Kapitel 43:
„Jetzt erklär mir mal wieso du nicht mit Harry redest.", forderte Hermione Ginny auf und hakte sich bei ihrer Freundin unter, während sie sich auf den Weg zum Abendessen machten.
Hermione hatte erst nach der letzten Unterrichtsstunde die komischen Schwingungen verspürt und als Harry mit Ginny hatte reden wollen, hatte die Rothaarige sich einfach weg gedreht und war gegangen. Harry hatte verletzt drein geblickt, aber hatte nur den Kopf geschüttelt, als Hermione ihren Mund geöffnet hatte um zu fragen. Hermione hatte natürlich nicht mehr gefragt. Sie wollte keinerlei Grenzen überschreiten. Schon gar nicht bei Harry.
„Er verhält sich wie der letzte Idiot. Dieser dumme Wettstreit. Sag mir wem das etwas bringen soll?", regte sich die Weasley auf und Hermione spürte, dass da mehr war als sie offen zu gab. Es war nicht nur der Wettstreit. Warum sollte sie sich darüber auch aufregen. Sie alle stritten immer um etwas wett. Ob es beim Quidditch war, oder was die Noten anging. Sogar jetzt mit diesem Rockabilly Fest. Und auch die Listen, wenn man es genau nahm. Sie waren in einem ständigen Wettstreit gefangen, was also war an diesem verkehrt?
„Und nun sagst du mir alles was noch in deinem Kopf vor sich geht, weil das glaube ich dir nicht. Also das es nur um den Wettstreit geht."
Ginny biss sich auf ihre Unterlippe und dann zog sie Hermione in einen kleinen Seitengang. Hermione betrachtete ihre Freundin, wie sie sich gegen die steinerne Wand hinter ihr lehnte und zu Boden schaute. Sie scharrte mit ihren Füßen wie ein aufgescheuchtes Huhn und ihre Gesichtsfarbe war seltsam – sie war richtig bleich, während ihr Hals und ihre Ohren langsam rot wurden.
„Verdammt Mione – er hat diesen Wettstreit mit Zabini ausgemacht. Ich weiß nicht was ich davon halten soll. Warum ausgerechnet Zabini. Das ist doch Wahnsinn. Was wenn er Harry bloß stellen will, oder versucht ihn zu provozieren?"
„Oder was wenn er den Wettstreit veranstaltet um dir besser zu gefallen meinst du."
Ginny seufzte und ließ ihren Hinterkopf gegen die Wand knallen. Es gab ein lautes Geräusch von sich, doch Ginny verzog nicht einmal ihr Gesicht dabei.
„Und dann ist da Parkinson, die irgendwie um Harry herum schleicht."
„Was?"
Ginny rollte ihre Augen und sah zu Hermione herüber, die ehrlich verwirrt aussah.
„Hast du das nicht bemerkt? Heute auch. Sie kamen Beide zu spät … und sitzen jetzt auch noch gemeinsam nach."
„Ich glaube du siehst Dinge, die nicht da sind Ginny. Wirklich. Also ich kann mir irgendwie nicht vorstellen, dass Pansy auf Harry steht.", meinte Hermione ganz offen heraus und schüttelte ihren Kopf.
„Aber siehst du es denn nicht? Sie macht ihm schöne Augen."
Ginny wusste, dass sie höchstwahrscheinlich wahnsinnig klang. Aber sie sah es so deutlich, wieso niemand sonst?
„Ich glaube du verwechselst zwei Dinge Ginny. Slytherins sind offen und sie flirten gerne. Auch mit Menschen, die vergeben sind. Sieh dir die Anderen einfach genauer an. Sie machen das alle. Das bedeutet nicht, dass da tatsächliches Interesse ist."
„Also soll ich einfach zulassen, dass sie sich an meinen Mann ranmacht?"
Ginny klang aufgebrachter, als sie beabsichtigt hatte, aber es war zu frustrierend. Nun nahm sogar Hermione Parkinson in Schutz. Was war aus Hogwarts geworden? Nichts war mehr so wie es gewesen war. Selbst Slytherins und Gryffindors schienen sich zu verstehen … das war doch nicht normal.
„Ginny – beruhig dich. Erstens ist Harry nicht dein Mann. Er ist dein Freund und zweitens sollte es doch keinerlei Problem geben, wenn du ihm vertraust. Dann weißt du, dass egal wie sehr sie mit ihm Flirten sollte, er sich nicht drauf einlassen würde. Harry ist anständig, er würde dir nie fremdgehen. Vielleicht flirten und Komplimente machen, aber doch nicht mehr. Dazu wäre er niemals in der Lage."
Ginny schüttelte ihren Kopf und kniff ihre Augen zu. Sie verhielt sich wie ein kleines Kind und das wusste sie auch. Aber sie hasste es, dass Hermione nicht auf ihrer Seite war. Sie hasste, dass sie Parkinson in Schutz nahm. Und Harry. Und sie hasste es, dass sie auch noch Recht hatte.
„Mir ist nicht mehr nach Essen. Wir sehen uns später.", sagte Ginny und ging an Hermione vorbei. So schnell, dass Hermione es nicht einmal schaffte ihr etwas nachzurufen. Sie lief noch um die Ecke, aber da war Ginny schon verschwunden.
„Was ist los mit dir? Du siehst irgendwie frustriert aus."
„Bin ich auch. Aber das besprechen wir wohl lieber wenn wir alleine sind.", gab Hermione Draco leise zu verstehen. Sie saßen am Abendbrottisch nebeneinander. Sie wollten nicht auffällig sein – Draco wollte es nicht um genau zu sein. Aber das nebeneinander Sitzen hatte sich ja bewährt und er sah keinen Grund, warum es irgendjemand hinterfragen würde.
Hermione war noch immer frustriert, weil Draco es nicht öffentlich machen wollte, aber sie war auch zu müde um sich jeden Tag deswegen in die Haare zu bekommen. Solange sie wenigstens etwas von ihm bekam, war sie schon zufrieden. Sie wusste, dass Rom auch nicht an einem Tag erbaut wurde.
„Und jetzt erklär mir noch einmal wie du dir Nachsitzen eingefangen hast Pans.", wechselte Draco sofort das Thema und drehte sein Gesicht zu Pansy herum, die ihm schräg gegenüber saß. Direkt neben Blaise, dessen Augen im Raum umher wanderten. Er schien etwas zu suchen und Draco wusste auch genau wen. Er kannte ihn zu gut.
„Ich war zu spät, so einfach war das. Potter stand vor der Tür wie angewurzelt und ich dachte mir noch, dass er zu spät kommen würde. Ich wollte ausnahmsweise nett sein und ihn dazu bewegen hineinzugehen … aber wie das Schicksal es so wollte, waren wir dann Beide zu spät dran.", zuckte die Dunkelhaarige mit den Schultern und schlug ihre Beine unterm Tisch über einander.
„Das solche Sachen auch immer dir passieren müssen ...", neckte Draco sie und Pansy rollte ihre Augen, ehe sie sich einem anderen, offenbar interessanterem Gespräch zuwendete.
„Wenn ich es nicht besser wüsste, würde ich meinen sie legt es drauf an Zeit mit Potter zu verbringen.", murmelte Draco vor sich hin und Hermione spitzte ihre Ohren. Sie wusste nicht, ob es für sie bestimmt gewesen war, aber sie hatte ganz genau verstanden, was er gesagt hatte und sie überkam ein ganz seltsames, flaues Gefühl.
„Glaubst du wirklich?", fragte sie schließlich und ihre Augen wanderten zu ihm herüber. Sie spürte seine Hand auf ihrem Oberschenkel und sie bewegte ihre sofort zu seiner. Ihre Finger verflochten sich miteinander und sie spürte wie immer dieses angenehme Ziehen in ihrem Bauch … und das Kribbeln noch dazu.
„Ich weiß es nicht. Sie verwirrt mich in letzter Zeit. Ich kann sie nicht mehr so gut lesen wie ich es vorher konnte. Sie ist anders geworden."
„Nur weil sie dir nicht mehr nachrennt … und du deswegen ihre Schritte nicht voraus ahnen kannst meinst du?", zog Hermione ihn auf und Draco verzog sein Gesicht etwas. Er wusste aber, dass sie wahrscheinlich recht damit hatte. Er hatte sie vermutlich deswegen so gut lesen können, weil er immer die Person gewesen war, die sie begehrt hatte. Alles hatte sich immer um ihn gedreht und wie sie ihn kriegen konnte. Nun schien sie diese Idee verworfen zu haben und das machte aus ihr eine weniger berechenbare Person. Deutlich interessanter noch dazu.
„Ich weiß nicht … es würde mich irgendwie nicht wundern, wenn die Zwei sich verstehen würden. Du verstehst dich immerhin auch mit ihr. Oder mit Blaise. Vielleicht interessiert sie sich einfach plötzlich für alle anderen Menschen.", gab er dann seinen Gedanken freien Lauf und hoffte, dass es so einigermaßen Sinn ergab, was er da sagte.
Hermione seufzte, nickte dann aber. Sie hoffte, dass er Recht behielt und es nur das war. Sie konnte sich gar nicht vorstellen, was es für ein Chaos geben würde, wenn Blaise UND Pansy versuchen würden Ginny und Harry auseinander zu bringen.
Hermione wollte gerade noch etwas sagen, als sie aus ihrem Augenwinkel sah wie Daphne sich erhob. Sofort erregte sie damit die Aufmerksamkeit mehrerer Personen.
„Wohin?"
„Immer so neugierig Pans. Ich hab noch was vor. Mehr verrate ich dir nicht, du Laberstrippe.", sagte Daphne und streckte Pansy dabei spielerisch die Zunge heraus. Sie hatte als Einzige auch nicht mehr ihre Schuluniform an. Das fiel Hermione erst jetzt auf. Sie hatte den Rock und die Bluse durch ein Shirtkleid ersetzt und diese mit langen Stiefeln kombiniert. Sie sah nicht zu herausgeputzt aus, aber Hermione konnte nicht anders, als sich einzugestehen, dass auch sie Daphne attraktiv fand. Vor allem, wenn sie ihre Haare so wie heute in lockeren, großen Locken trug und sie nicht mehr als ihre blauen Augen mit etwas Mascara betonte.
Daphne hatte die Gruppe schnellen Schrittes verlassen und kaum war sie weg begann wieder das Gerede.
„Ich würde zu gerne wissen mit wem sie sich trifft.", murmelte Pansy und seufzte lautstark.
„Pans."
„Was denn? Ich weiß zumindest, dass es nicht Wieselbee ist.", sagte Pansy stolz über ihre Entdeckung und Hermione spürte wie sie sich an ihrer eigenen Spucke verschluckte. Sie hustete mehrfach und alle sahen sie mitleidig an. Sie alle dachten wohl, dass sie sich so erschrocken hatte bei dem Gedanken an Ron und Daphne, dabei hatte sie sich eher erschrocken, weil sie allen Anderen zwei Schritte voraus war. Und weil sogar Pansy im Dunkeln tappte.
„Es ist doch gar nicht deine Sache. Ich meine sie kann doch sehen wen sie will.", versuchte Hermione sich dann, doch Pansy rollte ihre Augen.
„Wir sind Freunde und ich finde sie schuldet mir so viel Ehrlichkeit. Ich will doch alle Details wissen. Von Anfang bis Ende. Angefangen mit dem ersten Kuss bis zu den pikanten Sachen … und das detailliert. Größe, Länge ...", Hermione spürte wie ihre Wangen feuerrot wurden. Pansy sah es natürlich und musste lachen.
„Als ob du Wieselette nie erzählt hast wie es ist. Ich meine … mit Wieselbee, oder mit Krum damals … oder jetzt."
Hermiones Herz schlug immer fester und sie konnte schwören, dass alle Anderen es bestimmt auch hören konnten. Es war ihr so unangenehm.
„Pans..."
„Was denn? Wir sprechen unter Frauen hier. Misch dich nicht ein.", winkte Pansy Draco ab, der natürlich zu Hilfe kommen wollte. Er wusste ja wie unangenehm Hermione diese Themen noch immer waren. Sie war offener ja, aber meist auch nur ihm gegenüber. Er konnte sich nicht vorstellen, dass sie hier vor allen offen reden würde. Und dann auch noch mit Pansy.
„Du irrst dich tatsächlich. Ich hab mit Ginny nie wirklich … irgendwelche Details besprochen. Ich hab über Krum geredet – damals – ja, aber da hab ich mit Harry gesprochen und das war … entsetzlich unangenehm. Und über Ron hab ich nie gesprochen. Ich hätte es unpassend gefunden – Harry ist sein bester Freund und Ginny seine Schwester. Wem hätte ich da irgendetwas erzählen sollen? Und jetzt ...", Hermione biss sich auf ihre Unterlippe und seufzte.
„Wenn du reden willst – du weißt ja das meine Tür offen steht.", bot Pansy ihr erstaunlicherweise an und Hermione fühlte eine seltsame Erleichterung. Es bedeutete für sie sowohl das Pansy ihr gerne zuhören wollte, aber auch das sie dieses Gespräch hier nicht weiter vertiefen wollte. Das Letztere war besonders wichtig in Hermiones Augen. Sie hatte keinerlei Bedürfnis dieses Gespräch fortzuführen.
„Zurück zu Daph … ich frage mich echt wieso sie nichts sagt.", murmelte Pansy noch immer schmollend, worauf Blaise nur lachte.
„Du weißt zumindest wer jetzt gerade fehlt – es schränkt doch deine Auswahl etwas ein, findest du nicht?"
Pansy rollte ihre Augen und knuffte ihn in die Seite. „Ich weiß – aber es fehlen viele. So muss ich ja sogar Wieselette und Potter in Betracht ziehen. Und das mein Freund – halte ich für sehr unwahrscheinlich."
Hermione hörte nicht mehr wirklich zu. Tausend Gedanken spukten durch ihren Kopf und verwirrten sie mehr und mehr. Sie dachte über Blaise nach und über Ginny. Ihr gingen Pansy und Harry nicht aus dem Kopf. Auch Daphne lies ihr keine Ruhe und dann dachte sie seit langem wieder über Viktor und Ron nach. Ihr Kopf fühlte sich an, als müsse er bald platzen.
„Gin."
Ginny drehte ihren Kopf herum und sah Harry an, der in ihrer Tür stehen geblieben war. Er war sich nicht sicher, ob er reinkommen durfte oder nicht.
„Was denn?"
„Können wir nicht zumindest drüber reden?"
Ginny seufzte und drehte sich wieder weg. Sie starrte auf die Pergamentrolle vor ihr. Sie hatte versucht sich den Aufgaben für Verwandlungen zu widmen, aber sie kam nicht voran. Immer wieder dachte sie über Harrys Worte nach und auch über Hermiones. Sie fragte sich, ob sie wirklich schon so paranoid geworden war.
„Ich hab nicht viel Zeit, ich muss gleich nachsitzen, aber ich mag es nicht wenn wir uns streiten. Wenn du nicht mit mir redest.", sprach Harry weiter und ging einige Schritte auf sie zu. Er hatte seine Hände auf ihre Schultern gelegt und drückte ihr einen Kuss auf die Schläfe, doch das Mädchen verzog nicht einmal ihr Gesicht dabei. Sie war noch immer wütend.
Aber langsam wusste sie nicht einmal mehr genau auf wen sie wütend war.
„Kannst es ja gleich mit deiner neuen besten Freundin analysieren.", murmelte die aufgebrachte Gryffindor und verschränkte ihre Arme.
Harry zog verwirrt eine Augenbraue hoch. „Neue beste Freundin?"
„Parkinson."
„Wovon sprichst du eigentlich?"
„Oh verdammt Harry, siehst du es denn auch nicht. Sie schleicht um dich herum wie … eine schwarze Witwe, die ihr Opfer sucht.", sie war stolz auf ihren Vergleich, doch Harry sah sie nur irritiert an. Ginny stand auf und ging um ihn herum zum Fenster. Sie starrte hinaus und schüttelte dabei den Kopf. Sie war wirklich wahnsinnig oder? Sie glaubte doch wirklich was sie da sagte … sie wurde wirklich paranoid.
Aber sie konnte es dennoch nicht abschütteln.
„Ich glaube du siehst Gespenster Gin. Ich will mich hier einleben so wie es die Anderen gemacht haben. Man versteht sich untereinander und ich will nicht, dass wir die Einzigen sind … die an alten Mustern festhalten. Verstehst du?", sprach Harry schnell und ging wieder auf seine Freundin zu. Er legte seine Arme um ihre Taille und lehnte sein Kinn gegen ihre Schultern. Sie ließ es fürs erste sogar zu.
„Und ich glaube, dass du da etwas verwechselst. Den Versuch freundlich zueinander zu sein mit … Interesse.", murmelte Harry und Ginny grummelte. Sie drehte sich in ihren Armen und er konnte in ihren Augen sehen, dass es damit nicht getan war. Sie war der festen Überzeugung, dass es Grund zur Sorge gab. Er konnte es sehen.
„Sie ist also nicht dein Typ?"
Harry war so überrascht von der Frage, dass er es nicht einmal schaffte eine Antwort zu formulieren. Er brauchte so lange, dass Ginny den Kopf enttäuscht schüttelte. Sie löste sich von ihm und starrte dann an ihm vorbei zur Tür.
„Du solltest gehen. Sonst kommst du wieder zu spät.", sagte sie schließlich in einem so kühlen Ton, dass Harry erschrak. Er hatte es vermasselt.
Er wagte es nicht einmal ihr noch einen Kuss zu geben. Er verließ den Raum und ließ eine mehr als aufgebrachte Ginny zurück.
„Du bist wahnsinnig."
„Nein, ich will dir nur eine Freude machen.", grinste Daphne. Sie streckte ihre Hände nach ihr aus und zog sie zu sich auf die Decke.
Daphne war wohl schon immer die romantischste Slytherin gewesen, aber damit hatte sie sogar sich selbst übertroffen. Ein Picknick bei Sonnenuntergang war schon etwas besonderes. Sie hatte sich extra beim Abendessen beeilt, damit sie noch einige Minuten des Sonnenunterganges mitbekamen.
„Und du willst uns weit weg von den Anderen halten."
Daphne schüttelte ihren Kopf und streckte ihre Beine weit von sich. Sie wollte das alles nicht geheim halten, aber sie hatte irgendwie auch Angst. Sie kannte ihre Freunde und sie wusste, was es bedeuten würde ehrlich zu ihnen zu sein. Es würde die ersten Tage Fragen regnen und man würde sie aufziehen. Und sie wusste weder Antworten auf die Fragen, noch wollte sie damit aufgezogen werden. Es war ihr tatsächlich ernst und sie wollte es nicht direkt wieder ruinieren.
„Ich will uns vor neugierigen Mitschülern retten."
„ich kritisiere es nicht. Ich finde es schön, dass wir so viel alleine sind."
Daphne lächelte und lehnte sich vor. Sie war nur noch weniger Millimeter entfernt, als sie ein Rascheln und dann ein Knacken vernahm. Sofort schreckte Daphne auf und hob ihren Zauberstab.
„Was willst du denn hier?", fragte sie schließlich und ließ ihren Zauberstab wieder sinken.
„Ich wollte nur spazieren gehen.", gestand Ron Daphne schließlich und sah zwischen den beiden Mädchen hin und her, ehe seine Ohren ganz rot wurden.
„Ich hab euch Beide gesehen und ich weiß nicht … ich wollte glaube ich hallo sagen. Und da hab ich etwas von eurem Gespräch mitbekommen und da wollte ich wieder umdrehen.", gestand der Gryffindor und seine Ohren wurden wenn es denn möglich war noch röter.
Daphne sah zu Megan herüber, die nur mit ihren Schultern zuckte.
„Und du wirst es jetzt allen erzählen?", fragte Daphne schließlich, doch Ron schüttelte sofort seinen Kopf.
„Warum sollte ich denn? Es geht mich doch auch nichts an. Ich geh auch wieder.", sagte er schnell und drehte um. Er stolperte auf dem Weg zurück zum Schloss mehrfach über seine eigenen Füße so sehr beeilte er sich. Daphne kam nicht drumherum darüber zu lachen.
„Glaubst du ihm das?"
Daphne drehte ihren Kopf wieder zu Megan herüber und nickte. Sie vertraute Weasley seltsamerweise in diesem Fall.
„Spielt aber auch keine Rolle. Wenn er es weiter erzählen sollte, dann weiß es eben jeder. Ich meine … irgendwann wird es sowieso so weit sein."
Megan lächelte leicht. „Soll das heißen, dass das mit uns Beiden länger halten soll?"
Daphne strich über Megans Wange und lehnte sich wieder ein Stück zu ihr herüber. „Ich habe nicht vor dich so schnell wieder gehen zu lassen, Meg."
Und da presste Daphne ihre Lippen feste auf Megans und ließ damit jede weitere Frage verstummen.
„Also was ist los mit dir?"
Hermione ließ sich auf ihr Bett fallen und starrte an die Decke. Sie wusste selbst nicht mehr so genau, was sie alles beschäftigte. Sie wusste nur, dass es zu viel war.
„Ich glaube einfach, dass es alles einfach so kompliziert geworden ist. Ich hatte ein ruhiges letztes Jahr geplant und sieh dir an was daraus geworden ist?"
Draco hatte sich neben sie gesetzt und sah auf sie herunter. Es wirkte aber nicht so, als würde sie mehr sagen wollen. Es frustrierte ihn auf eine Art und Weise, dass sie nicht einfach mit der Sprache rausrückte. Er wusste aber auch, dass sie schon noch mitteilen würde, was ihr Problem war.
„Hogwarts zieht Unruhe an.", schmunzelte er schließlich, worauf sie ihm einen bösen Blick zu warf. Als sie sein irritiertes Gesicht sah, wurden ihre Gesichtszüge weicher. Sie wusste, dass er nichts dafür konnte. Sie wusste auch, dass er sie eigentlich nur zum Lachen bringen wollte.
„Harry und Ginny hatten Streit. Und irgendwie ist das alles … wegen Blaise und Pansy passiert. Aber ich glaube es liegt nicht wirklich an den Beiden. Und als du heute gesagt hast, dass Pansy seltsamerweise um Harry herumschleicht da dachte ich für eine Sekunde, dass ich Ginny unrecht getan hab. Das sie doch keine Gespenster sieht...", setzte die Gryffindor an und schüttelte dann ihren Kopf. Sie machte keinerlei Sinn. Vor allem nicht, weil Draco ja gar nicht alles wusste. Konnte er ja auch gar nicht wissen.
„Und warum belastet es dich?"
„Weil die zwei meine Freunde sind.", sagte sie sofort und sah Draco mit festem Blick an. Er hatte sie schon lange nicht mehr so bestimmend gesehen. So selbstsicher.
„Und das bedeutet, dass dich all ihre Probleme auch belasten müssen?", hinterfragte er weiter und Hermione verdrehte ihre Augen.
„Nein, aber ich mache mir Sorgen. Ich weiß nicht wie deine Freundschaften funktionieren, aber meine … wir kümmern uns umeinander und wir sorgen uns. Wenn es einem meiner Freunde nicht gut geht, dann … geht es mir auch nicht gut."
Hermiones Stimme hatte zu zittern angefangen und es fühlte sich an als hätte sie einen Kloß im Hals.
„Du bist nicht Schuld daran, dass die Zwei Streit haben Mione."
Die Brünette setzte sich auf und sah ihn schon beinahe wütend, aber auch frustriert an.
„Das weiß ich auch. Ich … du verstehst das einfach nicht.", murrte sie sofort und drehte ihr Gesicht von ihm weg. Wieso verstand er denn nicht, was ihr eigentliches Problem war?
„Dann erklär es mir.", forderte er und es erstaunte Hermione wie hartnäckig er sein konnte. Sie hätte nicht damit gerechnet, dass er es sein würde. Sie hatte angenommen, dass er sie in Ruhe lassen würde.
„Sie sind wieder hier. Nicht weil sie sich für die Schule interessieren … und für ihren Abschluss. Nein sie sind aus einem einzigen Grund wieder hier. Das bin ich. Ich bin der Grund. Sie kommen hierher und finden was vor? Eine … absolut veränderte Situation. Wir alle vertragen uns einigermaßen und alte Feindschaften … wir versuchen sie zu begraben. Die Drei sind noch nicht soweit. Ihnen fehlen diese Tage, die wir zusammen hatten und die uns schon einige Schritte weiter gebracht hat."
Hermione war von ihrem Platz aufgesprungen und lief nun vor dem Bett hin und her, während Draco sie einfach nur ansah und versuchte ihren Gedankengängen zu folgen. Nicht unbedingt einfach.
„Ich hab mit Ginny geredet und ihr gesagt, dass sie sich irrt – verstehst du? Ich hab ihr gesagt, dass Pansy keinerlei Bedrohung darstellt und das sie Dinge sieht, die nicht da sind. Aber dann meinst du auch noch, dass es so aussieht als würde es Pansy drauf anlegen Zeit mit Harry zu verbringen und ich fühle mich wie eine schreckliche Freundin. Schrecklich. Und die Sache mit Blaise ...", Hermione fühlte wie ihr Kopf zu explodieren drohte. Es pochte richtig.
„Was ist mit Blaise?"
„Ach jetzt tu nicht so. Du bist sein bester Freund. Du siehst doch auch, dass er Ginny Avancen macht. Und dieser dumme Wettbewerb mit Harry … es ist einfach lächerlich."
„Du glaubst er will ihm Wieselette ausspannen?", fragte Draco und zog eine Augenbraue hoch.
„Nein … ich glaube, dass er anständig genug ist das nicht so zu tun. Also … ich … ich weiß es nicht. Ich weiß nur, dass Ginny es schmeichelhaft findet, ich sehe es ihr an. Aber Blaise mischt sich da in etwas ein, was sich so lange und langsam entwickelt hat. Es war abzusehen das Ginny und Harry irgendwann zusammen finden. Sie gehören zusammen."
„So wie du und Wiesel?"
Hermione blieb stehen und sah ihn irritiert an.
„Was?"
„Deine Begründung für Wieselette und Potter ist die Gleiche wie für dich und Wiesel. Es war abzusehen und es hat sich lange und langsam entwickelt. Und seid ihr noch zusammen?"
„Was willst du damit sagen? Das Harry und Ginny nicht zusammen passen? Oder was willst du mir sagen?"
„Verdammt noch einmal – nein. Hör mir zu. Du argumentierst wie eine Idiotin. Du verteidigst diese Beziehung mit Argumenten … aber wäre nicht das einzig logische Argument für eine Beziehung … Gefühle?"
Hermione sah ihn an. Er war richtig wütend geworden und war deswegen einige Schritte auf sie zu gekommen.
„Du kannst logisch begründen so viel du willst, aber manchmal haben Gefühle doch nichts mit Logik zu tun, oder?", er war vor ihr stehen geblieben und sah auf sie herunter. Hermione fühlte wie ihr Herz immer schneller schlug, wenn er so nah bei ihr stand. Vor allem aber hatte sie das Gefühl, dass er hier nicht nur über Harry und Ginny sprach. Er sprach auch von sich selbst. Und von ihr. Und irgendwie auch von Ron.
„Eigentlich haben Gefühle nie etwas mit Logik zu tun.", gab sie zu und spürte wie er ihr sanft eine Haarsträhne aus dem Gesicht strich. Seine Finger berührten ihre Haut kaum, weswegen sie eine Gänsehaut bekam.
„Jetzt sprichst du wohl eher von dir oder?", schmunzelte er und Hermione biss sich auf die Unterlippe.
„Misch dich nicht ein. Sei für Beide da. Egal was passiert. Egal ob Pansy sich an Potter ranmacht oder nicht, egal ob Blaise sich für Wieselette interessiert oder nicht. Du bist ihre Freundin und das sollst du bleiben, aber du kannst sie nicht vor allem beschützen. Und du kannst ihnen keine Entscheidungen abnehmen."
„Wann bist du so weise geworden?"
„Ich habe einige Zeit mit einer sehr schlauen Hexe verbracht, weißt du?"
„Und wo ist sie jetzt gerade, vielleicht könnte sie mir ein paar Tipps geben.", schmunzelte die Brünette.
„Ich glaube, dass sie im Moment etwas überfordert ist. Und deswegen schafft sie es einfach nicht sich selbst und anderen gute Ratschläge zu geben."
„Und was sollte sie tun um zu entspannen, damit sie aus dieser Überforderung herauskommt?"
„Ich hab da so einige Ideen."
„Und die wären?"
Draco legte seine Arme um ihre Taille und presste seine Lippen gegen ihre Stirn, ehe er zu ihrem Ohr hinab küsste.
„Ich glaube dass wir mit einem heißen Bad anfangen."
„Und was wenn uns jemand sieht?"
„Dann sieht uns eben jemand."
Hermione fühlte wie ihr Herz schneller zu schlagen begann. War das seine Art ihr zu sagen, dass es ihm egal war, was die Anderen dachten?
„Bleibst du dann heute auch … über Nacht?"
Draco grinste nur und zog sie enger an sich heran.
„Du fragst mich so, als gäbe es da die Option ‚nein' zu sagen."
Sie grinste, während er sie aus dem Zimmer und dann in Richtung Badezimmer führte.
