Kapitel 5: Die Kommandobrücke

Es war eine schwierige Passage, sogar für sie. Taz schob sich auf ihrem Bauch den Metallschacht entlang, Ups Pistole sorgfältig aufrecht in ihrer Hand haltend. Es dauerte nicht lange bis sie das Gitter auf der anderen Seite erreicht hatte. Ihr Gesicht dagegen pressend, spähte sie durch die Stäbe.

Rrrr, rrrr, rrrr.

Ihr Atem stockte, als die Beine eines Roboters direkt vor ihr passierten. „Mierda" murmelte sie. [Mierda = Scheiße] Dies würde nicht so leicht werden, wie sie gedacht hatten.

Sie zog den Schraubenzieher hervor, den der Fähnrich ihr gegeben hatte und fing an zu arbeiten, die ganze Zeit lauschend. Ihr Herzschlag drohte alles andere zu übertönen.

„Kommandobrücke sicher." stimmte ein Roboter irgendwo in der Nähe an. „Zugangscodes?"

„Negativ." erwiderte ein anderer. „ Nicht genügend Zeit zum Bearbeiten."

„Macht weiter." sagte eine andere, mehr menschliche Stimme. Die Kommandeurin. „ Bearbeitet wie ihr wollt. Meine Rangers werden hier sein, bevor ihr Toaster genügend Zeit gehabt habt, etwas anderes zu tun, als diese Blechdosen zu polieren, die ihr Köpfe nennt."

„Sei still, Me-hensch!"

Es gab eine Explosion und einen roten Lichtblitz und die Kommandeurin schrie auf. Taz drehte den Schraubenzieher schneller, jede Schraube behutsam in ihrer Hand auffangend, wenn sie fielen. Als sie die letzte erreicht hatte, spähte sie wieder durch die Stäbe. Sie konnte eine Metallbarriere direkt vor ihr sehen - das musste die Wissenschaftsstation sein - und wenn sie stark genug drückte, konnte sie gerade einige Paare von Menschenbeinen auf dem linken Flur ausmachen. Die Tür, die sie erreichen musste würde zur Rechten sein. Solange die Roboter auf der anderen Seite blieben, würde die Wissenschaftsstation ihr Deckung bieten. Aber es mussten mindestens 30 Meter zwischen dort und der Tür liegen.

Sea rápido, " flüsterte sie. „Ich muss einfach nur schnell sein."

Die letzte Schraube entfernend, hob sie das Gitter an und setzte es geräuschlos auf den Boden vor dem Schacht ab. Sie strich ihr Haar hinter ihre Ohren, wünschend, dass sie etwas hätte um es zurückzubinden und hob die Waffe auf.

Bien." aagte sie zu sich, eine plötzliche Welle der Übelkeit zurückdrängend. „Ahora." [Bien= Gut, Ahora = Jetzt]

Ihre linke Hand benutzend, um sich vorzuziehen, glitt sie aus dem Schacht und kauerte lauschend tief auf dem Boden der Kommandobrücke. Nun, da sie draußen im Freien war, schien sogar das stete Summen des Schiffes stärker im Mittelpunkt zu sein. Die Roboter bewegten sich immer noch auf der anderen Seite der Wissenschaftsstation, doch hatten noch nicht bemerkt, dass irgendetwas verkehrt war. Sich selbst flach gegen die metallene Station pressend, schaute sie zu den menschlichen Gefangenen. Sie waren an Händen und Füßen gefesselt, auf dem Boden neben dem Stuhl der Kommandeurin sitzend. Die Kommandeurin selbst umklammerte ihr Bein, das Deck unter ihr in Blut getränkt. Als Taz sie beobachtete, drehte die Kommandeurin sich in ihre Richtung und ihre Augen trafen sich.

Die Augen der Kommandeurin weiteten sich. Taz legte einen Finger an ihre Lippen und langsam nickte die ältere Frau. Sie drehte sich stattdessen zu den Robotern.

„Hey, Mülltonnen! Ja, ihr! Hat eure Mutter euch nicht beigebracht, dass man nicht mit Spielzeugen von anderen Kindern spielen soll? Oh warte, stimmt ja, ihr habt ja keine Mutter-"

Die Kommandeurin lenkte sie ab. Es hieß jetzt oder nie. Taz nahm einen tiefen Atemzug und rannte.

„Feind entdeckt! Feind entdeckt!"

Taz hielt ihre Augen auf die Tür und dem Sensoren Feld daneben fixiert, als die Roboter sich umdrehten. Sie fühlte die Wärme eines Lasers hinter ihr und rannte schneller. Sie war fast – da –

„Pass auf!" schrie eine menschliche Stimme.

Sie warf sich zu Boden und sah einen weiteren Laserstrahl in die Wand krachen, wo sie vor einem Moment noch gewesen war. Die Hitze verbrühte ihren bloßen Arm, aber sie ignorierte den Schmerz, als sie sich umdrehte um vier Roboter zu ihr vorrücken zu sehen, die Waffen bereit.

Sie war so nah.

Einen Kampfschrei ausstoßend, warf sie Up's Pistole so fest sie konnte. Es traf den ersten Roboter hart zwischen den Optischen Sensoren und er stolperte zurück. Sie wartete nicht, um zu sehen, was die anderen tun würden, sondern katapultierte sich die letzten paar Meter zur Tür, mit ihrer linken Hand auf das Sensoren Feld schlagend.

Ein surrendes Geräusch und die Tür öffnete sich.

Up war die erste Person, die durchkam und er schoss schon. Die Roboter fielen wie Papierpuppen, als mehr Rangers durch die Tür stießen und rannten um den Feind zu treffen.

Schüsse, Laser und menschliche Schreie hallten durch die Luft. Taz, unbewaffnet und sich ziemlich verletzlich fühlend, krabbelte rückwärts aus dem Weg der Ranger, ihren verletzten Arm vorsichtig nach oben haltend.

Up führte immer noch den Angriff an, Kommandos über seine Schulter rufend als er sich hinkniete, auf alles Metallische schießend, dass sich bewegte. Es war das dritte Mal, das sie ihn so sah, mit einem tödlichen Blick in seinen Augen, eine furchterregende Genauigkeit in seinem Arm. Ein Schauer lief durch sie und plötzlich wünschte sie sich, sie hätte eine Waffe, sodass sie sich ihm im Kampf anschließen konnte.

Nichtsahnend überrumpelt, wie die Roboter es waren, brauchten die Ranger nicht lange um die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen. Die Gefangenen wurden befreit und die meisten Roboter waren zu rauchenden Trümmern auf dem Deck reduziert worden. Taz hielt sich im Hintergrund und als Up und der Lieutenant-Kommandeur Rogers den anderen Ranger Befehle gaben, den Rest des Schiffes zu sichern, trommelte ihr Puls immer noch in ihren Ohren. Sie überprüfte sich nach Verletzungen. Ihr Knöchel pochte schmerzhaft, aber abgesehen davon, dass ihre Haut an ihrem Unterarm anfing Blasen zu werfen, schien dort nichts Neues zu sein.

Schließlich, als die Situation unter Kontrolle schien, kam Up zu ihr herüber und umschloss unerwartet ihr Kinn mit seiner Hand. „Bist du OK?"

Sie nickte, sogar als ihre Augen anfingen zu tränen wegen dem sengenden Schmerz in ihrem Arm.

„Du warst unglaublich, Taz." sagte er. „Du hast gerade das ganze verdammte Schiff gerettet."

Sie wusste nicht was sie sagen sollte.

„Wir haben die Dinge hier organisiert, Lieutenant," sagte Rogers. „ Warum bringst du das Mädchen nicht zur Krankenstation und lässt die Verbrennung heilen, bevor es sich verschlimmert."

„Ja, Sir." sagte Up." „Komm Taz, bringen wir dich hier raus."

Sie verließen die Kommandobrücke durch die gegenüberliegende Tür, wo der Weg frei war. Up runzelte die Stirn, als sie in den Korridor einbogen, der zur Krankenstation führte. „Wo ist meine Pistole, Taz? Hast du sie immer noch?"

Sie fühlte wie ihr Gesicht fürchterlich warm wurde, als sie murmelte: „Ich- ich hab sie geworfen."

„Du hast sie geworfen?"

Er lachte. Sie zielte mit ihrem guten Arm einen Faustschlag nach ihm, aber ihr war auch zum Lachen zumute.

Up war nie überraschter in seinem Leben gewesen, als er seine Tür später am Abend öffnete um die Kommandeurin zu sehen. Dort auf ihren Krücken stehend, ihr Bein frisch bandagiert und einen Blick auf ihrem Gesicht so ähnlich, als ob sie in eine saure Zitrone gebissen hätte.

„Ich erkenne, dass dies ein unkonventioneller Besuch ist," sagte sie und sah von ihm zu Taz, die von ihrer Koje aufstand, ihren neu wiederhergestellten Arm wiegend. „Aber ich wollte unserem Schiffshelden persönlich danken."

Up trat zurück und die Kommandeurin betrat den Raum. Taz warf einen nervösen Blick zwischen ihnen hin und her.

„Ich wurde über die Details deiner Aktion heute informiert und ich wünsche dir meine aufrichtige Dankbarkeit zu übermitteln, für den Mut und die Selbstlosigkeit, die du demonstriert hast. Es ist sehr wahrscheinlich, dass die Roboter immer noch die Kontrolle über das Schiff hätten, wenn du nicht so gehandelt hättest, wie du es hast."

Taz lief langsam aber sicher rot an. Up verbarg ein Grinsen hinter seiner Hand.

„Ich habe meine Entscheidung überdacht, Lieutenant. Die Akademie kann mehr Kadetten mit der Art von Schneid brauchen, den das Mädchen heute gezeigt hat. Ich denke, ich kann den Admiral überreden eine Ausnahme für diese Eine zu machen."

Up sah zu, wie Taz anfing zu begreifen, was die Kommandeurin wirklich mit ihren Worten gemeint hatte.

„Ihr meint -"

Das Gesicht der Kommandeurin verzerrte sich zu etwas, dass fast ein Lächeln war. „Willkommen bei der G.L.E.E, Kadett Taz."

„Kadett..."

Taz war immer noch am Verarbeiten, als die Kommandeurin ging.

„Ich gehe – ich gehe wirklich zur Akademie -"

„Du gehst wirklich." sagte Up, breiter grinsend. „Du wirst ein Starship Ranger sein, Taz! Und ein verdammt guter noch dazu, wenn ich es so sagen darf."

Ihr Gesicht erhellte sich und sie stürzte sich auf ihn. Sie leicht hochnehmend, schwang er sie lachend herum.

Dort war das Lächeln, nach dem er gesucht hatte.