Hi all :-)

Tja, was soll ich sagen...ich hab mich nach langer, langer Zeit wieder mal aufgerafft. Ich denke, die Zeitspanne, die das gedauert hat, ist über alle Entschuldigungen hinaus (aber häufigere Updates sind jetzt wirklich eingeplant), deshalb sag ich jetzt mal gar nichts mehr, and without further ado...

Viel Spaß mit Kapitel 4! :)

(ich hab es in zwei Teile geteilt, da es sehr lang ist)

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Wenn es für Dummheit einen Preis gäb,

würd' ich ihn garantiert gewinnen...

Die Herren gehen mir auf die Nerven -

das hab ich hinter mir, Männer spinnen!

Was willst du verstecken? Du bist in den Kerl verschossen,

Willst du uns erschrecken und ihn von der Kante stoßen?

Änd're deine Meinung,

sonst bist du allein und er ist nicht mehr da!

Oh nein, niemals, nie im Leben, nicht so.

Gib zu, du schwebst nur auf Wolken oh oh -

Kein Liebeskram, nein, ich will kein keinen Mann!

I won't say I'm in love

-Hercules

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Immer noch wütend begab sie sich von dem hochlehnigen, harten Stuhl zu einer bequem aussehenden dunkelgrünen Couch. Sie ließ sich in die Kissen sinken und ihr wurde auf einmal bewusst, wie müde sie war. Ein Blick zum Fester zeigte ihr, dass es noch dunkel war und sie wusste, dass ihr nichts anderes übrig blieb, als auf Tom und auf das, was immer der nächste Tag auch bringen mochte, zu warten.

4.1 Regen und Kohle

Tom wachte früh auf und blickte, auf der Suche nach diesem nervtötenden Geist, Böses ahnend durch sein Zimmer. Er war überrascht, dass sie ihn nicht einfach aufgeweckt hatte, um ihn zu ärgern, aber er nahm an, dass sie ihr abwesendes „danke" wohl tatsächlich so gemeint hatte. Tom setzte sich auf, ein verwirrtes Lächeln auf seinem Gesicht. Jemand hatte sich bei ihm bedankt. Er entschied sich, dieses Gefühl zu auszukosten, bevor er sich daran erinnerte, dass er heute Unterricht hatte und Hermine vermutlich keine Ruhe geben würde, bis er all die Bücher auch selbst gelesen hatte.

Sein Schlafsaal war inzwischen leer geworden, also zog Tom sich an und eilte treppabwärts in den Gemeinschaftsraum. Als er dort ankam, sah er sich nach Hermine um, überrascht, dass sie ihn noch nicht belästigt hatte. Als er sie schließlich entdeckte, zuckten seine Mundwinkel kurz nach oben, bevor sein verräterisches Grinsen das Lächeln ersetzte. Hermine war in einer Position auf dem Sofa ausgestreckt, die man wohl kaum bequem nennen konnte. Sie lag am Rücken und ihr Kopf ruhte auf einem Kissen, die geisterhaft blassen Arme von der Couch hängend. Sie schlief.

Neugierig begann Tom sich ihr zu nähern, aber überlegte es sich dann anders, als die Mädchen, die am anderen Ende des Sofas saßen, ihm einen sonderbaren Blick zuwarfen. Immerhin hatten sie ihn gerade dabei erwischt, wie er etwas anlächelte, was für alle anderen wie ein leerer Platz auf der Couch wirkte. Seltsam, dachte er. Sie hat gestern gesagt, dass sie nicht schlafen kann. Und ich dachte auch nicht, dass Geister überhaupt schlafen können, also was hat sich jetzt verändert?Hermine rollte sich etwas zur Seite, ihre geisterhaften Beine bewegten sich direkt durch die zwei Mädchen am anderen Ende der Couch, die an etwas arbeiteten, was wie Aufmunterungszauber aussah. Sie glaubten wohl, einer davon hätte ihn aus Versehen getroffen, da sie ihm erneut einen nervösen Blick zuwarfen. Tom drehte sich auf dem Absatz um und verließ den Gemeinschaftsraum, auf dem Weg zu seiner morgendlichen 'Verteidigung gegen die dunklen Künste' - Stunde.

Zwei Stunden später wachte Hermine auf und fühlte sich erfrischt und ausgeruht. Sie streckt sich etwas, bevor ihr wieder einfiel, wo sie war. Sie sprang vor Erstaunen beinahe auf, den Mund offen wie ein Fisch, dem das Wasser fehlte, als sie bemerkte, dass sie geschlafen hatte. Hermine blinzelte in Richtung der Uhr und las die Zeit ab. Ich habe beinahe den ganze Morgen geschlafen, dachte sie verlegen. Sie drehte sich erwartungsvoll zum Tisch neben ihr um, wo immer noch die drei Bücher lagen. Es juckte sie förmlich, die Bücher zu öffnen und herauszufinden, was sie noch nicht gelesen hatte. Sie kam auch nicht umhin sich zu wundern, ob es das war, was das Buch mit „körperlicher werden" gemeint hatte. Sie unterdrückte ein Gähnen. Sie hatte selten so lange geschlafen, aber nachdem nun fast vierzig schlaflose Stunden hinter ihr lagen, war sie der Meinung, dass sie das Nickerchen verdient hatte. Pff, wohl eher ein Winterschlaf als ein Nickerchen, dachte sie sich, als sie sich wunderte, wo Tom wohl war.

Langsam spazierten immer mehr Slytherins durch den Gemeinschaftsraum zurück in ihre Schlafsäle und Hermine blickte jedes Mal auf und erwartete, Tom unter ihnen zu sehen. Plötzlich bemerkte sie, was sie tat. Warum kümmert es mich?, dachte sie verschnupft und bemühte sich um ein teilnahmsloses Gesicht, als ein weiterer Schüler hereinkam. Sie konnte sich nicht länger beherrschen und ihre Augen huschten zum Eingang des Gemeinschaftsraumes, wo sie einen bekannten Blondschopf mit einem Stapel Bücher hereinkommen sah. Muss ein Malfoy sein, dachte Hermine herablassend. Seine Augen suchten den Raum ab und verengten sich, als er die staubigen alten Bücher vor ihr auf dem Tisch sah. Er betrachtete sie genauer, verzog sein Gesicht, als er die Titel erkennen konnte, und setzte seinen Weg in den Schlafsaal fort. Hermine schlug die Beine übereinander und widerstand dem Drang, alle paar Minuten auf die Uhr zu sehen. Ihr Fuß klopfte ungeduldig auf den Boden und sie überlegte, ob sie Tom Riddle suchen gehen und ihn in sein Zimmer zurück schleifen sollte, um diese Bücher zu lesen und ihr zu helfen, sie zu entziffern.

Obwohl sie oberflächlich den Eindruck vermittelten, relativ leicht zu verstehen zu sein, weigerte sich Hermine, die Hoffnung aufzugeben, dass in den Seiten irgendwo ein Weg zurück verborgen lag. Sieh's ein, Tom ist nicht gerade die beste Gesellschaft, dachte sie sarkastisch und fuhr fort, über den schwarzhaarigen Slytherin zu grübeln. Er hat Stimmungsschwankungen wie Lavender an einem ihrer schlechteren Tage, dachte sie mit unterdrücktem Lachen. Er schwankt von 'unschuldig' zu zornig zu verwirrend zu beinahe erträglich zu charmant zu...Sie verstummte, nach einem passenden Wort zu suchen. Letzte Nacht war er definitiv nicht charmant, dachte sie, und ihre Laune erhielt einen Dämpfer. Und sie war der Meinung, dass sie immer noch keinen Blick auf den echten Tom erhascht hatte, den Tom hinter den vielen Masken, die er für die Lehrer und den Rest der Schule immer aufrecht erhielt. Und ehrlich gesagt war sie sich nicht sicher, dass sie ihn anders überhaupt sehen wollte.

Das Klopfen ihres Fußes erhöhte seine Intensität und Hermine erwog verschiedene Wege, den Slytherin zu töten, wenn er nicht sofort auftauchte. Sie dachte just an verzauberte Klatscher, als eine Hand vor ihrem Gesicht hin und her wedelte. Überrascht blickte sich Hermine um und sah finster drein, als sie Tom mit einem spöttischen Lächeln neben sich entdeckte. „Warum hast du die Lampe angestarrt?", fragte er sie, auf ein Exemplar vor ihrer Nase zeigend. Sie warf ihm einen verärgerten Blick zu und deutete im Gegenzug zu dem dicken Wälzer am Tisch. „Seite 184. Jetzt." Tom zog die Augenbrauen angesichts ihres Tonfalles hoch und sein Grinsen, wenn es denn möglich war, wurde noch breiter. „Eloquent wie immer, sehe ich. Sag schon, wie hast du es geschafft, eine Seite zu verpassen?" Hermine murmelte etwas wie 'verdammter Seiten-umblätter-Zauber' während sie Toms Blick auswich. Mit der Zunge schnalzend hielt Tom ihr das Buch mit der Außenseite genau vors Gesicht, als er sich umdrehte, gegen die Wand lehnte und es aufschlug. Hermine öffnete ihren Mund, um zu protestieren, als das Buch über ihren Kopf segelte und machte eine Greifbewegung, als Tom es abrupt aus ihrer Reichweite entfernte.

„Nö.", sagte er, und hielt das schwere Buch mit beiden Händen. „Du hast deine Chance verpasst, jetzt lese ich." Sie musste ihn nicht einmal ansehen, um das triumphierende Grinsen auf seinem Gesicht zu bemerken. „Gib das her!", rief sie und sprang vom Sofa. Er spielte nicht fair und wenn er es darauf ankommen lassen wollte, würde sie das auch nicht tun. Toms Interesse schien ihre Neugier nur noch zu beflügeln. Sie stürzte sich auf ihn, und blickte wütend drein, als er das Buch höher hob und seinen Zauberstab gut ein Drittel der Seiten umblättern ließ. Als Hermine ihre Hände ausstreckte und es zu schnappen versuchte, musste Tom ob ihrer Sturheit lächeln. Oder ihrer Dummheit, erinnerte er sich selbst. Sie wusste, dass sie es nicht würde berühren können, also warum versuchte sie es überhaupt? Tat sie es, um ihn zu verärgern? Er grinste zu ihr herunter, was Hermine nur noch mehr verärgerte. Es war nicht schwer für ihn auf sie herabzusehen, da ihr Scheitel kaum sein Kinn berührte, und das, obwohl sie auf Zehenspitzen stand.

Tom fühlte die geisterhafte Berührung einer ihrer Haarlocken gegen seinen Hals und trat entnervt einen Schritt zu Seite. Es fühlte sich nicht so an, wie es normales Haar tun sollte, aber andererseits, es fühlte sich immerhin nach etwas an und das allein hätte eigentlich physisch unmöglich sein sollen. Plötzlich machte es in seinem Kopf Klick. Das Schlafen, das gruslig-geisterhafte Gefühl ihrer Haare: irgendwie passierte etwas Seltsames mit ihr. Und er wusste nun, dass sich diese Information in dem Buch befinden musste, und zwar auf der Seite, die sie früher hilfreicher Weise spezifiziert hatte. „Sorry, Schätzchen", sagte er, was ihm erneuten Protest von Hermine einbrachte.

„Ich denke, ich werde dieses Buch die nächste Zeit lang lesen...", zwinkerte er und versuchte dann, sich in Richtung Treppe davonzumachen. Unglücklicherweise stellte sich Hermine ihm in den Weg und verschränkte die Arme vor der Brust, während sie ihn böse anstarrte. Tom versuchte, um sie herum zu gehen, aber Hermine bewegte sich mit ihm mit, ihre Augen auf seine fixiert. Sie wusste, dass er nicht durch sie hindurch gehen wollte, das allein war schon unheimlich genug - doch mit ihrer neu gewonnenen Fähigkeit, die er gerade durch ihre Haare zu spüren bekommen hatte, war er sich jetzt ganz sicher, dass er nie wissen wollte, wie es sich wohl anfühlen würde, durch sie hindurch zu gehen.

„Beweg dich, Hermine", sagte er kühl und ging näher an sie heran. Er konnte die unbestimmte Angst spüren, die von ihrem schmalen Körper ausging und wusste, dass er er sie durch die Verwendung ihres echten Namens anstatt einer Verniedlichung weiter aus der Fassung bringen konnte. Sie hatte dadurch keinen Grund, ärgerlich auf ihn zu sein, und das verschaffte ihm die Kontrolle über die Situation. Die Augen zu Schlitzen verengt, verlegte sich Hermine auf ihren bösen Blick und hielt stur die Arme verschränkt, als sie verzweifelt nach einem schlagfertigen Comeback suchte. Als Tom noch einen Schritt näher auf sie zuging, verließen sie alle zusammenhängenden Gedanken, doch sie wich nicht zurück und weigerte sich, nachzugeben. Feixend wie die Grinsekatze tat er noch einen Schritt, das Buch sicher unter seinen Arm geklemmt. Sein Kinn war nun auf gleicher Höher mit ihrer Stirn und ihr buschiges Haar würde sein Ohr berühren, wenn er sich nach vorne lehnen würde. Er grinste erneut. Sie vermied Augenkontakt mit ihm und ihre Augen huschten zu einen Punkt zu seiner Linken. Nun, ein wenig Einschüchterung sollte ihr ihren Platz zeigen.

Tom lehnte sich etwas zu ihr herunter, sodass sein Mund nur weniger Zentimeter von ihrem rechten Ohr entfernt war. Sein Haar fiel ihm leicht in die Augen, doch noch wollte er es nicht zur Seite schieben. Er erlaubte seinen Mundwinkeln erneut, ein Grinsen zu formen - zum ersten Mal war die Gryffindor sprachlos. Tom wollte gerade etwas sagen, als er plötzlich einen seltsamen Duft einatmete. Er schien von ihrem Haar auszugehen, doch je mehr er sich darauf konzentrierte, bemerkte er, dass er von Hermine selbst zu kommen sollte. Der Duft war rein wie Regen, gemischt mit etwas Zitrusartigem. Tom atmete erneut ein. Ja, definitiv Zitronen. Tom hielt inne; vergaß, was er hatte sagen wollen. Gerade war er noch dabei gewesen, etwas Schlagfertiges zu sagen, an ihr vorbei zu rauschen und zu lesen, was auch immer auf der Seite zu finden war, die sie ausgelassen hatte, und im nächsten Moment versuchte er krampfhaft zu verbergen, dass er den Duft ihrer Haare genoss.

Nein, schalt Tom sich selbst im Geiste, ich genieße es nicht, an ihren Haaren zu riechen! Dies hier ist nichts weiter als etwas Einschüchterung. „Weißt du, wir sollten uns bald auf den Weg zu Zaubertränke machen", flüsterte Tom und grinste, als all seine aufgestaute Anspannung komplett von ihm abfiel. Er warf ihr einen amüsierten Blick ob ihrer verlorenen Fassung zu, bevor er sich ruckartig umdrehte, in Richtung des Ausganges stolzierte und auf dem Weg seine Büchertasche mitnahm. Hermine erholte sich schnell und ließ die Luft, die sie angehalten hatte, seit er sich ihr so weit genähert hatte, dass kaum ein eine Feder zwischen sie gepasst hätte, mit einem leisen Seufzen entweichen. Sei grinste, als ihr einfiel, was er gerade gesagt hatte. Immerhin würde sie zuletzt lachen. „Wir?", fragte sie gebieterisch und hob eine Augenbraue. Tom drehte sich halb zu ihr um, einen Moment lang verwirrt, bevor er ein finsteres Gesicht machte. „Und ich dachte, du würdest mich nicht gerne in deiner Nähe haben", scherzte sie, trat an ihm vorbei und schwebte durch die Tür des Gemeinschaftsraumes.

So bald sie verschwunden war, musste sich Tom beherrschen, um die Hand nicht vors Gesicht zu schlagen. Wie konnte ihm nur ein „wir" herausrutschen? So lange er denken konnte, hatte es immer nur ihn gegeben – nur Tom und niemanden sonst. Und nun hatte er einen Geist miteinbezogen? Eine Erinnerung, korrigierte sein Gehirn automatisch. Er stöhnte innerlich; nach diesem kleinen Versprecher seinerseits würde sie während Zaubertränke unerträglich sein. Hoffentlich hat sie auf das Buch vergessen, dachte er, bevor er den Gemeinschaftsraum verließ und, mit Hermine vor ihm, in Richtung der Kerker eilte. Er sagte weder zur ihr noch zu einem der anderen Schüler ein Wort, als er durch Hallen und Gänge schritt. Sie erreichten den Klassenraum gerade noch pünktlich und Tom ging mürrisch hinein. Er nickte den anderen Slytherins knapp zu und setzte sich auf seinen üblichen Platz. Hermine ließ sich neben ihm auf einem freien Stuhl nieder und klopfte mit ihren Fingern auf die Tischplatte, als sie ihn erwartungsvoll anblickte.

Wird er nichts sagen?, dachte sie verwirrt und versuchte, sich diese Emotion nicht anmerken zu lassen. Was hat ihn so missmutig und still gemacht? „Sprachlos, Tom?", fragte Hermine mit schalkhaftem Lächeln. Sie konnte mit zornigen oder bösen Slytherins umgehen, aber mit einem Mürrischen? Das war etwas völlig anderes. Nun, ein Fröhlicher oder gar Heiterer wäre vermutlich unheimlicher, dachte sie, als ihr Grinsen breiter wurde. Während es zwar ein urkomisches geistiges Bild abgab, sollte sich seine Stimmung tatsächlich in diese Richtung verändern, wüsste sie nicht, wie sie mit ihm umgehen sollte. So lange sie ihn nur als den „zukünftigen Lord Voldemort" sah, war sie sicher. Sie konnte ihn anschreien, ihn hassen, ihn für alles verabscheuen, das er in der Zukunft tun würde. Nun, eigentlich hat er noch nichts davon getan, flüsterte eine kleine Stimme, die verdächtig nach ihrem Gewissen klang, in Hermines Kopf.

Hermine bemerkte, dass Tom sie wieder böse ansah, als Slughorn den Klassenraum betrat und seinen Zauberstab auf die Tafel vorne im Raum richtete. „Heute werden wir einen sehr schwierigen Zaubertrank brauen!", verkündete Slughorn so, als könne ihn nichts glücklicher machen. „Dieser Trank geht weit über UTZ-Niveau, aber ich hatte das Gefühl, dass ihr alle etwas mehr Herausforderung brauchen könntet.", fuhr er fort; gefolgt von unverhohlenem Stöhnen und Räuspern der Schüler. Hermines Interesse war geweckt, denn sie wusste, dass ein schwieriger Zaubertrank ihr noch mehr Gelegenheiten geben würde, Tom abzulenken. Sie überflog die Liste der Zutaten an der Tafel und ging sie instinktiv im Kopf, durch um herauszufinden, von welchem Zaubertrank Slughorn gesprochen hatte. Es gab bereits einen ganzen Kessel voll fertig gebrautem Zaubertrank auf Slughorns Tisch, den sie unsicher beäugte. Hey, der kommt mir bekannt vor, dachte sie, als Slughorns Stimme ihre Gedanken unterbrach. „Amortentia!", verkündete er vergnügt selbst, anstatt einen Schüler aufzurufen. "Nun, beginnt zu brauen. Und seid nicht beunruhigt, wenn es nicht beim ersten Versuch klappt, dies ist ein sehr komplizierter Trank."

Langsam erhob sich Tom, um seine Zutaten zu holen. Er biss die Zähne zusammen – er wollte gar nicht erst wissen, was Hermine sich für diese Stunde ausgedacht hatte. Letztes Mal war schlimm genug gewesen, und Tom glaubte nicht, dass er eine solche Stunde ein weiteres Mal ertragen könnte. In ihrem Sessel überdachte Hermine ihre Möglichkeiten. Schau'n wir mal...Option eins, ich könnte noch mehr Lieder von Celestina Warbeck singen, das ist ohne jeden Zweifel nervtötend...Option zwei, ich könnte einen auf Luna machen und Tom alles über den schlüpfrigen Schrumpfhörnigen Schnarchkackler erzählen. Sie unterdrückte ein Schnauben. Aber ich könnte dabei niemals ernst bleiben.

Sie merkte bereits leichte Unterschiede in ihrer Interaktion mit dem Rest der Erinnerung, was gestern oder am Tag davor noch nicht möglich gewesen war. Sie konnte mehr fühlen, sie fühlte sich in dieser Zeit fast etwas mehr zugehörig, als sie es je zuvor getan hatte. Sie konnte schlafen, sie konnte ganz sacht die Maserung des Eichentisches fühlen, bevor ihre Finger durch das Holz glitten, und sie konnte -

Ihre Gedanken wurden unterbrochen, als plötzlich zwölf verschiedene Kessel zur gleichen Zeit für den Zaubertrank vorbereitet wurden. Sie konnte beinahe die Präsenz eines Trankes weiter vorne im Klassenraum spüren. In diesem Kessel schien ein übergroßer Löffel fröhlich und ganz von selbst die Zutaten umzurühren. Jede der Zutaten des Trankes war so potent, dass sie sich kaum konzentrieren konnte. Verdammter Slughorn, dachte sie, als sie sich ihre Hände auf die Schläfen presste. Verdammter Amortentia und verdammter Tom Riddle. Und wenn man vom Teufel spricht... Tom war zum Tisch zurückgekehrt und gerade dabei, zu brauen zu beginnen. Entweder war er ein besserer Schauspieler, als Hermine es ihm zugetraut hatte, oder dieser verflixte Zaubertrank beeinträchtigte ihn nicht so sehr wie sie. Sie hatte vorher nicht bemerkt, dass offenbar auch ihr Geruchssinn an diesem Morgen zurückgekommen war, denn plötzlich wurde sie überwältigt vom Dunst des köchelnden Trankes. Obwohl sie den Duft dieses Tanks erst einmal in ihrem Leben eingeatmet hatte, wusste sie bereits, wonach es für sie riechen würde.

Frisch gemähtes Gras, neues Pergament und etwas Seltsames, für das ich irgendwie keinen Namen finden kann, dachte sie, als sie versuchte, sich auf ihre Aufgabe zu konzentrieren. Wie zur Hölle soll ich mich an Tom rächen, wenn ich mich nicht beherrschen kann? Tom hatte einen stoischen, unbeteiligten Blick aufgesetzt, als er seinen Trank braute; innerlich neugierig, warum Hermine noch nicht begonnen hatte, ihn dabei zu behindern. Er warf dem Mädchen einen flüchtigen Blick zu. Sie sieht aus, als hätte sie einen Kater, bemerkte er amüsiert.Tom fuhr damit fort, seine Zaubertrankzutaten klein zu schnippeln,verschiedene Pflanzen und Wurzeln hinzuzufügen und seinen Trank halbherzig umzurühren. So, ist das also ihr Plan? Mich zu ignorieren?

Fünf Minuten vergingen und er bemerkte, dass das tatsächlich schlimmer war, als ihre konstanten Einmischungen an den anderen Tagen. Nun machte er sich nämlich Sorgen, dass sie ihn jeden Moment überraschen würde und er wusste nicht, was er erwarten sollte... von weiteren Zungenbrechern bis zum Rezitieren der Kochanleitung für Spinat Florentiner Art, während er sich auf die richtige Reihenfolge der Arbeitsschritte konzentrieren musste, rechnete er mit allem.

Amortentia ist nicht umsonst der verdammte stärkste Zaubertrank der Welt, dachte Hermine und spähte besorgt in den Kessel, der nicht weiter als zwei Schritt von ihrer Nase entfernt war. Sie verschloss ihre Augen fest gegen Ansturm von Emotionen, den die Nähe zum Zaubertrank mit sich brachte, doch fand es schwerer und schwerer zu widerstehen, als sie kämpfen musste, um wach zu bleiben. Plötzlich strömte ein Schwall Duft von Toms beinahe vollendetem Trank in ihre Nase und sie atmete den üppigen Wohlgeruch tief ein, als sie plötzlich die Stirn runzelte. Gras, Pergament und eine seltsame holzige Duftnote; so wie brennende Kohle oder ein frisch geschnittener Mammutbaum, dachte sie, erneut einatmend. Ihr entfleuchte ein leiser, zufriedener Seufzer, bevor sie die Augen erneut öffnete. Wieder bei Sinnen, musterte sie den Kessel finster. Dieser verdammte Trank! Es gibt einen guten Grund dafür, warum er zu meiner Zeit illegal ist!

Ihre Gedanken wurden klarer, als ein vertrauter grün gekleideter Arm über den Tisch vor ihr langte und eine kleine Phiole voll Diligo Sirup ergriff, die sich alle am Tisch teilen mussten. Tom zog den Korken aus dem Fläschchen und beugte sich weiter vor, als er langsam drei Tropfen der Lösung in den Kessel fallen ließ. Tom Gefühle waren von misstrauisch zu neugierig geschwankt, doch nun war er einfach völlig baff. Das Mädchen hatte bis jetzt nicht ein einziges Wort gesagt und er wusste nicht genau, wieso. Als er nach dem Fläschchen gegriffen hatte, war er sich sicher gewesen, sie würde von ihrem Stuhl springen und „Buhh!" oder „Fröhliche Weihnachten!" oder etwas anderes schreien, das ihn dazu brachte sich zu erschrecken und etwas umzustoßen. Sie bekommt diese perfekten Gelegenheiten, also warum nutzt sie die nicht?

Hermine beugte sich unbewusste näher zum Trank, während sie mit dem Verlangen, noch näher an diesem verlockenden Duft zu heran zu kommen, und ihrem Instinkt, der ihr dringend riet, sich so weit wie möglich zu entfernen, kämpfte. Sie spürte plötzlich, wie sie ein Stück Stoff an der Wange streifte und hob erschrocken den Kopf, nur um zu sehen, wie Tom sich erneut über den Kessel lehnte und die aufsteigenden rauchigen Spiralen studierte, die etwas dunkler waren, als sie es hätten sein sollen; nicht ganz das verlangte Perlgrau. „Sorry", murmelte sie und fuhr zurück, ihre Reaktionszeit etwas durch den betäubenden Effet den Trankes verlangsamt. Hermine rutschte in ihrem Sessel ganz nach hinten und ihre Finger klammerten sich am Rand fest, als Tom nach einem Löffel griff, um den Tank umzurühren. Plötzlich erfasste sie einen Hauch der seltsamen Duftnote. Toms Arm berührte fast den ihren und es wurde ihr klar, dass der Duft von ihm kam.

Oh, das riecht gut, dachte sie und kämpfte darum, trotz des Nebels von Düften, die ihren Verstand beeinträchtigten, fokussiert zu bleiben. So ähnlich wie brennende Kohle, etwas erdig und holzig...

Plötzlich fuhr sie in ihrem Sitz kerzengerade in die Höhe und war sich der plötzlichen Klarheit in ihrem Geist unangenehm bewusst.

Oh mein Gott.

OH. MEIN. GOTT.

WAS zur HÖLLE stimmt nicht mit mir?

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Fortsetzung folgt :-)