Mi, 17. Jänner 1996

„Also die Hausaufgabe bis nächste Woche habt ihr damit, ihr müsst sie natürlich ab heute mit der vollständigen Tabelle von Agrippa übersetzen – … ähm und vielleicht gibt es ein paar Schwierigkeiten diesbezüglich der Verständlichkeit, der Text wurde im Mittelalter verfasst, also nicht das beste Latein", er lächelte Hermine kurz an als er das sagte.

Hermine lächelte unvermittelt zurück.

„Dann … ja, bis nächste Woche!"

Lupin sah in die Runde und die Schüler fingen an ihre Sachen zusammenzusuchen.

Hermine ließ sich noch etwas Zeit, sie betrachtete Lupin. Er sah glücklich aus, war so angergiert wie vor zwei Jahren doch merkte Hermine einen Unterschied an ihrem Professor. Er war um einiges konfuser und nicht so praxisnahe wie in Verteidigung – was vielleicht auch am Fach generell lag.

„Dean, kannst du McGonagall ausrichten, dass ich mich ein bisschen verspäte, ich hab noch eine Frage."

Es war schon fast Routine geworden, Hermine fragte Lupin fast jedes Mal nach dem Unterreicht etwas Weiterführendes.

Sie dachte kurz an McGonagall, sie sah es zwar nicht gern, dass Hermine jedes Mal fast fünf Minuten zu spät kam, aber nach einer Unterredung mit Hermine nicht weiter darauf zu sprechen.

Als schon die meisten aus dem Arithmantik Klassenraum verschwunden waren, kam Hermine nach vorne an die Tafel.

Zwischen den beiden war es schon ein einstudierter Tanz, Hermine sagte leise: „Professor, ich habe noch eine kurze Frage", Lupin wandte sich um und lächelte sie an.

„Ich wollte nur wissen, Professor, kann es überhaupt funktionieren die richtigen Zahlenwerte zu ermitteln wenn es im mittelalterlichen Latein geschrieben ist, den Text meine ich?"

„Natürlich wieder sehr schnell gefolgert, Miss Granger. Es kann sein, dass Zahlenwerte durcheinander kommen durch falsche Deklinationen oder einen wirren Satzbau. Sie … stellen hier schon eine sehr richtige Vermutung an, natürlich dürfen wir nicht vergessen, die Arithmantik eigentlich aus dem arabischen Raum kommt und unsere lateinischen Tabellen bei weiten nicht so präzise sind wie die der arabischen, … ganz zu schweigen von den englischen."

Lupin lächelte sie an, er mochte diese Konversationen.

„Danke Professor, ich werde es in meinen Bericht einfließen lassen", Hermine sah ihren Professor noch einen Moment an und ging dann zu Verwandlung.

In einem der Korridore, dachte sie noch einmal über die Arithmantikstunde nach. Was sie aber stutzig machte, war die Tatsache, dass sie nicht über den Stoff nachdachte. Sie dachte über Lupin nach, daran dass sie sich gegenseitig anlächelten, und wie gezwungen sachlich sich Hermine bei ihm Verhielt.

Irgendetwas beschäftigte sie an Lupin … sie konnte nur noch nicht sagen was.

Hermine saß in der Bibliothek, in ihrer gewohnten Nische und hatte einige Bücher über Arithmatik vor sich ausgebreitet.

Sie hatte ihre Arithmantikhausübung vor sich liegen und grübelte darüber, ihre schon zuvor geäußerte Vermutung bei Lupin hatte sich bestätigt: Der Text lieferte eine andere Deutung des Ausganges des Kriegen der Franken als in den Geschichtsbüchern stand.

Eigentlich war ihre Aufgabe somit erledigt, sie hatte nicht nur die Zahlenwerte der Gegner berechnet, sondern auch ihre „eigene" Deutung in Frage gestellt und war somit auf den richtigen Schluss gekommen.

Doch Hermine war noch immer nicht zufrieden.

Sie wollte zeigen, dass sie es nicht nur durch Lupin's Hilfe herausgefunden hatte - sie wollte den eigentlichen Fehler finden.

Es kostete Hermine zwar einige Zeit und sie wäre fast nicht mehr zum Abendessen gekommen, jedoch fand sie im Text zwei Deklinationsfehler, die durch die Quersumme der Werter einen viel geringeren Wert ergaben als sie eigentlich sollten.

Hermine stellte sich mit Genugtuung vor wie Lupin ihr Arbeit lesen würde und dass er stolz auf sie sein würde.

Ihr gefiel der Gedanke.