Kapitel 4

1

Sie wollte träumen, doch der Schlaf wollte nicht kommen. Alle Methoden, die sie kannte, um ihren Geist zu leeren und sich zu entspannen, hatten nichts gebracht. Ihre Brust war fest geschwollen und ihr Körper war rastlos. Eine ständige Spannung durchströmte sie wie magische Energie, und sie hatte das Gefühl, schreien zu müssen.

Davon hatte ihr niemand etwas gesagt. Sie wollte mit Ranalla sprechen, oder mit ihrer Mutter, mit irgend jemandem, denn sie ertrug den Zustand nicht länger.

Wütend stand Impa auf, zog ihren Morgenmantel über ihre Schlafkleidung und stapfte aus ihren Gemächern auf den Flur. Nur einige Fackeln beleuchteten den nächtlichen Gang, und die Wachen, die an den Ecken standen schreckten auf, als sie vorbei eilte.

"Madam..." murmelte ein Wachmann ihr verwirrt nach, als er ruckartig aus seinem Nickerchen erwachte, das er auf seinen Speer gestützt gehalten hatte.

"Ihr sollt nicht schlafen!", knurrte Impa, als sie schon an ihm vorbei war. Oh, sie wollte etwas zertrümmern, etwas zerbrechen, etwas zerstören! Das Ziehen in ihren Händen nahm zu, und das Adrenalin in ihren Adern machte sie rasend.

Zelda...

Als die Türen zu der Wohnung der königlichen Familie in Sicht kamen, blieb sie stehen. Mister Thomas und Mister Daren, die Nachtwachen, standen ebenfalls auf ihre Speere gestützt und unterhielten sich leise. Sie nahmen Haltung an, als sie Impa sahen, aber sie bedeutete ihnen wortlos, bequem zu stehen.

"Ich muss mit Lady Zelda sprechen", sagte sie und bemühte sich, ihre Anspannung zu verbergen.

"Oh... aber es ist mitten in der Nacht, Madam Impa", sagte Thomas. "Ihre Majestäten haben sich zur Ruhe begeben, Ihr könnt nicht..."

"Sagt mir nicht, was ich kann und nicht kann!", herrschte sie ihn an. "Ich muss sie sprechen, auf der Stelle. Wenn Ihr nicht klopft, dann tue ich es."

Thomas sah kurz zu seinem Kameraden, dann seufzte er und klopfte an die Tür. Ungeduldig ging Impa auf und ab, während sie mit schnellen Bewegungen und gespreizten Fingern das Ziehen in ihren Händen zu besänftigen versuchte. Nach einer Ewigkeit ging die Tür auf und Link trat gähnend heraus.

"Was ist los?", fragte er besorgt. "Ist etwas..."

Er brach ab, als er Impa erblickte. Sie kam zu ihm und ergriff den Aufschlag seines Morgenmantels.

"Zelda! Ich muss mit Zelda sprechen. Allein."

Link wich zurück und seine Augen verengten sich. Impa ließ mit einer fahrigen Bewegung den Stoff los und strich mit ihren Händen über ihr Gesicht. "Bitte, Link..."

"Na schön... Komm herein. Ich wecke sie."

Er öffnete die Tür und ließ Impa eintreten. Drinnen war es dunkel und still, und Link entzündete eine Kerze auf dem Tisch im Salon. Impa setzte sich auf das Sofa vor dem erloschenen Kamin. Link brachte ihr eine Decke und entzündete das Feuer im Kamin.

Feuer...

Impa wickelte sich in die Decke und starrte ins Feuer. Sie konnte keinen klaren Gedanken fassen. Niemals hatte sie sich so elend gefühlt.

Link kam vom Kamin zurück und strich sanft über ihre Schulter.

"Ich hole Zelda", sagte er leise.

Impa nickte und zog auf dem Sofa ihre Beine an.

Nach kurzer Zeit erschien Zelda in der Tür zum Schlafzimmer und zog ihren Morgenmantel an. Impa sah, wie Link hinter ihr die Tür schloss, nachdem er ihr kurz zugenickt hatte.

Zelda kam mit einem besorgten Ausdruck im Gesicht zu Impa und nahm ihre Hände.

"Du siehst schrecklich aus! Was ist mit dir passiert?"

Endlich konnte Impa in Tränen ausbrechen. Sie fiel Zelda um den Hals und schluchzte. Zelda hielt sie fest und streichelte ihre langen, weißen Haare, während sie beruhigend auf sie einredete.

"Es ist gut..."

Aber Impa zog sich zurück. "Nichts ist gut!", rief sie schluchzend. Hastig legte Zelda einen Finger an die Lippen und bedeutete ihr, leise zu sein.

"Entschuldige", flüsterte Impa mit erstickter Stimme.

Langsam wurde es warm im Zimmer und Impa ließ die Decke von ihren Schultern gleiten. Grimmig schaute sie ins Feuer. Sie fühlte Zeldas Hand an ihrer Wange, die sanft ihr Gesicht zu sich drehte.

"Was ist los, Impa?", fragte sie mit leisem, aber bestimmtem Ton.

Impa atmete tief ein. "Ich... kann es dir nicht sagen."

Zelda runzelte die Stirn. "Oh."

"Ich muss allein damit fertig werden."

"Ich verstehe."

"Aber ich kann nicht schlafen, und das macht mich wahnsinnig."

"Hast du schon..."

"Ja, ich habe alles versucht. Es geht nicht. Zelda, hilf mir bitte."

Zelda schaute sie erstaunt an.

"Du meinst, ich soll..."

"Ja! Ich brauche etwas, das mich beruhigt. Ich muss schlafen, sonst..."

"Aber weißt du denn, warum du nicht schlafen kannst? Du musst doch erst den Grund für deine Schlaflosigkeit herausfinden!"

"Zelda, bitte. Ich weiß, warum ich nicht schlafen kann. Warum ich es nicht allein schaffe. Deshalb brauche ich deine Hilfe. Es ist eine persönliche Sache, und ich kann nicht mit dir darüber sprechen. Also, hilfst du mir nun, oder nicht?"

Zelda seufzte leise.

"Na schön. Willst du hier schlafen oder soll ich zu dir kommen?"

"Es wäre schön, wenn du zu mir kommen könntest."

Zelda lächelte.

"Also gut. Lass uns gehen."

2

Endlich konnte sie träumen. Mit zornigem Schwung stieß sie sich vom Boden ab und raste empor. Sie brach durch die Decke ihres Schlafzimmers und war draußen. Es war immer noch Nacht, und der Himmel glitzerte vor Sternen. Ein kühlender Wind strich über ihre Haut, während sie immer weiter nach oben strebte. Höher, höher! Atemlos und nach Luft ringend hielt sie an, als die Wölbung der Erde sich gegen die Dunkelheit des Universums abzeichnete.

Warum fühle ich es immer noch?

"Mutter!", rief sie, so laut sie konnte. "Wo bist du?"

"Ich bin hier, mein Schatz", hörte sie ihre sanfte Stimme. Sie lag wieder in ihrem Bett, und ihre Mutter saß vor ihr und streichelte ihre Wange. Impa zählte schnell ihre Finger. Es waren viel zu viele. Sie richtete sich auf und sah ihre Mutter zornig an. Es war dunkel im Zimmer, aber die Sterne schienen durch das Fenster, und Impa konnte das Gesicht ihrer Mutter klar und deutlich sehen.

"Ich habe es getan", sagte sie. "Ich bin schwanger. Zwei Kinder, ein Junge und ein Mädchen. Sie sind gesund und sie entwickeln sich gut."

Ihre Mutter lächelte. "Das hast du gut gemacht. Nun musst du Zelda darauf vorbereiten, dass du für einige Zeit fort gehen wirst."

"Aber das ist es ja gerade!", rief Impa. "Ich will nicht fort gehen. Ich will hier bleiben! Ich will hier bleiben, bei ihm..."

"Das geht nicht, meine Kleine. Wir sind Diener der königlichen Familie. Unsere Kinder... sind nicht unsere Kinder. Sie sind die Kinder der Zeit, und sie müssen entsprechend ausgebildet werden."

"Warum kann ich sie nicht ausbilden? Es ist doch alles in meinem Erbe enthalten!"

Ihre Mutter seufzte und wandte den Blick ab.

"Ich weiß, dass es weh tut", sagte sie leise.

"Wie hast du es denn geschafft?", fragte Impa sie.

Ihre Mutter schaute sie wieder an, und ihre Augen leuchteten im Licht der Sterne.

"Ich... es war auch für mich nicht einfach."

"Aber du hattest die Gemeinschaft. Sie waren für dich da, er war für dich da. Ich habe niemanden. Ich muss sie bei fremden Leuten lassen, ohne die Möglichkeit, mich um sie zu kümmern. Und ich sehe ihn jeden Tag, und es zerreißt mir das Herz, dass er sich nicht erinnert!"

"Es ist am besten so, für alle", sagte ihre Mutter. "Du wirst schon sehen, du kommst darüber hinweg. Und es wird besser, wenn du fort gehst und all das hier hinter dir lässt, zumindest solange es nötig ist."

Impa presste grimmig die Lippen zusammen.

"Du musst es nur bald tun", sagte ihre Mutter, "sonst werden die Schlafstörungen anhalten."

Impa seufzte. Widerwillig nickte sie.

"Bitte, tue nichts Unüberlegtes, in Ordnung?", sagte ihre Mutter und nahm ihre Hand.

"In Ordnung", nickte Impa.

"Ich werde jetzt gehen, mein Liebling. Rufe mich, wenn du mich brauchst."

Ihre Mutter stand auf und ging durch die Tür hinaus. Impa sah zu, wie sich die Tür langsam hinter ihr schloss. Sie ballte ihre Hände zu Fäusten und schaute zum Fenster. Die Sterne schimmerten noch immer am Himmel, als ob sie ihr zuzwinkerten. Aber dort draußen war noch etwas Anderes. Ein rötlicher Lichtschein war am Himmel zu sehen, und Impa runzelte die Stirn.

Ich wache nicht auf...

Sie stand von ihrem Bett auf und trat ans Fenster. Während sie sich dem Fenster näherte, wurde der Lichtschein heller, und dann sah sie weit draußen, in den Gärten, ein einzelnes Licht.

Eine Fackel. Die Fackel rief sie mit einer wortlosen Bitte in der Nacht. Komm...

Schnell breitete sie ihre Flügel aus und flog durch das Fenster dorthin, auf die Fackel zu. Als sie näher kam, sah sie, dass jemand dort stand, ein Mann. Seine dunkelrote Tunika wurde von der Fackel beleuchtet und hob sich in scharfem Kontrast gegen sein weißes Hemd ab. Und dort, an seinem Gürtel, leuchtete noch etwas anderes.

Impa landete neben ihm. Es war der Knauf seines Schwertes, der rot an seiner Seite leuchtete. Er hob den Blick zu ihr und sah sie verwundert an. Aber ein schmerzvoller Zug lag um seine Augen, und seine traurige Stimme ließ einen Schauer durch Impas gesamtes Wesen fließen, als er sprach.

"Wer seid Ihr?", fragte er. "Und warum bin ich hier? Könnt Ihr mir das sagen?"

3

Sie erwachte mit Tränen in den Augen von der Sonne, die durchs Fenster direkt in ihr Gesicht schien. Es war Vormittag, und sie hatte verschlafen. Sie hätte längst in der Ratssitzung sein sollen, und sie sprang hastig auf und wollte sich anziehen. Doch ein plötzliches Schwindelgefühl ließ sie innehalten und sie musste sich wieder aufs Bett setzen.

Oh nein... nicht auch das noch...

Impa hatte Zeldas erste Schwangerschaftswochen miterlebt und dachte mit Schrecken an all die Symptome, die Zelda gequält hatten. Schwindel, Übelkeit, Appetitlosigkeit, sie allein würden schon ausreichen, um ihr Leben zur Hölle zu machen.

Sie versuchte, langsam aufzustehen, um in ihr kleines Badezimmer zu gehen. Auf halbem Weg dorthin klopfte es an der Tür.

"Impa? Ich bin es, Zelda!", hörte sie Zelda von draußen rufen. "Ich weiß, dass du da drin bist. Kann ich herein kommen?"

"Nein!", rief Impa.

Doch Zelda kam trotzdem. In der Nacht war sie Impa in ihre Gemächer gefolgt und sanft in ihren Geist eingedrungen, um ihn zu beruhigen, damit Impa einschlafen konnte. Aber es war ihr peinlich, und sie fühlte sich schrecklich, deshalb wollte sie Zelda nicht gegenübertreten. Zumindest nicht, bis sie sich gewaschen und angezogen hatte.

"Wie geht es dir?", fragte Zelda.

"Schlecht! Geh weg", sagte Impa.

"Hast du geschlafen?"

"Ja, und niemand hat mich geweckt. Ich bin nicht gelaufen, und meditiert habe ich auch nicht. Und der Rat wird denken..."

"Gar nichts werden sie denken", sagte Zelda besänftigend. "Ich habe ihnen gesagt, dass es dir nicht gut geht und du einige Tage Ruhe brauchst. Sie waren zwar neugierig und besorgt - besonders Kendrice - aber sie müssen es akzeptieren. Ich lasse dich nicht an den Sitzungen teilnehmen, solange du dich nicht erholt hast."

"Verstehst du nicht, Zelda?", rief Impa aufgebracht. "Ich hatte das noch nie - dass es mir nicht gut geht! Ich ernähre mich gesund, ich bewege mich sehr viel, ich trainiere täglich - verdammt noch mal, ich bin die beste Schwertkämpferin in diesem Königreich! Ich will das nicht, ich muss..."

Zelda brach in ein leises Lachen aus und Impa hielt verblüfft in ihrem Satz inne. "Warum lachst du?", fragte sie.

"Impa, wie alt bist du jetzt? Zweihundertsechzig? Du verhältst dich wie ein schmollendes Kind. Wenn ich es nicht besser wüsste, dann würde ich meinen, dass du..."

"Zweihundertachtundfünfzig!", rief Impa. "Ich habe auch meinen Stolz, weißt du?"

Aber Zelda sagte nichts mehr. Mit großen, staunenden Augen und offenem Mund starrte sie Impa an, und Impas Herz stockte.

"Was?" fragte sie stirnrunzelnd.

"Wer ist es?", fragte Zelda, und konnte ihr Lachen kaum im Zaum halten.

"Wer ist wer?", fragte Impa, und ein düsterer Ausdruck legte sich auf ihr Gesicht.

"Komm schon, Impa, beleidige nicht meine Intelligenz. Eine Frau merkt so etwas. Ich kenne dich schon mein ganzes Leben, du kannst nichts vor mir verbergen. Also, wer ist es?"

"Niemand", sagte Impa schmollend. "Ich habe ihm die Erinnerung daran genommen. Er weiß nichts davon."

"Aber warum denn?", fragte Zelda. "Liebst du ihn nicht?"

"Das ist es ja gerade!", rief Impa. "Ich tue es! Das macht es ja gerade so schwierig. Ich wollte, jemand könnte auch die Erinnerung aus meinem Geist löschen, so dass ich nicht ständig..." Beschämt brach sie ab.

"...an ihn denken muss?", beendete Zelda ihren Satz.

Impa nickte. "Ich muss fort gehen, Zelda", sagte sie. "Es ist besser so. Ich werde sonst verrückt."

Zelda legte sanft den Arm um ihre Schultern. "Oh, Impa...", sagte sie kopfschüttelnd. "Mein ganzes Leben warst du immer diejenige, die mir Halt gab. Ich konnte mich immer auf dich verlassen, nie hast du mich im Stich gelassen. Ich würde mich geehrt fühlen, mich dafür zu revanchieren. Bitte, öffne mir dein Herz. Ich möchte dir helfen."

"Du hast genug um die Ohren...", wandte Impa ein, aber Zelda legte einen Finger auf ihre Lippen.

"Sch..., lassen wir das. Sage mir, was du auf dem Herzen hast."

Impa nahm seufzend einen tiefen Atemzug.

"Na schön. Schlimmer, als es im Moment ist, kann es kaum werden. Also... der Kodex der Sheikah sieht vor, dass ich meine Kinder in Abgeschiedenheit auf die Welt bringe und mich dann von ihnen trenne. Sie werden von einer Gemeinschaft aufgezogen, die weit weg, in einem versteckten Dorf im Gebirge wohnt. Sie kümmern sich um sie, bilden sie aus und bereiten sie auf ihre Aufgabe vor. Meine Aufgabe war nur, sie zu empfangen. Ich muss das Schloss verlassen, bevor meine Schwangerschaft sichtbar wird."

"Sie?"

"Ja... es sind zwei Kinder. Ein Junge und ein Mädchen. Und natürlich auch zwei Väter, aber ich denke nur an einen..."

"Und... was möchtest du jetzt tun?"

"Ich fühle sie in mir, Zelda. Meine Telepathie ist sehr stark, ich kann mich nicht abgrenzen. Ich fühle sie ständig, sie sind mit meinem Geist verbunden, und... ich... liebe sie."

"Aber das ist doch wundervoll! Wie weit bist du schon?"

"Zwei Wochen."

"Zwei Wochen!?", rief Zelda erstaunt. "Ich konnte Eric erst fühlen, als ich im fünften Monat war!"

"Ja, ich weiß. Bei den Sheikah ist es ein wenig anders... Wir haben auch eine längere Schwangerschaft."

"Wie lange?"

"Zwölf Monate."

Zelda dachte einen Moment nach. "Aber... das bedeutet, dass man auch erst später etwas sehen wird, nicht wahr? Du hast also noch fast sechs Monate Zeit, oder so..."

"Ja. Aber ich muss weg. Ich kann nicht hier bleiben, denn es zerreißt mir das Herz, dass ich ihn nicht haben kann."

"Du willst mir nicht sagen, wer er ist?"

Impa schüttelte den Kopf.

"Na schön. Aber woher weißt du das mit dem Kodex? Es gibt doch keine anderen Sheikah mehr."

"Ich weiß es, weil es in meinem Erbe enthalten ist."

"Ich verstehe. Aber jemand muss es doch dort... verborgen haben, nicht wahr?"

Impa schüttelte den Kopf. "Das Erbe wird immer an die nächste Generation weiter gegeben. Man kann es nicht beeinflussen."

"Aber es kommt in jeder Generation auch etwas hinzu. Etwas Neues, oder nicht?"

"Ja... vermutlich."

"Könnte es dann nicht sein, dass irgendwann, in einigen oder vielen Generationen, das Erbe sich doch verändert? Dass neue Ideen darin enthalten sind? Dass das Erbe sich der Zeit anpasst? Es war vielleicht einmal notwendig, die Kinder auf diese Weise aufzuziehen, aber inzwischen muss es nicht mehr unbedingt so sein."

Impa atmete tief ein. So hatte sie es noch nie betrachtet. Sie schaute zum Fenster und erinnerte sich an ihren Traum, an den Mann, den sie bei der Fackel getroffen hatte. Seine Augen waren so traurig gewesen, so voller Sehnsucht und Schmerz.

"Wer seid Ihr? Und warum bin ich hier? Könnt Ihr mir das sagen?"

Vielleicht hatte Zelda Recht. Vielleicht war es soweit, dass eine neue Zeit für die Sheikah begann.

"Ich bin die Letzte der Sheikah", sagte sie nachdenklich. "Ich trage das Erbe in mir. Ich kann seinen Kern nicht ändern, aber ich könnte... ihm eine neue... Verpackung geben, etwas, das den Schmerz, den es verursacht, lindert..."

Ihre Augen weilten in der Ferne, und ein kleiner Schimmer der Hoffnung glitt langsam in ihr Bewusstsein, als sie lächelnd zu Zelda schaute.

"Danke, Zelda", sagte sie und drückte ihre Hand. "Ich werde darüber nachdenken."

"Willst du also hier bleiben?"

"Ja, vorerst." Sie fühlte, wie sie ruhiger wurde. "Im September sind die Prüfungen der Elitekämpfer, und ich hoffe, dass ich mich bis dahin entscheiden kann. Wer sollte sonst die Prüfungen abnehmen?"

"Pierce wäre ja noch da..."

"Ach der", schnaubte Impa. Er ist ein kleines Kind. Er kann zwar kämpfen, das will ich nicht bestreiten, aber ein Prüfer benötigt mehr als das. Die Prüfer waren schon immer Sheikah. Sie müssen sehen können, was im Geist des Kandidaten vorgeht. Das kann Pierce nicht."

"Wenn du meinst...", sagte Zelda, aber ein geheimnisvolles Lächeln stahl sich in ihr Gesicht, das Impa verborgen blieb.