Disclaimer: Ich habe keinerlei Rechte an der Geschichte, was den Inhalt von Hasbro´s My Little Pony: Friendship is Magic anbelangt. Abgesehen von meinem OC ist alles deren Eigentum.
Kapitel 9: Schöne Stuten
Applejack war seltsam still auf ihrem Weg zurück zur Farm. Ihre Miene war nachdenklich und ihr Blick strebte immer wieder zurück nach Ponyville, wo das grüne Blätterdach der Bibliothek hinter ihnen immer kleiner wurde. Rogue trotte still neben ihr her. Er suchte nach einem unverfänglichen Weg, sie nach der Sache zwischen Twilight und Spike zu fragen, aber ihm wollte nichts einfallen. Applejack war offensichtlich über das Verhalten von Twilight beunruhigt, aber da Rogue sie nicht persönlich kannte, konnte er kaum etwas sage, um seine Cousine zu beruhigen. Also schwieg er.
Nachdem sie zurückgekehrt waren, verbrachte er den Rest des Nachmittags damit Apple Bloom dabei zu helfen, die Farm für das kleine Fest am Abend vorzubereiten. Applejack und Big Mac waren bereits wieder im Hain bei der Arbeit, während Granny in der Küche beschäftigt war. Die Tische und Stühle mussten aus der Scheune gebracht und in der kleinen, mit wildem Wein überwachsenen Laube neben dem Gemüsebeet hinter der Scheune aufgestellt werden. Vorher kehrten sie die Laube aus und rissen ein paar der dichten Ranken herunter, um mehr Licht in das Innere zu lassen. Das Fohlen deckte die Tische, während Rogue ein paar Öllampen zusammentrug, sie füllte und in der Laube aufhängte.
Rogue wäre ohne seine kleine Cousine restlos verloren gewesen. Apple Bloom alleine wusste, wo alles zu finden war, was sie brauchten. Zusammen kamen sie schnell voran mit ihrer Arbeit.
Rouge ertappte sich dabei, wie er das aufgeweckte Füllen schnell in sein Herz schloss. Ihre quirlige Art, zusammen mit ihrer Zielstrebigkeit, die manchmal in Dickköpfigkeit durchschlug (Wie es sich für eine echte Apple gebührte) imponierte ihm. Sie war auf vielerlei Weise so, wie Rogue selbst gerne als Fohlen gewesen wäre: Extrovertiert, unvorbehalten und selbstständig.
Als sie fertig damit waren, die Laube herzurichten, führte ihn Apple Bloom über die Farm und das große Anwesen. Sie zeigte ihm die Ställe mit den Schweinen und Hühnern und ging mit ihm zu der großen Weide, wo die Schafe die Hitze des Tages im Schatten der Bäume verschliefen. Rogue betrachtete neugierig die Fuhrwerke, Pflugscharen und die anderen mannigfaltigen landwirtschaftlichen Geräte, die still in einem Nebengebäude ruhten, immer noch mit trockenen Erdbrocken verkrustet.
Schließlich führte sie ihn durch die Apfelbäume in der Nähe des Farm, bis sie auf einer kleinen Lichtung herauskamen, die von alten, dicken Apfelbäumen umstanden war. Neugierig sah sich Rogue um, was Apple Bloom ihm als nächstes zeigen wollte. Auf einem besonders kräftigen Baum erhob sich eine kleine Hütte, gebaut auf einem starken Ast und durch eine kleine Rampe zu erreichen. Ein Baumhaus! Rogue war sofort Feuer und Flamme. Wie sehr hatte er sich als Fohlen ein Baumhaus gewünscht! Stolz führte Apple Bloom ihn zum ´Hautquartier der Cutie-Mark-Crusader´ und Rogue ließ es sich nicht nehmen, die schmale Rampe hochzuklettern und sich auch drinnen umzusehen, auch wenn die Bohlen unter seinem Gewicht bedrohlich knarrten. Seine Cousine erzählte ihm eifrig, wie sie es zusammen mit ihren Freundinnen Sweetie Belle und Scootaloo ganz alleine wieder hergerichtet hatte. Dann saßen sie zusammen in der kleine Hütte und Apple Bloom erzählte aufgeregt von den vielen Abenteuern, die Sie und ihre Freunde auf der Suche nach ihren Cutie-Marks bereits erlebt hatten. Sie war gerade dabei zu erzählen, wie sie drei zusammen bei einer Freundin von Sweetie Belles großer Schwester übernachtet hatten, als acht kleine Hufe laut über die Rampe zum Baumhaus hochtrappelten. Apple Bloom unterbrach sich und sprang sofort auf.
Zwei Füllen betraten das Clubhaus und sahen neugierig zu Rogue und seiner kleinen Cousine. Eines war ein weißes Einhornfohlen mit pink-violett gestreifter Mähne, das andere ein orangenes Pegasusfüllen mit purpurroter Mähne.
„Wen hast du da mitgebracht, Apple Bloom?", fragte der kleine Pegasus mißtrauisch. Das Einhorn hielt sich schüchtern im Hintergrund.
„Das is´ Rogue, einer von mein´ Cousins. Er kommt den ganz´n Weg aus Manehattan!", rief Applebloom aufgeregt und ging zu ihren Freundinnen. „Rogue, das sind Scootaloo und Sweetie Belle." Sie deutete nacheinander mit einem Huf auf die beiden.
Rogue nickte den beiden freundlich zu. „Apple Bloom war so nett und hat mir euer Hautquartier gezeigt. Ich finde es toll, was ihr hier gemacht habt. Ein echtes Baumhaus! So etwas hätte ich als junges Fohlen auch gerne gehabt."
Scootaloo wurde etwas rot und kratzte verlegen mit dem Huf über das Holz. „Wir haben es nur wieder hergerichtet. Es war Applejacks altes Clubhaus, bevor Sie es uns überlassen hat."
„Das hat mir Apple Bloom schon erzählt. Trotzdem sieht es nach einer ganzen Menge Arbeit aus. Ich meine, ihr habt sogar Vorhänge!"
Sweetie Belle drückte sich an Scootaloo vorbei. „Ja? Gefallen sie dir? Ich habe sie gemacht!"
„Apple Bloom hat mir schon ein bisschen was über euch erzählt. Ihr haltet Ponyville ja ganz schön in Atem. Wie war das, als ihr bei... Fluttershy?... übernachtet habt?"
Sofort schnatterten die drei Füllen wild durcheinander. „Oh, diese Geschichte... Hast du ihm schon von dem Cockatrice erzählt?... hat er schon unsere Capes gesehen?... Also, das war so... das hab ich ihm doch schon erzählt!..." Rogue kicherte kurz. Die drei waren schon was zum gernhaben.
Die Zeit verging wie im Fluge und schließlich hörten sie aus der Ferne Applejack nach Rogue und Apple Bloom rufen. Das Rettungspony erhob sich langsam und nickte seiner kleinen Cousine zu. „Meine Güte, ist das schnell spät geworden. Komm, Apple Bloom, die anderen warten sicher schon auf uns." Von den anderen beiden Fohlen gab es ein enttäuschtes ´Oh´ und `Ah`, als die beiden sich bereit machten aufzubrechen. Apple Bloom blickte missmutig zu Boden.
Rogue sah zwischen den drei Füllen hin und her, dann lächelte er. „Wieso kommen deine Freundinnen nicht einfach mit? Ich bin mir sicher, das genug für alle da ist und es niemanden stört. Natürlich nur, wenn ihr das wollt."
Sie wollten. Mit drei kleinen Fohlen im Schlepptau, die sich aufgeregt unterhielten, ging Rouge zurück zum Farmhaus, woher Applejacks Rufe erschallten. Sie, Big Mac und Granny waren gerade dabei die ersten Speisen aufzutragen, große Schalen mit Feldsalat, während eine auffällig gut aussehende weiße Einhornstute mit perfekt frisierter purpurner Mähne sich mit einem gelben Pegasus unterhielt, deren lange pinken Strähnen ihr über das Gesicht fielen. Als Rouge mit seiner Begleitung zwischen den Apfelbäumen hervortrat, sahen die beiden auf. Sweetie Belle lief sofort los zu der Einhornstute, während Apple Bloom und Scootaloo Granny halfen. Applejack stellte einen großen Krug Apfelsaft auf den Tisch, von dem das Kondenswasser in großen Tropfen herunter ran und begrüßte Rogue mit einem neckischen Lächeln. „Na, hab´ ich dir zuviel versproch´n?", fragte sie mit einem Kopfnicken in Richtung der Fohlen.
Rogue schüttelte belustigt den Kopf. „Untertrieben trifft es besser. Apple Bloom ist ein tolles Mädchen. Es ist schön, das sie solche Freunde hat.", sagte er.
Applejack nickte wieder und bedeutete ihm schließlich zu folgen. „Fluttershy und Rarity sin´ schon da un´ so wie ich Pinkie kenn, wird´ se auch nich´ mehr lang auf sich wart´n lass´n. Ich stell´ dir die beid´n vor."
Während sie zu den beiden Pony trotteten, nutzte Rogue die Gelegenheit und betrachtete Applejacks Freundinnen genauer. Die Pegasusstute, die er aufgrund von Apple Blooms Geschichten sofort als Fluttershy erkannte, blickte betreten zur Seite und schien sich hinter den langen Strähnen ihres hellen, pinken Haares, die ihr über das Gesicht fielen, regelrecht zu verstecken. Sie hatte sich auf ihre Hinterläufe gesetzt und schien bestrebt, so wenig Platz wie möglich einzunehmen. Dennoch drehte sich ihr Kopf leicht in seine Richtung und ein einzelnes, blaues Auge warf ihm einen kurzen, neugierigen Blick zu, bevor es sich schnell wieder auf ihre Huf konzentrierte.
Die Einhornstute an ihrer Seite war dazu im Unterschied das krasse Gegenteil. Auf Haltung bedacht, stand sie aufrecht und präsentierte sich von ihrer besten Seite. Ihre glänzende, tief purpurne Mähne war zu einer weich fließenden Welle arrangiert, keine Strähne dem Zufall überlassen. Sie hatte den Kopf erhoben und betrachtete Rogue unter ihren langen Wimpern mit unverhohlener Neugier. Ihr poliertes Horn und die sauberen Hufe ließen keinen Zweifel an einer kürzlichen Maniküre aufkommen.
Applejack blieb vor den beiden stehen und räusperte sich kurz. „Rogue, wenn ich vorstell´n darf, das sin´ meine Freundinnen Rarity un´ Fluttershy. Rarity, Fluttershy, das is´ mein Cousin Rogue Runner."
Durch Applejacks Geschichten hatte Rogue bereits einen ersten Eindruck von ihren Freundinnen gewonnen, also besann er sich auf seine Manieren und ergriff den Huf, den Rarity ihm anbot. Ok, Rogue du hast das vor Ewigkeiten mal gelernt. Wie war das doch gleich? Den Huf von unten berühren, den Kopf beugen, Augenkontakt kurz unterbrechen, Schnauze über den Huf halten, KEINEN Lippenkontakt herstellen, dann zurücktreten und erst dann den Huf losgelassen.
Er blickte vorsichtig nach oben, unsicher, ob er alles richtig gemacht hatte. Rarity schien überrascht,... aber offensichtlich erfreut. Danke, Mom, das du mich gezwungen hast auf die Sonntagsschule zu gehen, dachte er zu sich im stillen und ließ einen kaum hörbaren Seufzer der Erleichterung von sich. „Es freut mich außerordentlich ihre Bekanntschaft zu machen, Miss Rarity. Ich habe durch meine Cousine bereits viel von ihnen gehört und seit dem darauf gehofft sie persönlich kennen lernen zu dürfen."
Die weiße Stute schenkte ihm eine warmes Lächeln. „Die Freude ist ganz auf meiner Seite, Mister Runner. Sie müssen mir bei Gelegenheit auf jeden Fall von Manehattan, ihrer Heimat erzählen. Ich habe so viele Fragen!"
„Ich stehe ihnen gerne zur Verfügung.", sagte Rogue und lächelte sie freundlich an, bevor er sich zu dem Pegasus umdrehte.
„Und sie müssen Fluttershy sein. Es ist schön, sie heute Abend begrüßen zu dürfen." Er streckte ihr seinen Huf entgegen. Die gelbe Stute wich kaum merklich zurück und lugte vorsichtig unter ihrer Mähne hervor. „Um...hallo.", hauchte sie kaum hörbar.
Langsam ließ Rogue seinen Huf sinken. Ja, Fluttershy... Applejack hatte erwähnte, wie schüchtern sie war. Aber so schüchtern? Er leckte sich nervös über die Lippen und sah auf die Pegasusstute hinunter, die versuchte, sich irgendwie noch kleiner zu machen. Ihre Betretenheit war ansteckend. „Äh..., ja also, Applejack hat mir erzählt, das sie sich gut mit Tieren auskennen..." Fluttershy´s Kopf senkte sich noch etwas mehr und sie schloss die Augen. „Mep.", war das einzige, was durch ihre Lippen drang.
„Ähm..., ja, äh, auf jeden Fall schön, das sie hier sind, äh...", stammelte Rogue, und trat langsam zurück, um sie nicht noch mehr zu verschrecken. Celestia sei dank rettete ihn ein lautes Tröten, das sie alle aufsehen ließ.
Ein pinkes Erdpony mit noch pinkerer Mähne kam um die Ecke der Scheune gehüpft, einen kleinen Wagen im Schlepptau und eine Partytröte im Mund. Mit einem weiteren Tröten kam sie vor den anderen Ponys zum Stehen. „Hallo, alle zusammen! Sind schon alle da?" fragte sie vergnügt und schälte sich aus den Riemen des Wagens. Kaum befreit stürmte sie auf Applejack zu und zog sie in eine stürmische Umarmung. „Ooooh! Ich freue mich so, das du wieder da bist! Wir haben uns solche Sorgen gemacht, als wir gehört haben, was dir in Manehattan zugestoßen ist! Aber jetzt bist du endlich wieder da...", sie warf einen kurzen Seitenblick zu Rogue hinüber. „...und du hast uns sogar was mitgebracht!"
Applejack tätschelte das pinke Pony freundschaftlich auf den Rücken, dann löste sie sich aus der Umarmung. „Ich freu´ mich auch, das ich wieder hier bin. Ihr Mädl´s habt mir richtig gefehlt." Sie wies mit einem Huf auf ihren Cousin. „Das is´ Rogue Runner. Er hat sich in Manehattan um mich gekümmert un´ mich zurückgebracht."
Pinkie Pie schnappte sich unversehens seinen Huf und schüttelte ihn wild auf und ab, während Sie ihr breitestes Grinsen zur Schau stellte. „Hallo, Rogue! Willkommen in Ponyville! ´Rogue´, das ist ein komischer Name, aber jemand, der ´Pinkie Pie´ heißt, kann sich wohl kaum darüber wundern. Das bin übrigends ich, also Pinkie Pie, nur das es zu keinen Verwechslungen kommt." Sie ließ endlich seinen Huf los und Rogue schüttelte ihn unwillkürlich aus, um das seltsame Gefühl darin loszuwerden, das ihr wildes Schütteln verursacht hatte. Er war ein wenig verschreckt von der einnehmenden Präsenz, die das pinke Pony aus jeder Pore schwitzte. Er straffte seine Gestalt und hob seinen Huf zur Stirn im Salut.
„Chief Pinkie Pie, es ist mir eine Ehre sie kenne zu lernen", sagte er ernst. Pinkie brach in lautes Gelächter aus und schüttelte ihren Kopf, so das die pinken Locken nur so wirbelten.
„Ich kann einfach nicht ernst bleiben, wenn mich jemand ´Chief´ nennt. Ich bin einfach Pinkie, für dich wie für alle anderen." Rogue nickte zaghaft. Er war es gewohnt, die Feuerwehrponys und seine Vorgesetzten mit Respekt zu behandeln, aber er musste akzeptieren, das hier auf dem Lande die Uhren anders schlugen. Er ertappte sich unwillkürlich dabei, wie ihm leise Zweifel an Pinkies Kompetenz als Chief der Freiwilligen Feuerwehr kamen, jetzt da er sie persönlich kennengelernt hatte. Entschlossen schob er seine Bedenken beiseite. Er hatte kein Recht sie wegen seines ersten Eindrucks als unfähig abzustempeln.
„Zu Tisch! Zu Tisch! S´ is´ angerichtet!", rief Granny fröhlich aus der Laube.
„Kommt den Twilight nicht noch?", fragte Rarity mit leichter Sorge in der Stimme, während sie an der gedeckten Tafel Platz nahmen. Applejack zuckte nur mit den Schultern.
„Spike hat gesacht, das se´ versprochen hat zu komm´. Aber nach dem, was ich von ihm gehört hab´ is se´ ziemlich eingespannt bei ihrer Arbeit in Canterlot." Sie sah besorgt zur Ecke der Scheune. „Ich hat´ eigentlich gehofft, das der kleine Kerl vorbeikommt. S´ war nich´ richtig, das Twilight sein´ Geburtstag vergessen hat. Du weißt, wie dicke die beiden miteinander sin´." Sie sah zurück zu dem weißen Einhorn. „Wie hat er´s aufgenommen? Ich hab´ gehört du warst auf seiner Party."
Rarity nickte stumm und nippte an ihrem Apfelsaft. „Er hat versucht gute Mine zum bösen Spiel zu machen. Die Party mit uns hat ihn etwas aufgeheitert, aber sie hat ihm einfach gefehlt. Nicht nur ihre simple Anwesenheit. Das sie es schlicht vergessen hat – ich glaube es hat ihn tief getroffen." Sie seufzte leise. „Twilight versteht einfach nicht, das sie für ihn mehr als nur ein Freund und ihr ´Nummer Eins Assistent´ ist. Prinzessin Celestia mag ihn großgezogen haben, bis Twilight alt genug war, für ihn die Verantwortung zu übernehmen, aber er sieht zu ihr auf, wie... wie..." Rarity glättet verlegen ihre Mähne mit dem Huf. Sie dachte einen Moment lang nach, bevor sie fortfuhr. „Sie ist sein Bezugspunkt und auf gewisse Art und Weise sein Vorbild. Seine Welt dreht sich, seit er denken kann, nur um sie." Sie sah etwas verunsichert zu Applejack. „Ich dachte immer, das Twilight für ihn wie eine große Schwester wäre. Aber nach der Party, als ich sein enttäuschtes Gesicht sah... Ich... Ich denke einfach, es ist mehr als das. Vielleicht... vielleicht..." Sie seufzte schwer. „Was ist wenn Spike... auf eine gewisse Art und Weise... sie als eine Mutterfigur ansieht?" Die Einhornstute klopfte verlegen ihre beiden Vorderhufe zusammen.."Kannst du dir das vorstellen? Er muss sich vorkommen, als wäre er einfach beiseite gestellte worden. Twilight hat einen großen Fehler begangen. Und ich weiß nicht, ob Sie es wieder gut machen kann."
Applejack nickte langsam. Ihre Augen hatten einen traurigen Ausdruck angenommen. Rarity betrachtete sie einen Moment, dann legte sie mitfühlend einen Huf auf die Schulter des Erdponys. „Ich wollte dir nicht noch mehr Sorgen machen, Applejack. Wir beide wissen, wie Twilight sein kann, wenn sie sich in etwas verbeißt. Wenn sie das Problem gelöst hat und wieder einen freien Kopf hat, reden wir mit ihr darüber. Dafür sind Freunde ja schließlich da. Und wenn ich recht habe mit ihr und Spike, dann wird er ihr verzeihen können..."
Rogue unterhielt sich unterdessen mit Pinkie Pie über die freiwillige Feuerwehr von Ponyville. Das Konzept einer rein ehrenamtlichen Feuerwehr war ihm gänzlich neu und er wollte alles darüber wissen.
„Wie funktioniert die Alarmierung? Gibt es eine übergeordnete Leitstelle, die die Einsätze koordiniert?"
Pinkie kicherte nur und bediente sich aus der Schale mit dem Feldsalat. „Nein, nein, bei uns ist alles Hufbetrieben. Ponyville ist von Erdponys gegründet worden, die ohne das ganze Abrakadabra-Hornglühen auskommen mussten. Unsere Feuerwehr funktioniert immer noch so – Wenn ein Pony ein Feuer entdeckt, oder es sonst einen Notfall für uns gibt, läuft er zum Spritzenhaus und läutet die Glocke. Alle Feuerwehrponys, die sie hören, treffen sich dann da und wir rücken aus, wenn genug da sind. Das dauert selten länger als zehn Minuten. Das ist ziemlich schnell, oder?"
Rogue nickte langsam mit dem Kopf. Sicher, in der Stadt war ein Ausrücken nach spätestens zwei Minuten nach dem Alarm obligat, aber dort war die Wache auch ständig besetzt.
„Und natürlich habe ich noch meinen Pinkie-Sinn!"
Rogue stutze kurz. „Ähm, Pinkie-Sinn?", fragte er verwundert.
Das pinke Pony nickte eifrig. „Mein Pinkie-Sinn! Wenn was schlimmes passiert, bekomme ich das Jucken, das Schütteln, das Kratzen oder das Kribbeln."
„Kratzen und Kribbeln?" fragte das Rettungspony perplex.
„ja, genau! Mal sehen... das Kribbeln und ein Wobbeln – das ist zwischen Kratzen und Tingeln, also so zwischen Schüttlen und Jucken – ist ein Feuer, ohne Ponys in Gefahr, aber wenn ein Kribbeln dazu kommt, vielleicht sogar mit einem Wibbeln, oder einem Rappeln, dann weiß ich, das wirklich Not am Pony ist! Rappeln alleine ist nicht so schlimm- es sei den es kommt mit einem Jucken. Und wenn es Kribbelt und Schüttelt und Wibbelt... dann ist es Zeit Twilight zu rufen, denn dann ist ein Ursa Minor los und Sie ist die einzige, die damit fertig wird!" Pinkie Pie sah ihn aus ihren großen Augen abwartend an.
Rogue kratzte sich verlegen am Kopf. „Ok, das ist tatsächlich ziemlich anders, als in der Stadt...", sagte er gedehnt, während er einen forschenden Blick auf Pinkie Pie warf. Konnte es sein, das sie ihn auf den Vorderlauf nahm? Sie schien jemand zu sein, der durchaus zu Späßen aufgelegt war, aber wenn er falsch lag... Er wollte das pinke Pony nicht beleidigen, indem er lachte. Also wechselte er das Thema. „Tut mir leid, das ich so neugierig bin, aber das hier ist so anders als in der Stadt! Ich würde zu gerne einmal sehen, wie ihr hier arbeitet."
Pinkie Pie lächelte fröhlich, während sie sich eine Gabel voll grüner Blätter reinstopfte. „Ich kann dir morgen Abend nach meiner Arbeit das Spritzenhaus zeigen, wenn du möchtest. Uh, und Übermorgen haben wir unsere wöchentliche Übung, da kannst du mitmachen! Vielleicht kannst du uns ein bisschen erzählen, wie die Feuerwehr in der großen Stadt so ist. Es gibt auch Kuchen! Oh, was ist dein Lieblings-Kuchen?", fragte sie und klopfte aufgeregt ihre Hufe zusammen.
Rogue lachte verlegen. „Ich mag Erdbeer-Sahne sehr gerne."
„Dann weiß ich schon, was es am Samstag gibt! Du kommst doch, oder?" Sie blickte ihn hoffnungsvoll an. Er nickte eifrig und holte sich noch etwas Salat aus der Schüssel. „Du kannst auf mich zählen. Du arbeitest in der Bäckerei, oder? Ich komme morgen einfach gegen Feierabend vorbei und du zeigst mir euer Feuerwehrhaus. Und am Samstag kann ich bestimmt ein- zwei Stunden abzwacken um bei der Übung dabei zu sein. Ich bin auf jeden Fall gespannt!"
Die Apple-Familie räumte die Vorspeise ins Haus und bereitete den Hauptgang vor, eine wunderbar duftende Apfelpastete, während Pinkie Pie mit der Hilfe von Rarity bunte Lampions in der Laube und den niedrigen Ästen der umgebenden Bäume aufhängte. Das Pinke Erdpony hatte seinen kleinen Karren bis zum Rand mit Party- Utensilien vollgepackt. Ein hufbetriebenes Grammophon wurde als nächstes ausgepackt, zusammen mit Luftballons und einer ganzen Truhe voller Spiele. Apple Bloom, Scootaloo und Sweety Belle schnappten sich einen Frisbee daraus und begannen ihn sich über die Wiese hinter der Scheune hinweg zuzuwerfen. Rogue kam sich etwas verloren in dem ganzen Trubel vor, da er nicht wusste, wie er wem zu Huf gehen sollte. Er fand sich neben dem scheuen, gelben Pegasus wieder, die vor einem der alten Bäume stand, die neben der Laube aufragten. Ihr Blick war gedankenverloren auf das grüne Blätterdach gerichtet und ihr Gesichtsausdruck hatte etwas... trauriges? Rogue folgte ihrem Blick zu den Zweigen des Baumes. Er musste etwas suchen, bis er es sah. Der Pegasus sah zu einem kleinen Vogelnest, das in einer Astgabel hoch oben hing, fast verdeckt von den breiten Blättern. Rogue überlegte kurz, ob er die Stute ansprechen sollte. Sie schien sich mit Fremden nicht sonderlich gerne zu unterhalten. Dennoch gab er sich schließlich einen Ruck und räusperte sich leise.
Fluttershy tänzelte erschreckt zurück, während ihre Flügel aufgeregt schlugen. Ihre Hufe verließen kurz den Boden, als sie aus Angst abhob, doch dann beruhigte sie sich wieder etwas und setzte sanft zur Landung an. Sie war wirklich sehr schreckhaft! Fluttershy wich sie seinem Blick aus und versteckte ihr Gesicht hinter ihrer langen Mähne. Rogue sah sie einen Augenblick lang nachdenklich an, dann wandte er sich dem Baum zu und suchte mit den Augen das Vogelnest. „Es ist leer, oder?", fragte er sie leise, bestrebt das scheue Pony nicht noch mehr zu verschrecken. Er warf ihr einen Seitenblick zu und sah, wie sie leicht nickte. Er seufzte leise. Er wollte Applejack eine Freude machen und sich gut mit ihren Freundinnen verstehen. Bei Pinkie Pie war das keine Problem gewesen. Rogue hatte so den leisen Verdacht, das sie mit alles und jedem gut auskommen konnte. Bei Rarity hatte er mit seinem Hufkuss und der förmlichen Begrüßung – womit sich sein Wissen über Etikette bereits weitestgehend erschöpft hatte – zumindest ein paar Punkte sammeln können. Aber diese Stute machte es einem nicht gerade leicht.
Umso überraschter war er, als sie vorsichtig näher zu ihm trat. „Uhm, woher weißt du das?", fragte sie ihn, ihre Stimme kaum mehr als Flüstern.
Rogue sah von dem Nest zu Fluttershy, die ihn mit einem einzelnen, blauen Auge scheu betrachtete und wieder zu dem Nest zurück. Er räusperte sich nervös. „Naja, es... es sieht einfach verlassen aus, oder?" Er hatte keine Ahnung, was ihn zu diesem Eindruck geführt hatte. Rogue hätte beschwören können, das er bis zu diesem Augenblick noch nie ein Vogelnest in Natura gesehen, oder zumindest keines registriert hatte. Dennoch war er sich sicher, das das kleine Gewirr aus Zweigen und Federn derzeit weder Eier beherbergte, noch einem Vogel als Heim diente. Es war mehr ein Gefühl, als eine Schlußfolgerung.
Der Pegasus betrachtete ihn noch einen Moment lang, dann wandte sich ihr Blick wieder dem Nest zu. „Die Ponys haben solche Probleme mit der Dürre, das sie kaum bemerken, das auch der Rest des Lebens in Equestria darunter zu leiden hat. Es gibt so viele leere Nester in den Bäumen um Ponyville. Zu viele." Rogue war überrascht von dem Tonfall, denn Fluttershys Stimme angenommen hatte. Sie sprach immer noch sanft, aber statt ihrer verhuschten Art, redete sie nun bestimmt, auch wenn Wärme und Mitgefühl darin mitschwangen. „Ich glaube, es ist nicht nur hier so. Selbst im Everfree Forest..." Sie erschauderte leicht, als sie den Namen aussprach. "...selbst dort verschwinden täglich mehr und mehr meiner Freunde. Und nicht nur die Vögel. Ich weiß nicht wohin." Ihre großen, blauen Augen sahen wieder traurig zu dem verlassenen Nest zwischen den Zweigen des Baumes empor.
Rogue trat unsicher von einem Huf auf den anderen. Wieder fand er sich in der Notwendigkeit etwas zu sagen, wusste aber nicht was. Also tat er genau das falsche. Er streckte seinen Huf aus, um das Pony tröstend an der Schulter zu berühren. Seine Hufspitze streifte sanft über die weichen Federn ihrer Schwingen, dort, wo sie in den Rumpf übergingen.
Die Berührung ließ Fluttershy erschreckt herumwirbeln und zurückspringen. Als ihre Flügel angstvoll ausschlugen, erwischte ihn eine Spitze kraftvoll im Gesicht und warf ihn von seinen Hufen. Nicht weniger erschreckt als Fluttershy selbst, rollte er sich herum, weg von der Pegasusstute. Er zog seine Hufe unter sich und blieb im Gras sitzen, um die leichte Benommenheit abzuschütteln. Pegasusschwingen waren kräftig.
„Oh, Oh! Es tut mir leid, ich wollte nicht, ich meine..." quickte Fluttershy erschreckt. Sie faltete ihre Flügel wieder an den Rumpf und trat zögerlich einen Schritt auf Rogue zu, um nach ihm zu sehen.
Der Erdhengst schüttelte sich kurz und versuchte vorsichtig aufzustehen „Nein, mir tut es leid, ich hätte nicht..."
„Twilight!", Ihrer beider Köpfe ruckten herum, als ein Ruf über die Wiese hinter der Scheune erschallte. Eine lavendelfarbene Stute mit purpurner Mähne, durch das sich violette Strähnen zogen, war hinter der Scheune hervorgetreten. Auf ihrem Rücken ritt ein bereits vertrautes kleines Reptil, dessen grüne Kammschuppen sich über ihrem Kopf abzeichneten. Applejack galoppierte ihr entgegen und begrüßte Sie stürmisch. Rarity und Pinkie Pie waren ebenso schnell zur Stelle. Fluttershy warf Rogue noch einen letzten, undeutbaren Blick durch die Strähnen ihrer pinkfarben Mähne zu und schloss sich dann ihren Freundinnen an. Twilight Sparkle ließ Spike von ihrem Rücken steigen und begab sich dann, fast widerwillig, in die Umarmung ihrer Freunde. Schnell löste sie den Kontakt und blickte sich etwas betreten um.
„S´ Schön, das du´s noch geschafft has´ zu uns.", sagte Applejack zu ihr, mit einem warmen Ausdruck der Freude in ihrem Gesicht.
„Ja, ich hatte es ja versprochen..." Twilight blickte verlegen zur Seite und kratzte unruhig mit ihren Hufen über die Erde.
„Oh, meine Liebe, du siehst so müde aus! Komm, setzte dich zu uns." Rarity geleitete ihre Freundin zu einer der Bänke in der Laube, wo das lavendelfarbene Pony dankbar Platz nahm, die Hufe unter sich geschlagen. Neugierig trottete Rogue näher, hielt sich aber im Hintergrund. Die junge Stute sah erschöpft aus, unter ihren großen, violetten Augen waren dunkle Schatten zu erkennen. Ihr schöne Mähne war stumpf und ungepflegt.
Pinkie Pie hüpfte aufgeregt neben der müden Einhornstute auf und ab. „Twilight! Ich habe dich so lange nicht mehr gesehen! Wie geht es in Canterlot voran? Seid ihr dem Geheimnis der Dürre schon auf der Spur? Wenn du und die Prinzessinnen es endlich gelöst haben, schmeiße ich eine Extra- Mega-große Endlich-wieder-Regen-Party! Großes-Pinkie-Pie-Ehrenwort! Huf aufs Herz...", Sie legte ihren rechten Huf auf ihre Brust. „...kannst mir vertrau´n..." Sie wackelte mit den Vorderläufen. „...will´ mir sonst einen Muffin ins Auge hau´n." Sie steckte sich einen Huf... ins Auge?
Twilight ließ langsam den Kopf sinken und starrte deprimiert auf ihre Hufe unter sich. Ihre Freundinnen sahen sich unsicher an. Schließlich trat Fluttershy aus dem Kreis der Freunde zu dem Einhorn und strich sanft mit ihrer Schnauze über die Wange von Twilight, eine Geste voll Wärme und Vertrauen. Dennoch zuckte Twilights Kopf vor der Berührung zurück. Sie mied den Blick ihrer Freundinnen und sah statt dessen über die grünen Hügel der Farm, wo die Sonne langsam dem Horizont entgegen strebte. Fluttershy trat unsicher wieder zurück, in ihrem sanften Gesicht einen Ausdruck von Trauer und Enttäuschung. Es war still geworden am Tisch, als sich alle Augen auf Twilight richteten, die immer noch zusammengesunken auf er Bank saß, umringt von ihren besorgten Freunden.
Rogue stand noch immer außerhalb des Kreises und war so in den Anblick der traurigen Stute versunken, das er erschreckt zusammen zuckte, als ihn jemand an die Schulter tippte. Überrascht sah er zur Seite und sah Spike, der ihm bedeutete zu folgen, weg von der kleinen Gruppe. „Komm, Rogue. Wir sollten die Mädels jetzt alleine lassen." Rogue nickte langsam und folgte dem kleinen Kerl. Er sah noch einmal zurück und erhaschte zwischen Rarity und Fluttershy einen letzten Blick auf Twilight. Ihr Kopf war auf die Bank gesunken und in ihren Augenwinkeln glitzerten Tränen, die langsam über ihre Wangen rannen.
Der junge Hengst blieb an Spikes Seite, während sie zum Farmhaus zurückgingen. Big Mac, Apple Bloom und ihre Freundinnen, sowie Granny Smith hatten die Situation bei Zeiten erkannt und waren ihnen eine Stück vorraus. Spike blieb still und blickte gedankenverloren auf den Weg vor seinen Füßen. Nervös räusperte sich Rogue. „Hör zu, Spike, ich will nicht neugierig sein. Ich glaube, es geht mich nicht einmal etwas an. Aber wenn du darüber reden willst..." Er verstummte und warf einen Blick zur Seite. Das lilane Reptil hatte aufgeblickt und warf ihm einen seltsamen Blick zu.
„Ah, vergiss es. Es geht mich wirklich nichts an.", murmelte Rogue beschämt. Himmel, er hatte nicht die geringste Ahnung, was hier vorging, er kannte diese Ponys noch nicht einmal richtig! Er hatte keinerlei Recht sich einzumischen! Unsicher sah er wieder zu Spike. Zumindest schien dieser ihm sein Angebot nicht übel zu nehmen. Rogue seufzte leise.
Sie gingen schweigend weiter.
An diesem Tag war es ein leichtes Klopfen gegen die Tür seines Gästezimmers, das ihn weckte. Verschlafen setzte sich Rogue im Bett auf und rieb sich die Augen. Keine Alpträume diese Nacht. Er wertete das als gutes Zeichen. „Herein!", rief er, als sich das Klopfen wiederholte.
Granny Smith trat in das Zimmer und legte ein paar frische Handtücher neben die Waschschüssel auf der Kommode. Dann drehte sie sich lächelnd um. „Gut´n Morgen, Sugarcube! S´ zeit, dassde aussen Feder´n kommst. Die anner´n sin´schon auf un´ davon!"
Schuldbewusst blinzelte der junge Hengst die alte Mähre an. „Ihr habt mich schon wieder durchschlafen lassen?"
Granny lachte laut und zeigte mit ihrem Huf auf das Fenster. Die Sonne lugte bereits durch das Fensterkreuz. „Nich´ so lang´ wie gestern, aber Applejack hat klar gemacht, dasde hier auf Urlaub bis´ un´ nich´ um im Morg´ngraun das schuft´n anzufang´n."
Rogue schnaubte entschlossen und sprang aus dem Bett auf seine vier Hufe. „Ich bin kein verwöhntes Stadtpony, Granny!", sagte er bestimmt. „Ok, vielleicht ein Stadtpony, aber nicht verwöhnt! Ich bin es auch gewohnt für meine Frühschicht aufzustehen, wenn die Sonne gerade aufgeht! Und ich habe versprochen, das ich ich für meinen Aufenthalt hier arbeite! Ich stehe zu meinem Wort!"
Granny Smith nickte ernst, auch wenn noch immer ein Lächeln ihr Gesicht zierte. „Da rinnt ne´ Menge Appleblut in dein´ Adern, das hör ich sofort. N´ Kopf so dick wie ne´ Eiche, stramme Hinterläufe un´ immer vorn dabei, wenn ma´ inne Hufe spuck´n muss. Meine liebe Apple Flavour hat dir ihr´n Teil mitgegeben, soviel is´ sicher. Wir Apple´s kümmer´n uns um uns´re Familie." Das alte Pony sah ihren Großcousin kurz forschend an. „Un´ das heißt, wir kümmer´n uns auch um dich. Applejack hat mir erzählt, dasde auch dein Päckchen zu trag´n has. Aber s´ währ gar nich´ nötich gewes´n. Ich erkenn´ nen´ Kummer, wenn ich ihn seh´. Un´bei dir hab´ ich ihn schon geseh´n, als du gestern zu meiner Küche reingetrottet bis´."
Rogue trat unwillkürlich einen Schritt zurück, bis er das Bettgestell an seinen Hinterläufen spürte. „Ist es so offensichtlich?", fragte er besorgt.
Granny winkte ab. „Ich hab´ mein´ ganzes Leb´n mit Ponys zu tun gehabt, die Sorg´n mit sich rumschlepp´n. Sorg´n um de´ Farm, umme Ernte, darum das heut´ das Wasser reicht un´ Morge´n das Geld. Ich weisses´ weil ich´s oft genuch im Spiegel geseh´n hab´. Ich seh´s jed´n Tach bei Applejack un´ Big Macintosh un´ Celestia bewahre, wenn ich´s noch eines Tages in Apple Bloom´s klein´ Aug´n lesen muss. Aber so schlimm s´ auch grad´ is´, Wir stehn´s durch, so wie wir´s immer durchgestand´n ham: Als ne´ Familie. Steady Runner mag nix davon verteh´n, aber ich bin mir sicher, das Apple Flavour dir´s beigebracht hat, so wie du mir meine Applejack wiedergebracht has´. Du magst Runner heiß´n bis zur´ ew´gen Nacht..." Granny hob schnell einen Huf vor ihren Mund und errötete leicht. „Ach, das sacht´ man ja nich´ mehr, wo Luna wieder da is´. Sei´s drum, du magst Runner heiß´n, bis Abblebäume mit´n Wurz´ln nach ob´n wachs´n, du bist n´ Apple un´ da lass ich nix drauf komm´n!" sie klopfte bestimmt mit ihrem Huf auf den Holzboden. „Wenn de´ meinst, dasses ´ die richtige Zeit is´, dann lech´ dein´ Sorg´n innen Schoß vonner Familie. Ich, Applejack un´ falls es n´ Hengstproblem is´..." Sie zwinkerte ihm wissend zu. „...Big Mac sin´ immer für dich da un´ ham n´ off´nes Ohr für dich. Un´ bis da hin, sollste wiss´n, das wir nix von dir verlang´n. Wo du nen´ Huf ansetz´n kannst, sin´ wir dir dankbar, aber s´ das letzte was wir woll´n, dasde dich für uns aufarbeitest. So un´ nich´ anners isses´, Rogue."
Der junge Hengst blickte betreten zu Boden. Er strich verlegen über die feine Maserung der Holzdielen, bis er sich schließlich dazu durchringen konnte, Granny Smith in die Augen zu sehen. „Danke, Granny. Für... für die Gastfreundschaft. Und für das Gefühl zur Familie zu gehören. Und... und für die Zeit, die ihr mir gebt." Die alte Mähre trat einen Schritt vor und drückte ihm einen großmütterlichen Kuss auf die Wange. „Du bis´ uns immer willkommen, Sugarcube."
Als Rogue nach dem Frühstück aus der Küche auf den Hof der Farm trat, begrüßte ihn eine sanfte Briese, die mild durch seine Mähne fuhr und die Hitze des anbrechenden Tages abmilderte. Er schloss kurz die Augen und genoss das angenehme Gefühl des Windes, der durch sein Haar strich. Applejack und Big Mac waren bereits wieder im Hain zu Gange, während Apple Bloom zur Schule gegangen war. Granny Smith hatte den Tisch von gestern Abend bereits leer geräumt und war mit dem Abwasch beschäftigt. Es war an Rogue die Tische und Bänke wieder aufzuräumen und die letzten Reste der Feier zu beseitigen, die gestern ein so jähes Ende gefunden hatte.
Als er die Tischdecken herunterzog und zum Waschen auf einen Haufen legte, glitt sein Blick unwillkürlich zu der Bank, wo Twilight gestern Abend Platz genommen hatte. Sie hatte so traurig ausgesehen, so niedergeschlagen... alleine, selbst im Kreise ihrer Freunde...
Rogue schüttelte sich, um die Gedanken los zu werden. Das war eine Sache zwischen Applejack, Twilight und den anderen. Er war nicht Teil dieses Kreises. Soweit er es aus AJ Erzählungen sagen konnte, waren bis auf Rainbow Dash gestern alle Elemente der Harmonie hier versammelt gewesen. Diese Stuten teilten mehr als nur eine einfache Freundschaft. Was sie taten oder ließen und was für Kummer sie hatten, war einzig und alleine ihre Sache. So einfach war das.
Er klappte die Tische und Bänke zusammen und stellte sie an den Rand der Laube, um sie später nach und nach in die Scheune zu tragen. Die einfache Arbeit ließ seine Gedanken abgleiten zu eben jenem gestrigen Abend.
Applejack konnte schon ein paar bemerkenswerte Stuten ihre Freundinnen nennen. Einmal ganz abgesehen davon, das sie die Elemente der Harmonie waren, die Equestria schon öfter aus dem Schlamassel gezogen hatten, als er Hufe hatte. Rainbow Dash war die erste, die er zumindest flüchtig kennengelernt hatte. Alleine, wie Spitfire von ihr geredet hatte, hatte ihn beeindruckt. Sicher, nicht alles war schmeichelnd gewesen, aber dennoch... Rarity war ein Fancy-Pancy Pony, wie er viele aus Manhattan kannte. Er hatte eigentlich nicht viel übrig für das hochgestochene Getue, aber so, wie sie sich gestern um Twilight gesorgt hatte, ließ ihn daran zweifeln, ob er sie nach seinen üblichen Maßstäben messen konnte. Pinkie Pie war seltsam, aber nicht in einem abwertenden Sinne. Sie mochte sprunghaft sein, ein wenig naiv und kaum ernstzunehmen. Aber ihre Präsenz und die Wirkung, die sie damit auf andere Ponys hatte, war unabstreitbar. Fluttershy... ja, Fluttershy. Ihr Scheue hinterließ ein seltsames Gefühl in ihm. Man kam sich leicht groß und stark in ihrer Gegenwart vor, weil sie sich selbst so zurücknahm. Ihre Verschrecktheit weckte einen Beschützerinstinkt in Rogue, dessen er sich jetzt unangenehm bewusst wurde.
Und Twilight.
Rogue stand vor der Bank, auf der sie gestern Abend Platz genommen hatte, die letzte, die er weg räumen musste. Sie hatten Sitzkissen auf den Sitzgelegenheiten verteilt, um die harten Holzbänke etwas bequemer zu gestalten. Er starrte auf das einfache, gestreifte Muster des Polsters und sah vor seinem inneren Auge die purpurne Stute, die sich darauf ausgebreitet hatte. Den Kopf gesenkt, ihre Mähne unordentlich und Tränen in den Augenwinkeln. Ein Bild, das sein Herz auf seltsame Art und Weise berührte. Egal, was er Spike gestern gesagt hatte. Es interessierte ihn, warum sie so traurig gewesen war. Es kümmerte ihn. Er wollte es wissen, weil...
Langsam, zögernd, senkte er den Kopf zu dem Polster. Ohne wirklich zu wissen, was er tat, hielt er seine Nüstern nahe an den Stoff und sog tief den Geruch des Kissens ein. Er schmeckte die leichte Stärke, den etwas verbrannten Geruch des Bügelns und den sauberen Geruch des Leinen selbst. Und ganz leicht, fast verflogen durch die Kühle der Nacht... den Geruch nach Lavendelseife.
Was beim Tartarus tust du da gerade? Der Gedanke schoss unwillkürlich durch seinen Kopf und ließ ihn zurückschrecken. Er starrte für einen Moment auf das Sitzkissen, das er so intensiv beschnüffelt hatte, dann sah er sich erschreckt um, ob ihn jemand in diesem peinlichen Moment beobachtete hatte. Celestia sei Dank, war er das einzige Pony auf weiter Flur. Die stummen Reihen der Apfelbäume waren ebenso verlassen, wie die Wiesen und Felder hinter der Scheune. Rogue verbarg sein Gesicht hinter seinen Hufen, aus Scham vor sich selbst.
Was tust du da? Was tust du da?, hallte es in seinem Kopf endlos nach. Celestia, wenn ihn jemand gesehen hätte... er währe auf der Stelle aufgesprungen und nach Manehattan zurückgelaufen, ohne ein einziges Mal anzuhalten.
Ok, Rogue, ganz ruhig. Das waren einfach zu viele schöne Stuten in viel zu kurzer Zeit. Und die Sache mit Applejack... mag ja sein, dass das ganze rational geklärt worden ist, aber deine Libido ist da offensichtlich ordentlich in Fahrt gekommen und hat keinen Grund gesehen anzuhalten. Wir beruhigen uns jetzt etwas... beruhigen uns etwas... kühlen uns ab... kühlen uns ab...
Er lugte zwischen seinen Hufen hervor und sein Blick glitt unwillkürlich zu der Pumpe hinter der Scheune. Ja, genau das richtige.
