Disclaimer: Ich habe keinerlei Rechte an der Geschichte, was den Inhalt von Hasbro´s My Little Pony: Friendship is Magic anbelangt. Abgesehen von meinem OC ist alles deren Eigentum.

Kapitel 6: Wo der Regenbogen die Erde berührt

„Sie schaffn´s, Sie schaffn´s!" Applejack sprang auf und ab, als sie sah, wie die Wolke aus Cloudsdale immer größer und größer wurde. „Ich kann dir gar nich´ sagen, wie froh ich bin, dass das endlich vorbei is´. Jetz´ brauch´ ich mir keine Sorgen mehr um die Ernte zu mach´n! Ow, mir fällt so´n großer Stein vom Herz´n!"

Rogue lachte mit ihr. Jetzt würde dieser heiße Sommer endlich erträglich werden. Manehattan würde sicher noch etwas auf seine Abkühlung warten müssen, denn das wichtigste war, dass die Felder gewässert wurden, um die Ernährung von Equestria zu gewährleisten. Doch bald... Rogue erinnerte sich an den Geruch des Regens auf dem warmen Steinen der Großstadt. Es lag kein Heimweh darin, war es doch erst gestern gewesen, dass er aus seiner Heimat aufgebrochen war. Aber es war eine schöne Erinnerung, die er genoss, während er auf der Kuppel des Hügels stand und seine Cousine lachend den Weg hinunterlief, ihm voraus. Er stemmte sich wieder in das unbequeme Joch, das ihm plötzlich so viel leichter vorkam und folgte ihr.

Rogue stellte den Wagen am Rande des Weges ab und befreite sich aus dem Geschirr. Er hatte vor einer Steinbrücke gehalten, die hier den breiten Fluss überspannte. Applejack war ihm schon voraus, drehte sich jedoch wieder um, als sie sah, wie er den Wagen anhielt.

Sie wich einem Maultier-gezogenen Karren aus, eines der ersten Gespanne, dem sie auf der Straße begegneten, und trottete zu ihm zurück.

„Woll´n wir jetzt tausch´n, Rogue? Du siehst schon mächtig müde aus!", fragte sie ihn. Rogue rieb sich kurz den Kopf. Die Beule, die er sich am Morgen zugezogen hatte, schmerzte ihn etwas wegen der Hitze. Und seine Schultern brachten ihn fast um „Nein, AJ, ich werde noch ein bisschen weiter machen. Lass uns nur kurz ausruhen."

Applejacks Gesicht bekam einen entschlossenen Gesichtsausdruck. „Nein. S´ jetzt genug! Mir geht's gut un´ ich werd´ nich zulassen, dass mein Cousin mich behandelt, als wär´ ich aus Glas gemacht!" Sie sah zu Rogue, dann glitt ihr Blick zum Fluss. „Ich zieh den Wag´n weiter un´ ich will keine Widerrede hör´n. Und du steigst da rein un´ wäscht dich mal ordentlich. So wie du geschwitzt has´, riechste bestimmt zehn Meil´n geg´n Wind!"

Rogue sah sie erschreckt an. Dann hob er langsam einen Vorderlauf und schnüffelte prüfend darunter. Er ließ ihn sinken und sah wieder zu Applejack. „So schlimm?", fragte er.

Die junge Stute musste kurz kichern, dann räusperte sie sich wieder streng. „Ab mit dir!", befahl sie.

Rogue schlich sich peinlich berührt zu dem sanft abfallenden Ufer des Flusses. Eine Landzunge, auf der die Brücke stand, bildete eine kleine Bucht, in der es nur wenig Strömung gab. Er konnte erkennen, das der Wasserspiegel bereits merklich gesunken war, dennoch war der breite Fluss nicht zu unterschätzen. Vorsichtig trottete er die ersten Schritte in das Wasser, dann glitt er mit seinem ganzen Körper hinein, als es tiefer wurde.

Es. War. Herrlich!

Der Strom war wunderbar kühl und ließ ihn erschreckt prusten, als sich die Wogen über seinen Rücken schlossen. Entschlossen senkte er seinen Kopf und tauchte unter, bis seine Hufe den sandigen Boden des Flussbettes berührten. Die Strömung wurde langsam stärker, so dass er sich wieder zu Oberfläche abstieß. Seine Kopf stieß in die warme Luft und er schüttelte seine kurze Mähne aus. Er war näher an die Brücke getrieben, aber ein kurzes Paddeln brachte ihn wieder in ruhigere Gewässer. Er stellte das Schwimmen ein und ließ sich einfach treiben, während er das wunderbare Gefühl genoss, zu schwimmen. Er hatte während seiner Ausbildung viel Zeit im öffentlichen Schwimmbad verbracht, um sich sein Rettungsseepferdchen zu verdienen. Aber seit dem war er praktisch gar nicht mehr im Wasser gewesen. Er sollte das definitiv öfter tun. Er hob den Kopf und wollte gerade nach Applejack rufen, es auch einmal zu versuchen, als er über sich, vom Rand der Brücke, jemanden schreien hörte.

„Arschbombe!"

Applejack sprang von der Balustrade und griff mit ihren Vorderläufen um ihre Hinterbeine. Rogue spritzte das Wasser nur so in das Gesicht, als sie, ihr Hinterteil voran, direkt neben ihm aufkam. Der junge Hengst lachte laut und brachte sich schnell in Sicherheit. Langsam glätteten sich die Wogen wieder. Rogue paddelte etwas herum und wartete, dass Applejack wieder auftauchte.

Seine Hufe waren in ständiger Bewegung um ihn an Ort und Stelle zu halten. Das Singen der Zikaden und das leise Rauschen den Flusses waren das einzige Geräusch um ihn herum. Wo war Applejack? Ein kurzer Stich der Furcht ging Rogue durchs Herz. Was, wenn sie sich bei dem Sprung verletzt hatte? Das Wasser schien hier tief genug, aber er wusste nicht, ob sich irgendwo darunter vielleicht spitze Steine verbargen. Schnell schwamm er dorthin, wo AJ ins Wasser gesprungen war. Er holte tief Luft und tauchte wieder. Das Zirpen blieb über ihm zurück und nur das Rauschen des Flusses begleitete ihn unter die Oberfläche. Gehetzt wendete er seinen Körper hin und her und versuchte im trüben Wasser etwas zu erkennen. Verdammt! Er konnte kaum einen Vorderlauf weit sehen! Er glitt zum Bett des Flusses und suchte ihn ab. Keine Applejack, keine Steine. Prustend tauchte er wieder auf. Er machte sich gerade bereit, ein weiteres Mal abzutauchen, als ihn ein Strahl Wasser an der Wange traf. Er fuhr mit dem Kopf herum und sah Applejack, die neben ihm, nur eine Vorderlauflänge entfernt, im Wasser paddelte. Sie kicherte und spritzte ausgelassen nach ihm.

Rogue atmete erleichtert auf und erwiderte das Feuer. Applejack quietschte vergnügt und tauchte wieder ab. Sie kam einige Meter vom Ufer entfernt wieder an die Oberfläche.

Sie hatte ihren Zopf, den sie gewöhnlich trug, gelöst und schüttelte ihre Mähne aus. Ihre langen blonden Haare wirbelten herum und glitzernde Tropfen fielen wie kostbarer Regen daraus. Die gleißende Sonne ließ ihr feuchtes Fell schimmern und brachte die roten Äpfel auf ihrer Flanke zum leuchten.

Sie ist vielleicht das schönste, was ich jemals gesehen habe, dachte Rogue, während er auf der Stelle paddelte. Plötzlich war er nicht nur wegen der Erfrischung dankbar für die Kühle des Flusses. Applejack erklomm das Ufer drehte sich zu ihm um. „Komm schon, Rogue! Genug für heute!", rief sie ihm vergnügt zu.

Rogue wich ihrem Blick aus und stotterte:"Ja...Ja. Noch... noch einen kurzen Augenblick!". Er ließ den Kopf hängen, während Applejack wieder zum Wagen trottete. Ich bin ein böses Pony, dachte er, dann tauchte er unter, um seine Schamesröte zu verstecken.

Rogue half Applejack dabei das Geschirr des Wagens anzulegen und zog gerade die letzten Riemen fest, als die junge Stute überrascht einatmete. Er sah sie erstaunt an, und folgt dann ihrem Blick in die Höhe. Noch immer hing der die riesige Wolkenformation von Cloudsdale über dem Tal, nun etwas näher und sehr viel höher, da sie selbst im Tiefland waren. Die große Wolke, die die Stadt ausgespien hatte, hing noch immer daneben. Doch jetzt flogen in der Entfernung winzig wirkende, doch besser zu erkennende Gestalten von Pegasie darum. Sie teilten die große Wolke zuerst in zwei Stücke, dann teilte sich die Gruppe der fliegenden Ponys auf. Eine Gruppe schob einen Teil der Wolke näher an Cloudesdale. Dann begannen sie damit, Teile daraus zu entfernen und mit ihnen die weißen Gebäude von Cloudesdale zu verstärken. Die andere Gruppe verfuhr ähnlich: Sie teilte ihre Wolke in kleinere Stücke, vier an der Zahl. Dann schoben sie die Wolken zusammen, verdichteten sie, bis sie dunkel und schwer waren vom Wasser. Langsam setzten sich die großen Regenwolken in Bewegung, als mehrere Pegasie sie anschoben.

Applejack lachte fröhlich und sah zu Rogue. Das junge Rettungspony hatte seinen Blick immer noch auf den Himmel gerichtet und runzelte die Stirn.

„Was is´ denn? Freust du dich nich´ das es endlich vorbei is´?", fragte sie ihn.

Rogue antwortete ihr nicht, sondern blickte noch immer zum Himmel. Dann hob er langsam einen Huf und deutete nach oben. „Applejack, die Regenwolken."

AJ folgte seinem Blick zum Himmel. Die dunklen, schweren Wolken bewegten sich langsam über das Firmament, auch wenn mehrere Pegasie gleichzeitig sie anschoben. Die junge Stute wollte Rogue schon fragen, was daran ungewöhnlich war, als sie es selbst erkannte.

Die unbarmherzige Sonne brannte auf die Regenwolken hernieder. Man sah es nicht sofort, aber es war nicht zu leugnen – Die Wolken schrumpften zusehens. Egal, wie schnell die Pegasie arbeiteten, wenn die Wolke erst an ihrem Ziel angekommen war, würde es nicht viel Regen geben. Wenn überhaupt.

Applejack stand wie vom Donner gerührt da. Ein kurzer Moment der Hoffnung... ein paar Minuten frei von den erdrückenden Sorgen über ihre Farm, ihre Familie... und das böse Erwachen danach.

Ihre Schultern sackten herab und sie ließ den Kopf hängen. Rogue tippte ihr mit dem Huf gegen die Schulter und sah sie aufmunternd an. Sie seufzte schwer und rang sich ein gequältes Lächeln ab. „Lass uns weiterfahren. Es wird Zeit.", sagte sie.

Applejack zog die Ambulanz langsam durch das Tal, während Rogue neben ihr her trottete. Sie sprachen kein Wort, AJ hing ihren trüben Gedanken nach und Rogue kam einfach nichts in den Sinn um sie aufzumuntern, oder zumindest abzulenken. Schweigend traten sie schließlich in den großen Schatten, den Cloudsdale auf das Tal warf. Trotz ihrer gedrückten Stimmung atmeten beide unwillkürlich auf, als das sie aus der brennenden Sonne kamen.

Nach einigen Minuten kamen sie um eine Wegbiegung zwischen einer kleine Baumgruppe hervor und standen plötzlich... in einem kleinen Dorf. Überrascht blieben beide stehen und sahen sich erstaunt um.

Auf der Wiese, durch die der Weg führte, waren ganze Gruppen von Ponys dabei, Zelte aufzustellen, Wagen an den Wegesrand zu fahren und Buden aus vorgezimmerten Holzwänden zu errichten. In der Mitte der Wiese hatte sich bereits ein ansehnliche Zahl von Fertigbauten angesammelt, an denen immer noch gehämmert und geschraubt wurde. Zwei weiße Großzelte waren am Rand der Grasfläche aufgestellt, ein drittes gerade in der Fertigstellung. Ein gutes Dutzend Gespanne standen davor und wurden gerade abgeladen.

„Was is´ das hier?", fragte Applejack ihren Cousin.

Rogue zuckte mit den Schultern. „Ich weiß es nicht. Lass uns doch jemanden fragen."

Sie fuhren weiter ins Zentrum der entstehenden Siedlung. Schließlich hielt Applejack vor einem der größten bisher fertiggestellten Gebäude, ein zweistöckiger Bau, der zwar eine hohe, reich verzierte Fassade zur Straße hin ausstellte, aber dahinter ein großes Zeltdach hatte. Ein geschnitztes Tavernenschild hing davor, das einen Pegasus in der klassischen Rüstung der fliegenden Ponys zeigte. Darunter stand: `Phalanx – Restaurant&Gasthaus´

Rogue sah auf das Schild und rieb sich kurz das Kinn. Dann deutete er mit dem Huf darauf. „Hier wird sicherlich jemand wissen, was hier vor sich geht. Außerdem können wir hier zu Mittag essen. Ich denke, das wird uns beiden guttun." Applejack nickte stumm und parkte den Wagen abseits des Weges, vor der Veranda des Gasthauses. Sie befreite sich von dem Joch und sie gingen gemeinsam hinein.

Das Phalanx hatte einen gewissen Grenzstadt-Charme, wie Applejack ihn aus Appleloosa und Dodge Junktion kannte, allerdings um die Elemente der Pegasuskultur erweitert. Die obligatorischen Wagenräder an den Holzsäulen waren ihren Pendants an den fliegenden Streitwagen der Pegasie nachempfunden, weiß gestrichen und mit Flügelmotiven verziert. Die Bilder und Gemälde zeigten fast ausschließlich Pegasie im Flug, in den Uniformen und Kleidern der verschieden Epochen, nicht wenige davon waren den Wonderbolts gewidmet.

Der hohe Speiseraum mit der aus poliertem Holz gefertigten Bar war mit einer breiten Balustrade umschlossen, von der einige Türen in die Gästezimmer abgingen. Rogue erkannte, dass nur die innere Struktur aus einer Holzkonstruktion bestand. Die Wände des Saloons waren aus Zeltstoff, der sich leicht in einer Brise blähte. Ein weiß-blaues Wolkenmeer war darauf gemalt worden, dass das Innere wesentlich heller und weiter wirken ließ.

Viele der Tische waren besetzt mit Ponys aller Rassen, Arbeiter, die hier offensichtlich eine Essenspause eingelegt hatten. Eine Einhornbedienung ließ Tabletts mit Getränken und dampfenden Gerichten durch den Raum schweben, während sie gleichzeitig weitere Bestellungen aufnahm. Als sie Rogue und Applejack bemerkte, rief sie ihnen zu: „Suchen Sie sich einfach einen Tisch aus, ich bin gleich bei Ihnen!"

Die beiden taten, wie ihnen geheißen und nahmen an einem der wenigen freien Tische etwas abseits Platz. Ihnen beiden war nicht nach fremder Gesellschaft zumute.

Nur Augenblicke später kam die Bedienung auf sie zu. Sie ließ leere Gläser vom Tische nebenan auf ihr Tablett schweben, während sie ihnen ein bezauberndes Lächeln schenkte und ihren Notizblock bereithielt.

„Hallo, willkommen im Phalanx! Ich bin Zippy und ich bediene Sie heute! Was möchten Sie trinken?", Sie schlug sich kurz mit einem Huf vor die Stirn und kicherte. „Oh, ich Dummerchen, Sie haben ja noch keine Karten! Hier bitte schön!" Sie griff mit ihrer Magie in einen Beutel um ihren Hals und beförderte zwei Speisekarten zu ihren beiden neuen Gästen. „Wir haben gerade frischen Kartoffelauflauf mit Sahne gemacht! Und es gibt Bananenkuchen für die Nachspeise! Wissen Sie schon, was Sie trinken wollen?" Mit großen Augen sah sie die beiden an.

„Aaaah, ich nehme einen Karottensaft?", fragte Rogue die Apfelgrüne Stute mit der Cyanfarbenen Mähne zurückhaltend. Schnell kritzelte der Bleistift auf dem Notizblock. „Und sie, Ma´am?"

„Ich nehm´ einen Apfelsaft.", sagte Applejack, ohne sich weiter um die quirlige Art des Einhorns zu kümmern.

„Super! Ich bin gleich zurück!" Zippy levitierte das Tablett mit den leeren Gläsern neben sich und verschwand, um ihre Bestellungen aufzugeben.

Rogue studierte die Karte. Er war kaum überrascht. Das Phalanx führte gute, bodenständige Kost, das den Magen eines hartarbeitenden Ponys füllte und dabei nicht zu teuer war. Schließlich entschied er sich für den angepriesen frischen Kartoffelauflauf. Kartoffeln waren eigentlich nicht so sein Fall, aber mit Sahne... und er würde eine kräftigende Mahlzeit brauchen. Sie würden Ponyville nicht vor morgen Abend erreichen. Kaum hatte er und Applejack die Karten beiseite gelegt, schwebten auch schon ihre Gläser auf den Tisch.

„Haben die Herrschaften gewählt?", fragte Zippy kichernd.

„Ich nehme den Kartoffelauflauf. Was möchtest du, Applejack?"

Die Erdstute nippte kurz an ihrem Apfelsaft, dann sagte sie: „Ich nehm´ die Spagetti mit Apfelsauce. Sowas hab´ ich noch nie gegess´n und ich bin gespannt, wie ihr das hinkriegt!"

Das Lächeln des grünen Einhorns wurde noch breiter, dann nickte es und ließ die Speisekarten zurück in ihren Beutel gleiten. Sie drehte sich zum gehen um, als Rogue sie noch einmal zurückrief.

„Äh, Zippy, richtig?", fragte er sie. Die Stute wandte sich ihm wieder zu.

„Ja? Wünschen Sie noch etwas?" fragte sie.

„Wir haben uns nur gefragt... Wo sind wir hier eigentlich? Ich kann mich nicht erinnern, diesen Ort auf der Karte gesehen zu haben. Habt ihr etwas mit Cloudsdale zu tun?"

Die Bedienung kicherte kurz. [Folgend duzt Zippy... - Sie sind?] „Sie sind in Cloudshadow! Wir kümmern uns um die erdgebundenen Ponys, die Cloudsdale besuchen, oder ihre Waren dorthin liefern! Wenn Cloudsdale mit den Jahreszeiten wandert, folgen wir am Boden! Wir sind immer unterwegs, aber in diesem Tal waren wir noch gar nicht, hihihi! Ist das nicht aufregend?" Sie wirbelte auf ihren Hufen herum und eilte wieder zu den anderen Gästen.

Rogue sah zu Applejack. „Hast du schon einmal davon gehört?"

Applejack schüttelte den Kopf. „Nah, kein Stück. Aber s´ klingt irgendwie logisch, oder? Die Pegasie könn´ nichts auf ihr´n Wolken wachsen lass´n. Sie brauch´n die Lieferungen von Lebensmitteln genauso wie die ander´n Städte. Und die kriege´n ihre Ladungen entweder mit der Bahn oder... mit Karren. S´ braucht ne Menge um eine Stadt wie Cloudsdale zu versorg´n. Un´ man braucht Lagerhäuser un´ Schuppen um alles zu lagern, bis es nach oben transportiert werd´n kann. Un´ die ganzen Ponys die nich´ fliegen könn´ brauch´n Bett zum Schlafen un´ was wo se was essen könn´."

Rogue nickte langsam. Es stimmte. Es machte Sinn.

Zippy brachte ihnen ihr Essen und stellte es vor ihnen auf. Der Duft der warmen Kartoffeln und der Sahne ließ Rogue das Wasser im Munde zusammenlaufen und er wartete nicht lange. Die Kartoffeln waren in der Sahne geschmort worden, bis sie butterweich waren und sich mehr löffeln als mit der Gabel aufnehmen ließen. Ein paar Zwiebeln gaben dem ganzen einen kräftigen Geschmack, der durch eine kleine Prise Kräuter noch abgerundet wurde. Rogue wusste nicht, ob es an seinem Appetit lag, aber dies war mit Abstand das Beste, was er in den letzten Wochen gegessen hatte. Als er zwischen zwei Bissen zu Applejack hinüberspitzte, sah er, dass sie nicht weniger enthusiastisch zulangte. Als Rogue nach einigen Minuten seufzend den Löffel in den leeren Teller legte, hielt ihn nur die Aussicht auf eine große Portion Bananenkuchen davon ab, sich noch einen Teller mit dem Kartoffelauflauf zu bestellen. Applejack war bereits vor ihm fertig und schob satt ihren Teller von sich. Trotz der Enttäuschung des heutigen Tages lächelte sie und seufzte zufrieden. Zippy schien neben ihnen aus dem Boden zu wachsen und stellte die leeren Teller auf ihr Tablett. Rogue nutzte die Gelegenheit und bestellte für sich und AJ den Bananenkuchen. Zippy kicherte leise, zufrieden damit, wie sehr es ihren Gästen geschmeckt hatte. Während sie auf die Nachspeise warteten, musste Rogue zugeben, dass er sich... besser fühlte. Das warme Gefühl in seinem Bauch ließ ihn für kurze Zeit seine Sorgen vergessen. Über Applejack, über das, was sie heute am Himmel über sich gesehen hatten...

Rogue wurde von einem flappenden Geräusch aus seinen Gedanken gerissen. Er bemerkte, wie ruhig es im Speiseraum geworden war und sah sich überrascht um. Die Zeltplanen des Saloons bauschten sich in einem aufkommenden Wind, der langsam stärker wurde. Die Arbeiter an den anderen Tischen hatten zu Essen aufgehört und sahen alle still nach oben. Rogue folgte ihren Blicken, und sah, wie sich das Zeltdach wie in Wellen hob und senkte. Auch die Luft im Inneren kam langsam in Bewegung und eine stärker werdende Brise strich über seine kurze Mähne.

„Sie fliegen noch einen Tornado.", flüsterte ein Erdhengst am Tisch hinter ihnen, eine Gabel mit darum gewickelten Spagetti noch im Huf.

„Ich dachte, sie können nur drei am Tag machen. Ist es nicht schon etwas früh für die Abendschicht?", fragte ihn sein Kollege, ebenfalls ein Erdpony, am selben Tisch.

„Das geht auf die Anweisung von Spitfire zurück, die die Wettertrupps koordiniert.", sprach ein älterer Pegasus, der noch einen Tisch weiter saß, laut aus. „Die Wetterponys arbeiten jetzt schon am Limit. Wenn sie noch einen Wasser-Tornado eingeschoben haben, heißt das wahrscheinlich, dass mehr Wetterpegasie eingetroffen sind. Ich hoffe, dass es ausreicht." Die Ponys im Gasthaus sahen kurz zu ihm, dann nickten sie und sahen wieder zum Zeltdach.

Es gab einen dumpfen Schlag, als ein mächtiger Windstoß den Zeltstoff wie eine Trommelhaut spannte, dann war es vorbei. Das Dach senkte sich wieder ruhig und der Wind im Saloon erstarb. Langsam erklang wieder das Geräusch von Besteck auf Tellern und das Klirren von Gläsern im Speiseraum. Die Gespräche wurden wieder aufgenommen und schnell schien es, als währe nie etwas geschehen.

Zippy brachte ihnen den Bananenkuchen und verschwand wieder zwischen den Tischen. Still begannen die beiden wieder zu essen. Die kräftige Mahlzeit hatte ihrer beider Gemüter wieder etwas aufgehellt, aber diese plötzliche Erinnerung an die Sorgen dort draußen ließen sie dieses Gefühl so schnell verschwinden, wie es gekommen war.

„Applejack, wenn du willst können wir sofort wieder aufbrechen, wenn wir fertig sind. Ich weiß, du willst nach Hause...", begann Rogue, wurde dann aber von Applejack unterbrochen.

„Lass... Lass uns noch hier sitz´n, Rogue. Ich will zwar wirklich nach Hause... aber... lass uns einfach noch ein´ Moment hier sitz´n, ja?" Die junge Stute sah traurig in das Glas mit Apfelsaft vor sich.

Ein Stich ging durch Rogue´s Herz. Während der wenigen Zeit seit ihrem Wiedersehen, hatte er gelernt, zu was für einem entschlossenen, starken und dickköpfigen Pony seine Cousine herangewachsen war. Es hatte ihn viel Kraft gekostet, sich zu ihrem Wohl gegen sie durchzusetzen, aber er bewunderte sie für diese Eigenschaften. Sie jetzt so zu sehen... Rogue wusste, dass sie sich nur für wenige Augenblicke der Verzweiflung hingab, ein kurzer Moment der Schwäche. Dennoch brach es ihm fast das Herz.

„Applejack...", begann er.

Die Tür zum Saloon wurde so heftig aufgeschlagen, dass sie mit lautem Knall gegen die Wand schlug. Ein violetter Schemen zuckte hindurch, fegte durch den Schankraum und hielt knapp unter der Zeltdecke an. Es war ein Pegasus, der dort außer Atem mit den Flügeln schlug und sich hektisch umsah. Alle Blicke im Raum waren auf ihn gerichtet.

„Sanitäter!", rief das fliegende Pony keuchend aus.

Rogues Beine reagierten auf diesen Ruf, ohne dass seine Gehirn daran beteiligt war. Er sprang auf die Hufe, drängte sich durch die nach oben schauenden Ponys und rief laut: "Hier!"

Der Pegasus setzte neben ihm zur Landung an. Es war eine violette Stute mit pinkfarbener Mähne, die aussah, als hätte sie einiges mitgemacht. Ihre Haare waren zerrupft, ihr Fell durcheinander und sie war sichtlich erschöpft.

„Schnell! Sie müssen mitkommen! Es hat einen Unfall gegeben! Folgen Sie mir!" Rogue zögerte nicht lange und galoppierte hinter ihr her aus dem Saloon.

Draußen sprang er noch von der Veranda des Saloons auf die Improvisierte Ambulanz, schmiss sich die weißen Verbandssatteltaschen auf den Rücken und klemmte sich die Sauerstofftasche zwischen die Zähne. Dann sprang er über den Kutschbock und folgte dem violetten Pegasus, der voran flog. Er sprang durch den Zwischenraum der beiden Zelte gegenüber, wich einer halb aufgebauten Bude aus und kam schließlich auf der freien Wiese hinter dem Dorf heraus. Das pure Adrenalin jagte durch seine Adern, als er auf der ebenen Fläche beschleunigte. Einsatz! Der Pegasus war bereits am Waldrand angekommen und flog dort nervös hin und her, während sie auf ihn wartete. Kaum hatte er bis auf wenige Meter aufgeschlossen, huschte sie zwischen die Bäume davon. Rogue brach durch einen niedrigen Strauch in seinem Weg und verlangsamte kurz seinen Schritt, um sich zu orientieren. Hier war der Waldboden flach und von ein paar kleinen Gebüschen abgesehen ohne Hindernisse, aber weiter vor ihm, in Richtung Fluss, wohin der Pegasus unterwegs war, fiel das Gelände ab und dichtes Unterholz kam auf. Rogue schlug eine andere Richtung ein und bewegte sich jetzt schräg zur Flugrichtung seiner Lotsin, um einen Pfad zu finden. Da! Ein flacher Hohlweg direkt vor ihm! Rogue versuchte der Lotsin etwas zuzurufen, aber der Griff der Sauerstofftasche ließ in nur unverständlich nuscheln. Entschlossen beschleunigte er wieder und galoppierte in den Hohlweg.

Zweige schlugen ihm ins Gesicht und Spinnweben verfingen sich in seiner Mähne, während Rogue die steiler werdende Mulde im Gelände hinunterstürmte. Er versuchte zu bremsen, aber das welke Laub unter seinen Hufen rutschte fast sofort weg. Er hatte keine Wahl – Er musste seine Geschwindigkeit beibehalten oder er würde sich unweigerlich auf die Schnauze legen. Ein großer Ast peitschte ihm vor das Gesicht und blendete ihn einen Moment lang. Als er wieder sehen konnte, ließ er fast die Tasche mit dem Sauerstoff aus seinem Mund fallen. Der Hohlweg lief sanft zum Ufer des Flusses hin aus. Doch an seinem Ende, die flachen Seiten der Breite nach ausfüllend, lag ein großes, schwarzes Schlammloch, dessen dunkles Wasser trübe glitzerte. Rogues Weg führte ihn direkt darauf zu. Hektisch blickte er sich um und versuchte gleichzeitig langsamer zu werden. Wieder glitten seine Hufe auf den trockenen Blättern aus und er hatte Mühe das Gleichgewicht zu halten. Dann sah er einen Ausweg.

Ein morscher Stamm war halb in den Hohlweg gefallen. Wo der Weg ins Ufer abflachte, bildete er eine natürlich Rampe aus der Senke. Es war riskant – Aber bis zum Hals im Schlamm steckend konnte er niemandem helfen.

Das Ende des Baumstammes war bereits im weichen Boden versunken. Rogue versuchte den richtigen Zeitpunkt abzupassen und sprang.

Das morsche Holz des Baumstammes brach unter ihm weg. Rogue verlor das Gleichgewicht. Er versuchte sich in letzter Sekunde auf die Seite zu werfen um wenigstens nicht in das Schlammloch zu fallen.

Einzig seine Geschwindigkeit beim Sprung rettete ihn. Rogue überschlug sich und rauschte fast ungebremst in die kahlen Äste des umgestürzten Baumes, knapp jenseits des trüben Tümpels. Es krachte laut, als er den letzten Meter der Böschung herabstürzte, gefolgt von einer Lawine aus Dreck, Laub und morschen Ästen. Dann war es still.

Rogue lag auf dem sandigen Boden des Ufers und versuchte zu atmen. Der Aufprall hatte sämtliche Luft aus seinen Lunge gedrückt und er fühlte sich, als würde ein schweres Gewicht auf seine Brust drücken. Keuchend sog er einen kostbaren Atemzug ein. Sein ganzer Körper schmerzte von dem rauen Sturz durch das Gehölz, als er sich stöhnend erhob.

„Buck!", stieß er zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor, als er sich auf seine Hufe kämpfte. Diesmal hatte er es echt geschafft. Trotter hatte ihm immer wieder eingebleut, dass es wichtiger war lebend beim Patienten anzukommen, auch wenn es einige Momente länger dauerte. Und kaum war er aus der Stadt draußen, verhielt er sich wie ein verdammter Grünschnabel! Er sah an sich hinunter. Sein Fell war mit Staub und Dreck bedeckt, aber es schien noch alles dran zu sein. Er konnte stehen und... Au... Au... Au... auch noch gehen. Er hatte Glück gehabt. Diesmal.

Er sammelte die Sauerstofftasche vom Boden auf und blickte sich um. Schließlich entdeckte er die fliegenden Gestalten mehrere Pegasie, die links von ihm über dem Ufer des Flusses schwebten. Die Schmerzen, die er beim Laufen hatte, ignorierend, biss Rogue fester in den Riemen der Tasche in seinem Mund und galoppierte wieder weiter. Der ebene, sandige Flussrand brachte ihn schnell näher zu den Pegasie, bis einer von ihnen mit dem Huf in sein Richtung deutete und den anderen etwas zurief. Nur Augenblicke später hatte Rogue eine Eskorte der geflügelten Ponys, die ihm den Weg zeigten.

Sie führten ihn einige Meter vom Ufer weg, in den Wald hinein. Hier waren noch mehr Pegasie, ein ganzer Schwarm, der zwischen den Bäumen schwebte und in einer Gruppe zusammen am Boden stand. Als Rogue zu ihnen lief, bildeten sie eine Gasse zu der Gestalt, die in ihrer Mitte lag.

Es war eine junge Pegasusstute, die sich dort unter Schmerzen auf dem Waldboden krümmte. Ihr Fell war ein perfektes Cyan-Blau, die Farbe des Himmels an einem wolkenlosen Tag. Am auffälligsten aber war ihre Mähne: Ein wilder Schweif in den Farben des Regenbogens.

Rogue spuckte die Sauerstofftasche zu Boden und ließ sich auf die Knie nieder, um näher an der Patientin zu sein. „Rogue Runner, Manehattan Central Ambulance. Was ist passiert?", fragte er, die Routine abspulend, die er so oft von sich gegeben hatte.

Überraschend schob ihn die Pegasusstute weg und wälzte sich auf die Seite, um auf die Beine zu kommen. Ihr Gesicht verzerrte sich vor Schmerzen, aber sie schaffte es.

„Mir geht es gut.", presste sie zwischen zusammengebissenen Zähnen hindurch. „Ich brauche Sie nicht."

Als Rogue sie sich ansah, kam er zu einer anderen Meinung. Sie atmete schwer und jeder Zug schien ihr Pein zu bereiten. Ihr Fell war voll Blätter und kleiner Äste, aber aus einigen kleineren Schnitten sickerte langsam hellrotes Blut.

„Es tut mir leid, Miss, aber es sieht so aus, als hätten Sie sich ernsthaft verletzt. Wenn Sie mich..."

Die Stute ruckte mit ihrem Kopf zu ihm herum und schrie ihm ins Gesicht.

„Ich brauche Ihre Hilfe nicht! Mir fehlt nichts!"

Dann keuchte sie schmerzerfüllt und ging mit den Vorderläufen in die Knie. Rogue war sofort bei ihr und stützte sie, so dass sie nicht umfiel. Er drückte sanft gegen ihre Flanken, so daSs auch ihre Hinterbeine einknickten und sie sicher auf dem Boden lag.

„Miss, bitte, ich bin nur hier um ihnen zu helfen..." Er wurde unterbrochen, als das welke Laub um sie herum von einem plötzlichen Windstoß aufgewirbelt wurde. Rogue blickte sich um und sah, wie ein weiterer Pegasus direkt neben ihnen zur Landung ansetzte.

„Was ist hier los?", fragte die weibliche Stimme in einem strengen Ton.

Der Pegasus faltete seine Flügel an den Rumpf und trat auf sie zu. Die athletisch gebaute Stute trug einen eng anliegenden blauen Overall, der mit einem gelben Blitzmuster verziert war. Eine wilde, flammenfarbene Mähne fiel über ihre Uniform.

Rogue klappte der Unterkiefer herab.

„Spitfire...", brachte er gerade noch heraus. Er kannte sie von zahlreichen Bildern in Zeitung und Zeitschriften. Er hatte sie einmal selbst gesehen, ganz kurz, als die Wonderbolts in Formation über die Parade zum Prinzessinentag in Manehattan geflogen waren. Nur ein kurzer Blitz aus blau und rot, der eine Rauchwolke hinter sich herzog, an der Spitze ihrer Kollegen.

Als die Cyanblaue Stute diesen Namen hörte, versuchte sie sich wieder hochzustemmen.

„Ich bin ok, ich bin ok!", rief sie, gefolgt von einem leisen Laut des Schmerzes.

Rogue riss sich von Anblick des berühmten Pegasus los und drückte seine Patientin wieder sanft zu Boden.

„Bitte Miss, lassen Sie mich wenigsten kurz einen Blick auf Ihre Verletzungen werfen!"

Spitfire trat neben die Stute mit der regenbogenfarbenen Mähne und senkte ihren Kopf neben neben das blaue Ohr.

„Rainbow, bitte lass dir helfen. Ich habe gesehen, wie du eine üble Bruchlandung hingelegt hast. Ich bin nicht böse auf dich, weil du dich meinen Anweisungen widersetzt hast. Aber ich könnte es werden, wenn du dich weiterhin wie ein dummes Fohlen anstellst!", sagte sie in beruhigendem Tonfall.

Rainbow versuchte sich noch einmal gegen den Widerstand von Rogue aufzustehen, dann sackte sie erschöpft zusammen.

„Oww. Also gut. Dann tun Sie, was Sie tun müssen.", brachte sie hervor.

Rogue nickte Spitfire dankbar zu und widmete sich seinem Handwerk.

Er begann damit, das Skelett des Pegasus durch ihr Fell mit der der empfindlichen Spitze seiner Hufe abzutasten, um zu erspüren, ob etwas gebrochen war. Er wurde am Brustkasten fündig. Als er vorsichtig dagegen drückte, spürte er ein leichtes Knirschen und eine Verschiebung von zwei oder mehr Rippen im oberen Bereich der Brust. Rainbow schnappte schmerzhaft nach Luft.

„Augh! Das hat wehgetan!"

„Entschuldigen Sie, Miss Rainbow. Ich versuche vorsichter zu sein."

„Rainbow reicht.", die Stute hatte die Augen geschlossen und versuchte die Untersuchung einfach nur über sich ergehen zu lassen.

„Hat jemand das Krankenhaus in Cloudsdale alarmiert?", fragte Rogue in die Menge, während er die Vorderläufe auf Verletzungen absuchte. Ein tiefer Kratzer am linken Vorderbein, aber nichts ernstes. Das würde er später verbinden.

„Ich bin sofort losgeflogen, als ich den Unfall gesehen habe.", antwortet ihm der Captain der Wonderbolts. „Sie sagten, dass sie ein Team herunter schicken. Ich bin dann sofort zurückgekehrt."

Rogue nickte, ohne von seiner Arbeit aufzusehen. Er ging zur Untersuchung der Flügel über und begann den üblichen Fragenkatalog herunterzurasseln.

Waren sie bewußtlos? - Ich kann mich nicht mehr genau an alles erinnern. Ich bin auf dem Waldboden aufgewacht. Haben sie Kopfschmerzen, Übelkeit oder haben Sie sich übergeben? - Mir ist etwas schwindelig, aber ansonsten, nein. Nackenschmerzen? Knirschen, wenn Sie den Kopf bewegen? - Nein. Rückenschmerzen? - Nein, auch nicht. Wie heißt die Schwester von Prinzessin Celestia? - Soll das ein Witz sein? Luna!

Rogue nickte zufrieden. Die Flügel waren ordentlich durchgeschüttelt und zerzaust worden, aber es war kein dauerhafter Schaden entstanden.

„Rainbow, ich werde Ihnen jetzt einen Zugang legen und etwas gegen die Schmerzen geben, in Ordnung?"

Die junge Pegasus-Stute nickte nur und hielt still.

Routiniert packte Rogue das sterile Material aus und bereitete die Infusion vor. Er war so in seinem Arbeitsablauf vertieft, dass er schließlich den Kopf hob und laut sagte: „Ich bin fertig... Trotter..."

Natürlich war dort kein Trotter. Kein erfahrenes Rettungseinhorn, das mit seiner filigranen Magie die diffizile Arbeit übernahm, eine spitze Nadel in die empfindlichen Venen zu stechen. Das mit geübten Blick die kaum sichtbare Erhebung unter dem Fell erkennen konnte, wo der Stich perfekt saß. Kein alter Hase, der das schon tausend mal und mehr im Einsatz gemacht hatte. Rogue saß alleine auf dem Waldboden und sein Hufe begannen leicht zu zittern.

Rettungseinhörner und Zugpony wurden in allen Arbeiten des Rettungsdienstes ausgebildet. Aber die Einhörner waren immer die behandelnden Rettungsponys, da ihnen die magische Telekinese ein leichtes Arbeiten am Patienten ermöglichte. Die Zugponys lernten die Arbeitschritte, um im Notfall einzuspringen oder um mit ihren Kollegen zusammen mehrere Pony gleichzeitig zu versorgen. Auch Rogue war entsprechend ausgebildet worden und hatte den Vorgang regelmäßig trainiert, aber... er hatte es noch nie im Einsatz anwenden müssen. Ihm fehlte die Erfahrung, die Sicherheit...

Die blaue Stute unter ihm lag auf dem Boden, die Augen zusammengekniffen. Jeder Atemzug sandte Schmerzen durch ihre Brust. Ihre schöne regenbogenfarbenen Mähne war bereits schweißdurchtränkt.

Die Blicke der Pegasie um ihn herum ruhten auf ihm. Aus ihren Augen sprach Zuversicht, Hoffnung und auch ein wenig Bewunderung.

Rogue schloss die Augen. Du bist hier der Sanitäter. Sie haben dich gerufen, um zu helfen. Sie haben das Wohl eines Ponys in deine Hufe gelegt und sie verlassen sich auf dich. Jetzt kommt es auf dich an und nur auf dich.

Er atmete tief durch.

Du kannst das..., sprach er sich selbst Mut zu. Es ist wie im Training. Du kannst das.

Rogue öffnete die Augen und beugte sich über den ausgestreckten Vorderlauf von Rainbow. Er hatte ein flexibles Band darum gelegt, damit die Venen gestaut wurden und sich besser unter dem dichten Fell abzeichneten. Glücklicherweise war die cyanblaue Stute durchtrainiert, so das die Blutgefäße kräftig hervortraten. Rogue desinfizierte den Bereich mit einer alkoholischen Lösung. Dann griff er mit seinem empfindlichen Mund, der einzige Teil eines Erdponys, das für so diffizile Arbeiten gemacht war, nach dem Venenkatheter.

Vorsichtig senkte er das scharfe Ende durch das Fell in die Haut darunter.

Rainbow gab einen leisen Laut des Unbehagens von sich, hielt aber still. Rogue zog behutsam den Mandrin zurück, einen Draht, der den Katheter verschloss. Der flexible Schlauch am Ende füllte sich nicht mit Blut. Er hatte die Vene verfehlt.

Verdammt!, schelte er sich selbst.

Er schob den Draht zurück und schob ihn weiter in die Haut.

Er zog den Mandrin zurück – immer noch nichts.

Verdammt! Verdammt!

Er war nun mit der Nadel bereits hinter dem großen Gefäß, das er angepeilt hatte. Er konnte die Nadel noch herausziehen, ohne die Gefäße zu verletzten. Oder...

´Junge, es gibt immer zwei Wege´, sagte Trotter. ´Von oben, oder von der Seite. Den Venen ist das egal.´ Es war in seinem ersten Jahr gewesen. Das ältere Rettungspony hatte ihn bei einem Training beiseite genommen, nachdem er sich gut zehn Minuten an der Gumminachbildung eines Vorderlaufes abgequält hatte.

`Du siehst die Vene? Wenn du sie nicht beim ersten mal triffst, dann folge ihr einfach. Sie wollen nicht gestochen werden, das ist nicht ihr Job. Es ist deiner. Manchmal muss man sie zu ihrem Glück zwingen.´

Rogue schob die Nadel vorsichtig weiter. Es war mehr als schwierig dem Verlauf der Vene zu folgen, den er musste die Nadel ruhig in seinem Mund halten und gleichzeitig mit seinen Augen sehen wie sie sich bewegte.

Er zog den Draht zurück. Kostbare rubinfarbene Flüssigkeit füllte den kleinen Schlauch.

Rogue ließ mit einem erleichterten Seufzen den Atem ausströmen, von dem er gar nicht mehr wusste, das er ihn angehalten hatte. Er fixierte den Zugang mit einem Pflasterstreifen und schloss die Infusion an. Das klare, sterile Wasser tropfte aus der Glasflasche in den Schlauch und zeigte an, dass alles an seinem richtigen Platz war. Er winkte einen in der Nähe stehenden Pegasus heran und wies ihn an, die Flasche in die Höhe zu halten.

Die Medikamente aufzuziehen war eine nicht weniger komplizierte Arbeit, aber wenigsten war er sie gewöhnt. Er spitzte etwas von dem Schmerzmittel durch den Zugang direkt in die Venen und gab den Rest in die Infusion, wo es langsam in den Kreislauf seiner Patientin hineinlaufen würde. Er wischte sich den Schweiß von der Stirn.

„Du wirst dich etwas müde und schwindlig fühlen, Rainbow, aber die Schmerzen sollten bald nachlassen." Die Stute nickte langsam. Ihr Atem ging bereits langsamer und ruhiger.

„Rainbow!" Rogue sah auf, als ein Ruf durch den Wald erschallte. Applejack war in vollem Galopp zu ihnen unterwegs die Böschung hinab. Das Erdpony setzte über einen umgestürzten Baumstamm hinweg und landete sicher auf ihren Hufen. Dann drängte sie sich durch die Gruppe der Pegasie und ließ sich neben Rainbow auf ihre Knie nieder. Sie strich mit ihrer Schnauze über die Wange der cyanfarbenen Stute und stupste sie leicht an. Rainbow hob ihre schweren Augenlider an.

„Applejack? Was machst du hier?", fragte sie müde. Das Schmerzmittel hatte sie bereits schläfrig gemacht.

„Was ich hier mach´? Das selbe könnt´ ich dich frag´n! Was is´ passiert?" Applejack´s Stimme war ruhig, hatte aber einen Unterton von Besorgnis. Rainbow schloss wieder ihre Augen.

„Rainbow! Rainbow!", rief Applejack aus und versuchte den Pegasus wieder zu wecken. Rogue legte ihr einen Huf auf die Schulter.

„Es geht ihr gut, AJ. Sie hat sich ein paar Rippen gebrochen und ich habe ihr etwas gegen die Schmerzen gegeben. Sie schläft jetzt. Ich verspreche dir, sie kommt wieder in Ordnung."

Applejack sah ihn mit großen Augen an. Dann wandte sie sich wieder Rainbow zu und rieb zärtlich ihre Schnauze gegen die blaue Wange.

Das Rettungspony drehte sich langsam um und machte sich an seiner Ausrüstung zu schaffen. Er legte Rainbow einen Sauerstoffschlauch vor die Nüstern und kontrollierte ihren Blutdruck. Er war gerade dabei ihre Wunden zu verbinden, als ein weiterer Windstoß über den Waldboden blies. Zwei Pegasie in weißen Krankenhauskitteln schwebten vom Ufer durch die Lücke zwischen den Bäumen, eine Trage zwischen sich. Die Konstruktion war ähnlich der, die Rogue von seine Ambulanz her kannte. Die Pegasie im Wald machte bereitwillig Platz und ließen die frisch eingetroffenen Ponys zu der Patientin durch. Rogue fixierte den Verband kurz und trat ihnen entgegen.

„Rogue Runner, Manhattan Central Ambulance. Ich war ersteintreffender Sanitäter vor Ort. Schön, dass Sie hier sind."

Die Pegasus-Stute am vorderen Ende der Trage schüttelte kurz ihre schwarze Mähne aus und hielt ihm dann einen weißen Huf entgegen. Sie trug einen weißen Kittel, der sie als Ärztin auswies.

„Manehattan? Dann sind sie aber ein gutes Stück von ihrem Einsatzgebiet entfernt! Mellow Feather, Blessed Wings Krankenhaus.", sagte sie mit einem Lächeln und schüttelte Rogue kurz den Huf. „Was haben wir hier?"

Das junge Rettungspony gab ihr einen kurzen Überblick über das Geschehen und die Maßnahmen die er getroffen hatte.

„...Sie scheint jetzt schmerzfrei zu sein. Abgesehen von den gebrochenen Rippen und den leichten Blessuren konnte ich nichts finden, Doktor Feather.", beendete er seine Übergabe an die Ärztin.

Die weiße Stute schloss ihre Untersuchung der Patientin ab und drehte sich zu Rogue um.

„Das war gute Arbeit, Mister Runner. Ich werde mir die Röntgenbilder genauer ansehen, aber ich glaube nicht, dass der Schaden groß ist. Sie wird nicht lange bei uns bleiben müssen. Lagern wir sie jetzt um auf die Trage."

Zusammen mit dem Pflegerpony, das mit der Ärztin herabgeflogen war, brachten sie Rainbow auf die Flugtrage und schnallten sie an. Applejack wich keinen Moment von ihrer Seite, bis sich die Krankenhausponys startbereit machten. Rogue, Applejack und der Kreis aus Pegasie sahen zu, wie die drei Gestalten langsam in den Himmel verschwanden. Der junge Erdhengst trat auf Applejack zu.

„Kennst du Rainbow?", fragte er überflüssigerweise.

Applejack sah noch immer zu der Lücke zwischen den Bäumen, dort wo das Dreiergespann verschwunden war. „Rainbow Dash is´ eine... is´ eine meiner besten Freundinnen aus Ponyville." Sie drehte sich zu ihm um. „Sie wird doch wieder werd´n oder?", fragte sie sie ihn besorgt, während Tränen in ihren Augenwinkel glitzerten.

Rogue trat auf sie zu und legte sanft seine Vorderläufe um sie. Applejack zögerte erst, dann erwiderte sie die Umarmung.

„Sie hat Glück gehabt. Die gebrochene Rippen werden ihre Zeit brauchen, aber sie wird sich erholen, glaube mir."

Applejack unterdrückte ein Schluchzen und drückte ihn noch einmal fest. Dann löste sie sich aus der Umarmung und wischte sich die Tränen fort. Sie lachte kurz. „Da schau´mich an! Ich wein´ wie ein kleines Füllen. Ich weiß gar nich´ was mit mir los is´."

Rogue blickte sie mitfühlend an. „Wir sind wohl alle gerade ein bisschen nah am Wasser gebaut.", sagte er. Das brachte ihm ein weiteres Lachen von Applejack ein.

„Da has´ du wohl recht."

Sptifire trat an die beiden heran, während hinter ihr die ersten Pegasie aus der Menge abhoben und in den Himmel flogen. „Ich muss mich noch bei Ihnen bedanken. Gehen wir ein Stück?" Sie wies mit einem Huf durch den Wald in Richtung Cloudshadow. Applejack und Rogue sahen sich kurz an, dann nickten sie gleichzeitig. Zu dritt machten sie sich auf den Weg zurück.

Spitfire schwieg zunächst und schien ihren eigenen Gedanken nachzuhängen. Sie übernahm von selbst die Spitze der kleinen Gruppe und führte sie über einen kleinen Pfad die Böschung hoch. Applejack und Rogue trotten hinter ihr her. Rogue bemerkte jetzt erst die kleinen Stiche und Blessuren, die er sich bei seinem Sturz zugezogen hatte. Vor allem sein linker Hinterlauf gab bei jedem Schritt ein leichtes Pochen von sich. Egal, er würde sich darum kümmern, wenn sie zurück im Dorf waren.

Schließlich räusperte sich Spitfire. „Wie schon gesagt, ich habe Ihnen zu danken, Mister... Runner, nicht wahr?"

Rogue nickte, auch wenn die vor ihm gehende Pegasus-Stute es nicht sehen konnte. „Rogue reicht vollkommen, Miss Spitfire.", ergänzte er.

Sie blickte zurück und schenkte ihm ein kurzes Lächeln. „Dann genügt mir auch ein Spitfire." Rogue errötete kurz und sah schnell weg. Er realisierte nur langsam, dass er hier mit dem Captain der berühmten Wonderbolts unterwegs war und Sie Ihm danken wollte.

Sie gingen gemeinsam auf dem schmalen Pfad die Steigung hoch. Dann sagte Applejack: „Was is´ eigentlich passiert? Rainbow is´ die Beste im Flieg´n die ich kenn´. Die legt nich´ einfach so ne Bruchlandung hin."

Spitfire schwieg noch einen Moment, dann antwortete sie. „Ich brauche Ihnen wohl nichts über die schwierige Lage erzählen, in der sich Equestria gerade befindet, oder?" Die beiden Erdponys verneinten.

Der Captain seufzte leise. „Wir, also die Wetterpegasie, nehmen uns die Dürre natürlich besonders zu Herzen. Wir sollten die Wächter über das Wetter von Equestria sein, aber... die derzeitige Lage... wir versuchen...", wieder seufzte Spitfire, diesmal tiefer, ein Laut der Frustration.

„Über hunderte von Jahren hat Cloudsdale das Land mit Wolken versorgt, wenn auf natürlichem Weg nicht genug entstanden sind. Jetzt scheinen gar keine Wolken mehr von selbst zu entstehen und die Wolken, die wir produzieren scheinen... aufgesaugt zu werden. Als wäre die Luft so trocken, dass sie die Feuchtigkeit einfach verschluckt."

„Ja, wir ham´ es geseh´n.", sagte Applejack. „S´ als würd´n die Wolken schrumpfen, kaum dass ihr sie gemacht habt."

Spitfire nickte ernst und fuhr fort. „Die Prinzessinen und ihre besten Ponys untersuchen diese Phänomen. Sie haben bis jetzt herausgefunden, dass es weder die Hitze, noch die Sonne ist, die es verursachen. Deshalb hilft es auch nichts, wenn wir die Wolken Nachts produzieren. Sie schmelzen genauso schnell wie am Tage. Wir haben alle Wetterpegasie aus Equestria zusammengerufen, um so schnell und so viel wie möglich zu produzieren, damit wir wenigstens die nächsten Farmen versorgen können. Aber es reicht bei weitem nicht aus. Wir... Wir arbeiten wirklich hart, aber es ist nur ein Tropen auf den heißen Stein." Spitfires Stimme bekam etwas bitteres, als sie die letzten Sätze aussprach. „Trotzdem werden bereits erste Stimmen laut, dass wir zufiel des Wassers für die Erhaltung von Cloudsdale abzweigen. Ich kann es ja verstehen, dass die Ponys um ihre Ernte fürchten und wir Vorräte brauchen, aber... aber..." Sie brach ab und blieb stehen.

Applejack legte einen Huf auf ihre Schulter. „S´ eure Heimat, oder? Un´ seine Heimat lässt man nich´ im Stich." Spitfire sah sie mit großen Augen an, in denen die Furcht glitzerte.

„Nein! Ich meine... Wir nehmen nur was unbedingt notwendig ist, um die Stadt am Leben zu erhalten! Alle Pegasusbauten außerhalb von Cloudsdale sind schon geschmolzen! Wir rücken so eng zusammen, wie wir können! Und trotzdem..." Sie sah betreten zu Boden.

Rogue konnte nicht anders. Er schämte sich. Nicht für sich selbst, sondern für die dummen Ponys da draußen, die Cloudsdale dafür verantwortlich machten, dass kein Regen mehr fiel. Die diese hart arbeitenden Pegasie egoistisch nannten, die nur ihre einzig verbliebene Heimat erhalten wollten und sonst ihr Möglichstes taten, um allen zu helfen.

„Niemand hier macht Sie dafür verantwortlich, Mi... Spitfire. Prinzessin Celestia hat gesagt, dass wir uns in dieser Krise an die Tugenden der Freundschaft erinnern sollten. Anderen die Schuld zuzuweisen gehört meines Wissens nicht dazu.", sagte er.

Spitfire warf ihm einen kurzen, dankbaren Blick zu, dann straffte sie ihre Gestalt.

„Danke. Noch einmal. Doch nun zu dem Unfall von Rainbow Dash." Sie begann den Pfad weiter zu folgen, die beiden Erdponys hinter sich.

„Es... es war auf gewisse Art und Weise meine Schuld. Ich bin für die Koordination und die Einteilung der Pegasie für die Wassertornados zuständig, unter Aufsicht von Tear Drop, der die Operation leitet. Wir arbeiten in drei Schichten, inzwischen vier Flüge während des Tages und zwei in der Nacht. Die Nachtflüge sind besonders gefährlich, da wir nahe an der Oberfläche fliegen müssen und die Sicht während des Tornados sehr schlecht ist. Wir haben die Pegasie in zwei Gruppen eingeteilt, je nach ihrer Ausdauer. Die stärksten Flieger dürfen auf freiwilliger Basis Doppelschichten übernehmen." Sie drehte sich kurz zu ihren Zuhörern um. „Keiner... Kein einziges dieser Ponys hat es bisher abgelehnt!", stellte sie klar. „Ich kenne Rainbow Dash, ich wusste, wie... verdammt stur sie manchmal sein kann und wie ernst sie ihre Aufgabe nimmt – und wie gerne sie sich selbst überschätzt. Ich hätte ein Auge auf sie haben müssen." Sie ließ ihren Kopf leicht sinken. „Sie ist die letzten vier Schichten geflogen. Es ist ein Wunder, dass sie so lange durchgehalten hat."

Sie kamen auf dem flachen Stück Wald heraus, wenige Meter vor der Wiese, wo Cloudshadow noch immer im Entstehen begriffen war. Spitfire blieb am Waldrand stehen und sah in den Himmel, mit traurigen Augen.

„Es ist meine Schuld. Ich hätte besser aufpassen müssen."

´Halt mich fest´, flehte Pear, die Augen weit aufgerissen. Rogue´s Herz machte einen Sprung. Sein Mund wurde trocken und Schweiß trat auf seine Stirn. Nein, nein, nein, NEIN!

Er zwang die Panik in sich hinunter, eine fast schon physische Anstrengung. Sein Herz pochte laut in seinen Ohren. Das ist die Sonne, deine Sonne, sie scheint da oben, sie ist immer noch da und scheint für dich, zeig ihr die Sonne...

Langsam trat Rogue vor Spitfire und legte ihr den Huf auf die Brust.

„Gehen Sie zu Rainbow. Erzähl ihr, was du uns erzählt haben. Sie wird dir verzeihen. Und dann, wenn zwischen euch beiden wieder alles im Reinen ist... verzeih dir selbst. Da ist eine Wunde in deinem Herzen, Spitfire und dies ist der einzige Weg sie zu heilen."

Der Captain der Wonderbolts sah ihn lange an, dann nickt sie langsam.

„Vielen Dank... für alles, was Sie getan haben."

Rogue und Applejack gingen gemeinsam über die Wiese zurück, nachdem sie sich von Spitfire verabschiedet hatten.

„S´ war sehr schön, was du zu Spitfire gesacht hast.", sagte Applejack und rückte etwas näher an die Flanke von Rogue.

„Wie? Was? Oh, das ist mir einfach so eingefallen.", sagte Rogue gedankenverloren.

Die Sonne war kaum weiter gerückt, seit sie vor dem Phalanx halt gemacht hatten. So viel war in dieser kurzen Zeit passiert. Rogue brauchte Zeit um nachzudenken. Um etwas klarer zu werden.

„Willst du noch etwas hier bleiben, Applejack? Wir könnten im Gasthaus übernachten und morgen fragen, wie es Rainbow Dash geht.", fragte er vorsichtig. Applejack antwortete nicht sofort, sondern rückte die Sauerstofftasche etwas zurecht, die sie für ihn auf dem Rücken trug. Schließlich schüttelte sie langsam den Kopf.

„S´ nich´ so das ich mir keine Sorg´n um Rainbow mach´n würd´, aber ich weiß, sie is´ in gut´n Huf´n. Lass mich noch´n Brief in Cloudshadow an sie schreib´n, damit 'se weiß, dass sich jemand um 'se sorgt un´ dann lass uns wieder aufbrech´n." Sie warf einen besorgten blick zu Rogue. „S´ is´ doch nich´ egoistisch von mir, oder?", fragte sie zweifelnd.

Rogue schwieg einen Augenblick. „Nein. Nein, ich glaube nicht. Du hast eine Familie, um die du dich sorgen musst. Das kann dir keiner vorwerfen. Wir haben für Rainbow getan, was wir konnten. Unsere Wünsche und Hoffnungen begleiten sie, aber sie wird verstehen, wenn du nach Hause möchtest."

Applejack nickte langsam, während sie zwischen den aufgebauten Zelten von Cloudshadow hindurchgingen. Als sie auf der Hauptstraße waren, stieß sie ihn noch einmal mit ihrer Flanke an.

„Hab´ ich dir eigentlich schon gesagt, wie stolz ich drauf bin, was für´n großes un´ erwachsenes Rettungspony aus dir geword´n is´?" Rogue errötete leicht, während sie zurück zum Phalanx gingen. Dann drückte Applejack Rogue einen dicken, feuchten Schmatzer auf die Wange.

Er setzte sich aus Überraschung auf die Hinterbeine, so fest, dass eine kleine Staubwolke unter seinem Hintern hervor wallte. Seine Gesicht nahm eine tiefrote Färbung an, wie man sie sonst nur von Tomaten kannte. Lachend trabte AJ zum Ambulanzwagen, um die Sauerstofftasche loszuwerden.