Alle Rechte liegen bei den Schöpfern von Castle!
Viel Spaß beim Lesen - und wenn ihr Zeit habt, lasst mir doch einen Review da!
Der Morgen war schrecklich. Es mag sein, dass die Vorlesung wirklich interessant war, aber Alexis konnte sich nicht konzentrieren. Immer wieder- wie im Film- spielte ihr Kopf ihr die Szene von gestern Abend wieder vor. Sein Blick. Die Lippen. Die Worte. Es fiel ihr schwer, den Ausführungen des jungen Mannes bei der Tafel zu folgen.
Das Aufleuchten ihres Handys riss sie aus den Gedanken. „Lunch bei uns? Dad." Wow, für ihren Vater ziemlich kurz und es war keine einzige Filmanspielung zu finden. Oder Literatur. Kein Witz, einfach nichts. Irgendetwas stimmt hier nicht. Kevin, es hängt sicher mit Kevin zusammen. So viele Zufälle kann es nicht geben. Zwei Personen, die sich eigenartig verhalten. So einen Zufall gibt es nicht. Könnte ihr Vater ihr Klarheit schaffen? Vielleicht war alles nur ein Missverständnis? „Ok, werde da sein." Bis zum Ende der Vorlesung keimte Hoffnung in Alexis auf. Vielleicht hatten Kevin und sie eine Zukunft. Vielleicht würde ihr Vater ihr sagen, dass er die Beziehung großartig fand. Und dann….
Ihre Gedanken, deren Absurdität ihr schmerzlich klar war, halfen ihre zumindest die Zeit bis zu ihrer Ankunft im Loft zu überbrücken. Als sie die Türe aufsperrte, hörte sie ein lautes „Tante Alexis!" Sarah Grace? Bevor sie noch die Tür hinter sich geschlossen hatte, hatte das Mädchen ihre Arme bereits um Alexis Hüfte geschlungen. „Onkel Rick kocht Pasta. Für uns alle!" War Kevin auch hier? Wo auch sonst? Alles wirkte so gewohnt. So gewöhnlich, dass sie für kurze Zeit sogar diesen Abschied am Tag davor vergessen hatte. Diese Bitte. Die Bitte, sich um dieses Geschöpf, das um ihre Beine herum spielte, zu kümmern. Soweit sie sehen konnte, war Kevin auch nicht da. Ihr Vater stand in der Küche und warf soeben die Nudeln in die Sauce. „Alexis, großartiges Timing. Essen ist fertig und Sarah Grace hat soeben Tisch gedeckt."
Wie ferngesteuert bewegt sie sich zu dem Esstisch. Eigenartig. Sarah Grace riss sie aus der Trance: „Tante Alexis, Daddy hat gesagt, du gehst mit mir in den Zoo. Und zum Zirkus. Also du. Und Onkel Rick." Kurz musste Alexis schlucken. Wie lang würde Kevin nicht da sein? Was war hier eigentlich los? Der Schock schlug langsam in Ärger um. Sie war Teil von etwas geworden, dem sie nie zugestimmt hatte. Und keiner hier besaß den Anstand, sie wenigstens ins Bild zu setzen. Nur Millisekunden hatte sie gebraucht um zahlreiche Szenarien durchzudenken, die sich nach dem Essen zutragen könnten. Dabei war alles vom Alexis- Divenauftritt bis zu ihrem emotionalen Zusammenbruch. Sie hatte sich immer für sehr stabil gehalten, aber die Speedy- Romanze mit Kevin, der Abschied, Sarah Grace und alles, was sich in ihrem Leben die letzten Monate abgespielt hatte, waren einfach zu viel. Viel ihrer gewohnten Rationalität war weggefallen. Einerseits war sie gerne die reife, kluge Alexis, der die Menschen um sie herum, Probleme anvertrauten, die Alexis, um die man sich keine Sorgen zu machen brauchte. Andererseits, man hatte sich so lange keine Sorgen um sie gemacht, dass es schön war einmal im Mittelpunkt zu stehen. Und die Gespräche mit Kevin waren die angenehme Version von Mittelpunktstehen gewesen. Da war dieses Gefühl da gewesen.
Die Pasta war ausgezeichnet. Was hatte sie sich auch anderes erwartet? Immerhin hatte ihr Vater gekocht, nicht Kate. Aber auch wenn das Essen gut war, gute Stimmung kam nicht wirklich auf. Und das lag sicher nicht nur daran, dass Alexis selbst nur wenig Appetit hatte. Alle versuchten nett und lustig zu sein, allein Sarah Grace zuliebe. Das Mädchen konnte sich vor Lachen kaum noch halten, als Castle ihr das „Pasta-Theater" zeigte, das Alexis selbst als Kind so oft gesehen hatte. Eines musste sie ihrem Vater lassen, Kinder bis zur Erschöpfung unterhalten- darin war er einsame Spitze. Eine Küchenschlacht und ein Saft-Wetttrinken, bei dem Sarah Grace natürlich gewann, später, war das Kind todmüde. Alexis musste ihr ein Gute-Nacht-Gedicht aufsagen, aber selbst dessen Ende dürfte bei ihr nicht mehr angekommen sein.
Als sie mit Kate den Tisch abräumte, trug ihr Vater Sarah Grace in Alexis' altes Zimmer. Die Kleine war kurz nach dem Essen quasi ins Koma gefallen. „Alexis" hörte sie ihren Vater aus dem Wohnzimmer rufen. Kate warf ihr einen besorgen Blick zu. High Noon. Offenbar hatte man beschlossen, sie einzuweihen. „Dad?" sagte sie mit möglichst erwachsenem Blick, um sich nur nicht ihre Gefühle anmerken zu lassen. Keep cool. „Alexis, Lex." Die Unsicherheit in der Stimme ihres Vaters war unüberhörbar. Mittlerweile hatte auch Kate sich zu ihm auf die Couch gesetzt. „Wir wollten dich hier nicht reinziehen. Ehrlich. Aber Sarah Grace. Sie hängt an dir. Und Kevin würde es so wollen. Zumindest klang es so. Also insoweit man den Willen eines kleinen Mädchens eben kennen kann. Du warst ja genauso. Immer so klein, aber undurchschaubar." Nervöses Gebrabbel. Castle-Style. Kate gab ihm einen kleinen Stoß mit dem Ellbogen und nahm das Zepter in die Hand: „Was wir jedenfalls sagen wollten." Alexis' Herz schlug ihr bis zum Hals. So wie ihr Vater redete, konnte man glauben, Kevin war tot. Aber sie kannte ihren alten Herren auch gut genug, um zu wissen, dass es nichts zu bedeuten hatte. „Alexis?" Kate hatte den abwesenden Blick ihrer Stieftochter bemerkt. „Alexis, beruhig dich. Es ist alles in Ordnung. Wir wollten dich nur bitten- und wir wissen, es ist viel verlangt und du kannst jederzeit Nein oder Stopp sagen , wir wollten dich bitte, uns mit Sarah Grace zu helfen. Sie hat dich sehr lieb gewonnen. Und Kevin muss die nächsten Monate leider andere Verpflichtungen wahrnehmen." Kate sah ihr in die Augen. Alexis musste sich sehr beherrschen. War das alles an Aufklärung, was sie bekam? Verpflichtungen? Das konnte von italienischer Mafia bis Geheimdienst im Nahen Osten einfach alles sein. Andererseits, wieviel konnte sie erwarten? Welches Recht hatte sie, in offensichtlich laufende Ermittlungen eingebunden zu werden. Aus der Sicht ihres Vaters und natürlich auch aus Kates keine. Die beiden wussten ja nicht, dass sie sich in diesen Mann verliebt hatte. In diesen unpassenden, belasteten Kollegen und Freund ihres Vaters, der jetzt gerade irgendwo den Helden spielen musste, während seine Tochter hier in New York auf ihn wartete. Genau in diesen Idioten hatte sie sich verliebt.
So gern sie all das mit Kate und bis zu einem gewissen Grad auch mit ihrem Vater besprochen hatte, so unmöglich war es. Alexis bezweifelte, dass die beiden Luftsprünge machen würden. Castle stellte sich für seine Tochter wohl eher einen Collegestudenten mit guten Noten und einer netten Familie vor, und keinen deutlich älteren, verwitweten, alleinerziehenden Cop. Auch wenn all diese Gefühle sich langsam in ihr sammelten, für diesen Abend musste sie Alexis, die Babysitterin von Sarah Grace spielen und nicht Alexis, die mögliche Geliebte des Cops. Sie stimmte zu, das Mädchen am nächsten Tag zu sich zu nehmen, da Castle und Kate wieder arbeiten mussten. Fragen zu Kevin stellte sie keine mehr,
Als sie kurz vor Mitternacht das Loft verließ, brach aber der Gefühlscocktail aus Zuneigung, Wut und Unsicherheit aus ihr heraus. Es sollte das erste Mal seit ihrer Trennung von Jason sein, dass sie nicht glücklich einschlief.
