Was tut man, wenn man dem Lernen aus dem Weg gehen will? Ach ja genau: Man postet ein neues Kapitel :P

P.S.: Meine Güte, warum hat mir denn keiner von euch gesagt, dass ich jahrelang einen Rechtschreibfehler im Titel hatte? :D

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Are you aware of what you make me feel, baby?

Right now I feel invisible to you

Like I'm not real

Didn't you feel me lock my arms around you?

Why'd you turn away?

Everytime I try to make you smile

You're always feeling sorry for yourself

Everytime I try to make you laugh

You can't

You're too tough

You think you're loveless.

It was too much that I'm asking for.

Avril Lavigne, ''Too much to ask'' and ''Losing Grip''

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Rätseln und unbeantworteten Fragen

Riddle hätte es kommen sehen müssen. Er hätte auch damit rechnen müssen, dass sie kräftig war – er würde wohl eine Zeit lang einen roten Handabdruck auf der Wange tragen. Aber wenn man an den blauen Fleck auf ihrem Arm denkt, dann ist das wohl gerechtfertigt gewesen, oder?, flüsterte eine nervtötende, innere Stimme in seinem Kopf. Tom würde es niemals zugeben, doch er hatte nicht mit ihrem Schlag gerechnet, weil er einen Moment lang abgelenkt gewesen war. Abgelenkt vom Gefühl ihrer glatten Haut unter seinen rauen Fingerspitzen und abgelenkt von der Berührung ihrer Lippen auf den seinen.

Ob es ihr wohl auch so gegangen war? Offenbar nicht. Eigentlich war er sich nicht mal sicher, warum er sie überhaupt geküsst hatte. Im einen Moment hatten sie sich noch angeschrien und im nächsten waren sie vor Überraschung ganz still, als sie eine neue Veränderung bei Hermine festgestellt hatten. Und dann hatte er sie geküsst. Tu nicht so, als wärst du nicht neugierig gewesen, wie es sich wohl anfühlen würde, meinte sein inneres Stimmchen beharrlich. Seit du an diesem Trank geschnuppert hast, wolltest du wissen wie es sein würde. Was sie für dich sein könnte. Er hob eine Hand, um vorsichtig seine Wange zu berühren und zuckte ob des stechenden Schmerzes kurz zusammen.

Er drehte sich um und betrachtete den Abdruck in dem großen Spiegel an der Wand. Eindeutig, das werde ich wohl eine Weile haben. Er hob seinen Zauberstab und wollte es gerade verschwinden lassen, als er ihn plötzlich senkte, sich stattdessen in einen der gemütlichen Lehnstühle fallen ließ und das Buch vom Tisch auf seinen Schoß zog. Er öffnete es, fest entschlossen, so viel wie möglich über Erinnerungen und über das, was hier passierte, herauszufinden.

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Hermine hörte nicht auf zu rennen, bis sie sich in einem Turm in einem anderen Flügel des siebten Stocks wiederfand. Sie eilte eine schmale Treppe hinauf und bemerkte plötzlich, dass sie sich im Gryffindorturm befand. Obwohl ein anderes Portrait den Platz der Fetten Dame einnahm, erkannte sie diesen Ort aufgrund des vertrauten Ausblicks aus einem Fenster gegenüber. Mit einem leichten Lächeln entschied sie sich, in der gewohnten Umgebung des Turmes etwas Trost zu finden. Mit schnellen Schritten durchquerte sie die steinerne Wand und fand sich in der roten und goldenen Pracht des Gryffindor-Gemeinschaftsraums wieder.

Im Moment war er leer und das ließ Hermine einen Augenblick lang vergessen, dass sie sich in einem Denkarium befand. Sie hätte so leicht glauben können, dass dies derselbe Raum war, den sie kannte, als sie sich in ein Sofa vor dem Kamin setzte und endlich ihren Tränen freien Lauf ließ. Sie war so wütend auf Tom. Wenn er sie nicht geküsst hätte, dann hätte sie sich vielleicht darüber gefreut, dass sie endlich wieder jemanden berühren konnte. Wenn er sie nicht geküsste hätte, dann hätte sie ihm vielleicht ein paar Informationen über den Inhalt von Seite 184 entlocken können. Hätte er sie nicht geküsst, hätte sie nie herausgefunden, wie wundervoll es sich anfühlte.

Und das machte ihr noch mehr Angst. Hermine trocknete ihre Tränen mit ihrem Ärmel – fest entschlossen sich zusammenzureißen. Sie war verwirrt und wieder einmal fühlte sie sich allein. Warum hat er das getan?, grübelte sie und rieb sich fröstelnd die Arme. Obwohl sie nah am Feuer saß, konnte sie seine Wärme nicht spüren. Sie zuckte zusammen, als sie mit ihrer rechten Hand aus Versehen das Hämatom auf ihrem Arm berührte, dort wo Tom sie festgehalten hatte. Sie zog ihre Hand wieder zurück und war dankbar, als der stechende Schmerz schnell nachließ. Sie brauchte nicht noch mehr Erinnerungen an ihn. Trotzdem, ich verstehe es nicht. Und es ist nicht so, als könnte ich ihn fragen, was zu Hölle er sich dabei gedacht hat, als er sich entschieden hat, alle Vernunft über Bord zu werfen und zu denken aufzuhören.

Sie ließ ihren Kopf auf ein Kissen sinken und schloss die Lider bei dem Versuch, alles zu vergessen, was an diesem Tag passiert war. Sie versuchte sich zu entspannen, doch ihr ganzer Körper stand dennoch unter Spannung. Es kam ihr so vor, als wären einige Stunden vergangen, als sie sich frustriert wieder aufsetzte. Draußen war es beinahe völlig dunkel geworden, doch sie wollte noch nicht schlafen. Mit gerunzelter Stirn sah sie sich noch einmal im Gemeinschaftsraum um. Einige Schüler saßen hier und da in den Sesseln in der Mitte des Raumes; die meisten arbeiteten an ihren Hausaufgaben oder lasen Bücher. Hermine hätte am liebsten wieder zu weinen begonnen; vielleicht einfach deswegen, weil dies der schlimmste Tag ihres Lebens war. Sie hatte herausgefunden, dass Tom Riddle ihr aus irgendeinem Grund genug gefiel, um den stärksten Liebestank der Welt dazu zu veranlassen, nach ihm zu duften. Dann war da die Tatsache, dass sie immer menschlicher wurde und dass sie den besten Kuss ihres Lebens bekommen hatte – doch aus den falschen Gründen.

Er will mich nur kontrollieren, so wie er das mit allem in seinem Leben tut, dachte Hermine leicht verärgert. Er fühlt nichts für mich; er will mich nur benutzen und mich dann loswerden. Aber warum stört mich das so sehr? Es ist ja nicht so, als würde ich mehr für ihn empfinden als ziemlich viel Wut und Verärgerung, dachte sie. Hermine drehte sich zur Seite und schlug zornig ihre Beine übereinander. Soll er doch verdammt noch mal tun was er will. Er kümmert mich nicht mehr. Sie dachte ein weiteres Mal darüber nach und verschränkte auch ihre Arme. Er war mir ohnehin immer egal. Immer.

Und habe ich gesagt dass das der beste Kuss meines Lebens war? Viktor kann das jederzeit besser! Sie versuchte sich langsam aber stetig davon zu überzeugen, dass Tom ein grässlicher Idiot war und erinnerte sich daran, dass er - oh ja, genau - ein Slytherin war. Also ohnehin verboten. Nicht dass sie überhaupt interessiert gewesen war. Natürlich nicht. Nein, nein, nein, wiederholte sie innerlich. Wie könnte ich auch an jemandem interessiert sein, der kein Herz hat? Und außerdem – es ist ja nicht so, als ob eine Beziehung mit ihm eine Zukunft hätte. Sie schwor sich, dass sie Tom nie mehr näher als nötig kommen würde. Sie würde ihn lediglich dulden, um die Informationen aus den Büchern über Denkarien von ihm zu bekommen und um einen Weg nach Hause zu finden, bevor die Erinnerungen endeten.

Doch sie wusste nicht, wie lange das dauern würde. Könnte Monate sein, oder länger, dachte sie verbissen. Und morgen würde sie ihm einmal ordentlich die Meinung sagen. Wenn er dachte, dass sie nach seinem Kuss einfach dahinschmelzen würde, dann irrte er sich. Sie ballte ihre Hände zu Fäusten. Wenn es ein muss, dann verpasse ich ihm ein blaues Auge, das zu dem Handabdruck auf seinem hübschen Gesicht passt. Hübsch? Ich meine hässlich wie eine Kröte. Oder eine Schlange, dachte sie, als ihr eine Idee kam. Er ist Lord Voldemort. Denk immer daran. Im Inneren ist er derselbe grausame, unbarmherzige Bastard – hier ist sein Äußeres nur etwas augenfreundlicher. Hermine kniff die Augen wieder zu; fest entschlossen, nicht an diese – oder irgendeine – Form von Tom Riddle zu denken. Er hat in letzter Zeit ohnehin genug meiner Gedanken in Beschlag genommen, dachte sie. Sie stand auf und stellte sich hinter den Stuhl einer Gryffindor-Sechstklässlerin, die ihr Schulbuch über Verwandlung las. Sie las über deren Schulter mit, und obwohl sie den Inhalt im Schlaf beherrschte, konzentrierte sie sich so, als hätte sie noch nie zuvor ein Buch gelesen.

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Als Tom die letzte Seite gelesen hatte, ließ er das Buch leise zufallen. Er lehnte sich in seinem Stuhl zurück und rieb sich die Schläfen. Er hatte leichte Kopfschmerzen und wusste nicht, woher sie gekommen waren. Sein Blick fiel auf das halb gegessene Sandwich auf einem Teller zu seiner Linken, doch er konnte sich nicht dazu bringen es aufzuessen. Ihm war der Appetit vergangen. Tom dachte über das Buch nach, das er gerade gelesen hatte – eine Passage war ihm besonders deutlich in Erinnerung geblieben. Er öffnete seinen Mund, um Hermine eine Frage über Kapitel zwölf zu stellen – Das Raum- und Zeitparadoxon – als ihm wieder einfiel, dass sie nicht mehr da war. Da ihm der Lesestoff ausgegangen war, schweiften seine Gedanken unwillkürlich zurück zu Hermine und zu dem, was zwischen ihnen passiert war. Dieser Kuss hat sich so richtig angefühlt.

Seine Kopfschmerzen wurden stärker, je länger er an die temperamentvolle brünette Hexe dachte. Sie tangierte ihn wie kaum ein anderer. Während alle um ihn herum ihn entweder zu fürchten schienen oder ob seiner Brillianz geblendet waren, so war sie nichts davon. Sie war fast so klug wie er und sagte ihm ihre Meinung. Auch wenn ich mir sicher bin, dass sie sich anders verhalten würde, wenn sie zaubern könnte, überlegte Tom und drehte seinen Zauberstab aus Eibenholz zwischen seinen Fingern hin und her – eine Gewohnheit, die immer dann zu Tage kam, wenn er über etwas nachdachte. Als er erneut vorsichtig seine Wange berührte, war ein froh, dass sie nicht länger schmerzte. Ein kurzer Blick in den großen Spiegel verriet ihm, dass seine Wange fast wieder normal aussah. Vielleicht zögerte er ein paar Sekunden länger als nötig, um seine Haare zur richten, dann griff er sich die Bücher und verließ den Raum und machte sich auf den Weg zum Slytherin-Gemeinschaftsraum. Er erwartete nicht, dass Hermine ihm sofort vergeben würde, doch er rechnete damit, dass er sie im Gemeinschaftsraum finden würde, wo sie wohl ihr bestes tat, um ihn zu ignorieren. Er war überrascht, als er sie nirgends in dem höhlenartigen Raum entdecken konnte, doch er entschloss sich, nicht weiter über sie nachzudenken und stattdessen lieber schlafen zu gehen.

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Es war eine lange Nacht für Hermine gewesen. Sie hatte es nicht geschafft einzuschlafen und wusste nicht, ob es am Druck oder an fehlender Erschöpfung lag. Sie saß nun schon die ganze Nacht auf einem Sofa im Gryffindor-Gemeinschaftsraum und versuchte, mit ihren Blicken Löcher in die massiven Wände zu bohren. Einer der Schüler hatte sein Zauberkunstbuch offen auf dem Tisch vor ihr liegen lassen, doch die selbe Seite immer und immer wieder zu lesen langweilte Hermine nach wenigen Minuten. Es war beinahe fünf Uhr in der Früh und sie konnte sie Stille nicht länger ertragen. Ich will jetzt sofort nach Hause! Hermine schäumte vor Wut und verschränkte die Arme. Ihre Gedanken wurden jedoch von einem unterdrückten Flüstern aus der Richtung der Schlafsäle unterbrochen.

„Sein bloß leise, Susan!", flüsterte ein Mädchen scharf als eine ganze Horde von ihnen die Treppe hinunter trippelte. „Seid leise. Jemand könnte schon früher wach sein!", sagte eine andere und stieß Susan ihren Ellbogen in die Rippen. „Nein, hier ist keiner.", meinte ein blondes Mädchen und sah sich im Gemeinschaftsraum um. „Obwohl Septimus all seine Bücher hier gelassen hat." Sie schloss das Zauberkunstbuch. Jetzt war Hermine fasziniert. Sie hatte keine Ahnung, was all diese Mädchen so früh am Morgen vorhatten und erhob sich, um ihnen zu folgen, als eine nach der anderen durch das Portrait nach draußen kletterte. Eigentlich missachteten sie die nächtliche Ausgangssperre ja nicht – irgendwie, dachte Hermine missbilligend. Doch sie war gelangweilt und alles, was spannender war, als die Kröte eines Gryffindors im Gemeinschaftsraum beim Schlafen zu beobachten – dazu war sie eine Weile lang gezwungen gewesen – interessierte sie.

Die Mädchen sahen alle aus, als wären sie Sechst- oder Siebtklässlerinnen und Hermine hörte ihrer Unterhaltung auf dem Weg wohin auch immer kaum zu. Die Gruppe stoppte vor einem leeren Klassenzimmer ganz in der Nähe des Vertauenschülerbades. Sie gingen hinein und Hermine war nun wirklich neugierig geworden was sie hier verloren hatten. Sie schwebte ihnen nach und beobachtete überrascht, wie sie vor einem schmalen Schrank in der hintersten Ecke des Klassenraumes stehen blieben. „Glaubt ihr, sie haben das Loch schon gefunden?", fragte ein Mädchen mit kurzen braunen Haaren, als sich ein anderes gerade freudig über die Vorteile des früh morgendlichen Quidditchtrainings der Ravenclaws ausließ. Was zur Hölle tun sie hier, dachte Hermine verwirrt, bis es ihr auf einmal wie Schuppen von den Augen fiel.

„Oh je, es sieht so aus, als wäre Michael heute schon früher hereingekommen!", beschwerte sich eine von ihnen, als sie durch ein Loch in der Wand spähte und Hermine wusste nicht, ob sie lachen oder empört davongehen sollte. Sie hätte den Mädchen auf dem Weg hierher wohl besser zuhören sollen. Offenbar trainierte die Quidditchmannschaft der Ravenclaws jeden Freitagmorgen und der Kapitän nahm davor ein Bad. Und die Mädchen hatten das offenbar herausgefunden. Hermine verdrehte die Augen. So gelangweilt war sie nicht. Und es interessierte sie auch nicht, wie heiß dieser Quidditchspieler offenbar war, egal, wie oft es die Mädchen wiederholten. „Hey, immerhin ist Myrte heute nicht hier oben", scherzte eine von ihnen. „Ja schon, aber das braucht sie ja auch gar nicht mehr. Sie kann einfach direkt durch die Wand schweben!", verkündete eine andere, als wäre das ein Segen.

Hermine schnaubte. Sie wusste, dass Myrte Harry beobachtet hatte, als er an dem Ei für das Trimagische Turnier gearbeitet hatte, doch ihr war nicht klar gewesen, dass sie das schon jahrelang tat. Sie wollte wieder gehen, als das Mädchen, das gerade durch die kleine Öffnung spähte, scharf Luft holte. „Hey, Ladys, es sieht so aus, als würden wir heute einen ganz besonderen Leckerbissen zu sehen bekommen!", sagte sie vergnügt. Wer ist das jetzt wohl? Irgendeine andere Schulberühmtheit?, dachte sie sarkastisch. Sie hatte genug gesehen; nicht einmal Lavender und Parvati waren so schlimm. Ja, sie verbreiteten so viel Klatsch und Tratsch wie möglich, doch das konnte man leicht ausblenden. So weit waren sie aber nie gegangen; zumindest hatten sie ihr davon nie erzählt.

Hermine verzog das Gesicht. Sie war froh, dass sie so etwas nie mitbekommen hatte. Sie wollte den Raum gerade durch die Wand verlassen, als das blonde Mädchen einen gedämpften Schrei ausstieß. „Es ist Tom Riddle!" Hermines Mund klappte auf. Das musste wirklich nicht sein. Sie musste wirklich nicht hören, was diese Mädchen über Tom dachten. Sie wusste nicht, ob sie lachen oder lieber weinen sollte. Ihr Körper nahm ihr die Entscheidung ab und sie musste sich sehr zusammenreißen, um ein lautes Kichern zu unterdrücken. Tränen liefen ihr aus den Augenwinkeln. Das war das perfekte Ende des schlimmsten Tags in ihrem Leben. Ein lautes Lachen entfuhr ihr, als sie sich an die Wand lehnte. Eigentlich war es amüsant, wie Tom die gesamte Schule um den Finger gewickelt hatte. Und es war ja nicht so, als würde eins der Mädchen sie hören können. Sie hielt mitten im Lachen inne – Tom konnte sie aber hören, wenn sie nicht sofort still war. „Ooh, ich kann ihn nicht mehr sehen!", beschwerte sich eine von ihnen. „Ich schätze, er duscht wohl lieber."

Hermine fand es immer schwieriger, ihr Lachen zu unterdrücken. Sie wusste, dass sie eigentlich böse auf Tom sein sollte, doch im Moment tat das ihrer Fröhlichkeit keinen Abbruch. Plötzlich erstarrte sie. Sollte er sie aus irgendeinem Grund hier unten finden, würde er annehmen, dass sie hier war, um ihn zu beobachten. Das ist Unsinn, dachte sie. Diese Mädchen waren nur hier, um den Kapitän der Quidditchmannschaft zu beobachten. Allerdings könnte ich ihnen keinen Vorwurf machen, wenn sie auch Toms Stundenplan auswendig wüssten. Uahrgg, habe ich das gerade wirklich gedacht? Sie schüttelte ihren Kopf, um ihn klar zu bekommen und eilte zurück zur Tür. Sie registrierte ein paar enttäuschte Seufzer der Mädchen und dachte sich, dass Michael wohl in der Badewanne ertrunken sein musste oder wohl an einigen Luftblasen erstickt war. Sie schwebte durch die Tür; an das Gefühl hatte sie sich nun bereits gewöhnt. Hermine hatte kaum die Hälfte des Ganges hinter sich gelassen, als sie plötzlich spürte, wie sie jemand an ihrem Arm in ein leeres Klassenzimmer zog.

„Wohin gehen wir denn?", fragte eine tiefe Stimme. Hermine blickte auf und sah direkt in das selbstzufriedene Gesicht von Tom Riddle. Im ersten Moment hätte sie beinahe „Du duscht aber schnell" gesagt, doch sie hatte nicht das Gefühl, dass das ein guter Beginn für eine Unterhaltung wäre. Und damit hätte sie auch zugegeben, dass sie hier war, um ihn zu beobachten. Was sie nicht war. Doch das würde er anders sehen. „Ich bin nur etwas spazieren gegangen", meinte Hermine erhaben. „Ist das illegal?" Sie versuchte, Tom nicht zu beobachten, als er mit der Hand durch seine noch immer feuchten Haare strich; ein selbstzufriedenes Grinsen auf dem Gesicht. „Warum bist du schon so früh auf?", fragte Hermine. „Konntest du etwa nicht schlafen?", fügte sie spöttisch hinzu. „Nein", antwortete Tom beiläufig und Hermines Augen verengten sich frustriert. Warum sieht er so drein? Er kann nicht...es ist ja nicht so, als ob er etwas beweisen könnte, selbst wenn er wüsste -

„Na, hast du dich den Gryffindormädchen auf ihren früh morgendlichen Eskapaden angeschlossen?", fragte Tom und riss sie aus ihren Gedanken, als sie beinahe an ihrer Spucke erstickte und ihr Gesicht einen schwachen Rotton annahm. „Woher weißt du davon? Und warum hast du es nicht unterbunden, wenn du es weißt?", fragte sie ihn und bedachte ihn mit einem halb interessierten, halb empörten Blick. „Hey, ich liefere ihnen eine Show", meinte Tom und verschränkte zufrieden die Arme hinter dem Kopf, als Hermine die Augen verdrehte. Einen Moment, wie sind wir eigentlich so weit vom Thema abgekommen? Ich fühle mich fast schuldig, dass ich ihn beinahe beobachte hätte, obwohl ich eigentlich böse auf ihn sein sollte, weil er mich gestern geküsst hat! Wie fange ich am besten an?, dachte Hermine und wählte ihre Worte sorgfältig. Es ist ja nicht so, als könnte ich sagen „Sag mir, Mr. Riddle, wann bist du so ein aufgeblasenes Arschloch geworden?" Nein. Das war nicht die beste Methode.

„Was zur Hölle stimmt nicht mit dir, Tom Riddle?" , fuhr sie ihn stattdessen an und blickte finster drein. Beim Anblick seines scheinbar unschuldigen Gesichtsausdrucks verschränkte sie die Arme und schnaubte. „Dieser Kuss, Riddle! Was zu Hölle hat dir den Eindruck verschafft, dass du die Erlaubnis dazu hattest?" Als Tom statt einer Antwort die Augenbrauen hochzog und süffisant grinste, war Hermine klar, dass er nicht der Ansicht war, dass er für irgendetwas eine Erlaubnis brauchte. Und ich kann leider auch nicht sagen: „Nur weil dieser Liebestrank nach dir riecht, heißt das noch lange nicht, dass du mich einfach küssen kannst!". Jep. Definitiv auch nicht die beste Methode.

„Hm, eigentlich habe ich mich ziemlich gut unterhalten. Vielleicht sollten wir das nochmal machen?", fragte Tom und beobachtete zufrieden, wie Hermines Ärger sich verdoppelte. „Du bist der unerträglichste, furchtbarste, arroganteste, böseste Mensch, bei dem ich je das Unglück hatte, ihn zu treffen!", zischte Hermine mit zusammengebissenen Zähnen. „Du hältst dich für so toll , aber weißt du was, das bist du gar nicht! Ich...ich -" Beim Anblick von Toms skeptischem Blick hielt es Hermine nicht mehr aus. „Ich hasse dich!", rief sie und holte mit ihrer rechten Faust aus. Sie traf seine Schulter und Tom trat überrascht zurück, als er nach ihrer anderen Faust griff, die auf sein Kinn zielte. Er hielt sie sanft fest, als sie stolperte. Hermine schaffte es, ihre Balance wiederzufinden anstatt hinzufallen und drehte sich wieder zu Tom.

Sie weinte nicht und ihre Augen glitzerten zornig. „Glaubst du etwa, dass du leichter zu ertragen bist?", fragte Tom sie im selben Tonfall. „Du erwartest so viel von jedem, doch steuerst selbst nichts bei. Du bist so eine ungeduldige, impertinente Perfektionistin." „Ich hasse dich!", wiederholte Hermine mit lauterer Stimme als zuvor. „Reiß dich zusammen", spottete Tom. „Es kümmert mich ohnehin nicht, was du fühlst." „Fein! Dann wird es dich auch nicht stören, dass ich dich für einen unglaublich ärgerlichen, dummen und völlig unerträglichen -" „Und du bist die heuchlerischste Alleswisserin, die ich kenne und deine Haare erinnern mich an ein Vogelnest.", fügte Tom hinzu und unterbrach sie. Ich kann nichts dafür, dass ich in den letzten fünf Tagen keinen Kamm gehabt habe!, wollte Hermine schreien. Stattdessen rief sie: „Egoistischer Arsch!"

„Selbstgerechte Gryffindor!" „Wichtigtuerischer, idiotischer, schmieriger, schleimiger Slytherin!" „Oh, also führen wir jetzt ein Wortgefecht?", spottete Tom und seine kühles Antlitz zeigte nur den kleinsten Hauch Ärger. „Wie soll das gehen? Du bist unbewaffnet!", gab Hermine zurück. „Wie kann es dann sein, dass ich gerade gewinne?", höhnte Tom und nutzte seine Größe um sie einzuschüchtern, als er sich über Hermine beugte, die ihn unverdrossen wütend anfunkelte. „Der einzige Wettkampf, den du gewinnen würdest ist einer in Dummheit!", schrie Hermine und blickte ihm stur in die Augen. Sein amüsiertes Grinsen sagte ihr, dass er ihre Antwort nicht besonders raffiniert fand, doch das war ihr egal. Diesmal wird er nicht derjenige sein, der zuletzt lacht. Nicht dieses Mal. Tom sah zuerst weg und sie entdeckte Verwirrung in seinen Augen, als er sie betrachtete. „Du siehst anders aus", stellte er unverblümt fest und wechselte das Thema so schnell, dass Hermine nicht wusste was sie sagen sollte. „Wovon sprichst du?", fragte sie verwirrt. „Sieh dich an", meinte Tom herablassend, überrascht, dass es ihr selbst noch nicht aufgefallen war. Was soll das werden?, dachte sie bevor sie an sich hinabblickte und überrascht zusammenzuckte. Sie war viel blasser und transparenter, als sie es gestern noch gewesen war. Ihre Kinnlade klappte schockiert herunter als sie zurück zu Tom sah. Er streckte seine Hand aus und berührte ihren linken Arm. Sie fröstelte; seine Finger fühlten sich kalt an. Aber immerhin spürte sie sie noch.

„Gut", meinte Tom grinsend, als er seine Hand zurückzog. „Ich hatte schon Angst, ich würde dich nicht mehr küssen können." „Argh! Du hast dich kein bisschen verändert!", rief Hermine und schaffte es nicht, ihre Stimme fest klingen zu lassen. „Ich hasse dich und ich bin froh, wenn ich dich nie wieder sehen muss!" „ Das beruht auf Gegenseitigkeit.", erwiderte Tom kühl; seine Stimme war glasklar. „Nun, ich muss gehen. Die Mädchen aus Gryffindor werden mich bestimmt schon vermissen." Damit drehte er sich auf dem Absatz um und ließ eine sehr zornige und verlegene Hermine zurück. Was war das gerade? Ich wollte eigentlich ihn stehen lassen. Sie stand ganz alleine mitten im Raum und fragte sich, was sie jemals in Tom Vorlost Riddle gesehen hatte.

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Das wars für heute :-) Ich hoffe, es hat euch gefallen!