Disclaimer: Ich habe keinerlei Rechte an der Geschichte, was den Inhalt von Hasbro´s My Little Pony: Friendship is Magic anbelangt. Abgesehen von meinem OC ist alles deren Eigentum.

Kapitel 3: Ein fallendes Fohlen

Lost Lot war ein abgezäunter Bereich zwischen einer Seifenmanufaktur (Nie strahlte ihre Mähne heller!) und einem Abbruchgebäude, das sich still seinem langsamen Verfall hingab. Es war bei weitem nicht die beste Gegend von Manehattan, wovon die vernachlässigten Straßen und der allgemeine Zustand der Gebäude ringsumher ein eindeutiges Zeugnis ablegten. Je näher die beiden Ponys der Verwahrstelle kamen, umso höher wurde die Prozentzahl der Zebras und Greifen auf der Straße. Es schmerzte Rogue, diese Volksgruppen so abgedrängt vom sonst blühenden Leben Manehattans zu sehen. Equestria war ein Reich, in dem Freundschaft und Harmonie den obersten Stellenwert einnehmen sollten. Dennoch waren Viertel wie dieses ein lebendiges Beispiel, dass die equestrianische Gesellschaft immer noch ein gutes Stück von dem entfernt war, was sie anstrebte. Noch gab es unterschwellige Ressentiments gegen die so verwandten und doch andersartigen Zebras oder sogar andere Spezies wie die Greifen. Aus diesen Vorurteilen gegenüber dem Nächsten resultierten solche Viertel: Scheinbar ausgeschlossen und nur geduldet von der Gesellschaft kapselten sich die Fremden ab, statt sich zu integrieren und schufen sich eine Parallel-Gesellschaft, in der sie zumindest untereinander akzeptiert und respektiert wurden. Anstatt sich gegenseitig kennen zu lernen, lebten Zebras, Greifen und Ponys neben sich her. Und an den Kontaktpunkten kam es unweigerlich zu Spannungen.

Rogue blieb nah an seiner Mutter, als sie in Richtung Lost Lot trotteten. Er glaubte nicht den Reden von manchen Ponys, dass es die Fremden waren, die die Problem verursachten. Aber er wusste aus eigener Erfahrung, dass diese Viertel gefährlicher waren, als der Rest von Manehattan. Und das Letzte, was er wollte, war, dass seine Mutter Opfer dieser Probleme wurde.

Ein großer Eiswagen wurde gerade von einem Schlepperpony und einem Schlepperzebra durch das große Tor gezogen, als Mutter und Sohn zusammen auf den hölzernen Steg traten, der zum kleinen Büro der Verwahrstelle führte. Als die beiden eintraten, bimmelte eine Messingglocke am Türrahmen und eine junge Einhornstute in der Beamtenuniform der Stadt erhob sich von ihrem Schreibtisch, um sie zu begrüßen.

„Willkommen in der öffentlichen Verwahrstelle 3 des Manehattan Police Departments. Mein Name ist Remedy. Wie kann ich Ihnen helfen?", fragte sie freundlich.

Rogues Mutter musste bei dem Namen kurz lächeln.

„Remedy? Nun, wenn Ihr Name Programm ist, glaube ich, Sie können uns wirklich weiterhelfen."

Die junge Stute gab das Lächeln mit einem strahlenden Grinsen zurück, wobei ihr Blick kurz Rogue streifte.

„Hoffen wir einfach das beste. Was für ein Problem haben sie?", fragte sie.

Rogue blickte etwas verlegen auf die sauberen Holzbohlen des Büros. Er war es nicht gewohnt, mehr als nur einen beiläufigen Blick von den Stuten zu erhalten und in der Begleitung seiner Mutter war es ihm etwas peinlich.

„Ein Wagen meiner Verwandten ist gestern hier mitsamt der Ladung eingeliefert worden. Leider ist meiner Nichte nicht in der Lage ihn selbst abzuholen. Die Ladung ist leicht verderblich und wir sind gekommen, um sie schnellst als möglichst auszuliefern."

Die Stadtangestellte namens Remedy nickte ernst, als sie das Anliegen der beiden Ponys hörte und bat sie zu ihrem Schreibtisch. Als die beiden Platz genommen hatten, bat sie Apple Flavour um die Daten von Applejacks Wagen, die diese auch sofort parat hatte. Rogue blickte seine Mutter erstaunt an. Diese winkt als Antwort nur ab.

„Normalerweise können wir die beschlagnahmten Wagen und Güter nur an Angehörige übergeben. Haben Sie eine Eidesstattliche Erklärung eines solchen dabei?"

Apple Flavour griff mit den Zähnen in ihre weiße Satteltasche und zog ein Blatt Papier heraus.

„Hier sollten Sie alles finden, was Sie brauchen.", sagte sie mit einem kurzem Lächeln.

Die junge Einhornstute levitierte das Schriftstück vor sich und warf einen Blick darauf. Ihr schönen grünen Augen wurden groß.

„Da... Das ist zwar keine eidesstaatliche Erklärung, aber es sollte ausreichen.", sagte sie und fing an, Eintragungen in ihre Akten zu machen.

Rogue sah seine Mutter fragend an. Diese erwiderte seinen Blick mit einem Lächeln.

„Entschuldige, Schatz, das ich dir heute das Frühstück nicht selber machen konnte, aber ich musste... ein paar Hausbesuche machen. Du weißt, dass die Apple- und Orange- Familie weit verbreitet ist. Und sie hat... Einfluss.", sagte sie.

Remedy legte das Schreiben seiner Mutter auf den Schreibtisch, während sie ein Formular ausfüllte. Rogue sah neugierig darauf. Obwohl es kopfüber zu ihm lag, konnte er das Siegel des Oberbürgermeisteramtes darauf erkennen. Es war das selbe Siegel wie auf seiner Ernennungsurkunde zum Rettungspony. Wieder sah er erstaunt zu seiner Mutter.

„Vitamin B ist in einer Stadt wie Manehattan manchmal unerlässlich, Schatz."


Apple Flavour sprang von der Ladefläche des Karren und nickte zufrieden.

„Die Äpfel sind in gutem Zustand, Celestia sei dank!", sagte sie zu Rogue, der sich gerade das Geschirr anlegte und zustimmend grummelte.

„Richten Sie bitte dem zuständigen Officer meinen Dank aus. Der Parkplatz im Schatten hat die Ladung wahrscheinlich gerettet.", rief sie Remedy zu, die etwas abseits stand, nachdem sie die beiden Ponys zum Stellplatz des Wagens gebracht hatte.

Rogue korrigierte den Sitz des Jochs etwas und stemmte sich versuchsweise gegen das Gewicht des Wagens. Mit einem Grunzen der Anstrengung brachte er das Gefährt auf gut geölter Achse zum Rollen, aber er merkte, dass es kein Einfaches sein würde, den schweren Karren durch die Straßen zu ziehen.

Bei Celestia und Luna!, dachte er, Dieses Monster hat AJ ganz allein den Weg von Ponyville hergezogen. Kein Wunder, dass sie zusammengebrochen ist. Kurz rechnete sich der Hengst seine Chancen aus, den Wagen die selbe Strecke bei dieser Witterung zu ziehen. Rogue bildete sich einiges auf seine Kraft und Ausdauer ein, aber jetzt, da er selbst an diesem Joch zog, wuchs sein Respekt vor Applejack dennoch gewaltig. Ächzend zog er das Gefährt durch das Tor auf die Straße. Mit einem Grunzen brachte er es hinter der Verwahrstelle zum Stehen.

„Spring auf, Mom.", sagte er mit einem Nicken auf die Ladefläche des Karren.

Seine Mutter sah ihn kurz an und schüttelte den Kopf.

„Du hast schon genug zu ziehen, Rogue. Ich komme alleine nach Hause."

Rogue sah sich auf der verwahrlosten Straße um. Wahrscheinlich würde seiner Mutter am helllichten Tag hier nichts passieren, aber sicher war sicher. So sehr er die Vorurteile verabscheute, die gegen dieses Viertel gehegt wurden, er wollte kein Risiko eingehen.

„Bitte, Mom, tu´ mir den Gefallen. Ich lasse dich am Kanterufer raus, das ist kein Umweg für mich. Bitte.", sagte er, während er verlegen mit dem Huf auf dem Kopfsteinpflaster schabte.

Seine Mutter sah ihn kurz an und blickte sich dann in der Gegend um. Ihr Blick streifte die schmutzigen Straßen, die vernachlässigt aussehenden Ponys, Zebras und die wenigen Greifen, die auf den Bürgersteigen herumlungerten. Sie zögerte immer noch, doch dann senkte sie den Blick und sprang auf die Ladefläche zu den Wannen mit Äpfeln.

„Wenn es keinen Umweg bedeutet..."


Es war gegen halb Drei, als Rogue den schweren Wagen schnaufend durch das hölzerne Tor der Budcider Brewing Compony zog. Die feuchte Kühle des hohen Fabrikgebäudes war eine Wohltat nach der Hitze der manehattaner Straßen. Die Lieferhalle war bis auf einige verwaiste Karren leer. Ein schwacher Duft nach vergorenem Apfelsaft hing in der Luft. Rogue zog den Apfelkarren zu einem leeren Stellplatz vor einer Lieferrampe im hinteren Teil der Halle und befreite sich vom schweren Joch. Nachdem er sich kurz umgesehen hatte und niemanden sah, den er ansprechen konnte, klopfte er laut mit dem Vorderhuf auf den Steinboden.

Nach weniger als einer Minute streckte ein dunkelbrauner Hengst seinen Kopf durch eine der Türen, die wahrscheinlich zur nächsten Halle führten. Er stutzte kurz als er den Wagen sah und trat dann auf die Lieferrampe. Er trug einen weißen Kragen mit roter Fliege um den Hals, sein Horn ragte aus der penibel gestriegelten Mähne heraus. Er sah kurz zur großen Uhr über dem Ausgang zur Straße und ließ dann ein Klemmbrett aus einer kleinen Satteltasche an seiner Seite levitieren.

„Guten Tag. Sie bringen eine Ladung Äpfel für uns?", fragte er, während sein Blick zwischen der Ladung und seinem Klemmbrett hin und her sprang.

Nein, ich wollte drüben im McDoubler was essen und dachte, das wäre die Parkgarage, dachte Rogue ironisch.

„Frisch aus Sweet Apple Acres, Sir! Rot, reif und saftig!", sagte er laut.

Das braune Einhorn trotte zum Wagen, während Rogue mit den Zähnen die frisch angefeuchtete Plane zur Seite zog. Das Pony der Warenannahme ließ einen der Äpfel vor sich levitieren und betrachtete ihn kritisch. Nach der eindringlichen Begutachtung nahm er einen kräftigen Bissen und kaute hingebungsvoll, während er nachdenklich zur Decke sah.

„Volles Aroma, mit leichter Süße. Der Saftgehalt ist im unteren Drittel, wahrscheinlich etwas überlagert. Knapp B-Ware. Uns waren Äpfel der A-Klasse versprochen. Und zwar schon gestern." Das Einhorn warf Rogue einen missbilligenden Blick zu.

„Tut mir leid, aber unter diesen Umstände bleibt uns nichts anderes übrig, als die Bezahlung für die Lieferung um die Hälfte zu reduzieren. Die Qualität der Ware entspricht nicht dem Vertrag.", sagte er und machte eine Notiz auf seinen Papieren.

Rogue klappte die Kinnlade nach unten.

„Wa-Was? Aber... Applejack hat sich selbst ins Krankenhaus gebracht, um diese Lieferung hierher zu bringen! Sie hat die ganze Ladung selbst nach Manhattan gezogen! Die Eisenbahn steht still!", rief er ungläubig aus.

Das Einhorn sah ihn über den Rand seines Klemmbrettes an.

„Nun... das ist bedauerlich, aber Vertrag ist Vertrag. Die Qualität der Äpfel ist nicht wie vereinbart. Sie können froh sein, dass wir die Ladung überhaupt annehmen. Der halbe Preis ist für Sie noch ein gutes Angebot. Guten Tag.", sagte der Warenbeauftragte und dreht sich um zum Gehen.

Rogue bleib zurück und blähte die Nüstern, als die Wut in ihm hochstieg. Die ganze Arbeit, die Anstrengung, nicht nur für ihn, sondern auch für seine Mutter und Applejack... Applejack.

Das Einhorn dreht sich erstaunt um, als Rogue fest mit dem Huf aufstampfte. Das junge Erdpony sprang auf den Karren und von dort auf die Lieferrampe. Mit einem kurzen Galopp hatte er das Einhorn der Fabrik gegen die Wand gedrängt und legte einen Huf auf dessen Brust. Der Angestellte der Brauerei ließ das Klemmbrett aus seiner Levitation fallen und sah Rogue erschrocken an, als er gegen die Mauer gepresst wurde.

„Nein!", schrie Rogue dem Einhorn ins Gesicht, das erschreckt die Augen zusammenkniff. Er ist so viel kleiner als ich, dachte Rogue erschrocken, als er auf das verschreckte Pony vor ihm blickte. Schnell nahm er seinen Huf von dessen Brust und trat einen Schritt zurück. Das Einhorn öffnete seine Augen, dennoch zitterte es in einem Anflug von Furcht.

„Nein.", sagte Rogue in ruhigerem, aber bestimmten Tonfall. „Sie werden den vollen Preis für die Ladung bezahlen."

Das Pony von der Warenannahme beruhigte sich etwas. Er schüttelte kurz den Kopf, um den Schreck abzuschütteln und sah dann Rogue mit einem wütenden Blick an.

„Was erlauben Sie sich? Das ist ein unmögliches Benehmen! Nehmen Sie die Ladung und verschwinden Sie!"

Rogue ging ein Stich durchs Herz. Warum war er das Einhorn so angegangen? Warum war er so aufgebraust? Das passte gar nicht zu ihm! Er hatte nur... er hatte nur seine Mutter stolz machen wollen... und Applejack. Sie hatte sich mit dieser Lieferung in Krankenhaus geschuftet. Und jetzt hatte er alles vermasselt. Nur aus Angst... Angst... Angst zu versagen. Wie eine sich selbst erfüllende Prophezeiung.

Er ließ den Kopf sinken.

„Es t...tut mir leid. Ich weiß nicht was in mich gefahren ist. Bitte... Bitte nehmen sie die Ladung an. Ich bin mit dem halben Preis einverstanden."

Das Einhorn drehte sich zu ihm um und betrachtete ihn eine Weile. Dann nickte es langsam.

„Also gut. Ich werde über Ihr unmögliches Betragen noch einmal hinwegsehen." Der Einhorn-Hengst schrieb kurz etwas auf seinem Klemmbrett und levitierte dann einen Zettel zu Rogue.

„Das ist die Quittung. Sie können die Bezahlung in der Zahlstelle abholen." Dann drehte er sich um und ging.

Rogue zog den leeren Wagen aus der Fabrikhalle, nachdem mehrere Ponys und Zebras die schweren Wannen mit Äpfeln ausgeladen hatten und die leeren Behälter zurück auf den Karren gestapelt hatten. Das junge Rettungspony hatte hilflos mit ansehen müssen, wie der Zeiger der großen Fabrikuhr immer näher zum Beginn seiner Schicht in der Rettungswache kroch. Fast hatte es den Anschein, als würden sich die Arbeiter extra viel Zeit lassen, den Wagen zu entladen. Das stoische Gesicht des dunkelbraunen Einhorns von der Warenannahme, das jede einzelne Wanne auf seinen Dokumenten abzeichnete, verstärkte diesen Eindruck nur.

Kaum auf der Straße, stemmte sich Rogue in das nun wesentlich leichtere Joch des entladenen Karrens. Die Wache war nicht weit entfernt und er konnte es knapp bis zum Beginn seiner Schicht schaffen, wenn er richtig Gas gab. Mit entschlossener Miene nahm er Fahrt auf.

Den Kanterweg hinauf, bis zur Schimmelkant. Der Schweiß ran ihm in Strömen hinab, als er die Steigung im Galopp bewältigte. Auf der Trabchaussee scherte er aus und überholt die langsameren Gespanne im Vorfeierabend-Verkehr. Die schwüle Luft der Stadt stand, aber die Geschwindigkeit ließ seine Mähne fliegen und verschaffte ihm ein wenig Linderung. Noch zwei Straßen und er war an der Wache, er konnte es schaffen...

Das schrille Pfeifen einer Polizeipfeife hinter ihm ließ ihn abrupt abbremsen. Schlitternd kam er auf der Straße zum stehen. Wie, um Celestias Willen, dachte er, kann dieser Tag noch schlimmer werden?


Das junge Rettungspony stemmte sich gegen das Gewicht der Ponyambulanz und kam mit schlitternden Hufen vor dem Wohnhaus zum stehen. Rogue schüttelte sich den Schweiß aus der Mähne und sah an der Front des großen Gebäudes hoch. Die Sonne hing tief und schickte ihre letzten, sengenden Strahlen über das Dach des Hochhauses. Trotter sprang von der Ladefläche der Ambulanz und folgte Rogue´s Blick.

„Warum muss es immer ganz oben sein?", fragte das grüne Einhorn seinen Kollegen in genervten Tonfall. Dann nickte er in Richtung des Hauseingangs.

„Wollen wir?", fragte er mit einem ironischen Lächeln. Trotter hatte von der Leitstelle mittels der Magie seines Horn den Einsatzbefehl erhalten. Ein Code 712 – Psychischer Ausnahmezustand – bei einem heranwachsenden Füllen. Kein Grund zu trödeln, sicher, aber kein Einsatz auf Leben und Tod. Rogue schwang sich seine Ausrüstungstaschen auf den Rücken und folgte seinem erfahrenen Kollegen in das Treppenhaus. Trotter blickte die scheinbar endlosen Windungen der Treppen hinauf und seufzte. Dies war ein altes Gebäude in einer der eher unvorteilhaften Bezirke von Manehattan. Keine magisch betriebenen Aufzüge für schwer beschäftigte Rettungsponys. Trotter murmelte etwas wie: „Ich bin zu alt für diesen Quatsch.", während er den langen Aufstieg begann. Rogue trottete hinter ihm die vielen Stufen hinauf, still und selbstvergessen, wie seit dem Anfang der Schicht. Fünfzehn Stockwerke vor ihnen. Viel Zeit um nachzudenken.

Nachdem ihn die Ponypolizei angehalten und einen saftigen Strafzettel für überhöhte Geschwindigkeit verpasst hatte, war jede Hoffnung, rechtzeitig zum Dienstantritt zu erscheinen, vergebens gewesen. Mit gut fünfzehn Minuten Verspätung parkte Rogue den leeren Apfelkarren in der Nähe der Wache und legte die wenigen Meter bis zur Wache im Galopp zurück. Trotter war bereits damit fertig, die Ausrüstung der Ponyambulanz zu überprüfen und unterhielt sich mit Sweetsnack. Das dunkelbraune Erdpony aus der Frühschicht war länger geblieben, um im Notfall mit Trotter rauszufahren, sollte Rogue nicht rechtzeitig auftauchen. Als dieser endlich mit frischer, weißer Weste vor ihm stand und zu einer Entschuldigung ansetzte, schnaufte Sweetsnack nur abfällig und ging an Rogue vorbei um sich umzuziehen. Rogue wollte ihm noch hinterher rufen, aber die große Messingglocke schrillte bereits wieder und Trotter sprang auf den Wagen.

„Na los, Junge. Genug herum getrödelt.", sagte er. Rogue spannte sich pflichtbewusst an den Karren und rollte aus der Rettungswache.

Zwei Hitzeanfälle, eine Karambolage auf der Rennbahn und ein Herzinfarkt im Altenheim ließen die beiden Rettungsponys kaum zur Ruhe kommen, bevor die langsam untergehende Sonne etwas Linderung von den drückenden Temperaturen des Mittags brachte. Aber Manehattan war immer noch unruhig und weit davon entfernt sich schlafen zu legen. Es gab immer noch ein Pony mehr da draußen, das ihre Hilfe brauchte.

Der Tag lastete schwer auf Rogue. Nicht nur die harte Arbeit in den starken Hitze machte ihm zu schaffen, auch sein Verhalten in der Brauerei ging ihm nicht aus dem Kopf. Je länger er darüber nachdachte, umso dümmer kam ihm sein Verhalten vor. Die Lieferhalle war nicht umsonst praktisch leer gewesen. Die hohen Temperaturen und der fehlende Zugverkehr hatten sicherlich auch der Budcider Brauerei zugesetzt. Sie waren wahrscheinlich froh, das überhaupt ein Lieferung angekommen war. Wäre er sachlich geblieben, hätte er eine kühlen Kopf bewahrt, er hätte sicherlich zwei Drittel, wenn nicht sogar den vollen Preis für die Ladung heraushandeln können. Er hatte Applejack so dringend helfen wollen... Sie war seine Cousine, seine Familie und sie hatte seine Hilfe dringend nötig gehabt. Dafür war Familie doch da, oder? Dass man sich auf sie verlassen kann, dass sie da ist, wenn man sie braucht.

Es war falsch gewesen, sich auf ihn zu verlassen. Er hatte Applejack enttäuscht und den Rest der Familie auch. Es war hart und es schmerzte, sich das einzugestehen. Doch darunter... tiefer unter der Schuld den Familienbanden gegenüber... wog das Gefühl einer verpassten Chance, einer zerstörten Hoffnung fast noch schwerer.

Rogue wusste nicht, was genau er sich noch davon erhofft hatte, AJ zu helfen. Es war ein schwer zu entwirrender Ball aus Emotionen, tief in seinem Herzen. Er selbst als der Retter in der Not. Seine Familie, die er stolz machen konnte. Applejack die sich freute, zu was für einem tollen Kerl er herangewachsen war, seit sie sich das letzte Mal gesehen hatten. Das vielleicht zwischen ihnen alles wieder so werden könnte, wie es früher war... beste Freunde.

Wie Naiv. Rogue schüttelte den Kopf und schluckte den Kloß in seinem Hals hinunter. Es waren dumme Gedanken gewesen, vor allem der letzte. Die leise Stimme seines jüngeren Ichs, ein kleines, hoffnungsvolles, trauriges Fohlen. Zwischen ihm und diesem Füllen lagen mehr als zehn Jahre. Genug Zeit um erwachsen zu werden und mit dem Träumen aufzuhören. Er hatte einen Fehler gemacht und würde dafür die Verantwortung übernehmen.

Trotter schnaufte wie ein Blasebalg, als sie endlich den Absatz zum letzten Stock erklommen. Er schlang einen Huf um das Geländer um sich festzuhalten und versuchte erstmal wieder zu Atem zu kommen.

„Zu viele... verdammte... Stufen. Geh schonmal... los. Ich... komme gleich."

Rogue nickte und stapfte in den dunklen Flur der Wohnetage. Eine der Wohnungstüren stand offen und das besorgte Gesicht einer Stute lugte hinaus. Als sie Rogues Weste und Satteltaschen sah, seufzte sie erleichtert und hielt ihm die Tür auf.

„Oh, endlich sind Sie da. Kommen Sie bitte herein.", sagte sie und trottete einen Schritt zurück, als Rogue in die Wohnung trat.

„Guten Tag, mein Name ist Runner, von der Manehattan Central Ambulance. Lassen Sie die Tür ruhig offen, mein Kollege kommt gleich. Wie können wir Ihnen helfen?"

Die weiße Erdstute mit dunkelroter Mähne, noch jung für eine Mutter, unterdrückte kurz ein Schluchzen und wischte sich mit einem Huf über das Gesicht.

„I... ich bin Velvet Blossom, Mister Runner. Es... es geht um meinen Sohn, Pear. Er ha... ha... hat sich im Bad eingeschlossen und weigert sich herauszukommen. Er... hat so schreckliche Dinge gesagt...", die letzten Worte gingen in Tränen über, als die Stute sich nicht mehr beherrschen konnte und leise zu weinen begann.

Rogue betrachtete die in Tränen aufgelöste Mutter einen Moment lang hilflos, dann legte er vorsichtig einen Huf auf ihre Schulter und streichelte sie beruhigend.

„Alles gut, Misses Blossom. Wir sind ja jetzt da. Ich bin mir sicher, wir kriegen das wieder hin.", sagte er in sanften Tonfall.

Die weinende Stute schlang plötzlich ihre Vorderläufe um seinen Hals und ließ ihren Tränen freien Lauf, während ihre Schultern von tiefen Schluchzen erschüttert wurden. Etwas erschreckt tänzelte Rogue zurück, die Stute hielt ihn aber in ihrer Umarmung.

„Er... er hat gesagt, er will nicht mehr leben! Er will sich das Leben nehmen! Oh, bei Celestia, wie kann er das sagen? Nach allem, was ich für ihn getan habe! Nach allem, was wir wegen seinem Vater durchgemacht haben! Und jetzt... jetzt da es endlich besser für uns wird...", sagte sie, bevor ihr hemmungsloses Schluchzen ihr wieder die Sprache nahm.

Rogue streichelte ihr hilflos den Rücken und wartete, bis der Anfall langsam abebbte. Hinter ihm trat Trotter in die Wohnung, immer noch schwer atmend.

„Schh, schh. Ist ja gut, ist ja gut, ganz ruhig.", redete er beruhigend auf die Stute ein. Langsam ließen die Tränen nach und das Schluchzen verebbte. Schließlich löste sich die junge Mutter aus seiner tröstenden Umarmung und trat einen Schritt zurück.

„Es... es tut mir leid.", sagte sie und wischte sich die Augen trocken.

„Bitte, kommen Sie doch herein.", begrüßte sie in etwas gefassterem Tonfall Trotter und führte die beiden Rettungsponys ins große Wohnzimmer. Rogue war für einen kurzen Augenblick von der überwältigenden Aussicht aus dem Panoramafenster wie gebannt. Unter ihnen breiteten sich die Gebäude der Lower East Flank aus, bis zum schimmernden Ozean. Die Freundschafts-Statue in der Bucht reckte ihre bronzene Fackel in die untergehende Sonne. Egal wie schlecht die Gegend hier war, diese Aussicht alleine machte diese Wohnung zu etwas besonderem. Es gab sogar einen Balkon, von dem aus man wahrscheinlich über die ganze Halbinsel blicken konnte.

Rogue löste sich von dem atemberaubenden Ausblick und sah sich weiter in der Wohnung um.

Das Wohnzimmer war bis auf die Möbel fast gänzlich kahl und wirkte seltsam unbewohnt. Herumstehende Umzugskartons wiesen darauf hin, das Ms. Blossom und ihr Sohn noch nicht lange hier lebten.

„Kann ich Ihnen etwas zu trinken anbieten?", fragte die Wohnungsinhaberin und trottete in die Küche nebenan. Trotter warf seinem Kollegen einen kurzen Blick zu.

„Kannst du das Füllen übernehmen? Ich kümmere mich um die Mutter.", fragte das grüne Einhorn leise. Rogue nickte zustimmend.

„Wenn es Ihnen keine Umstände macht, hätten wir gerne etwas Tee, Ms. Blossom.", rief Trotter und folgte der jungen Stute in die Küche. Rogue wandte sich der Tür am Ende des Flures zu. Die Milchglasscheiben und die Tatsache, dass es die einzige geschlossene Tür in der Wohnung war, gaben ihm genug Hinweise. Leise klopfte er an das Holz.

„Pear? Bist du da drin?"

Leises Schluchzen und ein Schniefen antwortete ihm.

„Wer ist da?", klang die traurige Stimme eines jungen Fohlens durch die Tür.

„Ich bin Rogue, von den Rettungsponys. Deine Mom hat uns gerufen, weil sie sich Sorgen um dich macht.", sagte Rogue und lauschte angespannt gegen das weiß lackierte Holz.

„Ge...gehen sie weg. Ich will sie hier nicht.", antwortete es nach einigen Sekunden. Ein unterdrücktes Schluchzen folgte.

„Pear, willst du mich vielleicht hereinlassen? Vielleicht kannst du mir dann erzählen, warum du so..."

„Nein! Lass mich in Ruhe! Ich will niemanden! Lass mich alleine!", schrie das Fohlen aus dem Bad.

Rogue biss sich auf die Lippen.

„Ok, du brauchst die Tür nicht aufzusperren, wenn du nicht willst. Ich... Ich will einfach nur wissen, wie es dir geht."

Weiteres Schluchzen war durch die Tür zu hören. Es bekam durch die gefliesten Wände des Bades einen eigenartigen, hohlen Ton.

„Wie soll es mir denn gehen? Mei... mein D-Dad..." Die Stimme des Fohlens brach. Pear atmete heftig und schniefte, dann fuhr er fort. „Mein Dad hat mir gesagt, dass ich ihn n-nicht mehr sehen kann. Meine Mom und er haben sich zu oft gestritten und... und jetzt ist er fort. I...ich habe gedacht, dass es jetzt besser werden würde, weil Mom und Dad sich nicht mehr streiten können und sie vielleicht... Aber es ist nichts besser geworden!" Pears Stimme war vom Weinen rau, als er mit dem letzten Satz seinen Kummer heraus schrie. „Mom weint die ganze Zeit! Und wenn ich versuche mit ihr zu reden, weint sie nur noch mehr!" Die Stimme des Fohlen bekam etwas schrilles, als sie vom Schreien umschlug. Dann war da nur noch leises Wimmern. Der Laut brach Rogue fast das Herz. Er wollte gerade zum Sprechen ansetzen, als Pear fortfuhr. „Ich kann mit niemanden mehr reden. A... alle meine F-Freunde sind auf der Westflank. Ich kenne hier niemanden. Ich... Ich bin ganz alleine..."

Rogue ging ein Stich durchs Herz. Lenk´ ihn ab, lenk´ ihn ab!, ermahnte er sich im Stillen.

„Wie alt bist du, Pear?"

Nur Schluchzen antwortete ihm. Als er bereits zu einer neuen Frage ansetzen wollte, kam ein leises „Dreizehn.", aus dem Bad.

Das junge Rettungspony musste trotz der Situation kurz lächeln. „Dreizehn. Weißt du, ich kann mich noch einigermaßen gut daran erinnern, wie ich Dreizehn war.", sagte er. „Wenn man anfängt erwachsen zu werden. Wenn man anfängt die Welt mit anderen Augen zu sehen. Wenn man anfängt klug genug zu sein, um wirklich zu verstehen, was um einen herum passiert. Die meisten Erwachsenen sagen, das man in einer ´schwierigen Zeit´ ist. Hast du das schon mal gehört, Pear?" Rogue drückt sein Ohr gegen das Holz der Badezimmertür.

„Ja.", klang es leise von drinnen.

„Ja? Ich glaube nicht, dass du plötzlich ´schwierig´ geworden bist. Ich glaube eher, dass die Welt für dich ´schwierig´ geworden ist. Plötzlich werden die Dinge kompliziert und es ist nicht mit ein paar tröstenden Worten und einem großen Eis getan." Rogue stutzte kurz. „Ein großes Eis kann einem über vieles hinweghelfen, vor allem an einem so heißen Tag wie heute. Aber ich glaube, dass du inzwischen weißt, dass es nicht alles wieder gut machen kann, oder?", wieder ein angestrengtes Warten, dann ein leises „Nein. Nein, sicher nicht."

„Das Problem ist: Du fängst an zu begreifen, dass dir Dinge zustoßen können, die nicht nach einiger Zeit und einer großen Kugel Eis wieder irgendwie ins Lot kommen. Aber du weißt noch nicht, wie du damit umgehen sollst. Du siehst noch keine Möglichkeit damit fertig zu werden. Kein Licht am Ende des Tunnels. Und deshalb denkst du, es wird ewig so weitergehen, alles was dich bedrückt, was dich traurig macht und was dir Schmerzen bereitet, wird immer so bleiben, so wie es ist."

Pears Stimme bekam etwas wütendes, als er antwortete. „Was soll sich den ändern? Ich bin kein kleines Fohlen mehr! Ich weiß, dass mein Dad nicht wieder zurückkommen wird. N-N-Nicht nach dem was er zu Mom gesagt hat..." Rogue konnte hören, wie Pear wieder in Tränen ausbrach. "I... ich will einfach nur, dass alles so ist wie früher. Ich will meinen Dad und meine Mom und ich will meine Freunde..."

„Pear...", Rogue atmete tief durch. Um sich zu beruhigen und um den Knoten herunter zuschlucken, der sich in seinem Hals gebildet hatte. „Pear, ich... Ich kann dir nicht versprechen, dass alles wieder ins Lot kommt. Manchmal stoßen uns schlimme Dinge zu, ohne dass wir etwas dafür können oder etwas dagegen unternehmen können." Er klopfte sanft gegen die Tür des Badezimmers.

„Soll ich dir ein Geheimnis verraten?", flüsterte er.

„Das Geheimnis ist, dass wir alle, egal wie alt und erwachsen wir sind, wir alle haben unsere dunkle Stunde." ,Nein!´, schrie er dem Einhorn ins Gesicht, das erschreckt die Augen zusammenkniff. „Dinge, die wir gesagt haben und bereuen. Dinge, die wir gerne anders gemacht hätten. Aber auch Dinge die außerhalb unserer Kontrolle lagen und die trotzdem furchtbar schief gegangen sind. Pear, Ich habe diese Lektion auch erst lernen müssen und es ist nie leicht oder einfach, aber es gibt einen Grund warum wir nicht einfach aufgeben. Wenn wir da unten liegen, tief in unserem Loch und denken, dass wir nirgendwo ein Licht mehr sehen können, brauchen wir nur den Kopf heben und sehen hoch über uns die Sonne leuchten. Denn egal, wie tief das Loch ist, in dem wir sitzen, sie scheint da oben immer noch. Nur weil sie gerade nicht auf uns scheint, heißt nicht das es sie nicht mehr gibt. Glaubst du mir, Pear?"

„Ich... ich... sehe keine Sonne.", kam es erstickt von drinnen.

„Also gut, Pear. Ich werde dir die Sonne zeigen." Rogue schloss die Augen und atmete tief durch. „Pear. Leg bitte deinen Huf auf deine Brust, etwas links von der Mitte, dort wo dein Herz ist." Rogue legte seinen eigenen Huf auf seine Brust und hoffte, dass Pear es ihm nachtat. „Spürst du das? Wie gleichmäßig es schlägt? Wie fest und kraftvoll es sich anfühlt? Du kannst hören, wie es dein Blut durch deinen Körper pumpt, wenn du ganz leise bist." Rogue hörte es. Er hörte das leise Rauschen von Leben, wie es jeden Zentimeters seines Körpers durchströmte. „Es schlägt schon dein ganzes Leben lang, jeden Tag, jede Nacht. Das ist das Geheimnis, Pear. Wenn du die Sonne nicht mehr sehen kannst, dann horche in dich hinein. Solange du dein Herz hören kannst, solange gibt es eine Sonne da draußen für dich. Und deine Mom und deinen Dad. Es ist ein so leises Geräusch, das wir es manchmal überhören und sogar vergessen, dass es da ist. Dabei begleitet es uns unser ganzes Leben. Es ist das Geräusch von... von... Hoffnung."

Ein Schniefen von jenseits der Tür. Pear räusperte sich und fragte leise: „U... und...und wie soll mir das helfen, Rogue?"

Das Rettungspony kniff die Lippen zusammen. Ja, ein gute Frage, oder?

„Ich hoffe, es hilft dir weiterzumachen. Ich... Du hast mir erzählt, wie viel du in letzter Zeit verloren hast, und du hast allen Grund dazu, traurig zu sein. Aber du darfst nicht verzweifeln. Das ist der Grund, warum ich dir das erzählt habe. Du hast immer noch viel vor dir, ich glaube das weißt du. Es kann niemand mit den Huf klopfen und alles wieder zurechtrücken. Aber... Aber..." Rogue seufzte. Dann schloss er die Augen und lehnte seinen Kopf gegen die kühle Badezimmertür. „Kannst du dich erinnern, wie es ist, nach einem langen Winter das erste Mal die warme Sonne auf dem Pelz zu spüren? Nach Monaten grauer Schneewolken, Kälte und klammer Hufe? Erinnerst du dich? Es... wird eines Tages genauso sein, bitte glaube mir. Dafür... dafür lohnt es sich."

„I... ich habe Angst.", sagte Pear zitternd.

„Ich glaube dir. Aber du hast jemanden, mit dem du diese Angst teilen kannst." Rogue hob seinen Kopf von der Tür und klopfte noch einmal dagegen. „Ich glaube, dass deine Mutter deinen Schmerz und deinen Verlust teilt. Egal, wie viel ihr verloren habt, sie braucht dich jetzt ebenso wie du sie brauchst. Damit ihr zusammen wieder die Sonne sehen könnt. Und vielleicht wartet da draußen ja noch ein dicke Kugel Eis auf euch beide. Eis hilft nicht viel, aber es macht vieles um einiges... erträglicher. Vor allem an einem Tag wie heute. Oder was meinst du?", fragte er mit einem Lächeln in seiner Stimme. Gespannt drückte er ein Ohr gegen die Badezimmertür. Von drinnen war leises Weinen zu vernehmen.

Leise drehte sich Rogue um und ging heimlich zurück ins Wohnzimmer und von dort in die Küche. Trotter und Ms. Blossom saßen sich am Küchentisch gegenüber und tranken Tee aus dem feinen Geschirr des Haushaltes, das Gesicht der Stute immer noch gerötet von Tränen. Ein drittes Gedeck war für Rogue vorbereitet, die Tasse noch leer, die Kanne dampfend.

„Ms. Blossom, ich würde Sie bitten, noch einmal mit Ihrem Sohn zur reden. Ich denke, ich habe ihn etwas herunterbekommen, aber jetzt sollte seine Mutter mit ihm..."

Das Klicken eines Schlüssels im Schloss. Das Trappeln kleiner Hufe auf dem Holzboden der Wohnung. Rogue´s Kopf ruckte herum. Pear, ein hellbraunes Erdponyfohlen, galoppierte mit wehender, fliederfarbender Mähne auf die offene Balkontür zu, die blauen Augen tränenverschmiert.

Rogue stemmte seine Hufe so fest in den Boden, dass in dem polierten Holz Abdrücke zurückblieben. Ein gewaltiger Satz trug ihn durch das halbe Zimmer. Seine Hufe suchten auf dem losen Teppich vergebens um Halt, während sein starkes Gebiss versuchte den wehenden Schweif des Fohlens zu packen. Doch Pear war zu schnell. Rogue krachte schmerzhaft in die Rückseite der Couch. Verzweifelt versuchte er wieder Momentum aufzunehmen, doch der Teppich unter ihm rutschte weg. Nur mit Mühe gelang es Rogue auf den Hufen zu bleiben. Dann griffen seine Vorderläufe ins Holz und katapultierten ihn nach vorne, durch die Balkontür.'

'Nein!', schallte es durch seinen Kopf. Das Füllen hinter der Balustrade, die Mähne wehend, der Schweif ausgestreckt, das Panorama Manehattans in der untergehenden Sonne...

Seine kräftigen Zähne bekamen einige Strähnen des Schwanzes zu fassen.