Disclaimer: Ich habe keinerlei Rechte an der Geschichte, was den Inhalt von Hasbro´s My Little Pony: Friendship is Magic anbelangt. Abgesehen von meinem OC ist alles deren Eigentum.
Kapitel 14:´Es tut mir Leid´
Lavendel.
Es gab einen Platz auf dem Schulhof, wo er wuchs. Jenseits der grauen Pflastersteine, aus denen sich, grünen Inseln gleich, Quadrate aus dichter Hecke erhoben, versteckt am äußersten Rand, halb verborgen hinter dem Geräteschuppen des Hausmeisters, gab es einen grünen Flecken zwischen dem Westflügel und der Sporthalle. Umringt von hohen Mauern, selten von den warmen Strahlen der Sonne besucht, klammerten sich hier die abgehärtetsten Unkräuter an eine kläglich Existenz. Aber es war grün.
Es war kein Geheimversteck. Ein junges Füllen brauchte keine Viertelstunde, um den Pausenhof zur Gänze zu erkunden. Viel gab es nicht zu entdecken: Zwei Schaukeln, eine Wippe und viel, viel harter Steinboden. Die drei Quadrate, die das triste Bild etwas auflockerten, waren dicht mit einer schier undurchdringlichen Hecke bewachsen. Generationen von Fohlen hatten unermüdlich einen, oder vielleicht zwei Pfade in jedes davon getrieben und den Boden mit ihren Hufen so fest gestampft, dass das widerstandsfähige Stadtgewächs jeden Versuch aufgegeben hatte, das verlorene Territorium zurück zu erobern.
Alle zwei, drei Jahre machte es sich eine Kunstklasse zur Aufgabe, die freudlose Umgebung durch farbenfrohe Malereien an den Hofwänden aufzulockern. Doch früher oder später (in der Regel früher) blätterte die billige Farbe und verstümmelte die einfach gemalten Bäume, Häuser, Tiere und Ponys zur Unkenntlichkeit.
Nicht das es, abgesehen von den Erwachsenen, jemanden störte. Die hier spielenden Fohlen sicherlich nicht. Denn der so freudlos aussehende Pausenhof war in Wahrheit nämlich ein Piratenhafen. Oder eine Raumschiffbasis. Oder ein vergessener Tempel im Urwald. Es kam ganz darauf an, welches der lärmenden, ausgelassen spielenden Füllen man fragte. Eigentlich war es alles auf einmal.
Dort drüben hielt Prinzessin Celestia Hof. Die Herrscherin über ganz Equestria war seltsam klein und hatte dunkelviolettes Fell, über das blonde Strähnen fielen. Ihr Thron war die Treppe zum Notausgang. Doch die ernsten Gesichter der beiden Wache stehenden Fohlen am Fuße der letzten Stufe ließen keinen Zweifel am Anspruch ihrer Legitimität.
Daring Do schlich durch den Dschungel, ihre Zebraverfolger dicht auf den Fersen. Sie konnte die rettende Lichtung vor sich schon sehen. Es machte nichts aus, das der Urwald bequem in ein Wohnzimmer gepasst hätte und ihre Häscher keinen einzigen Streifen auf dem Fell hatten. Sie war in Lebensgefahr und ihr junges Herz schlug ihr bis zum Hals.
Auf der anderen Seite des Hofes stach gerade die Seepony in das aufgewühlte Meer des westlichen Ozeans, auf Entdeckungsfahrt zu unbekannten Gestaden. Es war eine stolze Mannschaft, die feste zupackte, um das mächtige Schiff in der rauen See zu manövrieren. Sie hielten mit kleinen Hufen Ihre Papierhüte fest, damit sie in der steifen Brise nicht davon geweht wurden. Auf dem Dach der Schule hing die equestrianische Flagge schlapp und unbewegt an ihrem Mast.
Abseits davon, jenseits der dünnen Holzwände des Schuppens, auf dem kleinen Flecken Grün zwischen Sporthalle und Schultrakt, lag ein kleines Fohlen auf dem Bauch und genoss die Wärme des schmalen Streifen Lichts, der zwischen den Dächern hindurch fiel. Die zähen Gewächse unter ihm kratzen und stachen etwas, aber er versuchte es so gut es ging zu ignorieren. Das wilde Lärmen und Toben seiner Klassenkameraden war hier genauso laut, als würde er sich inmitten ihrer wogenden, ausgelassenen Meute befinden. Aber er hörte es nicht.
Sein kleines Herz schlug endlich wieder frei. Die dunklen Wolken, die ihn so lange bedrückten, hatten sich letztlich verzogen. Der Schmerz, der so lange sein Denken beherrscht hatte, war verblasst und nur noch eine ferne, unangenehme Erinnerung. Er atmete wieder frei.
Nein, es war nicht mehr schlimm. Und eines Tages würde er vielleicht wieder jemanden finden. Jemanden wie... Applejack. Aber das war die Zukunft und sie war Vergangenheit.
Es gab, für diesen besonderen, wertvollen Moment der Ruhe, nur ihn und das warme Gefühl der Sonne auf seinem Fell. Und den Duft von...
Lavendel.
Der Duft seines Traumes hing ihm noch immer in den Nüstern, als Rogue langsam wach wurde. Das feine, süße Aroma des Lavendels umschwebte ihn, durchdrang ihn, füllte ihn an. Er fühlte sich, als würde er auf einer violetten Wolke schweben, einem Kissen, gefüllt mit den frischen Knospen der Pflanze.
Nur zögernd, widerstrebend löste sich sein Verstand aus der Umarmung seines friedlichen Traumes. Er rieb seine Wange gegen das weiche, saubere Kopfkissen, auf dem er lag. Der Duft nach Lavendel hing noch immer in der Luft. Er stieg von dem feinen Leinen auf, in dem er lag. Er wollte sich darin verlieren, wollte noch einmal los lassen und zurück in den Schlaf, zurück in seinen Traum. Denn da war...
Da war etwas... dunkles, unangenehmes, das jenseits seiner geschlossene Lider auf ihn wartete. Etwas, das er fürchtete. Er wollte nicht wissen, was es war. Er wollte einfach wieder schlafen, träumen. Fern dieser finsteren Wolke, die sich langsam in seinen Geist drängte. Er wollte... einfach... nur...
Rogue schlug die Augen auf.
Wilde Schatten. Blitzende Reißzähne. Blut auf seinen Hufen. ´Snow, wach auf. Der Arzt ist da´.
Er rollte sich langsam unter den duftenden Laken zusammen, suchte Schutz in der warmen, tröstenden Umarmung des Bettes. Die dunklen Wolken, die er in seinem Geist erahnt hatte, waren ein Zyklon, der Schlaf nur das Auges des Hurrikans. So unvermittelt brach der Sturm an das Ufer, das er Rogue unter seiner Gewalt erschaudern ließ.
Kein Puls. `Drei`. ´Kippt ihn einfach ab´. Bockende, schmerzverzerrte Leiber unter seinen Hufen. Eine Nadel, an deren Spitze süße Erleichterung glitzerte. Stockender Atem. Das Geräusch des Reißverschlusses an einem gummierten Jutesack.
Sein Herz klopfte ihm bis zum Hals. Der Atmen drang nur stoßweise durch seine zugeschnürte Kehle. Es drang alles gleichzeitig auf ihn ein. Jede schreckliche, schmerzvolle Sekunde, die längste Nacht, in einem einzigen Augenblick. Wie ein Füllen lag Rogue unter der Bettdecke, zitternd, schwach, hilflos.
Halt mich fest!
Hilf mir!
Rette mich!
Er konnte nicht. Er konnte nicht mehr. Er fand keinen Anker, keinen Punkt um sich festzuhalten. Sein Geist war ausgehöhlt, leer. Die Mauern waren gefallen. Der dunkle, finstere Sturm in seinem Inneren trug ihn mit sich davon. Er trieb hilflos, ziellos.
I am the Captain of my Soul
I am... the Captain...
I am...
I...
Diesmal waren es aufgeregte Stimmen, die ihn weckten. Sie drangen nur gedämpft an sein Ohr, kaum dass er sie verstehen konnte. Es war der laute, wütende Ton in dem sie sprachen, der ihn letztlich aus seinem Schlaf riss.
Müde, zerschlagen, drehte er sich auf den Rücken und setzte sich im Bett auf. Sein unruhiger Schlummer steckte ihm noch in den Knochen. Sein ganzer Leib schmerzte bei jeder Bewegung und in seinem Kopf hatte sich eine dumpfe Schwere breit gemacht, ähnlich wie bei einem ausgewachsenen Kater. Er fühlte sich wie durchgekaut und ausgespuckt.
Rogue rieb sich den letzten Schlaf aus den Augen und blinzelte in die hellen Strahlen der Sonne, die durch das ovale Fester zu seiner Rechten fielen.
Das ist nicht Sweet Apple Acres.
Die Erkenntnis kroch nur langsam in seinen Verstand. Er schüttelte seinen Kopf, um klarer zu werden und gähnte herzhaft. Dann sah er sich aus vor Müdigkeit geröteten Augen um.
Das weiche Bett, in dem er lag, hatte eine dunkelblaue, mit Sternen und Monden verzierte Bettdecke. Das niedrige Kopfteil war aus massiven Holz und mit verschlungenen Schnitzmustern verziert. Am Hufende stand ein Korb, aus dem eine kleine, blaue Decke ragte.
Irgendetwas klingelte bei diesem Anblick in Rogue´s Hinterstübchen, aber sein Kopf war noch zu schwer, um darauf zu kommen.
Ein zierlicher, kleiner Schminktisch mit ovalem Spiegel darauf. Nischen in der Wand, in denen sich Bücher stapelten. Ein Nachttisch. Noch mehr Bücher. Das oberste lag aufgeschlagen mit dem Rücken nach oben und kam ihm seltsam bekannt vor. Verwirrt griff er danach und sah sich die aufgeschlagene Seite an.
Die Erkenntnis traf ihn wie ein kalter Kübel Wasser ins Gesicht.
Mit einem einzigen Satz war er aus dem Bett aufgesprungen. Sofort knickte sein rechtes Hinterbein weg und er konnte sich noch gerade so gegen das Bettgestell abstützen, um nicht auf die Schnauze zu fallen. Er verzog schmerzhaft das Gesicht, als wilde Pein in seiner Flanke aufflammte.
Er machte einen langen Hals, um nach seiner Verletzung zu sehen. Das erste, was ihm auffiel, war der strahlend weiße Verband um seinen Rumpf. Er betrachtete ihn einen Moment lang ausdruckslos.
Ach ja. Da hat dich eines dieser Dinger gekratzt. Als es versucht hat dich umzubringen. Dich zu fressen.
Ein leichter Schauder ran ihm über den Rücken und stellte seine Nackenhaare auf. Doch zu seinem eigenen Erstaunen ließ ihn die Erinnerung daran seltsam kalt. Er wusste, er sollte alleine beim Gedanken an diese schreckliche Erfahrung mit klappernden Zähnen in der Ecke sitzen. Das wäre nur rechtens. Das wäre richtig.
Statt dessen fühlte er nur eine gähnende Leere in sich, dort wo sein Herz sein sollte. Dort, wo er es schlagen hörte, eben in diesem Moment. Das Gefühl der Angst, der Panik, das ihn gestern fast in den Wahnsinn getrieben hatte, war noch da, er spürte es tief in sich. Aber es schien keinen Angriffspunkt zu finden. Als würde es sich auf der Suche nach seinem Herzen in eben jener Leere verlieren...
Sein Blick glitt weiter zu dem schmerzenden Hinterlauf. Vorsichtig stellte er ihn auf den Boden zurück und belastete ihn sanft. Der Schmerz kehrte zurück, aber nur dumpf und nicht so stark. Versuchsweise ging er einen Schritt. Er konnte laufen, humpelte aber ein bisschen. Er bewegte das Gliedmaß einmal in alle Richtungen durch, um ein Gefühl dafür zu bekommen, wann der Schmerz begann. Es war nichts gebrochen. Er hatte sich wahrscheinlich einfach nur die Hüfte geprellt. Schmerzhaft, aber nicht gefährlich. Ein- zwei Tage, dann wäre es vorbei.
Eine lauter Ruf aus dem Nebenraum ließ ihn aufblicken. Was ging da drüben vor?
Er sah sich noch einmal um. Und wie beim Taterus war er in Twilights Bett gekommen?
„Es geht mir einfach nicht in den Kopf, Fluttershy! Warum hast du ihn freigelassen? Wir alle haben gesehen, wozu sie in der Lage sind!" Rainbow schwebte unter der hohen Decke des Bibliothekraumes. Das schnelle Schlagen ihrer blauen Flügel und das aufgeregte Peitschen ihres Schweifes ließen keinen Zweifel daran, wie wütend die Stute war. Sie ließ sich tiefer sinken und neigte ihren Kopf zu der kanariengelben Stute, die zusammen gekauert auf ihren Hinterbeinen saß und sich hinter den dichten Strähnen ihrer hellrosanen Mähne versteckte.
„Hast du Paprika gesehen?", schrie sie der cyanblaue Pegasus an. „Hast du gesehen, was sie mit ihr angestellt haben? Buck, hast du es dir angesehen?"
Fluttershy schniefte unterdrückt und schüttelte langsam ihren Kopf.
„Wir haben kaum... kaum genug... g-gefunden um sie zu beerdigen!", Rainbows Stimme brach, als sie an das schreckliche Bild in der Seitengasse zurück dachte. Wild schüttelte sie ihre regenbogenfarbene Mähne aus und drängte die Erinnerung beiseite. Dann ging sie mit neuerlicher Wut auf ihre Freundin los.
„Was, wenn sie heute Abend zurückkommen? Was, wenn sie noch mehr von uns töten? Hast du darüber nachgedacht? Hast du auch nur einen Augenblick darüber nachgedacht, als du dieses... Monster... freigelassen hast? Das dann das Blut von unschuldigen Ponys an deinen Hufen kleben würde?"
Der gelbe Pegasus krümmte sich unter der Gewalt von Rainbows Wutausbruch zusammen, blieb aber still. Das brachte die blaue Stute nur noch mehr in Fahrt.
„Nein, du dachtest nur ´oh, das arme Tier, hier eingesperrt im Schuppen´. Das sind keine kleinen, süßen Häschen oder harmlose Vögel! Das sind reißende Bestien!"
„Lass´ es gut sein, Dash. S´ is´ passiert und s´ ändert nichts daran, dasde Fluttershy hier anschreist wie ne´ Verrückte." Applejack ging zu ihrer am Boden kauernden Freundin hinüber und rieb ihr beruhigend über den Rücken, als die Stute ihre Tränen nicht mehr zurückhalten konnte.
„Ergreif´ keine Partei für sie, Applejack! Du bist genau der selben Meinung wie ich, das weiß ich! Ich hab´ den Ausdruck auf deinem Gesicht gesehen, als du gehört hast, dass Apple Bloom fast von einem erwischt worden ist."
Die junge Erdstute erschauderte für einen Moment und legte ängstlich die Ohren an. Doch dann schüttelte sie nachdrücklich den Kopf.
„S´ geht nur mich un´ die Familie was an, Rainbow. Apple Bloom is´ nix passiert und ich dank´ Celestia un´ vor allem Luna jeden wach´n Moment dafür. Aber darum geht's hier nich´!"
Der blaue Pegasus warf noch einen letzten, wütenden Blick auf die Farmerin, dann wendete sie sich Rarity zu, die gedankenverloren in die kleine Tasse mit erkalteten Tee vor ihr starrte. Ihre sonst so strahlende purpurne Mähne war stumpf und einzelne Strähnen hatten sich aus dem perfekten Arrangement gelöst. Die weiße Stute wirkte müde und ausgelaugt.
„Was ist mit dir, Rarity? Sie waren hinter allen drei Crusadern her. Was, wenn Scootaloo sie nicht mit dem Scooter abgehängt hätte? Sie hat gestern auch Sweetie Belle gerettet."
Die weiße Stute schreckt auf und ließ beinahe die Tasse aus ihrer Levitation fallen. Sie fing sie kurz über dem Boden auf, aber ein paar Tropfen Tee schwappten auf den polierten Holzboden. Sie blickte betreten zur Seite. Es dauerte einen Moment, bis sie zu Sprechen begann.
„Wenn... wenn Sweetie Belle etwas passiert wäre..." Sie schloss ihre großen, blauen Augen und erschauderte. Ihre Stimme wurde zu einem Flüstern. „Ich wüsste nicht, was ich getan hätte." Sie warf einen unsicheren Blick zuerst auf Rainbow, dann auf Fluttershy.
„Vielleicht... vielleicht war es ein Fehler es frei zu lassen, Fluttershy. Vielleicht hätten wir zuerst Prinzessin Celestia fragen sollen."
Fluttershys Gesicht war noch immer hinter ihrer Mähne verborgen, aber sie zuckte bei den Worten ihrer Freundin zusammen, als wäre sie geschlagen worden.
Rainbow Dash nickte zufrieden und wandte sich Twilight zu. „Was sagst du dazu? Was hast du dazu zu sagen, dass noch ein ponyfressendes Ungeheuer mehr dort draußen frei herumläuft, Twilight?"
Die purpurne Stute schrumpfte in sich zusammen, als sie in die Diskussion hineingezogen wurde. Sie ließ das Buch, das sie gerade studierte, näher vor ihr Gesicht schweben, um ihre Unsicherheit zu verbergen. „Ich... ich muss mich konzentrieren, Rainbow.", lenkte sie schwach ab.
Der blaue Pegasus schnaubte abfällig und verschränkte die Vorderläufe vor ihrer Brust. Sie warf einen kurzen Blick auf Pinkie Pie. Die pinke Stute saß neben dem Eingang der Bibliothek, in Gummistiefeln, Einsatzjacke und den Feuerwehrhelm auf dem Kopf. Ihre hellblauen Augen waren weit aufgerissen und starrten ins Leere. Ihr sonst so fröhliches Gesicht zierte nur ein leichtes Lächeln, das zu mechanisch war, um echt zu sein. Alle ein, zwei Minuten zuckte ihr Blick zu der großen Standuhr in der Ecke und dann zu dem schmalen Fenster, das zur Straße hinausging. Sie hatte nicht ein einziges Wort gesagt, seit sie sich alle hier in der Bibliothek getroffen hatten.
Rainbow zögerte einen Moment, dann landete sie neben dem pinken Erdpony. Sie schob ihren Kopf vor das Gesicht ihrer Freundin und legte ihr sanft einen Huf unter das Kinn, um sie dazu zu bringen, sie anzusehen. Pinkie blinzelte kurz und ihr Blick fokussierte sich auf das Pony vor ihr. Ihr Lächeln wurde breiter, gewann aber nicht ein Jota an Echtheit.
„Alles in Ordnung, Pinkie?", fragte Rainbow besorgt. Als Pinkie nicht sofort antwortete, blickte sich die Stute hilfesuchend zu ihren Freundinnen um. Applejack tröstete die schluchzende Fluttershy, Rarity blickte weiter in ihre Tasse und Twilight hatte ihre Schnauze in ein Buch vergraben. Sie linste kurz über den Rand, senkte aber schnell den Kopf, als sie sah, dass Rainbow sie beobachtete. Dash seufzte leise. Keine Aussicht auf Hilfe von dieser Seite. Und dabei war sie genau das falsche Pony für so etwas...
Sie zuckte erschreckt zurück, als Pinkie Pie überraschend aufsprang. Die Erdstute trat einen Schritt zurück und brachte etwas Abstand zwischen sich und Rainbow. Sie schloss die Augen und grinste breit.
„Alles in Ordnung! Danke der Nachfrage! Mir geht es gut! Ich habe nur gerade nachgedacht, wie man ein Feuerwehrpony bestattet! Ich weiß es nicht, denn ich habe das noch nie machen müssen! Puh, eigentlich ein Glück, aber jetzt weiß ich nicht was ich machen soll! Ich bin mir sicher, das es da eine Tradition gibt! Mit Fahnen und Uniformen und vielleicht einem Wagen, ich weiß es nicht genau! Vielleicht kann Twilight es herausfinden, wenn es in einem Buch steht! Ich habe noch nie nachgefragt, ob es hier ein Buch über die Feuerwehr gibt! Vielleicht ´Traditionen der Feuerwehr´, oder ´Feuerwehrbestattungen´, oder ´Was-tun-wenn-das-schlimmste-passiert-was-man-sich-vorstellen-kann-für-Feuerwehrponys´! Das wäre genau das richtige!"
Rainbow trat im Angesicht des plötzlichen, manischen Ausbruch ihrer Freundin einen Schritt zurück. Pinkie ließ sich davon nicht beeindrucken. Ein gehetzter Blick zu der Uhr. Dann zu dem Fenster. Grinsen.
„Meinst du, dass Sugar Coat das gefallen hätte? Hast du ihn gekannt? Ich denke, er ist in die Feuerwehr eingetreten, weil er ein paar Stuten kennen lernen wollte. Ich meine, das kann man ihm kaum verdenken, oder? Aber er war immer voll dabei, bei allen Übungen, er hat nie gefehlt! Bei keiner einzigen! Er hat sich mit Dusty getroffen, ich hab´ sie zusammen im Sugarcube Corner gesehen. Da hab ich mir gedacht: ´Was für ein süßes Paar!´" Das Lächeln auf ihrem Gesicht gefror für einen Augenblick. Uhr. Fenster.
„Ich glaube, Dusty weiß es noch nicht. Wir sind gerade alle so eingespannt. Wegen der Schattenwölfe, du weißt schon, von gestern Abend. Es ist doch meine Aufgabe als Chief..." Sie zögerte einen Augenblick. „...als Chief ihr Bescheid zu geben, oder? Wegen der Verantwortung und so."
Ihr Blick glitt an Rainbow vorbei, verlor sich in der Ferne. „Was sage ich zu ihr? Sie sind... waren beide meine Feuerwehrponys. Meinst du, Dusty will noch in der Truppe bleiben? Oder die anderen? Kann ich überhaupt noch fragen? Nach dem... nach dem was Gestern passiert ist? Bin ich komisch, weil ich mir jetzt darum Sorgen mache?"
Ihre großen, runden Augen suchten den Kontakt mit Rainbow. Die blaue Pegasusstute schlang ihre Vorderhufe um den Hals ihrer Freundin und drückte sie fest an sich. Pinkie zögerte nicht und hielt sich hilfesuchend an Rainbow fest.
Dash strich sanft mit ihrem Kinn über den Nacken der bebenden Erdstute. Als ihre Knie nachgaben, führte sie ihre Freundin sanft zu Boden.
„Sch, sch, es ist alles gut. Alles gut." Zärtlich streichelte sie die pinke Mähne des zitternden Ponys in ihren Hufen. Sie hatte Pinkie noch nie so erlebt. Ihrer Freundin war immer eine Ausgeburt von Fröhlichkeit und Zuversicht gewesen. Sie war in der Gruppe ein Anker, ein Fixpunkt, so unerschütterlich und felsenfest optimistisch, dass es manchmal fast weh tat. Sie jetzt und hier so zu sehen...
Aber sie war nicht die einzige. Twilight, ihre Anführerin, war von Selbstzweifeln zerfressen, unfähig, ihnen in dieser dunklen Stunde die Anleitung zu geben, die sie so dringend brauchten. Rarity war in sich selbst versunken, geplagt von den Gedanken an das was wäre wenn... Fluttershy war nach der verbalen Prügel, die sie ihr verpasst hatte gänzlich aufgelöst. Am besten von allen hielt sich noch Applejack, auch wenn in ihren Augenwinkeln die Tränen blitzten, während sie das kanariengelbe Pegasuspony tröstete. Und Rainbow selbst...
Sie bemerkte, dass sie sich ebenso fest an Pinkie klammerte, wie diese an sie. Sie wollte es sich selbst nicht eingestehen, aber etwas nagte an ihr. Fraß sich langsam in ihre sonst so unerschütterliche Zuversicht und Selbstvertrauen.
Hätte dieses verdammte Ding nur aufgegeben. Hätte es nur endlich den Schwanz eingekniffen und sich davongemacht. Hätte es nur aufgehört nach ihr zu beißen, selbst als es schon blutend auf dem Boden lag.
Aber es machte weiter, zu verbissen und stur, um aufzugeben. Sie war seinen Angriffen behende ausgewichen und hatte wieder und wieder mit ihren Hufen zugeschlagen, selbst halb verrückt vor Angst.
Sie vergrub ihre Nüstern in die dichte, pinke Mähne ihrer Freundin, die so süß und unschuldig duftete. Sie merkte, wie sich kleine glitzernde Tränen in ihren Augenwinkeln formten und blinzelte sie entschlossen fort.
Warum hatte es nicht aufgehört? Warum hatte es nicht eingesehen, dass sie es besiegt hatte?
Statt dessen hatte es weiter gekämpft, mit seinem blutverschmierten Maul nach ihr geschnappt und vergeblich mit seine Krallen nach ihr geschlagen. Und sein Atem... so kalt, dass er brannte. Es hatte ihr keine Wahl gelassen, oder? Sie musste es...
Ihr Verstand zuckte vor dem endgültigen Wort zurück.
Sie hatte sich gestern nicht getraut, es vor ihren Freundinnen und den anderen Ponys auszusprechen. Statt dessen hatte ihr geschockter Verstand eine kleine Mär um den Kampf mit dem großen Schattenwolf gesponnen. Eine alternative Erinnerung, die ihr erlaubte weiterzumachen, vor sich selbst zu bestehen. Doch das künstliche Konstrukt war fragil und nicht von langer Dauer. Letztlich hatte sie sich der furchtbaren Wahrheit stellen müssen.
Sie war gezwungen gewesen es zu...
Töten.
Rogue humpelte die Treppe ins Erdgeschoss hinunter und verzog kurz das Gesicht, als er auf der letzten Stufe stolperte. Er schüttelte noch einmal seinen Hinterlauf aus, um den Schmerz loszuwerden, dann wandte er sich der Tür zum Hauptraum zu. Die lauten Stimmen dahinter waren verstummt. Es war seltsam still geworden.
Er war hier schon einmal gestanden, genau an diesem Platz. Er schüttelte langsam den Kopf, als er realisierte, dass es gerade einmal vor zwei Tagen gewesen war, dass er Twilight und Spike durch die halb geöffnete Tür belauscht hatte. Er konnte sogar die Lücke in den Bücherreihen sehen, wo er blind ins Regal gegriffen hatte.
´Buch!´
Es schien, als wäre ein ganzes Jahrhundert seitdem verstrichen. Ein langes, dunkles Jahrhundert.
Rogue warf einen Blick zu der Tür vor ihm. Was würde ihn dahinter erwarten? Sein Leben war so grundsätzlich aus der Bahn geworfen worden, dass er sich jenseits aller Erwartungen und Pläne wiederfand. Gestern früh war er so tief am Grund des Loches gewesen, dass er daran gezweifelt hatte, jemals die Kraft zu finden daraus hervor zu kriechen. Aber wenigstens hatte er einen Plan gehabt. Jetzt jedoch...
Es war letztlich alles bedeutungslos geworden. Pear, seine Dummheit bei Twilight, sein Zusammenbruch, die Sorge um Applejack... Fortgewischt in einer einzigen Nacht, in der das Blut auf die staubigen Straßen von Ponyville tropfte.
Eigentlich sollte er, auf eine verdrehte Art und Weise, dankbar dafür sein. Er hatte sich über seine tausend Sorgen endlos den Kopf zerbrochen, hatte sich selbst das Leben zur Hölle gemacht. Doch hier und jetzt – schien das alles bedeutungslos. Doch er war nicht froh. Und er war auch nicht traurig. Es war fiel schlimmer: Er fühlte überhaupt nichts. Nur die Leere dort, wo es sonst so heiß in ihm brennen sollte.
Etwas stimmt nicht mit dir. Da war sie wieder, die kleine, warnende Stimme in seinem Hinterkopf. Das ist nicht richtig. Etwas ist nicht richtig mit dir.
Er hielt kurz inne und neigte seinen Kopf nachdenklich. Nein. Nein, er war klar und bei vollem Verstand. Eigentlich mehr, als er es seit gut einer Woche war. Es war überraschend angenehm, nicht ununterbrochen ein verwirrendes Gefühlschaos mit sich herum zutragen.
Nein, das ist nicht angenehm, das ist falsch! Falsch, falsch, falsch!
Rogue schüttelte seinen Kopf und drängte die verwirrenden Gedanken beiseite. Es ging ihm gut. Er war angeschlagen, aber wem konnte man das nach so einer Nacht verdenken? Er schob entschlossen einen Huf vor und drückte die Tür mit seinem Kopf auf.
„Rogue!", Applejack war sofort auf den Beinen und stürmte ihm entgegen. Sie kam kurz vor ihm zum Stehen und strich ihm in einer überraschend intimen Geste mit ihren Nüstern über die Wange. Dann zog sie ihn in eine feste Umarmung.
„Geht´s dir gut? Ich hab´ gestern schon geseh´n dasde verletzt word´n bist. Alles in Ordnung?"
Trotz des kalten Gefühls in seiner Brust musste Rogue lächeln und strich langsam mit seinem Vorderlauf über AJ´s Rücken, um sie zu beruhigen.
„Es geht mir gut, Applejack. Jemand hat mich verbunden und es tut auch kaum mehr weh."
Während ihn seine Cousine noch einen Moment in ihren Hufen hielt, ließ er seinen Blick über die anderen Ponys im Raum wandern.
Rainbow löste sich gerade von Pinkie Pie und versuchte zu verstecken, wie sie sich mit dem Huf über das Gesicht wischte. Der Chief der freiwilligen Feuerwehr erhob sich langsam und hob ihren Helm auf, der zu Boden gefallen war. Fluttershy setzte sich gerade auf ihre Hinterläufe und sah ihn durch die Strähnen ihrer rosanen Mähne an. Als sie seinen Blick bemerkte, senkte sie schüchtern den Kopf und konzentrierte sich auf ihre Hufe. Rarity warf ihm nur einen kurzen Blick zu und konzentrierte sich dann wieder auf den Inhalt der Tasse, die vor ihr schwebte. Twilight warf ihm einen nervösen, gehetzt wirkenden Seitenblick zu und vertiefte sich wieder in ihre Lektüre.
Seine Ponykenntnis meldete sich zu Wort. Hier stimmt etwas nicht.
Alleine die unangenehme Stille, die auf dem Raum lastete, wäre Hinweis genug gewesen. Aber Rogue spürte sofort eine hintergründige Spannung, die zwischen den Freundinnen herrschte.
„Na wunderbar, was will der denn hier?" Rainbow hatte wieder abgehoben und schwebte mit verschränkten Vorderhufen unter der Decke, ein Ausdruck purer Ablehnung auf dem Gesicht.
Applejack löste sich aus der Umarmung und drehte sich zu dem cyanfarbenen Pegasus um. „Halt die Klappe, Rainbow! Rogue hat genauso n´ Recht hier zu sein, wie wir alle ander´n! Is´ nich´ auszudenk´n wie´s gestern ausgegang´n wär´, wenn er nich´ geholf´n hätt´!"
„Ach, ja?", die Augen der fliegenden Stute blitzten auf. „Das sah aber ganz anders aus, als ich deinem ´Helden´ den Hals gerettet hab´." Sie warf einen abfälligen Blick auf Rogue. „Du schuldest mir was, Junge!"
AJ stampfte laut mit dem Huf auf den Boden. „´dammt, ich hab´ genuch´ von deiner arrogant´n Art, Dash! Er hat dir in Cloudshadow deine Flanke gerettet und du gestern seine. Untersteh´ dich und red´ so mit meim´ Cousin! S´ schon genuch, dasde Fluttershy zum Weinen gebracht has´. Noch´n Wort aus deim´ schmutzigen Mund un´ ich vergess´ mich!"
Rainbow ließ sich fallen und landete geschmeidig vor der Erdstute. Aggressiv streckte sie den Kopf vor. „Ist das so? Und was sagst du dazu, dass dein ´feiner´ Cousin hier Twilight hinterher spioniert hat? Pinkie hat es mir erzählt und es ist mir egal, was er ihr gesagt hat. Ich vertau´ ihm nicht! Er kommt aus der großen Stadt und wir alle wissen, dass die Ponys da anders ticken! Wer weiß, was er vor hatte?"
Applejack zögerte einen Moment und warf einen überraschten Blick auf Rogue, der seltsam teilnahmslos hinter ihr stand. Dann schüttelte sie langsam ihren Kopf.
„Ich lech´ für Rogue meinen Huf ins´ Feuer wenn´s sein muss. Er is´ n´ anständiger Hengst, durch n´ durch. So isses un´ so wird's immer bleib´n."
Das junge Rettungspony saß auf seinen Hinterläufen und verfolgten die Diskussion zwischen den beiden Stuten aufmerksam. Etwas regte sich in ihm, tief in seinen Eingeweiden.
Er wollte sich erklären, wollte damit herausrücken, was ihn dazu bewogen hatte, sich in Twilights Angelegenheiten zu mischen. Er wollte Applejack danken, dass sie so unbeirrbar für ihn eintrat. Er wollte dieser selbstverliebten, arroganten blauen Stute so gehörig die Meinung geigen, dass ihr hören und sehen verging.
Aber es spielte eigentlich keine Rolle. Als er die Blicke der beiden streitenden Stuten auf sich spürte, stand er auf und ging an ihnen vorbei zu der zusammengesunkenen Gestalt von Pinkie Pie, die so seltsam verloren in ihrer Einsatzkleidung aussah. Er ließ sich wieder auf seine Hinterbacken fallen und unterdrückte einen Schmerzenslaut, als seine geprellte Flanke aufbegehrte.
Er sah sie einen Moment lang an, blickte in das grinsende Gesicht, das so viel Traurigkeit ausstrahlte. „Wie viele?", fragte er emotionslos.
„Acht Tote. Zweiundreißig verletzte Ponys. Der Arzt hat mir gesagt, dass ein oder zwei es wahrscheinlich nicht schaffen werden." Die Antwort des Chiefs kam wie aus der Pistole geschossen.
Rogue schloss die Augen. Er hatte die schwarzen Säcke nicht zählen wolle, die sie hinter der Hecke aufgeschlichtet hatten. Der Gedanke daran hätte ihn nur abgelenkt.
Kippt ihn einfach ab.
Er atmete tief durch. Für einen kurzen, schrecklichen Augenblick schwindelte ihm und er meinte, die seltsame Kälte in seiner Brust wachsen zu fühlen. Doch der Moment verging und er schlug die Augen wieder auf.
„Sind alle Verletzten versorgt?"
Pinkie nickte langsam. „Der Sanitätszug nach aus Stalliongrad ist vor zwei Stunden losgefahren und hat die letzten kritischen Fälle mitgenommen. Alle, die nicht im Krankenhaus von Ponyville behandelt werden können, sind nach Canterlot in die Universitätsklinik verlegt worden."
Er dachte einen Moment lang nach, ob er etwas vergessen hatte. Schließlich presste er die entscheidende Frage hervor, die ihn am meisten beschäftigte.
„Ist alles in Ordnung mit... der Truppe?"
Pinkies Blick schnellte an ihm vorbei zu einem Punkt hinter seinem Rücken, dann hinaus zu einem der Fenster, das zur Straße hin zeigten.
„Sugar Coat ist tot. Er hat sich auf einen Schattenwolf geworfen, als er auf Derpy und ihr Fohlen losgehen wollte. Sein Genick war gebrochen. Schwester Redheart hat gesagt, dass er nicht gelitten hat." Die Antwort erfolgte genauso automatisch wie die Vorhergehende.
Rogue schwieg einen Moment lang. „Geht es den beiden gut?", fragte er. Er konnte die Anspannung in seiner Stimme nicht unterdrücken.
„Cheerilee kümmert sich in der Schule um die Fohlen. Derpy ist bei ihr."
Das Rettungspony atmete erleichtert auf. Wenigstens... wenigstens war er nicht umsonst gestorben. Ein kurzer Stich jagte bei diesem Gedanken durch seine Brust. Doch sein Herz blieb kalt.
„Es tut mir leid." Die Worte schwammen an die Oberfläche seines Denkens, ungefragt, ungewollt.
„Es tut mir leid, dass ich nicht mehr tun konnte. Das ich nicht mehr Zeit hatte." Seltsam, wie distanziert er es betrachtete. Musste er sich rechtfertigen? Nein, er spürte, dass er das nicht musste. Aber er wollte es.
„Es tut mir leid, dass ich in Panik geraten bin. Das ich nicht so funktioniert habe, wie es sein sollte. Das mit dem Licht... es ist mir zu spät eingefallen. Ich... ich hätte früher darauf kommen müssen. Ich habe es im Spritzenhaus gesehen, aber nicht wirklich realisiert." Er ließ betroffen seine Ohren hängen.
„Ich konnte einfach nur daran denken, was passieren würde, wenn ihr blindlings in diese... Dinger gerannt wärt. Ich... ich hatte Angst. Einfach Angst. Bitte verzeiht mir."
Rainbows Stimme war nur ein ungläubiges Flüstern. „Du hast es gewusst?" Sie sackte gut einen Meter in die Tiefe, als ihre Flügel einen Schlag aussetzten. Schnell fing sie sich wieder. Dann schrie sie:
„Du hast es gewusst?"
Ein regenbogenfarbener Blitz schoss auf ihn zu, holte ihn von den Hufen. Rainbow stieß ihn Schulter voran zu Boden, so heftig, dass er mit dem Kopf hart gegen eines der Bücherregale geschleudert wurde. Bücher regneten auf ihn herab, trafen ihn mit ihren harten Rücken im Gesicht und Hals. Dann wurde ihm die Luft aus den Lungen gepresst, als die blaue Pegasusstute auf seinem Bauch landete.
„Du hast es gewusst!"
Der erste Schlag traf ihn, bevor er schützend seine Vorderläufe vor das Gesicht halten konnte. Sterne explodierten hinter seinen geschlossenen Lidern, als die Stute ihm mit voller Wucht auf die empfindliche Schnauze schlug. Der plötzliche Schmerz ließ ihn krampfartig zusammenzucken und brachte die auf ihm sitzende Rainbow aus dem Gleichgewicht. Er rollte sich unter ihr auf die Seite und schützte seinen Kopf, als sie wieder auf ihn los ging.
„Du hast es gewusst! Du hast nichts gesagt!" Sie ließ Schlag auf Schlag auf ihn hernieder prasseln, ein blauer, entfesselter Tornado. „Es tut dir leid? Es tut dir leid? Sag Paprika, dass es dir Leid tut!"
Rogue krümmte sich schmerzverzerrt zusammen, als ein Schlag seine verletzte Seite traf. Aber er wehrte sich nicht.
Endlich, dachte ein weit entfernter Teil seines Verstandes. Endlich bekomme ich das, was ich verdiene.
„Rainbow!" Applejacks Schrei hallte durch den Raum, angefüllt von Entsetzen.
Seine Augen tränten von dem harten Schlag gegen seine Nüstern, so dass er seine Umgebung nur verschwommen wahrnahm. Plötzlich hörten die Schläge auf.
„Runter von ihm! Geh´ runter von ihm!" Applejacks Stimme war panisch. „Helft mir doch!"
Das Gewicht auf ihm verlagerte sich. „Lass mich los!"
Das Geräusch von schlagenden Flügeln. Ein dumpfes Poltern, als jemand hart zu Boden fiel.
Applejack!
Rogue wuchtete sich hoch, ignorierte die andauernde Pein in seiner Schnauze und der Seite. Seine Flanke brüllte vor Schmerz protestierend auf, aber er schob es beiseite. Er rollte sich so heftig herum, dass die Stute auf seinem Bauch zu Boden gestoßen wurde. Mit einem einzigen Satz war er über ihr.
Das Gehirn ist ein Organ voller ungeahnter Wunder. Unter der Schicht von Verstand, Bewusstsein und Kontrolle, diesem unendlich komplizierten Ablauf, in der es Erinnerungen abrief, es mit den tausenden Empfindungen abglich, die auf es einstürmten, alles sortierte und schließlich an die Schaltzentrale weitergab, die jedes Pony so selbstgerecht als ´Ich´ titulierte, führte es immer, zu jeder Zeit, sein eigenes kleines Programm durch. Es lässt uns atmen, steuert den Herzschlag, ja selbst die Bewegung der Iris und das Blinzeln der Augen. Es spielt ungeahnt, im Hintergrund, auf dem Instrument des Körpers, zupft an den hunderten von Saiten gleichzeitig, mit der Professionalität eines wahren Künstlers. Nie, niemals vergisst es, was seine Aufgabe ist: Diese riesige Ansammlungen von Zellen am Laufen zu halten, sie zu einer Symphonie des Lebens zu vereinigen, koste es was es wolle. Der Verstand, der Geist, ist nur eine kleine Nebensache, ein Anhängsel, der oft, aber nicht immer, dazu gut ist das System noch besser funktionieren zu lassen. Ab und zu ist er aber einfach nur im Weg.
Waren die Verletzungen schwer genug, oder knockte ein kräftiger Stoß gegen den Kopf das bewusste Denken aus, übernahm ein anderer Teil des Gehirns die Führung. Ein animalischer, primitiver Teil. Ein Stück Vergangenheit, das sich mit Zähnen und Hufen an seine Existenz klammerte. ES kannte keine Kompromisse, keine rationalen Gedanken, keine Hilfe von außen. Nur das nackte, eigene Überleben.
Diese Ponys wehrten sich nach Leibeskräften gegen jede Berührung, kämpften wild gegen jeden helfenden Huf an. Es war eine erschreckende Erfahrung. Der blutbespritzte, verletzte Leib, außer sich vor Schmerz. Das wilde Zucken, das blinde Schlagen. Man musste die sich wehrenden Glieder gewaltsam niederdrücken, um nur die Chance zu erhalten, zu helfen.
Rogue wusste, wie er ein Pony festhalten musste. Er hatte auf bockenden Schultern gekniet, um sich schlagenden Beine auf den Boden gedrückt, war verzweifelten Bissen und fliegender Spucke ausgewichen, während Trotter mit seiner Nadel zielte, gefüllt mit einigen Millilitern kostbarer Ruhe. Sie konnten sich mit so verzweifelter Kraft wehren und nicht weniger verzweifelt musste Rogue sie niederringen, während sie darum flehten in Ruhe gelassen zu werden oder ihn nach Leibeskräften verfluchten. Trotter hatte ihn schließlich mit einem Polizeipony bekanntgemacht, der ihm ein paar Tricks und Kniffe beigebracht hatte.
Er nagelte Rainbow so zielsicher gegen den Boden, dass sie sich kaum mehr rühren konnte. Ihre kräftigen Flügel flappten hilflos gegen das Holz unter ihr, während sie sich wild unter ihm wand, um ihre Beine frei zu bekommen. Sie war eine durchtrainierte, athletisch gebaute Stute. Er verstärkte den Druck auf ihre Gliedmaßen, verlagerte seinen Schwerpunkt, damit sie ihm nicht davonkam. Einzig sein überlegenes Körpergewicht bewahrte ihn davor einfach abgeworfen zu werden. Es war eine seltsam verdrehte Wiederholung der Szene in der Küche der Applefarm.
„Du hast es gewusst!" Sie gab nicht auf, wehrte sich nach Leibeskräften.
Rogue stand über ihr und warf einen kurzen Blick auf seine Cousine, die von den kräftigen Flügeln des Pegasus zu Boden geworfen worden war. Applejack rappelte sich gerade wieder auf, offensichtlich unverletzt. Sie sah ihn aus ihren großen, grünen Augen überrascht an. Rogue nickte ihr zu und konzentrierte sich wieder darauf, die Pegasusstute unter Kontrolle zu halten.
Seine Schmerzen waren vergessen, davon gewaschen in einem Stoß reinen Adrenalins, das durch seine Adern jagte. Aber sein Herz schlug so ruhig, so kalt...
„Du hast es gewusst und nichts gesagt." Sie erzitterte unter ihm. „Hättest du es mir es nur gesagt... nur früher..." Der polierte Boden der Bibliothek half ihr. Ehe er es sich versehen konnte, schlüpfte ihr linker Huf aus seiner Umklammerung.
Doch der Schlag in sein Gesicht war nur schwach. Sein Kopf ruckte herum, mehr aus Reflex als wegen der Wucht des Treffers. Langsam wendete er sich wieder ihrem Gesicht zu. Jetzt sah er die Tränen in Rainbows Augenwinkeln glitzern. Sie hatte aufgehört nach ihm zu schlagen. Atemlos lag sie unter ihm und blitzte ihn aus ihren tränenfeuchten Augen an.
Ein roter Tropfen fiel von seinen Nüstern auf das blaue Fell unter ihm.
Wach auf, Snow. Der Arzt ist da.
Ein Tropfen. Ein Tropfen roten Öls auf die Asche seiner Emotionen. Ein Tropfen, der die Glut fand, die darunter schwelte.
„WAS WEIßT DU SCHON?" Sein Brüllen kam so unvermittelt, so plötzlich, dass Dash die Augen schloss und ihren Kopf schützend zur Seite drehte.
„ICH war der Sanitäter vor Ort! ICH hatte die Verantwortung! Alle haben sich auf mich verlassen, auf mich, MICH! Ich musste die Entscheidung treffen, wer lebt und wer stirbt! Keiner hat mir dabei geholfen, niemand, keine einziges Pony, keine Celestia und keine Luna, ich war ALLEINE! Ich habe alles gesehen, ich war mitten drin! Ich sehe die Gesichter vor mir, jedes einzelne, dem ich eine ´Drei´geben musste! Es tut mir leid! ES TUT MIR LEID! Was soll ich sagen? Was soll ich deiner Meinung nach sagen? Das mich das wahrscheinlich den Rest meines Lebens verfolgen wird? Das ich meinen verdammten Job gemacht habe und trotzdem nachts deswegen nicht schlafen kann? Was willst du hören? WAS?"
Sein Atem ging heftig, stoßweise stieß er ihn zwischen seine Zähnen hervor. Die Stute unter ihm lag still, ihren Kopf zur Seite gedreht, den Blick ins Leere gerichtet.
Er setze sich auf, ließ sie los, erschöpft von seinem plötzlichen Ausbruch. Rainbow blieb einfach liegen, die Augen geschlossen, während dicke Tränen von ihren Wangen auf den Boden tropften.
Das Rettungspony trat zurück, brachte Raum zwischen sich und der Pegasusstute am Boden. Sein Herz pochte wild in seiner Brust. Die beängstigende Leere war verflogen, hatte einem wilden, wütendem Feuer in seiner Brust Platz gemacht. Doch die Flammen brannten schnell nieder und ließen nur die Asche des Bedauerns in ihm zurück.
Er ließ seinen Kopf hängen und legte die Ohren an.
„Es... es tut mir leid."
Was für eine lächerliche, bedeutungslose Floskel. Er drehte sich um und humpelte zur Tür hinaus auf die Straße.
Im Schatten, den der Hausbaum der Bibliothek warf, blieb er stehen. Er atmete tief durch, versuchte sich zu beruhigen. Sein Herz pochte wild in seiner Brust, befreit von dem erstickenden Ring, den er zu seinem Schutz darum gelegt hatte.
Er schämte sich. Sein Ausbruch war eine Flutwelle gewesen, die über die hohen, festen Mauern hinweggefegt war, sie davon gespült hatte. Es war alles hochgekommen – Seine Hilflosigkeit, sein aussichtsloser Kampf, die schrecklichen Bilder. Alles auf einmal. Aber sein eigentlicher Zorn hatte nicht Rainbow gegolten, sondern sich selbst. Sie war einfach nur das nähste Ziel gewesen, der Druck auf den Knopf, der ihn überschnappen ließ. Er hatte ihr Weh getan – nicht mit den Hufen, wie sie es bei ihm getan hatte, aber mit Worten. Deshalb schämte er sich. Er hatte sich für besser als das gehalten.
Er schniefte, als er etwas Flüssiges aus seinen Nüstern tropfen fühlte. Er rieb sich darüber und sah dann auf die dünne, rote Spur auf dem Fell seines Vorderlaufes. Er blutete noch immer. Dann streifte ein anderer Gedanke seinen Geist. Hatte er sich gestern noch gewaschen? Er hatte eine verschwommene Erinnerung an seine eigenen, blutverschmierten Hufe im Kopf. Sein Blick glitt kurz zu dem sauberen Verband an seiner Seite. Was war gestern noch passiert? Wer hatte ihn verbunden? Wer hatte ihn... gewaschen?
Er hörte hinter sich die Tür zur Bibliothek aufgehen und wieder schließen. Er drehte sich nicht um, sondern ließ einfach nur den Kopf hängen und legte schuldbewusst die Ohren an. Er konnte sich gut vorstellen, wer ihm gefolgt war.
„Ich habe ziemlichen Mist gebaut, oder AJ?" Er kratzte traurig mit dem Huf in der staubigen Erde der Straße. „Sag Rainbow bitte, dass es mir..." Er schüttelte den Kopf. Was für eine bedeutungslose Floskel. „... dass ich es nicht so gemeint habe. Ich wollte sie nicht anschreien. Ich wollte ihr nicht weh tun. Ich kann es ihr auch selbst sagen, wenn du nicht willst."
Rogue hob den Kopf, sah einen Augenblick in den blauen, wolkenlosen Himmel über ihm und schloss dann seine Augen.
„Ich weiß nicht mehr weiter, Applejack. Ich weiß nicht mehr, wie es weiter gehen soll. Ich habe immer gearbeitet, gekämpft, mit mir selbst gerungen, um die Erwartungen, die an mich gestellt werden zu erfüllen. Zuerst die meiner Eltern, dann meines Berufes und schließlich hier... das, was ich denke, dass du von mir erwartet hast." Er schniefte noch einmal. Seine verdammte Schnauze wollte einfach nicht aufhören zu bluten.
„Ich habe gedacht, dass wenn ich einfach durchhalte, wenn ich es einfach nur genug will, dass ich eines Tages das Pony sein kann, das ich sein möchte. Das andere in mir sehen sollen."
Er setzte sich auf seine Hinterläufe und schüttelte langsam seinen Kopf.
„Ich kann nicht mehr, AJ. Ich kann einfach nicht mehr. Es ist zu viel für mich. Ich dachte, ich bin stark, stark genug, um für andere Ponys da zu sein. Aber ich kann niemanden helfen. Ich kann mir nicht einmal selbst helfen. Was soll ich machen? Was soll ich jetzt machen? Was bin ich denn jetzt noch?"
Traurig legte er seine Ohren an und ließ den Kopf hängen, bis er fast den Boden berührte. Langsam, gleichmäßig, fielen die zinnoberroten Tropfen aus seinen Nüstern auf die Straße.
„Uhm..., wenn du den Kopf in den Nacken legst, hört es sicherlich gleich auf." Die sanfte Stimme war kaum mehr als ein Flüstern, aber angefüllt von Sorge und Mitgefühl.
Rogue drehte sich überrascht um und erkannte, dass es nicht seine Cousine war, die hinter ihm stand, sondern eine kanariengelber Pegasusstute, die scheu zur Seite sah.
„Fluttershy..."
Sie hielt ihm eine blütenweißes Taschentuch entgegen und wich noch immer seinem Blick aus.
„Hier, press´ es dir in den Nacken. Damit sollte es gleich aufhören. Ich habe es nass gemacht, damit es kühl ist." Ein kurzer Blick unter der Flut ihrer rosanen Mähne hervor. „Aber das weißt du bestimmt."
Er starrte die Stute noch einen Moment lang wortlos an, dann nahm er das angebotene Taschentuch und drückte es sich auf den Halsansatz. Er hob seine Schnauze an und legte den Kopf in den Nacken, um die Blutung zum Stehen zu bringen.
„Danke."
Fluttershy nickte und rieb sich unsicher mit dem Huf am Vorderlauf.
„Sie, uhm... sie hat es nicht so gemeint. Es tut mir leid, dass sie dich geschlagen hat. Tut es noch weh?"
Rogue betrachtete sie aus den Augenwinkeln, während er weiter seinen Kopf in die Höhe reckte. Er hasste den metallischen Geschmack des Blutes, das er seinen Hals hinunter sickern fühlte.
„Du musst dich nicht für sie entschuldigen, Fluttershy." Er schniefte noch einmal. „Sie hat recht. Ich hatte zuviel Angst um noch richtig denken zu können, aber ich habe es gewusst. Wenn es mir nur früher eingefallen wäre... wie viele Ponys wären dann nicht verletzt worden? Wie viele hat es vielleicht das Leben gekostet?" Er schüttelte langsam den Kopf. „Ich will gar nicht darüber nachdenken."
Ihre feine, leise Stimme war kaum zu hören, aber Rogue verstand sie dennoch klar und deutlich.„Du hast uns gerettet." Überrascht wendete er ihr den Kopf zu.
„Was gestern passiert ist... es ist so schrecklich, dass ich mich gar nicht daran erinnern möchte. Wir hatten alle Angst. Aber du hast sie überwunden und... und uns alle gerettet. Es stimmt nicht, dass es dir zu spät eingefallen ist. Es ist dir eingefallen und das ist es, was zählt. Ohne dich... ohne dich wären gestern sicherlich noch mehr Ponys verletzt worden und vielleicht sogar gestorben. Viele von uns verdanken dir ihr Leben."
Eine verlegene Röte breitete sich auf ihrem Gesicht aus und sie sah schnell weg, damit er es nicht bemerkte. „Ich finde, dass du gestern einfach toll warst. So stark und mutig, wie ein Pony nur sein kann. Du solltest stolz auf dich sein und nicht an dir selbst zweifeln. Seit du hier aufgetaucht bist, versuchst du allen zu helfen, egal ob du sie nun kennst oder nicht. Du hast uns Applejack zurückgebracht und gehst ihr auf ihrer Farm zu Huf. Und Twilight... wir wissen immer noch nicht genau, was mit ihr in Canterlot passiert ist, aber es ist schlimm für sie. Wir versuchen für sie da zu sein, aber es sitzt tief in ihr. Du weißt es vielleicht nicht, aber du hast ihr gestern den kleinen Schubs gegeben, den sie gebraucht hat. Als sie alles organisiert hat, war sie für ein paar Stunden endlich wieder so, wie wir sie kennen. Es hat ihr gut getan, auch wenn sie es noch nicht ausgestanden hat. Das ist allein dein Verdienst. Dafür und für alles andere wollte ich mich bei dir bedanken." Ihre Stimme verklang und ihr letzter Satz war nur noch ein verlegenes Flüstern. „Du bist... ein gutes Pony."
Rogue neigte seinen Kopf. Sein Nasenbluten hatte aufgehört. Die kanariengelbe Stute saß mit dem Rücken zu ihm und versteckte sich hinter der Flut ihrer hellrosanen Mähne.
Er merkte, wie ihm langsam die Röte auf die Wangen trat. „Meinst... meinst du das ernst?", fragte er sie unsicher.
Der dichte Schopf ihres Haares wippte leicht, als sie nickte.
Er trat unsicher von einem Huf auf den anderen. Ein unangenehme Stille breitete sich zwischen den beiden Ponys aus, als sie beide nicht mehr wussten, was sie sagen sollten.
Schließlich räusperte sich Fluttershy leise und erhob sich. „Ich... ich sollte wieder reingehen. Die anderen brauchen mich sicherlich. Es... es gibt noch vieles, was wir miteinander besprechen müssen. Die gestrige Nacht hat viele Wunden geschlagen und nicht alle davon sind sichtbar."
Sie drehte sich noch einmal zu ihm um.
„Komm heute Abend zu mir, wenn der Verband gewechselt werden muss. Ich kann dir dabei helfen. Und lass dir bitte noch eine Spritze gegen Infektionen von den Ärzten geben. Ich habe heute früh niemanden mehr gefunden, der sie dir verabreichen konnte."
Rogues Kopf ruckte nach oben, als ihn eine plötzliche, elektrisierende Erkenntnis traf.
„Wa... warte. Hast du...", stotterte er überrascht.
Sie sah ihn einen Moment lang an und nickte dann. Die zarte Röte auf ihren Wangen war noch nicht ganz verflogen.
„Applejack hat dich schlafend neben einer der Tragen in der Dorfhalle gefunden. Sie hat dafür gesorgt, dass du in ein sauberes, warmes Bett kommst und Twilights Bibliothek war der nächste, ruhige Ort, der ihr einfiel. Sie hat mich gebeten, nach dir zu sehen. Ich hoffe es macht dir nichts aus."
Seine Kinnlade klappte herunter. Einen Moment lang starrte er die Stute nur fassungslos an, dann schüttelte er langsam den Kopf.
„N-Nein. Es macht mir nichts aus."
Fluttershy nickte zufrieden und ging weiter zum Eingang der Bibliothek. Als sie den Huf nach der Klinke ausstreckte, fiel Rogue noch etwas ein.
„Fluttershy!"
Sie hielt inne und wandte ihm den Kopf zu.
„Ja?", fragte sie ihn besorgt.
„Danke. Für alles."
Ihr Lächeln war wie ein Sonnenstrahl an einem langen, dunklen Tag.
