Kapitel Drei

Es war laut in der grossen Halle.

Geschirr klapperte, Schüler schwatzten und ständig rannten irgendwelche aufgedrehten Erst- und Zweitklässler durch die Gänge.

Mitten in dem Getummel saß Draco, flankiert von Crabbe und Goyle. Ein Tag wie jeder andere. Diese morgendliche Routine hing dem jungen Slytherin zum Hals raus. Gegenüber saßen ihm wie immer Daphne und Pansy. Sie unterhielten sich angeregt und hibbelig über Zaubertränke zur künstlichen Haarverlängerung. *Gähn, schnarch...* Draco trommelte mit den Fingern auf den Tisch und hoffte inständig, dass die beiden Fresssäcke neben ihm endlich fertig wurden, damit er endlich weg aus diesem unkoordinierten und gleichzeitig langweiligen Chaos kam. Aber seine Hoffnungen blieben fürs Erste unerfüllt; Goyle packte sich ein Truthahnbein auf seinen ohnehin schon vollen Teller.

Gelangweilt liess er kühl den Blick durch den Saal schweifen. Da war Colin Creevy, Potters womöglich größter Fan hier auf Hogwarts... Er saß möglichst nah an seinem Idol und verfolgte jede seiner Bewegungen, welche für Draco nicht einmal ansatzweise interessant waren, da Harry hauptsächlich am Essen zugange war. Obwohl, die Art wie er kaute hatte schon etwas Interessantes... Ginny lief durchs Bild, sie war gerade zwei Plätze neben Harry aufgestanden und verließ mit einer Draco unbekannten Freundin plaudernd die Halle.

Sein Blick fiel auf Hermione, die links von Harry saß und gedankenverloren auf das Titelblatt des Tagespropheten starrte, mit den Gedanken wahrscheinlich ganz woanders, so wie Draco sie kannte... Rechts neben Harry saß natürlich Ronald Weasley, ein kümmerlicher Rotschopf aus der viel zu grossen Familie, deren Mitglieder Dracos Meinung nach alle statt einem Hirn Gilderoy Lockharts Markenparfum im Schädel hatten. Der Vater, Arthur Weasly, hatte einen mittelmäßig bezahlten Job im Ministerium, welchen er immer wieder durch die Anschaffung illegalen Muggelzeugs gefährdete und einer von Ronalds Brüdern, Bill, züchtete hauptberuflich Drachen in Ägypten. Gequirlter Doxymist, wenn man ihn fragte. Während er sich die Lächerlichkeit dieser armseligen Zaubererfamilie durch den Kopf gehen ließ, wunderte er sich gleichzeitig, wieso er überhaupt einen Gedanken an sie verschwendete.

Gedankenverloren sah er wieder Granger an. Sie saß beinahe genauso steif wie gerade eben, allerdings hatte sie den Kopf leicht zur Seite geneigt, sie schien nun doch zu lesen. Das Omelett auf ihrem Teller lag völlig unangerührt vor ihr, wahrscheinlich war es auch schon längst kalt aber das schien sie nicht zu kümmern. Als Ron quer über den Tisch griff und mit vollen Backen fragend auf Hermiones Teller deutete, schob sie ihn ihm wortlos herüber, den Blick weiterhin starr auf die Zeitung gerichtet. Bei Salazar Slytherin, was stand da denn Spannendes??

Ihr Ausdruck hatte ganz unfreiwilligerweise seine Neugier geweckt, er stieß Crabbe mit dem Ellenbogen an. "Hast du die heutige Ausgabe des Tagespropheten?" Crabbe schüttelte verwundert den Kopf. Malfoy fasste sich an den Kopf. "Was für eine dumme Frage, wieso solltest du auch...?"

Da meldete sich Blaise, der ein paar Plätze weiter saß, zu Wort. "Ich hab sie. Steht heute mal zur Abwechslung wieder was Krasses drin," schmatzte er.

Draco nahm den Propheten aus Zabinis entgegengestreckter Hand und warf einen Blick aufs Titelblatt.

-ERNEUTER EINBRUCH BEI GRINGOTTS-Handelt es sich um einen Wiederholungstäter?

In der vorigen Nacht wurde zum zweiten Mal in der Zaubereigeschichte bei der für ihre absolute Diskretion und Sicherheit populären Koboldbank in London eingebrochen. Die Drachen die die unterirdischen Verliese bewachen, wurden selig schlafend aufgefunden, anscheinend mit einem Zauber belegt, den das Wasser, welches stetig von der Decke rieselt, nicht abwaschen kann. Laut Zaubereiminister Cornelius Fudge handelt es sich bei diesem Übergriff bei dem aus ein ganz besonderes Verließ ein ganz besonderer Gegenstand entwendet wurde (konkretere Informationen dürfen wir nicht geben) um sehr starke, uralte schwarze Magie die nur noch wenige Zauberer beherrschen.Infrage kommen laut den Akten des Ministeriums nur 5 Personen, welche diese Macht noch beherrschen könnten...Zum einen wäre da der verstorbenene Sirius Black, den wir allerdings aufgrund seines o.g. Ablebens wohl nicht mehr on Betracht ziehen können... Dann noch Avery, Rosier, Lestrange... Und natürlich "Der dessen Name nicht genannt werden darf", was Fudge allerdings abstreitet und als "völlig unlogisch" im Bezug auf den entwendeten Gegenstand erklärt.

- ein Bericht von Rita Kimmkorn

Draco sog hörbar Luft ein. Ein weiterer Einbruch in der sichersten Bank der Zauberwelt? Bei Merlins angeklebtem Bart, wie war das möglich? Das hatte bisher doch nur dieser unfähige Quirrel geschafft, als er Lord Voldemort in seinem Körper beherbergte wie ein Wirt einen Parasiten.

Er erschauderte und kurzer Ekel durchzuckte ihn.

Hatte der Diebstahl dieses Mal auch etwas mit Voldemort höchstpersönlich zu tun? Und wenn ja, wieso wusste er dann noch nichts davon, sein Vater hätte ihn längst informieren müssen...

Kein Wunder dass Hermione so geschockt aussah... Auch einige andere Schüler hielten gerade den Tagespropheten in der Hand, einige murmelten betreten, aber die meisten aßen und wussten noch nichts von diesen erschütternden Neuigkeiten.

Er ließ den Blick erneut über das Blatt schweifen... Die Namen der verdächtigen Zauberer waren ihm nur allzu bekannt... Aber würden sie echt etwas anscheinend so wertvolles stehlen ohne die anderen Todesser davon in Kenntnis zu setzen?

Zumindest eine Sache schien klar zu sein: Wer auch immer so gehandelt hatte, es war definitiv aus eigennützigen Gründen, sonst wüssten die anderen von der Mission.

Vielleicht wussten Crabbe und Goyle ja etwas...? Ihre Väter waren schließlich auch keine Unbekannten... Ein Gespräch war dringend nötig... Wie machte er den beiden Fettklößen denn nur am besten verständlich, dass er es eilig hatte, ohne dass andere am Tisch Verdacht schöpften?

"Crabbe? Goyle? Ich bin satt, lasst uns gehen," versuchte er möglichst doninant zu formulieren. Goyle sah ihn empört von der Seite an. "Aber ich hab noch voll Hunger," murrte er. "Und ich hatte noch keinen Nachtisch," meinte Crabbe und angelte sich einen Plumpudding.