Kapitel 4: Geentert

In ihrer Koje wickelte Taz ihre Knöchel ein, als Up nach einem langen Treffen mit der Kommandeurin reinkam. Er setzte sich hin, zog seine Stiefel aus und schaute zu, wie sie die Bandage um ihren Fuß wickelte.

„Nicht so." sagte er. „Du musst ihn unterstützen."

Sie hielt ihm leise die Bandagen Rolle hin. Er bewegte sich um auf ihrer Koje zu sitzen, hob sanft ihren Fuß und wickelte das ab, was sie schon gemacht hatte. Sie zuckte etwas zusammen.

„Sorry." sagte er und fing an, es wieder einzuwickeln. Taz war heute still gewesen und er wusste warum.

„Morgen kommen wir an der Akademie an, si?" [Si= Ja] sagte sie jetzt.

Er konnte ihr nicht in die Augen sehen. „Si."

„Und dann bringst du mich zum Flüchtlingslager, si?"

„Das ist der Plan."

„Up." sagte sie so, dass er sie anschauen musste. „Ich will nicht gehen."

„Ich weiß." sagte er.

„Ich will-.." sie zögerte. „Ich will mich in der Akademie einschreiben. Ich möchte ein Starship Ranger sein." Sie hob ihren neu bandagierten Knöchel und beugte ihn. "Wie du, Up."

Er nahm sich Zeit für seine Antwort. „Ich weiß." sagte er endlich. „Ich habe die Kommandeurin schon gefragt ob du dich beteiligen könntest."

Ihre Augen leuchteten auf und es war die wunderbarste und tragischste Sache, die er jemals gesehen hatte. „Aber sie hat abgelehnt, Taz." sagte er eilig. „Du musst achtzehn sein um einzutreten. Und die G.L.E.E. mag keine Ausnahmen."

Es war ein wenig so, wie einer Kerze zuzuschauen, wie sie flackert und erlischt. Taz schien sogar noch kleiner zu werden, als sie ihre Knie umarmte.

„Achtzehn." sagte sie.

„Es sind nur drei Jahre." bot Up an. „Du kannst weiterhin trainieren und wenn du dich dann einschreibst, schießt du sofort an die Spitze deiner Klasse. Taz, du bist schon die beste Schülerin, die ich jemals hatte."

„Ist – ist das dein Ernst?"

„Hey." sagte er, auf die respektable, lila werdende Prellung an seiner Wange zeigend. „Weißt du wie viele Gegner es geschafft haben ein Zeichen auf Lieutenant Up zu hinterlassen?" Er nahm eine Pose ein und seine Mundwinkel zuckten. „Ich kann sie an einer Hand abzählen."

Es gab einen Hauch eines Lächelns auf ihrem Gesicht. Was würde er geben, um ein Wahres zu sehen.

„CODE RED CODE RED CODE RED! ALLE RANGER AUF GEFECHTSTATION!"

Up sprang auf die Füße. Taz kletterte aus ihrer Koje als der Notruf wiederholt wurde, ihr Gewicht auf ihrem Fuß testend. „Code Red? Lo que es code red?" (Lo que es = Was ist)

„Wir wurden geentert." sagte er kurz angebunden, seine Waffe über die Schulter schwingend. „Bleib hier."

„Geentert? Up, warte-"

Es gab keine Zeit zum Warten. Auf dem Flur leuchteten rote Lichter und Ranger rannten vorbei, sich gegenseitig Befehle zurufend. Up rief einen anderen Lieutenant auf seinem Weg herbei. „Wo ist der Einbruch?"

„Sie haben die Kommandeurin und die Flugbesatzung auf der Kommandobrücke als Geisel genommen. Niemand weiß wie sie reingekommen sind. Rogers denkt, da sind vielleicht mehr-"

Das unverkennbare pew-pew Geräusch eines Lasers und ein Ausdruck der Überraschung erschien auf dem Gesicht des Lieutenants. Er sank auf den Flur, ein rauchendes Loch in seiner Brust.

Up hob seine Waffe und feuerte zwei, drei, vier Mal. Der Roboter am Ende des Korridors explodierte in einem Durcheinander von Kabeln und verbranntem Metall. Dort war nur einer, dem toten Gott sei Dank.

Up drehte sich auf dem Absatz um und fand dort Taz hinter sich. Sie sah auf den Roboter, ihr Mund war ein sehr rundes „o". „Verdammt noch mal, Taz, ich hab dir gesagt du sollst in der Koje bleiben!"

Sie verschränkte ihre Arme. „Sie sind noch nicht mein Kommandeur, Sir."

Er starrte sie wütend an und sie starrte wütend zurück.

„Gut." sagte er. „Steh mir nur nicht im Weg."

Er ging den Korridor hinunter mit Taz dicht auf den Fersen. Sie mussten an einem oder zwei Schnittpunkten anhalten – Up legte den Finger an die Lippen und sie warteten darauf, dass der Roboter vorbei ging. Die Roboter liefen alle in eine Richtung – zu der Kommandobrücke. Man konnte genauso gut nachschauen, was sie vorhatten, bevor man sie alle zusammen in die Hölle schickte.

Sie hatten gerade den letzten Bunker vor der Kommandobrücke erreicht, als die Wand zu ihrer Linken explodierte. Instinktiv reagierend, rollte Up sich ab und landete hart an der entfernten Wand.

Er schüttelte sich, als er auf die Füße kam, durch den beißenden Rauch schielend. Es waren andere Leute hier, andere hustende und ums Aufstehen ringende Ranger. Lieutenant-Kommandeur (AU: Kapitänleutnant) Rogers tauchte aus dem Rauch auf.

„Wir sind eingestürzt." sagte er, seine Waffe über seine Schulter werfend. „Explosion wurde mindestens vier Decks über uns ausgelöst. Es wird Stunden dauern allen Schutt zu bewegen."

Up hörte zu, aber seine Augen durchkämmten die Dunkelheit. „Verdammt, wo ist Taz?" platzte er endlich heraus. Wenn das dumme Mädchen zwischen die Explosion geraten war...

Estoy aqui." sagte sie, hinter ihm auftauchend. „Ich bin hier, Up."

Seine Schultern entspannten sich und er klopfte ihr einmal grob auf die Schulter bevor er sich zum Lieutenant-Kommandeur umdrehte. „Was ist die Situation auf der Kommandobrücke?"

Rogers, Taz fragend ansehend, deutete mit dem Daumen zu der entfernten Tür des Bunkers, derjenigen die zur Kommandobrücke führte. „Sie haben diese Tür von innen versiegelt. Es gibt keinen Weg sie von hier außen zu öffnen. Ich denke, wir können nichts anderes tun, als an diesem Haufen Schutt zu arbeiten."

„Oder hoffen, dass die Roboter die Tür für uns öffnen." sagte Up.

„Ich denke nicht, dass das etwas ist worauf ich hoffen werde." sagte Rogers.

„ Lieutenant-Kommandeur!" rief ein Fähnrich mit einem hörbaren Flüstern quer durch den Bunker. „Schaut hierher!"

Der Fähnrich kroch zu einem Metallgitter unten an der Wand. „Diese Öffnungen führen direkt zur Kommandobrücke." sagte er als sie näher kamen. „Und seht ihr? Es endet an der Wissenschaftsstation, dort haben sie keine Wache positioniert. Ich nehme an, ein Ranger könnte dort durchschleichen und die Tür entsiegeln, bevor sie wissen was passiert."

Rogers kniete, durch das Gitter spähend. „Sie müssten schnell sein." sagte er. „Up?"

Up schüttelte seinen Kopf. Die Öffnung war kaum einen halben Meter breit. „ Ich passe da niemals rein."

„Ich schon." sagte Taz.

Sie alle sahen sie an. Sie hielt sich gerade und schaute den Lieutenant-Kommandeur an. „Ich passe hinein und Lieutenant Up kann euch sagen, dass ich schnell bin. Ich kann es tun. Ich kann die Tür öffnen."

„Nein." sagte Up.

Sie starrte ihn wütend an. „Du sagtest selbst, ich sei die beste Schülerin die du je hattest, no? [no= nicht wahr/nein]

„Das ist keine Übung, Taz, das ist echt." Hatte sie eine Todessehnsucht? „Du kannst da nicht reingehen."

„Nein, du kannst da nicht reingehen." sagte sie. „Schau dich um. Keiner dieser hombres kann es." [hombres = Männer]

Rogers beäugte sie mit Interesse. „Hast du jemals zuvor eine Waffe benutzt, junge Dame?"

„Nein." sagte Up.

„Nein." gab Taz zu, ihre Augen zu Up schnellend.

Rogers drehte sich zu Up. „Es ist das, oder graben und dann werden sie es sicherlich geschafft haben unseren Zugangscode zu knacken, bis wir hier draußen sind. Sie werden die gesamte Kontrolle über das Raumschiff haben. Hast du irgendwelche besseren Ideen?"

Up stieß die gesamte Luft in seinen Lungen aus. „Nein." sagte er schließlich.

„Besorgt dem Mädchen eine Waffe." sagte Rogers. „Ich werde die Ranger an der Tür versammeln. Wir werden bereit sein."

Up zog eine Pistole aus dem Holster an seinem Gürtel. „Das wird das Einfachste für dich sein, mit dem du umgehen wirst." Er zeigte ihr den Griff, die Sicherung, den Auslöser. Sie hörte aufmerksam zu. Der Fähnrich war fertig damit, das Gitter abzuschrauben.

„Bereit, Sir." sagte er.

„Schieße nicht, außer wenn du es unbedingt musst", sagte Up, als sie die Pistole in die Hand nahm. „ Und um des toten Gottes Willen, erschieße dich nicht!"

„Denkst du, ich bin estúpido?" sagte sie. [estúpido = dumm]

„Nein, Taz." sagte er. Sie war alles andere als dumm. „Bleib geduckt, bleib außer Sicht. Warte darauf, dass ihre Aufmerksamkeit woanders liegt, bevor du zuschlägst. Denk dran, dies sind keine Menschen, mit denen du es zu tun hast, dies sind Maschinen und sie haben sensorische Ausrüstung von denen wir nicht mal zu träumen wagen." Er hielt ihren Arm fest, als sie ins Gitter kriechen wollte. „Sei vorsichtig dort drinnen, Taz."

Ihre Augen waren sehr groß und dunkel gegen ihre weiße Haut. „Das werd ich." Keiner von ihnen bewegte sich.

„Bereit, Lieutenant?" rief Rogers.

Taz nickte, ihre Augen verließen Up's Gesicht nicht.

„Bereit." sagte er. Schweren Herzens ließ er sie gehen.