sie ist wunderschön. Sie erinnert mich an etwas … aber ich weiß nicht genau woran. Es ist so als hätte ich schon einmal etwas ähnliches gesehen."
„Das ist sehr gut möglich. Dieses Collier ist aus der Privatsammlung eines ehemaligen Schmuckhändlers, der seine Sammlung aufgelöst hat. Er sagte mir, dass sie schon viele Besitzerinnen und Besitzer gehabt hat und wenn sie sprechen könnte – ich bin mir sicher, sie könnte viele Geschichten erzählen."
Hermione lächelte die Frau an, ehe ihre Augen sich wieder auf das im Schaufenster ausgestellte Collier richteten. Im Grunde war es viel zu auffällig für ihren Geschmack, aber es hatte dennoch etwas so klassisch elegantes an sich, dass es Hermione die Sprache verschlug. Es war nicht besonders lang, also würde es sich wohl sehr nah an den Hals schmiegen und bestand aus vielen kleinen herzförmigen einzelnen Elementen. In der Mitte eines jeden Herzens befand sich ein Rubin und um diesen herum einige Diamanten – Hermione kannte sich tatsächlich gut genug mit Edelsteinen aus um dies zu wissen. Zwischen den einzelnen Herzen befand sich ein weiterer in Gold gefasster Diamant, der dem Collier Beweglichkeit verlieh.
„Ich … bin mir sicher Sie werden irgendwann noch eine geeignete Käuferin für dieses Stück finden.", sagte Hermione nach einer ganzen Weile. Sie war immerhin nicht dumm. Sie konnte ahnen wie viel ein solches Collier kosten würde.
„Um ehrlich zu sein, ist sie schon für jemanden reserviert. Sie liegt dennoch an ihrem alten Platz und erfreut meine Kundinnen mit ihrer Schönheit. Zumindest für die Zeit in der sie noch hier ist."
Hermione lächelte die Verkäuferin höflich an.
„Würden sie dem Käufer von mir sagen, dass er einen ausgezeichneten Geschmack hat?"
„Aber sicher Miss."
Es tat schon beinahe etwas weh sich von dem Anblick loszureißen, doch Hermione schaffte es sich nach einer ganzen Weile abzuwenden. Theo, Daphne und Draco standen noch immer direkt hinter ihr und während Theo sie grinsend ansah – offenbar fand er ihr Verhalten amüsant – unterhielten Daphne und Draco sich und schienen gar nicht zu bemerken, dass sie wieder voll und ganz bei ihnen war.
„Wir können gehen, wenn ihr wollt.", sagte sie schließlich und unterbrach damit Daphnes und Dracos Gespräch.
„Ich will nicht unhöflich sein, aber wie lange brauchst du noch?"
„Ich weiß nicht … ich sehe irgendwie nicht so gut darin aus."
„Komm doch einfach raus und dann sag ich dir meine Meinung dazu. Versprochen."
Tracey seufzte lautstark. Sie wusste, dass sie Nevilles Nerven schon ein ganzes Weilchen strapaziert hatte. Sie hatten zwar alle Einkäufe erledigt und einiges organisiert, aber das hieß ja noch lange nicht, dass sie ihn entspannen lassen würde. Nein sie hatte ihn in eine Boutique geschleppt und ihn gebeten ehrlich zu ihr zu sein, wenn sie etwas anprobierte. So weit so gut. Es haperte leider an der Umsetzung, denn egal was sie anzog, sie traute sich nicht aus der Umkleide, denn irgendwie vermutete sie das ihr Geschmack und der von Neville meilenweit auseinander lagen.
„Lach nicht.", murrte die Blondine, als sie in einem mitternachtsblauem Wickelkleid aus der Umkleide kam. Sie liebte es, aber sie fühlte sich dennoch unwohl. Das Kleid zeigte immerhin viel Haut. Es hatte einen tiefen Ausschnitt und das Kleid teilte sich an ihrem rechten Bein, so dass dieses beinahe komplett unbedeckt war. Es war nicht zu gewagt für ihre Verhältnisse, aber zu gewagt um darin Neville unter die Augen zu treten. Zumindest glaubte sie das.
Neville saß in einem Sessel und richtete sich nun etwas auf, da sie aus der Umkleide gekommen war. Sein Blick war irgendwie eigenartig und sie konnte den Anflug von Röte auf seinen Wangen sehen. Sie hatte es gewusst – es war zu aufreizend. Sie wollte sich gerade weg drehen und wieder in die Umkleide verschwinden, als er sich räusperte.
„Du siehst wie in allem fantastisch aus."
Tracey brauchte einige Augenblicke um seine Aussage zu verarbeiten. Wie in allem, wiederholte sie mehrfach in ihrem Kopf, ehe sie ihr Gesicht wieder zu ihm herumdrehte.
„Ist das … wirklich so?"
„Du bist sehr hübsch Tracey. Du siehst wirklich in allem gut aus, auch in deinen Schulsachen."
Die Blondine fühlte wie ihr Herz wild zu klopfen begann und ihre Lippen sich zu einem Lächeln verzogen.
„Ich dachte du würdest es nicht mögen – weil es zu … naja freizügig ist."
„Es zeigt viel Haut, das stimmt wohl. Aber ich hab dir doch nichts vorzuschreiben.", setzte er an und legte dann den Kopf leicht schief. Er war irgendwie nervös, aber es war eine positive, beinahe angenehme Nervosität. „Außerdem – ist es mir egal was du anhast. Du strahlst etwas aus – in manchen Dingen mehr und in manchen weniger – ich glaube es kommt darauf an wie wohl du dich in etwas fühlst. Und ich glaube dieses Kleid verleiht dir etwas, was ich vorher noch nicht an dir gesehen habe. Naja bis auf den Abend wo ich nach dir gesehen habe – da hattest du auch etwas davon."
Tracey zog die Augenbrauen zusammen. „Und was wäre das? Was strahle ich deiner Meinung nach aus?"
„Das klingt vielleicht paradox, aber du hast etwas süßes, verlegenes, unschuldiges."
Tracey musste lächeln. Sie wusste was er meinte, aber es lag definitiv nicht an dem Kleid.
„Dann sollte ich mich wohl ganz ausziehen, dann hätte ich noch mehr von diesem Ausdruck, denn … es liegt nicht an dem Kleid.", sagte sie, zwinkerte ihm zu und betrat dann wieder die Umkleide. Sie sah nicht mehr wie er ganz rot um die Nase wurde bei der Vorstellung Tracey nackt zu sehen.
„Irgendwie benehmt ihr euch seltsam.", sagte Hermione, als sie sich auf die leere Bank in einer der hintersten Ecken des Drei Besen schob. Draco setzte sich direkt neben sie, während Daphne und Theo sich ihnen gegenüber hinsetzten.
„Definiere seltsam.", forderte Draco auf und die Brünette seufzte frustriert.
„Du weißt genau was ich meine Draco. Ihr tuschelt, und macht so ernste Gesichter und manchmal werdet ihr plötzlich ganz hektisch und zieht mich in eine ganz andere Richtung. So als wolltet ihr etwas verheimlichen …", erklärte sie langsam und Daphne verzog ihr Gesicht.
„Du siehst Gespenster Mione. Es ist alles gut. Wir sind nur alle so müde von der Woche, da kann man sich schonmal etwas seltsam benehmen oder?"
„Naja.", meinte sie nur und lächelte die wohl neue Kellnerin an, die ihnen ihre Getränke brachte. Hermione nippte sofort an ihrem Butterbier. Sie brauchte definitiv etwas zu trinken nach diesem seltsamen Tag. Sie sagten zwar, dass sie sich nicht seltsam benahmen, aber Hermione war anderer Meinung. Sie benahmen sich mehr als seltsam.
„Wir sollten heute Abend eigentlich alle zusammen etwas trinken. Zusammen sitzen. Spaß haben.", schlug Daphne vor.
„Von mir aus.", sagte Hermione nur Schulter zuckend und dann fielen ihre Augen auf Tracey und Neville, die gerade das Drei Besen betraten. Sie wollte erst nach ihnen rufen, doch dann sah sie etwas, was sie ihre Augen weiten ließ. Neville berührte Tracey an ihrem Rücken, als er sie durch die Menge schleuste.
„Was ist los?"
„Ich glaube … Tracey hat ein Date.", sagte Hermione lächelnd und sofort sahen alle Drei in die Richtung in die auch Hermione schaute.
„Sie … steht auf Longbottom?", fragte Theo beinahe entsetzt und sah ungläubig zu Draco, dann zu Hermione und dann schüttelte er einfach nur seinen Kopf.
„Wie sagt man so schön – wo die Liebe hinfällt nicht wahr?", schmunzelte Daphne und nippte an ihrer heißen Schokolade.
„Du wusstest es also?"
„Uh huh...", summte Daphne nur und lehnte sich zurück.
„Jeder Blinde hätte es gesehen Theo."
„Ach? Du wusstest es also auch? Nur Theo und ich sind also blind?"
„Nur zu beschäftigt mit anderen Dingen ...", grinste Draco und sowohl Theo als auch Hermione schnappten laut nach Luft.
„Ich würde sagen – wir trinken auf Tracey und Neville und lassen die zwei jetzt einmal unbeobachtet. Und Morgen früh können wir sie dann ja ausquetschen.", grinste Daphne und hob ihre Tasse.
„Fein.", entgegnete Hermione und erst nach einer ganzen Weile hob Theo als Letzter sein Glas. Er verstand es zwar noch immer nicht, aber er wollte sich zumindest für eine seiner Freundinnen freuen. Auch wenn es seiner Meinung nach da keinen Grund zur Freude gab.
