Müde rieb sich Harry die brennenden Augen. Laut gähnte er auf, bevor er auf seine Armbanduhr schaute. Zwei Uhr nachts.

Das sanfte Licht seines Zauberstabes durchbrach die Dunkelheit, zeichnete sanfte Schatten auf das Buch vor sich. Ein dickes, altes Buch mit bereits vergilbten Seiten ruhte auf seinen zum Schneidersitz verschränkten Beinen, tief war er über die kleine Schrift gebeugt. Sein Rücken schmerzte bereits fürchterlich und auch sein Nacken fühlte sich schon steif an. Die Vorhänge um sein Bett herum waren fest zugezogen und ein Stillezauber umgab ihn, damit er die anderen Schüler in seinem Schlafsaal nicht störte.

Seit mehreren Stunden saß er schon so da und durchblätterte ein Buch nach dem anderen. Gelegentlich markierte er sich einige Seiten, machte sich Notizen auf einer extra Rolle Pergament. Doch bisher hatte er noch nichts gefunden.

Nach seinem Gespräch mit Dumbledore war Harry emotionslos im Korridor gestanden und hatte nicht so wirklich gewusst, was er tun sollte. Horcruxe. Das war der Begriff für Voldemorts Seelenanker, die ihn unsterblich machten. Das Wissen hatte Harry erst einmal den Boden unter den Füßen weggezogen. Voldemort war unsterblich. Selbst, wenn er, der Junge, der lebte, es schaffen würde, den dunklen Lord zu töten, so würde er doch wieder auferstehen.

Auch jetzt noch, mitten in der Nacht, und einige Stunden, nachdem er das erste Mal davon erfahren hatte, blieb ihm das Herz stehen.

Unsterblich.

Harry fühlte sich machtlos. Und zum Sterben verurteilt.

Wie sollte er das nur schaffen? Voldemort zu besiegen erschien ihn von Sekunde zu Sekunde unmöglicher. Er selbst war nur ein kleiner, unscheinbarer Schüler, der, abgesehen von Quidditsch, nicht einmal ein besonderes Talent hatte. Er besaß keine Superkräfte oder hatte ein ansehnliches Arsenal an Flüchen.

Nein.

Er war ein Schüler der sechsten Klasse, der auch ohne die Prophezeiung oder einen dunklen Lord nicht mit seinem Leben klarkam.

Und nun lastete auch noch das Wissen um Voldemorts Unsterblichkeit schwer auf ihm.

Harry fühlte sich einfach nur erdrückt. Erdrückt von der Last der Prophezeiung und der Horcruxe.

Es war einfach zu viel.

Er wollte doch nichts anderes, als vor sich hin zu leben. Um Sirius zu trauern. Zeit für sich haben. Wieder zu seinem alten selbst zurückfinden. Und irgendwann einmal eine Familie gründen.

Doch bereits mit der Prophezeiung hatte diese Zukunftsversion für ihn sehr unwahrscheinlich geklungen. Und nun, mit dem Wissen um die Horcruxe, war Harry sich sicher, dass er nicht einmal sein letztes Schuljahr überleben würde.

Dieser Gedanke raubte ihm die Luft zum Atmen.

Harry wusste nicht einmal mehr, wie er es von Dumbledores Büro bis in die Bibliothek geschafft hatte. Halb blind war er durch die Gänge getaumelt, hatte sich teilweise an den Wänden abstützen und tief Luft holen müssen. Als er in der Bibliothek angekommen war, war er erst einmal einige Minuten reglos in einem Stuhl gesessen, scharf beobachtet von Madame Pince, der Bibliothekarin. Es war zwar noch vor der Sperrstunde, dennoch war er der einzige Besucher der Bibliothek.

Tausende Gedanken waren ihm durch den Kopf gegangen.

Wie sollte er das schaffen? Konnte er das überhaupt irgendwie schaffen? Oder war er wirklich schon zum Tode verurteilt?

Was würde geschehen, wenn er nicht alle Horcruxe finden und zerstören würde?

Was würde aus der Zaubererwelt werden?

Und aus seinen Freunden?

In diesem Moment hatte sich Entschlossenheit in ihm breit gemacht. Er würde alles dafür geben, damit keiner seiner Freunde sterben musste. Keiner hatte es verdient, so früh sterben zu müssen. Erst recht nicht Ron oder Hermine. Die beiden hatten so viel ihrer Kindheit und Jugend für ihn geopfert, so ziemlich alle Lebenslagen mit ihm durchgestanden. Und es gab noch so viel, was die beiden miteinander erleben konnte.

Und es war seine Aufgabe dafür zu sorgen, dass sie es auch machen konnten.

Und noch etwas hatte er in dieser Sekunde beschlossen: Harry wollte und konnte seine Freunde nicht mit diesem neuen Wissen belasten. Er würde das alleine, beziehungsweise mit der Hilfe Dumbledores, durchstehen.

Das war noch so etwas, das Harry sehr verwunderte. Dumbledore hatte beschlossen, dass die beiden sich ab sofort einmal in der Woche treffen würden, um gemeinsam daran zu arbeiten, die Horcruxe zu finden. Nie hatte Harry damit gerechnet, dass der Schulleiter ihn in die Suche mit einbeziehen würde. Doch ihm war das nur recht.

Erst einmal galt es jedoch noch mehr Informationen über die Seelenbehälter zu finden.

Harry war erst einmal planlos durch die Bibliothek gegangen, vorbei an unzähligen Bücherrücken. Nach was genau sollte er suchen? Horcruxe zählten zur schwarzen Magie, da würde er in einer Schulbibliothek ja wohl kaum ein Buch darüber finden.

Dennoch saß er nun auf seinem Bett, um sich herum ausgebreitet mehrere alte Bücher. Unter anderem über die menschliche Seele, das Leben nach dem Tod und die Jahrbücher Tom Riddles.

Wenn er schon nichts über die Horcruxe an sich finden konnte, dann wollte er wenigstens etwas mehr über Voldemort lernen, und wie die menschliche Seele aufgebaut war. Harry plante jedoch in der nächsten Nacht mit seinem Tarnumhang in die verbotene Abteilung zu schleichen und dort nach Informationen zu suchen.

Doch das musste bis zur nächsten Nacht warten. Seine Augen wurden immer schwerer, seine Konzentration ließ gewaltig nach. Und noch bevor er die Bücher wegräumen konnte oder sich überhaupt bewusst dazu entscheiden konnte, jetzt schlafen zu gehen, war er schon in sein weiches Kissen gesunken und eingeschlafen.

Mit aufgeschlagenem Buch saß er am nächsten Morgen am Frühstückstisch. Sein Kopf pochte und seine Augen waren nur kleine Schlitze, doch das hielt ihn nicht davon ab, sich auf das Buch zu konzentrieren. Die Stimmen seiner Mitschüler verschwammen zu einem summenden Hintergrundgeräusch, während er in sein Buch vertieft war.

Obwohl Harry erst so spät eingeschlafen war, war er relativ früh durch einen Albtraum aufgewacht. Mit pochendem Herzen und hektisch nach Luft schnappend war er senkrecht in seinem Bett gesessen. Die schrecklichen Bilder der Mysteriumsabteilung noch vor Augen hatte er trocken Aufgeschluchzt und versucht sich zu beruhigen. Mehrere Male musste er tief durchatmen, bevor der Klos in seinem Hals verschwand.

Er durfte und wollte nicht zusammenbrechen. Denn Harry wusste, dass wenn er einmal seinen Tränen freien Lauf lassen würde, dass es ihm dann umso schwerer fallen würde, die einzelnen Teile seiner selbst wieder zusammen zu flicken. Es fiel ihm so schon schwer genug, vor seinen Mitschülern so zu tun, als sei alles in Ordnung. Doch würde er einmal nachgeben, wäre der Damm einmal gebrochen, dann wäre es ein Ding des unmöglichen, erneut so zu tun, als ginge es ihm gut.

Also hatte er seine Gefühle verdrängt und sich auf das nächst beste konzentriert: Auf die Bücher, die immer noch auf seinem Bett verstreut herumlagen.

Zwar konnte nichts und niemand die Leere und die Trauer in seinem Inneren vertreiben oder überschatten, doch es half ihm wenigstens, den Terror der Nacht zu vergessen.

Seit den frühen Morgenstunden saß Harry also schon in der großen Halle und konzentrierte sich auf das Buch vor sich. Er merkte nicht, wie nach und nach die Lehrer die Halle betraten oder wie der Gryffindortisch sich langsam füllte. Ab und zu griff er blind nach der Tasse vor ihm, die er mit Kaffee gefüllt hatte. Um den Tag nach nur drei Stunden Schlaf überstehen zu können, brauchte er mehr, als Kürbissaft. Erst als eine schmale Hand sich auf seinen Oberschenkel legte, schreckte er auf.

„Harry, seit wann bist du denn wach?" fragte Hermine ihn leise und schaute ihn besorgt an.

Schulterzuckend antwortete Harry: „Schon ein paar Stunden, ich konnte nicht mehr schlafen."

Sanft streichelte Hermine über seinen Oberschenkel und fragte besorgt, ob es ihm gut ginge. Er lächelte sie nur an und konzentrierte sich auf die Hand auf seinem Bein. Sie gab eine beruhigende Wärme ab und die Berührung ließ ihn fast dahin schmelzen. Sie gab ihm Kraft und dennoch die Gewissheit, dass Hermine für ihn da sein würde.

War sein Lächeln anfangs noch etwas verkrampft, so wurde es von Sekunde zu Sekunde ehrlicher.

Hermine wusste einfach immer ganz genau, was er brauchte.

„Danke", flüsterte er leise, bevor er sich wieder dem Buch vor sich widmete. Die kleine, zierliche Hand blieb während der ganzen Zeit auf seinem Oberschenkel und zeichnete kleine Kreise, bis sie jedoch zum Unterricht aufbrechen mussten.

Der Tag ging Harrys Meinung nach viel schneller um, als erwartet. Im Gegensatz zu den vorherigen Jahren und zum gestrigen Tag passte er die ganze Zeit auf und lauschte seinen Lehrern sehr aufmerksam. Die letzte Nacht hatte ihm wieder bewusstgemacht, wie wenig er wusste und wie viel er noch zu lernen hatte. Voldemort konnte nicht einfach mit einem „Expelliarmus" besiegt werden. Deshalb hatte sich Harry vorgenommen, von nun an im Unterricht immer sehr aufmerksam zu sein. Denn je mehr Wissen er anhäufte, desto größer war die Wahrscheinlichkeit, dass er siegen könnte.

So machte er sich in jeder Stunde viele Notizen und strengte sich besonders an.

Und noch bevor er sich versah, saß er bereits, unter seinem Tarnumhang versteckt, in der verbotenen Abteilung der Bibliothek und suchte nach Büchern zum Thema Horcrux. Doch so einfach war das auch hier nicht. Hunderte Bücher standen in den Regalen, ihre Rücken zeigten nur die Titel an. Wie sollte er da ein passendes Buch zu seinem Problem finden?

Mit erhobenem, leuchtenden Zauberstab schritt er die Reihen entlang, studierte aufmerksam die Titel. Ab und zu zog er ein interessant klingendes Buch heraus, besah sich das Inhaltsverzeichnis, blätterte einige Seiten durch und stellte es wieder zurück. Die Stunden vergingen, es war bereits weit nach Mitternacht, als Harry beschloss in den Schlafsaal zurück zu kehren und seine magere Ausbeute genauer zu lesen. Zwei schwere und alte Bücher schleppte er unter seinem Tarnumhang mit sich: Die Magie der Seele und ein weiteres Buch mit dem Titel Die Seele und ihr Anker.

Der Begriff Horcrux wurde zwar in keinem der Bücher auf den ersten paar Seiten, die er überflogen hatte, genannt, dennoch klangen sie vielversprechend.

Auch in dieser Nacht las er noch lange, bis er kurz vor drei erschöpft einschlief.


Der nächste Morgen kam für Harry viel zu früh. Unausgeschlafen trabte er zusammen mit Ron und Hermine durch die Korridore in die große Halle, unter seinem Arm ein weiteres Buch, das er sich legal aus der Schulbücherei ausgeliehen hatte. Wie am Tag zuvor wollte er vor dem Unterricht noch ein bisschen lesen, nebenbei frühstückend, doch dazu kam es gar nicht erst.

Als das Trio die große Halle betrat, war bereits lautes Getuschel zu hören.

Alle Lehrer waren anwesend und auch die Haustische waren gut befüllt, doch kein Schüler war am Frühstücken.

Verwirrt blieb Harry in der Tür stehen, als ihm bewusst wurde, wieso die Schüler so unruhig waren.

Die Tische waren leer. Keine Teller standen bereits, nirgends war Essen zu sehen.

Nur Gläser und mit Wasser gefüllte Glaskaraffen deckten den Tisch.

Verwundert schaute Harry zum Lehrertisch, doch keiner der Professoren sah aufgrund des fehlenden Essens besorgt aus. Vielmehr funkelten Dumbledores Augen schelmisch durch die ganze Halle.

Es war also keinesfalls ein Versehen, dass das Frühstück noch nicht bereitstand, sondern vielmehr ein Plan des Schulleiters.

Kopfschüttelnd folgte Harry seinen beiden Freunden, die bereits zu ihrem Haustisch vorgegangen waren. Ron saß mit offenem Mund und panischem Blick vor dem leeren Tisch. Wenn es ums Essen ging verstand er kein Spaß.

Harry ließ sich kommentarlos auf der Bank neben Hermine nieder und schlug sein Buch auf. Dumbledore würde schon früh genug erzählen, wieso sie auf ihr Essen warten mussten. Wieso sollte er sich deswegen Sorgen machen oder mit seinen Klassenkameraden diskutieren, was los war? Die Zeit konnte er viel sinnvoller nutzen.

„Harry, wie kannst du jetzt nur lesen? Das Essen… es ist nicht da! Wir werden verhungern! Und du… du sitzt hier… und liest! In einem Buch!" Panisch unterbrach ihn Ron mit hoher Stimme. Doch Harry konnte darüber nur den Kopf schütteln. „Ron, schau dir Professor Dumbledore doch einmal genau an. Dass wir bei dem Funkeln in seinen Augen noch nicht blind geworden sind, ist alles. Er weiß, was hier los ist. Also beruhige dich und warte ab, was er zu sagen hat" antwortete Harry nur mit ruhiger Stimme und blätterte die Seite um. Die verwunderten Blicke von Ron und Hermine sah er überhaupt nicht.

Es dauerte tatsächlich auch nicht lange, bis sich am Lehrertisch jemand räusperte. Es war allerdings nicht Dumbledore, sondern Professor Porter, der sich erhoben hatte und nun mit einem amüsierten Blick in die Runde schaute.

Augenblicklich erlosch das Gemurmel in der Halle und Stille senkte sich über die Haustische.

„Wie unschwer zu erkennen war, haben Sie sich alle schon gewundert, wieso es heute Morgen kein Frühstück gibt. Grund dafür ist die Doppelstunde Verteidigung, die Sie alle, egal in welcher Stufe Sie sich befinden, heute Morgen auf dem Stundenplan haben." Verwundert schauten sich die Schüler an, während einige ihre Stundenpläne herausholten und mit Schülern aus einer anderen Klasse vergleichen.

Harry dagegen erinnerte sich an die kryptischen Worte des Lehrers in ihrer ersten Stunde, in der er erwähnt hatte, dass in ihrer Mittwochsstunde etwas Besonderes auf sie warten würde.

„Jeden Mittwochmorgen wird ab sofort die ganze Schule zusammen Sport machen!"

Gequältes Gestöhne ging durch den ganzen Raum. Sport? Auf Hogwarts?

„Deshalb bitte ich Sie alle mir auf das Gelände zu folgen." Tonks und Porter verließen gemeinsam die Halle, zögerlich schlossen sich die Schüler an und verließen das Schloss. Auf dem Quidditchfeld versammelten sie sich schließlich. Bevor es jedoch losging, wurden die Schüler in zwei Gruppen aufgeteilt.

Die Stufen eins bis vier versammelten sich um Tonks, während die restlichen Schüler mit Porter auf die andere Seite des Feldes gingen.

Vergnügt stellte sich Professor Porter vor seine Schüler und schaute sie mit einem schelmischen Blick an und ignorierte dabei die Todesblicke seiner Schüler.

„Um sich erfolgreich gegen einen anderen Zauberer oder eine Hexe verteidigen zu können, ist es nicht nur wichtig, Zaubersprüche und Flüche zu beherrschen, sondern auch körperlich fit zu sein. Es ist nicht immer möglich, einen Fluch abzuwehren. Manchmal ist es auch nötig, auszuweichen, um nicht getroffen zu werden. Deshalb werden wir von nun an jeden Mittwochmorgen zwei Stunden Sportunterricht haben. In Ihrer Schuluniform ist das jedoch nicht möglich…"

Noch während der Professor sprach, schwang er seinen Zauberstab und verwandelte die Uniformen der Schüler und Schülerinnen in schwarze Jogginghosen, ein einfaches T-Shirt und einen schwarzen Kapuzenpullover. Die Schuhe wurden zu Turnschuhen.

Verwundert schauten die Schüler an sich herab, der ein oder andere legte bereits seinen Rucksack ab, manche Mädchen machten sich schnell einen Pferdeschwanz. Die meisten Slytherinschüler sahen ihren Lehrer jedoch einfach nur mit einem bösen Blick an. Wie konnte er es wagen, so etwas wie sportliche Aktivität von seinen Schülern zu erwarten? Das war unter ihrer Würde…

Porter ließ sich davon jedoch nicht beeindrucken und sprach weiter.

„Nächste Woche erwarte ich von Ihnen, dass sie bereits in Sportkleidung in die große Halle kommen. Ich werde keine Ausreden akzeptieren, geschwänzt wird nicht. Wer ernsthaft verletzt oder krank ist, kann sich bei Madame Pompfrey ein Attest geben lassen. Ich werde keine Noten verteilen, das heißt jedoch nicht, dass Sie sich nicht anstrengen müssen. Mir ist durchaus bewusst, dass der Großteil von Ihnen sportlich nicht sonderlich aktiv ist, abgesehen von Quidditch. Wir werden langsam anfangen und unser Tempo und die Anzahl der Übungen steigern. Stellen Sie sich auf Muskelkater in den nächsten Tagen ein. Ihnen wird die ein oder andere Übung am Anfang schwerfallen, doch lassen Sie sich davon nicht entmutigen. Jeder hat einmal klein angefangen, doch mit Übung und viel Fleiß werden Sie schon bald merken, dass Sie sich verbessern und ihnen alles leichter fällt. Doch jetzt genug geredet, los geht's!"

Und damit begann der Sportunterricht. Porter blies laut in eine Trillerpfeife und begann dann mit einigen einfachen Übungen, um die Muskeln aufzuwärmen. Anschließend mussten sie zwei Runden um das Quidditchstadion laufen, jeder in seinem eigenen Tempo. Bereits da zeigte sich, wer in seinen Ferien und in der Freizeit ab und zu etwas Sport machte und wer nur faul herumsaß. Anschließend machten sie einige Dehnübungen, die für alle Schüler jeglicher Klasse anstrengend waren. Während der ganzen Zeit versuchten immer wieder einige Schüler sich um die Übungen zu drücken oder sie weigerten sich schlichtweg, überhaupt an dem Unterricht teilzunehmen, doch Porter griff gnadenlos durch und gab all jenen Schülern Nachsitzen bei Filch.

So gingen die zwei Stunden relativ schnell herum. Erschöpft ließ sich Harry ins Gras sinken, verschränkte die Arme hinter dem Kopf und blickte in den blauen Himmel über sich. Sein Herz pochte etwa schneller als sonst und auch seine Atmung war nicht ganz so regelmäßig, wie normalerweise, doch er fühlte sich einigermaßen gut.

Erschöpft, aber gut. Erstaunlicherweise konnte er alle Übungen mitmachen und auch das Joggen um das Feld fiel ihm einigermaßen leicht. Für zwei Stunden hatte er die Sorgen um die Prophezeiung und um Voldemort vergessen, selbst an Sirius hatte er in der Zeit kein einziges Mal denken müssen. Er hatte sich fast schon befreit gefühlt.

Doch nun war er einfach nur erschöpft. Der Schlafmangel der letzten Tage holte er ein und er wollte nichts anderes, als einfach nur schlafen.

Porter jedoch schien das bemerkt zu haben.

„Mr. Potter, ab mit Ihnen unter die Dusche und dann wartet das Frühstück auf Sie" erklang die tiefe Stimme seines Lehrers über ihm. Harry grummelte nur und setzte sich auf, seine müden Augen reibend.

„Sie sollten sich beeilen, Ihre Mitschüler sind schon seit einigen Minuten im Schloss und belegen sicherlich die Duschen. Ihr Unterricht geht bald weiter." Lautlos seufzte Harry auf, erhob sich und folgte seinen Freunden ins Schloss.

Nach einer erfrischenden Dusche fühlte er sich einigermaßen wacher und bereit für den Tag. Seinen Rucksack schulternd begab er sich in die große Halle und stellte fest, dass er tatsächlich Hunger hatte. Ein Gefühl, das er in den letzten Tagen nicht wirklich verspürt hatte. Hermine und Ron saßen bereits am Gryffindortisch, beide einen vollbeladenen Teller vor sich. Auch die anderen Schüler langten kräftig zu und es herrschte eine entspannte Stille in der Halle, nur durchbrochen vom Geklapper des Bestecks.

Der restliche Tag ging relativ schnell vorbei. Harry machte sich erneut in allen Klassen Notizen und lauschte aufmerksam seinen Lehrern. Nach dem Abendessen verzog er sich mit den Büchern aus der verbotenen Abteilung in sein Bett zurück und begann sie aufmerksam zu lesen. Doch schon kurz vor Mitternacht forderte sein Körper den wohlverdienten Schlaf.