Herzlich Willkommen bei meinem neuesten Projekt.

Dies ist bei weitem nicht meine erste Fanfiction, jedoch die erste seit sehr langer Zeit, die ich hier veröffentliche. Eigentlich hatte ich mich von den FanFictions abgewendet und angefangen eigene Kurzgeschichten zu schreiben. Jedoch ist das Thema, das ich hier behandeln will, etwas, das mich persönlich sehr betrifft. Ich fühle mich noch nicht bereit, das in einer ganz eigenen Idee, einer eigenen Welt zu thematisieren. Deshalb habe ich mir erneut Rowlings Welt ausgeliehen.

Die FanFiction ist für mich jedoch nur ein Zeitvertreib. Sie ist noch nicht fertig geschrieben und wird wahrscheinlich sehr unregelmäßig weitergeführt werden. Wie ich mich jedoch kenne, werde ich sehr schnell druch Reviews beeinflussbar sein.
Das Rating ist momentan noch auf P12, sollte ich jedoch merken, dass es doch etwas heftiger wird, werde ich es auf P16 hochsetzen.
Nun jedoch genug von mir, ich wünsche euch viel Spaß.

Disclaimer: Mir gehört nichts. Harry Potter und die Welt um ihn herum gehört J.K. Rowling, ich habe mir die handelnden Personen nur ausgeliehen. Ähnlichkeiten mit anderen FanFictions sind nicht beabsichtigt und sollten sie auftreten, so sagt mir doch bitte Bescheid.


Latibule - (n.) a hiding place. A place of safety and comfort.

Leise seufzte er auf. Mit leerem Blick schaute er auf die Straße vor seinem Fenster, den Kopf an die kühle Scheibe angelehnt. Es war ein angenehmer Sommertag. Die Sonne schien durch die Blätter des Baumes im Vorgarten. Sanft streichelten die Sonnenstrahlen seine blasse Haut, umschmeichelten sein eingefallenes Gesicht. Ein sanfter Wind wehte durch die Blätter, während Vögel sich gegenseitig zuzwitscherten.

Doch er bekam davon nichts mit. Er nahm nichts von dem idyllischen Vorstadtleben außerhalb seines Zimmers wahr. Viel zu sehr war er mit sich selbst und seinen Gedanken beschäftigt.

Während noch vor einem Jahr das schöne Wetter wenigstens etwas seine Laune gebessert hätte, so ließ ihn das in diesem Sommer völlig kalt. Nicht einmal der Gedanke, dass er in wenigen Tagen zurück nach Hogwarts gehen würde, ließ ein Lächeln auf seinem Gesicht erscheinen.

Hogwarts. Das Schloss, das in den letzten fünf Jahren sein Zuhause gewesen war, seine Flucht aus dem furchtbaren Leben mit seinen Verwandten, wirkte nun auf ihn wie ein Gefängnis. Er wusste genau, dass er keine einzige ruhige Minute haben würde, sobald er den Hogwartsexpress betreten würde. Dabei wünschte er sich nichts sehnlicher als das.

Seit sein Pate gestorben war, waren fast drei Monate vergangen. Drei Monate, in denen er keine Zeit gehabt hatte, zu Trauern. In den ersten Tagen nach dem Vorfall in der Mysteriumsabteilung des Ministeriums für Magie hatte er versucht es zu verdrängen. Er konnte und wollte nicht glauben, dass Sirius, sein Pate, sein Ersatzvater, gestorben war.

Er konnte sich nicht erinnern, wie er die ersten Tage überstanden hatte. Gedanklich nicht anwesend war er durch die Korridore der Schule geschlichen, hatte versucht all seinen Freunden und Mitschülern auszuweichen. Zu den Mahlzeiten in der großen Halle war er erschienen, hatte etwas gegessen – was, das konnte er beim besten Willen nicht sagen – und war danach wieder in den Gängen des Schlosses verschwunden.

Kurz darauf war er zu seinen Verwandten gebracht worden. Sie hatten zwar die Mahnung bekommen, ihn gut zu behandeln, doch das ließ seinen Onkel kalt. Seit dem Moment, in dem er über die Türschwelle getreten war, wurde er mit Aufgaben überhäuft. Einerseits war er froh darüber, denn so hatte er immer etwas zu tun. Er war immer abgelenkt, war beschäftigt und hatte so keine Zeit in seinen trübsinnigen Gedanken zu versinken.

Doch andererseits hatte er keine Zeit für sich. Keine Zeit, sich mit dem Geschehenen auseinander zu setzten, einfach nur zu trauern. Und nun würde er in drei Tagen bereits im Hogwartsexpress sitzen. Umgeben von seinen Freunden, anderen Schülern und den Lehrern. Rund um die Uhr in Gesellschaft, keine einzige ruhige Minute nur für sich alleine.

Erneut seufzte er auf, schnappte sich den Lumpen auf der Fensterbank und begann die Scheibe zu putzen. Mit eintönigen Bewegungen säuberte er das Fenster, froh über die kurze Zeit, in der er alleine in seinem Zimmer war. Doch auch diese kleine Auszeit würde in einigen Minuten vorbei sein. Seine Tante wartete sicherlich schon im Wohnzimmer darauf, dass er auch dort die Fenster putzte. Der Tag wird wieder viel zu schnell herum gehen, und schon wird er wieder in seinem Bett liegen, vollkommen erschöpft. Nicht nur körperlich, sondern vor allem seelisch. Er wird des Lebens müde im auf der harten Matratze liegen und sich einfach nur wünschen, am nächsten Tag aufzuwachen und zu bemerken, dass alles nur ein schlimmer Traum war. Doch er wusste ganz genau, dass das nur ein Wunschdenken war.

Denn nichts und niemand konnte das Geschehene rückgängig machen.

Ihm blieb nur übrig, sich damit auseinander zu setzen, es zu akzeptieren. Versuchen, sein Leben weiter zu führen. Sich nicht unterkriegen lassen. Immer vorausschauen.

Ihm blieb auch nichts anders übrig. Immerhin hatte er erfahren, dass er der Auserwählte war. Der einzige, der dazu fähig war, Lord Voldemort zu töten. In den ersten Wochen nach DEM Tag hatte er die Prophezeiung einfach ignoriert. Der Tod seines Paten war noch zu frisch, hat noch zu sehr geschmerzt, als dass er über etwas anderes nachdenken konnte. Doch irgendwann war ihm klar geworden, was die Prophezeiung wirklich besagte. Er musste zum Mörder werden, um nicht selbst getötet zu werden. Er, ein gerade einmal sechzehnjähriger Junge musste den mächtigsten und gefürchtetsten Mann der Welt töten.

Ihm ging es nicht einmal wirklich darum, sein eigenes Leben zu retten. Wenn es nur um ihn gegen würde, würde er sofort abhauen, all das hinter sich lassen, den Dunklen Lord einfach Dunklen Lord sein lassen und sich ein neues Leben in Amerika aufbauen. Doch an seiner Entscheidung hing noch so viel mehr. Eins war klar: wenn Voldemort an die Macht kommen sollte, so würde keiner seiner Freunde überleben. Und auch jetzt waren sie schon in großer Gefahr, allein deshalb, weil sie seine Freunde waren. Er wollte nicht noch einmal dafür verantwortlich sein, dass ein Mensch, den er liebte, starb. Und das würde unweigerlich passieren, sollte er sich aus dem Kampfgeschehen heraus halten. Klar, natürlich konnte das auch passieren, wenn er sich seinem Schicksal stellen und gegen Voldemort kämpfen würde. Doch immerhin hätte er dann sein Bestes gegeben und zumindest versucht, seine Freunde zu schützen. Die Frage war nur, ob er selbst das alles überleben würde. Er war nichts weiter als ein sechzehnjähriger Teenager, der nur durchschnittlich begabt war und gerade versuchte, mit dem Tod eines geliebten Menschen klar zu kommen. Er war ein ganz normaler Junge. Einfach nur Harry.

Wobei er sich in diesem Moment nicht einmal mehr sicher war, wer denn überhaupt Harry war. Harry Potter, der Junge, der überlebte.

Held der Zaubererwelt.

Von der magischen Gesellschaft gefeiert als Bezwinger Voldemorts.

Ein Junge, in den alle ihre Hoffnung setzte. Ein Junge, der den kommenden Krieg bezwingen sollte.

In den letzten Jahren war er an einem Tag gefeiert, am nächsten geachtet worden. Die Meinung der Gesellschaft änderte sich quasi im Stundentackt. Natürlich hatte ihn das sehr oft verärgert und enttäuscht. Besonders als sein bester Freund Ron im vierten Schuljahr plötzlich nicht mehr an ihn geglaubt hatte, sondern sich mit dem Rest der Schule gegen ihn gestellt hatte.

Dennoch war es ihm einigermaßen egal gewesen, was die Presse über ihn gesagt hatte, und selbst bei den meisten seiner Mitschüler hatte es ihm nicht sonderlich viel ausgemacht. Er war auch schon in der Grundschulzeit immer alleine gewesen und hatte niemanden, dem er sich anvertrauen konnte. Dank Dudleys Tyrannei hatte sich keiner mit ihm anfreunden wollen und ehrlich gesagt, war es ihm so sogar recht gewesen. Er war schon immer gerne alleine gewesen.

Während all der vergangenen Jahre war jedoch eines immer gleichgeblieben: Er selbst.

Selbst wenn die Gesellschaft ihn verachtet, seine Freunde ihn gemieden haben, so konnte er sich doch auf sich selbst, auf seine Werte, Wünsche, Erfahrungen und Reaktionen verlassen. Er war immer er selbst geblieben.

Ein lebensfroher Junge, der mit offenen Augen durch die Welt geht. Begeistert von der Magie um sich herum, offen für neue Freundschaften. Mit einer gesunden Neugier und einem Drang nach Wissen und Verständnis.

Doch nun, nachdem sein Pate gestorben war, war er sich nicht mehr so sicher, was noch von diesem Jungen in ihm übriggeblieben war. Der Verlust hat ein großes Loch in seinem Herzen hinterlassen, von dem er sich noch nicht sicher war, ob es jemals heilen würde. Und auch ein Teil von ihm selbst war in dieser schicksalshaften Nacht im Ministerium gestorben.

Lustlos schlich er die Treppe hinunter, ignorierte das Gekeife seiner Tante, wieso er denn so lange gebraucht habe. Nicht einmal die Beleidigungen Petunias brachten eine Reaktion aus ihm heraus.

Ja, er hatte sich verändert. Ob zum Guten oder zum Schlechten, das würde sich noch zeigen.

Doch der unschuldige Junge in ihm war definitiv gestorben.

Er war nicht mehr einfach nur Harry.