Autor:
Amunet
Titel:
Und du liebst mich doch
Story:
Im 6. Schuljahr von Harry beginnt zwischen ihm und Draco ein Machtkampf, der mehr ist, als nur eine Schülerrivalität. Ein Machtspiel aus Lust, Leidenschaft und Liebe entbrennt. Doch als wäre das nicht genug, taucht der Dunkle Lord wieder auf. Welche Pläne hat er und stimmen die Gerüchte, dass Malfoy jun. ein Todesesser geworden ist?
Paring:
Harry X Draco; Ron X Blaise; Hermine X Viktor; Seamus X Dean
Warnung:
Yaoi (Liebe zwischen Jungs), Lemons (detaillierte Sexdarstellungen), ein bisschen Depri und vor allem ziemlich OOC *smile*
Disclaimer:
Weder Harry noch Draco oder jemand anderes aus dem Harry Potter Universum gehört mir, ich habe sie mir lediglich für diese Story kurz ausgeliehen und nach Beendigung sofort wieder zu Jo zurückgebracht. *smile*
Betaleser:
Die fabelhafte, extrem fleißige SmokeySky und die wundervolle, atemberaubende Fellfie, welche auch FanFiktion-Patin ist.
oooOOOooo
VIELEN DANK an die lieben Kommi-Schreiber ^.^
oooOOOooo
Und du liebst mich doch...
Kapitel 30
Harry, Ron und Hermine saßen im Schulhof auf einer Bank. Die anderen Schüler liefen in größeren und kleineren Gruppen an ihnen vorbei, doch niemand beachtete sie. Hermine hatte sie wieder einmal mit einem geschickten Zauber vor Lauschattacken geschützt, so konnten sie sich recht offen unterhalten, ohne dass jemand etwas mitbekam. Gerade war Harry dabei, von seinem Gespräch mit Snape zu erzählen. Er hielt Ron und Hermine keine Information vor und sagte ihnen auch, dass er Snape beschimpft hatte.
„Harry!", gab Hermine entrüstet von sich. „Wie konntest du nur? Er ist ein Lehrer!"
„Das weiß ich doch. Es tut mir ja auch leid."
„Hast du dich wenigstens entschuldigt?"
„Was denkst du denn? Snape wollte sie aber nicht hören. Er hat gemeint, ich werde das noch bereuen."
„Was soll das heißen?", wollte nun Ron wissen. „Ich meine, ich kann verstehen, dass dir mal die Hutschnur gerissen ist. Snape provoziert dich ja schon seit deinem ersten Tag hier, aber will er jetzt versuchen, dich wieder aus Hogwarts werfen zu lassen?"
„Was weiß ich", sagte Harry, der selbst gerne wüsste, wie Snapes Vergeltung aussehen würde. Nur wenn er daran dachte, packte ihn schon das Grauen, doch er wollte mit Ron und Hermine nicht darüber reden. Er würde bei nächster Gelegenheit Draco darauf ansprechen, denn schließlich war Draco Snapes Patensohn und kannte den Professor somit besser als irgendwer sonst, den Harry kannte. Vielleicht würde Draco ja ein gutes Wort für ihn bei Snape einlegen.
„Du solltest dich nochmals bei ihm entschuldigen, Harry. Es wäre tragisch, wenn Snape das zum Anlass nehmen sollte, dir mit dem Fluch nicht weiterzuhelfen", meinte Hermine.
„Nein, keine Sorge, das wird er nicht tun. Von dem Fluch sind auch Lucius und Draco betroffen. Wenn Snape mich schon hasst, seinem Freund und Draco wird er nichts antun wollen. Wobei ich ihm zutraue, dass er mich vergiftet, sobald der Fluch gelöst ist."
„Jetzt übertreibst du aber!", schallt Hermine.
„Meinst du?", konterte Harry.
„Also ich traue es ihm zu", grinste Ron. „Der kennt mindestens 1.000 Gifte, die nicht nachweisbar sind."
„Danke, Ron. Du beruhigst mich ungemein", lächelte Harry gequält.
„Wirst du es Dumbledore sagen?", fragte Hermine.
„Nein. Vorerst zumindest nicht."
„Harry, mir gefällt das alles nicht. Da sind zu viele Geheimnisse, zu viele Ungereimtheiten. Ich glaube wirklich, dass Dumbledore dir am besten weiterhelfen kann, wenn er über alles Bescheid weiß. Er könnte auch mit Snape reden und ihn zur Vernunft bringen, so wie er es gewöhnlich macht, sobald die Situation zwischen euch eskaliert."
„Hermine…"
„Überleg es dir. Und wenn nicht, rede wenigstens mit Remus. Vielleicht hat er einen gewissen Einfluss auf Snape."
Was sollte Harry darauf antworten? Natürlich hatte Hermine wie immer Recht, aber das machte es für ihn trotzdem kein Stück einfacher, über seine Gefühle zu reden. Immerhin war dieses Jahr mit seinen Aufs und Abs alles andere als einfach für ihn. Andererseits lockte ihn das Bedürfnis, sich einem Erwachsenen anzuvertrauen. Professor Dumbledore war jedoch keine Option für ihn. Dafür sah er in dem Schulleiter zu sehr die erhabene, allwissende Respektsperson.
„Weißt du was, Hermine? Ich werde mit Remus reden, aber erst nach dem Abendessen."
„Das klingt gut", lächelte ihn seine Freundin an.
„Was ist, Ron?", fragte Harry, als er sah, wie Rons Miene sich verfinsterte. Sowohl Hermine, als auch er folgten dem Blick und sahen am Ende des Hofes Crabbe, Goyle, Pansy und Blaise stehen. Ganz offensichtlich stritten Blaise und Pansy, während Crabbe und Goyle als Leibgarde für das zierliche Mädchen fungierten. Erstaunlich, wenn man bedachte, dass die beiden dies eigentlich nur für Draco taten und sich ihre Kraft gerade gegen Dracos besten Freund richtete.
„Ich gehe rüber!", sagte Ron und stand auf. Gerade noch rechtzeitig bekam Harry Rons Arm zu fassen. „Lass mich los!"
„Nein! Ron, ich glaube nicht, dass das eine gute Idee ist, wenn du jetzt rüber gehst."
„Sie greifen meinen Freund an!"
„Ja, ich weiß, aber wenn du jetzt rübergehst, explodiert die Stimmung."
„Ron, ich denke wirklich…", mischte sich nun auch Hermine ein. Es war das Glück der Gryffindors, dass sie diese paar Sekunden gezögert hatten, denn in dieser Zeit war Draco aufgetaucht. Erhaben schritt er zu seinen Freunden, das Gesicht missbilligend über die Lautstärke und die damit verbundene Aufmerksamkeit der anderen Schüler verzogen. Als er mitbekam, was Anlass des Streites war, verzog sich sein Gesicht wütend, er hob den Zauberstab und führte, wie Harry wusste, einen Anti-Lausch-Zauber aus. Die Enttäuschung der umstehenden Schüler war deutlich, dennoch wandte sich keiner ab. Zwar mochte niemand mehr hören, worum es bei dem Streit ging, aber die Mienen der Slytherins waren interessant zu lesen.
Draco stellte sich im Laufe der hitzigen Diskussion demonstrativ neben Blaise. Es war eindeutig, dass er die Partei für seinen Freund und nicht für seine Verlobte ergriff. Crabbe und Goyle wurden zunehmen verwirrter. Scheinbar wussten sie nicht, wem ihre Loyalität gelten sollte. Aber am Ende stand Pansy alleine da. Wütend stampfte sie davon. Augenblicklich entspannten sich die Slytherin-Jungen. Nach ein paar Worten von Draco verschwanden Crabbe und Goyle kopfnickend und ließen Blaise und ihn alleine zurück.
Erst jetzt bemerkten Blaise und Draco, dass sie noch immer die volle Aufmerksamkeit der Schüler hatten. Sie sahen sich um. Man konnte sehen, dass es ihnen, die immer so besonders auf ihre Geheimnisse achteten, kein Stück passte, dennoch erröteten sie nicht. Sie zuckten nur mit den Schultern. Draco wollte Blaise schon wegziehen, als Blaise' Blick auf Harry, Ron und Hermine traf. Er sagte etwas und nun sah auch Draco zu ihnen hinüber. Ein schiefes Lächeln legte sich kurz auf Harrys Lippen. Einen Moment bedauerte er den Umstand, dass ihre Beziehung geheim war, denn sonst hätte er jetzt zu Draco gehen können. So aber kämpfte er gegen den Drang an und blieb neben Ron stehen, der ähnlich ungeduldig war.
Draco nickte Harry kaum merklich zu und Harry wusste, dass sie später noch über den Vorfall reden würden. Blaise selbst warf Ron eine Kusshand zu und verschwand dann mit Draco. Irgendwie wusste Harry, dass die beiden sich zurückzogen, um über die Sache zu sprechen. Er hätte es nicht anders getan.
„Ich möchte ja nicht stören", sagte Hermine, „aber die nächste Stunde fängt gleich an."
„Ja, klar", antworte Harry, dem es schwer fiel, seinen Blick von der Stelle abzuwenden, an welcher die Slytherins gerade noch gestanden hatten.
„Warum habt ihr mich nicht rüber gelassen?", fauchte Ron. Seine Stimmung war in den Keller gesunken.
„Weil du immer noch ein Gryffindor bist und dich nicht in Slytherin-Streitigkeiten einmischen solltest", entgegnete Hermine, welche losgelaufen war und der Harry und Ron folgten.
„Aber Blaise ist mein Freund."
„Das weiß ich doch", meinte Hermine, „aber trotzdem hättest du die Situation nur noch verschlimmert. Ich glaube kaum, dass Pansy auf einen Gryffindor hören würde. Wenn du etwas Negatives zu ihr gesagt hättest, denkst du nicht, dass Crabbe und Goyle sie beschützt hätten? Jeder weiß doch, dass die zwei in Pansy verknallt sind. Es ist schon überraschend genug, dass sie sich letztlich für Draco und Blaise entschieden haben. In den letzten Wochen gab es oft genug Grund zur Annahme, dass Crabbe und Goyle sich von Draco abgewandt haben. Wie oft ist Draco die letzte Zeit alleine im Schloss umhergewandert? Wo waren die beiden, die immer sein Schatten gewesen waren?"
Harry war dies tatsächlich aufgefallen, jedoch hatte er sich keine weiteren Gedanken über das Verhalten von Crabbe und Goyle gemacht. Er war so sehr auf Draco fokussiert gewesen, dass es ihn schlicht nicht interessiert hatte. Nun allerdings bekam er eine dumpfe Ahnung, dass im Hause Slytherin etwas im Gange war. Dinge änderten sich, Machtverhältnisse verschoben sich. Mental setzte er ein paar Fragen zu diesem Thema auf die Liste der Dinge, welche er von Draco wissen wollte. Leise und von seinen Freunden unbemerkt, seufzte Harry auf. Wenn das so weiterging, würde seine ohnehin schon begrenzte Zeit mit Draco für lauter Fragen drauf gehen. Dabei konnte er sich so viel Besseres vorstellen. Auch wenn Sex derzeit kein Bestandteil ihrer Beziehung war, küssen war in Ordnung. Bisher hatte Lucius sich noch kein einziges Mal über ihre Küsse beschwert.
Die Hufflepuffs und auch ein paar Gryffindors warteten schon vor dem Klassenzimmer, als Ron, Hermine und Harry dort ankamen. Obwohl Hermine sie gedrängelt hatte, waren sie ganze fünf Minuten zu früh und Professor Flitwick noch nicht da. Sie wollten sich gerade wieder dem Highlight der Pause zuwenden und wie die meisten anderen erneut von dem Streit der Slytherins sprechen, als Neville aufkreuzte. Sein Haar war feucht, das Gesicht von Schweiß überzogen, sein Atem ging hastig.
„Was ist denn mit dir los?", fragte Ron, dessen Stimmungstief sich ganz langsam wieder legte.
„Hab mich beeilen müssen", keuchte Neville. „Snape hat mich erwischt und ich musste ihm die ganze Pause helfen, seine Kräuter neu zu sortieren."
Harry zuckte bei Snapes Erwähnung zusammen. Irgendwie hatte er ein verdammt schlechtes Gewissen, obwohl er nach wie vor fand, dass der Professor eine Grenze überschritten hatte.
„Ich soll dir das übrigens geben", sagte Neville und hielt Harry einen Brief hin. Harrys Herz macht einen unliebsamen Hopser.
„Hat er was gesagt?", wollte er wissen.
„Nein, Snape wollte nur, dass ich ihn dir gebe."
Ohne weiter auf Neville zu achten, tauschte Harry mit Hermine und Ron besorgte Blicke aus. Harrys Augen ruhten auf dem Umschlag, so als könnte sich darin etwas Tödliches oder zumindest Grausames verstecken.
„Mach ihn auf", sagte Ron.
„Vielleicht wird es nicht so schlimm", hoffte Hermine.
„Ich weiß nicht…", wich Harry aus, der kein Bedürfnis verspürte, den Brief zu öffnen.
„Komm schon", meinte Ron. „Der Inhalt wird sich nicht ändern, nur weil du wartest."
„Es hätte ein Heuler sein können", warf Hermine wenig hilfreich ein.
„Schon klar", murmelte Harry und blickte mit mulmigem Gefühl auf das wächserne Siegel einer Schlange, die eine Eule jagte.
„Lies ihn oder steck ihn weg", sagte Hermine, „Professor Flitwick kommt."
Tatsächlich war der Lehrer gerade aufgetaucht. Harry ließ den Brief in seine Hosentasche gleiten. Dort brannte der Brief bis auf seine Haut, weil die Neugier ihn schier wahnsinnig machte. Aber dank Flitwicks extremer Aufmerksamkeit im Unterricht bekam Harry erst zwei Schulstunden später die Gelegenheit, den Brief wieder in die Hand zunehmen.
Mit seinen Freunden saß er jetzt im Mädchenklo im 6. Stock. Die Maulende Myrte war gerade nicht da. Was Harry gerade recht kam, da er diesen Geist von allen Geistern außer dem Blutigen Baron am wenigsten mochte. Dies lag aber wahrscheinlich daran, dass Myrte ihn im 4. Schuljahr während es Trimagischen Turniers beim Baden bespannt und seither jede sich ihr bietende Gelegenheit wahrgenommen hatte, Harry nackt zu sehen. Mehrfach war sie zu diesem Anlass sogar in die Duschen des Gryffindorturmes vorgedrungen, was nicht nur bei Harry auf Widerstand gestoßen war. Es hatte den Fast Kopflosen Nick gebraucht, der seine Autorität als Hausgeist von Gryffindor wahrgenommen hatte, um die Maulende Myrte aus dem Jungenbad fernzuhalten.
„Öffne jetzt endlich den Brief, Harry!", drängelte Ron. Seine Laune war endgültig wieder hergestellt und auch wenn Ron den Zwist um Blaise noch nicht vergessen hatte, so war seine Neugier auf Snapes Brief gerade größer als seine Besorgnis um Blaise.
Harry seufzte kurz auf, ehe er mit zittrigen Fingern das Siegel brach. Seine Augen überflogen Snapes krakelige Schrift, doch er musste zweimal lesen, bevor sein Gehirn die Worte zu sinnvollen Sätzen bildete.
„Was steht drin?", fragte Hermine vor Aufregung ganz unruhig.
„Er will, dass ich heute Abend zu ihm komme. Mit Draco."
„Wegen der Verbindung?"
„Nein", völlig fassungslos schaute Harry die Beiden an. „Zum Abendessen."
„WAS?", kreischten Ron und Hermine fast gleichzeitig. Offenbar verstanden sie die Welt gerade ebenso wenig wie Harry.
„Aber du… Du hast ihn beschimpft", stammelte Hermine. „Und er sagte, du wirst es bereuen, wieso dann ein Abendessen? Abendessen klingt nach Versöhnung."
„Oder", warf Ron ein, „er will Harry wirklich vergiften."
In Harrys Magen zog sich alles zusammen. Er hatte keine Lust auf ein Abendessen mit Snape. Schon wenn er daran dachte, wurde ihm ganz mulmig. Bestimmt würde er in Gegenwart von Snape keinen Bissen runter bekommen. Außerdem gab er Ron insgeheim recht. Die Wahrscheinlichkeit, vom Zaubertranklehrer vergiftet zu werden, war verdammt hoch.
„Denkt ihr, ich kann absagen?", fragte Harry, der noch eine Weile leben wollte.
„Bist du wahnsinnig? Snape würde dich killen!", sagte Ron.
„Ich glaub auch nicht, dass das eine gute Idee wäre, Harry. Sieh doch, vielleicht bereut Snape ja auch, dass er heute Morgen in deine Privatsphäre eingedrungen ist und hat inzwischen erkannt, dass es lächerlich wäre, wenn du dich wegen Gold an Draco ran machen würdest."
„Snape und ein Gewissen? Miene, ich glaub du spinnst." Hermine funkelte Ron wütend an, sagte aber nichts mehr.
„Seid mir nicht böse", meinte Harry da, „aber ich wäre jetzt gerne einen Moment alleine. Ist das in Ordnung?"
„Natürlich", lächelte ihn Hermine mit dieser nachsichtigen, mütterlichen Art an, die sie zuweilen zur Schau trug.
Harry stand auf, rollte den Brief zusammen und stopfte ihn zu seinem Zauberstab in die rechte, hintere Hosentasche. Ein gemurmeltes „Bis später" weiter, verschwand er und lief in Richtung See. Sein Kopf war seltsam matschig und er war sehr froh, dass der Unterricht für heute beendet war. Irgendwie war sein Tag sehr ereignisreich gewesen. Vor dem Frühstück schon der Streit mit Snape, in der Mittagspause die Aufregung bei der Auseinandersetzung der Slytherins und jetzt völlig unerwartet Snapes Einladung. Seine Intuition sagte Harry, dass Snape sich keinesfalls mit dem Essen entschuldigen wollte. Er vermutete eher, dass Snape sich zwischen Hauptgang und Nachspeise an ihm rächen wollte. Nur wie? Würde er ihn vor Draco schlecht machen? Das wäre vergebliche Liebesmühe. In den ganzen Jahren, seit er mit Draco zur Schule ging, hatten sie das Thema Demütigung mehr als nur ausgereizt. Gerade wenn Harry an den Schuljahresbeginn dachte, wurde ihm mulmig.
Um sich etwas abzulenken, schaute sich Harry die Landschaft an. Es war Herbst. Obwohl heute die Sonne schien, waren ihre Strahlen nicht mehr ganz so stark, ihre Wärme drang nur noch leicht zu ihm vor. Die Blätter in den Bäumen waren schon in Orange-, Rot- und Gelbtönen gefärbt und in der Ferne konnte er Nebelschleier erkennen. Die Luft war frisch und klar, sie war erdig und feucht und tat ihm richtig gut. Für einen Moment blieb er stehen, schloss die Augen und atmete bewusst mehrfach ein und aus. Nun endlich konnte er spüren, wie ein Teil seiner inneren Anspannung verflog. Dieser Augenblick der Ruhe hatte ihm wirklich gut getan.
„Hallo, Harry", hörte er da eine bekannte Stimme in seinem Rücken.
„Draco!", stieß er freudig aus und drehte sich zu ihm um. Er war schon im Begriff, Draco um den Hals zu fallen, als er dessen ausweichenden Blick sah.
„Nicht hier. Komm mit", grinste Draco ihn schief an und führte Harry ein Stück den Hang hinunter, auf dem Harry stand. Am Ende des Hügels standen einsam und verlassen zwei große Eichen, die Harry in den letzten Jahren nur selten aufgesucht hatte. Darauf achtend, dass sie gut hinter den großen Stämmen verborgen waren und von niemandem, der zufälligerweise einen Blick aus einem der Fenster von Hogwarts warf, gesehen wurden, setzten sie sich.
„Darf ich?", wollte Harry wissen, beugte sich jedoch vor, ohne eine Antwort von Draco abzuwarten und küsste ihn. Eigentlich hatte Harry erwartet, dass Draco ihn leidenschaftlich zurückküssen würde, doch dieses Mal nahm der Slytherin dem Kuss die Kraft und verwandelte ihn in etwas Langsames, Gefühlvolles und auf andere Art Intensives. „Was ist los?", fragte Harry, als sie sich wieder gelöst hatten. Sein Herz pochte und er spürte, dass etwas nicht stimmte. Nur was?
„Nichts", murmelte Draco und tat etwas Untypisches. Er legte seinen Kopf auf Harrys Schoß und sah diesen nur an. Einen Arm gehoben, strich er Harry eine Strähne seines Haares aus den Augen, ehe er den Arm wieder senkte.
„Nichts?"
„Du hast doch die Aufregung heute Mittag mitbekommen."
„Ja, ich und die halbe Schule."
„Ich weiß nicht mehr, was ich mit Pansy machen soll", seufzte Draco.
„Warum? Was hat sie dieses Mal angestellt?"
„Es geht nicht darum, was sie angestellt hat, mehr darum, was sie noch anstellen wird."
„Und das heißt?"
„Pansy weiß von den Aufträgen, die Blaise und ich vom Dunklen Lord erhalten haben. Sie weiß auch, dass wir unsere Aufträge nur sehr ungenügend erfüllen. Nachdem sie inzwischen mitbekommen hat, dass sie weder bei Blaise noch bei mir eine Chance hat, sucht sie jetzt zwanghaft nach einem anderen Weg, sich beim Dunklen Lord Anerkennung zu verschaffen."
„Was soll das heißen?"
„Ich weiß es nicht. Vorhin ging es ihr nur darum, Blaise bei den anderen Slytherins schlecht zu machen. Sie untergräbt seine Autorität, streut Gerüchte, versucht andere Slytherins davon zu überzeugen, dass Blaise Tage längst vergangen sind. Das Problem ist nur, wenn sie Blaise' Position untergräbt, untergräbt sie damit auch meine."
„Und was willst du dagegen tun?"
„Du kennst nicht zufällig einen reichen, gutaussehenden Kerl, der auf dumme Frauen steht?" Draco grinste schwach.
„Zufällig nicht. Heißt das, dass eure Verlobung wieder gelöst ist?"
Draco rutschte unruhig auf Harrys Schoß hin und her. Es war ein leichtes, ihm anzusehen, dass ihm dieser Teil ihrer Unterhaltung mehr als nur unangenehm war.
„Nein."
„Okay", sagte Harry gedehnt, dem diese Antwort nicht passte.
„Mein Vater meinte, dass wir Pansy nicht noch mehr verärgern sollten. Zumindest für den Moment."
„Aber, wenn die Verlobung weiter bestehen bleibt, weshalb dreht Pansy dann durch?" Harry versuchte, den Kloß in seinem Inneren zu ignorieren und sich mehr auf sachlicher Ebene zu halten.
„Sie weiß, dass ich sie niemals lieben könnte. Dass ich, wenn es sein müsste, sie zwar heiraten, aber nie mit ihr ins Bett steigen würde."
Harry dachte zurück an das Gespräch, das er vor einer gefühlten Ewigkeit zwischen Blaise und Pansy belauscht hat. Daran, dass Pansy sagte, sie würde Draco mit Blaise teilen. Dass sie kein Problem damit hatte, wenn Draco seinem homosexuellen Vergnügen nachging, solange er ihr nur einen Erben schenkte. War das ein verzweifelter Ausdruck gewesen, Draco in irgendeiner Weise an sich zu binden?
„Was empfindet Pansy für dich?", fragte Harry und sah Draco dabei zärtlich an.
„Ich glaube, sie liebt die Vorstellung von mir, nicht mich."
„Und wenn du dich irrst?"
„Dann würde es nichts ändern. Ich liebe sie nicht. Habe es nie und werde es auch nie."
„Willst du sie deshalb verkuppeln?"
„Nein, weil ich glaube, eine neue Liebe könnte sie von alldem ablenken. Ehrlich gesagt, hab ich schon überlegt, sie mit einem Liebeszauber an Nott zu binden, der ist schon seit dem ersten Schuljahr in sie verknallt, aber du weißt ja …" Draco brauchte definitiv nicht weitersprechen. Sie hatten beide genug von Liebeszaubern. Bis die Lösung ihres Problems gefunden war, wollte keiner von beiden etwas mit Liebeszaubern zu tun haben.
„Hat dir Snape auch eine Einladung für heute Abend gegeben?", wechselte Harry das Thema.
„Er hat mich angesprochen. Mein Vater ist auch eingeladen. Er wollte mir nur nicht sagen, woher sein plötzliches Interesse kommt."
Harry wurde knallrot. „Er weiß es."
„Was? Das mit uns?"
„Ja."
„Du hast es ihm gesagt?"
„Nicht direkt. Er hat… Er ist mit einem Zauber in meinen Kopf eingedrungen."
„Scheiße!", fluchte Draco und setzte sich auf. „Hat er es gesehen?"
„Nicht alles, aber das Meiste."
„Warum hast du dich nicht abgeschirmt? Kannst du keine Okklumentik?"
Die Röte auf Harrys Gesicht breitete sich aus, ließ Ohren und Hals ebenso glühen. Peinlich berührt nuschelte er: „Hab es versucht." Draco erwiderte nichts darauf, er sah Harry nur vorwurfsvoll an und zwar so lange, bis Harry es keine Sekunde länger aushielt und gestand: „Ich hab Arschloch zu ihm gesagt."
„Bitte?", hakte Draco mit großen Augen nach.
„Ja!", entfuhr es Harry temperamentvoll. „Er schikaniert mich seit meinem ersten Tag hier und dieses Jahr ist es besonders schlimm. Mir ist einfach die Hutschnur gerissen und da ist es mir rausgerutscht. Okay? Ich weiß selbst, dass es scheiße war. Aber was soll ich machen? Meine Entschuldigung akzeptiert er ja nicht!"
„Aber warum-"
„-er mich zum Essen eingeladen hat? Keine Ahnung. Vielleicht will er mich ja vor euren Augen vergiften."
Dracos Miene war für einen Augenblick erstarrt, ehe er in ein herzhaftes Lachen ausbrach. Verärgert sah Harry ein paar Sekunden zu, bevor er seinem Ärger Ausdruck verlieh und Draco auf die Schulter boxte.
„Lass das!"
„Aber…", stammelte der Slytherin und reizte Harry mit seinem Gelächter nur noch mehr.
„Draco", knurrte Harry bedrohlich. Er war darauf und dran, aufzustehen und zurückzugehen, doch dann beruhigte sich Draco allmählich.
„Entschuldige", grinste Draco und wischte sich Lachtränen aus den Augenwinkeln, „aber das war zu gut."
„Ach ja?"
„Onkel Severus würde so etwas nie machen."
„Wie kommst du darauf?"
„Eine Einladung von ihm zum Abendessen ist wie ein Ritterschlag."
„Was soll das denn heißen?"
„Severus hängt es zwar nicht an die große Glocke, aber er kann ebenso gut kochen wie Zaubertränke brauen. Er würde niemals etwas Essbares vergiften."
„Aber", meinte Harry da verdutzt, „weshalb lädt er mich denn dann ein?"
„Tja, scheint, als müssten wir auf die Antwort bis heute Abend warten."
Fortsetzung folgt…
Hey :-) Das war's auch schon wieder von mir. Ich hoffe, das Kapitel hat euch gefallen. Über Kommentare würde ich mich wie immer sehr freuen. Liebe Grüße eure Amunet
