Kapitel 38:

„Ich verstehe immer noch nicht wieso wir das machen. Ich dachte es wäre mein Geburtstag und es ginge darum Dinge zu tun, die mir gefallen."

„Und was gefällt dir daran jetzt nicht?"

„Alles?"

„Ach komm schon, stell dich nicht so an. Das wird lustig – wir treten denen so richtig in den Hintern."

„Die nächste Frage wäre, seit wann bin ich eine von euch Schlangen? Was wenn ich auf der anderen Seite sein möchte?"

„Granger … wo ist dein Sinn für Abenteuer geblieben?", fragte Zabini nun, der sich einfach so in das Gespräch einmischte. Offenbar waren alle begeistert von der Idee. Naja nur sie eben nicht.

„Ich hatte genug Abenteuer in den letzten Jahren – vielen lieben Dank. Um ehrlich zu sein würde ich lieber auf dem Boden bleiben. Mit beiden Füßen. Draco … können wir das nicht wann anders machen?"

„Heute ist großartiges Wetter, Potter und die Weasleys sind dabei und du Prinzessin, wirst dich so oder so an die Höhe gewöhnen müssen. Da können wir auch einfach so einen Test wagen oder? Es sorgt hoffentlich außerdem dafür, dass du aufhörst so viel nachzudenken."

Hermione murrte, aber sie wusste das sie schon lange verloren hatte. Sie hatte sich ja sogar schon etwas warmes übergeworfen. Sie trug nun eine dicke Strumpfhose unter dem Kleid und hatte ein Sweatshirt übergeworfen. Der Entschluss stand ja schon fest und er war alternativlos. Und auch wenn ihr allein bei der Vorstellung übel wurde, so war sie auch etwas aufgeregt. Sie hatte noch nie Quidditch gespielt. Sie war zwar keine wirkliche Spielerin, aber sie war zumindest dabei. Es hatte etwas aufregendes an sich, dass Draco und sie gemeinsam fliegen würden. Und sie musste sich eingestehen, dass sie gewinnen wollte. Auch wenn es bedeutete, dass Harry dafür verlieren musste.

Auf dem Quidditch Feld war es ruhig. Die Sonne schien immer Mal wieder zwischen den Wolken hindurch und Hermione konnte ab und an eine leichte Brise über ihre Haut streichen spüren. Es war angenehm und sie konnte sich vorstellen, dass gerade so ein Wetter perfekt für ein freundschaftliches Spiel war.

Wenn man es denn so bezeichnen wollte. Oder konnte.

Sie hatten zwei Teams gebildet, wobei sich die Hufflepuffs und Ravenclaws den anderen beiden Häusern anschlossen anstelle ein eigenes Team zu formen. So spielten Harry, Ginny, Ron, Lisa, Hannah, Susan und Justin für Gryffindor, während Draco, Blaise, Goyle, Theo, Megan, Terry und Ernie für Slytherin spielten.

Daphne, Pansy, Bullstrode, Tracey, Neville, Seamus und Dean äußerten hatten sich schon auf die Tribüne niedergelassen, als Draco sich auf seinen Besen schwang und Hermione abwartend ansah. Die Brünette war noch immer nicht begeistert von der Idee, aber ohne weiter Zeit und Energie zu verschwenden, schwang sie sich auf den Besen und hielt sich an Dracos Oberkörper fest. Ihre Arme umschlossen seine Taille und sie presste ihr Gesicht gegen seinen Rücken, denn dieses Mal wollte sie wirklich nichts sehen. Sie konnte nur ahnen wie rasant es zugehen würde. Draco spielte als Sucher und sie wusste, dass es Sturzflüge und waghalsige Manöver bedeuten konnte. Ihr wurde bei dem Gedanken immer schlechter.

„Seid ihr alle soweit?", fragte Ginny überaus motiviert. Sie hatte sich schon vom Boden abgestoßen. Sie war auch diejenige, die den Schnatz in der Hand hielt und gleich das Spiel eröffnen würde.

Hermione murrte vor sich hin, was Draco ein tiefes, warmes Lachen entlockte. Sie spürte wie ihr dabei ganz warm wurde. Sie liebte es, wenn er lachte. Sie hatte nie gedacht, dass er zu so etwas überhaupt in der Lage war. Sie hatte angenommen, dass ein Malfoy zum Lachen in den Keller gehen würde. Doch sie hatte ihn schon mehrfach zum Lachen gebracht und das machte sie unglaublich glücklich. Und irgendwie auch sehr stolz.

„Dann möge das bessere Team gewinnen.", sagte Hannah noch und da stieß sich Draco auch schon vom Boden ab und Hermione krallte sich fester in seinen Pullover.

Sie war ja nun wirklich kein ängstlicher Mensch, aber es gab Dinge, die einfach unberechenbar waren und das machte ihr schon immer Probleme. Sie brauchte die Kontrolle über Dinge und Höhen waren für sie unkontrollierbar.

Die Gryffindor beschloss die Augen geschlossen zu halten und sich auf etwas anderes zu konzentrieren. Sie wollte auch die Ansagen von Dean und Seamus ignorieren, die mittlerweile laut und deutlich bis zu ihren Ohren vordrangen. Sie wollte sich aber gar nicht erst für diese interessieren, denn das würde ihr nur noch mehr Sorgen bereiten. Und wenn sie sich noch mehr Sorgen machen würde, dann würde sie vorzeitig grau werden und tiefe Falten im Gesicht davon tragen. Soweit war sie definitiv noch nicht.

Sie lenkte also ihre Gedanken weg von dem Quidditch Spiel und zu den Ereignissen des bisherigen Tages. Sie war noch immer leicht Verlegen wegen ihrem Verhalten beim Frühstück. Sie wusste, dass sie nicht besonders freudig reagiert hatte und es tat ihr eigentlich schon fast Leid, denn ihre Freunde und auch alle Anderen hatten sich so unglaubliche Mühe gemacht, um sie zu überraschen und ihr einen schönen Tag zu schenken. Sie fühlte sich beinahe undankbar, auch wenn sie wusste, dass es ihr keiner übel nahm. Sie hatten wohl genügend mitbekommen, um zu wissen, dass das Mädchen keineswegs undankbar war. Sie war lediglich traurig und das schienen sie alle nur zu gut zu verstehen.

Was ihr allerdings unangenehm war, war die Tatsache, dass sie so einfach abgedriftet war und nur Draco sie hatte zurück holen können. Sie gaben der Neugier, den Spekulationen und wahrscheinlich auch den Wetten immer wieder neue Nahrung. Es störte sie nicht wirklich, dass man sie bei einem solch intimen Moment gesehen hatte – viel schlimmer war es für sie, dass man sie so schwach gesehen hatte. Sie hatte immer die Starke sein wollen und sie fühlte sich seit dem Ende des Krieges leider kein wenig stark. Sie taumelte immer wieder und wenn sie ehrlich zu sich selbst war, dann war Draco der einzige Grund, warum sie im Moment so gut zurecht war. Ihre Beziehung zu einander stabilisierte sie. Es lenkte ihre Gedanken in andere Richtungen, es nahm ihr die Albträume und wenn sie doch in die Finsternis abrutschte, dann holte er sie zurück. So wie heute.

Hermione konnte seine Wärme unter ihren Fingern spüren. Sie konnte seinen Herzschlag fühlen. Es war so beruhigend, dass sie beinahe vergaß, dass sie auf seinem Besen saß und mit ihm durch die Lüfte sauste. Und genau diese Wirkung hatte er häufig.

Ihre Stirn bildete Falten, als sie darüber nachdachte, wann es denn genau der Fall war. Wann er diese Wirkung ausübte und ob es da irgendwelche Muster gab.

Je näher sie sich standen, je mehr sie ihm vertraute und je näher sie ihn an sich heran ließ, umso beruhigender wirkte er auf sie. Aber sie hatte nicht das Gefühl, dass es einzig und allein an ihr lag. Nein. Sonst hätte er heute keinerlei Zugang zu ihr gefunden, denn sie hatte ihn immer wieder wegschieben wollen. Sie hatte ihn ignorieren und den Schmerz betäuben wollen. Doch er hatte nicht locker gelassen. Doch wieso hatte er diesen Zugang gehabt?

Hermiones Gedanken rasten, als sie etwas an ihrem Ohr vorbei fliegen spürte. Sie ahnte nur, dass es ein Klatscher gewesen sein musste. Um ehrlich zu sein, wollte sie da gar nicht näher drüber nachdenken, denn sonst würde die Panik in ihr zurück kehren und das konnte sie nicht gebrauchen. Nicht jetzt.

Sie dachte über die letzten Wochen nach. Sie dachte über all die Begegnungen nach, die sie in den letzten Jahren bewusst in ihr Gedächtnis eingespeichert hatte und ob sie ihr weiterhelfen konnten. Und langsam aber sicher bildete sich ein roter Faden, der ihr zumindest ihr eigenes Verhalten erklärte.

Draco Malfoy hatte damals als 11 jähriger Junge ihr Interesse geweckt. Er war süß gewesen und sie hatte naiv angenommen, dass Rassismus keinerlei Rolle spielen würde. Das es so etwas nicht gab. Er hatte ihr als erster Junge in ihrem Leben das Herz gebrochen, denn er hatte sie damals schnell spüren lassen, dass sie weniger Wert war als er. Ron und Harry hatten sich schon vorher lustig über sie gemacht, doch sie hatten dabei sie als Person gemeint, während Draco sie als Person, als Mädchen und als Menschen an sich meinte. Er hatte sie tief verletzt und sie war bisher nie in der Lage gewesen es sich einzugestehen.

Daraufhin hatte sie ihm immer wieder beweisen wollen – und sich selbst natürlich auch – das sie ihm ebenbürtig war. Das sie reinblütigen Magiern ebenbürtig war. Sie hatte sich in der Schule noch mehr angestrengt. Sie hatte versucht mutig zu sein. Sie war häufig über sich hinaus gewachsen. Sie hatte dabei aber nur das Interesse anderer Menschen geweckt – sein Interesse galt anderen Mädchen. Mädchen, die ihm gleichgestellt waren. Und er hatte sich dafür interessiert, dass sie sich unwohl fühlte. Obwohl sie zugeben musste, dass er Harry und Ron deutlich mehr gepiesackt hatte, als sie.

Und sie hatte immer wieder, wenn ihre Freunde ihn für etwas verdächtigt hatten, für ihn gesprochen. Sie hatte spätestens im sechsten Schuljahr gesehen wie gebrochen er gewirkt hatte. Es war unverkennbar gewesen. Jeder hatte es gesehen und es war tragisch wenn man ehrlich sein wollte. Sie hatten alle zugeschaut wie er sich langsam aber sicher zum Abgrund hin bewegt hatte. Sie hatten ihm nicht geholfen, er hatte aber auch nie gefragt.

Als ihre Erinnerung zum Manor wanderten, erschauderte sie regelrecht. Sie erinnerte sich an Bellatrix und wie sie gefoltert worden war. Sie hatte Schmerzen gelitten, sie war beleidigt und gedemütigt worden und sie hatte dennoch kein Wort gesagt. Sie war ihren Freunden treu ergeben gewesen. Und sie hatte bis heute geglaubt, dass er sie für dumm gehalten hatte. Es war aber ganz anders. Er hatte ihr selbst gesagt für wie mutig und stark er sie hielt und vielleicht war genau dieser Moment die Wende zwischen ihnen gewesen.

Sie hatte ihn als verlorenen, tragischen Jungen vor Augen, wie er vor Gericht gestanden hatte. Sie hatte für ihn gesprochen. So wie sie es schon immer irgendwie getan hatte. Sie mochte seine Art und Arroganz nicht, sie verabscheute seine Ansichten und sie fühlte sich gekränkt, weil er sie für minderwertig gehalten hatte – aber sie hatte ihm nie etwas böses gewollt. Sie hatte immer wieder darüber nachgedacht, dass er doch nur das war, was seine Eltern aus ihm gemacht hatten. Es war schwierig selbständig zu denken und eine eigene Meinung zu formen, wenn man eingeengt war und sich nur in eine Richtung entwickeln durfte. Das sagte sie sich immer wieder – nicht nur bei ihm. Sie sagte sich das selbe, wenn sie für die anderen Slytherins gesprochen hatte. Und für ihre Eltern. Selbst für Malfoy Senior hatte sie gesprochen.

Und dann waren sie wieder gekommen und irgendwie war alles anders. Sie hatten sich immer wieder gestritten, sie waren sogar körperlich geworden und verletzend. Sie hatten sich angeschrien und bloß gestellt. Sie brachten sich gegenseitig an ihre Grenzen.

Er konnte sie so an ihre Grenzen treiben, weil noch immer die Kränkung tief in ihr drin saß. Und weil sie noch immer beweisen wollte, dass er sich irrte. Sie wollte ihm zeigen, dass sie ihm ebenbürtig war, das sie keine Angst vor ihm hatte und sich ihm stellen konnte. Und sie brachte ihn immer wieder an seine Grenzen … aber wieso? Weil er wütend war, dass sie tatsächlich ebenbürtig war? Weil sie ihn einfach bei seinen empfindlichen Punkten packte?

Hermione seufzte leise. Sie wusste eines sicher, dass sein Zugang zu ihr so sicher und fest stand, weil sie eine Schwäche für ihn hatte. Schon immer. Mehr oder weniger. Es basierte vor allem auf gekränktem Stolz und einer dummen, kleinen Verliebtheit als Kind. Und nun wurde sie tiefer, ernster und deutlich gefährlicher für sie. Diese Schwäche war wahrnehmbarer und machte sie damit verletzlicher. Sie hatte ihm diesen Zugang verschaffen und sie wusste genau, wann der Moment gewesen war, wann sie sich verliebt hatte. Auch wenn es idiotisch war. Gerade sie, die sonst so kluge Gryffindor, die sich unter Kontrolle hatte. Die sich nicht Hals über Kopf in wenigen Minuten verliebte und dann anfing Herzchen auf ihre Pergamentrollen zu malen. Und gerade sie hatte sich bei ihrem ersten Flug auf dem Besen verliebt. Sie hatten sich bis dahin nur gestritten und es genügte ein Moment voller Ruhe und Frieden und sie schmolz dahin. Es war albern. Aber es war die Wahrheit. Und seitdem hatte er einen regelmäßigen Zugang zu ihr gewonnen. Und selbst wenn sie ihn abblockte, dann gelang es ihm dennoch immer irgendwie die passenden Worte zu finden, um sie für sich zu gewinnen.

Das gelang ihr bei ihm nicht. Sie spürte die Verbindung. Sie konnte fühlen wie es ihm ging und manchmal konnte sie beinahe erahnen, was er dachte. Aber es war ein schmaler Pfad und keine asphaltierte Autobahn so wie er es bei ihr hatte.

Hermione wurde schmerzlich bewusst, dass dieser Zauber wohl nur Liebeskummer für sie bedeuten würde, denn wieder hatte sie eine Schwäche für Draco Malfoy entwickelt und wieder würde er diese nicht erwidern. Diesmal vielleicht nicht, weil er sich überlegen fühlte. Diesmal würde es so sein, weil man Gefühle nicht erzwingen konnte.

Nicht einmal dieser Zauber konnte es.

Montgomerys Erkenntnis fiel ihr ein und das Mädchen zog ihre Stirn kraus. Hatte er nicht behauptet, dass es eine Art Liebeszauber war?

Und da war es wieder. Dieser entsetzlich wundervolle Moment, wenn es Klick macht.

Hermione hob ihren Kopf, drückte Dracos Taille etwas zu und beugte sich zu seinem Ohr vor.

„Ich habs. Ich habs Draco. Ich weiß den Gegenzauber. Ich weiß wie wir … uns lösen können.", kreischte sie schon beinahe freudig. Es war nicht so, dass sie ihn los werden wollte. Es freute sie keinesfalls, wenn sie ehrlich war, aber sie liebte es einfach, wenn sie etwas begriff und vollkommen durchschaute. Es war ein befriedigendes Gefühl.

Draco stoppte seinen Besen mitten in der Luft und wäre Terry nicht gewesen, dann hätten sie Beide einen Klatscher abbekommen.

„Was ist los Draco?", fragte Blaise, der plötzlich ebenfalls stoppte, denn Dracos Verhalten war ihm suspekt.

„Stopp!", schrie der Slytherin nur und sofort hielten alle inne. Er erklärte jedoch nicht wieso er das Spiel anhielt. Er drehte lediglich sein Gesicht zu Hermione herum.

„Bist du dir sicher?"

„Ja doch. Sie alle – deine Eltern, Madame Pomfrey, Montgomery … sie suchen nach etwas vollkommen falschen. Sie glauben, dass sie einen Trank brauchen – aber das ist Unsinn. Dieser Zauber ist noch nicht einmal ungewöhnlich, er wird seit Jahren verwendet und das immer und immer wieder … nur normalerweise nicht bei Menschen."

„Wovon sprichst du?"

„Du weißt doch was sie uns gesagt hat, dass er einen Gegentrank für einen Liebestrank ausprobiert hat, oder? Aber das der echte Gegentrank ja eigentlich nur aus zwei Komponenten ohne den Anti Liebestrank besteht. Und dann hab ich überlegt … wir Beide zeigen doch keinerlei Anzeichen eines Liebestrankes. Wir streiten. Wir fluchen. Wir streiten immer mehr. Wir … zeigen eher andere Zeichen."

„Ich verstehe kein Wort."

„Denk doch einmal nach. Wenn uns ein Gegentrank helfen kann, der absolut nichts mit dem Zauber zu tun hat, der auf uns liegt … „

„Dann ist alles nur in unserem Kopf."

„Richtig."

„Wenn es ein Liebeszauber wäre, dann … würden wir uns anders verhalten. Wir tun es aber nicht."

„Das ist genau das was mich schon die ganze Zeit stutzig macht."

„Aber wir haben die körperlichen Einschränkungen und diese … Partikel in unserem Blut. Und dieser Zugang …"

„Denk genau darüber nach, ob dir das nicht doch irgendwoher bekannt vor kommt."

Dracos Gesicht wurde ernst und Hermione bezweifelte schon, dass er ihr nicht folgen konnte, doch als seine Mimik sich veränderte, wusste sie, dass sie zumindest nicht als Einzige solche Gedankengänge haben konnte. Es war logisch oder? Wenn er auch zu dem gleichen Schluss kam, dann konnte es nicht ganz abwegig sein.

„Das kann nicht stimmen. Es müsste den Beiden doch auffallen – es ist doch so simpel."

„Was ist simpel?", fragte Blaise, der mittlerweile neben ihnen gestoppt hatte. Sie waren ihnen alle näher gekommen. Manche von ihnen hatten mehr oder weniger das ganze Gespräch mitbekommen. Blaise jedoch hatte sehr wenig gehört, war aber umso neugieriger.

„Das der magus adhaesiona, eigentlich ein Zauber ist, der bei seltenen Fabelwesen angewendet wird, damit sie nicht aussterben. Quasi … ein Aphrodisiakum. Es bindet sie an ihren Partner, bringt sie dazu Nachwuchs in die Welt zu setzen und hält sie zusammen."

„Was?", fragte Blaise, der sein Gesicht fragend verzog. „Du meinst doch nicht etwa den Vinciente Amore."

„Doch genau den. Ich wette, wenn wir ein Einhorn im Wald finden, welches mit diesem Zauber verzaubert wurde … es ähnliche Moleküle im Blut hätte wie Draco und ich."

„Wie kommst du eigentlich darauf?"

„Weil Montgomery überzeugt ist, dass wir einem Liebestrank unterliegen, aber das ist Unsinn. Und dann hab ich über alles nachgedacht und … dann ist mir dieser Zauber eingefallen und … ich weiß nicht. Es machte alles Sinn. Und wenn an die Zutaten denke, die in den Trank kommen sollten, der verunglückt ist … dann es macht einfach alles Sinn."

„Also heißt es – ihr leidet eigentlich unter einem Paarungszauber, der euch dazu bringen soll … eine Familie zu gründen und zusammen zu bleiben?", fragte Theo, der bis dahin still gewesen war.

„Im Grunde … „, Hermione schüttelte dann aber den Kopf. „Wir müssen es ausprobieren Draco. Es gibt einen einfachen Gegenzauber – wir müssen es probieren. Jetzt. Ich will wissen ob ich Recht habe."

„Aber … was wenn du dich irrst?"

„Dann kann uns der Gegenzauber nichts anhaben. Aber wenn ich Recht habe – und das habe ich – dann bindet uns nichts mehr. Verstehst du? Dann sind die Moleküle weg und wir sind frei."

„Ich kann den Gegenzauber sprechen.", bot Blaise ihnen an und zuerst schwieg Draco nur, doch dann nickte er langsam. Zögerlich. Unsicher.

„Ihr bleibt alle in unserer Nähe – falls es schief geht."

„Es wird nichts schief gehen Draco."

„Es ist nicht, dass ich dir nicht glaube – aber es klingt zu einfach um wahr zu sein."

„Seid ihr bereit?"

Hermione nickte und griff nach Dracos Hand. Sie saßen auf einer der Bänke in der Zuschauertribüne auf dem Quidditchfeld. Alle hatten sich um sie versammelt und wie immer fühlte Hermione sich wie ein Tier im Zoo, aber zumindest jetzt gerade war es ihr egal. Sie wollte einfach nur die Bestätigung, dass sie Recht hatte.

Es würde alles erklären. Auch ihr unstillbares Verlangen nach ihm, welches nicht zu ihr passen wollte. Sie hatte es nicht als Argument verwenden wollen, denn sie wollte nicht, dass alle wussten wie nahe sie sich gekommen waren.

Blaise sprach den Zauber in ruhigem Ton. Bläuliche Funken sprühten aus seinem Zauberstab und ein milchiger Nebel bildete sich um sie herum. Es war als würde ihr ganzer Körper vibrieren und dabei wurde ihr auch noch heiß und kalt zugleich. Ihr Hals wurde trocken, ihre Augen tränten und dann ging ein Schauer durch ihren Körper.

Und plötzlich war das Gefühl verflogen und der Nebel lichtete sich.

„Und? Wie fühlt ihr euch?"

Draco sah zu ihr herüber und sie tat es ihm gleich. Als sie sich in die Augen sahen, fühlte es sich anders an als sonst und es machte ihr Hoffnungen. Sie nickte ihm kaum merklich zu, löste ihre Hand aus seiner und stand auf. Sie machte einen Schritt von ihm weg. Und einen zweiten. Sie stoppte nach dem vierten und sah ihn fragend an, doch er nickte ihr aufmunternd zu.

Als sie zehn Schritte entfernt war, seufzte sie erleichtert auf und dann rannte sie wieder auf ihn zu und warf ihre Arme um ihn. Sie sprang förmlich auf seinen Schoß und drückte sich an ihn. Sie waren getrennt … und als sie dieses Wort in ihrem Kopf wiederhallen hörte wurde sie plötzlich traurig. Doch zeigen wollte sie es nicht.

Nicht vor allen Anderen. Nicht vor ihm.

„Wie bitte?"

„Nehmen sie uns Blut ab."

Madame Pomfrey runzelte die Stirn, nahm den Beiden aber wie befohlen Blut ab. Montgomery und Professor McGonagall waren ebenfalls anwesend und wirkten mindestens genauso irritiert wie die Medi Hexe.

„Was wollen sie uns denn zeigen Miss Granger?"

„Ich kann ihnen versichern ich arbeite sehr hart an dem Gegentrank und ich ...", begann Montgomery dann auch schon, wurde jedoch von dem sehr undamenhaften Quieken von Madame Pomfrey unterbrochen.

„Sie sind weg. Es ist alles weg. Keinerlei Rückstände. Wie … wie haben sie das gemacht? Nicht einmal ihre Eltern ...", begann die Hexe und drehte sich zu den Beiden herum. Sowohl Hermione als auch Draco grinsten breit. Sie hatte tatsächlich Recht gehabt. Als hätte man da jemals dran zweifeln können.

„Professor – was gehört in einen Vinciente Amore Trank?"

„Den braut man heute doch gar nicht mehr.", sagte der Lehrer verwirrt, aber als er Hermiones Blick sah, seufzte er und ratterte die Zutatenliste herunter … bei der letzten Zutat stockte er.

„Fällt ihnen etwas auf?"

„Mr Finnigan hat … aber wie sind sie darauf gekommen?"

„Ich habe seit Tagen darüber nachgedacht. Vor allem über ihre Liebestrank Vermutung … und es machte alles keinen Sinn. Ich hab heute darüber nachgedacht was eigentlich wirklich passiert ist seitdem diese Moleküle in unserem Blut waren – und es hatte nichts mit einem Liebeszauber gemein. Wir haben uns immer wieder zusammen raufen können – aber unsere Emotionen wurden nicht dauerhaft manipuliert wie bei einem Liebeszauber. Wir hatten lediglich dieses Gefühl, dass wir zusammen gehören – aber es hatte nichts mit Liebe zu tun. Und dann ist mir eingefallen, dass es Tränke gibt, die ja ähnlich wirken wie Liebestränke – es aber eher Tränke zum Erhalt einer Spezies sind. Und als ich soweit war … da wusste ich was der magus adhaesiona wirklich ist. Zumindest habe ich es geahnt."

„Sie haben den Gegenzauber gesprochen?"

„Blaise Zabini hat es getan. Und dann haben wir uns langsam voneinander entfernt und es war kein Problem. Es funktionierte wunderbar."

„Miss Granger – sie erstaunen mich jedes Mal aufs Neue.", sagte eine vollkommen begeisterte Schulleiterin und ging auf ihre Lieblingsschülerin zu.

„Ich werde sofort veranlassen, dass sie wieder getrennte Zimmer erhalten und dem Lehrkörper Bescheid geben. Es ist wundervoll zu sehen, dass wir einen solchen Nachwuchs haben – da darf man Hoffnung haben, dass Fortschritt kein Traum sein wird, sondern Realität."

„Unglaublich oder?"

„Sie ist eben nicht auf den Kopf gefallen."

„Schlauer als unser Möchtegern Lehrer zumindest."

„Es ist ja niemand drauf gekommen. Das kann man ihm also nicht zum Vorwurf machen.", sagte Daphne und rollte ihre Augen. Sie mochte es nicht, dass ihre Mitschüler Professor Montgomery so schlecht machten.

„Es bedeutet, dass sie getrennt wohnen werden. Sie sind von heute auf Morgen zusammen … und jetzt von heute auf Morgen wieder getrennt.", sagte Tracey plötzlich und es wurde wieder still.

„Wieso hab ich bloß das Gefühl – das es für Beide deutlich einfacher war sich zusammen zu raufen, als es sein wird … sich voneinander zu lösen?"

Keiner antwortete auf Traceys Frage, aber innerlich stimmten ihr fast alle zu.