Disclaimer: Ich habe keinerlei Rechte an der Geschichte, was den Inhalt von Hasbro´s My Little Pony: Friendship is Magic anbelangt. Abgesehen von meinem OC ist alles deren Eigentum.

Kapitel 18: Oh Captain, mein Captain

Er wurde wach, als ihm ein Käfer in die Nase flog.

*Hatschie*

„Gesundheit!"

„Wa-wa-was?"

Er versuchte sich umzusehen, aber sein Kopf wog ungefähr eine Tonne und seine Augen waren mit etwas Ekligem verklebt. Er bemerkte, das er leicht auf und ab schaukelte.

Sind wir schon auf dem Schiff?, kroch langsam ein Gedanke durch seinen müden Kopf. Egal, wo er war, er lag ziemlich unbequem. Aber das interessierte ihn gerade herzlich wenig. Er war einfach zu schlapp um sich auch nur einen Millimeter zu bewegen. Er begann bereits wieder zurück in den Schlaf zu driften.

„Rouge? Bis´ du noch bei uns?", fragte ihn Applejack in ihrem unverkennbaren Akzent.

„Mhm-mhm."

Ein leises Kichern.

Die sanften Bewegungen ließen ihn seine unangenehme Lage schnell vergessen – er lag bäuchlings über irgendetwas, aber dieses Etwas war wenigstens angenehm weich und warm.

„Er is´ schon wieder wech´."

Ein Moment lang Schweigen.

„Es tut mir so leid um ihn. Er hat so viel durchgemacht und ich reiße ihn noch einmal aus seinem Schlaf..."

„Sssch, Rarity. Wenn´s dir leid tut, dasde´ ihn geweckt has´, dann sprich wenigstens jetz´ n´ bisschen leiser." Eine kurze Pause. „Außerdem ham´ wir schon darüber gesproch´n. S´ is´ passiert un´ du hasts´ ja nich´ bös´ gemeint. Ich würd´ nich weniger ausm´ Fell fahr´n, wenn Apple Bloom was zugestoß´n wär´." Das Geräusch von acht Hufen, die leise auf dem Kies der Straße knirschten. „Schläft Sweetie noch?"

„Wie ein kleiner Engel."

Der immerwährende Gesang der Zikaden wurde langsam lauter. Dann noch ein leises Kichern.

„Er sieht richtig süß aus, wenn er schläft. Sein Gesicht wirkt ganz anders. So... ruhig und gelöst. Er hat meistens einen so finsteren Gesichtsausdruck, wenn er wach ist. Meinst du nicht auch?"

„Nich´ immer. Ich weiß, dasser´ gerne lacht. Un´ das er immer n´ freundlich´s Gesicht für ein´ übrig hat, wenn man´s braucht. Er war nich´ immer so." Applejacks schwieg für einen Augenblick. „S´ ne´ schwierige Zeit für ihn, nich´ nur seit´m Sonntag. Hat schon vorher genuch zu knabbern gehabt. Und jetzt..." sie ließ den Rest ungesagt.

„´Er ist ein gutes Pony´. Das hat Fluttershy gesagt. Sie spricht viel über ihn. Denkst du, dass sie vielleicht...?" Sie ließ den Rest des Satzes bedeutungschwanger offen.

Wieder breitete sich Stille zwischen den beiden Ponys aus. Das Konzert der Zikaden ging ungerührt weiter. Schließlich ein leiser Seufzer, angefüllt von Melancholie.

„Er is´ n´ gutes Pony."

Das Schwanken kam für einen Moment zum Stillstand. Dann ein kurzes Schütteln, das ihn auf seinem unbequemen Bett etwas rutschen ließ.

„Un´ verdammt schwer is´ er auch noch." Ein leises Lachen. „ S´ fast schon ne´ schlechte Angewohnheit, dass ich´n ins Bett bring´. Ich hoff´ um meim´ Rück´n zuliebe, dass das bald aufhört. Wir wer´n alle morg´n nich´ ausgeschlaf´n sein."

Applejack schritt mit dem schlafenden Rogue auf ihrem Rücken weiter den Weg in Richtung ihres Farmhauses entlang. Rarity, die ihrerseits Sweetie Belle mit sich trug, die nicht weniger im Reich der Träume weilte, trotte langsam hinter ihr her.


Bleib dicht bei mir!"

Das kleine Fohlen versuchte ihm zu folgen, so schnell ihn seine kleinen Hufe trugen. Aber es fiel immer weiter zurück, konnte mit seinem schnellen Galopp nicht mithalten.

Warte! Warte auf mich!"

Er wurde etwas langsamer, damit der Kleine aufschließen konnte. Sein Herz hämmerte in seiner Brust. Nackte Angst umschloss es, drückte unbarmherzig zu. Er trieb den Kleinen weiter, stupste ihn mit der Schnauze an, ja schubste ihn sogar grob weiter, als er schwer atmend langsamer zu werden drohte.

Ich... ich... ich kann... kann nicht mehr!"

Du musst! Streng dich an! Es ist nicht mehr weit!"

Da, er konnte es schon sehen. Ein fahles Licht in der Dunkelheit.

Halt durch!"

Das Füllen gab sein Letztes. Zusammen galoppierten sie um die Ecke, die Sicherheit verhieß.

Direkt in die Sackgasse.

Rogue wirbelte herum. Dort kamen sie schon. Sie schälten sich aus der Dunkelheit, nur ihre weißen Reißzähne waren zu sehen. Und er hörte ihr hungriges Knurren. Es waren so viele. Als würde die Finsternis der Nacht selbst heranrollen.

Er stieß das Fohlen hinter sich, stellte sich schützend davor und ging in Angriffshaltung, bereit es bis zum letzten zu verteidigen.

Die Monster kamen näher.

Scharfe Zähne klappten vor seinem Gesicht zusammen. Er schreckte zurück. Wo war der Schattenwolf so plötzlich hergekommen? Nein, sie waren immer noch gut zehn Schritt entfernt, hier war keiner von ihnen. Er senkte wieder entschlossen seinen Kopf.

Das erdrückende Gewicht auf seiner Brust schnürte ihm die Luft zum Atmen ab. Er fühlte das Herz in seiner Brust kämpfen, als ihm langsam der Sauerstoff ausging...

Er keuchte erschreckt auf. Nichts drückte ihn zu Boden, er stand noch immer in der dunklen Gasse...

Die grässlichen Fänge bohrten sich in sein Fleisch, zogen, rissen. Er wurde über den Boden geschleift, heraus aus dem Kreis des rettenden Lichts, hinein in die Dunkelheit... wo die hungrigen Mäuler warteten.

Dann stand er wieder schwer atmend vor dem kleine Fohlen.

Er hielt es nicht mehr aus. Das Grauen war zu viel. Er spreizte seine Schwingen und hob mit ein paar kräftigen Flügelschlägen ab. Er ließ die dunkle Sackgasse unter sich zurück.

Sie machten sich nicht einmal die Mühe nach ihm zu schnappen. Sie hatten ein weitaus leichteres Ziel im Sinn.

Halt mich fest!", schrie Pear, als sie über ihn herfielen.

Er konnte nicht. Er konnte nicht zurück. Er schlug noch kräftiger mit den Schwingen, hinauf zu der strahlend hellen Scheibe des vollen Mondes.

Während er höher und höher in die kalte Nachtluft stieg, flehte er Pear still um Verzeihung an. Er hatte es wieder nicht geschafft ihn vor seinem schrecklichen Schicksal zu bewahren. Diesmal war zu schwach, zu feige gewesen.

Rogue..."

Der Wind trug leise seinen Namen an sein Ohr. Er hob den Kopf.

Der Mond flüsterte zu ihm. Die riesige, silberne Scheibe füllte seine ganze Sicht aus.

Rogue, du kannst ihn retten, wenigstens hier."

Das Flüstern war sanft, beruhigend, aber gleichzeitig schwang darin eine unterschwellige Kraft mit, die ihn trotz des Grauens unter ihm einen Moment innehalten ließ.

Die dunklen Flecken, die Krater auf der Oberfläche des Mondes, begannen vor seinen Augen zu wandern, arrangierten sich neu, bis sie das Gesicht eines wunderschönen Stute bildeten. Der glitzernde Sternenhimmel wurde ihre weite Mähne, aus der ein Horn, geformt von Pulsaren, hervorragte. Sie betrachtete ihn aus gütigen, dunklen Augen und spreizte ihre Flügel, indem sie das schimmernde Band der Milchstraße ihrem Willen beugte. Sie war atemberaubend.

Erlaube den Geistern endlich zu ruhen, Rogue. Sie haben es verdient, genauso wie du selbst."

Aber... aber ich weiß nicht wie!", rief er der herrlichen Erscheinung entgegen.

Schau!"

Ein Huf, geformt aus Firmament, schob sich in sein Sichtfeld, deute unter ihn.

Pear streckte seinen kleinen Vorderlauf verzweifelt in die Höhe, sucht mit seinem Huf nach Halt, während die Dunkelheit ihn zu verschlucken drohte.

Rette ihn, Rogue."

Er zögerte. Sein Herz raste in seiner Brust.

Ich kann nicht! Ich habe ihn schon einmal fallen gelassen!"

Es ist nur ein Traum, Rogue. Er wird immer wieder fallen, bis du dir erlaubst, ihn festzuhalten."

Der Auftrieb seiner Schwingen trug ihn sanft auf dem kalten Wind, der aufgekommen war. Die Kälte schien direkt in seinen Körper zu dringen, ohne sich von seinem Fell aufhalten zu lassen. Er erschauderte, obwohl ihm der Schweiß von den Flanken tropfte.

Was, wenn ich ihn nicht festhalten kann?", flehte er.

Er ist bereits gefallen. Aber hier fällt er immer wieder."

Es ergab einen Sinn, einen, verdrehten, seltsamen, Traum-Logik-Sinn. Er ließ sich langsam tiefer sinken. Es wurde dunkler um ihn. Es schien, als würde er eine steile Schlucht hinuntergleiten, mit Wänden aus scharfen Obsidian, hinab zu dem kleinen Flecken Farbe an ihrem Grund.

Es wurde kälter und kälter um ihn. Reif schlug sich auf seinen Flügeln nieder und knirschte bei jedem Schlag. Sein Atem kam in dichten, weißen Wolken aus seinem Mund.

So nahe...

´Ich weiß einfach nicht mehr weiter." Twilights Stimme brach, während er lauschte. Das Paketband raschelte, als er das Buch einpackte.

Die Kälte war wie ein Stachel in seinem Körper. Die Wände rückten näher, drohten ihn zu erdrücken...

Das dumpfe Geräusch, als Ol´ Junks Körper auf die Straße geworfen wurde. Das Klingeln seiner Orden im Beutel.

Das Knirschen von Eis auf seinem Fell.

Pinkie bot ihm ihre Mütze an. `Du bist der einzig wahre Chief Pinkie Pie.´, sagte er.

Flocken aus Schnee lösten sich von seinen Flügeln, wirbelten um ihn herum.

´Wie ein Pony mit zwei Schwänzen´, sagte Trotter. Rarity richtete sich auf, mit jedem Wort, das sie mit ihm sprach.

Tausend Nadeln stachen seinen Körper, der vor Kälte brannte.

Halt mich fest!", flehte Pear. Er ruderte verzweifelt mit seinem ausgestreckten Huf, angelte nach seinem rettenden Engel...

So nahe...

Der Schweif glitt durch seinen festen Biss.

Das Fohlen fiel.

Nein! Rogue, ich kann nicht..." Die sanfte Stimme brach ab, als der Traum selbst gefror. Das Rettungspony stürzte ab.

Die Dunkelheit öffnete ihr Maul und verschluckte ihn.


„S´ Zeit aufzusteh´n, Rogue. Guten Morg´n."

Ein verschlafenes „Huh?" war alles, was er herausbrachte, als Applejack ihn sanft schüttelte. Er hob schwankend seinen Kopf und versuchte seine Augen auf zu bekommen. Irgendjemand hatte Gewichte daran festgebunden, während er geschlafen hatte. Oder zumindest kam es ihm so vor.

„Du siehst furchtbar aus. Komm´ auss´n Feder´n, ich hab´ uns unt´n schon Kaffee gemacht. Dannach fühlste´ dich bestimmt besser."

„Ja. Kaffee. Klingt super."

Schwärze.

„Hey! Nich´ wieder einschlaf´n! Aufgewacht!"

„Huh?"

Applejack gab einen frustrierten Laut von sich. „Sach´ nich´, dasdes´ nich´ so gewollt hättest."

Sie packte ihn mit ihrem kräftigen Gebiss an seinen Schweifhaaren und zog an.

Rogue purzelte aus dem Bett auf den Boden. Ein weiteres „Huh?", dann schnarchte er weiter.

Die Farmerin verdreht kurz die Augen, dann konnte sie sich aber nicht mehr zurückhalten und lachte laut. Sie schüttelte ihren Kopf und blickte mit wesentlich sanfterer Miene auf ihren selig schlummernden Cousin hinunter. Dann spuckte sie in ihre Hufe, eine Geste, die vollkommen unnötig war, bei dem, was sie vorhatte, und machte sich an die Arbeit.

Granny Smith, Big Macintosh und Rarity waren gerade dabei das Frühstück vorzubereiten, als sie von der Tür zur Küche seltsame Geräusche hörten.

Tump

„Au."

Tump

„Au."

Tump

„Au."

Tump

„Au."

Tump

„Au."

Schließlich schwang die Tür auf und eine sichtlich angestrengte Applejack zog ihren noch immer schlafenden Cousin an seinem Schweif in die Küche. Drei sehr überraschte Gesichter begrüßten sie. Sie bugsierte ihn mit nicht wenig Mühe auf einen der Stühle. Sein Kopf schlug auf der Tischplatte auf. Er schmatzte einmal, dann begann er zu schnarchen. Eine kleine Blase wuchs aus seinem Nüsternloch, wurde mit dem nächsten Atemzug größer und platzte dann. Granny schlug sich einen Huf vor den Mund, um nicht laut loszulachen. Selbst Big Mac und Rarity mussten schmunzeln.

Der große, rote Hengst füllte einen der großen Becher aus der dampfenden Kanne vom Tisch. Dann schob er sie direkt neben Rogues Nüstern.

Das Schnarchen wurde leiser, dann stoppte es. Einen Moment später öffnete das Rettungspony ein rot unterlaufenes und Auge schnüffelte prüfend. Langsam hob er seinen Kopf vom Tisch und angelte nach der Tasse. Mit gespitzten Lippen nahm er einen vorsichtigen Schluck. Dann noch einen. Dann stürzte er den Humpen in einem einzigen, langen Zug hinunter.

Die anderen acht Augen in der Küche folgten jeder seiner Bewegungen, als würden sie auf etwas warten. Als er die Tasse auf den Tisch sinken ließ, sah er sich aus halb geöffneten Augen verwundert um. „Wie bin ich hierher gekommen?", fragte er, immer noch etwas verschlafen.

Jetzt lachten sie alle, laut und ungehemmt. Rogue sah sie überrascht an, da er nicht wusste, was er so lustiges angestellt hatte. Aber schließlich ließ er sich davon mitreißen und lachte mit. Es war ein gutes Gefühl.


Dank des herzhaften Frühstücks aus Kartoffelpuffern mit jede Menge Apfelkompott und natürlich den Unmengen an Kaffee waren Rogues Lebensgeister zumindest zeitweise zurückgekehrt, als sie gegen neun Uhr von der Farm aufbrachen. Er hatte noch seine Notfall- und Reisetaschen packen müssen, etwas, wofür ihm vorher einfach die Zeit und Gelegenheit gefehlt hatte. Teile seiner Ausrüstung, wie die Beatmungseinheit, ließ er in den treuen Hufen der Applefamilie zurück, da sie einfach zu unhandlich gewesen währen, um sie auf die Reise mitzunehmen. Es ging schließlich auf ein Abenteuer und er wollte sich nicht wie ein Packpony beladen.

Sie sammelten sich an dem mit Rosensträuchern überwachsenen Torbogen am Eingang der Farm. Sie waren alle versammelt, selbst die Fohlen, die man hatte etwas länger schlafen lassen, hatten sich aus den Betten geschält.

„Un´ dasde mir gesund un´ munter wiederkommst!", sagte Granny Smith und drückte Applejack an sich.

„S´ versproch´n. Ich werd´ mich auch beeil´n, damit ich schnell wieder da bin un´ euch nich´ zu lang allein lass´ aufer Farm."

„Du machst fertich, wasde mach´n musst, so wie´s kommt. Wir komm´ schon zurecht. Hab´ ich recht, Big Mac?"

„Eeyupp!"

„Un´ denk imma dran, das wir hier auf dich wart´n. Wir sin´ stolz auf dich. Un´ wir ham´ dich lieb, Applejack."

„Ich hab´ euch auch alle lieb´. Ich bin bald wieder da, ich versprech´s."

Daneben drückte Rarity einen Kuss auf die Stirn von Sweetie Belle.

„Versprich mir, das du brav bist, während ich weg bin. Mama und Papa holen dich morgen ab und passen auf dich auf. Wir sehen uns bald wieder."

Das kleine Einhornfohlen zögerte einen Moment lang, dann sprang es vor und drückte sich an den Vorderlauf seiner großen Schwester.

„Ich will nicht, das du gehst!", schluchzte das Fohlen leise und schlang seine kleinen Hufe noch fester um ihre große Schwester.

Rarity sah mit sanften Augen auf das aufgelöste Fohlen hinunter, dann pflückte sie es von ihrem Bein und drückte es fest an an ihre Brust.

„Ich muss, Schwesterherz. Aber ehe du es dich versiehst, werde ich wieder bei dir sein. Und dann machen wir etwas zusammen, nur wir beide. Grüß Mama und Papa von mir. Und bis sie da sind, tust du was die Apples dir sagen, ja?"

Sweetie Belle wischte sich die Tränen aus dem Gesicht und versuchte sich in einem tapferen Lächeln „Ich werde brav sein, ich verspreche es."

Rarity lächelte und streichelte ihr liebevoll über den Kopf.

Rogue betrachtete die Abschiedsszenen mit gemischten Gefühlen. Einerseits ging ihm das Herz auf, als er sah, mit wie viel Liebe die Ponys miteinander umgingen. Jeder der Reisenden würde schmerzlich vermisst werden, doch gleichzeitig würde man freudig auf ihre Rückkehr warten. Sie traten eine Reise ins Ungewisse an, eine Reise die vielleicht vieles an Gefahren in sich bergen mochte. Doch Applejack und Rarity würde mit der Gewissheit gehen, dass ihre Lieben in treuer Sorge auf sie warten würden und ihnen alles Gute wünschten.

Andererseits kam sich plötzlich sehr alleine vor.

„Rogue!"

Er drehte sich um, als er seinen Namen hörte.

Granny Smith trat vor und zog ihn schnell in eine feste Umarmung, bevor er entkommen konnte. Sie drückte ihm einen feuchten Schmatzer auf seine Wange und lachte leise, als er sich unwillkürlich schüttelte.

„Pass´ mir gut auf meine Applejack auf. Un´ sieh´ zu dasser alle wohlbehalt´n wieder zurückkommt. Wir wern´ hier auf euch wart´n und ich werd´ ne Kerze anzünd´n, damit ihr den Wech findet. Alles Glück aufer Welt für euch. Möge Celestia´s Sonne über euch wach´n."

Er hatte sich versteift, als die alte Mähre ihn so plötzlich an sich gezogen hatte, aber als er ihre warmen Worte hörte, entspannte er sich und erwiderte ihre Umarmung.

„Ich verspreche es, Granny. Ich bringe sie alle heil wieder zurück."

„So spricht n´ Apple. Ich verlass´ mich auf dich."

Granny Smith, Big Macintosh, Apple Bloom, Sweetie Belle und Scootaloo standen noch unter dem Torbogen und winkten ihnen nach, als sie schon hinter den sanften Hügeln Richtung Ponyville verschwunden waren.


Es schien, als wäre das ganze Dorf in dem kleinen Park hinter der Bibliothek zusammengekommen. Es geschah schließlich nicht aller Tage, das ein Luftschiff in Ponyville landete.

Der riesige Ballon der ´Idle Banter´ warf seinen Schatten über den Hausbaum. So groß das Gebäude der Bibliothek auch war, der Auftriebkörper des Luftschiffes hätte es problemlos aufnehmen können und dennoch reichlich Platz gehabt. Die reißfeste, gasundurchläßige Seide war im hellen Blau des strahlenden Himmels gehalten, durchzogen von dunkleren, weich fließenden Streifen, die dem tropfenförmigen Gebilde ein schnittiges Aussehen verliehen. Farbige Banner hingen an den Flanken herab, die das Staatswappen Equestrias trugen. Eine nachgebildete Fluke bildete das Steuerruder am Heck des Ballons und verlieh ihm das Aussehen eines riesigen Wals, auch wenn dieser seltsame Ableger der Meeressäuger gut dreißig Meter über dem Boden schwebte, anstatt sich im Wasser zu tummeln.

Der eigentliche Rumpf des Luftschiffe hing, gehalten von starken Tauen, unter der Lufthülle und schien sich auf den ersten Blick kaum von seinen ´nassen´ Verwandten der Marine zu unterscheiden. Es war ein schlankes, fast fragil wirkendes Model, mit langgezogener Form, das mit seinem hohen Achterdeck und dem weitem Bugspriet Eleganz aus jeder seiner fein gewinerten Planken zu versprühen schien. Geschwungene Hufläufe zogen sich über die Länge des Schiffes dahin und große, farbige Fenster unterbrachen den Heckaufbau. Die Antriebselemente, geformt wie große Flossen, hingen nun reglos an den Seiten des Luftschiffes.

Für ein Pony, das noch nie eines dieser seltenen Gefährte gesehen hatte, schien es ein seltsamer Widerspruch zu sein: die massige, plumpe Form des Ballons und das schnittige Schiff darunter, das eher dafür geeignet schien mit seinem schmalen Rumpf die Wellen ferner Gestade zu durchpflügen, als gemächlich im Schatten eines langsamen Riesen dahinzuschweben.

Applejack, Rarity und Rogue näherten sich langsam dem Landeplatz, während sie dieses Wunder der Technik in jedem Detail bestaunten. Sie rissen sich erst von dem Anblick los, als eine bekannt fröhliche Stimme vom Straßenrand ihnen zurief.

„Hallo! Hier sind wir!"

Pinkie Pie winkte aufgeregt, Twilight, Fluttershy und Rainbow Dash an ihrer Seite. Die vier Stuten warteten neben dem Eingang der Bibliothek zusammen mit Spike, der gerade das Ende einer schier endlos langen Papierrolle mit einem Federkiel bearbeitetet.

Twilight rieb sich nachdenklich mit dem Huf über das Kinn, ohne die Ankunft des Restes ihrer Reisegesellschaft recht zur Kenntnis zu nehmen. „Wir sind schon wieder am Ende, Spike? Ich werde einfach das Gefühl nicht los, das wir irgendetwas vergessen haben. Lass uns die Liste noch einmal durchgehen."

Der kleine Drache stöhnte angestrengt. „Wir haben sie jetzt schon dreimal durchgearbeitet, Twilight. Mir geht so langsam der Platz für die Häkchen aus."

„Spike, das ist eine wichtige Reise! Das Schicksal Equestrias, ja vielleicht ganz Equias könnte davon abhängen! Wir dürfen uns keine Fehler erlauben!"

„Isse´s Element der Pingeligkeit wida´ anner Arbeit?", fragte Applejack in neckendem Tonfall und schnappte sich die lange Liste aus den Klauen von Twilights Assistenten. Spike hangelte einen Moment lang nach ihr, dann zuckte er nur seine kleinen Schultern und verstaute seine Schreibfeder hinter seinem Ohr. Die Farmerin rollte das Papier ordentlich zusammen und reichte es ihm.

„S´ Zeit, Twiligth. Ich bin mir sicher, dass ma´ schon auf uns wartet. Also lass uns de´ Hufe schwing´n."

Einen Moment lang schien die Lavendelfarbene Einhornstute widersprechen zu wollen, dann seufzte sie nur leise. „Vielleicht hast du recht. Aber ich bin so nervös! Das ist eine der wichtigsten Missionen, die wir je unternommen haben! Ich möchte so gut wie möglich vorbereitet sein, das ist alles." Sie wandte sich an den kleinen Drachen. „Die Bibliothek ist bei dir in guten Hufen, Spike. Oder Klauen, in deinem Fall. Vergiss bitte nicht die Regale abzustauben und die Ausleihlisten zu ordnen. Ich hoffe, wir sind bald wieder mit guten Nachrichten zurück. Mach es gut." Sie strich ihm mit ihrem Huf flüchtig über seinen Schuppenkamm am Kopf und gesellte sich dann zu ihren Freundinnen. Rouge entging nicht, wie Spike ihr einen Moment lang enttäuscht hinterher sah, bevor er der kleinen Gruppe zum Abschied winkte.

„Ich warte hier auf euch! Denkt an mich und passt auf euch auf!"

Die Bretter der langen, hölzernen Rampe schwankten leicht, als sie zu siebt zum Deck des Luftschiffes empor stiegen.

Sie wurden von einem jungen braunen Erdhengst in der marineblauen Offiziersuniform der Luftwacht empfangen. Er salutierte zackig vor ihnen, als sie das Deck des Schiffes betraten. „Guten Tag. Ich bin Leutnant Worthwhile und ich freue mich, Sie an Bord des Schiffes ihrer Majestäten, der ´Idle Barter´ begrüßen zu dürfen." Er spulte seine Ansprache mit einer Routine herunter, die vermuten ließ, das er sie bereits mehr als einmal gehalten hatte. Dennoch legte er genug Enthusiasmus hinein, um zu zeigen, das er es immer noch ernst meinte. „Wir wurden von der Dringlichkeit ihrer Angelegenheiten informiert und sind bereit sofort abzuheben. In der Zwischenzeit können sie ihre Quartiere beziehen und ihr Gepäck dort abladen. Wenn sie mir bitte folgen würden..." Er drehte sich bereits zum Gehen um, als ihn ein Räuspern von Rarity innehalten ließ. Er drehte sich noch einmal um und warf einen milden, wenn auch ein wenig ungeduldig wirkenden Blick auf die Einhornstute. „Ja, bitte?", fragte er betont höflich.

„Ich bin ehrlich gesagt etwas überrascht. Ist es nicht allgemein Sitte, das der Kapitän persönlich Gäste auf seinem Schiff begrüßt?"

Dem Offizier gefror für einen Moment das geschäftliche Lächeln auf dem Gesicht und er warf einen kurzen Blick hinter Rarity. Dann erneuerte er seinen freundlichen Gesichtsausdruck. „Ich bin mir sicher, das der Kapitän gerade..." Er stockte für einen Sekundenbruchteil, dann fuhr er ungerührt fort „...gerade wichtigen Angelegenheiten nachgeht, die keinen Aufschub erlauben. Hier entlang bitte." Er machte mit Nachdruck eine Geste ihm zu folgen.

Rarity dachte gar nicht daran. „Ich verstehe, das der Kapitän eines so stolzen Schiffes sicherlich sehr viele Pflichten hat, aber Ich denke, ein persönliche Begrüßung wäre angemessen."

Worthwhile verharrte für einen Moment lang unschlüssig, dann seufzte er schicksalsergeben. „Ganz wie sie wollen. Ich hatte gehofft, das bis auf das Abendessen hinausschieben zu können, aber wie es scheint, muss ich mich in das Unvermeidliche fügen." Er zog eine Taschenuhr aus seiner Uniformjacke und warf einen kurzen Blick darauf, bevor er sie wieder verstaute. „Ich war ohnehin schon recht spät dran." Dann stand er einfach nur da und starrte ausdruckslos ins Nichts.

Rarity warf einen unsicheren Blick zurück zu ihren Freundinnen, die diesen nicht weniger verwirrt zurückgaben. Schließlich straffte die Stute ihre Schultern und richtete das Wort erneut an den Leutnant.

„Mister Worthwhile, darf ich sie vielleicht fragen, was das hier zu bedeuten hat? Wird der Kapitän nun hier auftauchen, oder nicht? Ich muss sagen, das ich mich doch sehr über ihr Verhalten wundern muss!"

Der junge Offizier begegnete ihr mit einem entwaffnenden Lächeln. „Nur noch einen Moment, Mylady, der Kapitän wird sofort bei ihnen sein. Das Licht ist noch nicht richtig."

Rarity stutzte einen Moment lang, als sie versuchte, Sinn in die Aussage des Hengstes zu bringen. „Was meinen sie damit, ´das Licht ist noch nicht richtig´?", langsam, aber sicher, schlich sich echter Ärger in ihre Stimme. Das war sicherlich ein gänzlich anderer Empfang, als sie sich vorgestellt hatte! „Hören sie, ich bin persönlich mit Admiral Fairways befreundet und er wird sicherlich mehr als ungehalten sein, wenn er erfährt, auf welch unangemessene Weise hier mit uns umgegangen wurde. Ich verlange, das der Kapitän dieses Schiffes auf der Stelle hier erscheint!" Sie ging sogar soweit und klopfte laut mit dem Huf auf die hölzernen Planken, um ihrem Ärger Luft zu machen.

Der Leutnant schien sie nun völlig zu ignorieren. Er reckte sogar etwas seinen Kopf, um an ihr vorbei, auf etwas hinter ihr sehen zu können. „Akt eins: Auftritt des Helden...", murmelte er sarkastisch und hob langsam seinen Huf zum Salut.

„YEEEEHAAAA!"

Die sieben Ponys wirbelten herum, als der Schrei über ihnen aus der Takelage der Ballonbefestigung erklang. Das helle Rund der Sonne küsste gerade den Rand der mächtigen Luftkammer. Die Ponys hoben ihre Hufe, um ihre Augen vor den Strahlen der Sonne abzuschirmen.

Aus der blendenden Helligkeit heraus flog ein Schatten. Ein marineblauer Mantel flatterte wie ein Umhang hinter ihm her, als er sich in einem perfekten Bogen von der Rahe schwang, das Seil zwischen seinen Zähnen. Er ließ es hindurch gleiten, machten einen einfachen Salto in der Luft und landete mit perfekter Grazie und gesenktem Kopf auf dem hölzernen Deck direkt vor seinen Gästen.

„Willkommen an Bord der ´Idle Barter´, verehrte Gäste! Ich bin.."

Der Einhornhengst warf seinen Kopf zurück. Seine lange, schwarze Mähne wirbelte. Der lange Kapitänsmantel, betont lässig über seine Schultern drapiert, wallte mit glänzenden Knöpfen und goldenen Epauletten. Einen Moment lang fing seine glänzenden Fell das Licht perfekt ein, so das ein Schimmer über seinen sandfarbenen Körper zu huschen schien, bis es auf seinen perfekten, weißen Zähnen mit einem leisen ´Pling´ blitzte.

„Kapitän Fair Fidget Fast Fairway der Dritte, zu ihren Diensten!" Er verbeugte sich tief, jedoch mit einem schelmischen Grinsen auf dem Gesicht.

Er erhob sich betont langsam und stolzierte auf Rarity zu, die ihn genau wie der Rest ihrer Freunde mit offenem Mund anstarrte.

„Miss Rarity! Ich hätte mir niemals zu träumen gewagt, das sie mich anscheinend ebenso sehnsüchtig erwarten, wie ich eine Begegnung mit ihnen herbei gesehnt habe. Als mein Vater mir in der Kommandierung schrieb, dass ich die Ehre hätte, das mit Abstand bezauberndste Geschöpf in ganz Equestria zu eskortieren, zähle ich praktisch die Stunden."

Er blieb vor ihr stehen, vielleicht nur eine Wimpernbreite näher, als es eigentlich ziemlich gewesen wäre. Dann runzelte er leicht die Stirn und zog eine Augenbraue skeptisch nach oben. „Ich muss jedoch zugeben, ich bin etwas enttäuscht..."

Raritys Augen wurden noch größer. „Wa...Wa...Was?"

Kaptain Fairway verbeugte sich noch einmal und hielt wie durch Zauberei ihren Vorderlauf in seinem Huf. „Ich bin enttäuscht, dass es solch widrige Umstände sind, die uns schließlich zusammenführen. Schönheit wie die Ihre verlangt nach den eleganten Saloons Canterlots und nicht den rauen Planken eines Luftschiffes. Nichtsdestotrotz bin ich fest entschlossen, das Beste daraus zu machen. Würden sie mir die unendliche Freude bereiten, heute Abend zusammen mit ihren Freuden in der Kapitänskajüte zu speisen? Ich habe zu solch besonderen Anlässen eine Flasche Champagner aufbewahrt, der ihrem erlesenen Geschmack sicherlich genügen wird. Was sagen sie dazu?"

Die weiße Einhornstute gewann langsam wieder ihre Fassung zurück. Sie räusperte sich leise und versuchte ihre leichte Röte im Gesicht zu überspielen, in dem sie ihre Mähne ausschüttelte. „Es wäre mir... uns eine Ehre, Herr Kapitän. Vielleicht könnten sie mir bis dahin mit meinem Gepäck behilflich sein? Ich habe noch einige Stücke in meiner Boutique, die auf das Schiff transportiert werden müssten."

Kaptain Fairway lächelte seine strahlendes Lächeln."Selbstverständlich!" Er wandte sich an seine Leutnant. „Worthwhile, leiten sie das bitte in die Wege. Ich habe übrigends durchaus bemerkt, das sie wieder versucht haben, mir meinen Auftritt zu vermiesen. Wir werden uns später darüber unterhalten." Dann wandte er sich wieder Rarity zu. „Die Sonne wird untergehen, aber ein anderes Licht wird noch heller strahlen als sie. Ich sehne den Abend herbei, Mylady." Noch ein neckisches Zwinkern, dann war er davon gewirbelt, sprang mit der Eleganz langer Übung in die Takelage und war so plötzlich verschwunden, wie er aufgetaucht war.

Worthwhile seufzte schicksalsergeben. „Nun, da dem Protokoll genüge getan wurde, würden sie mir bitte Folgen?"

Rogue starrte immer noch auf den Fleck in der Takelage über ihnen, wo der Kapitän verschwunden war. Er lehnte sich zu seiner Cousine neben ihm und flüsterte. „Würde es sich seltsam anhören, wenn ich sage, das selbst ich das ein klein bisschen sexy fand?"

Applejack zog sich den Hut tiefer ins Gesicht, um die leichte Röte auf ihren Wangen zu verbergen. „Nope.", sagte sie in ihrer besten Imitation ihres Bruders. Das ließ sie beide kichern.

Sie nahmen ihr Gepäck auf und folgten dem ersten Offizier über das Deck zum Achterkastell, wo eine schmale Treppe in den Bauch des Schiffes führte. Sie hetzten nicht und so hatte das Rettungspony genug Gelegenheit sich genauer umzusehen.

Das Schiff war sicherlich nicht mehr das jüngste. Die Planken waren von der Sonne ausgebleicht und an vielen Orten zeugten dunklere Bretter von Ausbesserungsarbeiten. Die dicken Balken der Hufläufe und Balustraden waren abgestoßen und hatten so manche Scharte und tiefe Beule. Viele Messingteile hatten dunkle Flecken, die kein noch so geduldiges Polieren mehr entfernen konnte. Aber die ´Idle Barter´ war weit davon entfernt, vernachlässigt zu wirken. Das Deck war peinlichst geschrubbt und so sauber, das jedes Staubkorn sich so alleine fühlen musste, das es vielleicht von selbst wieder verschwand. Die Seile der Takelage waren sauber vertäut und zusammengelegt und offensichtlich allesamt neu. Die mit Schnitzereien verzierten Holzbalken glänzten frisch lackiert und die sauberen Buntglasscheiben des Kastells warfen lustige Farbenspiele auf das Deck. Rogue fühlte sich unwillkürlich an die ´Princess´ erinnert: Ein altgedienter Veteran, jedoch sorgfältig und mit viel Liebe gepflegt.

Als sie langsam die schmale Treppe ins Schiffsinnere hinunter stiegen, empfing sie der weiche, gelbe Schein von Öllampen, der sich auf den polierten, dunklen Holzwänden widerspiegelte. Rogue hatte eigentlich keine Probleme mit engen Räumen, dennoch empfand er einen kurzen Anflug von Klaustrophobie, als sie sich an einem Besatzungsmitglied vorbei drücken mussten, das ihnen entgegenkam. Das Erdpony tippte sich beim Anblick des ersten Offiziers an die weiße Matrosenmützen mit dunkelblauen Band und warf dann neugierige Blicke auf die Gäste hinter ihm. Worthwhile winkte ihn weiter und der Matrose beeilte sich fortzukommen.

„Ich fürchte, wir können ihnen an Bord nicht alle Annehmlichkeiten zur Verfügung stellen. Die ´Idle Barter´ ist ein Schiff der Luftwacht und unser Platz ist begrenzt. Wir haben zwei Kabinen für die weiblichen Gästen freigeräumt." Er zeigte auf zwei gegenüberliegende Türen, die von dem Gang abzweigten. „Die Waschräume für weibliche Besatzungsmitglieder befinden sich am Ende des Ganges. Ich lasse ihnen Gelegenheit ihr Gepäck zu verstauen und sich frisch zu machen, während ich dem Gentlecolt hier seine Unterkunft zeige. Ich hole sie in fünfzehn Minuten wieder ab, damit ich ihnen den Rest des Schiffes zeigen kann." Er nickte den sechs Stuten grüßend zu und überließ es ihnen, die Aufteilung der Räume zu übernehmen. Rogue folgte ihm, warf aber noch einen kurzen Blick hinter sich.

Pinkie war mit einem „Ich schlafe oben!" bereits in eine der Kabinen verschwunden, während Rainbow neugierig ihren Kopf zur anderen Tür hineinsteckte. Twilight war dabei, die Verteilung zu organisieren und Applejack half Fluttershy dabei, ihre Satteltasche vom Rücken zu nehmen. Rarity hatte sich auf der Suche nach einem Spiegel schnurstracks den Waschräumen zugewannt.

Er schüttelte belustigt den Kopf und machte sich daran, den ersten Offizier nicht aus den Augen zu verlieren.

Es war nur ein kurzer Weg, bevor Worthwhile vor einer weiteren Tür stehen blieb. „Da währen wir.", bemerkte er überflüssigerweise und drückte die Tür mit dem Huf auf.

Es war eine schmale, aber aufgeräumte Kabine. Eine einzelne Koje war so an der Wand befestigt, das man sie hochklappen konnte, um mehr Platz zu schaffen. Es gab einen kleinen, fest verschraubten Tisch, mit einer Lampe darauf und einen einzelnen Stuhl. Nirgends war auch nur ein Zentimeter Platz verschwendet worden. Überall gab es Schubladen und Türchen mit Stauraum und jeder offene Zwischenraum war Büchern, Karten und nautischen Krimskrams vollgestopft. Ein kleiner Läufer war vor die Koje gelegt, in dem etwas angestrengtem Versuch, die Kabine etwas wohnlicher zu gestalten. Ein seltsame Stoffrolle hing an beiden Enden von der Decke. Das ganze wurde, sehr zu Rogues Erleichterung, von einem kleinen Buntglasfenster komplettiert, das dem Raum ein deutlich freundlicheres Ambiente als den düsteren Gängen verlieh. Worthwhile trat ein und deutete auf ein paar niedriger Schranktüren hinter der Tür. „Ich habe diese für sie freigeräumt. Ich denke, sie sollten ausreichen. Ich hoffe, sie schnarchen nicht."

Rogue starrte auf die einzelne Koje in der Kabine. Dann auf den Ersten Offizier. Dann zurück zur Koje. Worthwhile hob einen Moment lang fragend seine Augenbraue, dann schmunzelte er leicht. Er überspielte den Moment, in dem er sich räusperte und seine Gestalt straffte. „Sie sind sicherlich nicht an den Gebrauch von Hängematten gewöhnt, also werde ich ihnen meine Koje überlassen. Ich habe sie frisch bezogen. Eine Waschgelegenheit befindet sich in dem Schubfach neben dem Tisch. Rütteln sie etwas daran, es ist leicht verzogen. Richten sie sich doch schon einmal hier ein, ich muss die Verbringung des Gepäcks von Miss Rarity überwachen. Ich komme sie zusammen mit den anderen abholen." Er nickte dem Rettungspony freundlich zu und verschwand.

Rogue schüttelte sich die schweren Taschen vom Rücken und setzte sich prüfend auf die Matratze der Koje. Sie bot seinem Hinterteil einen angenehm festen Widerstand, der seinen Rücken nach den verschlingenden Tiefen des Applebettes fröhlich jubilieren ließ.

Ein Stoß ging durch das Schiff. Rogue´s Magen machten einen kurzen Satz, als das ganze Deck für einen Moment schlingerte. Instinktiv ließ er sich nach vorne auf alle Viere fallen, um nicht umzukippen und schlug sich prompt den Kopf an der gegenüberliegenden Wand an.

„Au!"

Er rieb sich die schmerzende Stelle am Kopf. Anscheinend hatten sie abgehoben. Ob eine Beule eine Gutes Omen für ein Abenteuer war? Er bezweifelte es.

Etwas unsicher erhob er sich. Obwohl das Schiff bereits schwebte, als sie an Bord gegangen waren, war es ihm bisher felsenfest unter seinen Hufen vorgekommen. Jetzt bemerkte er die ständigen, kleinen Bewegungen, die der Flug mit sich brachte. Neugierig näherte er sich dem Fenster und fand nach kurzen Probieren heraus, wie der Verschluss funktionierte. Das Buntglas schwang zurück und eine steife Brise wehte durch den Raum, fing sich in seiner kurzen Mähne und wirbelte sie durcheinander. Er atmete unwillkürlich tief durch, dann streckte er seinen Kopf durch die schmale Öffnung und sah nach unten.

Die hellen Dächer von Ponyville glitten unter ihm hinweg und wurden langsam kleiner, als das Luftschiff an Höhe gewann. Schon erreichten sie die die Dorfgrenzen und die Häuser wichen den gelben Wiesen und noch immer grünen Bäumen. Fasziniert folgte er der dahingleitenden Landschaft für ein paar Minuten, dann fühlte er ein unwiderstehliches Bedürfnis in sich hochsteigen. Er sah sich kurz um, ob die Luft rein war – Es war niemand zu sehen. Die Tür zur Kabine war geschlossen und das ausladende Deck des Schiffes verbarg ihn vor jedem Blick. Für einen Moment zögerte er noch, dann gab er nach.

Er spuckte aus dem Fenster und sah gespannt wie ein Kind dabei zu, wie der Tropfen in der Tiefe verschwand.

Einen Moment verharrte er noch dort am Fenster, dann seufzte er leise. Sie waren also unterwegs. Er hatte zwar eine marginale Vorstellung davon, wohin die Reise gehen sollte, aber letztlich war es doch eine Fahrt ins Ungewisse.

Er machte sich Sorgen. So sehr er die Ablenkung und die freudige Erregung des Abenteuers genoss, die leise, rationale Stimme in seinem Hinterkopf war niemals ganz verstummt. Und sie beharrte darauf, dass das alles Wahnsinn war. Sicherlich, Equestria war in Gefahr. Aber wenn nur sieben übel durchgeschüttelte Ponys es retten konnte, war es vielleicht noch schlimmer als gedacht, auch wenn sechs davon die Elemente der Harmonie waren.

Arm das Land, das Helden braucht, dachte Rogue und schloss das Fenster wieder.

Ein Rascheln hinter ihm ließ ihn herumfahren.

Seine Satteltaschen standen noch immer dort, wo er sie hatte zu Boden gleiten lassen. Eine davon wackelte und etwas klopfte von innen gegen den Deckel.

Einen Moment lang starrte Rogue sie einfach nur überrascht und ein wenig erschreckt an, dann dämmerte es ihm. Er fuhr sich kurz frustriert mit dem Huf über das Gesicht, dann ging er hinüber und öffnete den Verschluss.

Ein kleiner, brauner Kopf mit großen, dunklen Knopfaugen drückte sich zwischen einem Paket steriler Tupfer und einer Infusion hervor, sah sich kurz prüfend im Raum um und begann dann ohne große Umschweife damit beleidigt zu keckern.

Das Rettungspony schenkte dem blinden Passagier einen strengen Blick. „Bandit! Wie... du... ich... Arrgh! Ich habe dir doch gesagt, das du in Fluttershys Haus bleiben sollst! Es wird gefährlich da draußen! Ich werde schon alle Hufe voll zu tun haben, auf die Mädels aufzupassen, da kann ich mich nicht auch noch um dich kümmern. Verdammt, wieso machst du nicht einmal das, was ich dir sage?"

Das Flughörnchen legte bedrückt seinen kleinen Ohren an, als es den wütenden Tonfall des Ponys vernahm. Langsam zog es seinen Kopf zurück in die kleinen Kuhle zwischen der medizinischen Ausrüstung, bis fast nur noch seine furchtsamen Augen zu sehen waren.

„Und guck´ mich jetzt nicht so an! Ich bin ernsthaft sauer auf dich! Wie kannst du nur... nur..." Seine Stimme wurde langsam leiser, als er ein kleines Detail bemerkte.

„Oh, Nein! Nein, versuch´s gar nicht erst! Das... das wird nicht funktionieren! Zieh´ sofort deine Unterlippe wieder ein!"

Bandit schob sie noch etwas weiter nach vorne. Dann ließ er sie leicht zittern und machte seine Augen noch etwas größer.

Rogue hielt exakt fünf Sekunden lang stand. Dann schmolz sein verärgerte Gesichtsausdruck wie Schnee in der Sonne und seine Lippen formten ein verzücktes ´Owwwww´. Er packte das kleine Tier mit seinen Zähne vorsichtig am Fell, zog ihn aus der Tasche und setzte ihn sanft vor sich ab.

„Also gut, es lässt sich ja ohnehin nicht mehr ändern. Ich bezweifle, das wir noch einmal umdrehen, um dich abzusetzen. Du kannst bleiben."

Bandit wechselte von einem bedrückten häuflein Elend zum glücklichsten Flughörnchen in ganz Equestria innerhalb eines Wimpernschlages. Er machte einen großen Satz und schmiegte sie fest in das Fell an Rogues Hals.

„Glaube nicht, das du mir das nächste Mal so billig davon kommst.", murmelte das Pony missmutig. Er wusste, das er hier auf ganz primitive Art und Weise manipuliert worden war und er war alles andere als glücklich darüber. Dennoch stahl sich schließlich ein Lächeln auf seine Lippen und er strich seinem kleinen Freund beruhigend über das Fell.

Ein Freund mehr konnte nicht schaden.


Die Führung durch das Schiff war erklecklich. Sie umfasste neben der Messe, in der vier mal am Tag Essen ausgeteilt wurde und nebenher auch noch der Mannschaft als Aufenthaltsraum diente, noch das Kastelldeck (von Worthwhile Poopdeck genannt, was nicht wenig Belustigung hervorrief), das sie nur auf Einladung betreten durften, das Oberdeck und die Back, was nichts anderes war als das große Deck in der Mitte und das am vorderen Ende und den Offizierssalon, letzteres eine eingeschrumpfte Mischung aus Bibliothek und Bar. Der größte Teil des Schiffes blieb für sie verbotenes Gebiet. Von den Werkstätten des Schiffsbetriebes auf dem Orlopdeck, über die Mannschaftskajüten und den Maschinenraum, wo eine Mischung aus magischer Apparatur und Dampfkesseln für das horizontale Fortkommen des Schiffes sorgte. Worthwhile fand in Twilight gerade zu diesem Thema eine faszinierte Zuhörerin, während Rouge und die anderen Ponys bereits nach wenigen Minuten über die Theorie von exotherm reagierenden Crysx-Kristallen vollkommen überfordert waren.

Bandit blieb die ganze Zeit seinem Lieblingsplatz auf Rogues Kopf treu und sah sich neugierig überall um. Das Flughörnchen erntete mehr als einen neugierigen Blick, nicht nur von den sechs Stuten, sondern auch von den Besatzungsmitgliedern, denen sie auf ihrer Führung begegneten. Worthwhile hob nur fragend eine Augenbraue, eine Geste, die typisch für ihn zu sein schien. Twilight nahm es offensichtlich missbilligend zur Kenntnis, auch wenn sie sich jede Kommentars dazu enthielt. Fluttershy hingegen begrüßte ihn freudig und strich ihm ihrem Huf zärtlich über den Kopf, eine Geste die sowohl Bandit als auch Rogue sehr gefiel. Ersterem aufgrund der Empathie, die die Pegasusstute für jedes Tier ausstrahlte, letzterem, weil sie dazu sehr nahe an ihn herantrat.

Er wusste, Fluttershy war auf so viele verschiedene Arten außerhalb seiner Reichweite, das es schon Mühe bereitete, sie alle aufzuzählen. Er war mindestens die Hälfte von ihnen bereits durchgegangen, als er endlich einmal die Gelegenheit gehabt hatte, die Nacht und den anschließenden Morgen bei ihr Revue passieren zu lassen. Sie war ein helles Licht in der Dunkelheit und er nur eine Motte, die davon angezogen wurde. Nichtsdestotrotz konnte er sich nicht beherrschen und sog den Duft ihrer Mähne ein, als sie sich zu Bandit beugte. Sie roch ein wenig nach dem herben Aroma sauberen Streus und Tierfutters, sicherlich, weil sie es sich nicht hatte nehmen lassen, ihre Schützlinge noch einmal persönlich zu füttern, bevor sie sie in die Obhut eines anderen Ponys übergab. Doch weit stärker war der süße Geruch nach Himbeeren, den er bereits eher beiläufig in ihrem Haus bemerkt hatte. Es weckte unwillkürlich Erinnerungen in ihm, Erinnerungen daran, wie sie sich über ihn beugte, ganz nahe, während er still auf ihrem Sofa lag. Ihre Umarmung, als sie versuchte ihn fest zu halten, das kurze Streicheln ihrer Flügel über seinen Körper...

Es kostete ihn nicht wenig Willenskraft, sich aus diesen angenehmen Gedanken zu lösen. Er bemerkte, wie sich eine verräterische Röte auf seine Wangen geschlichen hatte und sah unwillkürlich zu Applejack hinüber, die sich gerade mit Rainbow über den Auftritt des Kapitäns unterhielt. Obwohl er nichts getan hatte und obwohl es keinen Grund dazu gab, fühlte er sich unwillkürlich schuldig. Er betrachtete seine Cousine einen Augenblick lang und versuchte herauszufinden, woher dieses Gefühl stammte. Er brauchte nicht lange dazu, es war zu offensichtlich. Er seufzte leise. Es mochte zwar sein, das die beziehungstechnischen Fronten zwischen ihm und AJ geklärt worden waren, aber er wusste aus persönlicher Erfahrung, dass das Herz nicht im Geringsten daran dachte, dem Kopf so einfach Folge zu leisten. Celestia, wie lange hatte es gebraucht, bis dieses dumme Organ akzeptiert hatte, das Grace der Vergangenheit angehörte? Die Antwort war: Nie. Er ertappte sich noch immer dabei, wie er eine ums andere Mal an sie zurückdachte, an die schönen Stunden die sie miteinander verbracht hatten, wie er sie in seinen Hufen gehalten hatte, sie geküsst, liebkost und fest in seinen Vorderläufen gehalten hatte. Sein Herz war ein dreckiger, kleiner Verräter und es schien keine Gelegenheit auszulassen, ihn zu quälen. Was wäre wenn? Was hätte sein können?

Vielleicht würde er sie niemals vergessen können. Vielleicht gehörte das dazu. Eine der unvermeidlichen Lehren des Lebens, wie das Anfassen einer heißen Herdplatte.

Zu lieben, sein Herz zu öffnen, bedeutet, jemanden die Macht zu geben, dich auf furchtbare und schreckliche Art zu verletzten... und zu hoffen, das er es nicht tut. Und niemals, niemals, vertraut man so leichtfertig wie beim ersten Mal. Es war eine Lektion, die man selbst lernen musste, auf die harte Tour.

Sei es wie es sei, als Fluttershy zurücktrat und ihren Duft mit sich nahm, kam Rogue sich schäbig vor. Er hechelte Phantomen hinterher, hoffnungslos, aber nicht weniger enthusiastisch. Zuerst Applejack, jetzt Fluttershy. Erbärmlich. Er lenkte seine Aufmerksamkeit wieder zurück auf die Realität.


Kapitän Fair Fidget Fast Fairway der Dritte war sicherlich ein bemerkenswertes Pony. Er war, allem voran, ein Romantiker. Sein Dienst an Bord der ´Idle Barter´ war ein lebendiger Ausdruck eben dieses Lebensgefühls, dem er mit unbeirrbarer Selbstsicherheit nachging. Es war offensichtlich, das er seinen Teil und noch etwas mehr an Abenteuerromanen verschlungen hatte, vor allem solcher, die das ´freie und ungebundene Leben´ vieler fiktionaler Freibeuter zum Thema hatten. Kapitän Fairway lebte seinen Traum eines wilden, ungestümen, aber dennoch edlen Vagabunden des Himmels in jeder Einzelheit aus. Er war ein Träumer, ein Idealist. Das alles hätte ihn mehr als ungeeignet gemacht, ein Schiff in der königlichen Luftwacht zu führen. Aber Fairway besaß eine Eigenschaft im Übermaß, die alle seinen liebenswerten Fehler mehr als wett machten: Er hatte Charisma. Rogue hatte oft über dieses Wort gelesen, ohne sich wirklich darüber im Klaren zu sein, was es in der Wirklichkeit bedeutete. Das Abendessen in der Kapitänskajüte des Luftschiffes brachte es ihm näher, als es jedes Buch dieser Welt gekonnt hätte.

Charisma war mehr als das bloße gute Aussehen, von dem der Kapitän mehr als genug besaß. Es war eine Ausstrahlung, eine Art von Aura, die ihn auf Schritt und Tritt begleitete. Betrat er einen Raum, konnte er sich sicher sein, das alle Blicke auf ihn ruhen würden. Jede Unterhaltung würde unweigerlich verstummen, wenn er etwas zum Thema zu sagen hatte. Er bewegte sich durch die Stromschwellen der Konversation wie ein Fisch im Wasser, mit einer Leichtigkeit, die nur angeboren sein konnte. Sein Cutie-Mark zeigte einen Kompass, ein Zeichen das alles andere als ungewöhnlich war. Jedoch schien es, als hätte Kapitän Fairway es zu einer neuen Meisterschaft getrieben, seine besondere Begabung in ganz ungewöhnlicher Weise einzusetzen.

Ein Kompass zeigte Norden und Süden an, gab eine Richtlinie vor, an der man sich orientieren konnte. So schwer der Sturm auch tobte, mochte die Sonne oder die Sternen auch unter Wolken verborgen sein, die kleine Nadel zeigte die Richtung an, sorgte dafür, das man sich nicht verirrte. Und darauf lief es letztlich hinaus: Kapitän Fairway war unbeirrbar.

Rogue hatte in seinem Leben viele selbstsichere Ponys kennengelernt und zu nicht wenigen davon aufgesehen. Aber oft ging ging dieses Selbstbewusstsein mit Arroganz einher, oder Egoismus, oder Ignoranz.

Fairway zeigte keine dieser Eigenschaften. Sein Selbstvertrauen rührte aus seiner Überzeugung und seiner schon fast kindlichen Begeisterung für seine Aufgabe. Er lebte seinen Traum, ohne Zurückhaltung, ohne Zweifel, mit jeder Faser seines Körpers und er liebte jeden Augenblick davon. Das war es, was sein Charisma ausmachte: Er war inspiriert. Er hatte so viel über mutige und verwegene Kapitäne ohne Fehl und Tadel gelesen, das es zu mehr als einem brennendem Wunsch geworden war, selbst einer zu sein. Fairway spielte seine Rolle nicht, er war zu ihr bgeworden. Rogue zweifelte keinen Moment daran, das seine Crew ihm bis in den Tarterus und wieder zurück folgen würde, ohne mit der Wimper zu zucken. Denn er würde alles, wirklich alles für das Schiff und seine Besatzung tun.

Seine kleinen Schrulligkeiten waren kein Einschnitt in seine Integrität, im Gegenteil. Seine gelebte Vorstellung eines Piratenlebens gaben ihm einen liebenswerten Charakterzug, gerade weil er sie so unbeirrt verfolgte. Bei jedem anderen Pony hätte es lächerlich gewirkt, wie ein verzweifelter Don Quijote der Lüfte. Fairways Traum von diese Leben hingegen war so groß, das er andere mit sich hineinzog, sie mitnahm auf eine fantastische Reise in seine Welt. Er war regelrecht ansteckend.

Rogue war niemals an Bord eines Luftschiffes oder eines Schiffes der ´nassen´ Marine gewesen, aber die vielen ´Arrgh!´s, ´Mate!´s und ´beim Klabauterpony´s, die er von der Besatzung an diesem Tag gehört hatte, kamen ihm doch etwas zu gehäuft vor, um normaler Slang zu sein. Er wunderte sich ein wenig, warum noch keine schwarze Flagge gehisst worden war, einfach, weil es dazuzugehören schien.

Der einzige, der sich völlig unbeeindruckt von der Ausstrahlung des Kapitäns zeigte, war der erste Offizier. Worthwhile trug seine Uniform stets so akkurat, als würde er auf eine Parade marschieren und zeigte nicht den leisesten Anflug jeglichen nautischen Dialekts. Er nahm die Eigenheiten seines Vorgesetzten mit der stoischen Gelassenheit eines Ponys hin, der nichts an der Situation ändern konnte und versuchte sie so gut es ging zu ignorieren. Er tat dies mit der mühelos erscheinenden Eleganz, die von jahrelanger Übung zeugte. Vielleicht war es ein Versehen gewesen, das Kapitän Fairways die Sektflasche beim Entkorken in die falsche Richtung hielt, aber als der Korken direkt auf den Kopf des ersten Offiziers zuflog, drehte dieser nur im letzten Moment seinen Kopf und fing das Geschoss im Flug mit den Zähnen auf. Dann legte er es vorsichtig auf dem Tisch ab und fuhr ungerührt damit fort, seine gedünstete Möhre auf dem Teller zu zerlegen. Immerhin hüstelte er ein wenig verlegen, als die anwesenden Gäste die kleine Vorstellung mit enthusiastischen Hufgeklapper quitierten.

Fairway schenkte die Gläser voll und hielt schließlich sein eigenes in die Höhe. Die leisen Gespräche an der Tafel verstummten.

„Auf die Prinzessinnen!"

Die Ponys erhoben sich und gaben den Prost zurück. „Auf die Prinzessinnen!"

Rouge nippte an dem Glas mit dem prickelnden Schaumwein und legte sein Besteck ordentlich zurück auf den Teller, damit der Steward abtragen konnte. Das Essen war hervorragend gewesen, vor allem die Lasagne des Hauptganges suchte sicherlich im ganzen Königreich ihresgleichen. Die Kombüse war nicht Teil des Rundganges gewesen, aber das Rettungspony konnte sich anhand der beengten Verhältnisse innerhalb des Schiffes gut vorstellen, das sie nicht mehr als den unbedingt notwendigen Platz bot. Es musste eine Meisterleistung sein, auf so eingeschränktem Raum ein solches Festmahl zu zaubern.

Die Kapitänskajüte war eine der wenigen Ausnahmen, was die Enge des Schiffes anbelangte. Sie nahm ein ganze Ebene des Achterkastells ein und vermittelte mit ihren hohen, bunten Fenstern einen offenen und lichten Eindruck. Es gab einen abgetrennte Kammer mit der Koje des Kapitäns und eine weitere mit einem eigenen Waschraum, ansonsten diente der große Raum als Büro, Karten- und Navigationsraum und Offiziersmesse. Zum Anlass des festlichen Abendessens war die lange Tafel durch Klapptische erweitert und weiß gedeckt worden. Im sanften Schein der Kerzen blitze das polierte Silber der Gestecke und das milde Messing der nautischen Geräte in den Regalen an der Wand.

Neben den Gästen, dem Kapitän und dem ersten Offizier nahmen noch der zweite Offizier, eine wortkarge Pegasusstute und der Leutnant der Marineinfanterie an dem Essen teil. Letztere war eine auffallend hübsche weiße Einhornstute mit blonder Mähne, die in ihrer roten Uniform einfach umwerfend aussah. Rogue war sie auf dem Rundgang als Leutnant Mellow vorgestellt worden, ein Name, der mehr als passend erschien, als sie ihn und die Stuten mit sanfter Stimme und freundlichen Worten begrüßt hatte. Er war dagegen regelrecht erschreckt, als sie etwas später die Gelegenheit gehabt hatten, sie beim Drill ihrer kleinen Truppe an Deck zu beobachten. Die Stute hatte ein Organ, um das sie wahrscheinlich viele Ausbilder der Garde beneiden würden, wenn sie Befehle schrie. Sie hatte gegenüber Worthwhile Platz genommen und warf ihm mehr als einmal einen kurzen Blick zu, die dieser zu ignorieren schien.

Als der Steward das letzte Geschirr davongetragen hatte, erhob sich Rarity elegant von ihrem Sitz. Sie trat nach vorne und warf ihren Kopf zurück, sodass ihre sorgfältig gepflegte Mähne Gelegenheit hatte, auf genau die richtige Art und Weise über ihren Körper zu fallen. Fairway erhob sich ebenso, das Glas in einem Huf haltend und schließlich folgtem alle seinem Beispiel.

„Wir danken ihnen sehr für die freundliche Aufnahme auf ihr Schiff, Kapitän Fairway.", begann Rarity. „Und selbstverständlich auch für die königliche Bewirtung am heutigen Abend. Ich denke, das ich für uns alle sprechen kann, wenn ich sage, das wir uns in ihren Fähigen Hufen sehr gut aufgehoben fühlen. Dafür möchte ich mich auch im Namen meiner Freunde bedanken."

Der Kapitän zauberte ein wohlwollendes Lächeln auf seine Lippen und nickte zustimmend. „Miss Rarity, glauben sie mir bitte, wenn ich sage, das es mehr als eine Freude ist, sie alle an Bord begrüßen zu dürfen." Er blickte sich in der Runde um und fixierte kurz jeden seiner Offiziere. „Wir alle haben unseren Eid geleistet, Equestria treu zu dienen und es tapfer zu verteidigen. Es ist uns eine Ehre mit Ponys zu segeln, die diese Worten schon so oft mit Taten erfüllt haben. Dafür gebührt ihnen unser Respekt und unsere Anerkennung. Sie sind uns willkommen, heute und für die Zukunft." Er hob sein Glas zu einem erneuten Gruß, den die Offiziere erwiderten.

Sie setzten sich wieder und setzten ihre Gespräche wieder fort. Rogue unterhielt sich mit Pinkie Pie über die Anschaffung von Spineboards für die freiwillige Feuerwehr, während er mit halbem Ohr die sonstigen Gespräche am Tisch verfolgte. Applejack unterhielt sich mit Twilight über die Sagen und Legenden über das Alte Land, während Rainbow Dash in der zweiten Offizierin einen weiteren Bewunderer der Wonderbolts gefunden hatte und mit ihr Beschreibungen verschiedener Luftmanöver durchging. Fluttershy knabberte etwas verloren an einem kleinen Stück Parfait, das als Nachspeise gereicht worden war. Rarity dagegen war vollkommen von Kapitän Fairway eingenommen und unterhielt sich angeregt mit ihm.

„Was ist eigentlich in Ponyville passiert? Ich habe gehört, das zu einer Art von Angriff gekommen ist.", fragte Mellow in die Runde.

Es wurde schlagartig still im Raum.

Die Gäste schauten sich unsicher an, uneins darüber, wie sie auf die Frage reagieren sollten. Die Offiziere tauschten nicht weniger verwirrte Blicke aus, als sie die Reaktion sahen. Nach einigen Sekunden des unangenehmen Schweigens räusperte sich Kapitän Fairway vernehmlich.

„Nun, ich denke, das ist ein Thema, das empfindlich an den Nerven unserer Gäste rührt. Ich denke, es wäre besser, wenn wir..."

„Nein!"

Twilight war aufgestanden und klopfte entschlossen mit dem Huf auf das Holz, so das die Gläser klirrten. Sie beugte sich entschlossen über den Tisch, die Vorderläufe aufgestützt, mit ernstem Gesichtsausdruck. Einem nach dem anderen fixierte sie ihre Freundinnen. Einzig ihr schneller Atem verriet, wie aufgewühlt sie war.

„Wir haben viel zu lange darum herumgeredet. Jetzt ist Schluss damit! Seht ihr nicht, was mit uns passiert? Seht ihr es nicht?"

Sie riss die Vorderbeine in die Höhe und sah sich fragend sie auch schaute, wichen ihre Freunde ihrem Blick aus. Sie hielt sich noch einen Moment lang aufrecht, dann sackte sie zusammen, als hätte dieser plötzliche Ausbruch jede Energie aus ihr gesogen.

„Wir lügen.", flüsterte sie traurig. „Wir sind Freunde, wir sind durch so vieles miteinander gegangen, durch dick und dünn. Wir haben so viel zusammen erlebt, Gutes und auch Schlechtes. Wir haben auch schon vorher zu uns gelogen, untereinander, einer zu dem anderen und wir haben es hinterher immer bereut. Aber jetzt... jetzt belügen wir uns selbst. Wir sagen uns, das jetzt alles gut werden wird, denn wir sind zusammen und es ist bisher immer gut ausgegangen. Wir sagen uns, dass das, was passiert hinter uns liegt und das wir es zusammen durchgestanden haben. Das wir nur noch in die Zukunft blicken müssen, ein neues Abenteuer, so wie alle anderen."

Sie hob langsam ihren Blick und Tränen blitzten in ihren Augen. „Aber es ist nicht so wie früher, oder? Ich spüre es und ich bin mir sicher, das es euch genauso geht. Wir können uns selbst belügen, vielleicht für eine Zeit, aber die Wahrheit wird uns schließlich einholen. Sie ist immer da, sie frisst an uns, je mehr wir sie verleugnen. Wir wollen uns Mut machen, wollen den anderen zeigen, das nichts verloren ist und das wir immer noch gemeinsam stehen. Aber wir stehen nicht mehr zusammen. Wir tragen unsere... unsere Wunden, unsere Schuld mit uns herum, voll von Angst sie mit dem anderen zu teilen. Wir wissen, das auch die anderen verletzt worden sind und wollen sie nicht mit unserem Schmerz belasten. Aber genau das ist es, was uns auseinander treibt, statt uns enger aneinander zu schweißen. Jeder trägt sein Päckchen für sich selbst, anstatt es zu teilen." Sie atmete tief durch und schloss die Augen. „Und wir gehen langsam daran zugrunde. Nicht heute, vielleicht nicht morgen, aber Stück für Stück. Was uns jetzt noch aufrecht erhält ist die Aufregung des Abenteuers und die Pflicht den Ponys zu helfen. Wir wollen den Schrecken hinter uns lassen und vergessen. Ich verstehe das. Es geht mir nicht anders. Aber das wird nicht reichen."

Sie schwieg einen Moment lang, ließ das Gesagte wirken. Dann öffnete sie ihre Augen. Entschlossenheit blitzte darin. „Ich habe einen Fehler gemacht. Ich bin hochmütig geworden und habe mich für klüger als die Prinzessinnen gehalten. Ich habe für diesen Fehler bezahlt, nicht in meinem Blut, sondern mit dem von anderen Ponys."Sie senkte ihren Blick und ihre Beine begannen zu zittern. „Ich bereue es zutiefst, so sehr, das der Gedanke daran alleine mir Schmerzen bereitet. Und ich habe Angst. Angst, weil ich bereit wäre meinen Fehler noch einmal zu begehen, nur um so weit zu kommen, wie wir jetzt sind. Ich habe Angst. Angst vor mir selbst."

Stille senkte sich nach Twilights Geständnis über die Runde. Dann begann Rainbow Dash zu sprechen.

„Ich habe sie getötet!" Sie platzte förmlich damit heraus. Sie stand breitbeinige vor dem Tisch, die Flügel in Aufregung weit von sich gespreizt. „Ich habe sie ermordet." Das letzte war nur ein Hauchen, ein Flüstern. „Sie wollte nicht aufhören. Sie hat nach mir gebissen und geschnappt, selbst als sie am Boden lag und blutete... und blutete..." die cyanfarbene Pegasusstute schluchzte kurz, dann fuhr sie sie leise fort. „Was hätte ich denn tun sollen? Sie wollte nicht aufgeben! Hätte ich nur gewusst... nur gewusst... Oh, Gosh, es tut mir so leid. Sie wollte nur ihre Jungen füttern. Ich... ich wollte das nicht. Aber sie hat nicht aufgehört. Und ich habe sie geschlagen und geschlagen und... und... Gosh!" Sie wischte sich energisch die Tränen aus den Augen.

„Ich will nich´ hier sein."

Es war Applejack, die als nächstes sprach. Sie saß auf ihren Hinterbeinen und senkte traurig ihren Kopf. „Ich hab´ euch alle lieb´ un´ ich weiß wie wichtich´ s´ alles hier is´, aber ich will nich´ wirklich mit euch auf Fahrt geh´n. Ich würd´ gern meiner Familie helf´n un´ se´ nich´ wieder im Stich lass´n, wie so oft. Die ganz´n Abenteuer mit euch sin´ klasse un´ s´ macht immer ne´ Menge Spaß, aber ich würd´ mir einfach wünsch´n... einfach wünsch´n, ich könnt´ mehr bei meiner Familie sein. Was passiert is´... s´ hat mir klar gemacht, wie sehr ich se´ lieb´ hab´. Un´ wie wichtich die Zeit is´, die man mit ihr verbring´n kann."

Pinkie Pie schob unruhig ihr Glas zwischen ihren Hufen hin und her. „Es war immer alles Spaß und Spiele.", begann sie leise. „Es war manchmal gefährlich, ja. Aber es ist niemals ein Pony zu Schaden gekommen. Ich habe Angst. Angst, dass... das es diesmal nicht so gut ausgeht. Ich weiß nicht, ob ich es noch einmal ertragen könnte..." Sie zuckte zusammen, als eine schmerzvolle Erinnerung in ihrem Geist aufblitzte. Ein Sarg, verborgen unter der fein gewebten Fahne von Equestria. Sie atmete tief durch, um sich zu beruhigen. „Und diesmal hilft es nichts, die Angst einfach wegzulachen. Ich kann darüber nicht lachen. Sie bleibt einfach da, hier, in mir drin und fühlt sich kalt an. So kalt." Sie schlang ihre Vorderläufe um ihre Brust, als versuchte sie sich selbst warm zu halten.

Rarity erhob sich von ihrem Sitz und ging langsam zu ihrer pinken Freundin hinüber. Sie strich ihr sanft ihrem Huf über die Schulter. Pinkie blickte auf überrascht auf und ihr Gesicht entspannte sich, als sie in das warme Lächeln ihrer Freundin blickte.

„Es geht mir wie Applejack.", sagte die weiße Einhornstute. „Als mir das erste mal klar geworden ist, wie nahe ich daran gewesen war, meine kleine Schwester zu verlieren... konnte ich fast keinen klaren Gedanken mehr fassen. Die Vorstellung kreiste endlos in meinem Kopf und ließ mich an nichts anderes mehr denken. Ich musste immer wieder zu ihr gehen, ihr durch die Mähne streichen, sie berühren, um mir selbst klar zu machen, das sie tatsächlich da war, dass das Unvorstellbare nicht doch passiert ist und sie mir genommen worden war. Selbst jetzt... wünschte ich, ich könnte sie sehen, sie in meinen Hufen halten und mich noch einmal vergewissern, das es ihr gut geht. Nein, ich will nicht hier sein. Auch wenn ich weiß wie wichtig es ist, ich will nicht hier sein. Und ginge es nicht darum, sie letztlich davor zu beschützen, so etwas noch einmal erleben zu müssen, hätte nichts auf Equia mich dazu bringen können, sie zu verlassen. Auch unsere Freundschaft nicht."

„Es ist genauso wie ich befürchtet habe..."

Hätte nach Raritys Geständnis nicht absolute Ruhe im Raum geherrscht, wäre die flüsternde Stimme von Fluttershy einfach überhört worden, wie schon so viele Male vorher. Jetzt drehten sich alle Köpfe zu ihr und die kanariengelbe Stute schrumpfte förmlich unter der plötzlichen Aufmerksamkeit zusammen. Ihre Mähne fiel wie von selbst vor ihr Gesicht, um sie vor den Blicken der Ponys zu schützen. Doch nach einem Moment, in dem sie ihren Mut zusammennahm, sah sie langsam auf.

„Ich... ich glaube nicht, das wir langsam auseinander driften. Ich... ich glaube, wir sind schon... sind schon auseinander gebrochen." Ihre Stimme war noch immer sanft und leise, aber ihr Worte lasteten wie Blei auf den Ponys im Raum. „Was Twilight sagt, stimmt, wir wollen immer noch stark füreinander sein und klammern uns verzweifelt aneinander, aber ich denke, wir tun das nur, weil wir tief in uns drin wissen, das wir uns langsam voneinander entfernen. Die... Dinge... die wir erlebt haben... sie haben uns verändert. Vielleicht nur ein wenig, vielleicht nur so, das man es gar nicht wirklich sieht, aber man kann es spüren. Wir haben einmal alle fast nahtlos zueinander gepasst, aber jetzt ist das nicht mehr so. Als währen wir ein Puzzle das furchtbar durcheinander geraten ist. Das Bild darauf stimmt noch, aber die Teile passen nicht mehr richtig zusammen. Wir haben unseren Zusammenhalt verloren und sind nur noch... nur noch Scherben. Es sind unsere Erinnerungen, die uns noch zusammen halten, aber sie werden nicht reichen. Davor... davor habe ich Angst. Ich... ich will euch nicht verlieren. Aber ich spüre, das es passiert, schon jetzt." Sie schniefte leise und ließ ihren Kopf hängen.

Rouge sah auf die traurige Pegasusstute und versuchte seine Herz davon abzuhalten, bei dem Anblick in Stücke zu gehen, während ihm gleichzeitig ein eisiger Schauer über den Rücken lief.

Fluttershy musste sich irren. Freundschaft war eine Bande, die ein Pony solche Ereignisse überleben ließ, sie vielleicht sogar noch stärker machte. Er wusste, diese sechs Stuten teilten etwas besonderes zwischen sich. Er hatte es gesehen, hatte es gespürt, als sie zusammenstanden und sich gegenseitig wieder aufrichteten und nicht an dem Schrecken zugrunde gingen, der über sie hereingebrochen war. Es konnte nicht, durfte nicht zerbrechen.

Aber wo war die Freunde gewesen, als er sie, eine nach der anderen, in ihren schwächsten Stunden erlebt hatte? Wo waren sie gewesen, als Pinkie Pie den Schwanz einziehen wollte? Wo waren sie gewesen, als Rarity still auf der Bank im Krankenhaus lag, voll Sorge und Bedauern? Hatten sie nicht bemerkt, das Pinkie von der Bühne verschwunden war? Warum war AJ ihnen nicht ins Krankenhaus gefolgt?

Man konnte es als Zufälle sehen, das er es gewesen war, der ihnen dort beistehen konnte. Oder vielleicht als ein Zeichen dafür, dass in Fluttershys Worten mehr Wahrheit lag, als er und die anderen vielleicht wahrhaben wollten. Vielleicht war es ein Indiz, ein Symptom für die zunehmende Entfremdung zwischen den Freundinnen. Der Mangel an Empathie, der früher so selbstverständlich schien. Die zunehmenden Egozentrik auf die eigenen Probleme, wo man sich früher so vertrauensvoll mitgeteilt hatte.

Es war schrecklich, sich vorstellen, das dieser kostbare Kreis zerbrach.

Es war still geworden, als die Ponys versuchten, Fluttershys Vermutung zu verdauen. Sie saßen zusammen an dem großen, reich gedeckten Tisch, doch versunken in ihre eigenen Gedanken, in der Hoffnung ein Argument zu finden, das ihren Irrtum beweisen würde. Aber niemandem wollte etwas einfallen.

„Ich habe ein Fohlen fallengelassen." Die Köpfe ruckten herum. Rouge erschrak, als er sich diese Worte sagen hörte. Sie waren so einfach über seine Lippen geschlüpft, so unvermittelt und unwillkürlich, das er das verrückte Bedürfnis verspürte, sie mit seinen Hufen wieder zurück zustopfen, wie ein Kaugummi, der ihm aus dem Mund gefallen war. Es war seltsam, das er jetzt damit herausbrach, wo es vorher einem körperlichen Kampf nahegekommen war, es auszusprechen. Aber er hatte diese Stille nicht mehr ausgehalten, während sich in den Köpfen dieser Stuten so schreckliche Zweifel ausbreiteten. Jetzt sprudelte es aus ihm hervor, mit all der Macht zu lang verschwiegener Geheimnisse und verpasster Gelegenheiten.

Der Einsatz. Das fallende Fohlen. Seine wilde Jagd die Treppen hinunter. Die zerbrochene Gestalt auf dem verdorrten Rasen. Seine Selbstvorwürfe. Seine Verzweiflung. Seine Wut. Seine Hilflosigkeit. Seine Angst. Seine Alpträume.

Er hielt nicht an, bis auch der letzte Tropfen aus ihm heraus geflossen war.

Als das letzte Wort gesprochen war, fand er sich schwer atmend am Tisch wieder, die Vorderläufe aufgestützt, als würde er jeden Moment umfallen. Er war schweißgebadet, mehr als nach jedem anstrengenden Lauf.

Die anwesenden Mitglieder der Mannschaft waren den teils verstörenden Gesprächen zwischen den Freunden mit überraschten und erschreckten Gesichtern gefolgt. Nun erhob sich Kapitän Fairway vom Tisch. „Ich möchte ihnen gerne etwas zeigen.", sagte er und ging zu einem kleinen gläsernen Kabinett neben seinem Schreibtisch. Er schloss es auf und und holte vorsichtig einen kleinen Gegenstand heraus. Dann trat er zurück und stellte behutsam vor sich auf dem Tisch ab. Er hielt seine Vorderläufe darüber, so das man nicht erkennen konnte, um was es sich dabei handelte.

„Ich bin vor allem in meiner Zeit als Kadett viel in Equia herumgekommen und habe auf den Schiffen ihrer Majestäten vieles gesehen und bin auf viele kleine und große Wunder gestoßen. Ich bin in Städten spazieren gewesen, von denen andere Ponys nicht einmal träumen. Ich habe es mir zur Angewohnheit gemacht, aus jedem dieser Häfen etwas mitzubringen, ein kleines Andenken, ein Souvenir. Im laufe der Zeit habe ich eine ansehnliche Sammlung zusammenbekommen, mit vielen Kuriositäten, Seltsamen Kleinoden und Kostbarkeiten. Doch eines meiner Stücke wir immer einen besonderen Platz in meinem Herzen haben. Ich habe es in Kanpon erworben, einer Stadt im östlichen Kaiserreich. Die dortigen Ponys sind sehr stolz auf ihre Handwerkskunst, die sie in vielen Jahren zu Meisterschaft bringen. Sie haben dort eine Art von Kunst erfunden, die sie ´Kintsugi´ nennen. Übersetzt heißt es so viel wie ´Goldflicken´."

Er nahm seine Vorderläufe von dem geheimnisvollen Gegenstand und schob ihn in die Mitte des Tisches.

Es war eine einfache, kleine Schale aus gebranntem Ton, kaum groß genug, das ein Huf hineingepasst hätte. Sie war mit einer schönen, dunkelgrauen Glasur, die durch das Brennen verschwimmende Ringe aus dunkelblau bekommen hatte. Doch das war nicht das besondere daran. Das Besondere daran war der große Sprung, der direkt durch ihre Mitte verlief. Ein großer Sprung, der sogar ein großes, dreieckiges Stück am Rand der Schale herausgebrochen hatte. Ein großer Sprung, der durch eine Ader glitzernden Goldes zusammengehalten wurde, sie sich durch die graue Glasur zog, als wäre er ein natürlicher Teil der Schüssel.

Die Stimme des Kapitäns war leise, als er fortfuhr. „Wie ich schon sagte, sind die Ponys von Kanpon sehr stolz auf ihr Handwerk. Sie sind Perfektionisten. Ein winziger Fehler - und sei er auch nur kosmetischer Natur - in ihrem Werk und sie werfen es angewidert von sich. Für sie ist es eine Art von persönlicher Beleidigung, ein Makel, den sie nicht ertragen können. Was also hat dazu geführt, das sie eine einfache, zerbrochene Tonschale mit etwas so Kostbarem reparieren, das es einem förmlich ins Auge springt?"

Er sah auf. „Sie ist schön, nicht wahr? Ich sah sie und ich wusste, ich musste sie haben. Es hat mich fast einen Monatssold gekostet, aber sie ist es wert, jeden Bit davon. Eine zerbrochene Schale mit nicht genug Gold darin um nur eine Münze zu prägen. Heute Abend ist sie mehr wert als die Schatzkammer des königlichen Palastes, denn sie mag ihnen etwas geben das unbezahlbar ist: Eine Idee."

Er fixierte seine Gäste, einen nach dem anderen, mit scharfem Blick. „Wenn etwas zerbricht, bedeutet das nicht das Ende. Es kann auch ein Anfang sein. Der Anfang von etwas noch Schönerem."

Er hielt für einen Moment lang seinen harten Blick aufrecht, dann schlich sich ein warmes Lächeln auf seinen Lippen. „Ich wünsche ihnen allem eine gute Nacht."


Es schien niemals wirklich still zu sein an Bord eines Luftschiffes. Rouge lag an diesem Abend wach in seiner Koje – oder besser gesagt: In Worthwhiles Koje, auch wenn dieser nur einen Hufbreit in einer Hängematte friedlich schlief- und lauschte den vielfältigen Geräuschen um sich herum, während sich der Schlaf nicht einstellen wollte. Eigentlich hatte er damit gerechnet, wie ein Stein in das Bett zu fallen und zu schlafen, bevor sein Kopf das Kissen berührte, schließlich war er letzte Nacht wieder einmal aus seinem wohlverdienten Schlummer gerissen worden. Der Wein, den er zum Abendessen genossen hatte, hatte sich noch während der angenehmen Gespräche am Tisch an die Arbeit gemacht und ihm die nötige Bettschwere verliehen, nach der er gestrebt hatte.

Dennoch fand er sich hier, wach im Dunkeln, unfähig den Schlaf zu finden, den er so sehr wollte.

Er drehte sich ein weiteres Mal herum, in der Hoffnung, eine Position zu finden, die ihn seines Zieles näher brachte. Selbstverständlich vergebens. Bandit hatte seinen gemütlichen Platz auf der Bettdecke über seiner Brust schon vor langem aufgegeben und sich statt dessen ein Nest zwischen einem Sextanten und einem Kartenstapel im Regal neben Rouges Kopf gemacht.

Es schien, als hätte er schließlich recht behalten. Als hätte diese vernünftige, rationale, hässliches Stimme in seinem Hinterkopf doch richtig gelegen. Dieses Abenteuer war keine wunderbare Möglichkeit dem Horror zu entkommen. Es war nur ein verzweifelter Versuch der Flucht, ein Abgesang auf eine Freundschaft, die unter der Last der Dinge, die sie zu erleiden hatte, langsam in Stücke ging. Sie wollten es nur alle nicht wahrhaben. Weder die sechs Stuten, noch Rogue selbst. Während er in der Dunkelheit lag, drehten sich seine Gedanken immer nur um das eine: Es kann nicht, es darf nicht wahr sein.

Aber Fluttershy hatte nur ausgesprochen, was jeder von bereits in sich gespürt hatte. Sicherlich war Rogue bei weitem noch nicht lang genug Mitglied in der engen Gemeinschaft, als das er die tiefgreifende Verbindung vollständig nachvollziehen konnte, die die anderen miteinander teilten. Aber seine Ponykenntnis hatte bereits zuverlässig die Alarmglocken bimmeln lassen, wann immer er die Ponys zusammen gesehen hatte.

Es kann nicht, es darf nicht wahr sein.

Was bedeute das für ihn? Er hatte gesehen, wie heilsam diese Bande sein konnten. Er hatte gehofft, hier vielleicht die Antwort auf seine eigenen Probleme zu finden. Einen Erlösung von seinem Fluch, ein Mittel gegen seine Alpträume, einen Weg aus seinem Labyrinth aus Selbstvorwurf und Schuld. Diese Freundschaft... es war auch Hoffnung für ihn gewesen, ein Ansatz, der ihn weitermachen ließ. Sollte er verschwinden, was blieb ihm dann noch? Wohin sollte er sich wenden? Welchen Weg sollte er dann einschlagen? Es schwärte noch immer in ihm. Er wusste nun, er konnte sich Erleichterung verschaffen, aber die Wunde blieb. Es würde ihn über kurz oder lang von innen heraus auffressen. Es war, als würde er nur die Symptome behandeln, ohne jemals zur Ursache der Krankheit vorzudringen. Es kam ihm vor wie seine letzte Chance.

Es kann nicht, es darf nicht wahr sein.

Doch es gab noch mehr Blickwinkel zu betrachten. Es wäre traurig genug, wenn diese sechs Stuten einfach nur ein Freundeskreis wären, der sich selbst langsam überlebte. Aber sie waren die Elemente der Harmonie. Was bedeutete es für ganze Equestria, wenn... nun... die Harmonie zwischen ihnen verloren ging? Waren sie überhaupt noch in der Lage das Land zu retten, so wie sie es schon so viele Male zuvor getan hatten? Würden sie letztendlich herausfinden, was zu tun war, aber sich außerstande sehen, es auch zu vollbringen?

Es kann nicht, es darf nicht wahr sein.

Rogue warf sich ein weiteres Mal herum. So viele Fragen, so viele Gedanken. Es war kein Wunder das er keine Ruhe fand. Er ließ einen Laut der Frustration von sich und setzte sich in der Koje auf. Ein prüfender Blick zur Seite bestätigte, das Worthwhile von seiner nächtliche Schlaflosigkeit unberührt schlummerte. Das Rettungspony schlug die Decke zurück und trat so leise wie möglich auf den Holzboden. Ein kleiner Spaziergang auf dem Deck, bei frischer Luft, würde vielleicht helfen, seinen Kopf freizubekommen.

Er schlich zur Tür und betätigte die Klinke mit den Zähnen. Es knarrte etwas in den Angeln, als sie aufschwang, aber das gleichmäßige Atmen des ersten Offiziers veränderte sich nicht. Beruhigt schritt Rouge nach draußen.

Er wollte die Tür gerade hinter sich zuziehen, als ein kleiner, dunkler Schatten im letzten Moment durch den Spalt huschte. Bandit verharrte einen Moment neben Rouge´s Huf und schnüffelte neugierig, dann kletterte er flink das graue Fell seines Freundes hinauf und machte es sich zwischen den kurzen Strähnen seiner Kopfmähne bequem. Das Rettungspony schloss leise die Tür und machte sich auf den Weg zum Oberdeck.

Die angenehme Kühle der Nacht empfing ihn, als er von der engen Treppe auf das Decke trat. Unwillkürlich atmete er tief durch und streckte sich etwas. Die Enge unter Deck war zwar nicht beängstigend, aber Rogue fühlte sich in den spärlich beleuchteten Gängen des Schiffes dennoch alles andere als wohl.

Hinter ihm erklang das sanfte Schlagen einer Glocke. Einmal – Zweimal. Er dreht sich um und sah auf dem Oberdeck die Gestalten von zwei Ponys, die am Runder standen. Im Licht der großen Schifflaterne, die Achtern brannte, erkannte er den zweiten Offizier, die neben dem Steuermann Wache hielt. Er nickte ihr kurz zu, aber sie schien die Geste nicht zu bemerken. Ansonsten schien das Deck leer.

Rogue trotte langsam zur Reling und warf einen Blick auf die Landschaft, die unter ihnen vorbeizog. Prinzessin Luna ließ ihr Gestirn noch immer in hellem Glanz erstrahlen, so das Equestria in einen Schleier aus feinem Silber getaucht zu sein schien. Es waren die rechteckigen Formen von Feldern, die das Bild unter ihnen bestimmten, durchbrochen von kleineren und größeren Wäldern. Das eine oder andere kleine Dorf schlief friedlich unter seinen strohgedeckten Dächern.

Er bemerkte, wie Bandit seine Ohren packte und sich daran festhielt, zweifellos um auch einen Blick in die Tiefe zu werfen. Rouge verdrehte die Augen nach oben und konnte tatsächlich die kleine, braune Schnauze und das Glitzern auf den dunklen Augen sehen.

„Du hast bestimmt keine Angst vor Höhen, oder?"

Bandit quiekte zustimmend und lehnte sich noch etwas weiter nach vorne.

Das Rettungspony sah hoch zum Himmel und sorgte somit dafür, das sein kleiner Freund nicht zu übermütig wurde.

Der Mond hing voll und rund über dem stillen Land. Bald würde er hinter der großen, schwarzen Form des Balloons über ihnen verschwinden, aber noch zeigte er sich Rouge in seiner ganzen, schimmernden Pracht. Luna hatte ihnen heute wirklich eine zauberhafte Nacht geschenkt. Das Firmament glitzerte unter tausenden und abertausenden von Sternen, die auf das dunkle Tuch der Nacht verstreut waren, in herrlichem Glanz. Rouge stützte seinen Vorderlauf auf die Holzreling und erlaubte sich bei diesem wundervollen Anblick seine Gedanken schweifen zu lassen.

Als er den Mond betrachtete und seine Verstand seltsame Muster in die dunklen Flecken darauf malte, versetzte sein Unterbewusstsein ihm einen leichten Stoß.

Irgendetwas stimmte nicht mit dem Mond.

Hatte er nicht anders ausgesehen, als er noch ein Füllen gewesen war? Hatte es dort nicht ein Gesicht gegeben, das man in wolkenlosen Vollmondnächten erkennen konnte? Die berüchtigte Mähre-im-Mond...

...Nightmare Moon. Rouge kam sich ziemlich dämlich vor, als sein Gehirn endlich die Verbindung herstellte. Natürlich, das Gesicht musste verschwunden sein, seit Prinzessin Luna befreit worden war. Es war seltsam, aber sein kindliches Ich, das sich noch für solche Dinge interessiert hatte, wollte nie die Verknüpfung mit dem Einhornkopf auf dem Mond und Nightmare-Night herstellen. Es gab da die Mähre-im-Mond und es gab da dieses unwirkliche Wesen, für das man an einem Abend Süßigkeiten sammelte (und natürlich mindestens die Hälfte klammheimlich unterwegs runterschlang). Er wusste nicht einmal mehr, wann er zuletzt den Mond wirklich ausgiebig betrachtet hatte. In Manehattan brannten die ganze Nacht über die Gaslaternen auf den Straßen, so das man froh sein konnte, die hellsten Sterne zu sehen, geschweige denn den Mond einer genaueren Betrachtung zu unterziehen.

Er betrachtete die helle Scheibe am Firmament weiter. Warum wurde er das Gefühl nicht los, dennoch ein Gesicht darauf gesehen zu haben, vor nicht allzu langer Zeit?

„Luna...", flüsterte er.

Er war kein Pony, das zu den Prinzessinnen betete. Sicherlich, er benutzte genauso wie alle anderen Ponys Redewendungen wie ´Oh, Celestia´ oder ´Celestia und Luna´, aber das war mehr eine Angewohnheit, als eine wirkliche Bitte an die Regentinnen. Celestia und Luna waren da, sie regierten das Land und beschützten es, sie lenkten Sonne und Mond, aber sie kamen nicht wie die Zauberfeen daher und erfüllten Ponys ihre Wünsche, weil man lieb ´Bitte´ sagte.

Es war nicht immer so gewesen. Er erinnerte sich noch gut daran, wie er bei seiner Urgroßmutter Apple Seed am Bett saß, die alte Stute die Hufe aufeinander legte und ihm sagte, er solle es ihr gleichtun.

Ihre faltigen, schweren Augenlider hatten sich gesengt und ihr Kopf, gebeugt von den Jahren, glitt noch etwas tiefer hinab.

Celestia, Herrin der Sonne..." Ihr Stimme war normalerweise dünn und rau, aber wann immer sie so sprach, gewann sie eine Kraft, die Ihr Alter Lügen strafte.

„Luna, Herrin des Mondes...", sprach Rouge, so viele Jahr danach. Er fand Trost in diesen Worten, so wenig er auch an ihre Bedeutung glaubte.

Sol Invictus, Gleißende Prinzessin..."

„Deimos Selene, Schimmernde Prinzessin..." Trost, auch nur für einen Moment, die Last abzulegen und zu vertrauen.

Nicht für uns sprechen wir unsere Bitte..."

„Nicht für mich spreche ich meine Bitte..." Zu vertrauen, das es jemand Größeren dort draußen gibt. Einen Zweck, eine Bestimmung.

Sondern für die die wir lieben..."

„Für die, die ich lieb gewonnen habe..." Das es kein leidloses Schicksal ist, das einen herumstößt, sondern ein wacher, fühlender Verstand. Das die Pein nicht sinnlos, sondern letztlich doch einem Sinn geweiht war.

Lass sie auf ihren Wegen in Frieden wandeln..."

„Lass sie auf ihren Wegen sicher schreiten..." Das ein Flehen, für das, worauf man keinen Einfluss hat, nicht vergebens ist.

Und lass sie Harmonie finden."

„Und lass sie die Harmonie finden, die sie verloren glauben."

Er glaubte nicht daran, das Luna oder Celestia hinabsteigen würden, um ihre Probleme zu lösen. Er wusste, sie waren vollauf damit beschäftigt, das Land zusammenzuhalten, das sich am Abgrund einer Katastrophe befand. Aber er hier und jetzt fühlte er sich besser.