Kapitel 3: Lektionen

Das Kampfdeck roch nach Schweiß und alten Turnhosen. Staub flog aus Boxsäcken, als dienstfreie Rangers ihre Aggressionen an leblosen Gegnern ausließen.

Taz, im Schneidersitz neben einem Haufen dreckiger Handtücher sitzend, beobachtete Up dabei wie er ein Haufen Fähnriche (AU: Militärischer Dienstgrad zwischen Unteroffizier und Offizier) im Ring auf Herz und Nieren prüfte. Die Meisten von ihnen waren Jungs, nicht viel älter als sie und sie veranstalteten eine ziemlich erbärmliche Vorstellung.

„Fähnrich Lucas!"

„Ja, Sir!"

„Willst du mir sagen, was das in deinem Kopf ist? Diese Dinger unter den Wimpern, von denen deine Mutter denkt, dass sie so schön sind?"

Stille. Jemand kicherte.

„Uh, meine Augen, Sir?"

„Verleiht dem Jungen einen Preis!" brüllte Up. „Deine Augen sind für mehr da als nur hübschen Mädchen zuzuzwinkern, Fähnrich. Benutze sie nächstes Mal oder du wirst wieder auf deinem Arsch auf dem Boden landen. Du musst sehen was im Kampf auf dich zukommt, oder du bist schneller Toast, als ein Marshmallow in einem Lagerfeuer. Nächster!"

Der nächste Junge war auch nicht beeindruckender. „Ich sollte euch zurück zur Akademie schicken, alle von euch!" Er betrachtete seine Schützlinge und seufzte. "Ihr denkt zu viel darüber nach, Kinder. Ein Krieger muss spüren, was vor sich geht und reagieren – da gibt es keine Zeit für euer Gehirn, um im Weg zu stehen." Er schüttelte seine Uniformjacke ab und Taz setzte sich etwas höher gegen die Wand. Nur, ihr wisst schon, dass sie besser sehen konnte.

„Also", sagte Up und die Fähnriche wichen besorgt schauend zurück. „Wer wird versuchen seine Chance zu nutzen? Will niemand? Parker, wie wäre es mit dir?"

Der Fähnrich trat zögerlich vor, ein korpulenter Junge, der danach aussah, als würde er lieber komplizierte Computer Codes tippen, als sich dem eindrucksvollsten Kämpfer des Schiffes im Kampf zu stellen.

„Jetzt, komm zu mir", schmeichelte Up. „Versuch dein Bestes."

Parker, nach einem nervösen Blick zu den anderen, griff an. Up bewegte sich so schnell, dass Taz nicht sagen konnte, was passiert war, aber der Fähnrich war auf dem Boden und Up war nicht mal außer Atem.

„Denkt dran, haltet eure Augen auf den Feind gerichtet. Lasst sie euch nicht überraschen." sagte Up, dem Jungen aufhelfend. „Nächster!"

Sie machten auf diese Art weiter bis die Pfeife für die Kantine blies. Die Fähnriche, unterschiedlich hinkend oder behutsam Gliedmaßen haltend, marschierten in Reih und Glied über das Deck. Taz biss sich auf die Lippe und näherte sich dann Up.

„Dumme Kinder." murmelte, er als er sich abtrocknete. „Ich hab keine Scherze gemacht, sie sollten sie alle direkt zurückschicken. Es gab eine Zeit, als sogar die besten Soldaten beten mussten, um von der Akademie als Rangers abzuschließen. Jetzt werden sie jeden nehmen."

Taz versuchte angestrengt nicht auf seine Arme zu schauen, die in seinem weißen Tanktop offen zu sehen waren. „Warum ist das so?" fragte sie.

Er schaute zu ihr runter und schlüpfte in seine Jacke. „Die Roboter, Taz. Denkst du, die Hälfte dieser Kinder wird innerhalb eines Jahres immer noch am Leben sein?"

Sie schaute zu der Tür, durch die sie gegangen waren.

„Wahre Starship Ranger werden eine seltene Rasse." sagte Up, seine Tasche aufhebend. „Es gibt nicht mehr viele von uns."

Er drehte sich um, um wegzugehen.

„Du könntest mich trainieren." platzte Taz heraus. Sie hatte nicht vor, es so unverblümt zu sagen.

Der Lieutenant stoppte und drehte sich um, um sie anzusehen. Sie streckte sich so groß sie konnte, sich komplett bewusst wie lächerlich sie möglicherweise aussah in der zu großen Uniform. „Dich trainieren?" wiederholte er verdutzt.

„Wie man kämpft," sagte sie, ihren Herzschlag in den Ohren. „Ich mag klein sein, aber ich bin schnell. Ich hab mich auf der Straße gekloppt seit ich ein kleines niño war und ich weiß, ich bin besser als jeder dieser Fähnriche."[niño = Kind]

Er schaute skeptisch.

"Es ist mir ernst damit, ich könnte diese idiotas [idiotas = Idioten] jeden Tag besiegen. Aber du kannst mich besser machen – du bist der beste Kämpfer, den ich je gesehen habe."

Wurde er rot? Sie schob es auf die Kraftanstrengung. "Warum willst du wissen wie man kämpft, Taz?" fragte er.

Für einen Augenblick hörte sie das Rrr, rrr Geräusch eines, sich tödlich nähernden Roboters. Sie schloss die Augen, öffnete sie wieder und blickte Up fest an.

„Weil ich niemals wieder so hilflos sein will. Das nächste Mal, wenn ich einen Roboter treffe, wird der hijo de puta derjenige sein, der an einen Baum gehängt wird. Und ich werde diejenige sein, die lacht."

Er war lange Zeit still. Dann nickte er.

„Treff mich hier, nach dem Ausschalten der Lichter. Wir werden sehen, was du so drauf hast. "

Sie war so gut wie sie sagte, dass sie es war. Sie war schnell und sie konnte einem Schlag ausweichen, als wäre es nichts gewesen. Aber ihr Stil war roh an den Rändern, ungeschliffen.

"Du kämpfst wie eine Wildkatze. Du benutzt deine Instinkte. Das ist gut, aber du musst auch eine Strategie entwerfen. Ich bin doppelt so groß wie du. Du wirst mich nicht mit Stärke besiegen." Sie wich einem weiteren Hieb aus. „Oder damit, dass du die ganze Nacht um mich herumtanzt."

„Ich tanze nicht." keuchte sie, ihren dicken Zopf über die Schulter werfend. "Außerdem hast du den Fähnrichen gesagt, dass sie zu viel denken."

„Das ist nicht dein Problem." sagte er und sie starrte ihn wütend an. Er versuchte nicht vor der Wildheit, die er dort sah, zurückzuweichen.

Es brauchte vier weitere spät nächtliche Kampfstunden, bevor sie einen Treffer landen konnte. Aber das war mehr als jemals ein Fähnrich geschafft hatte. Es war kein harter Hieb, aber Up rieb sich trotzdem die Schulter.

„Gut." sagte er. „Jetzt mach es nochmal."

Up's Rang und Ruf hielten jede Frechheit über sein „Haustier" klein, wenn er in der Nähe war, aber er hörte das Flüstern anfangen, wenn er erst einmal weg sein würde. Und er wusste Taz hörte es auch. Sie blieb viel in ihrer Koje, wagte sich nur zu den Mahlzeiten heraus und um ihn beim Training zu beobachten. Ihr ständiger Blick machte ihn nervös, aber er ließ es sich nicht anmerken. Die Fähnriche waren kaum, überhaupt keine Gegner für ihn – er fragte sich, ob sie ihn immer noch für so einen wunderbaren Kämpfer halten würde, wenn er ebenbürtig war.

Taz war seit einer Woche auf dem Schiff gewesen und wartete in der Schlange in der Kantine, als ein betrunkener Kadett sie belästigte. Up hatte sein Essen schon bekommen und war dabei sich hinzusetzen, als er den Austausch hörte.

„Hallo Süße." lallte der Kadett. „Warum machst du nicht mal eine Weile eine Pause von dem alten Mann? Mal was Neues für uns, eh?"

Up schaute über seine Schulter. Taz trat einen Schritt zurück, als der Kadett anzüglich grinste und sich näher beugte.

„Ja, du bist eine Hübsche, nicht wahr? Was könnte ich mit diesen…"

Sie schlug ihn, ein guter Schlag, auf die Nase. Up war halb dort, als der Kadett überrascht zurückstolperte.

„Dumme Hure!" rief er durch einen Blutstrom, doch stockte als er Lieutenant Up über ihm stehen sah. Die ganze Halle war still.

„Sie werden so vorgehen, Ranger:" sagte er in einer dunklen, ruhigen Stimme. "Sie werden sich umdrehen, weggehen und Sie werden sich verdammt noch mal von ihr fernhalten."

Der Kadett erwiderte nichts. Up drehte ihm den Rücken zu. „Komm." dagte er zu Taz, die immer noch zitterte, ihre Fäuste fest geballt.

„Ich schätze, du möchtest deine Spielzeuge nicht teilen, eh Lieutenant?"

Up hielt inne.

„Oh oh." sagte jemand.

Up wurde dafür gemaßregelt, aus dem Kadetten Hackfleisch gemacht zu haben, aber Taz wurde danach in Ruhe gelassen. Sie setzten ihre spät nächtlichen Kampfstunden fort. Sie landete ein paar mehr Treffer und Up musste nicht mehr so tun, als ob sie wehtun würden. Sie wurde besser.

Also fing er an sie härter ran zunehmen. „Steh auf!" brüllte er eines Nachts, als sie auf dem Boden lag, von einem besonders heftigen Schlag gegen ihren Kopf betäubt. Er schob sein Schuldgefühl sie verletzt zu haben zur Seite. Es war der einzige Weg es zu lernen.

Sie sah zu ihm hoch und er konnte die Niederlage in ihren Augen sehen. „Ich werde dich niemals besiegen können, Up."

„Nicht wenn du auf dem Boden bleibst." sagte er. Sie holte Luft, dann rappelte sie sich auf.

Sie machten weiter und bald war sie zurück auf der Matte. Sie ermüdete.

„Steh auf!" sagte er wieder.

„Ich kann nicht." sagte sie und dieses Mal würde sie ihn nicht anschauen.

„Taz." sagte er und bückte sich nach unten, sodass sie seinen Augen begegnen musste. „Das nächste Mal, dass du diese Roboter triffst und sie dich niederschlagen, ist es das was du tun wirst? Hinlegen und aufgeben? Wegrennen und verstecken?"

„Nein." sagte sie.

„Wenn es eine Sache gibt, die ich dir beibringen kann, Taz, muss es das sein: Egal was dich erreicht, egal wie schwer es ist, wie unmöglich es scheint, der einzige Weg zu gewinnen – zu überleben – ist einfach immer wieder aufzustehen." Er richtete sich auf und hielt ihr seine Hand hin. „Also steh wieder auf!" (AU: DAS IST SO EINE TOLLE STARSHIP REFERENZ, LOVE IT!)

Sie nahm seine Hand und er zog sie hoch.

„Okay." sagte sie. „Nochmal."