Kapitel 42:
„Was schleppst du da mit dir herum?", fragte ein völlig irritierter Theo, als Hermione einen ganzen Berg voll Zeitschriften auf den Frühstückstisch fallen ließ.
„Das mein lieber Theodore sind Artikel, Berichte, Bilder über Rockabilly. Pansy bat mich ihr mit dem Kostüm zu helfen, also tue ich es auch. Und was wäre besser als Bildmaterial und Hintergrundinformationen um sich richtig in ein Thema einzufinden?", begann Hermione in ihrem typischen Streberton, den jeder von ihr kannte. Die altbekannte Miss Know it all war zurück.
„Da hast du dir ganz schön Mühe gegeben um mir zu helfen.", stellte Pansy fest und starrte auf den Berg an Zeitschriften, ehe sie nach der Ersten griff und diese durchblätterte. Sie blieb an einigen Bildern hängen … Frauen in High Waisted Jeans, Hemden, die unter ihrer Brust geknotet waren und die ihre Haare mit bunten Tüchern zusammen hielten.
„Es gibt verschiedene Ansätze von Rockabilly – zumindest wenn wir nur die Mode betrachten.", sagte Hermione sofort und öffnete eine andere Zeitschrift und deutet auf eine Bildstrecke von Damen in Petticoats und mit kunstvoll gelockten Haaren. „Das lässt sich dadurch erklären, dass Rockabilly vor allem eine Unterart des Rock'n'Rolls ist. Vor allem Südstaatler, meist weiße Musiker haben sich durch den schwarzen Rhythm and Blues inspirieren lassen und es mit Country Musik vermischt. Man sieht es auch an der Mode – man sieht den Rock'n'Roll Aspekt – sieh dir die Lederjacken an, oder die Tattoos, die in den Fotos zu sehen sind. Oder die Peeptoes bei den Frauen. Aber dann haben wir auch das ländliche von der Country Musik in den Kleidern – wie die Hemden, oder die flachen Schuhe.", begann Hermione ihren kleinen aber sauber vorbereiteten Vortrag. Sie hatte natürlich gemerkt, dass ihr mittlerweile nicht nur Pansy zuhörte, sondern auch viele der anderen Mitschüler.
„Aber wenn, es so viele Varianten gibt … wie entscheide ich dann was das Passende ist um zu gewinnen?", fragte Pansy nachdem Hermione mit ihrem Minutenlangen Vortrag geendet hatte. Sie hatte noch über diverse Musiker gesprochen, über den kleinen Wirkungskreis der Musikrichtung – immerhin kam er nie aus den Südstaaten heraus – aber auch über den Einfluss, den der Rockabilly ausgeübt hatte und was für ein Revival er gehabt hatte.
„Ich glaube das es Professor Trainor nicht um eine perfekte Umsetzung geht, sondern um deine eigene Interpretation … und das du einen Rockabilly Stil für dich findest, der zu dir und deinem Typ passt. Nimm die Zeitschriften als Inspiration und probier dich aus. Es wird etwas dabei sein in dem du dich wohl fühlst und das solltest du nehmen."
„Hast du für dich selbst schon etwas gefunden?", fragte Pansy schließlich und sah von der Zeitschrift hoch, die Hermione ihr zuletzt gegeben hatte. Dort waren Frisuren gezeigt und wie man sie erzielen konnte. Gar nicht so einfach wie es aussah.
„Aber sicher. Ich hab als Kind immer gerne Grease geschaut – ein Film der zu dir Zeit spielt. Naja eigentlich ein Musical. Wie dem auch sei, ich hab mich schon zeitig für die Musik interessiert und damit für Filme, die zu der Zeit spielen, die Kleider, worum es eigentlich damals wirklich ging."
„Kannst du jemals einfach nur kurz und knapp antworten Granger?", fragte Blaise sie dann und Hermione zog ihre Augenbrauen zusammen. Sie nickte aber, denn sie wollte nicht unhöflich sein, so wie er es war.
„Es ist nicht unbedingt mein Stil – aber ich finde ihn schön und dementsprechend besitze ich tatsächlich selber einige Teile, die diesem Stil entsprechen. Ich hatte immer gedacht es würde ein Halloween kommen an dem ich so etwas anziehen würde, aber offenbar kommt etwas anderes schon eher.", sagte sie lediglich und zuckte nur mit den Schultern. Was sollte sie denn auch noch mehr sagen?
„Du sagst uns also nicht, was du genau anziehst?"
„Das wäre doch langweilig. Ich kann euch eigentlich nur sagen, dass es sich absolut außerhalb meiner Wohlfühlzone befindet. Sowohl von der Kleidung her, als auch was das Make up und die Haare anbetrifft."
Pansy nickte und griff nach der nächsten Zeitschrift, um diese durchzublättern. Bald taten es ihr die Anderen nach und während sie die letzten Tage eher am Tisch miteinander gesprochen hatten, so stöberten sie an diesem Tag alle in den Zeitschriften und ließen sich inspirieren.
„Verrätst du mir denn, was du anziehen willst?", fragte Draco, als er sich neben Hermione in Arithmantik nieder ließ. Hermione sah zu ihm herüber und schmunzelte leicht, schüttelte aber ihren Kopf.
„Das wäre ungerecht Draco. Wenn, dann seht ihr es alle gleichzeitig."
„Du bist ganz schön gemein. Und ich dachte du präsentierst mir heute Nachmittag dein Kostümchen."
Hermione musste grinsen. „Tu nicht so als würde es dich wirklich interessieren was ich an habe.", sagte sie dann in gespielt empörten Ton, worauf er seine Augen verdrehte. Natürlich auch auf eine spielerische Art und Weise.
„Als würde ich mich nur dafür interessieren, was du drunter hast."
„Gut dann .. bleibe ich demnächst angezogen, wenn es dich nicht zu interessieren scheint."
Draco lachte leise auf. Sie war wahrlich eine Meisterin darin ihm die Worte im Munde herumzudrehen.
„Das besprechen wir wohl besser nach dem Unterricht.", sagte er schließlich nur, denn der Unterricht begann und er wusste wie wichtig er ihr war. Er hatte sie lange genug abgelenkt und er wollte nicht der Grund für ihre Unaufmerksamkeit sein.
„Schlauere Worte haben noch nie deinen Mund verlassen.", trietzte sie ihn noch einmal, ehe sie sich ganz dem Unterricht widmete.
„Es sieht so aus, als wärst du erfolgreich gewesen."
„Huh?", fragte Pansy wenig eloquent, als sie von ihrer Lektüre hochsah. Sie hatte etwas Zeit zwischen den Stunden und in dieser Zeit hatte sie durch die Zeitschriften blättern wollen. Sie brauchte das perfekte Kostüm.
„Naja, ich hab dir gestern einen Rat gegeben. Du wirkst heute ausgelassen und zufrieden. Also musst du wohl erfolgreich gewesen sein."
„Irrtum Blaise, ich bin einfach nur noch ins Bett gegangen. Ich hab ausgeschlafen, eine schöne heiße Dusche genossen und mich von Hermione berieseln lassen – ich bin keineswegs besser gelaunt als gestern.", entgegnete sie lediglich und schlug das Heft zu, denn sobald Blaise da war – und das wusste sie genau – würde sie keine Gelegenheit mehr haben in Ruhe die Bilder zu studieren.
„Armes Mädchen.", neckte er sie und tätschelte ihr Knie, als er sich neben sie fallen ließ. Die Dunkelhaarige seufzte und lehnte sich zurück. Sie wusste, dass er durchaus recht hatte. Sie war wirklich sehr neugierig und es schien sie zu faszinieren was in dem Leben der Anderen passierte. Und er hatte wohl auch damit recht, dass ihre Faszination daher rührte, weil in ihrem eigenen nichts geschah. Traurig aber wahr.
„Wie kommst du mit deiner Liste voran?", fragte Blaise schließlich und Pansy zuckte mit den Schultern.
„Die ersten zwei Hinweise sind nicht sonderlich aussagekräftig. Deine?"
Blaise schüttelte den Kopf. Auch er hatte keinerlei Ahnung wer sich hinter seiner Liste verbergen könnte.
„Ich wette wir versagen alle – bis auf Hermione. Die löst jedes Rätsel im Handumdrehen, sogar diesen dummen Zauber hat sie aufgelöst.", murmelte die Dunkelaarige und bemühte sich nicht neidisch zu klingen. Ein schwieriges Vorhaben.
„Jeder hat seine Vorzüge Pans – sie ist schlau, aber das ist auch nicht alles.", gab Blaise zu bedenken und Pansy rollte ihre Augen.
„Danke Blaise, aber Potter ist wirklich besser im Aufmuntern. Du bist eingerostet."
„Uhhh lala. Hab ich da etwa irgendwelche Flausen in deinen Kopf gesetzt?"
„Nein. Keinesfalls. Ich habe nur eine Feststellung getätigt. Du solltest an deinen Fähigkeiten arbeiten, sonst wird das nichts mit Operation Rotschopf.", gab Pansy noch von sich ehe sie sich von der Couch erhob. „Und wenn du mich jetzt entschuldigen würdest, ich habe noch Unterricht. Und du bestimmt auch."
Blaise sah Pansy nach. Es machte ihm nichts aus ein paar Minuten zu spät zu kommen. Bestimmt nicht. Er brauchte noch etwas um darüber nachzudenken was Pansy gesagt hatte. Hatte er wirklich sein Feingefühl verloren? Brauchte er das überhaupt für Ginny Weasley? Wahrscheinlich, denn Potter schien auch keines zu besitzen – zumindest nicht bei ihr, denn ihm fielen diese kleinen Dinge einfach nicht auf. So wie ihm.
Blaise runzelte die Stirn, beschloss dann aber das es keinen Sinn hatte darüber nachzudenken und griff stattdessen noch einmal nach der Liste in seiner Hosentasche.
Vergissmeinnicht sind meine Lieblingsblumen. Meine Mutter hat mir irgendwann ein riesiges Bild gemalt, worauf Vergissmeinnicht zu sehen sind, denn leider töte ich jede Pflanze auf der Welt. Selbst die in unserem Garten.
Mein Dad hat mich bei meinem ersten Kuss erwischt. Es endete nass – wir bekamen Beide ganz schön viel kaltes Wasser über den Kopf geschüttet.
Blaise war sich sicher, dass er ein Mädchen gezogen hatte, denn einerseits konnte er sich nicht vorstellen das irgendein Junge Vergissmeinnicht als seine Lieblingsblume bezeichnen würde. Und andererseits weil die Punkte so detailliert waren. Eindeutige Zeichen. Und mehr konnte er daraus aber auch wirklich nicht schließen. Er fragte sich langsam wirklich, ob er jemals auf die Person kommen würde, wenn alle Punkte so vage waren und ihn nicht einmal in eine bestimmte Richtung lenken konnten.
Er schob das Papier wieder in seine Hosentasche und stand von der Couch auf. Er war jetzt schon zehn Minuten zu spät … aber es interessierte ihn auch nicht weiter.
„Du siehst wirklich ganz schön scheiße aus."
„Danke Ginny.", murrte Ron und sah seine Schwester mit zusammen gekniffenem Blick an.
„Liebend gerne.", grinste die Rothaarige und setzte sich neben ihren Bruder. Sie waren alleine, aber wahrscheinlich nicht lange. Es war Mittagszeit und sie Beide waren einfach nur zeitig da. Die Halle war allgemein noch nicht gut besucht.
„Du solltest dich zusammen reißen. Ich meine ich versteh dich. Ich weiß wie sehr du dir gewünscht hast, dass es klappt. Ehrlich. Aber du hast es verbockt und du siehst ja … wie die Sache sich entwickelt hat. Ich weiß ich habe leicht reden, aber als deine Schwester verbiete ich dir zu schmollen. Ich will irgendwann Neffen und Nichten haben und du wirst sie mir geben, verstanden?"
Sie hatte ernst begonnen und dann lustig geendet. Sie musste selbst schmunzeln und sie freute sich, dass auch Ron leicht lächelte. Das hatte sie seit Tagen nicht mehr bei ihm gesehen.
„Du klingst wie Parkinson."
„Was?", fragte das Mädchen irritiert und drehte sich nun mehr zu ihrem Bruder. Sie war neugierig auf die Erklärung.
„Naja … sie sagte so etwas wie … sie würde davon ausgehen, dass ich mich anderweitig tröste.", sagte er dann und runzelte die Stirn. „Absurd oder?"
Ginny verzog ihr Gesicht etwas.
„Naja Parkinson habe ich noch nie ganz verstanden um ehrlich zu sein.", gab Ginny zu und zuckte die Schultern. „Aber weißt du was? Sie alle verstehen sich mittlerweile so gut. Ich fühle mich richtig … außen vor irgendwie. Selbst Parkinson und Hermione verstehen sich. Weißt du was ich meine? Und ich sitze da und denke mir nur … wann ist das passiert?"
„Ja ich versteh was du sagen willst.", murmelte Ron leise vor sich hin. Er verstand so viele Veränderungen hier in Hogwarts nicht. Es war als wäre die Dynamik eine völlig Andere geworden.
„Vielleicht müssen wir einfach nur … offener sein?", murmelte die Rothaarige, doch ehe Ron antworten konnte setzten sich auch schon einige ihrer Mitschüler zu ihnen. Susan und Hannah setzten sich ihnen gegenüber, Terry nahm neben Ron Platz und neben ihn setzten sich Seamus und Dean. Damit war dieses Gespräch beendet, denn weder Ron noch Ginny wollten es vor den Anderen weiter führen.
„Die Anderen sind noch nicht da?", wunderte sich Seamus.
„Nicht wirklich. Wir warten hier schon einige Minuten.", gab Ginny zurück.
Hannah grinste leicht und beugte sich dann über den Tisch zu den Anderen, so als wolle sie nicht, dass alle Anderen Slytherins es mitbekamen.
„Die waren eben alle noch im Gemeinschaftsraum. Ich weiß gar nicht mehr wieso ich in mein Zimmer wollte, aber da stand ich plötzlich und es wurde lautstark diskutiert. Ich hab erst nicht verstanden worum es ging. Und auch nicht wer sich da eigentlich gestritten hat und irgendwann standen Harry und Zabini einander gegenüber und haben sich die Hand gereicht, so als wollten sie eine Abmachung besiegeln.", erzählte Hannah und schlug ihre Beine unterm Tisch übereinander. „Ich hab dann von Pansy erfahren worum es ging. Die stand nämlich irgendwann neben mir und grinste vor sich hin. Sie meinte, dass Zabini wohl gesagt hätte – dass er nicht verstünde warum nicht alle Gryffindors so wie Hermione und Neville sich ihre Partner in anderen Häusern suchen würden, denn offenbar wären Gryffindors langweilig und bräuchten etwas mehr … Aufregung und Spannung. Natürlich hat Harry das als Provokation gesehen – ich meine wer hätte das nicht, immerhin ist er ja mit dir zusammen Ginny – und meinte, dass es ja wohl nicht daran läge und das Gryffindors untereinander eine Beziehung führen könnten, ohne das sie langweilig würde. Es ging wohl eine ganze Weile hin und her und dann haben sich auch noch Ernie und Justin eingemischt. Und letztlich haben sie wohl beschlossen einen Wettbewerb zu veranstalten. Jeder Junge darf mitmachen und sich bei mehreren Aufgaben beweisen. So wie ich verstanden habe, wollen sie den nach dem Rockabilly Fest veranstalten."
Ron zog eine Augenbraue hoch.
„Die haben sonst nichts zu tun?"
„Du kennst euch Jungs doch Ron. Ihr müsst immer eure Schwä...", Ron hielt ihr sofort eine Hand vor den Mund, als er jedoch fühlte wie sie ihn in einen seiner Finger biss, ließ er sofort von ihr ab und verzog sein Gesicht schmerzhaft. „ … vergleichen. Und ich … schätze es nicht, dass du mich zensierst Bruderherz. Ich bin alt genug um solche Dinge zu sagen. Dankeschön."
Hannah und Susan lachten und auch Seamus, Terry und Dean konnten sich ein Lachen nicht verkneifen. Die Dynamik zwischen den Geschwistern war ungewöhnlich, aber lustig mit anzusehen.
„Macht ihr mit?", fragte Hannah dann und sah zu den anwesenden Jungs.
„Es ist alles ganz schön viel oder? Erst diese Listengeschichte, dann die Muggelwoche … jetzt das hier? Es ist so als will keiner von uns … Ruhe. Das ist beängstigend."
Hannah sah Dean an und für einen Sekundenbruchteil wollte sie ihm tatsächlich zustimmen, ehe sie den Kopf schüttelte.
„Es ist unser letztes Jahr. Wir haben alle viel durchgemacht und ich glaube gerade deswegen machen wir so viel. Wir wollen gar nicht zur Ruhe kommen. Wir wollen das letzte Jahr so richtig … wahrnehmen. Alle Erfahrungen mitnehmen, die wir können, uns alle besser kennen lernen als wir es bisher getan haben … wir haben in Zukunft immer noch Zeit uns auszuruhen. Wenn du nicht mitmachen willst, klar … verstehe ich, aber ich vermute es werden noch viele solcher Ideen folgen, denn ich glaube – und eigentlich bin ich mir da ziemlich sicher – dass ich nicht die Einzige bin, die es so sieht. Und solange es alles freundschaftlich und einigermaßen friedlich abläuft … warum sollten wir es dann nicht auch genießen?"
„Blaise warte."
Blaie drehte sich auf dem Absatz um und sah direkt in die kampflustigen Augen von Hermione Granger. Sie wirkte irgendwie aufgebracht.
„Was willst du denn Granger?"
„Du bist auffällig. Und es liegt nicht an mir dich zurecht zu weisen, aber ich will dir nur einen guten Ratschlag geben, einfach weil ich es tatsächlich gut mit dir meine. Wenn du etwas für Ginny übrig hast, dann spiel keine Spielchen. Ich bin nicht blind und wir sind Freundinnen – die reden nun Mal miteinander – deswegen schau mich gar nicht erst so empört an. Ich meine dieser Wettbewerb klingt witzig und glaube es wird uns alle tatsächlich erheitern … aber wenn es hier um Ginny geht, dann solltest du dich nicht drauf verlassen, dass Harry sich vor allen lächerlich macht und du den Superhelden spielen kannst. Das würde sie nicht interessieren."
Blaise leckte über seine Unterlippe, während er sich die perfekten Worte zurecht legte. Er wusste, dass wenn er mit Hermione Granger sprach, er ganz genau drauf achten musste was er sagte. Und wie er es sagte. Außer es war ihm nicht ernst, dann konnte er weiterhin seine dummen Sprüche reißen. Warum auch nicht?
„Ich will ihn gar nicht vor ihr bloß stellen. Ich habe nur vor zu beweisen, dass jeder von uns andere Qualitäten hat."
„Spielt ja auch keine Rolle Blaise. Ich meine es wirklich gut. Beweis ihr ruhig, was du für Qualitäten hast, aber … tu es nur wenn du es ernst meinst. Ich liebe Harry wie einen Bruder und Ginny ist meine beste Freundin. Und zu meiner eigenen Überraschung mag ich dich – ich will nicht zwischen verschiedenen Stühlen stehen müssen."
„Du magst mich?", grinste der Dunkelhäutige Slytherin dann und Hermione rollte ihre Augen.
„Denk dran Blaise, spiel keine Spielchen.", mahnte sie noch einmal und ging dann an ihm vorbei. Sie hatte ihn gewarnt – mehr würde sie nicht tun. Es war nicht ihre Angelegenheit. Sie liebte Harry und sie würde es hassen, wenn es jemand wagen würde ihm weh tu tun. Ob es nun Ginny war oder Blaise … oder Beide. Aber sie würde sich auch niemals Ginny in den Weg stellen, wenn sie meinte etwas tun zu müssen. Wenn sie sich tatsächlich auf Blaise einlassen sollte – sie könnte es irgendwo tatsächlich verstehen.
Hermione schüttelte ihren Kopf und seufzte lautstark. Seit wann dachte sie so? Und warum fühlte es sich nicht einmal schlecht an so zu denken?
„Wieso hast du dich auf so einen dummen Wettbewerb eingelassen?"
„Wieso siehst du mich so vorwurfsvoll an?"
„Harry … ich dachte wir wollen es einfach ruhig angehen lassen. Ein einziges Mal.", murrte Ginny, während sie auf dem Weg zu ihrer letzten Stunde waren. Harry und sie hatten bisher noch keine Gelegenheit gehabt zu sprechen, als er sie aber gerade abgeholt hatte um gemeinsam mit ihr zur nächsten Stunde zu gehen, spürte sie ihre Gelegenheit.
„Es ist doch nur ein kleiner Wettkampf. Es ist auch eher als Spaß zu sehen. Nichts ernstes.", beschwichtigte Harry sie, doch Ginny schien sich darauf gar nicht wirklich einlassen zu wollen.
„Es läuft nur wieder auf Streitereien hinaus. Wenn Gryffindors und Slytherins miteinander konkurrieren, dann endet es immer in Streit.", schlussfolgerte sie und verschränkte ihre Arme vor der Brust.
„Wenn ich dir verspreche mich nicht zu Streiten, lässt du dann locker?"
„Wem willst du überhaupt etwas beweisen Harry? Ich muss nicht anhand von dummen Spielchen sehen, dass du ein guter Freund bist. Ich weiß es auch so.", sprach Ginny etwas lauter als gewollt und blieb vor dem Klassenraum stehen. Sie hatte sich herumgedreht um Harry direkt ins Gesicht schauen zu können.
„Seit wann siehst du so etwas überhaupt so ernst Gin?"
Ginny schüttelte ihren Kopf, verdrehte dann ihre Augen und seufzte. „Vergiss es. Mir ist das zu doof. Mach was du nicht lassen kannst."
Ginny wusste, dass sie überreagierte. Es lag aber vor allem daran, weil Harry diesen Wettbewerb mit Blaise ausgemacht hatte. Der Slytherin ging ihr nicht aus dem Kopf und wenn sie gegen einander antraten, dann befürchtete sie, dass Blaise ein ganz anderes Motiv für den Wettkampf hatte. Sie wollte nicht dabei zusehen und immer daran denken müssen, dass Blaise ihr vielleicht damit imponieren wollte. Sie wollte gar nicht an Blaise denken.
Die Weasley ließ Harry einfach so vor der Tür stehen und ging in den Klassenraum. Immer noch in Gedanken versunken, setzte sie sich neben ihre beste Freundin und hoffte, dass sie einfach nur Gespenster sah und es eine lustige Veranstaltung sein würde.
Harry unterdessen wusste nicht was er falsch gemacht hatte. Er hatte nicht angenommen, dass Ginny sich so über diese Idee ärgern würde. Er hatte angenommen, dass sie es als eine lustige Idee sehen würde. Stattdessen stritten sie deswegen und das missfiel ihm. Vor allem da ihre Reaktion einfach nicht zu ihr passen wollte.
„Potter – der Unterricht findet drinnen statt. Vielleicht solltest du dich rein bewegen?", sprach Pansy ihn plötzlich an und er zuckte dabei richtig zusammen. Seine Augen glitten zu ihr herüber und er musste fest stellen, dass sie ihn mit großen, neugierigen Augen anblickte. Sicherlich fragte sie sich was wohl alles NICHT mit ihm stimmte.
„Ja ich weiß. Ich ...", begann er, brach dann aber ab. Er war ihr ja wohl keine Erklärungen schuldig, oder?
„Schon gut. Aber komm jetzt mit rein, sonst sind wir Beide zu spät und das würde nachsitzen bedeuten."
Noch immer starrte er das Mädchen an und bewegte sich kein Bisschen, was sie zum Lachen brachte.
„Also wenn du mit mir alleine sein willst Potter, sag doch einfach was. Wir brauchen kein Nachsitzen als Ausrede um alleine zu sein.", zwinkerte das Mädchen, ehe sie ihn in Richtung Klassenzimmer schob. Sie wollte Blaise damit einen Gefallen tun. Und sie wollte Potters Reaktion sehen. Und wie erwartet wirkte er noch verwirrter als zuvor schon. Es war zu komisch.
Vielleicht könnte sie sich ja tatsächlich daran gewöhnen Zeit mit Potter zu verbringen … auch wenn es lediglich ihrem Amusement und Blaises Avancen gegenüber Wieselette diente.
„Mr Potter, Miss Parkinson … wie schön, dass sie es auch noch zu uns geschafft haben. Haben sie in ihren Zeitplan geschaut und sich überlegt – schön ich habe tatsächlich etwas Luft und könnte ja mal dem Unterricht beiwohnen, ja?", schnarrte die Professorin vorne und legte den Kopf schief, dabei wirkte sie paradoxerweise bedrohlich, gelangweilt und empört zugleich. „Ich bin mir sicher sie werden Heute Abend auch noch etwas Luft haben um zum Nachsitzen zu erscheinen. Wenn nicht, dann werden sie sich Luft machen müssen. 8 Uhr. Und jede Minute, die sie versäumen holen sie doppelt nach.", mahnte sie nun.
Die Klasse lachte, nur Harry und Pansy nicht. Und Ginny, die ihr Gesicht nun zu ihrem Freund herum drehte und schreien könnte. Es gefiel ihr einfach nicht, dass Parkinson immer wieder um Harry herum schwirrte, als wäre er eine Blume und sie eine Honigbiene. Ihre Augen verengten sich, als sie sich wieder herum drehte und zur Professorin starrte.
„Wohl eher wie eine läufige Katze und nicht wie eine Honigbiene.", murmelte sie schließlich vor sich hin, worauf sie einen fragenden Blick von Hermione kassierte. Sie ignorierte ihn aber. Es gab nichts zu sagen. Und schon gar nicht zu Hermione, die ihr am Ende auch nur so dumme Ratschläge geben würde wie Blaise.
Dieses Schuljahr war verflucht und dabei hatte sie gehofft endlich Mal etwas Spaß zu haben.
Verflixtes achtes Jahr.
