Disclaimer: Ich habe keinerlei Rechte an der Geschichte, was den Inhalt von Hasbro´s My Little Pony: Friendship is Magic anbelangt. Abgesehen von meinem OC ist alles deren Eigentum.
Anmerkung des Autors: In diesem Kapitel kommen französische Sätze vor. Die Übersetzung findet ihr am Ende des Kapitels, nach Nummern geordnet.
Kapitel 5: Ein Picknick am Rande des Weges.
Rogue parkte den Wagen der Ambulanz in der Garage der Wache und schälte sich aus dem Geschirr. Erschöpft streckte er sich und gähnte. Die lange Nacht steckte ihm noch in den Knochen, aber es war noch so viel zu tun...
Er grüßte müde Coal, seine Ablösung. Der kastanienbraune Pegasus-Hengst mit der azur-schwarz gefleckten Mähne war ein echter Paradiesvogel unter den Zugponys der Wache. Er hatte aufgrund eines Unfalls in seiner Jugend einen Flügel verloren und konnte deshalb nicht mehr fliegen. Trotz dieser Behinderung hatte er es zu den Rettungsponys geschafft. Sein für einen Pegasus ungewöhnlich kräftiger Körperbau hatten ihm sicherlich dabei gute Dienste geleistet. Aber Rogue kam nicht umhin sich zu fragen, was aus ihm geworden wäre, wenn ihm das Schicksal nicht so übel mitgespielt hätte.
Er streifte seine Weste ab und verstaute sie in seinem Spind. Er würde noch schnell unter die Dusche hüpfen und dann die improvisierte Ambulanz beladen. Noch ein kurzer Abstecher zu einem Stuff&Goods um Vorräte einzukaufen, dann konnte er Applejack aus dem Krankenhaus abholen.
„Rogue! Besuch für dich!", rief Coal durch die Garage. Rogue wandte überrascht den Kopf und blickte zum Tor. Er schloss seinen Spind und lief nach vorne. Seine Mutter, Apple Flavour, stand am Eingangstor der Wache und blickte ihn liebevoll an. Das Licht der aufgehenden Sonne leuchtete auf ihrem eleganten Kleid und dem weiten, weißen Hut den sie trug. Als Rogue auf sie zutrat, zögerte sie nicht und zog ihn in ein feste Umarmung.
„Mom, was... was machst du hier?", brachte Rogue schließlich hervor, während er die Umarmung erwiderte.
„Ich habe dein Telegramm erhalten. Rogue... Ich bin so stolz auf dich. Ich bin so froh... das mit dir und Applejack alles so gut ausgegangen ist. Du hast dich für sie eingesetzt, wie es sich für die Apple-Familie gehört." Sie ließ ihn los und schenkte ihm eine strahlendes Lächeln. „Dein Vater lässt dich auch grüßen. Er konnte leider nicht hier sein, du weißt, seine Arbeit...", sie sah kurz zur Seite und errötete. „Aber lass dir sagen, das er trotzdem sehr stolz auf dich ist. Er wünscht dir viel Glück und... er wünscht dir viel Glück." Sie beendete den Satz, ohne ihm in die Augen zu sehen.
Rogue ging ein kurzer Stich durchs Herz, als er sah, wie seine Mutter versuchte das Offensichtliche vor ihm zu verbergen. „Sag ihm bitte meinen Dank. Ich... Ich komme euch bald besuchen. Ich bin in einer Woche wieder zurück und habe dann etwas Urlaub, also können wir zusammen etwas unternehmen."
„Nein!", rief seine Mutter sofort aus, hob aber sofort einen Huf vor ihren Mund, fast als ob sie das Wort wieder zurückstopfen wollte. „Es... Es tut mir leid, Rogue. Wir würden uns freuen... aber bitte glaube mir, du musst dich wegen uns nicht beeilen. Ponyville... Es ist so ein friedlicher Flecken. Vielleicht erlaubt dir Applejack ein paar Tage dort zu verbringen. Ich würde es dir wünschen... Ich weiß, dass du mir vielleicht nicht glaubst, aber du wirst es verstehen, wenn du dort bist." Seine Mutter schniefte unterdrückt und Rogue sah die Feuchtigkeit in ihren Augenwinkeln.
„Mom... ist alles in Ordnung mit dir?", fragte er besorgt.
Apple Flavour wischte sich kurz über das Gesicht. „Es... Es ist nur ein wenig Heimweh. Oh, verflixt, ich dachte das wäre lange vorbei." Sie sah in tapfer an und mühte sich ein Lächeln ab um ihn zur beruhigen.
„Mom, was ist los? Bitte sag es mir, es lässt mir sonst keine Ruhe."
Seine Mutter wich seinem Blick aus und sah verlegen zur Seite. Dann seufzte sie. „Ich habe gehört, was passiert ist, Rogue. Bitte... Ich wollte dir nicht hinterherstöbern, aber ich wollte wissen, wie es mit Applejack weitergeht. Ich habe Trotter auf den Zahn gefühlt und habe ihn ausgehorcht. Über Applejack konnte er nicht viel sagen, aber er hat mir erzählt... ich weiß alles was passiert ist und... oh, es tut mir so Leid." Sie kniff die Augen zusammen, während Tränen sich einen Weg über ihr Gesicht suchten.
Rogue stand vor seiner Mutter, die mit ihren Tränen kämpfte. Er war sich den Blicken seiner Kollegen bewusst, die hinter ihm standen. Doch hier und jetzt... scherte er sich nicht darum. Er zog Apple Flavour in eine feste Umarmung, hielt sie fest, um ihr den Halt gegen den Schmerz zu geben den sie für ihn fühlte.
„Es tut mir so Leid, Rogue! I... ich kann nicht im Mindesten verstehen wie sehr es dir weh tun muss. Ich kann nicht verstehen wie es ist, ein Füllen auf... auf so grausame Art und Weise sterben zu sehen. Ich will nur dass du weißt, dass ich und dein Vater für dich da sind, wenn du uns brauchst. Geh nach Ponyville und erhole dich dort. Es ist so ein so schöner Ort in meiner Erinnerung. Und dann... dann komm zurück, wenn alles verheilt ist. Versprich es mir!"
Rogue schluckte, um den Knoten in seinem Hals loszuwerden. Er spürte wie ihm selbst die Tränen in die Augen traten und seine Sicht verschleierten. „Ich verspreche es.", flüsterte er erstickt.
Langsam löste sich seine Mutter aus der Umarmung. Sie zog ein Taschentuch aus ihrer Kleidung und wischte zuerst seine Tränen fort, bevor sie ihre eigenen trocknete. Sie schniefte noch einmal traurig, dann lächelte sie.
„Ich habe euch beiden etwas zu Essen gemacht." Sie drehte sich um und zog zwei prall gefüllte Satteltaschen vor sich. „Birnenkuchen und Karottenbrot. Butter, Marmelade und Heuburger. Du musst sie nur kurz warm machen, aber sie schmecken auch kalt sehr gut. In der großen Dose ist Feldsalat und das scharfe Dressing, das du so magst, ist in der Flasche. Ich habe auch Tee gemacht. Und... Und ich habe eine Tüte mit süßen Nüssen dazugepackt, damit ihr beiden unterwegs etwas zum Naschen habt."
Sie sah zu ihrem Sohn auf. „Pass auf dich auf. Und auf Applejack" Sie gab ihm zum Abschied einen Kuss auf die Wange. „Grüß mir die Familie. Von mir und deinem Vater. Sag ihnen... dass ich sie sehr vermisse und an sie denke."
Rogue stand wie erstarrt dort. Er hatte bis jetzt noch nicht daran gedacht, aber... er würde seine Heimat länger verlassen, als er es jemals zuvor getan hatte. Es mochte nur eine Woche sein (oder vielleicht länger), aber er war sein ganzes Leben hier gewesen, in Manehattan. Die Stadt war so groß, man konnte sein ganzes Leben darin verbringen, ohne etwas zu vermissen. Es gab ihm unerwartet einen Stich ins Herz. Er schüttelte sich kurz und konzentrierte sich wieder auf das Hier und Jetzt.
„Mom!", rief er aus. Apple Flavour drehte sich am Rande des Platzes noch einmal um und schenkte ihm ein Lächeln, das so voll von Wärme war, wie es nur eine Mutter zustande brachte. Sie winkte ihm noch einmal zu und verschwand dann um die Ecke.
„Ich liebe dich, Mom.", flüsterte Rogue ihr hinterher.
Die Sonne war bereits ein gutes Stück am Firmament hinaufgeklettert, als Rogue seine improvisierte Ambulanz in der Rettungswageneinfahrt des Sacred Hooves parkte. Er stellte sie weit auf der Seite ab, um die Anfahrt für Notfälle freizuhalten und befreite sich von dem Geschirr. Dann schüttelte er sich, um sein Fell in Ordnung zu bringen und seine Muskeln zu entspannen. Als er die Ladung Äpfel ausgeliefert hatte, war ihm bereits aufgefallen, wie ungewohnt die Gewichtsverteilung des Jochs bei diesem Karren für ihn war. Wenn er ihn mehrere Tage zog, würde er sich ein paar schmerzhafte Druckstellen holen, wurde er sich bewusst. Das Joch der Ponyambulanz war wesentlich enger gebaut und gab auch Halt zu den Seiten, um dem Zugpony ein besseres Manövrieren in den engen Straßen zu ermöglichen. Rogue konnte sich noch gut erinnern, wie wund er während seinen ersten Wochen auf der Wache gewesen war. Jetzt hatte er sich schon so daran gewöhnt, dass sich ein normales Joch für ihn ungewohnt anfühlte. Besser, er fragte Schwester Darling nach Salbe für seine Schultern, bevor er und Applejack sich auf den Weg machten.
Schwester Darling... Rogue´s Gedanken wanderten zurück zu dem Moment einen Tag zuvor, als sie ihm... diesen Blick zugeworfen hatte. Er konnte sich noch einigermaßen daran erinnern, wie er während seines Praktikums hier mit ihr zusammengearbeitet hatte. Sie war damals genau wie er dabei gewesen, ihre Ausbildung abzuschließen und arbeitete im normalen Klinikbetrieb mit, bevor sie ihre Abschlussprüfung zur Krankenschwester machte. Sie war... nett zu ihm gewesen und hatte ihm alles gezeigt, als er noch wie ein Fohlen über die Station gestolpert war, ohne sich im geringsten auszukennen. Rogue fragt sich, ob sie schon damals... Er errötete, als er daran denken musste, wie blind er gestern gewesen war. Sie hatte ihm so offensichtlich Avancen gemacht und dennoch hatte es seine Cousine gebraucht, um ihn darauf aufmerksam zu machen. Rogue seufzte. Das war ja nichts neues. Er würde eine Stute, die ihn mochte, nicht einmal erkennen, wenn sie ihn brutal mit einer Hearts&Hooves-Karte verprügeln würde. Bei diesem Gedanken musste er kurz kichern. Na, in diesem Fall vielleicht schon.
Er sah sich kurz um. Es war vielleicht gerade gegen neun Uhr und die Hitze des Tages hielt sich noch Grenzen. Er hatte alle Vorräte an Bord, die er und Applejack für die Fernfahrt brauchen würden, vor allem ein großes Fass mit Wasser. Die Delikatessen von seiner Mom waren in ein feuchtes Tuch geschlagen, das sie hoffentlich frisch halten würde. Alles war bereit... Rogue fällte eine kurze Entscheidung. Er warf noch einen Blick zurück auf den bereitstehenden Wagen, dann galoppierte er los, die Auffahrt hinunter. Er wusste genau den richtigen Laden.
„Guten Morgen, Applejack. Hast du gut geschlafen?"
Rogue trotte in das Krankenzimmer und fand seine Cousine auf dem Bett sitzend vor. Sie hatte ihren Cowboyhut auf und ließ die Vorderläufe über die Kante baumeln. Als sie ihn sah, hellte sich ihre Miene auf und sie sprang auf ihre Hufe. Sofort war sie bei ihm und zog ihn in eine feste Umarmung.
„Rogue! Du has´ es doch noch geschafft. Ich freu´ mich so, das wir uns noch sehn´, bevor ich nach Ponyville zurückgeh´." Applejack ließ ihn los und grinste ihn an. „Du siehst müde aus, Rogue. Ich werd´ sicher auch nich´ mehr lange hier bleib´n. Ich freu mich nur, das wir uns noch so verabschied´n könn´."
Rogue sah sie kurz fragend an, dann klatschte er sich mit einem Huf ins Gesicht. Er hatte Applejack zwar ein Telegramm geschickt, das mit der Verlegung heute alles klappen würde, aber er hatte nicht erwähnt, das er derjenige war, der mit ihr reisen würde.
„AJ, Ich... also... wir müssen uns noch nicht voneinander verabschieden. Ich werde dich nach Ponyville transportieren."
Applejack sah ihn einen Moment ungläubig an, dann glitt ihr Blick betreten zur Seite.
„Was ist? Freust du dich nicht, Applejack? Ähm, Ich... ich hab sogar dafür gesorgt, dass wir deinen Wagen benutzen können!", stieß Rogue besorgt hervor.
Applejack ließ traurig den Kopf hängen.
„Was ist, Applejack? Geht es dir nicht gut? Ich kann die Schwester holen, wenn du dich nicht wohl fühlst!" Rogue war am Rande der Panik. Applejack sollte sich freuen, dass sie endlich nach Hause kam. Was war mit ihr los?
„Nah, Rogue, mir geht es gut. S´nur... S´nur, du hast so viel für mich getan. Du has´ mich da draußen aufgelesen und has´ dafür gesorgt, dass ich nach Hause komm und sogar mit meim Wagen... un´ jetzt fährste mich auch noch nach Hause. Ich... Ich weiß einfach nich, wie ich dir dank´n soll. Ich weiß, dass´ie Familie zusammenhalten muss, aber du has´ schon viel mehr gemacht, als man erwarten könnte. Ich... Ich bin einfach froh so einen toll´n Cousin wie dich zu hab´m." Sie hob den Kopf und blickte ihn mit ihren großen, grünen Augen an.
Rogue stand nur da und sah sie an. Schließlich hob er seinen Huf gegen ihre Schulter.
„Du musst dich nicht schuldig fühlen, Applejack. Ich mache das nicht nur für die Familie. Es stimmt, dass man sich in einer Familie immer helfen sollte, aber... du bist meine Cousine und all das, aber du warst mir einmal sehr wichtig in meinem Leben. Und ich freue mich darauf, etwas mehr Zeit mit dir verbringen zu können, ehrlich."
Applejack erwidert seinen Blick und schniefte dann. „Ah..Also gut. Aber verlang´ bloss nich´ von mir das ich dich denn ganz´n Wech alleine zieh´n lass! Ich bin ein Mädel von Sweet Apple Acres und wir ham unsern Stolz!"
Rogue lachte erleichtert, als Applejack über ihre Vorbehalte hinwegkam und seine Hilfe annahm.
„Na, gut, ausnahmsweise. Aber bitte erzähl meinem Chief nichts davon, dass ich den Patienten den Wagen ziehen lasse." Sie lachten beide und die unangenehme Spannung zwischen ihnen verflog.
„Also, wann könn' wir los? Ich will dich nich hetz´n, aber ich schätz ma, dass es da draußen nich' kühler wird."
Rogue sah sich verlegen um. „Es kann sofort losgehen, AJ, aber ich muss noch kurz was mit Schwester Darling erledigen."
Das brachte ihm ein herzliches Lachen und einen Stoß gegen die Schulter von Applejack ein.
„Dann los, Rogue. S´ nich nett die Stuten warten zu lass´n. Ich werd´ hier auf dich wart´n"
Rogue errötete kurz und lachte etwas gezwungen.
Er fand Schwester Darling im Dienstzimmer, wo sie konzentriert Eintragungen in das Stationsbuch schrieb. Rogue wollte sie nicht stören und verharrte an der Tür. Während er wartete, ertappte er sich dabei, wie er auf ihre Flanke und das Cutie Mark darauf starrte. Auf dem cremefarbenen Fell zeichnete sich eine Spritze ab, auf der ein fliederfarbenes Herz prangte. Es war ein schönes Zeichen... auf der sehr schönen Flanke einer sehr schönen Stute. Rogue rief sich selbst zur Ordnung und zwang seinen Blick in eine andere Richtung. Er hatte kein Recht, so auf die Flanken von Darling zu sehen... egal, wie sehr es ihm gefiel. Er wartete geduldig, bis sie ihre Arbeit beendet hatte und sich mit einem leisen Seufzen zurücklehnte, dann klopfte er leise an den Türrahmen.
Schwester Darling wandte sich ihm zu und ihre Miene erstrahlte, als sie ihn erkannte. „Rouge!", rief sie und hüpfte von ihrem Stuhl.
„Hallo, Schwester Darling. Störe ich Sie gerade?", fragte Rogue, während er sich verlegen hinter dem Kopf kratzte.
Sie gab ihm einen... dieser Blicke. „Ich dachte, wir wären schon beim ´Du´ angekommen, Rogue."
„Oh,... Oh, na klar. Also, ich bin hier um Applejack abzuholen und...", er merkte, wie ihm die Röte ins Gesicht stieg. „Ich habe da etwas gesehen und... Ich... also als ich das gesehen habe, musste ich an Sie denken und... dass ist für Sie... dich! Dich!" Schnell griff er nach hinten in seine Satteltaschen und brachte ein kleines Kästchen mit einer roten Schleife zum Vorschein. Er hielt es ihr mit seinem Mund entgegen und war sehr stolz darauf, sein Zittern unterdrücken zu können.
Ein rötlicher Schimmer von Magie bildete sich um das Kleinod und brachte es von Rogue´s Mund vor das Gesicht von Darling, die es überrascht betrachtete.
„Was ist das?", fragte sie.
Kein noch so heißer Sommer konnte Rogue so sehr schwitzen lassen, wie dieser Augenblick.
„Nun, ich denke, du wirst es öffnen müssen, um das herauszufinden."
Darling warf ihm noch einen neugierigen Blick zu, dann begann sie, die Schleife zu entfernen.
Bitte mag es, bitte mag es, bitte mag es..., rezitierte Rogue im Stillen.
Darling gab einen verblüfften Laut von sich, als sie den Deckel der Schachtel anhob und hineinsah.
„Was ist das?", fragte sie wieder, aber ihre Augen hafteten auf dem Geschenk im inneren des Kästchens.
„Es ist eine Brosche. Und eine Uhr! Damit... Damit Sie immer wissen, was die Zeit geschlagen hat...ha.", die letzte Silbe war kaum mehr als ein hauchen von Rogue.
Darling levitierte das Schmuckstück aus seiner Verpackung und betrachtete es noch einen Moment genauer. Das kleine Ziffernblatt, in Silber eingefasst, wurde von einer kleinen, steifen Schleife gekrönt, das die selbe rote Farbe wie die hellen Streifen in ihrer Mähne hatte. Es war verkehrt herum angebracht, so dass ein Pony, dass es an der Brust trug und hinabsah, dennoch die Zeit richtig ablesen konnte. Die Brosche schwebte langsam zu Darling und heftete sich an ihre strahlend weiße Schwesternuniform. Sie sah an sich hinunter. Dann hob sie den Kopf und trat auf Rogue zu.
„Ich weiß gar nicht, was ich sagen soll, Rogue. Das... das ist ein so schönes Geschenk. Vielen Dank."
Rogue sah in ihre großen grünen Augen - die selben Augen wie Applejack. Wieso kommt dir jetzt dieser Gedanke?, schoss es durch seinen Verstand und konnte er nicht anders, als verlegen weg zu sehen.
„Ach, es ist nichts. Ich musste nur an dich denken, als ich es sah. Es freut mich, das es dir gefällt. Ich... muss jetzt meine Cousine abholen.", betreten sah er zu Boden.
„Ja, ich habe gehört, dass sie verlegt wird. Ich hätte nicht gedacht, dass du es bist, der sie verlegt. Wann wirst du zurückkommen?"
„Ah, ich... Ich denke, dass ich in einer Woche wieder hier bin. Vielleicht... Vielleicht... sehen wir uns dann wieder?" Das junge Rettungspony konnte der Krankenschwester vor ihm noch immer nicht in die Augen blicken. Er sah zur Seite und konzentrierte sich auf ein kleines Bild, das jemand an die Glasfront des Stationsfensters geheftet hatte. Eine kleine Katze hielt sich an einem Draht fest, ihre Hinterbeine frei in der Luft, das Gesicht überrascht und dennoch fest entschlossen. ´Immer dranbleiben´, stand darüber geschrieben.
Dann berührte etwas weiches, leicht feuchtes seine Wange.
Schwester Darling stand bei ihm, ganz nahe und drückte ihm einen sanften, kaum spürbaren Kuss auf seine Wange. Ihr Gesicht war leicht gerötet, doch ihre Augen waren geschlossen, so als würde sie wirklich genießen, was sie gerade tat. Rogue sah sie nur aus dem Augenwinkel, doch er wagte nicht einmal zu atmen, aus Furcht den Augenblick zu stören. Dann, nach einer Ewigkeit, die viel zu kurz war, öffnete Darling die Augen und trat etwas zurück. Sie betrachtete ihn kurz, wartete auf eine Reaktion... und dann kicherte sie.
„Wenn ich jetzt deinen Blutdruck messen würde, wie hoch wäre er in etwa, Rogue?"
Der junge Hengst tänzelte zurück und fand erst Halt, als er den Türrahmen an seiner Hinterseite fühlte. Irgendwo zwischen Marathonlauf und ´Mir-schießt-gleich-dampfendes-Blut-aus-den-Ohren´, dachte er, war aber noch zu sehr durcheinander, um es laut auszusprechen.
„Ich... du... Ich muss jetzt los!", brachte er quietschend hervor, dann warf er sich herum und suchte sein Heil in der Flucht.
„Bis in einer Woche, Rogue!"
Ein einfacher Satz wollte seine Herz gleichzeitig vor Freude zum explodieren und aus Furcht zum Stillstand bringen. Dieser eine Satz, gesprochen von so süßen Lippen.
„Was hältst du von Manehattan, Applejack?", fragte Rogue und drehte seinen Kopf, um zu AJ zu blicken, die hinter ihm ihren Kopf aus dem Wagen streckte und sich umsah.
„Also, das is´ mal echt ein Brocken von einer Stadt!"
Es hatte Rogue einiges an Überzeugung gekostet, Applejack davon abzuhalten sich selbst vor den Wagen zu spannen. Er konnte kaum verhehlen, dass er müde war, so müde dass es ihm ins Gesicht geschrieben stand. Aber sein eigener Stolz und seine Sorge um seine Cousine ließen es nicht zu.
Er zog den Wagen im gemächlichen Verkehr die Rennbahn hinunter, nicht weit von dem Ort entfernt, wo er Applejack aufgelesen hatte.
„Schade, dass du nicht noch etwas hier bleiben kannst, AJ. Manehattan ist eine schöne Stadt und man kann hier eine Menge Spaß haben."
„Das glaub ich dir gern! Kuck´ dir nur mal die ganzen Ponys an! Und die hoh´n Häuser! Warst du mal bei der Friendship-Statue? Oder auf dem Equestria-State-Building? Das muss einfach toll sein. Es is´ so lange her, dass ich hier war!"
Rogue lächelte leise. „Ja, ich war dort. Aber es ist auch schon einige Zeit her, zusammen mit meinen Eltern. Wenn man hier lebt, kommt man seltsamerweise kaum dazu die ganzen Sehenswürdigkeiten zu besuchen."
Als Rogue wieder nach vorne blickte, sah er etwas, dass seine Aufmerksamkeit erregte. Er überlegte kurz, dann grinste er. Er fädelte sich aus dem fließenden Verkehr aus und hielt neben einer kleinen fahrbaren Bude, die am Straßenrand geparkt hatte. Der Kopf eines purpurnen Einhorns streckte sich heraus, als er fest mit dem Huf auf das Kopfsteinpflaster klopfte. Kurz schaute sich das Pony aus der Bude um, dann erkannte es Rogue.
„Rogue! Comment allez-vous?[1]", rief der Hengst in seiner geschwungenen, fließenden Sprache aus. Rogue wusste nicht, woher das Pony kam, das hier im Sommer Eis verkaufte, aber das purpurne Einhorn sprach ebensowenig Equestria, wie Rogue seine Sprache verstand. Dennoch hatten sich die beiden immer irgendwie verständigen können.
„Alles gut, Pourpre. Das ist meine Cousine, Applejack." Er deutete mit einem Huf auf seinen Passagier.
Pourpre – Rogue wusste nicht ob das sein Name war. Aber als er beim ersten Mal fragend auf die Brust des Einhorns gedeutete hatte, hatte dieser nur gelacht und ´Pourpre´ gesagt – warf einen Blick auf den Wagen und sein Gesicht bekam einen warmen Ausdruck.
„Mais puisque vous avez une jument très agréable sur le crochet. Est-elle votre amie?[2]"
Rogue verstand auch noch nach Jahren kein Wort davon. Er lachte nur hilflos und nickte.
„Aww, Je suis heureux pour vous. Etes-vous sur le chemin de la lune de miel?[3]"
„Pourpre, ich verstehe dich nicht. Das hatten wir doch schon."
Der Hengst im Eiswagen lachte nur. „Pas de problème, Rogue. J'espère que vous avez votre plaisir et vous faire des quelques belles poulains.[4]"
„Jaaaaa, alles klar. Pourpre.", antwortete Rogue gedehnt. „Willst du ein Eis, Applejack?"
AJ blickte etwas verwirrt zu dem purpurnen Hengst. „Gerne, aber wird er mich den versteh´n?"
Rogue lachte kurz. „Die Eissorten versteht er auf jeden Fall. Über alles andere... bin ich mir nicht so sicher."
„Dann hätt´ ich gern 'ne Kugel Zitrone, bitte."
Das Eispony lachte kurz, wahrscheinlich wegen ihres Akzents, und bückte sich hinter den Tresen. Mit einer eleganten Bewegung reichte er ihr die Waffel.
„Voilá, belle femme. Rogue est un étalon forte. Vous aurez besoin de toute l'endurance que vous pouvez rassembler.[5]", sagte er mit Schalk in den Augen.
Applejack nahm die Eiswaffel entgegen und lächelte unsicher. „Danke. Ihn´n auch ein´ schönen Tag."
Der Eisverkäufer winkte ihnen nach, als Rogue wieder Fahrt aufnahm.
Es dauerte fast drei Stunden, bis sie aus Manehattan herauskamen und Rogue endlich auf die Schnellstraße einschwenken konnte. Die durchgehende geteerte Fahrbahn war eine noch recht neue Einrichtung in Equestria und sollte den Verkehr zwischen den großen Industriezentren Manehattan, Fillydelphia und Baltimare erleichtern. Es war das erste Mal, das Rogue auf einer so ebenen Fläche fuhr. Er genoss die Leichtigkeit, mit der der Wagen beschleunigte, wenn er sich ins Zeug legte. Die Häuser der Randbezirke von Manehattan flogen nur so an ihnen vorbei, als Rogue schneller und schneller galoppierte. Er genoss den Fahrtwind, der durch seine Mähne wirbelte und das Gefühl seiner Hufe, die auf dem Untergrund so leicht Halt fanden. Das war kein Vergleich zu dem Kopfsteinpflaster der Stadt. Das war eine Straße, die für den Galopp gemacht war!
Viel zu schnell war dieses Erlebnis vorbei und er musste die nächste Ausfahrt nehmen. Sie hatten den Großteil der Vorstadt von Manehattan überwunden, aber Ponyville lag abseits aller Schnellstraßenrouten, im Hinterland. Rogue schnaufte leicht, aber die schnelle Fahrt hatte ihn kaum angestrengt. Er rollte die Rampe hinunter und reihte sich in den wartenden Verkehr ein.
„Wo sind wir hier?" Rogue war etwas überrascht, als ihn Applejack aus dem hinteren des Wagens ansprach.
„Das ist die Vorstadt von Manehattan."
„Oh,... Ich... hatt´ mir das irgendwie anders vorgestellt.", sagte AJ mit Enttäuschung in ihrer Stimme.
Rouge sah sich um. Es war tatsächlich kein sehr erhebender Anblick. Hier fehlten die in den Himmel strebenden Häuser der Innenstadt und das geschäftige Treiben der belebten Straßen. Um sie herum war alles flach und bis auf die Straßen... irgendwie leblos. Es gab ein paar niedrige Fabrikbauten um sie herum und einige verlassen aussehende Wohnhäuser, der einzige Farbfleck war ein McDoublers gegenüber. Die schreiende Beleuchtung ließ die Umgebung nur noch farbloser und trister erscheinen, selbst im hellen Sonnenschein.
„Ich... Ich mag es hier nich´, Rogue. Lass uns weiterfahr´n."
Das junge Retttungspony konnte ihr nur zustimmen. Er passte eine Lücke im Verkehr ab und beschleunigte den Wagen.
Sie waren noch gut ein Stunde auf der Straße unterwegs, dann verlangsamte Rogue seinen Tritt. Applejack hatte auf der Ladefläche etwas gedöst und kam rasch nach vorne, als sie die Veränderung bemerkte. Schließlich hielt der Wagen an.
Rogue war an den Rand der Straße gefahren und blickte nach vorne. Applejack folgte seinem Blick und sah ein Schild, das sich vor ihnen über die Straße spannte.
`Sie verlassen nun Manehattan. Wir hoffen Sie bald wieder hier begrüßen zu dürfen.´, stand dort. Die Stute sah zu Rouge, der mit großen Augen und undefinierbaren Gesichtsausdruck darauf starrte.
Sie zögerte kurz, dann sprang sie von der Ladefläche des Karrens und stellte sich neben ihn. Aus der Nähe betrachtet... hatte sein Blick etwas erschrecktes, so als würde er sich vor dem fürchten, was er sah.
Sie betrachtete ihn noch einen Augenblick, dann strich sie ihm mit ihrer Schnauze sanft über die Wange. Rouge tänzelte erschreckt in seinem Zaumzeug und sah sie überrascht an. Sie kicherte nur und sagte: "Einen Bit für deinen Gedanken."
Rogue blickte sie mit einem ungläubigen Gesichtsausdruck an, dann wanderte sein Blick wieder nach oben, zu dem Schild. Er verharrte noch einen Moment so, dann räusperte er sich.
„Es... es ist nur so... das ist das erste Mal, dass ich außerhalb von Manehattan bin. Ich... ich habe mich wohl einfach in dem Moment verloren." Er schüttelte seinen Kopf und sah dann zu Applejack. „Spring wieder auf. Wir haben noch einen weiten Weg vor uns." Seine Cousine schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln und nickte langsam. Dann hüpfte sie zurück auf den Karren.
Als Rogue sich wieder gegen das unbequeme Joch stemmte, war es, als würde ein Sturm in seinem Herzen toben. Es pochte laut unter dem verrückten Gefühl der Ambivalenz, das er empfand: Die Aufregung des Abenteuers jenseits der ihm vertrauten Straßen... und die Furcht vor dem, was dort auf ihn wartete. In Manehattan hätte er sich in die so gewöhnte Decke des Alltags wickeln können, um zu vergessen, was in der Dunkelheit hinter seinen Augenlidern auf ihn lauerte. Dort draußen... dort draußen warteten so viele Dinge die ihn vergessen machen... oder ihn daran erinnern konnten. Er wusste nicht was diese neue Welt für ihn bereithielt und diese Ungewissheit war der Grund für seine Angst.
Er setzte seinen Huf über die Stadtgrenze.
Im Wald brach die Dunkelheit früh herein. Die Stadtgrenze hatte sie zunächst durch Wiesen und vereinzelte Äcker geführt, bis sich langsam ein Ring aus Bäumen um sie formte. Rogue war froh, als er den Wagen vom Weg auf eine kleine Lichtung rollen lassen konnte. Er hielt an und konnte eine tiefes Gähnen nicht mehr unterdrücken. Er war unendlich müde, seine Schultern schmerzten und er konnte kaum geradeaus blicken. Langsam befreite er sich aus dem komplizierten Gestell der Zugvorrichtung. Er musste noch Holz suchen und dann das Feuer entfachen. Applejack sollte etwas warmes in den Magen bekommen, bevor sie beide schlafen gingen. Wo waren sie eigentlich? Sie hatten sich noch lange unterhalten, während die Gegend um sie herum immer einsamer und verlassener wurde. Dann war sie langsam leiser geworden, bis Rogue ein leises Schnarchen hinter sich vernommen hatte. Glücklicherweise war der Weg mit feinem Split präpariert worden, der das Laufen darauf angenehm gestaltete und den Wagen ruhig dahingleiten ließ, so dass kein Schlagloch sie aufgeweckt hatte. Er kletterte umständlich - zum Springen hatte er einfach nicht mehr die Energie – über den Kutschbock und sah auf die Ladefläche. Applejack hatte sich eine der Decken ausgebereitet und schlief friedlich darauf. Ihr Hut hing neben ihr an einem Haken, mit dem die Seitenwände fixiert wurden. Sie lag auf der Seite, schnarchte noch immer und ein kleiner Faden Speichel ran von ihrem Mund auf die Decke unter ihr. Rogue betrachtete seine sanft schlafende Cousine und genoss den Frieden, den der Anblick ausstrahlte. Plötzlich stellte er sich vor, ein Foto von ihr in dieser Situation zu machen und presste er sich schnell einen Huf vor den Mund um nicht laut loszukichern. Er brauchte gut eine Minute, um sich zu beruhigen, dann wischte er sich die Lachtränen aus dem Gesicht und machte sich leise daran Feuerholz zu suchen. Er hasste sich dafür, Applejack wecken zu müssen, aber sie würden wenigstens etwas warmen Tee zusammen trinken, bevor er es für die Nacht gut sein ließ. Sie brauchte die Energie.
Er wachte auf, als Applejack ihn sanft an der Schulter rüttelte. Für einen schrecklichen Moment wusste er nicht wo er war. Das beruhigende Prasseln des Feuers ließ ihn sich schließlich erinnern. Er hatte das Feuerholz zusammengetragen und ein paar Äste zusammengeschichtet. Er brauchte einige Minuten, um den kleinen Haufen mit dem Feuerzeug aus Stuff&Goods in Gang zu bringen, doch letztendlich loderte das Feuer auf und begann sich auf dem Haufen auszubreiten. Er wollte nur einen Moment seine Augen ausruhen, dann... dann...
„Tut mir leid, Rogue, dass ich dich aufgeweckt hab´, aber ich hab´ uns n´ bisschen Karottensuppe gemacht. Du solltest was essen."
Der junge Hengst drehte sich auf den Bauch und streckte seine müden Glieder. Dann stand er auf . „Wie lange war ich weg?", fragte er und konnte nur mühsam ein Gähnen unterdrücken.
Applejack kicherte kurz und schüttelte dann den Kopf. „Ich weiß nicht genau. Als ich aufgewacht bin, has´ du bereits fest geschlafen. S´ auf jeden Fall n´ paar Stunden nach Sonnenuntergang." Sie hielt ihm einen Stahlbecher entgegen, aus dem es verführerisch duftete. Der Geruch alleine sorgte dafür, das Rouge´s Magen ein kleines Konzert von sich gab. Mal sehen. Er hatte sich während der Nachtschicht einen Heuburger und Apfelfritten reingezogen und dannach...gar nichts mehr.
Er griff entschlossen nach dem Löffel und begann die herrliche Brühe in sich hineinzuschaufeln. Nach einigen Zügen hielt er jedoch erschreckt inne. Er hatte, nachdem er Applejack abholt hatte, gar nicht zu Mittag gegessen! Das hieß, Sie ebenso wenig wie er!
Applejack hatte sich ebenfalls eine Schüssel eingeschenkt und löffelte langsam ihre Suppe. Rogue ließ seinen Löffel langsam sinken.
„Es tut mir leid, Applejack.", brachte er hervor.
Sie sah ihn überrascht an. „Ah... wofür, Sugarcube?"
Rogue musste kurz grinsen. Sie hat mich Sugarcube genannt! Dieser Akzent ist einfach herrlich!, doch er wurde schnell wieder ernst.
„Wir hätten zum Mittagessen Rast machen sollen. Ich... Ich habe es einfach vergessen."
Applejack betrachtete ihn einen Augenblick, dann lachte sie selbst. „ Weißt du was? Ich hab´s selber vergessen. Ich hab´ mich einfach zu gut mit dir unterhalten."
Danach aßen sie ihre Suppe weiter, ohne ein weiteres Wort zu verlieren. Es war kein unangenehmes Schweigen. Die Geräusche des Waldes rings um sie füllten die Stille mehr als genug aus. Rogue lehnte sich zurück, satt und zurfrieden. „Wenn du willst, kannst du dich hinlegen, AJ. Ich werde noch ein wenig auf das Feuer aufpassen."
Die junge Erdstute hatte sich auf die Seite gelegt und genoss die Wärme des Feuers auf ihrem Bauch. Die Nacht war immer noch ungewöhnlich warm, aber hier im Wald, fernab der Straßen und Wände der Stadt, die die Hitze speicherten... wehte eine frische Kühle zwischen den Ästen und Stämmen der Bäumen. Rogue erhob sich und trotte zum Wagen zurück. Mit seinen Zähnen zog er eine der Decken hervor und breitete sie über Applejack aus. Dann kickte er noch einige große Äste ins Feuer und lehnte sich gegen das Joch des Wagens in seinem Rücken.
Aus den dunklen Ecken am Rande der Lichtung drangen die beständigen Laute des nächtlichen Waldlebens. Ein ´Schuschu´ hier, ein ´Zirpzirp´ da. Rogue war ein Stadtpony, also hätten ihm diese Laute mehr als unvertraut sein müssen. Doch obwohl er nicht wusste, was in der Dunkelheit sang, fühlte er weder Angst, noch beunruhigte es ihn. Rogue dachte darüber nach, während das leise knisternde Feuer seine Glieder wärmte und er es sich langsam gemütlich machte. Es war wahrscheinlich der Geruch, der ihn keinen Gedanken an Gefahr verschwenden ließ. Seinen Nüstern blähten sich noch einmal und sogen das Aroma seiner Umgebung ein. Es war ein Geschmack nach frischem Gras, dunklen Tannennadeln und feuchtem Moos. Warum reichte ein Geruch allein aus, um ihn zu beruhigen? Als er langsam in den Schlaf glitt, erinnerte er sich... Seine Mutter roch nach Seife, ein Geruch nach Frische und Geborgenheit. Trotter roch nach den sterilen Verbänden auf der Ponyambulanz und nach seinem Rasierwasser, ein Geruch, den Rogue mit Kameradschaft und den Erinnerungen an seine Rettungswache verband. Darling... Darling roch nach der sauberen Stärke in ihrer Uniform und ganz leicht dahinter... nach Kirschen. Applejack roch nach der schweren Süße reifer Äpfel und ein bisschen... ein bisschen nach...
Die Sonne kitzelte Rogue wach. Er stöhnte und rieb sich die Augen gegen die blendende Helligkeit. Er drehte sich seiner Gewohnheit nach noch einmal um und versuchte noch ein paar wertvolle Minuten Schlaf zu bekommen. Das Kissen an seiner Seite war warm und er schmiegte sich daran, um die unangenehme Kühle zu vertreiben, die von unten auf ihn eindrang.
Rogue riss die Augen auf. Das war kein Kissen auf seiner Seite. Die angenehme Wärme, die er verspürte, war der ruhig atmende Körper einer jungen Stute, die leise in seiner Umarmung seufzte. Soweit war Rogue mit der Situation einverstanden, aber leider war eben jener, weicher, warme Körper der seiner Cousine! So vorsichtig wie möglich schälte er sich aus der ungünstigen Situation, peinlichst darauf bedacht Applejack nicht zu wecken. Er stieß einen unterdrückten Seufzer der Erleichterung aus, als er endlich sicher auf seinen vier Hufen stand. Er schob die Decke über Applejack wieder zurecht und betrachtete sie einen Moment. Egal was sie sagte, ihr Zusammenbruch nagte immer noch an ihr. Sie hatte gestern einige Stunden auf dem Wagen gedöst und war sicherlich nicht lange nach ihm am Feuer eingeschlafen. Sie war immer noch erschöpft, auch wenn sie es sich nicht eingestehen wollte. Was sie jetzt am meisten brauchte, war ein kräftiges Frühstück. Das Feuer war bis auf die Glut heruntergebrannt, aber es loderte anstandslos von neuem auf, als Rogue das letzte Holz von gestern auflegte. Applejack seufzte leicht und drehte sich im Schlaf um, als die Wärme des Feuers sie erreichte. Der junge Morgen barg noch immer die Kühle der Nacht in sich, auch wenn die kräftigen Strahlen der Sonne sie entschlossen bekämpften. Glücklicherweise wachte die Stute nicht auf.
Rogue kletterte auf den Ambulanzwagen und holte das Fresspaket seiner Mutter hervor. Ein paar aufgewärmte Heuburger, Yay! Das Frühstück der Champions!
Rogue steckte seinen Huf in die Satteltaschen und suchte nach dem Bündel mit den Burgern. Salatschüssel, Flasche mit Dressing, Teekanne... etwas weiches, warmes, lebendiges streifte seinen Vorderlauf, sofort gefolgt von eine scharfen Schmerz in seinem Huf. „AUGH! Was bei Celestia..." schnell zog er seinen Vorderlauf aus dem Beutel und schüttelte ihn, um den Schmerz loszuwerden. Er zog die Öffnung der Tasche auseinander, um einen Blick hineinzuwerfen. Da war nur das metallische glitzern der Thermoskanne und die Tupperware des Salates. Doch dann schrak Rogue zurück, als sich etwas darunter regte. Erschreckt presste er das Ende der Satteltaschen zusammen., um das, was immer sein Unwesen in seinem Fresspaket trieb, drin zu behalten. Rogue atmete tief durch. Dann stülpte er die Satteltasche um.
Tupperware, Thermoskanne und die Flasche mit dem scharfen Dressing fielen zusammen mit Butter, Marmelade und dem Beutel mit süßen Nüssen auf den Boden des Wagens. Ein kleiner brauner Schatten huschte sofort hinter die Salatschüssel. Rogue runzelte die Stirn und schob die Tuppperware beiseite.
Große braune Augen starrten ihm dahinter entgegen. Es war ein Eichhörnchen... zumindest nachdem was Rogue darüber wusste. Es sah ein wenig seltsam aus, das Fell um seinen Körper wirkte eigenartig... lose, so als würde es einen Mantel tragen, der ihm einige Nummern zu groß war. Es betrachtete ihn einen Augenblick mit erschrecktem Blick... dann griff es hinter sich, schnappte sich eine der Nüsse, die aus einem sauber genagten Loch im Beutel gefallen waren und stopfte sie sich zu den anderen in seinen Backentaschen.
„Hey, das sind meine Nüsse!" Rogue sprang nach vorne und versuchte das Eichhörnchen zu fassen zu bekommen. Behände wich es seinen zupackenden Hufen aus und sprang zwischen die aufgestapelten Apfelwannen. Rogue schnaubte und setzte ihm sofort nach. Das kleine Tier entkam ihm durch eine Lücke und sprang auf die Seitenwand des Karrens. Vom Jagdfieber gepackt, zwängte Rogue die Wannen beiseite und griff nach dem Dieb. Ein kurzer Satz brachte das Eichhörnchen aus der Reichweite seiner Hufe. Dann streckte es ihm zwischen seinen aufgeblähten Backen die Zunge heraus um seine Anstrengungen zu verspotten.
Das hätte es lieber nicht getan! Die brauen Augen, in der der Schalk glitzerte, wurden einen Moment noch größer, dann hustete und spuckte das Eichhörnchen die gestohlenen Nüsse heraus, als es sich daran verschluckte. Sie prallten mit einem hörbaren *Ping* von den Seiten der leeren Wannen ab.
Rogue sah seine Chance gekommen und trieb sich mit einem entschlossenen Tritt zwischen den wackligen Türmen der Apfelwannen hindurch. Seine Huf streifte kurz des Fell des Eichhörnchens – dann war es wieder verschwunden.
„Buck!", presste er zwischen zusammengebissenen Zähnen hindurch und sprang zwischen den Seitenplanen des Wagens hindurch, wohin der Dieb verschwunden war. Hinter ihm rumpelte es kurz, als einer Wannentürme zusammenstürzte, aber es kümmerte ihn nicht weiter. Das flinke Tierchen flitzte im Zickzack über die Lichtung, Rogue dicht auf seinen Fersen. Er hielt seinen Blick auf den braunen, huschenden Schatten gerichtet, um ihn im hohen Gras nicht zu verlieren. Rogue setzte zum Sprung an, um ihm den Weg abzuschneiden...
*Pomp *
Rogue fand sich auf seinen Hinterläufen sitzend wieder. Die Lichtung um ihn herum drehte sich wie ein Karussell und seine Ohren klingelten. Er schüttelte sich heftig, um die Benommenheit loszuwerden, dann sah er nach vorne, um zu sehen, woran er sich den Kopf gestoßen hatte.
Ein Baum ragte vor ihm auf. Verdammt, er hatte sich so sehr auf das fliehende Eichhörnchen konzentriert, dass er nicht bemerkt hatte, wie nahe ihn die Verfolgungsjagd an den Rand der Lichtung gebracht hatte. Er war in vollem Galopp mit dem Kopf voran gegen den Stamm des Baumes gesprungen. Er erhob sich und rieb sich seinen schmerzenden Scheitel. Das würde eine Beule geben. Eigentlich konnte er froh sein, dass er sich nicht den Schädel eingerannt hatte. Als er in das grüne Blätterdach hoch sah, huschte dort gerade das Eichhörnchen über einen der unteren Äste. Es hielt kurz an, sah zu ihm herunter und... streckte ihm noch einmal die Zunge heraus.
Das brachte das Fass zum überlaufen. Rogue wirbelte herum, brachte sich in Position und trat mit aller Kraft seiner Hinterbeine gegen den Stamm des Baumes. Es war ein großer Baum und sein Stamm maß gut das Doppelte eines Ponyrumpfes. Aber das Bäumetreten floss im Blut der Apple-Familie. Sein Tritt brachte den Baum zum erzittern, kleine Zweige und Blätter herabregnen und brachte den Ast, auf dem das freche Eichhörnchen stand, heftig zum vibrieren. Für einen Moment sah es aus, als würde es das Gleichgewicht verlieren und hinunterfallen. Dann schlang es all seine Glieder und seinen buschigen Schwanz um den Ast und klammerte sich fest, während seine kleinen Augen aus Angst groß und rund wurden.
Bei diesem Anblick konnte Rogue einfach nicht mehr anders. Erst kicherte er, dann begann er laut und herzlich zu lachen, als ihm die ganze Komik der Situation aufging. Da rannte er am frühen Morgen wie ein Verrückter einem Eichhörnchen hinterher, brach sich fast den Schädel und führte dann noch einen kleinen Privatkrieg mit einem Waldtierchen, kaum größer als sein Huf! Wirklich... verrückt.
Applejack fand ihn unter dem Baum, auf dem Rücken liegend. Als sie das Rumpeln der einstürzenden Wannen gehört hatte, war sie aufgestanden und hatte sich umgesehen, konnte Rogue jedoch nirgendwo entdecken. Dann vernahm sie Lärm vom Rande der Lichtung und war um die Ambulanz herumgetrottet, die ihr die Sicht versperrte. Sie entdeckte Rogue schnell und war durch das hohe Gras zu ihm gegangen. Ihr Cousin hatte die Augen geschlossen und kicherte noch immer. Sie musste unwillkürlich lächeln, als sie ihn so sah. Doch dann bemerkte sie das feuchte Glitzern in seinen Augenwinkeln. Rogue lag unter dem Baum, kicherte und weinte gleichzeitig.
Sie streckte einen Huf aus und berührte ihn vorsichtig an der Schulter. Er riss die Augen auf und sah sie erstaunt an. Dann kicherte er wieder und rollte sich zurück auf den Bauch, bevor er aufstand.
Applejack betrachtete ihn mit besorgtem Blick. „Is´ alles in Ordnung, Rogue?", fragte sie ihn.
Das Rettungspony atmete heftig und kicherte immer wieder kurz. „A... hihi... Alles gut, Applejack. Ich hab nur einen Banditen verfolgt, der sich an unseren Vorräten zu schaffen gemacht hat... hihihi."
„Rogue, du weinst."
Der junge Hengst hob immer noch kichernd einen Huf zu seinem Auge und wischte darüber. Dann betrachtet er den glitzernden Tropfen Flüssigkeit darauf. Er schniefte.
„Ah... hihihi. Ich weiß gar nicht, was los ist." Er beruhigte sich langsam und ging ungerührt an Applejack vorbei, zurück zum Wagen. „Ich mache uns Heuburger zum Frühstück. Ich wette, du bist genauso hungrig wie ich."
Applejack sah ihm mit besorgten Blick nach. Ihr Cousin versteckte etwas vor ihr. Ob es etwas mit dem zu tun hatte, was er im Krankenhaus zur ihr gesagt hatte? Er war ihr auch damals ausgewichen und hatte seine Antwort verschoben. Aber es war offensichtlich, wie sehr es ihn belastete. Applejack seufzte leise. Sie wollte Rogue so gerne helfen... aber er musste für sich selbst entscheiden, wann die beste Zeit dafür war. Langsam folgte sie ihm zurück zur Ponyambulanz.
„Die Heuburger von deiner Mutter sin´ echt klasse!", sagte Applejack zwischen zwei Bissen. Rogue lächelte und nahm seinerseits einen kräftigen Bissen. „Ich glaub´ es ist der Senf.", sagte er kauend und griff dann nach vorne, um eine der bruzelnden Scheiben in der Pfanne zu wenden.
Sie saßen noch gut eine halbe Stunde dort, aßen die Burger, genossen die angenehme Temperatur des frühen Morgens und unterhielten sich. Applejack erzählte ihm von Ponyville und Rogue hörte ihr fasziniert zu.
„Also bist du eines der Elemente der Harmonie? Das ist ja toll!", rief Rogue aus, als Applejack ihm von ihrem Abenteuer um Nightmare Moon erzählte. Er hatte von den Ereignissen in der Zeitung gelesen, aber es wäre ihm nicht im Traum eingefallen, das seine Cousine daran beteiligt gewesen war. „Mhm, lass mich nachdenken... Du bist bestimmt... das Element der Güte, habe ich Recht?"
Applejack kicherte kurz. „Nein, das is´ meine Freundin Fluttershy. Ich trag´ das Element der Ehrlichkeit."
„Ehrlichkeit... das hätte ich als nächstes geraten...", sagte Rogue mit einem Lächeln. „Mich wundert es, dass du nicht bekannter bist. Schließlich hast du Equestria gerettet!"
Applejack errötete kurz und nahm noch einen Bissen von ihrem Burger, um den Augenblick zu überspielen. „Eigentlich... ham wir, also die Mädel´s un´ ich, schon zweimal so richtig die Kohl´n ausm Feuer geholt. Das zweite Mal war, als Discord aufgetaucht is´..." Ihr Lächeln verschwand, als sie daran zurückdachte. „S´ war verdammt knapp damals. Zum Glück gibt's Twilight, die hat uns rausgehauen, alses schon fast zu spät war." Ein Schauer rann ihr über den Rücken, als sie sich erinnerte, wie knapp es gewesen war. Discord hatte den Sieg bereits in seinen Klauen gehalten und beinahe wäre alles verloren gewesen...
Rogue bemerkte, wie seine Cousine still wurde, gefangen in einer Erinnerung, die sie sichtlich mitnahm. Er wollte sie danach fragen, wollte ihr helfen die Erinnerung abzuschütteln und den Schmerz zu teilen.
Aber er konnte es nicht. Das Bild eines fallenden Fohlens hielt ihn davon ab. Er erhob sich und begann still, ihre Sachen auf den Wagen zu packen. Er kam sich mehr als schäbig und feige vor, während er die Vorräte zurück auf die Ladefläche legte.
Es dauerte nicht lange, bis sie wieder reisefertig waren. Applejack trat mit ihren Hinterläufen Erde auf das schwelende Feuer und vergewisserte sich, dass auch die letzte Glut erstickt war. So trocken, wie alles war, konnte ein einziger Funke einen Waldbrand auslösen. Sie drehte sich um und sah Rogue, der mit einem Beutel im Mund zum Rand der Lichtung ging, genau zu dem Baum, wo sie ihn gefunden hatte. Sie folgte ihm und sah, wie er einige Nüsse bei den Wurzeln ausschüttete. Er hatte das Loch am Boden des Beutels mit einem Pflasterstreifen verklebt, so dass nicht noch mehr der gezuckerten Nüsse herausfielen. Er sah kurz nach oben und drehte sich dann um. Applejack sah in fragend an. Rogue kicherte noch einmal kurz und ließ den Beutel ins Gras fallen, um besser sprechen zu können. „Ich hab dem kleinen Banditen einen gehörigen Schrecken eingejagt. Meine Art, sich bei ihm zu entschuldigen."
Applejack lächelte und Rogue hob das Säckchen wieder auf. Zusammen gingen sie zurück und machten sich wieder auf ihren Weg.
„...und dann sacht Twilight, dass es nur ein Baby gewesen is´! Ich mein, stell dir das vor! Der Bär war größer als die meist´n Häuser in Ponyville! Wie groß muss er dann ers´ sein, wenn er ausgewachs´n is!" Applejack erzählte noch immer, während sie neben ihm auf dem Weg entlangtrottete. Sie hatte ihm schon mehrere Male angeboten, ihn am Joch abzuwechseln, aber Rogue hatte bisher abgelehnt. Schließlich hatten sie sich darauf geeinigt, nach dem Mittagessen zu wechseln.
Applejack und Rogue hatten das Waldstück hinter sich gelassen und fuhren nun zwischen grasbewachsen Hügeln, wo sich nur noch selten ein einzelner Baum zeigte. Sie waren an einigen Farmen vorbeigekommen, die jedoch alle abseits der Straße lagen und in der Ferne blieben. Die Hitze der über ihnen schwebenden Sonne begann Rogue zuzusetzen, nachdem der Wald keinen Schatten mehr bot. Obwohl er schwitzte, genoss Rogue die Fahrt. Der Wagen zog sich gut auf dem mit feinem Split gestreuten Weg und die Landschaft, so weit und leer, war eine wunderbare Erfahrung für das Stadtpony. Das hohe Gras jenseits des Weges hatte aufgrund der Dürre die hellbraune Farbe des späten Sommers angenommen und das Zirpen der Zikaden hing darüber wie ein ewig fortlaufendes Lied. Die Luft war geschwängert von dem Duft der Blumen und dem Heu-Geruch des welken Grases.
Rogue zog die improvisierte Ambulanz die Steigung eines Hügels hinauf. Als sie auf der Kuppe ankamen, bot sich ihnen eine überwältigender Ausblick über das tiefer liegende Land vor ihnen. Die sanfte Landschaft Equestrias breitete sich vor ihnen aus, bis es in weiter Ferne an die großen Berge stieß, deren hohe Gipfel in ewigen Schnee gehüllt waren. Die weiten Wiesen waren hellbraune Flecken, Wälder dagegen erstrahlten noch immer im satten Grün. Das blaue Band eines großen Flusses schlängelte sich vom Fuße des Hügels, auf dem sie standen, in die Ferne.
Am beeindruckensten war jedoch der Himmel. Das gleißende Blau des wolkenlosen Himmels spann sich über ihnen bis zum Horizont. Aber direkt vor ihnen, über der Mitte des Tieflandes, thronte ein hoch aufragendes, riesiges Wolkengebilde. Sowohl Rogue als auch Applejack erkannten die weichen, fließenden Formen, die von geübten Hufen in Form gebrachten und zu Säulen, Brücken und Dächern gestalteten Wolken sofort: Es war Cloudsdale, die Hauptstadt der Pegasus-Ponys.
Dennoch gab es sichtbare Unterschiede zu den Abbildungen, die Rogue gesehen hatte und zu den Erinnerung von Applejack, die selbst schon dort gewesen war. Die fluffige Form der großen Stadt war zusammengeschrumpft und wirkte seltsam gestaucht. Die langen Wasserfälle, die sich normalerweise aus den Wolken ergossen, waren allesamt versiegt, nur ein einzelner Strom von der Farbe des Regenbogens rann schmal über eine Kante.
Applejack und Rogue standen zusammen auf der Hügelkuppe und staunten einfach nur über den Anblick. Schließlich räusperte sich Rogue. „Cloudsdale? Das... das sollte eigentlich gar nicht hier sein.", brachte er nervös hervor.
„S´ sieht so anners aus, als ich es inner Erinnerung hab´", sagte Applejack.
„Ich glaube, das hängt mit der Dürre zusammen." Rogue drehte seinen Hals zur Seite, um das Joch in eine bequemere Position zu bringen. Seine Schultern schmerzten und seine Haut unter dem Fell war bereits etwas wund.
Applejack sah kurz zu ihm und nickte ernst. Als sie zurückblickte, hob sie einen Huf.
„Kuck mal da, Rogue!"
Der junge Hengst folgte ihrem Hufzeig und sah wieder ins Tal. Direkt unter Cloudsdale erstreckte sich das glitzernde, blaue Band des großen Stroms. Kleine, dunkle Punkte schwärmten über der Oberfläche aus. Er konnte es aus der Entfernung nicht genau erkennen, aber es mussten Pegasie sein, die dort zu Dutzenden flogen. Wie auf ein stilles Kommando kam Ordnung in den Schwarm. Die dunklen Punkte begannen in einem Kreis über dem Fluss zu fliegen und nahmen schnell Geschwindigkeit auf. Die Punkte begannen zu verschwimmen, als sie immer schneller flogen.
Dann begann es. Langsam, widerstrebend fast, erhob sich das Wasser des Flusses in einem schmalen Band, das rasch anschwoll. Der Flug der Pagasie formte einen grauen Trichter um das aufsteigende Wasser und saugte immer mehr des blauen Nass in die Höhe. Dann eruptierte die Windhose wie ein Geysir. Ein gebündelter Strahl Wasser schoss hervor und glitzerte kurz in der Sonne, während er sich in einem perfekten Bogen nach Cloudsdale ergoss. Eine zum Trichter geformte Wolke nahm den Strahl dort auf und leitete ihn ins Innere der Stadt.
Schließlich wurde der Wirbel am Fluss langsamer und der Strahl versiegte. Die letzten Tropfen in der Luft verharrten und begannen zu Boden zu regnen. Ein flüchtiger Regenbogen hing kurz über dem Tal, dann verschwand er so schnell wie er gekommen war.
Das musste der Grund sein, warum Cloudsdale nicht dort war, wo es eigentlich sein sollte! Normalerweise organisierte die Pegasus-Population der einzelnen Ortschaften abwechselnd den Transport des Wassers nach Cloudsdale, damit die Stadt Wolken produzieren konnte. Aber die Dürre musste es diesmal entweder verhindert haben, oder die Lieferung war nicht ausreichend gewesen. Anders als die festen Gebäude von Erd- und Einhornponys waren die Wolkenhäuser von Pegasie relativ mobil. Es war sicherlich eine gehörige Anstrengung, eine ganze Stadt zu bewegen, aber Cloudsdale war voll von Pegasie. Sie hatten die Stadt hierher geschoben, um direkten Zugang zum Wasser zu haben!
„Schau nur, Applejack! Sie machen Wolken!", rief Rogue aus. Tatsächlich stieß eine Wolke an der Seite der Stadt, die wie eine Trompete geformt war, eine große, weiße Wolke aus, die sich zusehens noch vergrößerte.
1:Rogue, wie geht es dir?
2:Da hast du aber eine wirklich schönen Stute an der Angel. Ist sie deine Liebste?
3:Awww, Ich freue mich für dich. Seid ihr auf dem Weg in die Flitterwochen?
4:Kein Problem, Rogue. Ich hoffe ihr habt euren Spaß und macht euch ein paar hübsche Fohlen.
5:Hier, schöne Frau. Rogue ist ein kräftiger Hengst. Sie werden alles an Ausdauer brauchen, die sie aufbringen können.
