Darauf kannst du wetten
Bevor die nächste Glee Party startete, ging Artie von Klassenkamerad zu Klassenkamerad um zu fragen, ob sie Wetten abschließen wollten. Da gerade schon Ryder, Marley, Unique und Jake im Glee Raum versammelt waren, nutzte er die Gelegenheit. Natürlich schaute er zuerst den Gang vor der Tür auf und ab, ob Sam oder Blaine in Anmarsch waren, dann rollte er hinein und machte auf sich aufmerksam.
„Wie ihr wisst, schmeißt Sugar am Freitag eine Party", sagte er. „Letztes Mal hat Jake mich auf die Idee gebracht, Wetten über den Zeitpunkt, an dem Blam passiert, abzuschließen. Also, wer ist dabei?"
Jake rollte mit den Augen.
„Ich war betrunken, als ich das gesagt habe."
„Ist aber eigentlich eine gute Idee", sagte Ryder. „Wir alle wissen, früher oder später wird es passieren."
Artie nickte. „Früher oder später werden Sam und Blaine an den Mündern miteinander verschmolzen sein. Das ist eine Tatsache. Was nicht feststeht, ist der Zeitpunkt. Nach einer Stunde? Nach zwei, drei? Es ist jedes Mal unterschiedlich und deswegen eine gute Gelegenheit, um ein paar Wetten abzuschließen."
„Du bist verrückt", sagte Jake kopfschüttelnd. Ryder stand auf und trug sich in Arties Liste mit ‚1 Stunde' ein. Marley schrieb ‚2 Stunden', Unique ‚3o Minuten'. Artie sammelte von jedem fünf Dollar ein und versteckte dann die Liste, bevor bestimmte Mitschüler sie zu sehen bekamen.
Am Ende des Tages hatte Jake sich doch noch mit ‚1 Stunde' beteiligt. Sugar setzte auf fünf Minuten (sehr optimistisch, dachte Artie), Kitty machte nicht mit, genauso wie Tina (wer hätte das gedacht) und Joe. Artie selber tippte auf 1 ½ Stunden.
Am Tag der Party erschien Artie als erster Gast und startete seine Stoppuhr sobald sowohl Sam als auch Blaine da waren. Ryder war auch sehr interessiert am Geschehen und beobachtete unauffällig mit. Eingreifen war natürlich strengstens untersagt.
Blaine trank zunächst kaum etwas. Er saß auf der Couch und quatschte fröhlich mit Marley und Unique. Sam dagegen lieferte sich mit Jake ein Wetttrinken. Das hätte man zwar als Eingriff betrachten können, aber da das auf so ziemlich jeder Party passierte, ließ Artie es noch gelten.
Sugars Haus war riesig, und sie feierten im Wohnzimmer mit Zugang zur Terrasse. Nun war es Februar und zu kalt, um ständig draußen zu sein, aber ab und zu gingen Jake oder Kitty raus, um zu rauchen. Artie versuchte, nicht zu offensichtlich seine Freunde zu beobachten. Immerhin war er auch hier, um selber Spaß zu haben, und nicht nur, um den Wettmeister zu spielen.
Andererseits musste er zugeben, dass es unterhaltsam war. Wie eine Soap Opera. Es machte nicht mal was, dass er den Ausgang schon kannte (ist doch eh immer gleich bei Soaps). In dem Moment, in dem Sam sich neben Blaine auf die Couch fallen ließ und kicherte, herrschte Alarmstufe Rot. Doch zunächst reden sie nur. Blaine nippte an seinem Punsch, lachte und bezog Marley und Unique mit ein. Genauer gesagt, erschien vernünftig und nicht betrunken. Wer würde eigentlich gewinnen, wenn heute nichts stattfand?
Aber die Art und Weise, auf die Sam Blaine anschaute, garantierte Artie, dass dies nicht der Fall sein würde. Und Blaine war eh nicht derjenige, der Alkohol im System brauchte, um mit Sam rummachen zu wollen. Okay, gut, dann konnte Artie sich ja zurücklehnen und weiterhin die Show genießen.
Er rollte näher zur Couch, platzierte seinen Rollstuhl gegenüber von seinen Freunden und schaute heimlich auf sein Handy. Schone eine Stunde und fünfzehn Minuten vergangen. Sugar, Unique, Jake und Ryder waren somit aus dem Rennen. Wenn die beiden noch ein paar Minuten warteten, würde Artie gewinnen, aber natürlich war er nicht so unfair und würde nun irgendetwas tun, um sie zu ermuntern.
Na ja, außer vielleicht…
„Willst du noch einen Punsch, Blaine?"
„Was so viel heißt, bring mir einen Becher mit?" Blaine lachte.
„Du hast es erfasst." Artie grinste und tat, als wäre das genau der Grund, aus dem er gefragt hatte. Blaine zuckte mit den Schultern und stand auf. Sam griff nach seiner Hand.
„Wohin gehst du, Blaiiiine?"
„Ich hole etwas zu trinken."
„Warum?"
„Herrgott, Sam, du benimmst dich wie ein Kleinkind!" Blaine zog seine Hand weg, rollte die Augen zu Artie hin und ging weg. Sam zog seine Beine auf die Couch, schlang seine Arme darum und legte sein Kinn auf die Knie. Er zog einen herrlichen Schmollmund, der Artie zum Lachen brachte.
Marley lehnte sich hinüber und tätschelte Sams Schulter.
„Ach, Sam, er kommt doch gleich wieder."
„Schatz, wie lange soll das eigentlich so weiter gehen?", fragte Unique. „Wann sagst du ihm endlich, dass du ihn liebst?"
Sams Mund klappte weit auf.
„Waaas? Tue ich doch gar nicht. Tsk!"
„Aha, ist klar."
„Sam braucht noch ein bisschen Zeit, nicht wahr?", fragte Marley.
„Ich liebe Blaine nicht. Blaine, ich liebe dich nicht!", sagte Sam, da Blaine gerade zurückkam und zwei Becher mit Punsch auf den Tisch stellte. Seine Wangen erröteten, als er sich setzte, und er blickte stur auf den Tisch.
„Schön für dich."
„Und du? Liebst du mich?" Sam näherte sich langsam Blaine an und starrte ihm ins Gesicht. Blaine schüttelte den Kopf.
„Können wir über etwas anderes reden?"
„Das ist wirklich etwas unhöflich, Sam. Vielleicht solltest du mit dem Trinken aufhören", schlug Marley vor.
„Oder Blaine sollte damit anfangen", sagte Artie. Und tatsächlich, Blaine griff nach seinem Becher und trank einen großen Schluck. Sam hörte währenddessen nicht damit auf, ihn anzugucken. Zusätzlich dazu fummelte er an Blaines Shirt herum, bis es Blaine zu viel wurde und er ihn abschüttelte.
„Lass das!"
„Bist du jetzt sauer auf mich?"
„Nein", sagte Blaine, klang jedoch sehr danach. Er trank weiter und richtete seinen Blick aus Prinzip auf Marley und Unique, die nun über schwule Paare redeten.
„Am süßesten ist immer noch der eine von 'How I Met Your Mother' und sein Freund", sagte Marley.
„Er heiß Neil Patrick Harris", informierte Unique sie. „Und jap, stimmt. Hast du Bilder von ihnen mit ihren Kindern gesehen? Goldig, sag ich dir!"
Artie rollte mit den Augen – ihn interessierte so was natürlich nicht. Das einzige schwule Paar, das er ertragen konnte, war seine Freunde. Die gar kein richtiges Paar waren. Aber früher, als Blaine mit Kurt zusammen gewesen war, da hatte er sich jedenfalls nicht beschwert. Nur musste er sich jetzt nicht noch fremde Leute im Internet angucken.
Sam sah im Moment etwas deprimiert aus. Er fummelte mit seinen Händen herum und schaute durch die Gegend. Ab und zu schielte er zu Blaine, der ihn ignorierte. Artie schaute auf die Uhr, nun waren anderthalb Stunden um. Wenn jetzt nicht langsam was passiert, würde Marley gewinnen. Aber was konnte Artie schon tun? Blaine war nun beleidigt, weil Sam gesagt hatte, er liebte ihn nicht, und Sam war zu betrunken, um das zu bemerken. Oh Mann…
„Also, ähm, Blaine… Schmeckt dir der Punsch?", fragte Artie.
Blaine zuckte mit den Schultern. „Ist schon okay."
„Willst du Tequila trinken?", fragte Sam. „Jake hat noch welchen."
„Nein."
„Blaaaaaaine!" Sam hängte sich an Blaines Schulter und drückte sein Gesicht dagegen. „Nicht sauer sein. Bitte!"
Blaine seufzte. Er legte seine Arme um Sam, vergrub seine Nase im blonden Haar und murmelte etwas, was Artie nicht verstand. Sam hob seinen Kopf und blickte Blaine mit glasigen Augen an, bevor er mit vorsichtigen Bewegungen seine Lippen küsste. Blaine schloss zögernd seine Augen und erwiderte.
Eine Stunde und fünfunddreißig Minuten, ha! Artie grinste zu Marley, die nur ihre Augen verdrehte.
„Sam, nicht." Blaine schob den Blonden zurück, aber das änderte gar nichts. Ein Kuss war ein Kuss.
„Liebst du mich?", fragte Sam.
Also, das wurde Artie nun etwas zu privat. Klar, Sam war betrunken und es machte ihm nichts aus, aber Blaine kam aus dem Rot-sein gar nicht mehr raus. Er warf entschuldigende Blicke zu Artie und den Mädchen.
„Oooh, Sammy", seufzte Unique. „Du kannst kein Liebesgeständnis erwarten, nachdem du ihm eins verweigert hast."
Blaine runzelte die Stirn. „Vielleicht sollten wir woanders –"
„Mann ey! Ihr seid alle so gemein!", fiel Sam ihm ins Wort. „Das ist voll privat."
„Meine Rede", murmelte Artie.
„Sollen wir irgendwohin gehen um zu reden?", fragte Blaine leise. Sam nickte.
„Mit reden meinst du knutschen, ne?"
Blaine kniff seine Lippen zusammen und schloss kurz seine Augen.
„Nein, weißt du was, vergiss es. Vergiss es einfach."
Er machte sich los und stand auf, um wegzugehen.
„Oh mein Gott, jetzt hast du es versaut", kommentierte Unique.
„Was, ich?", fragte Sam.
„Ja natürlich, wer denn sonst? Junge, ich weiß, du bist betrunken, aber einen gewissen Sinn für Feinfühligkeit solltest du eigentlich noch haben. Oh Gott, oh Gott."
Sam kaute auf seiner Lippe und drehte sich zu Blaine um. Der Schwarzhaarige sprach mit Jake, wobei Artie stark hoffte, dass sich ihr Gespräch nicht um Tequila drehte.
„Aber wenn er mich doch nicht…", murmelte Sam zu sich selbst.
Unique seufzte und wechselte einen Blick mit Marley. Artie schüttelte seinen Kopf, als sie ihn anblickten, aber anscheinend zählte seine Meinung nichts. Unique wechselte ihren Platz und setzte sich zwischen Sam und Marley hin. Sie legte einen Arm um Sam und drückte ihn feste.
„Du bist so ziemlich der Einzige aus dem Glee Club, der noch nicht weiß, was Blaine für dich empfindet. Und umgekehrt. Reiß dich zusammen und gestehe es dir ein. Und dann sag es Blaine."
Sam spitzte seine Lippen, den Blick in die Ferne gerichtet.
„Klingt einfach."
„Ist es auch, glaub mir, Schatz."
„Hat er gesagt, dass er mich liebt?"
„Das muss er gar nicht."
„Natürlich muss er das!", empörte Sam sich. Er befreite sich von ihrem Griff und stand auf. Er torkelte ein bisschen, fing sich dann aber und lief zu Blaine mit den Worten „Wir müssen reden, aber wirklich reden, keine Angst, nicht nur rummachen!".
Blaine sah zwar angepisst aus, ließ sich von Sam dann aber aus dem Raum ziehen.
„Wenn das mal gut geht", seufzte Marley. „Wir hätten Sam vorher ausnüchtern lassen sollen."
„Ach, was. Betrunken redet es sich leichter", meinte Unique.
Artie ging, mit Marley als Zeugin, umher und informierte alle, dass er gewonnen hatte.
Es war nicht wirklich eine Überraschung, als Sam und Blaine nach einer Viertelstunde Hand in Hand zurückkamen. Sam verkündete mit dem breitesten Grinsen überhaupt, dass sie nun zusammen waren, während Blaine ein bisschen zurückhaltender war und Marley zuflüsterte, er hoffte, Sam würde sich am nächsten Tag noch daran erinnern.
Aber ach, selbst wenn nicht, es gab ja immer noch die nächste Party.
