Viertes Kapitel, in dem Hermione vielleicht Bücher verbrennen würde

Malfoy ließ sich auf den Stuhl hinter sich fallen und streckte die Hand aus. Harry sah ihn irritiert an, aber Malfoy hatte seinen Blick auf den Tisch gerichtet.

„Das Heft!", forderte Malfoy schließlich und Harry reichte ihm verdattert die gewonnene Graphic Novel. Malfoy schlug sie auf der ersten Seite auf, nahm einen Schreiber und kritzelte etwas, das deutlich länger aussah als nur ein Autogramm unter die bereits vorhandene Unterschrift.

„Was geht hier vor?", flüsterte Harry.

Jetzt sah Malfoy doch auf. „Nicht hier!", zischte er und sah sich dann um, ob jemand den Austausch mitbekommen hatte.

Malfoy klappte das Heft zu und streckte es Harry unwirsch entgegen. Harry presste es an seine Brust und wurde von der Person hinter ihm unwirsch weiter geschoben. Da hatte es wohl jemand eilig, Malfoy zu begegnen...

Alice sah Harry neugierig an, als er aus der Menge heraustrat. „Was hast du dich denn so lange mit ihm unterhalten?"

„Ähm, keine Ahnung", sagte Harry und klappte das Heft in seiner Hand auf.

Triff mich in einer halben Stunde beim Merchandisingstand am Haupteingang.

stand da geschrieben.

„Alter!", hörte Harry hinter sich und bemerkte, dass Kevin über seiner Schulter mitlas. „Was geht denn hier ab?"

„Was denn?", fragte Alice, schnappte sich das Heft und quietschte auf, als sie Malfoys Forderung las. „Oh mein Gott! Harry, was ist im Meet and Greet passiert?"

Harry wusste nicht, was er antworten sollte. Aber schon wurde er mit Fragen von den anderen bestürmt, die nun auch über die Situation aufgeklärt werden wollten.

„Ähm, es geht um... seinen... Hund...", sagte Harry.

„Um seinen Hund?", fragte Alice neugierig.

„Jah...", Harry sah sich verzweifelt um und blieb mit dem Blick an einem Mädchen hängen, das wohl das Malfoy-Äquivalent von Luna Lovegood darstellte, wenn man nach der Frisur ging, die wie eine Krähe geformt war, „um genau zu sein, um einen Hundefrisör..."

„Was?"

„Also, Mal- äh Dino hat im Meet and Greet gefragt, ob wir einen guten kennen und da habe ich gesagt... dass ich das ganz gut kann und da... hat er wohl entschieden, dass er einen Termin mit mir ausmachen will...", endete Harry und schlug sich mental die Hand an die Stirn. Eine hirnrissigere Ausrede war ihm wohl nicht eingefallen?

„Du bist Hundefrisör?", fragte Daniel erstaunt.

„Nein", antwortete Harry schnell, „ich kann das nur besonders gut..."

„Und jetzt darfst du Dino Goodlucks Hund frisieren?!", rief Alice begeistert, „Darf ich dir dabei assistieren? Biitteee!"

„Ähm, klar... wenn es tatsächlich dazu kommt... So. Jetzt will ich aber unbedingt zu diesem Bücherstand gehen und schauen, was die da so für magische Bücher haben..."

Die Gruppe schien erfolgreich abgelenkt, wohl auch, weil sie darauf spekulierte, bei dem Treffen zwischen Harry und Malfoy dabei sein zu dürfen.

Der Bücherstand war ziemlich enttäuschend. Zwar war er liebevoll wie eine Bibliothek eingerichtet, die Bücher schienen aber größtenteils aus der esoterischen Sparte zu stammen. Das Buch, das am nächsten an der Wahrheit lag, war ein Tarot-Ratgeber. Und der war nur deshalb der vielversprechendste Band, weil darin auch nicht mehr Unwahrheiten standen, als Trelawney ihnen im Unterricht aufgetischt hatte.

Vampir-Mike schien aber recht glücklich mit dem Erwerb eines Buches über Runen und deren „magische" Wirkung zu sein.

„Eigentlich glaube ich ja nicht wirklich daran", erklärte er strahlend, „aber ich finde das trotzdem total spannend. Ich will mir einen neuen Zauberstab schnitzen und dann werde ich da Runen reinritzen und dann werde ich der mächtigste Zauberer auf der nächsten Convention sein!"

Die Freunde schmunzelten und Harry musste an Hermione denken, die sich wohl ob der haarsträubenden Arithmantik entsetzt dazu entscheiden würde, dass Bücherverbrennungen doch keine so schlechte Idee waren.

Ein Stand mit dem Namen „Qualität für Quabble" zog Harrys Blick auf sich. Harry trat näher und ihn schauderte. Wenn Harry schon tot wäre, würde er sich jetzt im Grabe umdrehen. Dieser Stand verkaufte allen Ernstes rosafarbene Schrubber. Die Krone setzt aber ein Kehrblech auf, auf dessen Fläche Harrys – oder Maxwells – Gesicht den Putzwütigen anstrahlte. Harry bezweifelte sehr, dass in Malfoys erfundener Welt die Zauberer mit einem Kehrblech Quabble spielten...

Harry wandt sich hastig ab und sie entschieden sich, so langsam in Richtung Merchandising-Stand zu gehen, da die halbe Stunde nun bald um war. Allerdings ließ Malfoy dort auf sich warten. Er hatte wohl den Andrang an seinem Autogrammstand unterschätzt.

Harry besah sich also die verschiedenen Artikel, die es zu seiner Geschichte gab. Merkwürdig, dass er schon von „seiner" Geschichte dachte, obwohl Malfoys Zeichnungen auf den zweiten Blick immer weniger mit der Wahrheit zu tun hatten. Schließlich hatte es Harry trotz Zeitumkehrer nicht geschafft, in alternative Universen zu springen, in denen Voldemort – oder „Bagwisthan" – den jungen Harry umgebracht und eine Schreckensherrschaft aufgebaut hatte.

Allerdings musste Harry zugeben, dass er froh war, dass Malfoy „Bagwisthan" in allen seinen Comics als Bösewicht darstellte, der von Maxwell bekämpft werden musste. Malfoy schien wohl wirklich geläutert.

„Potter", zischte es plötzlich hinter ihm, als Harry darüber nachdachte, einen Ansteckbutton zu kaufen, auf dem Du machst deinem Namen keine Ehre stand, und Harry drehte sich überrascht um.

Hinter ihm stand ein... behaartes Etwas.

„Malfoy, bist du das? Wie siehst du aus?", fragte Harry leise.

„Ich habe mich als Amaroq verkleidet, damit mich keiner erkennt", kam es aus dem Wust an Barthaaren.

„Okay...", meinte Harry und runzelte die Stirn, „Du bist anscheinend ein ziemlicher Superstar hier, was?"

„Sieht wohl so aus", meinte Malfoy überraschend bescheiden, „jetzt hab ich zumindest eine Ahnung davon, wie du dich immer gefühlt hast..."

„Boah, das ist aber ein tolles Amaroq-Kostüm", kam es auf einmal von der Seite. Alice hatte sich angenähert und fing an, an der lumpigen Kleidung zu zupfen, „Aber an deiner Körpergröße musst du noch arbeiten", zwinkerte sie schließlich. Dann weiteten sich ihre Augen erstaunt, als sie in Malfoys Gesicht sah und sie winkte strahlend die anderen herbei, die gerade verschiedene Hexenhüte mit Maxwell Prudence-Logo anprobierten.

Malfoy sah Harry verloren an. „Ich dachte, du wärst alleine hier...", murmelte er Harry unauffällig zu.

„Tut mir Leid, sie haben über meine Schulter mitgelesen, dass du mich treffen wolltest."

„Deine Freunde?"

„Ich habe sie heute erst kennen gelernt."

„Was für einen Hund hast du denn?", fragte Alice neugierig.

Malfoy starrte sie verdutzt an. „Hund?"

„Harry hat versprochen, dass ich helfen darf", half sie begeistert weiter.

„Äh, ja, das ist ja toll...", antwortete Malfoy hilflos, „ich müsste jetzt mal mit Harry alleine reden..."

„Ach was, Harry ist unser Freund. Was du mit ihm besprichst, bleibt auf jeden Fall zwischen uns... sechs", plapperte Kevin nach einem kurzen Durchzählen.

„Na schön", antwortete Malfoy nach kurzem Zögern und dachte wohl genau wie Harry daran, dass im Notfall wohl ein kleiner Vergessenszauber helfen würde, „Lasst uns backstage gehen."