Hi :) Viel Spaß beim dritten Kapitel.

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Plänen und Denkarien

Hermine kochte vor Wut, als sie davoneilte. Sie wollte soviel Abstand, wie es einem Menschen nur möglich war, zwischen Tom Riddle und sich bringen. Dieser...dieser...Argh! Sie ballte die durchsichtigen Hände zu Fäusten und stampfte laut mit den Füßen auf, als sie in der Nähe eines kleine Brunnens auf und ab lief. Der Ort war still und einsam, genau das, was sie jetzt brauchte. Sie hatte genug eigene Probleme, da brauchte sie nicht auch noch einen ganzen Haufen fremder Leute um sich herum. Wenn sie früher zornig oder aufgewühlt gewesen war, hatte sie immer einen Freund gehabt, mit dem sie darüber hatte reden können. Manchmal war es einfach schön, einer anderen Person alles zu erzählen und dann Ratschläge zu bekommen. Aber jetzt konnte sie sich niemandem anvertrauen.

Und das Schlimmste daran ist, dachte sie, dass ich nicht einmal etwas kaputtmachen kann! Am liebsten hätte sie jetzt die schwerste Enzyklopädie der Bibliothek einem ganz bestimmten Slytherin an den Kopf geworfen. Sie hätte sicher keine Probleme zu treffen, sein Ego war so aufgeblasen, dass sie sich manchmal wunderte wie er es schaffte, nicht aus dem Fenster zu schweben. Hey, vielleicht ist das der Grund, warum Voldemort ohne Besen fliegen kann!, spekulierte sie grinsend. Aber egal, wie sehr sie sich über ihn aufregte, ihr schien es nicht zu gelingen, den aufgestauten Ärger in sich loszuwerden. Wenn sie sich früher so gefühlt hatte, hatte sie am liebsten auf ihr Kissen eingeschlagen, einen ganzen Haufen ihrer Lieblingsschokolade in sich hineingestopft oder ihren Frust laut herausgeschrien.

Da sie die ersten beiden Dinge jetzt nicht tun konnte, schrie sie so laut sie konnte den Brunnen an. Fünf Minuten und einige Obszönitäten später begann Hermine sich leicht schuldig zu fühlen. Was hatte ihr der arme Springbrunnen denn getan? Er hat sieben Jahre lang die Gelegenheit verpasst, Riddle zu ertränken, dachte sie mürrisch und versuchte den Brunnen zu treten. Natürlich traf sie nicht, ihr Fuß glitt direkt durch Stein und Wasser und Hermine verlor beinahe das Gleichgewicht. Plötzlich begann sie zu lächeln, als sie aus dem Augenwinkel heraus die Gewächshäuser erblickte. Nach ein bisschen Gerangel mit einem Snargaluff-Stumpf fühlte sie sich immer besser. Unter diesen Umständen musste es wohl genügen, anderen dabei zuzusehen. Etwas besänftigt machte sie sich auf den Weg zu den Gewächshäusern, das erste Lied summend, das ihr einfiel.

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Tom war kaum beim Eingang seines Hauses angekommen, als er auch schon von einer Schar Slytherins umringt war. Er lächelte wie eine Raubkatze; offenbar waren sie nicht alle inkompetent, immerhin hatte Aidan die Nachricht an seine Gefolgsmänner überbracht. Es waren nicht seine Freunde, aber sie waren Verbündete. Tom hatte ihnen vor Kurzem einen Namen gegeben: Todesser. „Ja, Tom? Worüber wolltest du mit uns sprechen?", fragte Anthony Bole, ein Fünftklässler. Er war jung und leicht zu beeindrucken; er hatte sich von Toms Vision einer völlig reinblütigen Zaubererwelt und seinem Versprechen, ihnen dunkle Magie zu lehren, einwickeln lassen. „Nicht hier, ihr Schwachköpfe! Folgt mir in den Schlafsaal", befahl Tom ihnen und ging voran durch den Gemeinschaftsraum und die Treppen hinauf, wo sich der Schlafsaal der Siebtklässler befand. Niemand im Gemeinschaftsraum schenkte der Gruppe besonders Beachtung, nur ein paar Siebtklässlerinnen winkten und lächelten Tom strahlend an, der ihnen zuzwinkerte. „Das ist Zedrella Black, kein schlechter Fang, was?", meinte Aidan Malfoy, was ihm sogleich einen wenig sanften Stoß gegen seine Schulter einbrachte.

„Du redest da von meiner Schwester, du Vollpfosten", blaffte ihn Pollux Black an. Aidan hob in gespielter Unterwerfung die Hände; Pollux war zwar nicht der Hellste, aber er hatte Muskeln, folgte widerstandslos allen Befehlen und war nicht gerade arm. Als die Gruppe den Schlafsaal betrat, schloss Tom die Tür hinter ihnen ab. Der Schlafraum war ziemlich voll, es waren um die zehn Jungen anwesend. „Also? Irgendwelche Neuigkeiten?", fragte Tom sie. Es war nicht wirklich viel geschehen, seit Tom gezwungen gewesen war, die Kammer des Schreckens zu schließen, und mit Dumbledore im Nacken wollte Tom nichts riskieren, bevor seine Ausbildung abgeschlossen war. Wenn er endlich freie Hand hatte, konnte er seine Pläne weiter verfolgen. „Wir haben versucht, dem Schlammblut, Owen Cooke, eine Lektion zu erteilen, aber Ben Prewett, dieser verfluchte Blutsverräter -", begann Aidan, bevor Tom ihn unterbrach.

„Ihr habt euch erwischen lassen?", fragte er, der Zorn in seiner Stimme war nicht zu überhören. „Ihr inkompetenten Volltrottel, muss ich euch erinnern, dass man uns auf keinen Fall auf die Schliche kommen darf, solange wir noch in Hogwarts sind? Nach all dem, das dieses Jahr schon geschehen ist, solltet ihr es besser wissen! Ich hoffe doch, dass wenigstens einer von euch ihn mit dem ein oder anderen guten Fluch erwischt hat", meinte er verächtlich und warf jedem einzelnen einen kalten Blick zu. „Ich", kam es von einem Jungen mit glattem hellblondem Haar, das ihn als Malfoy kennzeichnete, obwohl er deutlich jünger war als sein Bruder Aidan. „Ich habe ihn mit einem Flederwichtfluch getroffen, er lag den ganzen Nachmittag im Krankenflügel", erklärte er stolz, froh, sich endlich beweisen zu können, nachdem er so lange von seinem älteren Bruder ausgestochen worden war. Tom ließ seinen Blick zu dem Fenster links neben ihm wandern. In der Ferne konnte er einen ihm wohlbekannten Geist erkennen, der wütend über die Ländereien stürmte.

Er grinste, als er sah, wie sie versuchte, den Brunnen zu treten, dabei fast umkippte und eine rüde Geste machte, von der er nicht gedacht hatte, dass das Miss Tugendhaft sich dazu herablassen würde. Er lachte auf, und drehte sich dann abrupt zu den Todessern um, die ihn seltsam ansahen. Offenbar fanden sie Abraxas' Flederwichtfluch nicht zum lachen. „Nun, noch irgendetwas?", fuhr er sie harsch an. Ein Siebtklässler, ein hochgewachsener Junge mit kurzem braunem Haar, begann zu sprechen. „Ich habe es geschafft, einen Job im Ministerium zu bekommen. Nächstes Jahr fange ich als Assistent in der Abteilung für magisches Recht an." Er lächelte, doch sein Blick war kalt. Tom hatte alle, die er für intelligent genug hielt, dazu angehalten, sich Jobs im Ministerium oder an anderen wichtigen Orten zu suchen, wo sie ihre Ideologie verbreiten und vielleicht auch weitere Gefolgsleute rekrutieren konnten. „Gut gemacht, Rosier", lobte ihn Tom, und sah wieder aus dem Fenster. Hermine war verschwunden und Tom fragte sich, ob sie auf dem Weg zu ihm war.

Hatte er kein Buch über Denkarien für sie, musste er sich stundenlang ihre Nörgeleien anhören. Er überlegte gerade ernsthaft, diese Nacht einen Schlaftrank zu nehmen, als er sich daran erinnerte, das das Treffen noch nicht vorüber war. „Das ist alles. Ihr könnt gehen", informierte er sie schroff und winkte sie aus dem Zimmer. Sie beeilten sich, den Schlafsaal zu verlassen und begaben sich die Treppe hinunter in den Gemeinschaftsraum. Da Tom es vorzog, allein zu sein und nicht, sich mit den anderen zu unterhalten, oder gemeinsam zu lernen, hielten sich die Slytherins tagsüber vom Schlafsaal fern, damit er seine Ruhe hatte. Die meiste Zeit verbrachte er jedoch in der Bibliothek. Sie wissen nicht, dass ich meinen ganz persönlichen Rückzugsort habe. Er grinste zufrieden. Der Basilisk war ihm zwar keine große Hilfe bei den Arithmanthikaufsätzen, aber die Kammer war ein Ort, an dem ihn absolut niemand störte. Er runzelte die Stirn. Das Geistermädchen könnte theoretisch hinein, falls sie weiß, wo sich die Kammer befindet..., überlegte er missmutig.

Plötzlich schlecht gelaunt, wünschte sich Tom, er hätte wenigstens einen seiner Gefolgsmänner mit dem Cruciatus Fluch belegt, das munterte ihn immer auf, und die anderen hatten es dann plötzlich viel eiliger, seinen Befehlen Folge zu leisten. Er begann wieder zu grinsen. Die Nacht ist ja noch jung, dachte er, als er sich gemächlich auf den Weg zur Bibliothek machte.

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Hermine hatte die Gewächshäuser hintersichgelassen und war nun wieder auf dem Weg zurück zum Schloss. Er begann schon zu dämmern und Geister sahen im Dunklen nicht besser als jeder normale Mensch. In der Eingangshalle angekommen, schlug sie den Weg zur Bibliothek ein, wo sie beschloss, auf Riddle zu warten. Sie schwebte zwischen den zum Bersten mit Büchern gefüllten Regalen hin und her, auf der Suche nach etwas Brauchbarem. Drei Reihen später hatte sie immer noch nichts gefunden. Sie hob den Kopf und erspähte Denkarien und ihre Macht von Alexander Fancourt. Einen zufriedenen Laut ausstoßend, langte sie nach oben, nur um mit der Hand direkt durch das Buch durchzugreifen. Hermine begann, hektisch vor dem Regal auf und ab zu laufen. Das wird mich noch in den Wahnsinn treiben, grollte sie und fuhr mit den Fingerspitzen über eine Reihe Bücherrücken.

Dieser Teil der Bibliothek schien sich ganz magischen oder verhexten Gegenständen zu widmen. Weit und breit waren keine Schüler zu entdecken, nur hin und wieder hörte sie jemanden weiter weg etwas sagen. Immer noch gereizt überlegte Hermine, was sie tun konnte, während sie wartete. Ihr kam eine Idee und sie wühlte in den Taschen ihres Umhangs nach ihrem Zauberstab. Das Holz fühlte sich angenehm warm in ihrer Hand an, auch wenn der Stab, wie alles, das sie an hatte oder bei sich trug, transparent war. Sie wirkte stumm einen Aufrufezauber, doch aus ihrem Zauberstab schoss lediglich eine Art grauer Nebel, der kurz in der Luft schweben blieb und dann verschwand. Sie versuchte es mit Wingardium Leviosa, aber das Ergebnis blieb das Gleiche. Dichter grauer Rauch kam aus Hermines Stab, egal welche Zauber sie benutzte. Verärgert stopfte sie den Stab zurück in ihre Tasche und schrie zornig auf. Als sie das unverschämte Gelächter hinter sich hörte, fuhr sie herum und verschränkte die Arme, Tom Riddle erblickend, der lässig an einem Bücherregal lehnte. Er zog ein Exemplar heraus und blätterte willkürlich darin.

Na ja, immerhin kann keiner besseren Nebel erzeugen als ich, dachte sie schnaubend. „Ich habe etwas über Denkarien gefunde.", sagte sie und deutete auf das kleine Buch ganz oben. Tom schwang seinen Zauberstab und das Buch flog vom Regal und landete zielsicher in seiner ausgestreckten Hand. „Angeber!", murmelte Hermine leise, aber Toms breiter werdendes Grinsen, als er scheinheilig den Titel studierte, zeigte ihr deutlich, dass er sie verstanden hatte. „Ich habe die ganze Abteilung nach Büchern über Denkarien abgesucht", teilte sie ihm mit. „Das ist das Einzige, das ich finden konnte, allerdings war ich noch nicht in der Verbotenen Abteilung." „Dann geh rein", wies Tom sie an und schlug das Buch auf. "Wenn du etwas über Denkarien oder Erinnerungen findest, hole ich von Slughorn die Erlaubnis."

Hermine schwebte mit zusammen gebissenen Zähnen davon. Wie kann das sein, dass ich mich immer, wenn ich allein bin, furchtbar einsam fühle, aber wenn ich dann versuche, mich mit dem einen Menschen zu unterhalten, der mich verstehen kann, das unbändige Verlange verspüre, ihn in dem Moment, in dem er den Mund aufmacht, zu erwürgen? Wenn er nur nicht so verdammt... Einige nicht sehr höfliche Adjektive fielen ihr zu ihm ein, aber Hermine hatte jetzt die Verbotene Abteilung erreicht und musste sich auf ihre Aufgabe konzentrieren. Die meisten Bücher hier waren mehr oder weniger schwarzmagisch oder beinhalteten extrem schwierige Zauber, die in der Verbotenen Abteilung aufbewahrt wurden, damit nicht zufällig ein Erstklässler das sie entdeckte und beschloss, die Zauber mal auszuprobieren. Hermine musste grinsen als sie eine ramponierte Ausgabe von Höchst Potente Zaubertränke entdeckte, die in ihr Erinnerungen an Harry, Ron und einen gewissen Vielsafttrank-Unfall weckte.

Sie musterte die Bücherregale kritisch, und ihr Herz hüpfte, als sie einige Bücher sah, die ihr womöglich helfen konnten. Eines war über Denkarien und Runenmagie und das andere hieß Erinnerungen und Magie, von Herewald Nachtberg. Riddle sollte am besten beide holen. Fröhlich spazierte sie zu ihm zurück. Tom hatte bereits ein Fünftel des Buches gelesen; seine Augen waren fest auf die Seiten fixiert. „Tom?", rief sie und wartete, bis er den Kopf hob. „Ich habe noch zwei Bücher in der Verbotenen Abteilung gefunden, die nützlich sein könnten." Hermine nannte ihm die Titel und er eilte zu Madame Pince, um sich das Buch, das er gerade gelesen hatte, auszuborgen. „Dieses eine ist besonders interessant", wisperte er ihr aus dem Mundwinkel zu, nachdem sie an einen Gruppe Hufflepuffs vorbeigegangen waren. „Da stehen Dinge über Denkarien drin, von denen ich noch nie gehört habe!" Sie war sich nicht sicher, ob er ihr das sagte, um sie wütend zu machen, oder ob es ihm tatsächlich darum ging, sie ins Bild zu setzen.

Als sie sich der Theke näherten, bemerkte Hermine erfreut, dass Professor Slughorn davorstand und sich mit einer 1940-er Version von Madam Pince unterhielt. Diese Bibliothekarin war stämmig, hatte eisgraue Augen und dicke Brillengläser und sah aus, als würde es sie relativ wenig interessieren, was Slughorn ihr über seine Kreischbeißer-Allergie erzählte. „…und dann bildete sich eine Verschorfung von seltsamer Farbe, ziemlich ansteckend, wissen Sie-", er verstummte, als er seinen Lieblingsschüler entdeckte. "Tom Riddle! Spätabendliche Recherche? Also für Zaubertränke ist es nicht, das wüsste ich", scherzte er. „Eigentlich, Professor, wollte ich Sie um etwas bitten...", begann Tom und hielt sein Buch hoch. „Ich interessiere mich sehr für Denkarien, und ich dachte mir, dass mir einige einschlägige Bücher bei einem Alte-Runen-Projekt helfen könnten." Er schilderte Slughorn, wie er zwei andere unglaublich faszinierende Bücher in der Verbotenen Abteilung gefunden und vorgehabt hatte, Slughorn am folgenden Tag in seinem Büro aufzusuchen, um ihn um die Erlaubnis zu bitten, sie auszuleihen.

Hermine warf den beiden angewiderte Blicke zu. Wie Tom Riddle es schaffte, so unschuldig auszusehen war ihr unbegreiflich. Er erwähnte ein paar Mal, dass Zaubertränke sein liebstes Fach war, und wie anspruchsvoll doch Alte Runen wäre. Hermine hielt es kaum aus. Ironischerweise glaubte Slughorn ihm jedes Wort. „Natürlich, mein lieber Junge", sagte er und klopfte ihm auf die Schulter. „Wissen Sie was, ich werde die Bücher schnell holen und sie für Sie ausleihen." Er zwinkerte Tom zu und machte sich mit hüpfendem Schritt in Richtung Verbotene Abteilung auf, einen kleinen Stapel Zaubertrankbücher auf der Theke zurücklassend. Tom sah zu Hermine und grinste sie an, als er ihren angewiderten Gesichtsausdruck sah. Sie verschränkte die Arme und funkelte böse zurück. Dann kam Slughorn auch schon zurück, die zwei gewünschten Bücher in der Hand.

„Na, Miss Marsh, ich bin sicher, dass das kein Problem ist! Der Junge hat meine Erlaubnis, die Bücher auszuleihen, Wissen hat schließlich noch nie jemandem geschadet!" Als Tom und Hermine die Bibliothek verließen, fuhr Slughorn mit seiner vorigen Unterhaltung fort. „-und Sie glauben ja nicht, welche Größe es nach drei Tagen schon erreicht hatte! Danach war ich nie mehr derselbe..."

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Es war spät geworden, und sie gingen schweigend zurück zum Slytherin-Gemeinschaftsraum. Hermine weigerte sich, mit ihm zu sprechen, und begann stattdessen, einen Lied zu summen, das ihr in den Sinn kam. Sie konnte sich zwar nicht mehr an den Text erinnern, aber die Melodie war irgendwie einprägsam. „Ist das Celestina Warbeck?", fragte Tom amüsiert und legte die Bücher auf einem Tisch im leeren Gemeinschaftsraum ab. Schockiert nickte Hermine, und erinnerte sich wieder daran, wo sie das Lied aufgeschnappt hatte. „Du kennst ihre Musik?", fragte sie neugierig. Tom zuckte die Schultern. Sie ist letztes Jahr auf dem Ball aufgetreten. So toll war sie nicht." Hermine unterdrückte ein Schnauben. Wahrscheinlich hat sie sich über die Jahre nicht wirklich verbessert.

„Hier, lies das!", sagte Tom und deutete auf das erste Buch. Er schwang seinen Zauberstab und die Seiten blätterten selbstständig zu einer bestimmten Passage. Hermine begann zu lesen; der Titel lautete: „Die zahlreichen Eigenschaften von Denkarien". Das Denkarium ist das einzige bekannte magische Objekt, das Erinnerungen speichern und zeigen kann. Denkarien sind ausgesprochen mächtig und können nicht durch gewöhnliche Methoden zerstört werden. Dämonsfeuer und tödliche Gifte können einem Denkarium ebenfalls nichts anhaben. Wenn man sich in einem Denkarium befindet, kann man Erinnerungen nach Belieben betrachten. Die Zeit außerhalb bleibt derweil stehen, und für gewöhnlich verweilt man nur kurze Zeit in Denkarien.

Oh, Gott sein Dank!, dachte Hermine und las weiter. Wenn jemand ein Denkarium betritt, ohne sich auf eine spezielle Erinnerung zu konzentrieren, wird das Denkarium eine Zufällige auswählen, meistens ist es die Stärkste. In seltenen Fällen wechseln Personen zwischen Erinnerungen, oder sehen ganz selten auch zwei zugleich. Einmal im Denkarium, nimmt der Besucher die Form eines geisterhaften Wesens an und kann die Geschehnisse von allen ungesehen und ungehört beobachten. (Hier schnaubte Hermine) In ganz ungewöhnlichen Fällen waren manche Menschen in der Lage, einen leichten Schatten dort zu sehen, wo der Besucher stand. Erinnerungen sind kostbar, also sollte man sie auch mit Vorsicht behandeln. Mit der Zeit werden Erinnerungen, die nicht in einem Denkarium gespeichert sind, trüb oder auf andere Arten unbrauchbar und unter diesen Umständen ist es wahrscheinlicher, dass oben genannte Nebeneffekte auftreten.

Hier hörte Hermine auf zu lesen. Das wusste sie alles bereits oder hatte es zumindest vermutet. „Vielen Dank, Mr. Offensichtlich!", meinte sie und stemmte die Hände in die Hüften. „In diesem Buch steht rein gar nichts Nützliches. Versuch es mal mit denen aus der Verbotenen Abteilung!" Hermine deutete auffordernd auf das Größte. „Deine Spitznamen gehen mir langsam auf die Nerven", spottete Tom, und einen böses Funkenl trat in seine Augen. „Sherlock Holmes, Mr. Offensichtlich?" „Vergiss Sonnenschein nicht!", fügte sie hinzu und überflog die nächste Seite nach brauchbaren Informationen. „Wie soll ich dich denn dann nennen, hm?", fragte er, von dem Sonnenschein ganz offensichtlich wenig angetan. „Bleib bei Hermine, denn das ist ganz zufälligerweise mein Name!", spottete sie und versuchte vergeblich, mit ihren transparenten Fingern, die Buchseite umzublättern. Egal wie oft sie scheiterte, sie ignorierte es und versuchte, sich davon zu überzeugen, dass es beim nächsten Mal klappen würde.

„Jetzt hör mir mal zu, Schatz", sagte er und lehnte sich über den Tisch, seine Stimme gefährlich leise. Hermine versuchte zu protestieren, doch Tom unterbrach sie. „Ich habe genug davon, mir deine Beschwerden anzuhören, ohne dass du auch nur den geringsten Hauch von Dankbarkeit zeigst!" Hermine wollte eigentlich antworten: Dafür werde ich dich um Drei in der Nacht aufwecken, indem ich lautstark singe: „Ein Kessel voller heißer, starker Liebe"!, aber entschied sich dann doch eilig dagegen, als ihr auffiel, wie das in Kombination mit Toms vorherigem Spitznamen geklungen hätte. „Na gut, danke", meinte sie abfällig. „Bitte leg einen Seiten-Blätter-Zauber auf dieses eine Buch." Sie deutete auf „Erinnerungen und Magie". Tom sah aus, als wollte er etwas sagen, doch begriff dann, dass das alles an Dankbarkeit war, das er von Hermine bekommen würde. Er schwang kurz seinen Zauberstab und ging dann in Richtung Schlafsaal davon. „Der Zauber ist auf neunzig Sekunden eingestellt", sagte er über die Schulter, dann war er weg.

Also ich hätte ihn auf sechzig eingestellt!, dachte Hermine grinsend. Allerdings hätte sie dann in der Früh nichts mehr zu tun gehabt, und sie war sich sicher, dass ihr dann noch einige andere Liebeslieder von Celestina Warbeck eingefallen wären. Und sie hatte jetzt schon Probleme, nicht an „Ein Kessel voll heißer, starker Liebe" zu denken, das sie einfach nicht aus dem Kopf bekam. Die erste Seite blätterte um und Hermine setze sich hin, begierig auf die Geheimnisse, die es ihr vielleicht enthüllen würde. Das erste Denkarium wurde von den Druiden erschaffen, um die Erinnerungen zu speichern, die sie in ihren langen Leben gesammelt hatten. Die Runen am Sockel stehen für 'Ewigkeit', 'Wissen' und 'Gerechtigkeit', ein Hinweis auf die Funktion, die Denkarien damals bei Gerichtsverhandlungen innehatten. Denkarien wurden Beweismittel genutzt, da sie die reine Wahrheit zeigen, und es offensichtlich ist, wenn jemand versucht hat, sie zu verändern.

Denkarien sind einzigartig, denn sie können von fast allen magischen Kreaturen benutzt werden. Man weiß nicht, ob Riesen die nötige Konzentration besitzen, um ein Denkarium zu betreten, aber Hauselfen, Zentauren und Meermenschen sind dazu in der Lage, auch wenn es nur selten tun. Erinnerungen sind mit Träumen zu vergleichen, da beide die wahren, unverschleierten Wünsche und Begierden einer Person beinhalten. Träume nehmen oft die Form von Erinnerungen an und manchmal kann das Beobachten einer Erinnerung beinahe einen traumartigen Zustand hervorrufen. Wenn man einmal in einem Denkarium ist, wird man zu einer Art Geist. Essen und Trinken sind unmöglich, doch während Geister nicht weinen oder Gefühle verspüren können, ist der Besucher im Denkarium sehr wohl dazu in der Lage. Es sind einige Fälle bekannt, wo Personen fast ihr ganzes Leben in Denkarien verbrachten, zum Beispiel, um bei jemandem zu sein, der gestorben ist. In diesem Fall ist diese Person so tief in die Erinnerungen versunken, dass sie dort ganze Tage oder manchmal sogar mehr erlebt hat; abhängig von ihrer Willenskraft und der jeweiligen Erinnerung.

Hermine hielt den Atem an und wartete darauf, dass die Seite umblätterte, sodass sie lesen konnte, was als Nächstes kam. Sie hatte sich seit Stunden nicht bewegt, aber ihre Beine schmerzten nicht und die Augen taten ihr nicht weh – früher waren das immer Anzeichen dafür gewesen, dass sie zu viel gelesen hatte. Die Seite blätterte um und Hermine beeilte sich, weiterzulesen; sie strich sich eine wirre Haarsträhne aus dem Gesicht. Wenn die Person längere Zeit im Denkarium verbringt, beginnt sich ihr Körper zu verändern. Anfangs wird sie wie ein Geist oder Schatten erscheinen, aber je länger sie im Denkarium bleibt, desto eher ist es ihr möglich, die eine körperähnliche Form anzunehmen. Es ist unbekannt, ob man ihre Anwesenheit je bemerkt hat, aber da Träume und Erinnerungen sich so ähnlich sind, ist alles möglich. Hermines Kinnlade fiel herab; da, auf dem alten, beigen Papier standen die Worte, die so viele ihrer Fragen beantworteten, aber gleichzeitig genauso viele neue aufwarfen. Warum kann nur Tom mich sehen? Wenn dies hier Erinnerungen sind sollte keine Verbindung bestehen. Warum kann ich nicht zurück? Welche Erinnerung ist die Wichtigste von denen aus den unzähligen Glasphiolen?

Plötzlich blätterte die Seite um und Hermine wurde aus ihren Gedanken gerissen. „Oh, verdammt!", fluchte sie und versuchte mit ihren geisterhaften Fingern die Seite zu greifen. Welche wichtigen Informationen verbergen sich auf dieser Seite? Mürrisch las sie weiter. Das nächste Kapitel handelte von den Unterschieden zwischen Geistern und Erinnerungen. Wen interessiert's, ob Geister und Poltergeister einfache Magie wirken können, aber Personen in Erinnerungen nicht? Das wusste ich bereits! Zwei Stunden später hatte sie das Buch ausgelesen. Zurück blieb ein Gefühl von Leere, so als wären alle wichtigen Informationen gerade auf der einen Seite gewesen, die sie nicht gelesen hatte. Natürlich muss sich jedes andere Kapitel auf Seite 184 beziehen!, dachte sie sarkastisch. Ich habe sogar die Fußnoten und den Index gelesen!

Immer noch wütend begab sie sich von dem hochlehnigen, harten Stuhl zu einer bequem aussehenden dunkelgrünen Couch. Sie ließ sich in die Kissen sinken und ihr wurde auf einmal bewusst, wie müde sie war. Ein Blick zum Fester zeigte ihr, dass es noch dunkel war und sie wusste, dass ihr nichts anderes übrig blieb, als auf Tom - und auf das, was immer der nächste Tag auch bringen mochte - zu warten.

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