Kapitel 39:

Das Bett fühlte sich einfach viel zu groß für sie alleine an.

Hermione zog ihre Beine an ihren Körper heran und legte ihr Kinn auf ihren Knien ab. Es war alles so schnell gegangen und ihr Gehirn schaffte es noch nicht alles zu verarbeiten. Es drehte sich alles in ihrem Kopf.

Professor McGonagall hatte noch im gleichen Moment veranlasst, dass sie getrennte Zimmer bekamen und als sie wieder bei den anderen angekommen waren, da war alles schon passiert. Draco war wieder aus ihrem Zimmer ausgezogen und bezog ein neues Zimmer direkt neben dem von Ginny. Auch ein neues Zimmer.

Hermione seufzte leise und beschloss letztlich sich etwas abzulenken. Sie griff nach dem Buch, welches sie sich vorsorglich auf den Nachttisch gelegt hatte, bevor sie unter die Dusche gegangen war. Sie hatte schon damit gerechnet, dass sie etwas brauchen würde, was sie ablenken konnte. Etwas das ihre Gedanken in eine andere Richtung locken würde.

Sie wickelte ihre Beine in ihre Decke ein, machte es sich in ihren Kissen gemütlich und begann zu lesen – auch wenn sie immer wieder stoppen musste und ganze Passagen erneut lesen musste. Sie gab sich dennoch Mühe und irgendwann schlief sie mit dem Buch in ihrem Schoß ein.

Er konnte einfach nicht schlafen. Es war zum verrückt werden. Er hatte sich früh hingelegt, denn die Ereignisse hatten ihn eigentlich ziemlich geschlaucht. Sie hatten zwar noch den Tag ganz nett ausklingen lassen, immerhin wollte er Hermiones Geburtstag nicht einfach so vergehen lassen, aber es hatte sie dennoch alle Kraft gekostet.

Erst ihr emotionaler Anfall am Morgen, dann das Spiel, und die plötzliche Heilung – das alles war mehr gewesen, als er so richtig verarbeiten konnte.

Draco dachte noch über das gemeinsame Abendessen im Gemeinschaftssaal nach und wie Hermione ihm gegenüber gesessen hatte. Vielleicht auch um zu zeigen, dass sie sich nun voneinander fern halten konnten. Sie hatte sich mit Neville unterhalten und das hatte ihn rasend gemacht. Auch wenn Draco ganz genau wusste, dass Longbottom und Tracey wohl das neue Traumpaar des Jahrgangs werden würden. Er verstand zwar immer noch nicht so genau wie das passiert war, aber er würde sich für seine Freundin freuen. Umso verwirrender war dieses Gefühl, welches er empfunden hatte, als er Hermione so ausgelassen mit ihm gesehen hatte.

Der Slytherin verließ sein Zimmer mit seinem Besen in der Hand. Er brauchte frische Luft und den Wind, der ihn um die Ohren peitschte. Er brauchte zwar noch so einiges mehr – zum Beispiel ihre Arme, die sich an ihm festklammerten, wenn er zu hoch flog, aber er wusste, dass er nicht alles haben konnte.

Es blieb ihm nichts anderes übrig – er verließ das Schloss alleine und flog zwischen den Bäumen im verbotenen Wald umher. Doch auch der Besenflug konnte ihn nicht wirklich von diesem Gefühl befreien, welches so tief in ihm drin steckte.

„Darf ich heute bei dir schlafen?", fragte die Rothaarige, als sie ihren Kopf in das Zimmer ihres Freundes steckte. Sie hatte nicht einmal angeklopft. Warum auch?

Harry setzte sich in seinem Bett auf und grinste. Er nickte nur und schon kam Ginny auf ihn zu. Mit schnellen Bewegungen hatte sie sich von ihrem Morgenmantel befreit und war zu ihm unter die Decke gekrabbelt.

„Darf ich dich was fragen Gin?"

„Sicher doch.", gähnte die Weasley und kuschelte sich in seine Seite. Er ahnte, dass es nicht lange dauern würde bis sie ins Reich der Träume abdriften würde.

„Glaubst du … daran das es nur einen bestimmten Menschen für jeden Menschen da draußen gibt?"

Ginny runzelte ihre Stirn und sah zu ihm hoch. Sie wunderte sich häufig nicht mehr über die seltsamen Ideen und Fragen, die Harry manchmal hatte. Diese wunderte sie dennoch.

„Wie kommst du da drauf?"

„Glaubst du dran?"

„Ich glaube, dass es unfair wäre, wenn es so wäre. Schau dir … so viele Menschen an, die ihrer Partner in dem Krieg verloren haben. Oder bei Unfällen. Oder wegen irgendwelcher doofen Krankheiten. Wenn das deren Person war, dann ist das Schicksal scheiße."

Harry nickte nur leicht.

„Weißt du – manchmal trifft man jemanden und man denkt, das ist die Liebe meines Lebens. Und für eine Zeit lang ist es auch so, man geht den selben Weg, aber irgendwann … trennen sich die Wege.", sprach Ginny weiter und gähnte wieder.

„Also gibt es jemand Anderes für Ron?"

Ginny lachte. „Ja sicher, für den Idioten gibt es auch jemand Anderes als Hermione."

„Glaubst du das er der Richtige für Hermione ist?", Harry musste Dracos Namen nicht einmal aussprechen. Ginny wusste sofort um wen es ging.

„Ich glaube, dass er und sie in diesem Moment auf dem selben Weg sind. Und ich glaube, dass sie Beide es aber noch nicht wissen."

Harry küsste Ginny auf die Stirn. Er liebte es, wenn sie so kluge Reden hielt und das obwohl sie so müde zu sein schien.

„ich glaube du bist … sehr sehr müde oder?"

„Mh … wieso?", murmelte das Mädchen zufrieden. Harry hatte begonnen ihren Nacken zu kraulen und sie ließ es sich definitiv gefallen.

„Weil ich gerade das Bedürfnis habe mit meiner unglaublich schlauen Freundin rumzuknutschen.", grinste er als Antwort. Und ehe er noch mehr sagen konnte, hatte Ginny seine Lippen mit ihren verschlossen. Egal wie müde sie auch sein mochte, dafür war sie wohl nie zu müde.

„Guten Morgen.", flötete eine viel zu gut gelaunte Daphne und schloss die Tür hinter sich. Hermione murrte nur und zog die Decke über ihren Kopf. Daphne sollte es als Wink sehen und wieder gehen, doch die Blondine schien diesen nicht zu verstehen, oder es war ihr schlicht und ergreifend einfach egal.

„Du solltest aufstehen. Es ist Montag und ich dachte wir könnten zusammen zum Frühstück gehen."

Hermione murmelte etwas vor sich hin, was die Blondine einfach nicht verstehen konnte.

Daphne ging schließlich auf das Bett zu und zog Hermione die Decke unbarmherzig wie sie war einfach weg. Daphne konnte nicht anders als Lachen, als die Brünette laut aufjapste und sie dann böse anfunkelte. Neben Hermione lag ein dicker Wälzer, der erstaunlicherweise unbeschadet die Nacht überstanden hatte. Hermione selbst wirkte ziemlich übernächtigt auf sie. Ihre Haare waren ein reines Chaos, sie hatte dunkle Augenschatten und ihre Haut wirkte ziemlich fahl. Daphne fühlte mit dem Mädchen, sie konnte sich nur schwer vorstellen wie eine solche drastische Veränderung auf einen einwirken konnte.

„Ich steh ja schon auf.", murmelte die Brünette schließlich, rieb sich ihre Augen und setzte sich schlussendlich auf.

„Sehr gut. Zieh dich an, bring deine Haare in Ordnung und schnapp deine Sachen. Ich warte unten auf dich."

Hermione nickte geistesabwesend und bemerkte kaum wie Daphne wieder aus ihrem Zimmer verschwand. Sie wusste lediglich, dass sie sich anziehen musste. Sie wollte nicht zu spät zum Unterricht erscheinen.

Die Gryffindor streckte sich leise gähnend, ehe sie ihre Beine aus dem Bett schwang, und dann ihre Kleidung zusammen suchte. Sie streifte den Rock über, knöpfte ihre Bluse zu und entschied, dass sie weder einen Blazer noch eine Weste überziehen wollte. Sie griff nach dem in Gryffindor Farben gehaltenen Schlips und band sich diesen lässig um den Hals. Ihre Haare band sie zu einem leicht unordentlichen, hohen Pferdeschwanz und ignorierte die Strähnen, die immer wieder aus dem Pferdeschwanz entfleuchten und ihr ins Gesicht fielen. Das Mädchen schüttelte resignierend den Kopf, griff nach ihrer Ledertasche und sortierte ihre Unterlagen, Bücher und ihre Schreibutensilien für den heutigen Tag und verließ dann ihr Zimmer.

Zum Teufel mit Miss Perfect, dachte sie noch als sie sich im Bad ihre Zähne putzte und dabei einen Blick auf ihre Erscheinung erhaschte. Sie sah nicht nach dem Mädchen aus, welches sie all die Jahre gewesen war. Ihre Haare waren schon immer wild gewesen, aber umso ordentlicher hatte ihre Uniform immer gesessen. Sie hatte noch nie so ausgesehen wie jetzt. Ihre Uniform war zwar faltenfrei und sie saß auch richtig, aber sie hatte sie noch nie so locker getragen. Sie hatte ihre Bluse sonst immer ganz akkurat in ihren Rock gesteckt, den Schlips eng an ihren Hals gebunden – natürlich mit einem perfekten Knoten. Heute saß ihre Bluse nicht so glatt und die obersten zwei Knöpfe waren geöffnet. Es sah einfach nicht nach ihr aus. Und sie sah es sofort. Und es würde jeder Andere auch sehen und um ehrlich zu sein … es war ihr gleich. Sie zuckte mit den Schultern, wusch sich ihr Gesicht und verließ dann das Bad um Daphne im Gemeinschaftsraum zu treffen.

„Verdammt nochmal Malfoy – es gibt Leute die wollen auch noch unter die Dusche.", kreischte Ginny schon beinahe und klopfte mehrfach gegen die Badezimmertür.

Alle Bäder waren besetzt – wobei das Bad, in dem Malfoy sich befand, am längsten besetzt war. Er hatte sich in diesem verschanzt und das schon seit über vierzig Minuten. In Ginnys Augen war sein Verhalten egoistisch und eigentlich sollte es sie wohl nicht wundern.

„Ist er immer noch da drin?"

„Würde ich sonst so schreien?", fragte sie Blaise genervt, der sich neben sie gestellt hatte. Dieser hob beschwichtigend die Hände.

„Ganz ruhig. Ich mach doch nichts, brauchst deine Krallen nicht gleich ausfahren Kätzchen."

„Wie hast du mich eben genannt?"

„Na Löwen sind doch wohl große Katzen oder nicht?"

Ginny verzog ihr Gesicht. Sie wollte gerade zu einer Antwort ansetzen, als die Tür plötzlich aufging.

Malfoy trat heraus und Ginny eilte sofort in das Badezimmer, schloss die Tür hinter sich ab und begab sich unter die Dusche. Sie würde sich nicht noch mehr Zeit von Slytherins stehlen lassen.

„Guten Morgen.", schallte es unisono aus den Mündern von Hermione und Daphne, dabei hörte sich Hermione ziemlich müde an, während Daphne quietschfidel klang.

„Du siehst ganz schön müde aus.", kommentierte Tracey Hermiones Erscheinungsbild und erntete einen kurzen, leicht gereizten Blick. Zu mehr war Hermione gerade wirklich nicht in der Lage.

Hermione und Daphne setzten sich zu den Anderen, wobei ihr auffiel, dass sie keineswegs vollzählig waren. Natürlich fiel ihr auch sofort auf, dass Draco noch nicht da war. Oder schon weg war. Sie konnte sich da natürlich nicht sicher sein. Vielleicht hatte er auch einfach nicht so lange geschlafen wie sie und war schon gegangen.

Sie bemerkte gar nicht, dass sie vor sich hin gestarrt hatte, als das leichte Kichern von Tracey zu ihr vordrang. Sie hob ihren Kopf, um das Mädchen anzusehen, die ihren Kopf nun schief legte. Ein leichtes Grinsen umspielte ihre Lippen. „Er war noch nicht hier."

„Ich weiß nicht wovon du sprichst.", murmelte die Brünette und goss sich Kaffee ein. Ihre Hand zitterte fürchterlich dabei, es gelang ihr dennoch nichts zu verschütten.

„Natürlich nicht."

Hermione wusste, dass es albern war es zu leugnen. Vor allem vor Tracey. Es war immerhin kein großes Geheimnis, dass Hermione an Draco hing. Auch wenn sie es gerne zum Geheimnis machen würde. Es war ihr schon beinahe unangenehm, dass jeder ihre Schwäche für ihn zu sehen schien.

„Falls es dich dennoch interessieren sollte – er sieht genauso fürchterlich aus wie du. Brauchte vierzig Minuten im Bad … und selbst danach sah er noch müde aus.", fuhr Tracey fort und rührte in ihrem Kaffee. Es sollte beiläufig wirken, doch Hermione wusste, dass sie es gesagt hatte um sie etwas zu bestärken. Aber worin? Das Draco sie auch vermisste? Nach einer getrennten Nacht? Oder das es nicht albern war an ihm zu hängen? Hermione wusste es nicht genau und um ehrlich zu sein, machte diese Information sie keineswegs glücklicher.

„Du solltest wirklich etwas essen gehen. Du siehst außerdem aus als könntest du einen starken Kaffee vertragen.", redete Pansy auf Draco ein, der aber nur den Kopf schüttelte und den Flur hinab starrte.

„ich gehe noch eine Runde fliegen bevor der Unterricht anfängt."

„Draco ..."

„Nein Pans, sag nichts. Geh und iss was, wir sehen uns später.", winkte er nur ab und verschwand auch schon den Gang hinab. Er ließ Pansy zurück, die nur ihren Kopf über sein Verhalten schütteln konnte.

„Die Zwei benehmen sich wie die größten Idioten."

„Du sagst es.", seufzte ein ziemlich genervter Blaise. Er hatte sich in einen der großen Ohrensessel fallen lassen. Er konnte kaum glauben, dass er sich freiwillig zu Longbottom, Potter und Wieselette setzte, aber auch er machte sich Sorgen um seinen Freund. So wie die drei sich Sorgen um Granger machten.

„Die Frage ist, wie können wir ihnen helfen.", murmelte Ginny weiter, doch Harry schüttelte nur seinen Kopf.

„Wir können uns da nicht einmischen Gin. Das ist eine Sache zwischen den Beiden."

„Sehe ich ähnlich … wir haben uns alle sowieso schon zu viel eingemischt und ihnen nur Probleme gemacht.", stimmte Daphne zu. Sie, Pansy und Tracey saßen auf dem Boden vor dem Kamin und genossen die Wärme der Flammen in ihren Rücken.

„Ich denke, dass die Zwei einfach etwas Zeit brauchen. Sie waren von heute auf Morgen gezwungen miteinander auszukommen und von Heute auf Morgen sind sie getrennt. Sie haben sich an einander gewöhnt und sich … lieb gewonnen, wenn man das so sagen kann, da kann man nicht erwarten, dass alles sofort wieder beim Alten ist."

„Trace – ich will dir ja prinzipiell nicht widersprechen, aber das ist doch Schwachsinn. Was die Zwei brauchen ist nicht Zeit, sondern Grips. Die sind so doof und blind, dass sie nichts sehen außer ihren komischen … Ängsten, Zweifeln und was weiß ich was noch in deren Köpfen rumschwirrt.", grummelte Blaise und schüttelte seinen Kopf. „Vor zwei Monaten noch hätte ich gesagt, es gibt kein Mädchen auf der Welt, dass Draco den Kopf verdrehen kann. Und dann seh ich den Idioten heute und denke mir nur – wie sehr man sich doch irren kann."

„Gut dann … lassen wir den Zweien etwas Zeit und wenn bis dahin keine Besserung erfolgt spielen wir Amor?", schlug Daphne also vor und sah in die Runde.

„Und wie lange schlägst du vor?"

„Was wäre realistisch?"

„50 Jahre bei den Beiden – so viel Zeit haben wir aber nicht. Sagen wir … bis Weihnachten?"

„Nein, Neujahr. Wenn die Zwei bis dahin immer noch ihrem Glück im Wege stehen, dann sorgen wir dafür, dass ihr neues Jahr zusammen beginnt."

„Romantisch, Wieselette.", schmunzelte Blaise.

„Ich nehme das mal als Kompliment, auch wenn es nicht so klang.", sagte die Rothaarige lediglich.

„Gut dann bis Neujahr – hoffen wir mal, dass wir nicht intervenieren müssen.", beendete Daphne das Thema und erhob sich.

„Wohin?"

„ … ich hab ein Date.", gab die Blondine nach einer Weile zu. Sie war von dem einen Fuß auf den Anderen getreten, sie hatte sogar leicht verlegen gewirkt.

„Oh? Mit wem das denn?", fragte Pansy sofort neugierig wie sie eben war.

„Top Secret. Wir sehen uns.", zwinkerte die Blondine schließlich und verließ die Gruppe schneller, als sie Anderen schauen konnten.

„Apropos Date – Neville, gehen wir spazieren? Ich könnte etwas frische Luft vertragen.", schlug Tracey vor und Neville lächelte die Slytherin freudig an. Er nickte, erhob sich von seinem Platz und reichte Tracey seine Hände um ihr aufzuhelfen – ganz Gentleman eben.

„Langsam komme ich mir gemobbt vor. Alle haben Dates, oder potentielle Interessenten und ich liege abends in meinem Bett und lese im Muggelkundebuch Artikel über Elvis. Ich wette Longbottom hat bald ein besseres Sexleben als ich.", murrte Pansy, als Neville und Tracey außer Reichweite waren. Sowohl Blaise, als auch Ginny und Harry mussten darauf lachen.

„Ich weiß nicht, wieso ihr lacht. Ich finde es tragisch.", schmollte die Slytherin und verschränkte ihre Arme vor der Brust.

„Du solltest nicht so negativ sein. Du bist doch hübsch und doof bist du auch nicht. Es sollte doch ein Leichtes sein Dates zu finden. Vielleicht hast du es einfach nur noch nicht versucht.", versuchte Harry nun zu schlichten. Er bemerkte Ginnys Seitenblick nicht, als er gesagt hatte, dass Pansy hübsch wäre. Er war zu beschäftigt damit dem Slytherin Mädchen etwas Selbstbewusstsein zu schenken.

„Potter, ich danke dir vielmals, aber das macht es nicht wirklich besser. Während du mir hier halbherzige Komplimente machst, halten Longbottom und Trace Händchen und Daphne züngelt wahrscheinlich schon mit ihrem Date rum.", seufzte sie. „Ich finde ja, dass ein riesiger Eisbecher das alles doch besser machen würde. Aber ich habe keine Lust alleine zur Küche zu laufen. Begleitet mich einer von euch?"

„Fein, ich begleite dich. Ich will dich ja nicht nur mit halbherzigen Komplimenten abspeisen."

„Wie großherzig der goldene Junge doch ist.", seufzte Pansy theatralisch und fasste sich dabei an ihre Brust, um es noch dramatischer wirken zu lassen.

„Kommst du auch mit Gin?"

„Nein nein … ich bleib hier. Geht ihr zwei nur.", sagte die Rothaarige zügig und sah zu wie ihr Freund sich erhob. Es behagte ihr irgendwie nicht, aber sie konnte nicht einmal wirklich ausdrücken, was sie genau störte. Sie war doch wohl nicht eifersüchtig auf Pansy Parkinson? Oder?

Sie waren noch keine zehn Sekunden verschwunden, da spürte sie Blaise Blick auf sich haften und es irritierte sie enorm.

„Was?"

„Du weißt, dass er nicht ihr Typ ist. Und er vergöttert dich. Das sieht man."

„Bitte?"

„Du weißt genau was ich meine."

„Warum sagst du mir das? Als wenn ich deine Bestätigung bräuchte. Ich weiß, dass Harry mich liebt. Und selbst wenn Parkinson ihn wollen würde … er liebt mich ...", redete sich die Rothaarige schon in Rage, wurde dabei aber von Blaise Lachen unterbrochen.

„Es ist doch so – wenn ihr nicht miteinander befreundet seid, dann seht ihr Frauen doch andere Frauen immer als Konkurrenz oder etwa nicht? Es liegt quasi in euren Genen. Und ich kann doch sehen, dass es dir nicht gefällt, dass er sich bemüht. Es weckt deine innere Raubkatze, die ihrer Rivalin die Augen auskratzen will, auch wenn es absurd ist."

„Du bist doch verrückt."

„Nein … ich durchschaue nur was du denkst und du wunderst dich darüber, weil Potter es nicht tut. Oder dein Bruder. Oder irgendein anderer Kerl, dem du deine Zeit bisher gewidmet hast."

„Das ist der schlechteste Anmachspruch, den ich je gehört habe.", brachte das Mädchen hervor – es war eine Mischung aus prusten und knurren und war somit kaum definierbar.

„Nein nein Liebes, das war kein Anmachspruch. Meine sind im Normalfall ziemlich gut und würden auch dann funktionieren, wenn du so wie es nun einmal der Fall ist – in einer Beziehung bist. Außerdem, wenn du den als den schlechtesten bezeichnest – kannst du wohl keine wirklich schlechten kennen."

„Na dann los … nenn mir einen schlechteren."

Blaise zuckte nicht einmal mit der Wimper, als er den wohl schlechtesten Anmachspruch rezitierte, den er wohl jemals gehört hatte. Der arme Greg hatte ihn einmal verwendet und sich dafür eine gefangen. Verdient gefangen, musste man dazu sagen. „Wenn deine Beine sich jemals streiten sollten, sag mir Bescheid – ich gehe gerne dazwischen."

Ginny starrte Blaise lange sprachlos an ehe sie losprustete.

„Merlin – der ist wirklich schlecht."

„Sag ich doch. Viel schlechter, als das was ich dir gerade gesagt hab Rotschopf. Außerdem war es die Wahrheit. Denk darüber nach."

Blaise erhob sich von seinem Platz und als er bei der Couch angekommen war, blieb er kurz stehen und sah noch einmal zu ihr herüber. „Vielleicht solltest du auch einmal darüber nachdenken, ob du wirklich jemanden willst, der dich so gar nicht zu verstehen scheint … und noch nicht einmal bemerkt, wenn etwas nicht in Ordnung ist."

Ginny wollte ihm am liebsten eine verpassen, doch sie war von seiner Dreistigkeit zu schockiert. Beinahe gelähmt. Und als sie ihre Fassung wieder gewann, da war er auch schon weg.

„Schön zu sehen, dass es dich mal wieder hierhin verschlägt."

Hermione sah von ihrem Buch hoch. Sie hätte es gar nicht tun müssen, denn sie erkannte Seamus Stimme sofort.

„Ich habe viel nachzuholen. Ich … hatte zu wenig Zeit um mich auf den Unterricht zu konzentrieren. Ich war nicht wirklich in der Lage dazu. Jetzt muss ich wohl einige Nachtschichten einlegen, wenn ich meinen eigentlichen Zeitplan immer noch einhalten möchte."

„Du solltest dich aber auch etwas erholen. Es muss alles sehr anstrengend gewesen sein."

Hermione sah zurück zu ihrem Buch und starrte die aufgeschlagene Seite vor ihr an. Es war schon seltsam. Vor einiger Zeit hätte sie Seamus sofort zugestimmt – lautstark und aus vollem Herzen. Heute fühlte es sich falsch an, denn es war zwar anstrengend gewesen, ja, aber es war es auch Wert gewesen.

„Ich bevorzuge es, mich weiter dem Lernen zu widmen, aber ich danke dir. Ich meine … für deine Sorge.", sagte sie schließlich und sah wieder zu ihrem Mitschüler herüber, der sich nun neben sie auf die Bank schwang. Sie hatte alleine sein wollen. Sie hatte stundenlang lesen und arbeiten wollen, damit ihr Kopf und ihr Herz sie nicht um den Verstand brachten. Der Plan war gescheitert.

„Natürlich sorge ich mich um dich."

Hermione fühlte wie ihre Finger anfingen zu zittern. Seamus Stimme war ganz sanft geworden und er war so nahe gerückt, dass sich ihre Beine berührten. Sie erinnerte sich außerdem an seine Bitte – ein Nachmittag in Hogsmeade – und ihr wurde bewusst, dass er ihr versuchte näher zu kommen.

Sie würde sich geschmeichelt fühlen, wenn sie könnte, aber es gelang ihr nicht. Sie war zu verwirrt wegen ihrer plötzlichen Trennung von Draco und er ging ihr auch nicht aus dem Kopf. Sie konnte nicht über Seamus nachdenken und schon gar nicht über sein plötzliches Interesse an ihr.

„Seamus ..."

„Ja?"

Das Mädchen biss sich auf ihre Unterlippe, ehe sie ihr Gesicht zu seinem herum drehte um ihn ansehen zu können.

„Auf die Gefahr hin, dass ich das alles hier missverstehe – ich fühle mich geschmeichelt. Wirklich. Ich … mag dich und ich will auch mit dir nach Hogsmeade. Ich rede gerne mit dir und wir kennen uns schon so lange ...", setzte sie an und stoppte, als sie in seinen Augen sah, dass er wohl schon eine gewisse Ahnung zu haben schien. Sie wirkten plötzlich weniger strahlend.

„Du magst ihn tatsächlich."

„Es wäre einfach falsch, verstehst du? Ich will dir nichts vormachen. Und ich bin im Moment auch zu … verwirrt. Ich würde es nur noch schwieriger machen und das will ich nicht."

„Ich kann warten. Falls du es dir anders überlegen solltest.", sagte er schließlich und Hermione seufzte leise. Sie war erleichtert, denn sie hatte mit einem Ausbruch gerechnet. Sie kannte Rons Reaktionen und sie hatte immer angenommen, dass viele männliche Wesen genau so waren wie er.

Sie war umso überraschter, als er ihr sanft eine Strähne hinter ihr Ohr strich und sie dabei mit einem liebevollen Blick bedachte. Es war seltsam, aber es sorgte dafür, dass ihr ganz warm wurde. Sie hatte einfach nicht damit gerechnet, dass Seamus tatsächlich solche Gefühle für sie hegen könnte. Und sie hatte schon gar nicht mit dieser Ruhe gerechnet. Und diesem Verständnis für sie und ihre Situation.

„Dann lass ich dich wieder alleine – ich glaube ich störe dich nur."

Hermiones Hand wanderte zu seiner, die noch immer an ihrer Wange lag. Es schien, als wollte er diesen kleinen Augenblick genießen. Und das war schmeichelhaft und gab ihr ein unglaubliches Gefühl. Sie hatte sich nur selten als Mädchen wahrgenommen gefühlt – aber Seamus gab ihr in diesem klitzekleinen Moment einen wirklichen Selbstbewussteinsschub. Ihre Finger legten sich auf seine Hand und es fühlte sich so an, als würde sie ihn zum ersten Mal in ihrem Leben wirklich berühren. Sie war sich sicher, dass sie ihn schon öfter angefasst hatte. Sie hatten sich schon umarmt, sich die Hand gegeben, oder ähnliches – aber zum ersten Mal fühlte es sich nach einer wirklichen Berührung an. Sie nahm ihn zum ersten Mal wirklich wahr.

„Danke."

Seamus lächelte nur und erhob sich dann. Ihre Hand lag noch immer auf seiner, als er neben ihr stand und es fiel ihm sichtlich schwer sich von ihr zu lösen, doch er tat es nach einigen Sekunden.

„Schlaf später gut."

„Du auch."

Hermione sah ihm noch lange nach. Er war schon einige Minuten fort, als sie sich endlich aufrappelte und sichwieder ihrem Buch widmete, doch wieder einmal gelang es ihr nicht sich auf die Worte in ihrem Buch zu konzentrieren.

Diesmal dachte sie aber nicht über Draco nach, sondern über Seamus und warum ihr noch nie aufgefallen war, dass er Interesse an ihr haben könnte.

„Wo warst du die ganze Zeit?"

„Du bist nicht meine Mutter – und auch nicht mein Vater."

„Stimmt, aber Mann, du musst dich zusammen reißen. Du warst heute bei keiner einzigen Mahlzeit und hast die ersten Stunden geschwänzt."

„Danke Vater, wirklich.", knurrte Draco Theo an und versuchte ihn abzuschütteln. Theo folgte ihm aber – sogar bis in sein Zimmer.

„Ich kann mich nicht erinnern, dich hierhin eingeladen zu haben."

„Hast du auch nicht – aber ich will mit dir reden."

„Und ich nicht mit dir – das war ja ein schnelles Gespräch."

„Draco..."

„Was willst du? Ich bin müde, ich will schlafen."

„Ich … ach vergiss es."

„Gehst du dann?"

Theo schüttelte nur seinen Kopf und drehte sich herum.

„Komm einfach zum Unterricht Mann. Mehr will ich nicht."

Draco rollte mit den Augen und warf sich auf sein Bett sobald Theo gegangen war. Er ließ es so einfach klingen, so als könnte er einfach so dasitzen und zusehen wie einfach es ihr zu fallen schien. Sie meldete sich. Sie beteiligte sich am Unterricht und sie wirkte so lebendig. Sie wirkte lockerer, gelassener. Und er … er bekam sie nicht aus dem Kopf und wie er ihren warmen Körper neben seinem Vermisste.

Er war verloren und sie … sie schien gerade wieder anzufangen zu leben.