Fünftes Kapitel, in dem Malfoy Plagiate schreibt

Harry fand sich erneut in dem Raum mit dem Sofa wieder. Er setzte sich auf seinen angestammten Platz und Malfoy tat das gleiche. Harrys neue Freunde warfen sich auf die verbleibenden Plätze.

Eine Weile lang starrte sich die Gruppe stumm an. Schließlich räusperte Harry sich. „Kannst du bitte die Hagrid-Perrücke abnehmen? Das irritiert mich etwas..."

Alice stieß Harry etwas empört mit dem Ellbogen in die Seite. Offensichtlich fand sie seinen Ton gegenüber dieser anbetungswürdigen Berühmtheit nicht angemessen.

Aber Malfoy folgte seiner Forderung.

„Ist „Hagrid" ein britischer Ausdruck?", fragte Alice Malfoy, „Ich liebe den britischen Dialekt."

„Welchen?", fragte Malfoy, „Es gibt tausende! Potter hier, zum Beispiel, spricht das schlimmste Cockney, während ich ein reines aristokratisches Hochenglisch spreche."

„Ich spreche überhaupt kein Cockney!", erwiderte Harry, „Ich bin in Surrey aufgewachsen, wie du sehr gut weißt. Und in deinem aristokratischen Hochenglisch hast du einen West-Country-Einschlag."

Malfoy japste empört auf. „Das nimmst du sofort zurück!"

„Stop, stop, stop! Ich komme gerade nicht mit! Soll das heißen, ihr kennt euch?!", fragte Kevin erstaunt, „Und wieso überhaupt „Potter"? Ich dachte, du heißt Severus Harry Snape!"

„Ich nehme das erst zurück, wenn du mir mal erklärst, was hier eigentlich los ist."

„Das würde ich auch gerne wissen", sagte Daniel von seinem Platz auf der Sessellehne aus, wurde aber, genau wie Kevin zuvor, ignoriert.

„Von irgendwas musste ich mich ja ernähren", rechtfertigte sich Malfoy, „ich war ganz allein und musste mich ohne Dach über dem Kopf in London rumschlagen. Ich habe dann halt angefangen, für die Touris Karikaturen zu malen, um mir etwas zu Essen kaufen zu können. Ich war darin ganz gut und so kam eines zu anderen", endete Malfoy.

„Oh nein! Du Ärmster!", Alice war den Tränen nahe, „Und dann hast du dich aus eigener Kraft emporgekämpft und bist ein berühmter Comic-Zeichner geworden! Wenn das die Öffentlichkeit wüsste..."

Harry sah Malfoy schockiert an, „Du warst obdachlos? Warum wusste ich davon nichts?"

„Weil es nicht wahr ist, Potter", sagte Malfoy trocken.

Harry stöhnte genervt auf. Das war mal wieder typisch Malfoy.

„Und selbst wenn es wahr wäre, ginge dich das gar nichts an. Du mit deinem Helferkomplex!", beschwerte sich Malfoy, „In Wirklichkeit bin nach dem Krieg einfach etwas rumgereist und habe bemerkt, dass die Amerikaner so gut wie nichts von dem ganzen Spektakel mitbekommen haben und dass mich hier keiner kannte."

„Was für ein Krieg?", fragte Vampir-Mike entsetzt. „Was haben uns unsere Medien mal wieder verschwiegen? Existiert Europa überhaupt noch?"

„Na ja", fuhr Malfoy fort, „Und ich habe dann mal so einen Aquaman-Comic gefunden und habe gedacht, dass das die mieseste Geschichte ist, die ich je gelesen habe. Kennst du Aquaman, Potter? Der spricht mit Fischen! Mit Fischen! Das dürften die dümmsten Gespräche der Weltgeschichte sein. Und ich habe mir mit Crabbe und Goyle einen Schlafsaal geteilt! Jedenfalls dachte ich, dass es nicht schwer sein kann, sich einen besseren Superhelden auszudenken. Und als ich mir überlegt habe, was in meinem Comic so passieren soll, ist mir natürlich das hier eingefallen."

„Du hältst mich für einen Superhelden?", fragte Harry und grinste. Malfoy verdrehte die Augen. „Und außerdem: Eingefallen?", fuhr Harry fort, „Dir ist gar nichts eingefallen. Du hast alles geklaut!"

„Also immerhin habe ich mir sehr viele alternative Namen ausgedacht", sagte Malfoy, „Im Gegensatz zu dir, Severus!"

„Das war im Eifer des Gefechts", verteidigte sich Harry.

„Was hast du geklaut?", fragte Kevin entsetzt, „Ist das alles gar nicht deine Idee gewesen? Das ist ja unglaublich! Ich fasse es nicht! Überall Plagiate! Hätte ich das gewusst, wäre ich niemals auf den Maxwell Prudence-Zug aufgesprungen!"

„Und du hast das alles selbst gezeichnet?"

„Mit meinen bloßen Händen", erwiderte Malfoy stolz, „Hättest du vor ein paar Jahren gedacht, dass ich mal manuelle Arbeit leisten würde?"

„Vor ein paar Jahren habe ich gedacht, dass du mal Voldemorts Schoßhündchen wirst und Leute folterst", sagte Harry, bereute seine Aussage aber direkt, als er Malfoys verletzten Gesichtsausdruck sah. „Tut mir Leid..."

„Nein, schon gut. Das habe ich verdient. Vor allem, weil ich dir nie gedankt habe, dass du bei den Gerichtsverhandlungen für mich ausgesagt hast..."

„Gerichtsverhandlungen?", fragte Alice matt mit großen Augen.

„Ohne dich würde ich jetzt in Askaban schmoren... oder die Dementoren hätten mir die Seele aus dem Leib gesaugt..."

„Malfoy", sagte Harry, „Das war doch selbstverständlich..."

„Wer ist Malfoy?", fragte Vampir-Mike.

„Das würdest du nicht sagen, wenn du wüsstest, was ich alles gemacht habe. Schon vor dem Krieg... ich... bin Schuld, dass... Dumbledore tot ist!"

„Wie bitte?", hauchte Daniel entsetzt, „Kann uns mal bitte jemand aufklären?"

„Du bist nicht Schuld an Dumbledores Tod!", sagte Harry vehement, „Er war schon vorher am Sterben. Er hatte nur noch wenige Tage zu leben, als du ihn auf dem Astronomieturm entwaffnet hast."

„Was? Woher weißt du vom Astronomieturm?", Malfoy war jetzt schneeweiß.

„Ich war da", sagte Harry leise, „Unter meinem Tarnumhang... Dumbledore hatte mich an die Wand gebannt."

„Tarnumhang?", fragte Alice fassungslos.

„Und außerdem ist es gut, dass du ihn entwaffnet hast. Nur so konnte sich die Macht über den Elderstab auf mich übertragen, als ich deinen Zauberstab genommen habe. Und nur so konnte ich Voldemort schlussendlich besiegen..."

„Der Elderstab?", fragte Draco erstaunt.

„Zauberstab?", fragte Daniel.

„Hermione hat im Nachhinein alles rekonstruiert", erklärte Harry, „Ich war tatsächlich gleichzeitig im Besitz aller drei Heiligtümer des Todes. Und deswegen konnte Voldemort besiegt werden."

„Potter, wenn das wahr ist...", Malfoy schluckte, „Wenn das wahr ist, dann... bedeutet das doch, dass am Ende alles Fügung war... dass es so kommen musste."

„Vielleicht...", Harry lächelte, „So, da hast du Stoff für deinen nächsten Comic."

„Soll das heißen, du erlaubst mir, weiter zu machen?"

„Sieht wohl so aus", sagte Harry schulterzuckend, „aber unter einer Bedingung..."

„Wieso brauchst du Harrys Erlaubnis dafür?", fragte Kevin.

„Und die wäre?"

„Du lässt mich dein Berater sein... da steht so viel Unsinn in deinen Comics... also wirklich, wie kannst du glauben, Hermione hätte alleine den Troll besiegt?"

„Na ja, sie war immerhin die schlauste von euch..." - „Ist sie auch immer noch." - „Also, so ein bisschen Hilfe beim Aufbau der Geschichten könnte ich schon gebrauchen. Und du weißt schließlich am Besten bescheid, wie alles abgelaufen ist. Aber glaubst du nicht, das gibt Mord und Todschlag, wenn wir zusammenarbeiten?", fragte Malfoy.

„Das käme auf einen Versuch an, meinst du nicht?", fragte Harry und zwinkerte.

Plötzlich zuckte Harry zusammen, als Alice neben ihm aufkreischte. „Aaaaaah! Könnt ihr beiden mal die Klappe halten? Was geht hier vor sich?! Wollt ihr allen Ernstes behaupten, die Geschichten von Maxwell sind wirklich passiert?"

Malfoy sah sie forschend an. „Schau dir mal Potter genau an", sagte er schließlich, „Siehst du die Narbe auf seiner Stirn? Genau wie Maxwell? Potters Narbe ist nicht aufgemalt, wie die von deinem Kumpel da drüben..."

Harry starrte Malfoy böse an, als auf einmal alle Aufmerksamkeit auf seiner Stirn lag.

„Ist die wirklich echt?", fragte Daniel.

Harry zuckte die Schultern.

„Und nehmt mal Potters Zauberstab", meinte Malfoy und Harry umfasste den Stab sofort sehr fest. Das kam überhaupt nicht in Frage, dass hier irgendwelche Muggel seinen Zauberstab begrabschten! „Potter zeig mal was", forderte Malfoy Harry auf.

Harry seufzte. Aber es war eh schon alles verraten, also konnte er auch ein bisschen angeben. Dann grinste er verschmitzt und mit einem gekonnten Schlenker seines Zauberstabs, hing Malfoy plötzlich kopfüber in der Luft.

Alice kreischte wieder in sein Ohr, während Malfoy laut protestierend verlangte, wieder runter gelassen zu werden. Die Anderen starrten Malfoy fassungslos an.

„Soll das heißen", sagte Vampir-Mike langsam, „dass Harry der echte Maxwell Prudence ist?! Und alles in Wirklichkeit erlebt hat?"

„Na ja, nicht alles", sagte Harry ausweichend, „das mit dem alternativen Universum ist auf Malfoys Mist gewachsen. Apropos, wie bist du eigentlich auf die ganzen komischen Namen gekommen?", fragte er in Malfoys Richtung gewandt und ließ ihn wieder richtig herum auf seinen Sessel sinken.

Malfoy strich seine Haare zurecht. „Internet, Potter, schon mal davon gehört?"

Du kennst das Internet?"

Malfoy verdrehte die Augen. „Was meinst du, wie ich sonst an einen Verleger gekommen bin? Hat er eines Tages nackt auf meinem Schreibtisch gelegen?"

„Oh mein Gott", sagte Kevin und seine Stimme klang eine Oktave höher, „Wir sind den ganzen Tag mit dem echten Maxwell Prudence über eine Maxwell Prudence-Convention gelaufen und wir haben es nicht gewusst!", er schüttelte ungläubig den Kopf.

Daniel schien schneller von Begriff und zog einen Maxwell-Prudence-Comic aus seiner Tasche. „Harry, ich brauche unbedingt ein Autogramm von dir! Da genau neben der Blitznarbe."

Harry nahm den Kugelschreiber entgegen und unterschrieb. Er hatte schon auf verrückteren Gegenständen, als einem Comic über ihn selbst, sein Autogramm gesetzt.

Auch die anderen forderten ihn nun begeistert auf, ihre Comics zu unterschreiben. Nur Kevin hielt ihm einen Edding und seinen Unterarm hin.

„Leute, ich werde diesen Unterarm nie wieder waschen!" Dann schien ihm eine Idee zu kommen und er wandte sich an Malfoy. „Du unterschreibst auch, ja? Aber nicht mit Dino Goodluck, sondern mit deinem echten Namen."

Kevin strahlte erfreut, als Malfoy tatsächlich zur Tat schritt und seinen Kaiser Wilhelm unter Harrys Autogramm setzte. Dann stutzte der Rothaarige. „Moment Mal, wer bist du eigentlich?"

„Das steht da doch auf deinem Unterarm", sagte Alice, die versuchte, die Unterschrift zu lesen.

„Nein", sagte Kevin, „ich meine: Wer von deinen Comic-Figuren bist du, wenn du anscheinend mit Maxwell... äh, ich meine... Harry zusammen zur Schule gegangen bist..."

Nun wandten sich alle, einschließlich Harry, neugierig Malfoy zu.

Malfoy sah etwas verlegen aus. „Neto Darnell", sagte er schließlich.

Die Gruppe starrte ihn entsetzt an, nur Harry fing an zu lachen. „Du heißt Danielle mit Nachnamen?"

„Darnell, Potter, das ist ein sehr ehrwürdiger Name", verteidigte sich Malfoy.

Du bist Darnell?", fragte Vampir-Mike, „dieses kleine Miststück?"

Die anderen waren sprachlos.

„Da steckt ja wohl doch etwas Wahrheit in deinen Comics, Malfoy", gluckste Harry.

Alice fasste Harry am Handgelenk, „Wie kannst du hier so ruhig neben ihm sitzen, nach allem, was er dir angetan hat?"

„Ach, das liegt doch alles hinter uns", wehrte Harry ab, „außerdem war Voldemort" - „Bagwisthan", warf Malfoy erklärend ein, - „viel schlimmer."

„Na und!", rief Daniel, „das kannst du ihm doch nicht einfach so verzeihen! Und dem haben wir seine Comics abgekauft!"

Auch Vampir-Mike starrte Malfoy aufgebracht an, „Du bist wohl immer nur auf Ruhm und Reichtum aus, was?"

Kevin fuchtelte mit seinem Unterarm durch die Gegend. „Wie krieg ich denn jetzt diese fürchterliche Unterschrift von meinem Arm, ohne Harrys zu verlieren?"

Harry sah seine Chance gekommen, dieser Aufregung ein Ende zu bereiten.

„Komm her, das krieg ich mit einem Zauber hin, Malfoy, geh mal bei Seite."

Harry zog seinen Zauberstab. Malfoy verstand die Aufforderung richtig und setzte sich zügig in Richtung Ausgang in Bewegung.

Und mit einem kurzen, schmerzlosen Zauber hatte sich der Tag auf der Convention für Daniel, Alice, Kevin und Vampir-Mike in einen tollen, aufregenden, aber Harry-freien Tag verwandelt.

„Puh, das war jetzt etwas aufregend am Ende", sagte Malfoy und strich sich etwas betreten die Kleidung glatt, „Lass uns verschwinden. Ich kenne da eine nette Bar in der Nähe, ich lade dich ein."

„Einverstanden. Aber zieh dich vorher um. Du hast immer noch die Lumpen von deinem Hagridkostüm an."