Kapitel 6
1
Es ging ihr gut.
Sie fühlte sich wunderbar. Behände hüpfte sie auf dem Übungsplatz und spielte mit ihrem Gegner. Sie sah, wie er versuchte, ihren Bewegungen zu folgen, und lächelte amüsiert über seine Trägheit.
"Na kommt, Mister Daren", lockte sie ihn. "Soll ich auch noch meine andere Hand auf den Rücken binden?"
Die zuschauenden Soldaten lachten, und Daren griff mit grimmigem Blick an.
"Vielleicht sollten wir Madam Impa die Augen verbinden", sagte Pierce, "damit Ihr zumindest eine Chance habt."
"Nur zu, Captain", rief Impa. "Ich will sehen, ob Mister Daren mich findet, wenn ich nichts sehe."
Seine Hiebe kamen nun schneller, und er schien seinen Geist besser unter Kontrolle zu haben. Sie schenkte ihm ein strahlendes Lächeln.
"So ist es gut, Mister Daren", lobte sie ihn. "Denkt daran, Euer Gegner wird versuchen, Eure Konzentration zu schwächen, indem er Euch verhöhnt und verspottet. Ihr dürft Euch von seinem Spott nicht beeindrucken lassen."
Dann sah sie ihre Chance, und mit einem blitzschnellen Hieb schlug sie ihm das Schwert aus der Hand. Verblüfft hob er die Hände in die Luft, als sie wie eine Katze um ihn herum glitt und ihm ins Ohr flüsterte: "Und von seinem Lob auch nicht."
Frustriert ließ er die Hände fallen.
Impa hielt ihm ihre Hand hin und sagte:
"Ich würde euch meine Rechte anbieten, aber wie Ihr seht, ist das im Moment... nun... schwierig." Der Soldat musste erst überlegen, ehe er ihr ebenfalls die Linke anbot und sich verneigte.
"Es war mir eine Ehre, Madam Impa."
Die Zuschauer klatschten Beifall und Daren ging, um sein Schwert zu holen, das bis zum Rand des Platzes geflogen war.
"Was ist als nächstes dran?", fragte Captain Pierce in die Runde.
"Doppelschwert!", rief jemand aus.
Impa erschauerte, und ihr Blick glitt unruhig über die versammelten Männer, aber schon fiel der Rest der Menge ebenfalls ein: "Doppelschwert, Doppelschwert!"
Und dann sah sie ihn. Hilflos stand sie da und konnte nicht fliehen, als er auf sie zu kam. Er trat nahe an sie heran und schaute in ihre Augen.
"Dreht Euch um, Mylady. Ich werde Eure Hand befreien. Ich möchte Euch nämlich mit beiden Händen kämpfen sehen."
Impas Herz raste, und sie glaubte, dass er es bestimmt hören konnte, so nahe, wie er ihr war. Langsam und wie in Trance drehte sie ihm den Rücken zu und schloss die Augen, als seine Hände sie berührten und sie seinen Atem an ihrem Nacken spürte. Er band ihre Hand los und hielt für einen Augenblick ihre beiden Hände fest, als er in ihr Ohr flüsterte:
"Nehmt scharfe Schwerter."
Impa erschauerte abermals und glaubte, dass ihr Herz gleich aus ihrer Brust springen würde. Kendrice ließ ihre Hände los und entfernte sich. Sie sah, wie er Pierce seine beiden Scheiden in die Hand gab und beide Schwerter daraus zog. In seiner rechten Hand sah sie Andyr, das Feuerschwert mit dem roten Rubin, das ihr Schicksal war.
Sie schluckte und schüttelte den Kopf, um ihre Starre abzuschütteln.
"Wie Ihr wünscht", sagte sie langsam und gab Pierce ein Zeichen. Er warf ihr ihre beiden Schwerter zu, die sie aus der Luft am Heft auffing. "Ihr werdet verbrennen."
Dann stellte sie sich in ihre Kampfstellung und Kendrice machte es ihr nach. Die Umstehenden waren still geworden und schauten mit faszinierten Augen auf Impa und Kendrice, die sich umkreisten. Sie versuchte, ruhig zu erscheinen, obwohl sich in ihrem Inneren die Gefühle überschlugen.
Ist es vielleicht die Schwangerschaft? Ich muss ruhiger werden, sonst wird er mich demütigen.
Sie versuchte, in ihm nur einen ihrer üblichen Gegner zu sehen, dem sie, wie allen hier, seine Lektion erteilen sollte. Aber sie merkte, dass sie schon zu lange gezögert hatte.
"Habt Ihr Angst?" fragte Kendrice spöttisch.
Und in dem Moment rastete etwas in ihr aus. Mit einem wilden Schrei sprang sie auf ihn und hieb mit beiden Schwertern nach seinem Kopf. Aber er war schon weg, als sie ankam. Er duckte sich so schnell unter ihrem Angriff, dass er schon dabei war, anzugreifen, als sie sich umwandte. Sie musste parieren und wurde zurück gedrängt.
"Ja, Lord Kendrice!", riefen die Soldaten und applaudierten. Er schien dadurch noch mehr Mut zu schöpfen und griff sie mit schnellen Hiebfolgen an. Sie wand sich unter seinen Schlägen hindurch und wich ihnen aus, anstatt sie abzuwehren, bis sie ihm wieder näher kam.
Na warte! Gleich hab ich dich!
Sie war ihm so nahe, dass ihre Arme sich fast berührten, als sie begann, anzugreifen. Er keuchte überrascht, als sie mit einem Wirbel Andyr aus seiner Hand schleuderte. Inzwischen hatten sich noch mehr Soldaten für das Schauspiel versammelt, und Impa hörte enttäuschte Ausrufe, als Kendrices Schwert in hohem Bogen davon flog und am Rand des Übungsplatzes liegen blieb. Aus dem Augenwinkel nahm sie wahr, wie Pierce ging, um es aufzuheben. Kendrice nahm sofort sein zweites Schwert in die rechte Hand und wehrte Impas Hiebe ab.
"Heute seid Ihr gut in Form, Mylady", sagte er, und seine atemlose Stimme raubte Impa den Verstand. Sie hatte diese Stimme gehört, aber dicht an ihrem Ohr, auf ihren Lippen...
Wütend schrie sie und drang auf ihn ein mit einer Kraft, die sie nicht mehr in sich vermutet hatte. Kendrice wich überrascht zurück, aber ihre Wut trieb sie weiter und weiter, und dann...
Die Menge schrie auf, als Impas Klinge seinen Hals streifte und Kendrices Hand verblüfft zu seiner Wunde fuhr. Als er sie wieder senkte, sah Impa Blut daran und ließ erschrocken ihre Schwerter fallen. Sie wich zurück und stieß mit dem Rücken gegen Pierce, der herbei geeilt war.
"Ist alles in Ordnung, Madam?", hörte sie ihn wie durch eine dunkle Wand fragen.
"Ja, ich..." murmelte sie und schloss die Augen, weil ihre Sicht zu schwanken begann.
"Holt Meister Maynard", rief Pierce. "Ich glaube, wir haben zwei Patienten hier."
Nein... nein...
Taumelnd löste sie sich von Pierce und rannte los. Alles in ihr schrie und heulte, und wimmernd schleuderte sie die Soldaten in ihrem Weg zur Seite, als sie vor den beiden Vätern ihrer Kinder floh.
2
"Was war das denn gerade?"
Kendrice schaute Impa verwirrt nach, die wie von Sinnen vom Übungsplatz eilte. Langsam wurde er sich Pierces Frage bewusst, der zu ihm getreten war und seine Wunde untersuchte.
"Was?", fragte Kendrice verständnislos.
"Habt Ihr ihre Augen gesehen, als sie auf Euch los ging? Was habt Ihr zu ihr gesagt?"
"Oh, das..."
"Sie wollte Euch verletzen, alle hier haben das gesehen."
"Ich sah zu, wie sie den armen Mister Daren abgefertigt hat, und als er ihr auch noch dankbar war, da ertrug ich es nicht länger."
"Es ist nur ein Kratzer", sagte Pierce und ließ Kendrices Hals los. Lasst Meister Maynard etwas Salbe darauf geben, dann heilt es in zwei Tagen."
"Danke, Captain", sagte Kendrice.
"Hier ist Euer Schwert", sagte Pierce und gab ihm die Scheide samt dem Schwert zurück. "Also, was habt Ihr zu ihr gesagt, dass sie sich so auf Euch gestürzt hat?"
"Ich habe sie ein wenig verhöhnt, genau wie sie es mit Mister Daren gemacht hat."
"Was wollt Ihr damit sagen? Ihr habt doch nicht etwa eine anzügliche Bemerkung gemacht, oder?"
"Oh, nein, nichts dergleichen", sagte Kendrice und schüttelte den Kopf. "Dafür respektiere ich sie viel zu sehr. Ich habe sie gefragt, ob sie Angst hat."
Pierces Augen wurden groß.
"Heilige Schwestern... Lord Kendrice... Das wird sie Euch nie vergessen. Ich möchte nicht in Eurer Haut stecken, wenn Ihr das nächste Mal gegen sie kämpfen müsst."
Kopfschüttelnd und leise grinsend schaute Pierce Kendrice von der Seite an. "Es ist nicht gut, Impa zur Feindin zu haben, mein Lord. Nicht gut, sage ich Euch."
"Oje..." brachte Kendrice hervor. "Was habe ich da nur angerichtet... Ich wollte ihr nur eine kleine Lektion erteilen. Sie ist ein wenig größenwahnsinnig, findet Ihr nicht?"
"Sie ist die Beste", sagte Pierce. "Die beste im Schloss und die beste in ganz Hyrule. Und an Eurer Stelle würde ich von nun an ab und zu über meine Schulter schauen, wenn Euch Euer Leben lieb ist."
Damit ging Pierce zurück zu seinen Soldaten, während er immer wieder schmunzelnd und kopfschüttelnd zu Kendrice zurück schaute.
Was habe ich getan?
3
Zum Abendessen war Impa bei Zelda und Link eingeladen. Auf dem Weg zu den königlichen Gemächern merkte sie, wie alle Dienstboten und Wachsolden vor ihr zurückwichen. Sie flüsterten leise hinter ihrem Rücken, aber ihre scharfen Ohren hörten alles.
"Sie hat den Minister verwundet, sagst du?"
"Schämen soll er sich, sie so herauszufordern! Es geschieht ihm ganz recht."
"Er hat Glück gehabt. Wenn sie zornig ist, versteht sie keinen Spaß!"
Nach dem Kampf mit Kendrice war sie in ihre Gemächer gelaufen und hatte einen Eimer Wasser über ihren Kopf gegossen. Es war eine radikale Reaktion gewesen, aber danach war es ihr besser gegangen. Zitternd, aber zufrieden und voller Genugtuung hatte sie sich auf den Boden gesetzt und meditiert. Es war ihr gelungen, ihren Geist zu leeren und ihre Mitte zu finden. Zwei weitere Präsenzen waren dort, die leise mit einem feinen Licht in ihrem Inneren pulsierten. So winzig, aber so schön, so rein, und so zart. Sie war lächelnd aus der Meditation heraus getreten und war zu Zelda gegangen, um zu fragen, ob sie bei ihnen ein Bad nehmen dürfe. Sie brauchte das jetzt. Sie wollte den Schmutz des Übungsplatzes abwaschen, und vielleicht auch ein wenig von ihrer Scham. Zelda hatte es gerne erlaubt, und Impa hatte ihren Körper von dem warmen Wasser umfangen lassen, das sich so sehr anfühlte, wie seine Hände auf ihrer Haut.
Es tut so weh... ihn nicht berühren zu können...
Tag und Nacht dachte sie an ihn und sehnte sich nach ihm, und jedes Mal, wenn sie an ihn dachte, fuhren tausend Schauer über ihre Haut und durch ihr innerstes Wesen. Ihr Körper lechzte nach ihm wie ein Verdurstender in der Wüste nach Wasser, und sie war wahnsinnig vor Begierde. Bei Tag konnte sie ihren Geist dazu bringen, die Gedanken an ihn am Rande ihres Bewusstseins zurück zu halten, aber in der Nacht strömte alles mit neu erwachter Macht auf sie ein. Und immer wieder hatte sie diesen Traum. Sie wusste, dass es Kendrice war, den sie sah, aber sie verstand nicht, warum er dort in ihrem Traum war. Sie hatte schon so oft versucht, ihn zu fragen, aber außer den paar Worten, die sie kannte, konnte sie nichts aus ihm heraus bringen.
Vielleicht ist es etwas, das ich aus seinem Bewusstsein mitgenommen habe...
Sie kam zu Zeldas Tür und sah wie immer abends die Soldaten Thomas und Daren davor stehen.
Beide salutierten ehrfürchtig und sagten mit demütigen Stimmen:
"Madam Impa..."
"Mister Thomas, Mister Daren, guten Abend."
Daren klopfte schnell an die Tür und Claire trat heraus.
Sie lächelte und ihre Augen glitzerten vor Stolz.
"Guten Abend, Meisterin Impa", sagte sie und schob Impa durch die Tür. Als sie in den Salon trat, blieb ihr Herz stehen, denn am Tisch, zusammen mit Link, Zelda und Eric... saß er.
Sie drehte sich auf dem Fuße um und wollte wieder durch die Tür hinaus gehen, aber Link sagte in einem herrschenden Ton, dessen nur ein König fähig war:
"Impa."
Sie blieb wie angewurzelt stehen und wusste nicht, was sie tun sollte. Zelda kam zu ihr und nahm ihre Hand. Langsam führte sie Impa zum Tisch und drückte sie auf den Stuhl Kendrice gegenüber, der sich erhoben hatte. Impa schlug für einen Moment die Augen nieder.
Schau ihn an, du hast nichts Falsches getan. Er hat dich herausgefordert.
"Guten Abend, mein Lord", sagte sie ruhig und sah in seine Augen, während er sich wieder setzte. Ehrfurcht und ein wenig Angst lagen darin, und das beruhigte sie. Er nickte leicht.
"Madam Impa."
"Lord Kendrice kam heute Abend zu uns, weil er Euch nicht antraf, Meisterin Impa", sagte Link in förmlichen Ton. "Er möchte gerne ein Anliegen vorbringen."
Mit einer kleinen Geste forderte er Kendrice auf, zu sprechen.
"Madam Impa", sagte Kendrice mit fester, aufrichtiger Stimme. "Ich möchte mich in aller Form bei Euch entschuldigen für die Worte, dich während unseres Kampfes zu Euch sagte. Ich möchte Euch meinen tiefsten Respekt ausdrücken und Euch um Verzeihung bitten."
Impa war verblüfft. Niemals hätte sie so etwas erwartet. Sie senkte ihren Blick für einige Augenblicke, dann schaute sie wieder in Kendrices Augen.
"Tut so etwas noch einmal, und ich töte Euch."
Link seufzte hörbar und ließ seine Schultern erleichtert sinken. "Lord Kendrice", sagte er dann und räusperte sich amüsiert, "das bedeutet, dass Impa Euch verziehen hat."
Kendrice atmete ebenfalls erleichtert aus und lächelte. Impa wollte auf ihn springen und seinen Körper mit ihrem umschlingen, seine heißen Lippen auf ihren spüren...
Aber sie schluckte nur und zwang sich, ihm mit einem kleinen Lächeln ihre rechte Hand anzubieten. Kendrices Hand näherte sich ihrer, und mit einem knisternden Funken entlud sich ihre Energie, bevor sie sich berührten. Impa fühlte den Blick, den Link und Zelda einander zuwarfen, und nahm sich vor, sie zur Rede zu stellen.
"Ich danke Euch, Madam", sagte Kendrice und drückte ihre Hand mit männlicher Kraft. Dann erhob er sich, und Link stand ebenfalls auf.
"Ich danke Euch ebenfalls, Majestät, und Euch, Königin Zelda." Er verneigte sich vor Zelda und drückte Link die Hand. Zelda setze Impa Prinz Eric auf den Schoß, der sofort die Ärmchen um ihren Hals schlang und freudig "Pa", rief. Dann brachten sie Kendrice zur Tür und verabschiedeten sich von ihm.
"Gute Nacht, Madam Impa", hörte sie ihn sagen und wandte sich zu ihm um.
"Gute Nacht, mein Lord", sagte sie mit ruhiger Stimme.
Gute Nacht, meine Liebe.
4
Das Essen war eine Tortur. Impas gesamter Körper stand unter Spannung und sie ließ ständig irgend etwas fallen. Irgendwann legte Zelda ihr eine beruhigende Hand auf die Schulter und schaute sie mit einem mitfühlenden Lächeln an.
"Ist es so schlimm?"
"Du hast es ihm erzählt!" knurrte sie Zelda an.
"Wem was erzählt?" fragte Zelda und runzelte die Stirn.
"Link, du hast es Link erzählt." Sie wies mit dem Kinn zu Link, der geduldig seinen Teller leerte. Er hielt inne und schaute sie mit strengem Gesicht an.
"Wenn du mitten in der Nacht hierher kommst und das halbe Schloss zusammen stauchst, will ich wissen, was los ist", sagte Link. "Sie hat mir gesagt, dass du schwanger bist, nicht mehr. Sollte ich noch mehr wissen?"
Impa schnaubte.
"Und der arme Minister. Was hat er dir eigentlich getan? Er kam heute Abend hier an und war völlig außer sich. Er glaubte, dass du ihm jetzt hinter jeder Ecke auflauern würdest, nur weil er dich ein wenig geneckt hat."
"Er hatte kein Recht..." brauste Impa auf.
"Impa, die Leute fangen an zu reden...", sagte Zelda sanft. "Ich weiß nicht mehr, was ich ihnen erzählen soll, wie ich dich entschuldigen soll. So geht das nicht weiter."
Impa presste die Lippen zusammen und sah zur Seite. Link aß schnell seinen Teller leer und nahm Eric von Zeldas Schoß.
"Komm, Sohn", sagte er. "Wir müssen verschwinden. Ich glaube, die Damen wollen allein sein."
"Wollen wir zum Sofa gehen?" sagte Zelda und legte eine sanfte Hand auf Impas Schulter.
Sie verließen den Tisch und gingen zum Sofa. Zelda hatte Claire schon vor dem Essen entlassen und Impa war ihr dankbar dafür gewesen. Auch wenn sie Claire sehr mochte, wollte Impa nicht, dass noch mehr Menschen von ihrem Geheimnis erfuhren.
Als sie sich gesetzt hatten, wandte Zelda sich ihr zu. Aufmerksam schaute sie Impa an.
"Willst du mir erzählen, was dich so verstört?"
Impa schüttelte den Kopf. Sie hob ihre Hand und spreizte ihre Finger vor sich. Schnell zählte sie sie und fand fünf. Ärgerlich zuckte sie mit dem Kopf und verbiss sich einen Fluch.
"Siehst du diese Hand?", fragte sie Zelda.
"Ja, was ist damit?"
"Sie zittert. Das ist damit. Sie zittert und sie bebt und es ist ein schreckliches Ziehen darin. Es gibt im Wassertempel Quallen, die elektrische Energie freisetzen. Wenn man sich ihnen nähert, fühlt man die Energie im Wasser. Und wenn man sie berührt und sie entladen sich, strömt die Energie durch den ganzen Körper. Man fühlt sich wie gelähmt und trotzdem zucken die Muskeln unkontrolliert, ohne dass man etwas dagegen tun kann."
"Ich weiß das", sagte Zelda.
"Ich fühle mich, als ob ich ständig im Energiefeld dieser Quallen wäre. Den ganzen Tag. Und in der Nacht auch, wenn ich nicht gerade von diesen Träumen heimgesucht werde."
"Träume?" fragte Zelda verwundert. "Alpträume?"
"Nein, es sind keine Alpträume. Sie sind sehr bewusst, und ich erinnere mich daran, aber ich verstehe sie nicht."
"Willst du mir davon erzählen?"
Impa schüttelte den Kopf mit einem gequälten Ausdruck. "Ich kann nicht."
"Er ist darin, nicht wahr?"
Mit verkrampften Fingern fuhr Impa über ihr Gesicht.
"Ich verzehre mich nach ihm. Ich kann nicht mehr richtig essen. Ich..."
Sie brach in gebrochene Schluchzer aus und Zelda nahm sie in den Arm.
"Impa, du musst essen", flehte sie. "Du hast zwei Kinder da drin, die Nahrung brauchen. Dies muss ein Ende haben. Sag mir, wer er ist, und wir überlegen uns etwas."
"Nein... nein... verstehst du nicht? Was, wenn er sich nicht erinnert? Was, wenn er sich nie mehr erinnert? Eigentlich war es ja so vorgesehen, dass er sich nicht erinnert. Es war ja nur, weil ich es nicht übers Herz bringen konnte, es endgültig zu machen, dass ich ihm den Schlüssel ließ."
"Warte mal", sagte Zelda und zog sich zurück, um Impa anzuschauen. "Du hast ihm einen Schlüssel gelassen?"
Impa nickte, aber ihre Augen flossen über.
"Was für einen Schlüssel?"
"Ein Wort."
"Wo ist es?"
Impa schüttelte wieder den Kopf. "Er muss es selber finden."
"Hat er denn überhaupt eine Chance, es zu finden?"
Impa nickte. "Wenn er... wenn er danach sucht..."
Zelda nickte ebenfalls langsam.
"Dann besteht noch Hoffnung."
