Kapitel 5

Kate beobachtete, wie Castle in dem Moment auf die Füße sprang, als sie das sagte und Jacqui in seiner Eile zu ihr zu kommen, von sich wegschob. Die andere Frau hüpfte regelrecht auf dem Bett und schaute mit irritiertem Blick zu, wie Castle durch den Raum eilte. Seine Hände umfassten Kates Taille und hielten sie fest, da der Wunsch, wegzurennen sehr deutlich auf ihrem Gesicht abzulesen war.

Natürlich wurde er nicht umgebracht. Er war viel zu sehr beschäftigt damit, flach gelegt zu werden.

"Lass es mich erklären", sagte er und drückte ihre Seite und zog sie zu sich heran, so dass die Schwellung ihres Babybauches zwischen sie gepresst war.

"Ich kann es kaum erwarten", spottete sie.

Er nahm das als die Einladung an, die er benötigte und nahm ihre Hand um sie mit sich zu ziehen. Er führte sie weg durch den Flur, durch den sie gerade gekommen war, am Zimmer vorbei, wo Susan gerade Howard gefunden hatte, der weitaus Schlimmeres tat, als das, wie Kate Castle vorgefunden hatte. Sie liefen die Treppen hinauf und er tastete nach dem Lichtschalter, schaltete das Licht an und ließ das Erdgeschoss in weißem Licht schimmern.

"Castle..."

Er drehte sich zu ihr um und umfasste sie wieder. Seine Finger strichen ihren Rücken hinab, fuhren über ihre angespannte Muskulatur in genau der Weise, die sie zum Schmelzen brachte, wie er ganz genau wusste.

"Ich habe nur versucht Informationen über unseren Fall zu erhalten", bot er eine Erklärung an. "Vertraue mir. Ich hatte keine Ahnung davon, was sie tatsächlich von mir wollte, als sie mich einlud."

Ein wenig ihrer Unsicherheit verschwand, der feste Knoten in ihrem Magen löste sich etwas, war aber immer noch da, als sie tief einatmete und versuchte sich weiter zu beruhigen. Es half jedoch nicht die Enge in ihrer Brust zu lösen oder die brennende Eifersucht, die sie plagte.

"Das hättest du ja tun können, ohne dass sie gleich auf dir sitzen musste", fuhr sie ihn an und funkelte ihn durch ihre Wimpern an. "Oder zu versuchen dich fesseln zu lassen."

Er hielt sie etwas fester. Seine Hände trafen sich am Ende ihrer Wirbelsäule und hielten sie fest.

"Ich habe das versucht", antwortete er. "Aber sie hat mein ‚Nein' nicht akzeptiert." Er hielt inne und versuchte sich zu konzentrieren, was sie wieder unsicher werden ließ. "Kommt dir das auch bekannt vor?"

Ihr Mund verzog sich, ihr wütender Blick wurde stärker mit dem Hochziehen der Augenbrauen und das ließ ihn zusammen zucken, als er seinen Fehler bemerkte.

"Richtig, das sollte ich wahrscheinlich eher nicht anführen", bemerkte er.

Mit einem Nicken und einem Laut der Zustimmung antwortete sie, während er mit seinen Händen wieder ihre Hüften umfasste. Er zog sie näher an sich heran und schob sie gleichzeitig zurück, bis sie an der Wand stand. Ihr Kopf war leicht zurück gebeugt, damit sie ihm in die Augen schauen konnte.

"Du bist meine Ehefrau, Kate. Du bist die einzige Frau, die ich haben will", sagte er.

Seine Stimme war ernsthaft und die Worte kamen wie ein Versprechen, das er niemals brechen würde, heraus. Eigentlich hätte das ihre Unsicherheit vergehen lassen sollen, stattdessen intensivierte sich das Gefühl und ließ ihren Magen in einem Anfall von Unwohlsein erneut verkrampfen.

"Bist du dir sicher?", fragte sie.

"Bezweifelst du das?"

Ihre Augen fielen auf die Wölbung ihres Babybauches zwischen ihnen. "Es ist nur, Jacqui ist wunderschön und hier bin ich, die immer dicker wird und es wird auch noch schlimmer werden..."

Er nahm seine Hände von ihren Hüften und die plötzliche Bewegung unterbrach sie. Eine Hand legte sich auf ihren Bauch und die Wärme beruhigte sie durch den Stoff ihres Shirts. Es war ein bekanntes Gefühl, nachdem er schon seit Monaten an dieser Stelle über ihren Bauch streichelte und sich über das Baby freute. Seine andere Hand fasste ihr unter das Kinn und hob ihr Gesicht an, damit sie sich erneut in die Augen blicken konnten.

"Du bist nicht dick", sagte er. "Du bist schwanger, in dir wächst unser Kind und du bist wunderschön." Er hielt inne und seine Hand glitt von ihrem Bauch zu ihrer Seite und zog sie noch enger an sich heran. "Und du bist heiß. Genauso heiß, wie an dem Tag, an dem wir uns trafen. Nichts wird das jemals ändern."

Ihr Herz wurde leichter und sie lächelte sanft und scheu, so wie nur er es hervorbrachte. "Nichts?"

"Nichts", bekräftigte er. "Und schon gar nicht das, Kate. Das lässt mich dich nur noch mehr lieben."

Ihr Lächeln wurde größer, als sie sich letztlich an ihn lehnte, sich auf die Zehenspitzen stellte und ihn küsste.

"Ich liebe dich auch", murmelte sie als sie sich zurück beugte, ihre Hände aber auf seinen Schultern liegen ließ, damit er nicht weg konnte. "Hat die, äh, Domina wenigstens irgendetwas zu unserem Fall sagen können?"

Sein Gesicht erhellte sich bei dieser Frage. "Das hat sie tatsächlich. Jacquis Haushälterin Tina war in den letzten Tagen in der Stadt. Und Jacqui wollte so gar nicht darüber sprechen."

"Gut, nun hat sie einfach keine Wahl mehr."


Er hoffte, ihm und Kate zuliebe, dass Jacqui nicht die gesamte Geschichte erwähnen würde, als er seiner Frau wieder in das Untergeschoss folgte. Sie gingen dort vorbei, wo sich Liz bereits umgezogen hatte und wieder eine enge Jeans und eine Bluse trug. Sie beäugten den Raum, aus dem die Stimmen von Susan und Howard zu hören waren und gingen weiter zurück in das Zimmer, wo Jacqui in einem Morgenrock auf dem Bett saß.

„Ich habe mir schon gedacht, dass Sie zurückkommen würden", sagte sie. „Aber irgendetwas stimmt nicht mit Ihnen beiden."

Beckett verschränkte ihre Arme über der Brust und nickte. Er beobachtete, wie sie ganz leicht in ihren Detective-Modus schlüpfte. Cool, gesammelt und Respekt einfordernd. Als ob die letzte Viertelstunde überhaupt nicht vorgefallen war.

„Wir sind eigentlich nicht hier, um in diese Gegend zu ziehen", erzählte sie Jacqui. „Wir sind vom NYPD und untersuchen einen Mordfall."

Jacqui nickte und schien nicht überrascht als ihr Blick von Kate zu ihm wanderte. „Deshalb die ganzen seltsamen Fragen?"

Er bot ihr ein verlegenes Lächeln an. „Genau deshalb", bestätigte er.

Jacqui blickte wieder Kate an. „Sie denken also, dass Tina in die Sache verwickelt ist?", fragte sie. „Aber sie würde nie jemanden umbringen."

Kate setzte sich zu Jacqui auf das Bett und ließ ihn alleine an der Tür stehen. Sie bot Jacqui ein beruhigendes Lächeln an, von dem er wusste, dass sie es benutzte, wenn sie mit Zeugen sprach um Informationen zu erhalten, der Zeuge sich aber sicher fühlen sollte.

„Wir nehmen an, dass Tina möglicherweise am Tag des Mordes mit unserem Opfer zusammen gewesen ist", erklärte sie. „Wissen Sie, ob sie einen Andy McLaughlin kannte?"

Jacqui wurde blass, ihre Hände hielten verkrampft an ihren Morgenmantel fest und zogen ihn enger über ihrer Brust zusammen. Das war eigentlich schon Antwort genug, aber sie sprach trotzdem. „Das tat sie", brachte sie mit zitternder Stimme heraus. „Er wurde umgebracht?"

„Das wurde er", sagte Kate. „Wissen Sie etwas über die Art seiner Beziehung zu Tina?"

Jacqui nickte wieder, biss sich auf die Lippen und war sehr nervös als sie sprach. „Das tue ich, aber das ist etwas, was Sie Tina fragen sollten", sagte sie. „Sie hatte eine schwere Zeit und ich denke, dass sie und nicht ich es Ihnen erzählen sollte."


Das Klingeln von Espos Telefon unterbrach Miguels Geschichte und zog die Aufmerksamkeit beider auf das Handy, das er nach dem Anruf von Ryan immer noch in der Hand hielt. Becketts Bild leuchtete auf dem Display auf und er zeigte es Miguel, bevor er den Anruf annahm.

„Hey, Beckett", begrüßte er sie.

„Hey", erwiderte sie. „Ich dachte, du möchtest vielleicht das Neueste von unserem Fall wissen."

„Ihr habt etwas?"

Sie summte zustimmend. „Wir haben Andys mysteriöse Frau identifiziert", informierte sie ihn. „Ihr Name ist Tina Henderson. Wir konnten bestätigen, dass sie Andy gekannt hat und am Tag als er starb in der Stadt war."

„Das klingt vielversprechend", sagte er. „Habt ihr beide mit ihr gesprochen?"

„Das wollen wir gleich als erstes morgen Früh machen", erzählte sie ihm. „Ich rufe dich an, wenn ich weitere Informationen habe, okay?"

Er nickte, obwohl sie es nicht sehen konnte. „Okay, wir sprechen uns dann später, Beckett", stimmte er zu und beendete den Anruf unmittelbar nachdem sie sich verabschiedet hatte.

Miguel starrte ihn eindringlich an, als er sein Telefon in seine Tasche zurückschob.

„Sie haben eine Spur?", fragte er.

Esposito nickte. „Sie haben die mysteriöse Frau als Tina Henderson identifiziert und werden gleich morgen früh mit ihr sprechen."

Miguel nickte und sagte nichts, als er sich wieder seinem Bier widmete und einen Schluck nahm. Esposito wartete eine Minute auf eine Antwort und nahm selbst auch einen Schluck, bevor er wieder sprach.

„Ich rufe nur noch Ryan an und schaue, ob er etwas über sie herausfinden kann", sagte er zu Miguel, der wieder nur nickte und weiter auf den Tisch starrte.

Esposito zögerte nur einen Moment bevor er aufstand, um die Bar zu verlassen und den Anruf in einer ruhigeren Umgebung zu tätigen.

Als er zurückkehrte, war Miguel fort.


Tina traf in Susan und Howards Haus genau um 8.00 Uhr ein. Ihr Kopf hing nach unten und ihre Hände verdrehten die Riemen ihrer Tasche, die sie dabei hatte. Sie sagte kein Wort, außer ihrer Begrüßung ‚Sie wollten mich sehen', als sie durch die Tür trat. Ihre Schritte waren zögernd, langsam und nervös, während sie Beckett in Susan und Howards Wohnzimmer folgte.

„Danke, dass ich herkommen durfte", murmelte sie zu Susan, als sie an der Küche vorbeigingen, wo die ältere Frau etwas über Howard und seine Affäre vor sich hin brummelte, während sie ihren Tee umrührte.

Kate führte Tina weiter durch das Haus bis sie sich im großzügigen Wohnzimmer setzten. Tina setzte sich auf die Couch, Castle nahm den Platz am entgegen gesetzten Ende. Beckett ließ sich auf einen der Stühle gegenüber der Frau nieder. Ihre Hände falteten sich über ihren übergeschlagenen Knien und sie lehnte sich zu Tina hinüber, bis ihr Babybauch auf ihre Beine gepresst war.

„Wissen Sie, warum wir heute mit Ihnen sprechen wollten?", fragte sie.

Tina nickte. „Jacqui hat es mir erzählt", murmelte sie, während ihr Tränen in die Augen schossen. Sie wischte sie schnell weg und atmete zitternd ein, um sich wieder zu fangen. „Andy. Er… Er starb?" Ihre Stimme kippte, als sie die Worte voller Schmerz aussprach. Und Kate war sich bereits fast sicher, dass Tina nicht ihre Mörderin war.

„Er wurde vergiftet", entgegnete sie als Erklärung. „Kannten Sie ihn gut?"

Die Antwort war nur ein weiteres Nicken, genauso knapp wie davor.

„Kann es irgendwie sein, dass Sie seine Kreditkarte hatten?", fragte Kate.

Das ließ Tina aufschauen, ihre Augen waren weit aufgerissen, als sie wieder nickte. Ihre Hände ließen den Lederriemen ihrer Handtasche los und zitternd öffnete sie diese und holte ihre Brieftasche heraus. Sie zog die Kreditkarte raus, lehnte sich vor und legte sie auf den Couchtisch.

Kate griff danach und nahm sie an sich, während sie wahrnahm, dass ihr Ehemann neugierig den Austausch beobachtete.

„Wie sind Sie an Andys Kreditkarte gekommen?", fragte Castle.

„Er gab sie mir."

„Warum sollte Andy Ihnen seine Kreditkarte geben?"

Tina schaute weg, sie starrte auf ihren Schoß, wo ihre Hände sich verkrampften. Sie atmete tief ein und wischte sich mit zitternden Händen weitere Tränen weg.

„Das ist eine lange Geschichte", murmelte sie.

„Wir haben Zeit", sagte Beckett.

Tina schaute auf und starrte Beckett an, bevor sie mit einem Seufzer zusammensank und die Beziehung zwischen ihr und dem Mordopfer erklärte.

„Er versuchte mir zu helfen", antwortete sie. „Mein Name ist eigentlich… Christina Santiago oder Chrissie. Henderson ist mein Geburtsname. Ich war mit einem von Andys Freunden verheiratet, aber die Scheidung noch nicht durch."

Kate fühlte, wie sich ihre Brust verengte und sich eine Ahnung breitmachte, wie die Geschichte sich zugetragen haben könnte. „Miguel Santiago?"

Tina –Chrissie- nickte als Antwort. „Wir waren nur für ein paar Monate verheiratet, als er begann… begann mich zu schlagen", erklärte sie. „Er machte das immer öfter und ich konnte dem nichts entgegen setzen, konnte mich nicht wehren. Aber als Andy das herausfand, kam er mir zur Hilfe."

„Andy sprach mit Miguel?", fragte Beckett. „Darüber, wie er Sie behandelte?"

Chrissies Mund verzog sich zu einem Lächeln. „Das tat er. Er war so nett zu mir und stellte sich seinem Freund entgegen. Die Dinge wurden danach auch für kurze Zeit besser", erklärte sie, aber ihr Gesicht wurde wieder ernst. „Es hielt aber nicht an und die Umstände wurden sogar schlimmer als vorher. Andy dachte, dass es am besten wäre, wenn ich meinen Mann verlasse. Und wenn Andy tot ist… Ich würde es meinem Ehemann zutrauen, dass er Rache an Andy nimmt, weil er mir geholfen hat."

Mit der wachsenden Gewissheit, biss Beckett sich auf die Lippen und versuchte das nervöse Gefühl im Magen zu unterdrücken, das sich breitmachte. Aber mit jedem Wort von Chrissie wurde es nur noch intensiver. „Und so kamen Sie hierher?"

„Jacqui war eine alte Freundin, die nach einer Haushälterin suchte", erklärte sie. „Ich berichtete über meine Situation und sie bot mir die Stelle und eine Unterkunft an, bis ich wieder auf eigenen Beinen stehen konnte. Und Andy gab mir seine Kreditkarte, so dass ich für mich in dieser Zeit auch selber sorgen konnte." Tränen schossen ihr wieder in die Augen und dieses Mal wischte sie sie nicht weg. „Ich kann nicht glauben, dass er tot ist."


„Hast du irgendwas?" Espositos Stimme dröhnte durch das Revier als er am Morgen erschien.

Die Furcht schwer in seiner Brust, sank Ryans Herz bei diesen Worten. Er schloss die Akte, die auf seinem Tisch lag und nahm sie auf seinen Schoß, als er sich mit seinem Stuhl zu Esposito umdrehte, der an seinem Schreibtisch lehnte. Er war hoffnungsvoll, dass sie endlich eine Spur gefunden hatten und Ryan bedauerte sehr, was er tatsächlich herausgefunden hatte.

Sie hatten eine Spur. Aber keine, die Esposito wollte.

„Ich habe nach der Herkunft des Zyanids geschaut", erklärte er ruhig, während er die Akte auf seinem Schoß festhielt.

„Und hast du was gefunden?", frage Esposito.

Während er die Akte öffnete, nickte Ryan langsam und zögernd. „Es gibt in der Stadt ein Labor, das in der Entomologie forscht und das Zyanid-Puder vorrätig hat", erläuterte er. „Kürzlich haben sie angezeigt, dass etwas von dem Puder vermisst wird und sie vermuten, dass der Diebstahl ein Insider-Job gewesen ist."

Esposito griff nach der Akte und las den Bericht des ungeklärten Diebstahls selbst und lächelte über die vielversprechende Spur, die sie gefunden hatten.

„Arbeitet jemand, der mit dem Fall in Beziehung steht, dort?", fragte er. „Vielleicht die mysteriöse Frau. Wie war ihr Name? Tina?"

Ryan schüttelte den Kopf. „Tina hat keine Verbindung zum dem Labor", antwortete er. „Aber jemand anderes, der in den Fall verwickelt ist, hat eine."

„Wer?"

Er holte tief Luft, griff nach der Akte, die sein Partner in der Hand hielt und schlug sie auf der letzten Seite auf. Es war ein Arbeitsvertrag für einen Hausmeister, mit einem Bild obendrauf, das seinen Mund trocken werden ließ. Er reichte die Akte zurück zu Esposito und sagte kein Wort. Der Blick seines Partners fiel auf das vor ihm liegende Blatt und schoss sofort wieder hoch.

„Bro", sagte er.

„Es tut mir leid", sagte Ryan, „aber Miguel ist die einzige Person mit einer Verbindung zu Andy und dem Labor. Und ich habe es überprüft, es lag über eine Stunde zwischen dem Arbeitsende und der Ankunft in der Bar zwei Blocks weiter am Freitag."

Esposito schaute wieder auf Akte und schmiss die Blätter quer über seinen Schreibtisch. „Er hat das nicht getan, Ryan", widersprach er. „Andy hat sein Leben unzählige Male gerettet. Nie würde Miguel ihn umbringen."

„Bist du dir sicher?"

Sein Herz schlug schnell, als eine Spur von Unsicherheit in Espositos Blick zu sehen war.

„Was ist passiert?"

Sein Partner schaute weg. Sein Kiefer verkrampfte sich, um die Worte nicht heraus zu lassen. Aber sie kamen trotzdem raus. „Letzte Nacht hat Beckett angerufen, um mir zu berichten, dass sie die mysteriöse Frau identifiziert hatten. Zu dieser Zeit war ich mit Miguel zusammen und da habe ich ihm das erzählt."

„Espo…"

Er schüttelte seinen Kopf und schnitt Ryan das Wort ab. „Ich bin dann kurz raus, um dich anzurufen und als ich wieder zurückkam, war er weg. Und er hat sich nicht einmal verabschiedet."

Ryan fühlte, wie ihm das Blut in den Adern stockte und die Angst sich in seiner Brust breitmachte, als er realisierte, dass Miguel der gesuchte Mörder sein könnte.

Und er könnte los sein, um Tina zu finden.

„Wir müssen Beckett anrufen", sagte er.


Susan kam in das Wohnzimmer und brachte allen eine Tasse Tee, während ihr Treffen mit Tina weiterging. Sie schimpfte immer noch vor sich hin, als sie das Wohnzimmer betrat.

„Eine Domina. Wirklich? Und ein Lamm? Ein Lamm?", murmelte sie immer und immer wieder und ignorierte das Kichern, das Castle hinter seiner Hand zu verbergen versuchte und auch den besorgten Blick, den Tina –nein, Chrissie- ihr zuwarf.

Obwohl sie Sorge und Sympathie für die ältere Frau fühlte, versuchte Kate das zu ignorieren, hatte sie doch auch den Blick von Susan gesehen, als sie Howard mit Liz im Keller entdeckt hatten. Stattdessen drehte sie sich wieder Chrissie zu, um ihre Befragung fortzuführen.

„War Ihre Beziehung zu Andy zu irgendeinem Zeitpunkt romantisch?", fragte sie.

Chrissie schüttelte ihren Kopf und nahm schnell einen Schluck Tee. „Nein, niemals. Wir waren nur…"

Das Klingeln des Telefons unterbrach sie. Castle schaute mit hochgezogenen Brauen zu Beckett, als sie nach ihrem Telefon griff. Sie zeigte ihm, wer anrief und erklärte Chrissie, dass es wahrscheinlich ein Update für den Fall war. Dann stand sie auf und verließ das Wohnzimmer, um weiter in das Haus zu gehen, um den Anruf alleine entgegen zu nehmen.

„Beckett", meldete sie sich.

„Hey, hier ist Ryan", kam die Antwort. „Wir haben Neuigkeiten zum Fall."

„Die habe ich auch", entgegnete sie, aber Ryan fiel ihr ins Wort, bevor sie weiteres erklären konnte.

„Andy wurde mit Zyanid umgebracht und das Labor, in dem Miguel arbeitet, vermisst seit ein paar Tagen genau das", sagte er. „Aber Beckett, Esposito hat ihm von Tina erzählt…"

Ein Geräusch aus dem Wohnzimmer ließ sie aufhorchen und die Stimme ihres Ehemannes, der ihren Namen rief, zog sie wieder dahin zurück, wo er und Chrissie noch immer saßen.

„Uh, Kate", sagte er und zeigte zum Fenster. Dort war gerade unerwartet ein Werkstattwagen vorgefahren.

„Wir denken, er kommt an dir vorbei."

„Uh, gut", murmelte sie. „Ryan, ich muss aufhören."

Sie legte auf und steckte ihr Telefon wieder in die Tasche, während ihre andere Hand nach ihrer Waffe fühlte, die sie sich heute Morgen angesteckt hatte. Sie beobachtete den Wagen, als ein Mann mit gesenktem Kopf ausstieg und seine Identität dadurch verbarg. Dann sah sie ihn nicht mehr.

Die Tür flog auf und sie griff nach ihrer Waffe und zielte auf den Eingang.

Wo Miguel seine eigene Waffe auf das Wohnzimmer richtete.

Und dann löste sich der erste Schuss.