Disclaimer: Ich habe keinerlei Rechte an der Geschichte, was den Inhalt von Hasbro´s My Little Pony: Friendship is Magic anbelangt. Abgesehen von meinem OC ist alles deren Eigentum
Kapitel 23: Ein Land, ein Stamm, ein König
Sie waren gerade dabei, die Reste ihres Frühstücks zusammen zu räumen, als sie die Rufe aus dem Dorf hörten.
´De er tilbage! De er tilbage!´, war der fremde Satz, der sich wie ein Lauffeuer zwischen den Hütten verbreitete.
´De er tilbage! De er tilbage!´ Stuten ließen halb geflochtene Körbe fallen und das Klingen in der Schmiede kam abrupt zum verstummen. Füllen stoben aufgeregt an ihrer Hütte vorbei.
´De er tilbage! De er tilbage!´ Krieger traten aus den Hütten und beeilten sich ihre Mähne mit schnellen Strichen Ihrer Hufe in Ordnung zu bringen. Sie alle strebten dem Platz vor dem großen Tor in der Palisade zu.
Die Freunde sahen sich gegenseitig unsicher an. Seilzug hatte ihnen gesagt, das sie hier keine Gefangenen waren, auch wenn ihr Gefühl seine Worte Lügen straffte. Sie konnten von ihrer Unterkunft aus nicht sehen, was am Tor vor sich ging, da mehrere Hütten ihnen die Sicht versperrten. Als sich jedoch selbst einige ihrer ´Begleiter´ neugierig zum Ort des Aufruhrs aufmachten, traf Twilight schließlich ihre Entscheidung.
„Lasst uns gehen.", sagte sie mit Nachdruck und begann loszutrotten. „Ich denke, sie werden uns schon wissen lassen, wenn wir nicht erwünscht sind."
Die anderen nickten und erhoben sich. Zusammen schlossen sie sich den Stammesponys an, die in immer größerer Zahl dem Tor zustrebten.
Als sie auf dem kleinen Platz ankamen, der den Eingang zum Dorf umgab hatte sich bereits eine ansehnliche Menge versammelt. Die hochgeschoßenen Ponys des Stammes standen dicht gedrängt und verdeckten jede Sicht auf den Eingangsbereich. Sie standen sogar auf den Balustraden und Gehwegen der Ummauerung und riefen wild in ihren fremden Zungen durcheinander.
„Was machen die da? Wem rufen sie zu?", schnappte Pinkie aufgeregt und versuchte sich einen Überblick zu verschaffen, indem sie wild auf und ab hüpfte. „Ich kann gar nichts sehen!"
Twilight schaute sich ohne große Hoffnung nach einer Öffnung in der Menge um. Es strömten immer mehr Stammesponys zusammen, die aufgrund ihrer Größe keine Probleme hatten, das Spektakel zu betrachten. Auf die wesentlich kleineren Ponys in ihrer Mitte nahm jedoch keiner Rücksicht.
„Fluttershy! Flieg nach oben und sag uns, was du siehst!"
Das Pegasuspony nickte und schlug seine Flügel, bis es über der Menge schwebte, neben anderen seiner Art, die sich ebenfalls über die Meute erhoben hatten, um besser sehen zu können.
„Mhm, da kommen Ponys durch das Tor...,", begann sie zaghaft.
„Beschreibe sie uns!", verlangte Twilight.
Der Pegasus schwebte etwas näher. „I-Ich glaube es sind Angehörige dieses Stammes. Sie tragen die selben Rüstungen, wie die, die wir schon gesehen haben und auch die selben Farben. Da ist ein großer Hengst, der ihnen vorangeht..."
„Wie sieht er aus?", verlangte die violette Einhornstute zu wissen.
„Er... er ist sehr groß und sieht sehr stark aus. Sein Panzer ist mit Gold oder Messing beschlagen und seine Mähne ist gelb und rot wie Feuer. An seiner Seite sind Ponys die anders aussehen..."
„Beschreibe sie uns in jeder Einzelheit, Fluttershy!"
Die Stute kniff ihre Augen zusammen.
„Da ist eine gelbe Stute, die Federn trägt. Viele bunte Federn! Ich glaube, sie ist ein Einhorn, ich kann keine Flügel sehen. Seltsam, ihre Beine sind ganz weiß, anders als ihr restlicher Körper." Sie stutze einen Moment lang. „ Hinter ihr fliegt ein Pegasus. Sein Fell ist tiefblau, aber die Spitzen seiner Federn sind ganz rot, genau wie seine Mähne! Er hat irgendetwas um seinen Körper geschlugen, das wie... eine Pfeife aussieht! Eine Pan-Pfeife! Ich glaube, es ist so etwas wie eine Rüstung aus Holz oder Bast! Mit glitzernden Steinen als Verzierung! Und dann ist da noch ein großes Erdpony, mit Streifen auf dem Fell, wie ein Zebra! Aber ich glaube nicht, das sie echt sind, den sie sind grau oder hellgelb, ich kann es nicht genau erkennen... Himmel! Ich denke, es ist eine Stute! Das ist die mit Abstand größte Erdstute, die ich je gesehen habe! Sie muss fast so groß wie Prinzessin Celestia sein! Das müssen Anführer oder so sein, denn dahinter kommen noch Ponys, die so ähnlich ausstaffiert sind wie sie."
Twilight rieb sich nachdenklich das Kinn. „Der Erste in der Reihe muss Torden Hallen sein und die Ponys hinter ihm sind wohl die Häuptlinge anderer Stämme. Sie müssen so etwas wie ein Clanstreffen abhalten."
„Sie marschieren jetzt alle zusammen in die große Halle." Fluttershy schwebte noch immer über der Menge und hielt Ausschau. "Viele von den Ponys, die gekommen sind, bleiben aber draußen stehen."
Um sie herum kam Bewegung in die Menge. Viele der Stammesponys, vor allem die Stuten, begannen sich zu zerstreuen und wieder ihren Arbeiten nachzugehen. Andere trugen Tonkrüge, die sie mit sich gebracht hatten nach vorne. Durch die entstehenden Lücken konnten die Freunde jetzt erkennen, das sie die Neuankömmlinge freundlich begrüßten und ihnen zu trinken anboten. Die Krieger von ´Schwinge, Huf und Horn´ nahmen ihre Helme ab und gossen sich das erfrischende Nass über die Köpfe, bevor sie die tiefe Schlucke aus den Krügen nahmen. Die fremd aussehenden Ponys blieben in Gruppen beieinander stehen und sahen sich neugierig um. Auch sie nahmen das Wasser dankend an und bedienten sich.
Die Ponys der verschiedenen Stämmen blieben unter sich, aber das hielt sie nicht davon ab, sich herausfordernde Blicke zuzuwerfen. Einige schwer verständliche Bemerkungen flogen hin und her, aber jedes mal war die Antwort nur ein abfälliges, selbstsicheres Lachen der Gegenseite. Es hing eine unbestimmte Spannung in der Luft, aber es kam zu keinen Tätlichenkeiten. Rogue konnte sehen, wie sich so mancher Kaempe auf die Zunge biss und ein bitteres Lächeln zur Schau trug, wo er sicherlich gerne anders gehandelt hätte. Aber alle hielten den Frieden.
Tabletts mit Speisen, aufgeschnittene Früchte und Schüsseln dampfender Suppe, wurden nun gebracht und die großen Ponys ließen sich zum Essen nieder. Das dämpfte die Aggressionen, ließ sie aber nicht verschwinden.
Rogue sah sich die ganze Szenerie an und bemerkte schließlich: „Das sieht nicht nach einem Treffen von Verbündeten aus."
Applejack nickte zustimmend. „Die seh´n aus, als würd´n se nur auf ne Geleg´nheit warten, um übereinander herzufall´n."
„Sie haben sich auf jeden Fall extraordinär herausgeputzt.", warf Rarity ein. Sie hob zeigend einen Huf. „Wie Fluttershy schon bemerkt hat, hat sich der Stamm, der aus Erdponys besteht mit Huffarben bemalt. Senkrechte Streifen, wie bei Zebras, aber sehr viel dünner und dichter beieinander. Und die Mähnen sind alle in diesem Khakiton gehalten. Für mich sieht das nach einer Art von Camoflage aus, wie die Bemalung, die unser Häscher aufgetragen haben, aber für ein anderes Terrain. Die Federn der Einhörner sind sicherlich ein Statussymbol. Seht nur, wie unteschiedlich sie in Anzahl und Farbe sind! Die Ponys in der Mitte tragen die meisten und farbenprächtigsten Federn und den auffälligsten Kopfschmuck und sie sind die einzigen, die keine Schilde dabeihaben."
„Schilde?", fragte Twilight neugierig und trat einige Schritte vor, um besser sehen zu können.
„Ja, Schilde.", bestätigte die Fashionista. „Sie haben sie auf dem Boden abgelegt, deshalb kann man sie nur schwer sehen. Und sie sind mit irgendetwas bespannt, dass das Licht sehr seltsam bricht. Ich glaube irgendeine Art von... Schuppen. Sie sehen aus der Entfernung grau aus, aber wenn sie bewegt werden, schillern sie. Da auf der rechten Seite!" Sie deutete in die Richtung, wo eine Einhornstute sich gerade etwas bequemer hinsetzte und dazu einen schmalen, elipsenförmigen Schild, der neben ihr lag, zurecht rückte. Ein kurzer, regebogenfarbener Lichtreflex tanzte über die Oberfläche des Schildes.
„Und die Pegasie haben ganz offensichtlich die Spitzen ihrer Federn gefärbt. Darling?" Sie wandte sich an Fluttershy. „Bist du dir sicher mit den Edelsteinen an der Rüstung ihres Häuptlings?" Der Pegasus nickte zaghaft. Rarity lächelt selbstbewusst. „Seht ihr sonst noch irgendwo Edelsteine? Ich nicht. Nur verwobenes Holz, wahrscheinlich Hartholz, und Bast in mehreren Lagen. Ihr Anführer trug nur seine Prunkrüstung zur Schau. Da die Steine in Holz nicht gefasst werden können, dienen sie nur der Dekoration."
Pinkie machte große Augen. „Ui! Du kennst dich aber gut mit Barbarenmode aus!"
Die Einhornstute winkte bescheiden ab. „Mode ist in ihrem Kern immer gleich: Entweder soll sie die wichtigen Ponys von den nicht so wichtigen unterscheiden, oder einen bestimmten Zweck erfüllen. Kennt man die Parameter und ist sich seiner Stoffkunde sicher, ist der Rest nur eine Übung in logischem Denken."
Rogue blinzelte. „...´nicht so wichtige Ponys´?", fragte er mit misstrauischem Unterton. Er glaubte zu verstehen, was Rarity auszudrücken versuchte, aber sein Arbeiterherz rebellierte gegen ihre unglückliche Wortwahl.
Die Fashionista erstarrte für einen Moment, auf dem Huf ertappt. „Uh, ich... ich meine natürlich natürlich nicht, das sie wirklich wichtiger sind, als andere Ponys, sondern nur eine besondere Stellung einnehmen." Sie lächelte unsicher, um ihren Fauxpas zu überspielen.
Er schüttelte kurz den Kopf, um ihr anzudeuten, das er es ihr nicht übel nahm. Er begriff sehr gut, das es tatsächlich Ponys gab, die wichtiger waren als andere. Das war der Lauf der Welt. Kein Pony könnte ernsthaft behaupten, dass zum Beispiel Prinzessin Luna die selbe Stellung einnahm wie ihre Untertanen, schließlich war sie ein Alicorn und damit zum Herrschen geboren. Und viele Einhornfamilien und einige Pegasieclans genossen aufgrund ihrer adligen Herkunft gewisse Privilegien, die fest in der equestrianischen Gesellschaft verankert waren, aber deswegen... waren sie... nicht besser...
Nein. Unwichtige Gedanken. Er schob sie beiseite.
„Tja, also, wenn´s sonst keine Geleg´nheit mehr gibt: jetzt wär´ sie.", sagte AJ und sah sich um. „S´ scheint als währ´n unsre ´Begleiter´ grade anderweitig beschäftigt."
Die Stuten folgten ihrem Blick. Die Hengste, die ihnen sonst ihnen sonst kaum von der Seite gewichen waren, sobald sie ihre Unterkunft verlassen hatten, waren in der Menge der Stammesponys untergetaucht um die Reihen zu verstärken. Obwohl sie noch immer viele Blicke auf sich zogen, vor allem von den stammesfremden Ponys, schienen sie jedoch zum ersten Mal frei von direkter Aufmerksamkeit.
Sie standen in ihrer kleinen Gruppe für sich und warfen unsichere und neugierige Blicke auf ihre Umgebung. Langsam ging ihnen auf, dass es, trotz all der dringenden Aufgaben, die noch auf sie warteten, im Moment nichts zu tun gab.
„Ich denke nicht, das man uns aus dem Dorf heraus lassen wird.", gab Twilight von sich.
„Die Häuptlinge werden sich erst einmal untereinander besprechen müssen." , meldete sich Rarity. „Ich wüsste kaum einen anderen Grund, warum sie sich hier versammelt haben. Wir scheinen für Torden Hallen kein vornehmliches Problem zu sein. Wer weiß, wann er Zeit für uns findet?"
„Wir könn´ hier nich´ ewig herumtrödl´n! Rainbow ist immer noch da draußen!", schnappte Applejack aufgeregt.
Twilight versuchte sie zu beruhigen. „Wir sind auf das Wohlwollen des Stammes und seines Häuptlings angewiesen! Ich weiß, das wir keine Zeit zu verlieren haben, aber..." Sie seufzte schwer. „Ich weiß ehrlich gesagt nicht, was wir sonst noch tun können. Es liegt nicht in unseren Hufen! Wir müssen weiter ziehen, aber seit unserem Gespräch mit Seilzug habe ich das Gefühl, das hier etwas wichtiges geschieht, etwas, das direkt mit unserem Ziel, den Zwillingsgipfeln, zusammenhängt. Genau dort, wo Rainbow jetzt ist!" Sie gab einen Laut der Frustration von sich. „Aber es geht alles so langsam! Es passiert zwar etwas, aber wir kommen nicht weiter! Wir wissen einfach nicht genug. Wir haben keine Ahnung, in was wir hier hinein geraten sind. Das macht mich rasend!"
Sie schwiegen alle für einen Augenblick, dann war es Rogue, der sich meldete: „Je länger wir warten, umso schlimmer wird es Rainbow gehen, wenn sie verletzt ist." Er wandte sich Twilight zu. Er wusste, das es nicht gerade fair war, was er zu tun im Begriff war, aber die Stute hatte sich entschieden. Sie wollte die schwierigen Entscheidungen treffen. Sie wollte daran glauben, das es ein Happy-End für alle gab.
Das Einhorn leckte sich nervös über die Lippen. „Ich...", begann sie, dann brach sie ab und blickte sich unsicher im Kreis ihrer Freunde um. „Wir sollten...", setzte sie ein weiteres Mal um, nur um wieder zu verstummen.
Oh, Celestia, dachte das Einhorn zu sich im Stillen. Was soll ich sagen? Wie soll ich entscheiden?
Eine Flucht war schwierig, aber möglich. Sie konnte ihre Freunde aus dem Dorf teleportieren, zumindest an den Ort ihrer Gefangennahme, vielleicht sogar zurück bis zur ´Idle Barter´. Aber das konnte nur einzeln geschehen und es würde sie sicher an den Rand ihrer Belastungsgrenze bringen, wenn nicht sogar darüber hinaus. Und eine Flucht würde ihnen vielleicht den Weg zu den Zwillingsgipfeln verwehren, da die Stammesponys den Wald dazwischen kontrollierten. Selbst wenn das Luftschiff repariert war, waren sie nicht sicher vor Angriffen der Pegasie und diese schienen mehr als bereit und zahlreich, um es mit der Besatzung Kapitän Fairways aufzunehmen. Egal wie entschlossen und mutig die Matrosen waren, es würde zu Verlusten auf beiden Seiten kommen.
Dagegen konnte niemand sagen, wann sie mit der Hilfe der Stammesponys rechnen konnten, wenn überhaupt. Rogue hatte recht, die Zeit ran ihnen durch die Hufe und es war nicht abzusehen, wann sie ihre Reise und die Rettung ihrer Freundin fortsetzen konnten. Ihnen war bereits ein ganzer Tag verloren gegangen – ein Tag, der vielleicht über Leben und Tot entscheiden mochte. Sie wollte sich gar nicht vorstellen, wie es währe, wenn sich herausstellte, das es genau dieser Tag war, der ihnen gefehlt hatte.
Andererseits mochte sich alles zum Guten wenden. Wenn sie gute Miene zum bösen Spiel machten, konnte sie vielleicht auf die Hilfe der Eingeborenen hoffen, die sich als unverzichtbar erweisen konnte. Sie mochten Ecken und Kanten haben, sie mochten fremd und ein wenig furchteinflößend auf sie wirken, aber es waren nichts nichtsdestotrotz noch immer Ponys. Und ihre raue Schale verbarg einen unleugbaren, guten Kern.
Sie wusste nicht, was die richtige Entscheidung war. Sie mussten Rainbow retten – das war ihr vordringlichstes Ziel. Aber Sie konnte nicht erkennen, welcher der vielen Wege sie dort hin brachte. Es war, wie Rogue gesagt hatte: Es gab keine Gutes oder Böses an ihrer Entscheidung, nur einen Pfad, den sie wählen musste. Es würde sich hinterher herausstellen, welcher der Beste gewesen wäre.
Und genau das ließ sie zurückscheuen.
Wieder verspürte sie die Unsicherheit in sich aufsteigen, die sie seit ihren Erlebnissen im Turm von Canterlot nicht mehr los lassen wollte. Rogue hatte sie beschuldigt, nicht zu verstehen, das jede ihrer Handlungen, jede Abzweigung, jede Entscheidung die sie trafen, Folgen hatte. Folgen, die sie in ihrer ganzen Tragweite nicht begreifen wollten. Aber er hatte Unrecht damit. Früher war es so gewesen. Früher konnte sich Twilight dem tröstenden Glauben hingeben, das guten Ponys auch Gutes widerfuhr, das gute Taten Gutes bewirkten. Dieser schicksalhafte Moment, dieser schreckliche Fehler, geboren aus allen guten Vorsätzen, hatte diesen unerschütterlichen Glauben eingerissen. Twilight musste erkennen, das der Weg zum Tartarus wahrhaftig manchmal mit guten Vorsätzen gepflastert war.
Aber sie wollte das nicht akzeptieren. Tief in ihrem Inneren sträubte sich etwas gegen die verbitterte Wahrheit, die scheinbar bereits von dem Rettungspony Besitz ergriffen hatte. Sie wollte noch immer, vom tiefsten Grunde ihres Herzens, an den Grundsatz glauben, der ihr scheinbar so gnadenlos widerlegt worden war.
Twilights Verstand hatte ihr Leben bestimmt, bis sie nach Ponyville kam. Sie war kühl gewesen, berechnend, hatte ihre Leidenschaft Dingen gewidmet, die diese nicht erwidern konnten. Erst ihrer Freundinnen brachten ihr Herz und ihre Seele in Einklang. Brachten sie dazu, über die Fakten hinaus zusehen und mehr zu werden, als eine wandelnde Bibliothek. Sie hatte so viel Wunderbares erlebt, hatte so viel erfahren und erlebt, das sie Vertrauen in die Stimme ihres Herzens setzen ließ. Vor dem Unfall war es so gewesen, als während beide, Ihr Hirn und ihr Herz eine Einheit gewesen und sie nur tief in sich hinein hören musste, um die Wahrheit zu erkennen. So war es nicht mehr, seit sie die Schreie der Einhörner gehört hatte, die sich im Fallout der magischen Energien wanden, in den schrecklichen Folgen ihres Fehlers.
Aber sie erinnerte sich an dieses Gefühl. Und sie sehnte sich nach dieser Sicherheit. Denn sie war nicht falsch gewesen. Nur... naiv.
Sie war wie ein Fohlen gewesen, den Kopf voller Schmetterlinge, so wie Rogue gesagt hatte. Aber nicht mehr, nicht länger. Sie konnte aus ihren Fehlern lernen, besser werden, schlauer, weiser. Sie kannte noch immer nicht die Lösung, nicht den perfekten Weg. Aber sie wusste, das sie sich dennoch entscheiden musste. Sie hatte nicht gelogen, als sie dem Hengst Mut zugesprochen hatte. In ihrer Verzweiflung, das Richtige zu sagen, war ihr letztlich nur die Wahrheit über die Lippen gekommen.
Nur nach gutem Gewissen. Nach bester Absicht und allen Kräften. Das war alles was ein Pony tun konnte.
Es mochte Folgen haben, die sie jetzt nicht abzuschätzen vermochte. Es mochte im Untergang enden, in Verzweiflung oder süßem Sieg. Sie konnte das verzweigte Netz des Schicksals nicht mehr vor sich sehen, konnte nicht einmal erahnen, wohin ihrer Entscheidung führte. Sie konnte nur hoffen... und glauben.
Sie sah Rogue an, der ihren Blick stoisch erwiderte. Mit einem Mal begriff sie, das er vielleicht am besten verstand, was es bedeutete, an ihrer Stelle zu stehen. Er hatte Entscheidungen treffen müssen, die ihm niemand abnehmen konnte, die sich vielleicht niemals als richtig oder falsch erweisen würden. Und er konnte sich nicht einmal auf die tröstende Zuversicht verlassen, das es den Mächtigsten unter ihnen nicht anders erging. Er fühlte sich... allein. Als wäre er das einzige Pony, das dieser quälenden Ungewissheit ausgesetzt war.
Allein... sie konnte fühlen, wie dieses Wort sie mit eisiger Umklammerung umfasste. Sie hatte geglaubt alleine zu sein, mit dem, was sie getan hatte, auf ewig mit sich selbst leben zu müssen. Es hatte sie an den Rand des Wahnsinns getrieben. Einzig ihr Vertrauen in ihre Freunde hatte sie gerettet. Sie waren für sie da gewesen, als sie endlich bereit gewesen war, sich zu öffnen und all das Übel, das sie in sich angestaut hatte, all den Schmerz und die Selbstvorwürfe, herauszulassen. Es war niemals schön gewesen sich seine eigene Schwäche einzugestehen, die eigenen Fehler und Dummheiten, aber es hatte sie von der Last ihrer eigenen Seele befreit. Geteilter Schmerz war halber Schmerz. Und auch wenn die Schuld nie verging... lernte man mit ihr zu leben.
Aber woher sollte dieses geschundene Rettungspony die Zuversicht gewinnen, die sie in ihrer Freundinnen hatte? Selbst jetzt hatte sie noch Geheimnisse vor ihnen, Dinge, deren Zeit noch nicht gekommen war. Wie mochte es dagegen einem Pony ergehen, das noch so neu in ihrer Mitte war? Er konnte sich nur alleine fühlen. Alleine... und verloren. Alles worauf er sich verließ, worauf er sich verlassen hatte, war sein Herz gewesen, die Stimme aus seinem Innerem, trotz all der Widerstände, seiner Unzulänglichkeiten, seiner eigenen Unsicherheit. Und obwohl er immer das Richtige getan hatte... verzweifelte er. Er glaubte, sein Herz betrügte ihn. Das es falsch ging, das er und es in andere Richtungen gingen. Aber sein Herz sprach wahr und es war nur sein Geist, der sich immer mehr im Labyrinth der Schuld verirrte.
Sie wollte nicht so enden. Sie musste vertrauen, sie musste glauben, das ihr Herz ihr den richtigen Weg wies. Das alles damit an den rechten Platz fallen würde. Das guten Ponys letztlich auch gutes widerfahren würde. Das ihre Freundschaft den rechten Pfad beschreiten würde, trotz aller Wenn´s und Aber´s.
Sie musste daran glauben. Das Rogue unrecht hatte. Das Alles gut ausgehen konnte. Das es manchmal keine Tränen gab, keine Verlierer und keine gebrochenen Versprechen. Das Ponys nicht leiden und sterben mussten.
Sie fühlte wieder Tränen in ihren Augen aufsteigen, als sie mit aller Kraft, mit aller Gewalt an diesem Glauben festhielt. Es konnte nicht anders sein... es durfte nicht anders sein...
Und als sie den Blick zum Himmel erhob, um die strahlende Sonne Celestias anzuschauen, die ihr schon so oft Trost gespendet hatte, erblickte sie ein Wunder.
Der Himmel über dem alten Land war ein vollkommenes Tuch aus blauer Farbe, makellos, ohne jede störende Wolke. Sanfte Nebelschleier erhoben sich auf den Graten der höchsten Gipfeln, wo starke Winde den ewigen Schnee aufwirbelten und davontrugen, bis er sich glitzernd in der Sonne auflöste. In dem ewigen Wald darunter flüsterten die grünen Blätter der hölzernen Riesen sich uralten Geheimnisse zu, während bunte Vögel ihre seltsamen Rufe ausstießen, voller Melodie und eigenem Zauber. Darunter durchbrachen die Tiere des Waldes die Stille zwischen den Stämmen in mannigfaltigen Stimmen.
Ein winziger, schwarzer Punkt fiel vom Himmel, ungesehen und ungehört. Er fiel aus großer Höhe herab und als er schneller und schneller wurde, schneller, als es allein mit dem unnachgiebigen Griff der Schwerkraft allein zu erklären gewesen wäre, begann er einen Schweif aus Farben nach sich zu ziehen. Die Luft hinter ihm erglühte im gebrochenen Licht des vergänglichen Regenbogens, zog eine Spur glänzender Primärfarben hinter sich her.
Das Lied des Waldes verstummte. Die Blätter standen still, die Tiere verharrten ängstlich und unsicher. Selbst das plätschern der schmal gewordenen Bäche schien leiser zu werden. Als würde der Wald den Atem anhalten. Als würde er auf etwas warten.
Die Ponys des Alten Landes waren tief verwurzelt in Erde, Baum und Strauch. Sie waren auf eine Weise Teil ihres Lebens wie ihr eigener Herzschlag. Und sie bemerkten die Veränderung sofort.
Das geschäftige, lebhafte Treiben auf dem Platz verstummte. Auf den Gesichtern machte sich ein Ausdruck der Unsicherheit breit, als die Stammesmitglieder sich gegenseitig ansahen und herauszufinden versuchten, was sie alle so aufgeschreckt hatte. Dann, einer nach dem anderen, hoben sie ihre Blicke zum Himmel.
Der schwarze Punkt, gefolgt von dem farbigen Schweif, fiel noch immer der Erde entgegen. Für einen Moment schien es, als wolle er einfach inmitten der grünen Riesen irgendwo im Wald niedergehen. Doch kurz bevor er hinter den Wipfeln der hohen Bäume verschwand...
...erblühte er.
Eine Blume aus allen Farben des Regenbogens spross aus dem blauen Himmel über dem alten Land. Eine Welle von leuchtenden Farben, satt und kräftig, als hätte jemand einen Stein in ein Regenbogenbecken geworfen, breitete sich über dem Wald aus. Die Luft selbst schien zu glitzern, wie ein Prisma zu funkeln und die ganze Welt in ihr Farbenspiel zu tauchen.
Doch so schnell sie gekommen war, verging die zarte Sprosse am Himmel auch wieder. Die Farben verblassten und ließen nur Phantombilder auf den Netzhäuten der staunenden Ponys zurück. Für einen Moment war nur das erschreckte Einatmen hunderter Münder zu vernehmen. Und dann folgte der Donner.
Ein Schlag so laut, das er die Erde erbeben ließ. Man hörte ihn nicht nur, man konnte ihn fühlen, im vibrieren des Bodens unter den eigenen Hufen, im erzittern der Luft, im Widerhall, den er im eigenen Körper erzeugte.
Dann war alles Still. Selbst die großen Stammesponys, die so viel auf ihre Kraft gaben, hatten sich unter dem Ansturm geduckt. Nur vorsichtig, zögernd, öffneten sie ihre Augen wieder und sahen sich unsicher um.
Einen Moment lang schwieg der Wald noch, als währe er selbst erstaunt über das, was er gerade gesehen hatte. Doch langsam, fast zaghaft, ließ ein Vogel wieder sein Lied erklingen. Unsicher rief ein Eichhörnchen seinen anklagenden Laut durch das Geäst. Die Bäume erzitterten, als müssten sie sich aus einer Starre befreien, die sie plötzlich und unvorbereitet erfasst hatte. Dann blies sanft der Wind durch das Geäst und die Blätter begrüßten ihn. Das Lied erklang wieder, Ton um Ton.
Und mit ihm erhob sich das Stimmengewirr der Ponys, die sich fragten, was gerade geschehen war.
Die Fünf Freunde starrten noch immer mit offenen Mündern in den Himmel. Es war AJ, die es als erstes aussprach.
„S´ war n´ Sonic Rainboom!" Sie wirbelte herum. „Twilight! S´ is´ Dash! Sie muss´es sein!"
Rarity sprang auf und nickte heftig. „Gute Güte, sie hat recht! Es gibt keinen anderen Pegasus, die das beherrscht!"
Twilight starrte immer noch mit großen Augen fassungslos in den Himmel. Sie konnte kaum begreifen, was gerade geschehen war. Sie hatte sich so sehr ein Zeichen gewünscht, einen winzigen Schubs in die richtige Richtung – aber sie hatte nicht mit so etwas gerechnet.
Ein Sonic-Rainboom. Das bedeutete...
Rainbow Dash lebte.
Sie war am Leben!
Twilight zögerte nicht. Ihr Horn erglühte in violettem Schimmer, als sie begann ihre Magie zu kanalisieren. Sie stemmte ihre vier Hufe in den Boden und biss die Zähne zusammen, als sie ihre ganze Kraft in einen einzigen Zauber legte. Das unwirkliche Feuer ihrer Magie erstrahlte über ihr, glühte auf, genährt von ihrer Entschlossenheit. All ihr Freude, all ihr Erleichterung darüber, das ihre Freundin, die in größter Not geglaubt, vielleicht schon tot, in greifbarer Nähe war, floss in den Strom aus ihrem Innersten. Sie staute die Magie in sich an, sog sie in sich auf, bis sie dachte, sie müsste platzen davon. Und dann entließ sie sie, in einem einzigen, blendenden Strahl, der gen Himmel schoss. Die Ponys um sie herum scheuten zurück, als das fremde, violette Licht ihre Gestalt in harten Schatten auf den Boden zeichnete, während es dem unverändertem Cyanblau des Himmels entgegen strebte. Eine Kugel aus Feuer strebte allem voran, stieg wie eine Signalkugel immer höher hinauf, getragen durch den Strahl aus violettem Licht. Und als sie hoch genug gestiegen war, als sie über dem Wald leuchtete, als wolle sie der Sonne selbst Konkurrenz machen... zerbarst sie. Glimmernde Funken stoben aus ihr hervor, mehr und mehr, bis die Kugel selbst in leuchtenden Farben verging. Langsam fiel das violette Feuer vom Himmel, aber auf seinem Weg zum Boden formte es ein Zeichen, während es nach und nach verging.
Die Ponys im Dorf liefen durcheinander, schrien und riefen sich gegenseitig Befehle in ihrer seltsamen Sprache zu, aber die Elemente und ein Rettungspony starrten noch immer gebannt in den Himmel, wo der Stern der Magie, Twilights Cutie-Mark, langsam verblasste. Doch nicht bevor er ihrer verlorenen Freundin ein unübersehbares Signal gesendet hatte.
„Sie wird es sehen!", rief Twilight aus, während sie dem verblassenden Stern nach sah.
Rogue löste seinen Blick vom Himmel und sah sich unsicher um. „Ja, aber sie ist nicht die einzige, die es gesehen hat. Passt auf!"
Das lenkte die Aufmerksamkeit der Stuten wieder ins hier und jetzt. Die Stammesponys, verstärkt durch die aufgeschreckten und argwöhnischen Neuankömmlinge, hatten bereits einen Kreis um sie gezogen. Speere tauchten in der Menge auf, hastig verteilt von umher eilenden Kaempen, die auf sie gerichtete wurden. Hufbögen, Konstrukte aus harten, aber dennoch biegsamen Hölzern, gespannt mit Lederriemen und Pfeilen mit Feuerstein oder kruden Eisenpfeilen, erschienen in den Reihen der Gäste. Die Pegasie, die sie trugen, hakten sie in eine aus Bast gewebte Vorrichtung an ihren Vorderläufen, die sie dann mit dem Mund spannten. Die Einhörner mit den weißen Beinen hingegen formten eine undurchdringliche Barrikade aus ihren Schilden, deren Vorderseiten im Schein der Sonne schillerten wie Öl auf Wasser.
Die Freunde fanden sich plötzlich in Mittelpunkt der spürbar feindseligen Aufmerksamkeit wieder.
„Das war keine gute Idee.", brachte Rogue hervor, während er genauso wie die anderen einen Schritt zurückwich, bis sie versuchten, ein und den selben Platz in der Mitte einzunehmen, möglichst weit weg von all den scharfen, gefährlichen Dingen, die plötzlich auf sie gerichtet wurden.
„Oh, Gosh, oh, Gosh, oh, Gosh...", wiederholte Twilight immer wieder, während sie Rücken an Rücken mit ihren Freundinnen stand. Rogue wurde sich plötzlich der Gegenwart Fluttershys bewusst, die sich ängstlich gegen ihn drücke und ein leises, aber zunehmend ängstlich klingendes Wimmern von sich gab.
„Twilight, tu´ doch was!", flüsterte Applejack so leise, als könnte jeder Laut die aufgebrachten Stammesmitglieder zum Angriff bewegen.
Twilight konnte nur aus großen Augen die auf sie gerichteten Waffen ansehen. „Ich weiß nicht, was ich sagen soll!", flüsterte sie zurück.
Der Kreis um sie zog sich enger.
„Verdammt, Twilight, jetzt, oder nie!" Auch Rogue wagte es nicht, mehr zu tun, als ihr aus seinem Mundwinkel zuzuflüstern. Diese Ponys waren drauf und dran sie alle hier an Ort und Stelle umzubringen...
Er hörte, ohne das er hinsah, das Twilight schwer schluckte, dann sah er, nur aus dem Augenwinkel, das ihr Horn erglühte...
„Nein!" Er zögerte nicht. Er sah, wie sich die Augen der Stammesponys im Licht der aufglühenden Magie verengten. Er sah, wie sie der Griff um ihre Waffen festigte, die Bögen mehr spannten, die Schilder enger zusammenrückten. Es war eine Entscheidung, die er in einem Herzschlag treffen musste. Sie würden die Speere fliegen lassen, die Pfeile und was immer hinter den Schilden verborgen war. Es fehlte nur noch ein Augenblick. Ihr aller Tod war nur noch eine Augenzwinkern entfernt. Er sah nur eine Möglichkeit, ihn aufzuhalten.
Er schlug sie.
Sein Huf schwang herum, so schnell es ihm möglich war. Die Welt schien sich um ihn zu verlangsamen, so als würde er sich selbst in Zeitlupe betrachten. Twilight hatte ihre Augen geschlossen, konzentrierte sich einzig auf ihren Zauber. Sie stand still, war ein leichtes Ziel. Ihr Horn glühte wieder in den seltsamen Farben ihrer Magie, Violett und alle Abstufungen davon, wie eine Fackel. Die Rufe der Ponys um ihn herum, das Wimmern von Fluttershy, die ängstlichen Laute seiner Freundinnen, verblassten, wichen zurück, bis sie nur ein Hintergrundrauschen wurden. Er musste sie aufhalten. Sie war im Begriff ein Dummheit zu begehen, einen Fehler... sie traf die falsche Entscheidung.
Es war keine Zeit, nachzudenken. Keine Zeit für Vertrauen. Nur ein Herzschlag...
...war alles, was er brauchte.
Noch nie war er gezwungen gewesen, ein anderes Pony zu schlagen. Er hatte sie niedergedrückt, wenn sie wie von Sinnen waren... hatte ihre ganze Körperkraft nieder gerungen, wenn es sein musste. Selbst in der Budcider Brewery, wo er noch nie so nahe daran gewesen war wie zuvor, ein anderes Pony im Zorn zu schlagen, hatte er dem Drang nicht nachgegeben. Aber jetzt, im Augenblick höchster Notwenigkeit, war es, als würde sein Körper von selbst agieren.
Sein Vorderlauf krachte gegen Twilights Schädel. Es war ein harter Aufprall. Er spürte ihn durch die Knochen seines Hufes nachbeben.
Sie wurde herum gerissen. Ihr Körper rollte hilflos über den staubigen Boden, zog kleine Wolken aufgewirbelter Erde nach sich, bevor sie ein Stück weiter liegen blieb.
Die Magie um ihr Horn flackerte, ging an und aus, wie eine defekte Leuchtreklame in den schäbigen Teilen der Upper East Flank und verlosch dann endgültig.
Die Ponys, auf die sie zugeschleudert worden war, wichen zurück und richteten ihre Waffen auf das hilflos liegende Pony.
„Twiligth!"
Er wusste nicht mehr, ob er den Ruf ausgestoßen hatte, oder jemand anderes. Mit einem Rauschen kam alles zurück, die erschreckten Rufe der Ponys und die Alarmrufe des Dorfes um ihn herum.
Die Stute blieb im Staub liegen, reglos, wie tot.
„Twiligth!" Diesmal war er sich sicher, das er den Ruf ausstieß. Einen Ruf, voll von Schrecken und Angst.
Ein Sprung brachte ihn zu ihr. Er nahm ihren leblosen Körper sanft in seiner Vorderläufe. Er wollte sie nicht so hart schlagen. Es war nur seine Angst gewesen... nur seine Angst. Sie hatte einen Fehler gemacht, einen Fehler, der sie alle das Leben hätte kosten können. Tief in sich drin wusste er, das sie sie alle nur beschützen wollte, vielleicht mit dem selben Zauber, den sie bei der Idle Barter angewandt hatte. Aber all diese verschreckten Stammesponys warteten nur auf eine Bestätigung, das... das...etwas unter ihnen war, das sie zerstören mussten.
Bei Celestia, wo hatte er sie getroffen? Hatte er ihren Schläfenknochen zertrümmert, dort, wo der Schädel am dünnsten war? Oder hatte sein ungebändigter, von reiner Angst getriebener Schlag ihr Genick zertrümmert? War ihr Dens durch die Gewalt seines Angriffes abgebrochen und in ihr Rückenmark gedrungen?
Er bemerkte die Spitzen der Waffen, die von allen Seiten auf ihr eindrangen nur wie am Rande. Er zischte und warf einen herausfordernden Blick in die Runde. Es war ihm in diesem Moment egal, was sie mit ihm anstellten. Selbst wenn sie ihn mit ihren Speeren durchbohrten, es war nichts im Vergleich dazu, was es bedeuten würde, wenn er... wenn er...
Er konnte nicht mehr anders. In seiner Qual, in seiner Unsicherheit, beugte er sich zu Twilights Mund hinunter. Seine Lippen schlossen sich um ihre, versiegelten sie. Er drückte seinen Kopf hinunter und verschloss ihre Nüstern, so wie er es gelernt hatte. Er schmeckte den Lavendel aus Ihrem Mund, wie die Wolke eines Duftkissens. Und langsam, zögerlich, blies er seinen Atem in sie.
Fast sofort spürte er, wie sie sich ihm widersetzte, wie ihre Lunge aus eigenem Antrieb ihren Dienst aufnahm. Schnell schreckte er vor ihren Lippen zurück, hielt sie aber dennoch weiter fest in seinen Hufen. Er versuchte ihren Kopf abzustützen, in dem kläglichen Versuch, den Schaden wieder gut zu machen, den er angerichtet haben mochte.
Twilight schüttelte sich unter ihm, widersetzte sich unwillkürlich seinem haltenden Griff und kämpfte dagegen an.
„Loslassen!", keuchte sie.
Rogue gab ihr nach, jedoch nicht, ohne zu versuchen ihr Hilfestellung zu geben. Er war unendlich erleichtert darüber, das nichts weiter verletzt zu sein schien. Seine panischer Versuch einer Beatmung war letztlich überflüssig gewesen. Er hatte sie einfach nur ausgenockt.
Die Stute unter ihm versuchte auf die Beine zu kommen, aber sein Schlag setzte ihr immer noch zu. Sie war aus dem Gleichgewicht und wusste nicht richtig, was gerade passiert war.
Rogue wollte ihr aufhelfen, ihr helfen, sich zurecht zu finden, aber er wurde sich wieder der Stammesponys um sie herum bewusst, die sie mit einer Mischung aus Furcht und angespannter Aggression betrachteten.
Sie hatten gesehen, wie er ein weiteres magisches Conundrum unterbunden hatte, aber sie wussten noch immer nicht, was sie von den seltsam kleinen Ponys in ihrer Mitte halten sollten.
Das Rettungspony sah zu Twilight hinunter. Sie war noch immer verwirrt, aus dem Gleichgewicht gebracht von seinem Angriff. Er hatte sie hart getroffen, viel härter als er es vor gehabt hatte. Es war ein Schlag gewesen, der aus reiner Angst geboren war, Angst um ihn und um die Leben seiner Freundinnen. So voll von Angst, das keine Zeit geblieben war ihn abzuschwächen. Ein Huf, getrieben von aller Angst, von aller Furcht, die sich in ihm aufgestaut hatte...
Es war ein Wunder, das er in seiner Gewalt nichts Wichtiges an ihr beschädigt hatte. Aber damit war es nicht getan. Er hatte sie für den Moment aus dem Spiel genommen – ja mehr noch. Er hatte entschieden, das ihre Wahl die falsche gewesen war. Sie hatte gewollt... was hatte sie gewollt? Was war ihr Zauber gewesen, den sie letztlich gestrickt hatte? Eine Barriere, wie für die Idle Barter? Oder eine Teleportation, die sie alle aus er der Gefahrenzone bringen sollte? Hatte sie nicht selbst gesagt, das dies, wenn nicht schwierig, sogar unmöglich war? Was war mit Rainbow, die dort draußen nach ihnen suchte und dieses Zeichen bekommen hatte... dieses Zeichen, das sie unweigerlich... zu ihnen führte... und zu all den Problemen, die sie hatten...
Rogue begriff plötzlich all die Implikationen, die auf seine Reaktion folgten. Ihre Führerin – ausgenockt. Ihre verlohren geglaubte Freundin - im Anflug auf sehr schlecht aufgelegte Abfangjäger. Sie alle – umkreist von verängstigten Ponys, die jeden Fehltritt als Grund für eine Ultima Ratio ansehen konnten.
Er musste sich entscheiden. Es blieb keine Zeit mehr. Er musste diese Situation unter Kontrolle bringen, bevor sie noch mehr aus dem Ruder lief und sie alle umbrachte. Seine Gedanken rasten, als er versuchte eine Lösung zu finden. Die Ponys hier hatten keine Ahnung, wer sie waren. Lediglich die Mitglieder des Feder, Huf und Horn hatten sie schon einmal gesehen und nur als Gefangene. Wenn sie plötzlich eine Gefahr darstellten, war es nur verständlich, das sie diese ausschalten wollten. Hier kannte sie niemand, niemand wusste, das sie keine bösen Absichten hegten, außer...
„Seilzug!", bellte das Rettungspony laut den Ponys entgegen, die immer weiter auf sei eindrangen. Tatsächlich verharrte der langsame Vorstoß einen Moment lang. Aber sie verstanden nicht.
„Seilzug..." Verdammt, der alte Hengst hatte in der Halle seinen Stammesnamen genannt. Wie hatte er geheißen? Rogue knirschte mit den Zähnen, als er sein schlechtes Namensgedächtnis verfluchte. Unter welchen Namen war Seilzug hier bekannt? Was war der verdammte Name?
„Robe... Robe..." Die ersten zwei Silben fielen ihm wie ein Geschenk in den Schoß. Aber wie ging es weiter? Er sah, das die Stammesponys offensichtlich sein Gestammel leid waren. Er und Twilight standen im Fokus ihrer Aufmerksamkeit. Er konnte sich nur ausmalen, was sie tun würden, um die Gefahr, die sie in Twilight sahen, auszuschalten.
Er zermarterte sich das Gehirn auf der Suche nach dem letzten Puzzleteil. Aber das Blut rauschte laut in seinen Ohren und sein aufgeregtes Herz schlug wie eine Trommel in seiner Brust. Wie sollte er noch einen klaren Gedanken fassen?
„Robe... Robe...", murmelte er immer noch vor sich hin, in der verzweifelten Anstrengung sich an den letzten Teil des Namens zu erinnern.
Die Spitzen der Speere waren so nah, das er das Sonnenlicht auf ihren geschliffenen Schneiden funkeln sah.
„Robe Tog." Es war nur ein Flüstern. Ein leises Flüstern der Stute, die er immer noch schützend in seinen Hufen hielt. Er zögerte nicht.
„Robe Tog!", rief er laut aus. „Robe Tog! Robe Tog!" Er stieß den Namen hervor wie eine Beschwörungsformel wie einen Zauber, der sie erlösen konnte. „Ruft Robe Tog!"
Eines der Stammesponys, das die krude Rüstung der Feder, Huf und Horn trug, hob langsam seinen Huf. „Halt!", befahl er mit gebieterischer Stimme. Er maß Rogue vom Kopf bis zu den Hufen und trat dann auf ihn zu.
„Hvad gjorde hun? Hvad var det for en magi?", fragte er im strengen Tonfall. „Hvorfor slog du det? Hvad prøver du at skjule?"
Das Rettungspony verstand ihn nicht. Er mochte in Ansätzen verstehen können, was die so vertraut wirkenden Silben bedeuteten, wenn er sich konzentrierte, aber jetzt klang es für ihn nur wie Kauderwelsch.
„Ich hab keine Ahnung, was du von mir willst!", bellte er dem riesigen Hengst vor ihm entgegen. Innerlich krampfte sich alles in ihm zusammen, alleine bei dem Gedanken daran, wie nahe sie daran waren, einfach aufgespießt zu werden. Aber auf dem weg zu seinem Kopf verwandelte sich diese Angst in ein unbändiges Gefühl der Wut und des Trotzes. Wie konnte diese Barbaren es wagen ihn und diese friedlichen Stuten zu bedrohen? Wie konnte sie so ignorant, so dumm sein? „Hollt Robe Tog her! Robe Tog! Robe Tog!"
Er hielt Twilight noch immer in seinen Hufen, die vergebens versucht hatte aufzustehen und nun einfach danach trachtete ihren Kopf wieder frei zu bekommen. Sie hielten immer noch ihre Waffen auf sie gerichtet. Wie konnten sie glauben, das noch eine Gefahr von ihnen ausging?
Er wurde sich bewusst, das seine Gedanken nicht dieselben waren, die er noch vor wenigen Augenblicken gedacht hatte. Er ritt auf einer Welle aus angstgesteuerter Wut, die sich ihre Rechtfertigungen selbst zurecht legte. Aber er verstand, das dies ihre einzige Chance war. Er musste diese Welle reiten und hoffen, das sie sie alle an den Strand trug... und nicht verschlang.
Er biss die Zähne zusammen und ließ all den Hass, den er in sich finden konnte, alle Entschlossenheit und Verzweiflung in die Entschlossenheit seines Tonfalls einfließen: „Hollt Robe Tog."
Das Stammespony betrachtete ihn einen Moment lang mit eisigem Blick aus den Schlitzen seines Helmes. Für einen Moment fuhr Rogue ein kalter Stachel aus Angst in die Brust, als er sich sicher war, das der Anführer einfach ihren Tod befehlen würde, herausgefordert vom befehlenden Tonfall, den dieses kleine, mickrige Pony vor ihm anzuschlagen gewagt hatte.
Doch dann nickte es kaum merklich. „Du er gæst. Ingen pony har lidt skade, og loven gælder stadig. Men jeg advarer dig, at noget prøve igen. Vores spyd er skarpe og lange og de aldrig hvile."
Dann wandte es sich um und skandierte in gebieterischem Tonfall: „Disse ponyer er gæster af Fløj, Hov og Horn. De har brudt nogen lov. Du skulle komme til nogen skade. Men krigen konge vil beslutte, hvad de skal gøre med dem. Får sin rådgiver, Robe Tog!"
Langsam senkten sich die Speere, Pfeile und Schilde um sie herum. Aber nicht, ohne das Rufe des Unglaubens und des Einspruchs laut wurden.
Der große, gerüstete Hengst ließ sie mit einem lauten Schnauben verstummen. „Du er alle gæster på vores stamme. Dine høvdinge har aftalt at respektere de rettigheder og forpligtelser un fulgte. Gør det med hende fra hvem du noget om dig. Men disse ponyer er under vores beskyttelse. Ligesom du er under vores." Er sah sich noch einmal herausfordernd im Kreis der Stammesponys um, ob jemand erneut gegen ihn zu sprechen wagte. Als niemand den Mut aufbrachte und die Ponys sich langsam zerstreuten, jedoch nicht ohne einige misstrauisch aussehende Wachen zurück zu lassen, wandte er sich erneut an Rogue: „Jeg får Robe Tog. Og hvis hans ord, eller krigen kongen befaler det, vil det være en ære for mig at bryde dit hoved under min fod." Er nickte dem Rettungspony widerwillig zu, so als wolle er ihm seinen Respekt aussprechen. Dann drehte er sich um und verschwand in Richtung der großen Halle.
„Siehst du? Du kannst es noch immer.", flüsterte es unter ihm. Er sah hinunter, zu der Stute, die er noch immer fest hielt. Twilight sah aus ihren großen, violetten Augen zu ihm auf. „Du bist noch immer für uns da. Du beschützt uns noch immer."
Für einen Moment lang wusste er nicht, was er sagen sollte. Er fühlte bereits, wie das Adrenalin, sein altvertrauter Freund, seine Stütze und Stab, seine Krücke, auf die er sich immer mehr stützen musste, ihn langsam verließ und er wieder zu zittern begann. Es war, als würde er aus einem Rausch erwachen. Er konnte nicht glauben, was er gerade getan hatte. Er konnte nicht glauben, das das Pony, das dem wilden Barbaren eben noch so scheinbar furchtlos entgegen getreten war und das schwache Häuflein Elend, in das er sich zunehmend verwandelte, ein und dasselbe Pony waren. Als er schließlich die Kraft fand zu sprechen, kam es nur in einem Krächzen über seine Lippen. „Wie lange noch Twilight? Wie lange kann ich noch stark sein?"
Die Stute beugte sich vor und gab ihm einen sanften, schüchternen Kuss auf seine Wange. Er fühlte die flüchtige Berührung ihrer Lippen auf seinem Fell und dann die sanften Worte, die sie in sein Ohr flüsterte. „So lange du kannst, Rogue. Ich habe etwas verstanden, das du mir gesagt hast, das ich aber bisher nicht wahr haben wollte. Es ist wahr. Wir hatten Glück. Immer und immer wieder hatten wir Glück. Aber heute, hier und jetzt, war unsere Glückssträhne zu Ende. Und wärst du nicht gewesen, hättest du nicht eingegriffen..." Sie schluckte schwer. „Es tut mir leid. Es tut mir leid, das ich dir nicht geglaubt habe. Und es tut mir leid, das es dazu kommen musste, das ich uns alle... in Lebensgefahr gebracht habe, um es zu glauben. Aber du hast recht. Wenn wir nicht... wenn ich nicht aufpasse...wenn ich die falsche Entscheidung treffe..." Er spürte, wie sie erzitterte und festigte den Griff, mit dem er sie hielt. Er wusste, wie schwer es war, das was sie ausdrücken wollte, laut auszusprechen. „...gibt es kein Happy End.", hauchte sie.
Als sie das sagte, als sie sich selbst eingestand, das sie Träume, die sie bis zu diesem Zeitpunkt gehegt hatte, die sie sich in ihrem Herzen bewahrt hatte, auch nach dem die ganze Welt, wie es schien, gegen sie verschworen hatte, letztlich zerbrochen waren und sie die ganze, grausame Realität dahinter erblickte und akzeptierte, verstand Rogue, was er getan hatte.
Er hatte etwas schönes, einzigartiges zerstört. Twilights Unschuld, ihre optimistische Sicht der Dinge, die trotz all der Lasten, die auf ihre jungen Schultern geladen worden waren, bis heute Fortbestand gehabt hatten, war letztlich zerbrochen. Es war etwas, das er sich auf gewisse Weise gewünscht, ja sogar herbeigesehnt hatte. Vielleicht konnte sie jetzt mit seinen Augen wahrhaftig sehen, was zu tun war, was es getan werden musste, was notwendig war. Aber der Preis dafür war zu hoch. Zu hoch.
Er hielt sie noch immer fest, fühlte ihren sanften, ruhigen Atem an seinem Ohr und drückte sie noch etwas fester an sich. Er konnte die Tränen nicht mehr zurückhalten, die sich langsam ihre Bahn aus seinen Augenwinkeln suchten. Sie mochte es jetzt als eine Befreiung verstehen, als eine Erleuchtung, die sie von so vielen Zweifeln befreite, die sie bisher getrieben hatten. Aber er wusste es besser. Es war nur eine weitere Last auf den eigenen Schultern. Es war ein Schutzmechanismus, eine Abwehrreaktion, so ungesund und selbst zerstörerisch wie eine Allergie. Er war diesen Pfad bereits ein ganzes Stück weiter gegangen und er wusste, das an seinem Wegesrand nur Selbstvorwürfe und Schuldgefühle wuchsen.
Twilight hatte sie alle fast umgebracht. Sie hatte eine Entscheidung getroffen und es war die falsche gewesen. Doch statt etwas Scham und liebevoller Vorwürfe ihrer Freundinnen oder ihrer Mentorin hätte es diesmal mit dem Tod ihrer aller geendet. Sie war zu klug, um sich deshalb irgendwelcher Illusionen hinzugeben. Sie wusste, das sie nur einen Hufschlag von der endgültigen Vernichtung entfernt gewesen waren.
Es war ernüchternd. Genug, um einer naiven Stute alle Flausen aus dem Kopf zu treiben. Um die gelernten Lektionen von Harmonie und Freundschaft in einem ganz neuen Licht zu betrachten.
„Nein.", flüsterte Rogue, „Nicht so. Bitte. Nicht so."
Er hatte das nicht gewollt. Er hatte gewollt, das sie aufwachte, das sie verstand, was um sie herum wirklich vor sich ging, aber nicht so. Nicht auf diese brutale Art und Weise.
„Es ist okay, Rogue. Ich verstehe dich jetzt. Es ist alles an seinen Platz gefallen. Es ergibt jetzt alles einen Sinn."
Nein, das tut es nicht, dachte er, aber er brachte es nicht über seine Lippen.
„Es gibt keine perfekte Lösung. Aber vielleicht können wir versuchen, die beste Lösung für alle zu finden. Hilf mir dabei. Hilf mir dabei. Wenn wir es nicht tun, wer dann?"
Ihre Stimme war wie ein Sirenengesang in seinem Ohr. Er hatte bis jetzt nicht begriffen, wie sehr er sich auf den Optimismus seiner Freundinnen verlassen hatte, die ein gesundes Gegengewicht zu seinem... Leiden geschaffen hatten. Doch in seinem Enthusiasmus, andere zu bekehren, hatte er ungewollt triumphiert. Er hatte sich unterbewusst so auf die Unbeugsamkeit seiner Freundinnen verlassen, das es ihm nie in den Sinn gekommen war, wie es sein könnte, wenn er wirklich Erfolg haben könnte.
Aber sie hatte recht. Sie hatte auf einfache, unabstreitbare Art und Weise Recht. Wenn nicht sie, wer dann?
Er schluckte seine Schuld und sein Bedauern hinunter, so wie er es schon so oft getan hatte. Mochten Celestia und Luna ihm vergeben, aber seine Wünsche hatten sich erfüllt. Was auch an Gutem oder Schlechten daraus erwachsen mochte, er würde es auf seine ohnehin schon niedergedrückten Schultern nehmen. Es hatte dort gute Gesellschaft.
Es war dort, auf diesem Platz aus festgestampften Lehm, fern, in einem vergessenen Land, während er eine wunderschöne Stute in seinen Hufen hielt, die er gerade gebrochen hatte, das sein Geist zum ersten Mal in seinem Leben den ernsthaften Gedanken an Selbstmord streifte. Er fühlte die Last seiner neuesten Schuld auf seinem gebeugten Haupt und wünschte sich nichts, nichts mehr, als das es endlich ein Ende nahm. Der ewige Kreislauf aus dem, was er tun musste und der Reue über das, was er getan hatte. Dem ständig wachsenden Ballast auf seiner Seele, die ihn immer tiefer und Tiefer niederdrückte, bis er kaum etwas anderes fühlen konnte, als das zermalmende Gewicht über ihm. Und er wünschte sich, das es einfach aufhören würde. Das es einfach verschwinden würde, zusammen mit den ewigen Fragen, den Unsicherheiten und der Verzweiflung in seinem Innersten. Zusammen mit ihm selbst. Er hatte die kurze Vision eines langen, endlosen Falls und dann dem erlösenden Dunkeln, das danach kam. Und er sehnte es herbei.
Der Moment kam und er verging. Und alles was blieb war Twilight in seinen Hufen und die Freunde, die sich um sie scharten. Er wiegte sie sanft in seiner Umarmung und flüsterte leise. „Es gibt ein Happy End. Es gibt ein Happy End, Twilight. Wir werden dafür sorgen."
Sie lächelte zu ihm hinauf. „Gesprochen wie ein echter Held."
Aber tief in ihrem Herzen glaubten sie beide nicht mehr daran.
Es war Seilzug, der sie auf der kurzen Treppe zur der großen Halle empfing. Es war ein wenig wie ein Erwachen für Rogue, der die Einladung und die anschließenden Eskorte in einem seiner unendlichen Momente aus Selbstvorwürfen und Introspektive verbracht hatte.
Er hatte immer noch keine Ahnung, warum er Twilight geschlagen hatte, wenn es auch vielleicht ein kräftiger Schubs getan hätte, sie aus dem Fokus zu bringen. Er hatte keine Ahnung, was er in der Stute ausgelöst hatte, nachdem sie so plötzlich ihre eigenen Fehler eingestehen musste. Er hatte keine Ahnung, was das für Konsequenzen nach sich ziehen würde. Alles was er wusste, das in ihm eine weitere Schuld angesammelt hatte. Und zu seinem eigenem Entsetzen begann sich dieses Gefühl nur allzu vertraut anzufühlen. Nach dem ersten, scharfen Schmerz war es, als würde er es einfach zu all den anderen schlimmen Dingen werfen, die in seiner Seele einen unübersehbaren Haufen bildeten, ohne sich weiter darum kümmern zu können. Es belastete ihn, jedes Stück für sich, aber er stumpfte dagegen ab, was es wirklich bedeutete. Die Last blieb, aber die Wunden gingen in einander über, bis es schien, das sie einzeln, für sich, nicht mehr zählten.
Das war es, was ihn am meisten ängstigte. Er stumpfte ab. Die Spitzen verlohren ihre Schärfe. Der Schmerz ließ eines ums andere nach.
Aber genau dieser Schmerz hatte ihm so lange gesagt was er war, wer er war, das er fürchtete, wenn er verging...
Nein, das war nicht richtig. Er schüttelte seinen Kopf, um den Gedanken aus seinem Kopf zu vertreiben. Er dachte an Fluttershy und an Applejack, an Sweet Apple Acres und an Apple Bloom, Big Macintosh und Granny Smith. Er dachte an Lyra und BonBon. Er dachte an Chief Caller und Smoke und Sweet Water. An seine Mutter und an seinen Vater. Vieles davon waren ferne Erinnerungen, fast wie in einem Traum, in einem anderen, fernen Leben. In einem Leben, in dem er einmal froh und unbeschwert war. Ja, ein Traum, weit entfernt und fast unerreichbar. Fast vergessen. Aber es sagte ihm, das er sich nicht durch seinen Schmerz definieren konnte. Das seine Existenz nicht daraus bestand zu leiden und nichts anderem. Irgendwo da draußen gab es ihn noch immer, ohne... all das. Ohne Pears. Ohne die schreienden Ponys. Ohne das was er Twilight angetan hatte. Er musste daran festhalten. Er musste sich daran erinnern, wer er war, wie er gewesen war, musste dieses Bild im Kopf behalten. Um, vielleicht, eines Tages, zu wissen, wohin die Puzzleteile seines Lebens gehörten.
Aber es fiel im zunehmend schwerer.
Er ertappte sich dabei, wie er sich vorzustellen versuchte, wie er aussehen würde, wenn diese Reise zu ende ging. Wie viel würde von ihm noch übrig sein? Wieviele Narben würden sich zu den gesellen, die er bereits empfangen hatte? Er war schon lange nicht mehr das Pony, das aus Manhatten aufgebrochen war oder sogar aus Ponyville. Wer würde er sein, wenn sie die Antworten, nach denen sie alle strebten, endlich in ihren Hufen lagen? Würde er zurückblicken und sich selbst überhaupt noch erkennen?
Er sah kurz an sich hinunter und erkannte sich bereits jetzt kaum mehr. Fluttershy hatte sein Flanke gesäubert, um ihn zu verbinden, aber sein restliches Fell war noch immer vom getrocknetem Schlamm mehr braun als sein gewohntes blaugrau. Es staubte leicht, wenn er darüber strich. Hier und da waren dunkle Blutflecken oder eine angetrocknete Schmutzkruste, die sich hartnäckiger hielten. Er mochte sich gar nicht vorstellen wie er riechen musste. Seltsam, das er sich jetzt darüber Gedanken machte. Es gab beileibe dringendere Angelegenheiten.
„Ich wollt grüßen ´Guten Morgen´, wie es Skik ist, Brauch bei euch. Aber es scheinen, es keinen guten Morgen ist, für keinen von uns."
Rogue sah auf, als sie am Kopf der Treppe zur großen Halle von dem alten Hengst Seilzug begrüßt wurden. Er saß steif auf seinen Hinterbeinen vor dem großen Portal und sah die sich nähernden Freunde mit ihren Wachen - und diesmal gab es keine Zweifel an ihrer Funktion - missbilligend an.
„Mein Høvding hat zu rådgive mit de Høvding von de andere Roden und kann kein... Stöh-hruk gebrauchen. Und de Gaest, die ich aufnommen, geben Stöhruk und machen Gaest von andere Roden mistilliden." Er schnaubte laut. „Solche Støj zu machen, wenn Roden hat Gaest... was ihr habt gedacht? Mit de formskifter und de Krig der kommet, ihr habt Glück nicht massakreret."
Er seufzte schicksalsergeben. „Aber Høvding Torden Hallen will sprechen mit euch, jetzt da er gehört und gesehen. Nicht mich gebt Gæld... Schuld, wenn er wütend ist." Er erhob sich und deutete auf das Innere der Halle. „Geht hinein. Sie erwarten."
Sie waren gerade im Begriff, seiner Aufforderung nachzugehen, als Twilight entschlossen mit dem Huf aufstampfte. Alles verharrte plötzlich.
„Nein." Twilights Stimme klang ruhig, aber absolut entschieden. Ihre violetten Augen fixierten den alten Hengst unnachgiebig.
Seilzug runzelte verwirrt die Stirn. Dann mischte sich Ärger in seine Miene. „Uforskammethed! Kommt jetzt mit!"
Twilight behielt ihre herausfordernde Pose bei. „Unsere Freundin ist immer noch da draußen. Und sie ist auf dem Weg hierher. Bevor sie nicht dafür gesorgt haben, das sie unbeschadet hier eintrifft, ohne durch die selbe Tortur zu gehen, die sich manche..." Sie warf einen kurzen Blick auf Rogue. „...von uns gefallen lassen mussten, gehen wir nirgendwohin."
Seilzugs Gesichtszüge spiegelten für einen Moment pure Überraschung wieder, dann fing er sich wieder. „De Hoppen von de Twinmødet?", fragte er im scharfen Tonfall. „Wenn sie kommt von de Mørkt Sted, wir besser noch mehr vorsichtig als mit euch!" dann wandte er sich an die Wachen. „Kæmpen! Sikrer, at de kommer ind i hallen!"
Als die Stammesponys gerade Anstalten machten, ihre Waffen auf die Gruppe zwischen ihnen zur richten, tat Twilight etwas unerwartetes. Sie lächelte.
Es war eigentlich kein wirkliches Lächeln. Es glich mehr einem Zähnefletschen, das nur zufällig Ähnlichkeit mit Erheiterung hatte.
„Weißt du, was ich deinem Høvding sagen werde?" Sie sprach sehr leise, aber dennoch bleib Seilzug, der sich bereits zum Gehen gewendet hatte, wie angewurzelt stehen. Langsam drehte er sich zu der Stute um.
Twilight hatte ihren Kopf leicht gesenkt, so das der Pony ihrer Mähne fast ihre Augen verdeckte. Und noch immer lächelte sie dieses etwas verstörende Fast-Lächeln.
„Wenn Rainbow Dash auch nur eine Schramme hat, auch nur eine geknickte Feder, wenn sie zu uns gebracht wird, dann werde ich Torden Hallen sagen, das du und niemand anderes dafür verantwortlich ist, das eine Gesandte des Reiches Equestria zu Schaden kam. Das du dich geweigert hast, der Bitte der außerwählten Studentin Prinzessin Celestias, Sol Invictus, Schwesterregentin von Equestria und Herrin der Sonne nachzukommen und einer aus ihrem Gefolge vorsätzlich Leid angetan hast."
Der ältere Hengst starrte sie mit einem vernichtenden Blick an. Aber als er sprach, war da ein winziger Unterton von Unsicherheit in seiner Stimme. „De Guddommen Celestia hat kein Recht in de Hallen! Und ihr keinen Namen der mit ære ausgeprochen!"
Die violette Stute schüttelte langsam ihren Kopf. „Krig. Ich höre dieses Wort hier immer wieder. Es bedeutet Krieg, nicht wahr? Kampf, Gefecht, wenn du das besser verstehst. Ihr habt all diese Stämme zusammengerufen, weil ihr euch einem Feind gegenüberseht, den die ´Schwinge, Huf und Horn´ nicht allein bewältigen kann, nicht wahr?" Sie hielt kurz inne, um auf eine Antwort von Seilzug zu warten, aber der Hengst schwieg nur. „Was will Torden Hallen? Einen Verbündeten...", sie ließ eine dramatische Pause. „...oder einen weiteren Feind?", beendete sie mit einem entschlossenen aufstampfen ihres Hufes.
Seilzug´s Blick hätte Wälder in Brand setzen können. Er hielt dem Blick des Einhorn noch einen Moment lang stand, dann bellte er laut einen der Wächter an. „Dig! løbe væk og fortælle Pegasie der kommer en af dem. Du kan bøje ham ikke forår! Du skal eskortere ham..." Er warf einen letzten Blick auf Twilight und stieß das nächste Wort zwischen zusammen gebissenen Zähnen hervor. „...venlinge her."
Der große Hengst nickte ernst und stürmte los.
Einen Moment lang schien es in Seilzug noch zu brodeln, dann atmete er tief aus und rang sich zu einem leichten Lächeln durch. „So die... Gesandten... in de Hallen kommen wollen."
Twilight nickte ihre Freundinnen zu und sie gingen an dem alten Ratgeber vorbei.
„Das war unglaublich, Darling!", flüsterte Rarity ihrer Freundin zu, während sie durch das Portal schritten.
Applejack gab der violetten Stute eine kameradschaftlichen Klapps auf den Rücken „Dem hastes richtich besorgt, Sugarcube!"
„Ja. Ja, danke.", antwortete Twilight etwas geistesabwesend. Ihr Blick war bereits auf das etwa verrauchte Innere der Halle gerichtet.
Rogue behielt sie von hinten gut im Auge. So gut diese Konversation gerade auch gelaufen war, er konnte dennoch nicht anders, als sich Sorgen zu machen. Twilight war... anders gewesen, als er es von ihr gewohnt war. Sie hatte die Situation gemeistert, keine Frage, aber auf eine Art und Weise, die er nicht von ihr erwartet hatte. Sie war kalt gewesen... berechnend.
War das die Konsequenz, die sie aus ihrem Fehler und ihrer Einsicht daraus gezogen hatte? Wenn, dann war es verdammt schnell gegangen. Er wollte sie fast dafür bewundern – wenn er nicht wüsste, zu welchem Preis eine solche Veränderung kommen würde. Twilight mochte denken, das sie seit langer Zeit endlich wieder festen Boden unter allen Hufen hatte, aber er wusste es besser. Es war in Wirklichkeit nur dünnes Eis, auf dem sie sich bewegte und je nach ihrer Willensstärke würde es nicht lange dauern, bis sich erste Risse darin bildeten. Und auch wenn es sie fürs erste trug... Er sah zurück zu Seilzug, der ihnen einen letzten, undeutbaren Blick vom Portal aus zuwarf.
War es eine gute Idee gewesen ihren einzigen Fürsprecher so vor den Kopf zu stoßen?
Er schüttelte seinen Kopf und schloss sich seinen Freundinnen wieder an. Twilight hatte getan was nötig gewesen war. Es war nicht schön, es war nicht fair, aber es war notwendig. Er sollte froh darüber sein.
Aber als er noch einen Blick auf die violette Stute warf, die ihnen voran ging, konnte er nicht anders als einen leisen Stich des Bedauerns in sich zu spüren.
Sie schritten tiefer in die große Stammeshalle der ´Schwinge, Huf und Horn´. Die Familien der verdienten Kämpen, die an den Seiten der Halle ihre Heimstatt hatten, waren respektsvoll gewichen und ließen die hohen Holzmauern still und leer zurück. Das Herdfeuer in der Mitte brannte noch immer, aber nur noch als glühende Holzscheite, die leichte Rauchschwaden gen Decke sandten, die die hereinbrechenden Sonnenstrahlen aus den Rauchabzügen sichtbar machten. An der Stirnseite der Halle, auf dem Absatz, wo vorher der Thron des Høvding gestanden hatte, war eine einfache Schale mit knubbeligen Kerzen aufgestellt worden, die ersten, die Rogue hier sah. Das sanfte Licht erhellte das Halbdunkel genug, um vier Ponys zu erkennen, die auf geflochtenen Matten und zu seinem eigenen Erschrecken, auf Fellen unbekannter Tiere Platz genommen hatten. Aufgrund der Beschreibung, die Fluttershy ihnen mitgeteilt hatte, erkannte er sie schnell wieder. Es waren offensichtlich die Anführer der verschiedenen Stämme, die erst vor kurzem durch das Tor des Dorfes marschiert waren.
Die Gesichter der Ponys, alle etwas größer als sie selbst, auch wenn keine außer der geradezu kolossal wirkenden Erdponystute mit den hellbraunen Streifen auf dem Fell und der Hengst in der goldbeschlagenen Rüstung der ´Schwinge, Huf und Horn´ an die größten der Stammeshengste heranragten, die sie hier gesehen hatten, verfolgten sie aufmerksam.
Der Hengst in voller Rüstung erhob sich langsam und drohend und trat an den Rand der Empore, die die Freunde von den Stammesponys abtrennte.
Als er ins Licht trat, konnte Rogue seine Fellfarbe erstmals mit eignen Augen erkennen. Es war ein so tiefes Braun, das es in dem diffusen Licht fast schwarz wirkte. Seine Rüstung war feiner gearbeitet als alle, die er im Dorf bisher gesehen hatte und mit Absätzen aus goldschimmernden Metall beschlagen. Massive Hufschuhe, die seine Vorderläufe bis zu den Knien schützten und mit feinen Verzierungen versehen waren, klackten laut auf dem Holzboden unter ihm. Sein metallenes Horn auf der Stirn schimmerte poliert und eine Kaskade aus blonder Mähne, durchsetzt mit flammend roten Strähnen floss seinen Hals hinab. Aus den Schlitzen seines Helmes blitzte sie ein einzelnes, unerbittlich starrendes Auge an. Das andere war unter einem Geflecht lang verwachsener Narben verborgen.
Er musterte sie alle, einer nach dem anderen. Zuletzt blieb sein Blick auf Twilight gerichtet, die ihn als einzige mehr als einen Augenblick erwiderte. Dann sah er auf.
„Disse er de? Det er de ponyer, der har forårsaget så meget støj i min landsby? De er så små. De er næsten som føl? Hvad betyder det? "
Seilzug trat hinter der Gruppe der Freunden hervor und positionierte sich neben ihnen. Als er sich bequem auf seinen Hinterbeinen niedergelassen hatte, nickte er sanft. „Ja, min Høvding. Det er de budbringere af Guddommen Celestia, fra den fjernt land ud over de bjerge, som er i stand til sådan magi. Jeg vil bringe dem, som I befaler mig."
Der große Hengst hob seinen Kopf und betrachtete sie ein weiteres Mal.
„Budbringer gudinde af Solen, siger du? Hvorfor kan jeg høre dem nu?"
Seilzug räusperte sich nervös. „Nå, sir, det er så..." begann er, aber Twilight unterbrach ihn.
„Torden Hallen, kraftvoll Høvding von Fløj, Hov og Horn, vir sin her um to hälpen!"
Seilzugs und Tordens Köpfe wandten sich neugierig der Stute zu.
„Har hun sagde bare, at hun er her for at hjælpe? Det er svært at forstå, men hun taler vores sprog?", fragte der Häuptling, ohne die Einhornstute aus den Augen zu lassen.
Seilzug beeilte sich mit einer geflissentlichen Antwort: „En lille, sir. Hun er meget smart har hentet en masse i mindre tid."
Torden Hallen schloss einen Moment sein verbliebenes Auge und schien nachzudenken. Als er es wieder öffnete, fixierte er seinen alten Berater. „Du skal oversætte endnu. Jeg ønsker ikke nogen misforståelser, hvis det er en budbringer af gudinden."
Seilzug verbeugte sich respektsvoll. Dann wandte sich der Blick des Häuptlings wieder auf Twilight. „Roden af vingen, hov og horn hilste budbringere gudinde for solen. Vi har kun hørt fra historier og legender i din elskerinde. Men i denne tid med uro og krig, de har sendt os deres føl. Hvad handler det om?"
Die Stirn der Einhornstute legte sich in tiefe Falten, als sie versuchte, die Sprache des Häuptlings zu entwirren. Aber Seilzug räusperte sich nur kurz und begann dann zu übersetzen.
„De Roden von ´Schwinge, Huf und Horn´ gebt Grüße an Gesandte von Celestia. De Roden habet nur gehört aus legender und Geschichten von de Lande Equestria. Doch weil in Tid von...Krieg und støj, warum sie schickt ihre...Fohlen? Was bedeutet?"
Twilight schloss kurz ihre Augen, so als würde sie sich besinnen. Als sie sie wieder öffnete, klang ihre Stimme klar und bestimmt. „Wir entbieten Grüße und unseren Respekt für Torden Hallen, den Høvding des Stammes der ´Schwinge, Huf und Horn´. Wir sind weit gereist, um einen... Fluch aufzudecken, der uns und die Länder um uns bedroht. Eine Dürre, die die Bürger unseres Landes bedroht und das Reich der Prinzessinnen. Durch unsere Forschungen konnten wir herausfinden, das die Antwort auf den Ursprung mit großer Wahrscheinlichkeit hier liegt, in dem, was wir das ´Alte Land´ nennen. Genauer an einem Ort, der als die Zwillingsgipfel bekannt ist."
Seilzug übersetzte schnell: "Vi enbider hilsner og vores respekt for Torden Hallen, den Høvding af Roden of 'Schwinge, hov og horn´. Vi har rejst langt, at afsløre en forbandelse, der truer os, og landene omkring os. En tørke, som truer borgerne i vores land og rige prinsesserne. Gennem vores forskning, vi kunne finde ud af, hvilken er svaret til oprindelsen med stor sandsynlighed her, i det vi kalder the ´gamle land '. Specielt på et sted, der er kendt som Twinmødet ".
Torden´s Mund verzog sich zu einem grimmigen Lächeln. „Tja, det lader til, at skæbnen for os alle smil. Stien til Twinmødet var aldrig en let, men i dag næsten umuligt. Den formskifter der deres reden og de holder det. Men vi vil grave det ... og din hjælp er meget velkommen."
„Nun, dann es scheint, würde das Schicksal auf uns alle smilen. Der Weg to de Twinmødet war nie leichtere, doch heute unmöglich. De formskifter habet dort Nest und sie halten es. Aber wir es ausheben... und eure Hilfe sehr willkommen."
Twilight schüttelte den Kopf. „Wir helfen euch gerne, aber was sind diese ´formskifter´? Ich verstehe diese Wort nicht."
Seilzug zögerte. „Ich nicht weiß Wort in eure Sprog. Es... es sind Ponys, aber doch nicht. Sind füllt von nicht bekannter Magi die sie machen gleich anderen. Tragen Gesicht von anderen. Von solchen, die bekannt. Können Pegasie, können Einhorn oder Erdpony. Können fliegen, können zaubern..."
Er wurde unterbrochen, als die großen Tore der Halle aufschlugen und vier Wachen in voller Rüstung eintraten. Die Gesichter aller wandten sich um und versuchten in dem diffusen Licht den Grund der Störung herauszufinden.
Das Quartett schritt schnell auf die Gruppe der Ponys zu. Als sie in das Licht der Rauchabzüge traten, wurde eine fünfte, kleinere Gestalt in ihrer Mitte sichtbar.
„Rainbow!", rief Applejack als erstes aus und stürmte sofort los, um ihre verloren geglaubte Freundin in ihre Vorderläufe zu schließen. Der Ruf setzte sich unter ihren Freundinnen fort und in einem einzigen Augenzwinkern stürmte die ganze Meute auf die Stute los.
Rainbow, schlammbeschmiert, zerzaust und müde, hob überrascht ihren Kopf, als sie die vertrauten Stimmen hörte. „Applejack!", rief sie freudig aus. „Twilight! Pinkie! Fluttershy! Rarity!" Sie wusste gar nicht, wohin sie ihre Hufe zuerst tun sollte, wenn sie als erste umarmen sollte, da sie sie nicht alle zusammen einschließen konnte. Der Ansturm der Stuten riss sie einfach um, begrub sie unter sich.
Sie konnte nicht anders, trotz der Mühe, der unendlich scheinenden Anstrengungen, die hinter ihr lagen, kicherte sie vergnügt, als sich ihre Freundinnen auf sie stürzten. Für einen Moment war alles vergessen, all ihre Angst, all ihre Sorgen, die sie in den letzten Tagen so unbarmherzig verfolgt hatten. Sie schloss sie aus und genoss den Moment purer Freuden endlich wieder mit denen vereint zu sein, an die sie keinen Moment lang vergessen hatte zu denken.
„Es tut so gut, euch endlich wieder alle bei mir zu haben.", flüsterte sie, während sie die plötzliche, überwältigende Nähe ihrer Freundinnen genoss, die auf sie einstürmten. Es war Twilight, in deren Hufen sie sich letztlich wiederfand.
„Ist alles in Ordnung mit dir? Dir ist nichts passiert?"
Rainbow wehrt die suchenden Hufe ihrer Freundin sanft ab. „Alles in Ordnung, Twi. Alles dran, alles drin. Du hörst ich schon an wie dieser Rogue..."
Das Rettungspony, das etwas abseits geblieben war, hob unsicher seinen Huf zum Gruß. „Hi."
Der Pegasie betrachtete den Erdhengst einen Augenblick vom Kopf bis zu den Hufen. „Du siehst scheiße aus."
Rogue erwiderte ihren Blick ungebrochen. „Das Kompliment gebe ich zurück." Sie hielten ihre ernsten Mienen noch einen Moment lang aufrecht, dann prustete Rainbow los und Rogue konnte nicht anders als es ihr nach zu tun. Einen Augenblick später lagen sie sich in den Vorderläufen und hielten sich gegenseitig fest, während sie wie von Sinnen lachten.
Vielleicht war es der mit Abstand befreienste Moment für Rogue seit langer, langer Zeit. Ein Moment, in dem er wieder daran glauben konnte, vom tiefsten Grunde seines Herzens, das letztlich doch alles gut ausgehen würde. Trotz aller Umstände, trotz aller Hindernisse. Es war ein Wunder, wie es ein Wunder gewesen war, als der Sonic Rainboom über ihnen erschienen war. Aber dieses Wunder war greifbar, es war da, er konnte es in seine Hufe schließen und es festhalten. Rainbow war nicht tot, sie schien sogar unverletzt, entgegen aller Erwartungen, entgegen aller Wahrscheinlichkeit. Und er war dankbar dafür. Nicht nur für sich, sondern auch für Twilight. Er mochte sie ins finstere Tal geführt haben, aber vielleicht mochte das für sie ein Zeiger sein, wie sie daraus entkommen konnte. Eine Hoffnungsschimmer, dass das Happy End nicht nur eine Reihenfolge unfehlbarer Entscheidungen war, sondern manchmal auch... Glück, oder Schicksal. Oder ein Wunder.
Er drückte Rainbow fest an sich und sog gierig ihren Geruch nach Pfefferminz in sich ein. Er genoss das Gefühl von Glück, das es in ihm auslöste. Er wusste, das er nur ein Augenblick war, ein kostbarer Augenblick und er kostete ihn voll aus. Schicksal oder Wunder, es war egal. Sie war hier, sie war wohl auf und unverletzt. Das war alles, was für den Moment zählte. Es schien, das alles was er bisher durchmachen musste, es wert gewesen war. Nur um das zu erleben.
Der Høvding des Stammes und seine Kollegen waren für den Augenblick vergessen.
„Was ist passiert? Wo bist du gewesen?", verlangte Pinkie als erstes zu wissen.
„Yeah, was war mit dir?", stimmte Applejack ein. „Mir ham uns ne Menge Sorge´n gemacht!"
Rainbow spreizte ihre Flügel dramatisch. „Ihr werdet nie erraten, wer sich in dem komischen Berg eingenistete hat, wo wir hinmüssen!"
Twilight warf einen kurzen Blick auf Seilzug und Torden hinter ihnen, die die Szene mit stoischer Mine verfplgten. „Ich will dich nicht enttäuschen, aber wir waren gerade dabei, das herauszufinden."
Der Pegasus merkte auf. „Aber... ihr wisst es noch nicht?", fragte sie gespannt.
„Nein! Sag´s uns!, Sag´s uns! Sag´s uns!", bettelte Pinkie.
„Ok, ich wache mitten in einer Höhle auf und..."
Es dauerte gut eine viertel Stunde, bis Rainbow eine geraffte Fassung ihrer Erlebnisse zum besten gegeben hatte. Tatsächlich wunderte sich Rogue, der zwar nur mit halbem Ohr, aber dennoch aufmerksam ihren Ausführungen lauschte, wie kurz sie sich fasste. Während sie erzählte, hielt er ein halbes Auge auf Seilzug und Torden Hallen. Der alte Ratgeber schien die Unterhaltung nicht weiter zu verfolgen, sonder besprach sich statt dessen mit seinem Häuptling. Dieser wandte sich im Anschluss an seine zunächst nur mäßig interessierten Gäste. Als er aber endete, wandten sich immer mehr Augenpaare ihrer Gruppe zu.
„Ich bin den Schacht hinaufgeklettert, gegen den Wasserstrom. Ich dachte ein paar Mal, das ich stecken bleiben würde, aber ich habe es irgendwie geschafft. Ich bin an der Bergflanke herausgekommen, fast mehr tot als lebendig. Danach weiß ich nicht mehr viel, außer das ich ins Tal hinunter geflogen bin und die erstbeste Baumkrone als Bett auserkoren habe. Ich habe geschlafen – fragt mich nicht nach den Alpträumen, die ich hatte - und als ich wach wurde, bin ich hoch geflogen und habe nach dem Schiff gesucht. Aber dieses Land ist so groß und ich hatte keine Ahnung in welcher Richtung ich suchen sollte. Also hab ich nachgedacht und dann ist es mir eingefallen. Ein Sonic Rainboom! Das würdet ihr auf jeden Fall bemerken, egal wo ihr seid. Ich hab mich noch ein bisschen ausgeruht, meine Kraft gesammelt, echt schwer, weil keine Wolken da waren, mit denen ich leicht Höhe gewinnen konnte. Aber ich hab´s durchgezogen! Bääm!" Sie hob zur Unterstreichung beide Vorderläufe in die Luft. „Das musstet ihr sehen! Und dann habe ich Twi´s Zeichen gesehen und bin gleich losgeflogen. Aber dann kamen diese Pegasie von unten und ich bin ausgewichen und sie mir hinterher, aber ich hab sie abgeschüttelt, bin zwischen den Bäumen geflogen und dann kam einer von oben, aber ich habe ihm ´bumm, bamm!´eines auf die Schnauze gegeben. Ich bin abgetaucht, so tief, das die Farne meinen Bauch geschreift haben! Währe ich nicht so verdammt fertig gewesen, hätte ich alle abhängen können!" Sie schnaufte. „Aber die haben mich dann doch umzingelt. Ich hab mir nen Baum als Rückendeckung gesucht und war bereit mein Fell teuer zu verkaufen, aber die haben nicht angegriffen! Die Schwebten einfach nur rum und haben mich in dieser komischen Sprache angebellt. Und der größte von ihnen hat immer so mit dem Huf gewinkt, so als sollte ich mitkommen. Ich hab natürlich geglaubt, dass das ne Falle ist, aber als ich darüber nachgedacht habe, kamen zwei von ihnen von oben und ich hab dem einen zwischen die Hinterläufe getreten, aber der andere hat mich auf den Boden geworfen und dann waren sie alle über mir und haben mich fest gehalten und mir ihre Bögen ins Gesicht gehalten. Und der Anführer hat immer wieder ein Wort wiederholt: „Twilagt! Twilagt!". Und da ist es mir aufgegangen, das sie ´Twilight´ sagen wollten. Zusammen mit dem Signal ergab das Sinn. Also hab ich dann so getan, als würde ich aufgeben und bin hier bei euch gelandet!", schloss sie ihre Geschichte.
„Changelinge...", wiederholte Twilight nachdenklich, als Rainbow Dash geendet hatte. „Das erklärt einiges." Sie wandte sich an ihre Freunde. „Wenn alles stimmt, was Rainbow uns erzählt hat – und ich habe keinen Zweifel daran, das sie uns die Wahrheit erzählt hat – sind Sie der Feind, gegen die die Vereinigten Stämme anzutreten gedenken. Nach der Niederlage in Canterlot hat sich der Rest des Nestes und Chrysalis eine Zuflucht hier geschaffen. Sie hofften, das sie leichte Beute unter den separierten Gruppen finden könnten und sie vielleicht gegeneinander ausspielen könnten, aber sie haben versagt. Die Stämme wurden sich der Gefahr bewusst." Sie sah zu Torden Hallen, dem großen Hengst, der sich sichtlich Mühe gab seine sonstigen Gäste abzulenken, jedoch nicht, ohne immer wieder prüfende Blicke in ihre Richtung zu werfen.
Twilight wandte sich wieder an ihre Freunde. „Das ist unsere Chance. Wir haben bereits gegen diese Bedrohung gekämpft. Wir wissen mehr über das Wesen der Changelinge als alle hier. Wir haben sie schon einmal besiegt. Wenn wir unsere Karten richtig ausspielen... dann können wir sie nach unserer Pfeife tanzen lassen!" Sie wartete nicht auf die Bestätigung ihrer Freunde, sondern drehte sich wieder zu ihren Gastgebern um.
„Ähm. Entschuldigt die kurze Unterbrechung, aber unsere Fr... mein Späher ist zurückgekehrt und hat mir wichtige Informationen unterbreitet." Sie machte eine Pause, in der Seilzug das Gesagte übersetzen konnte.
Torden Hallen wandte sich ihnen wieder zu. Seine Gesichtszüge, größtenteils verborgen unter dem Helm, spiegelten nur eine stoische Gelassenheit wieder.
„Og vil du dele disse oplysninger med os?", fragte er, nachdem Seilzug seiner Position als Mittler nachgekommen war.
„Würdet teilen Wissen von Kundschafter?", fragte der ältere Hengst in der Übersetzung.
Twilight lächelte, allerdings sehr viel wärmer als beim letzten Mal. „Selbstverständlich! Es ist nicht das erste Mal, das wir auf diese Kreaturen treffen, die ihr ´Formskifter´ nennt. Tatsächlich gelang es unserem Reich erst vor kurzen eine ihrer Invasion abzuwehren. Im Gegenzug für Informationen, die wir bedürfen, sind wir gerne bereit unsere Erfahrung und unser Wissen mit euch zu teilen."
Torden Hallen lauschte aufmerksam der Übersetzung seines Beraters. Er dachte einen Moment lang nach, dann wandte er sich an Stammesponys, die hinter ihm aufmerksam der Unterhaltung folgten.
„Er der én blandt jer, dog aussprricht at lade rådgive disse ponyer med os? Du har ikke ret i Rådet undtagen ordet og den ære og respekt, som de producerer. Du skal ikke have ret til at vælge og handle, medmindre du og jeg beslutter det. Tal, hvis det er godt. "
Zu ihrer aller Überraschung flüsterte ihnen Seilzug einen Übersetzung zu, obwohl es schien, als wären die Worte im privaten gesprochen worden.
„Gibt einen von euch, der sich dagegen besluter, diese Ponys mit uns besluter zu lassen? Sie kein Recht im Rat außer der von Wortes und ære und Respekt, die dvon kommet. Sie kein Recht von Wahl und Tat, wenn nicht ihr und ich beschließt es. Sprecht, ob es gut ist."
Die drei großen Ponys tauschten kurze Blick untereinander aus, dann nickten sie. „De Blodige Fløj, de Vilde Løberen un de Skræmme Hvide siger, at det er godt og rigtigt."
Seilzug räusperte sich nervös. „Ah. De ´Bludigen Schwingen´, de ´Wilden Renner...´ - oder ´Laufer´? `Wilde Laufer´ ist besser, ich glaube – und de ´Weißen Schrecken´, stimmen zu, das ihr Recht auf Wort, aber nicht auf Wahl und Tat im Rat. Ich erkläre euch später."
Rainbow tat unauffällig neben Twilight, deren Blicke von Torden zu Seilzug huschten. „Boah, Twi, ich weiß, das hier ist bestimmt ultra-wichtig, aber hast du was zu beißen? Ich hab wahrscheinlich seit Tagen nichts mehr gegessen und mir geht's schon ganz komisch." Sie sagte das in einem leisen, privaten Tonfall, aber anscheinend nicht leise genug für die noch immer formidablen Ohren des Beraters.
„Min chef for spejdere synes sultne og udmattede.", übersetzte er ungefragt. Seine Mine blieb ausdruckslos, aber es schien, als schwänge ein Ton von Dringlichkeit in seiner Stimme mit.
Der Häuptling der ´Schwinge, Huf und Horn´ warf einen kurzen Blick auf seinen Berater, dann wandte er sich an seine Gäste aus den anderen Stämmen.
„Vi har allerede vente hele langt bag os, og selv om der er meget at tale om, jeg tror, det kan tage op efter at have spist. Jeg ønsker at give alle chancen for en handling, en sidste gang god tænke over hvem vi overlade cockpittet og ære titel af konge krig. Tal med dine ponyer, opmuntrer dem og formanede dem. Der kommer en storm, men vi står side om side for at møde ham. "
Seltsamerweise übersetzte Seilzug das letzte nicht. Statt dessen sagte er: „Es nun werden Essen geben. Wenn fertig, ihr werdet eingeladen zu beiwohnen Rat. Ich euch begleite und erzähle, was eure Recht sind."
Twilight´s Kopf zuckte überrascht nach oben. „Was? Aber es wurde doch noch gar nichts beschlossen! Ich... wir wollten endlich...", begann sie sichtlich irritiert ob des plötzlichen Endes der Versammlung. Die anderen Stammesponys erhoben sich bereits von den Matten und begannen eine scheinbar beiläufige Konversation, während sie gen den Toren der Halle trotteten.
Seilzug trat schnell auf sie zu, bevor sie etwas anderes tun konnte, als sich zu echauffieren. „Es bis nach dem Essen wird Zeit haben.", sprach er in eindringlichen Tonfall. Er ging sogar so weit seine Augenbrauen verschwörerisch auf und ab zu wackeln.
„Oh.", stieß Twilight hervor und warf einen kuren Blick auf Torden Hallen, der sie aus dem Schatten heraus beobachtete. Als er bemerkte, das sie ihn ansah, war hinter dem Metall seines Helmes der leise Abglanz eines Lächelns zu erahnen. Dann verschmolz er mit dem Halbdunkeln der Empore.
Die violette Einhornstute sah ihm noch einen Augenblick nach, dann nickte sie leicht. „Ok. Essen. Ich verstehe."
Seilzug seufzte erleichtert. „Wir gehen.", sagte er und winkte ihnen sich anzuschließen.
Als sie die große Halle verließen, war der Dorfplatz noch immer angefüllt mit den Gruppen aus den unterschiedlichen Stämmen, die hier ihr vorläufiges Lager aufgeschlagen hatten. Stuten der ´Schwinge, Huf und Horn´ gingen langsam durch ihre Reihen und verteilten frisch gebackenes Brot und Krüge, aus denen die Kaempen gierig tranken. Wilder Jubel erhob sich unter ihnen, wenn ihre Anführer sich unter sie mischten.
Rogue erwartete, das Seilzug sie zurück zu dem Unterstand geleiten würde, wo sie genächtigt hatten, war aber genauso überrascht, als der ältere Hengst sie an der inneren Seite der großen Halle herumführte, bis dorthin, wo es an die Palisade stieß.
Er sah sich kurz um. Die kleineren Hütten versperrten das Blickfeld auf den Dorfplatz und außer einigen umhereilenden Stuten und spielenden Fohlen war niemand in ihrer Nähe.
Direkt an der Ecke der großen Halle zur Palisade war eine unauffälliger, niedriger Strohhaufen. Er schob eine Ecke mit dem Huf beiseite und offenbarte eine schmale Öffnung in den massiven Baumstämmen, die die Außenwände der Halle bildeten.
Er zeigte mit dem Huf darauf, während er weiter die Umgebung im Auge behielt. „Schnell! Hinein, bevor es sieht jemand!"
Die Freunde sahen sich für einen Moment lang ratlos an, dann zuckte Twilight mit den Schultern und schob sich am Heu vorbei in die dunkle Öffnung.
Rogue musste etwas warten, während eine nach der anderen der Stuten in dem Loch verschwand. Während dessen warf er einen misstrauischen Blick auf Seilzug, der noch immer die Umgebung im Auge behielt.
Was hatte dieses heimlichtuerische Gebaren zu bedeuten? Hier war offensichtlich noch anderes im Busch als die diplomatischen Verhandlungen zwischen befreundeten Stämmen... und ihnen. Er musste ehrlich gestehen, das er ein wenig überrascht war. Er hatte solche... politischen Winkelzüge nicht erwartet. Die Kultur der Stammesponys war ihm bisher sehr direkt und gerade heraus vorgekommen. So etwas schienen nicht zu dieser Natur zu passen.
Für einen Moment war er alarmiert. Rainbow hatte die ´Changelinge´ erwähnt, die offensichtlich in diesem Land ihr Unwesen trieben. Rogue wusste nicht viel mehr darüber, als das, was er aus den Zeitungen vor wenigen Wochen gelesen hatte. Canterlot war das Ziel eines massiven Angriffes von Formwandlern geworden, die sich anscheinend in jedes Pony verwandeln konnten, deren sie ansichtig wurden. Es ging sogar so weit, das die Königin dieser ´Changelinge´ die Identität von Prinzessin Cadance annehmen konnte und erst kurz vor der großen königlichen Hochzeit zwischen ihr und Hauptmann Shining Armor enttarnt wurde. Der darauf folgende Kampf zwischen den Invasoren und der Garde hinterließ nicht wenige Opfer unter den Bewohnern der Hauptstadt. Auch wenn sie letztlich von ´tapferen Bürgern mit Hilfe der Prinzessinnen zurückgeschlagen wurden´. Er konnte sich noch gut an die Bestürzung erinnern, die der Angriff in Manehattan ausgelöst hatte. Equestria war ein so friedliches Land, das Konzepte wie ´Krieg´ und ´Invasion´ im öffentlichen Verständnis lediglich als Begriffe der Historie oder Fiktion existierten. Die letzte bewaffnete Auseinandersetzung, von der Rogue wusste, war die Schlacht von Thunderhorn gewesen, als vor etwas mehr als neun hundert Jahren ein Stamm der Minotauren eine Siedlung des noch jungen Equestrischen Reiches angriffen.
Equestria hatte noch lange danach ein militärische Tradition aufrecht erhalten, die aber immer mehr in repräsentative Zwecke übergegangen war. Der letzte, ´echte´ militärische Huf des Reiches, abseits der Palastgarde, war vor gut einhundert Jahren aufgelöst worden. Es gab noch paramilitärische Einheiten, die die Traditionen fortführten, wie die Luftwacht oder die Küstenwache, aber das waren eher Polizeieinheiten als Militär.
So war es kein Wunder, nachdem alles gut ausgegangen war, das die Ponys von Manehattan schnell vergaßen, was in Canterlot passiert war. Krieg war kein Konzept, das in ihren Köpfen Bilder hervorrief. Die Nachricht kam und ging wieder unter, so schnell und plötzlich wie sie gekommen war.
Er konnte sich erinnern, das hinter den Kulissen mehr vor sich gegangen war. Medizinische Test der öffentlich Bediensteten. Bemerkungen der Krankenschwestern, das es ´neue Verfahren´gab, nachdem die Blutproben der Patienten zu behandeln waren. Ihre Verwirrung, das gewisse, scheinbar unnütze Tests noch vor offensichtlich lebenswichtigeren getätigt werden müssten. Er hatte bisher nicht viel darüber nachgedacht, aber zusammen mit dem wenigen, was Applejack ihm über ihre Erlebnisse während, oder besser, vor der Hochzeit erzählt hatte, ergab es dennoch ein wenig schmackhaftes Bild.
War das hier eine Verschwörung eben jener Identitätsstehlender Kreaturen, die noch vor kurzen seine Heimat bedroht hatten? Sie konnten die ´Schwinge, Huf und Horn´ bereits unterwandert haben Oder sogar mehr... war es nicht seltsam, wie ruhig die anderen Stammesponys gewesen waren, während sie die Wiedervereinigung mit Rainbow feierten? Die stoische Mine von Torden Hallen... war es die schlichte Geduld eines überlegten Anführers oder die Ruhe eines Infiltrators, der wusste, das nichts seine Pläne noch stören konnte? Liefen sie hier mit offenen Augen in eine Falle?
Er sah die nervösen Blicke von Seilzug, der noch immer das Heu niederhielt, um ihnen beim Einstieg zu helfen. Twiligth hatte ihn nicht gerade mit Samthufschuhen angefasst. Wenn er ihnen half, dann sicherlich nicht aus eigenem Antrieb. Auf Befehl? Auf Befehl von Wem? Torden Hallen, der Häuptling des Stammes, war noch immer ein unbeschriebenes Blatt, ein unbekannter Jokers in dem Spiel, an dem sie teilzunehmen gezwungen waren. War er einer dieser Kreaturen? Ein Changeling? War Seilzug sein Kompagnon?
Rogue erstarrte, als die Reihe an ihm war. Seilzug maß ihn mit einem abschätzenden Blick, dann wies er noch einmal nachdrücklich auf die Lücke in den Baumstämmen.
Egal, was die Wahrheit war, es war zu spät etwas dagegen auszurichten. Alles worauf Rogue hoffen konnte, war, das seine Befürchtungen nicht der Wahrheit entsprachen. Und wenn doch, das sie und er stark genug waren, ihnen entgegen zu treten. Twilight musste das selbe durch den Kopf gegangen sein wie ihm und sie hatte nicht gezögert.
Er leckte sich nervös über die Lippen und folgte dann dem wackelnden Schweif von Applejack.
Hinein in die Tiefen des Kaninchenbaus, dachte er in Erinnerung eines bekannten Klassikers der Romangeschichte. Tatsächlich war der Weg aber nur recht kurz. Hinter den dicken Bohlen der Baumstämmen führte eine Falltür hinauf in eine kerzenbeschienene Kammer.
Das Rettungspony kämpfte noch einen Augenblick lang mit den beengten Verhältnissen, dann erfasste ein kräftiger Huf seinen tastenden Vorderlauf und zog ihn in die Höhe.
„Da hingste!", bellte die große Stute, die ihn mühelos aus der Falltür hob. Sie hatte ein magenta-farbenes Mähne und ein Fell, das nur ein wenig dunkler war. Sie setzte ihn auf dem Holzboden ab, direkt neben Rarity, die wie ihre anderen Freundinnen sich noch immer in dem kleinen Raum umsah, in dem sie sich jetzt befanden.
Es war eine einfache Kammer, die vom Rest der Halle durch Bretter abgetrennt worden war. Eine große Bettstatt, bedeckt mit diesen schrecklichen Fellen und geknüpften Decken, nahm den meisten Platz ein. Daneben gab es ein paar krude Regale, gezimmert aus einfachen Eichenbohlen. Die Wände waren mit weiteren Fellen behangen und, als würde das an Schrecken nicht reichen, den mumifizieren Köpfen von schrecklichen Wildtieren. Fluttershy schnappte erschreckt nach Luft, als sie die leblosen Gesichter von Bären, Wildschweinen und Wölfen erkannte. Sie starrte mit einem Ausdruck puren Entsetzens darauf, während ihren Körper ein sichtbaren Zittern durchlief. Rogue war von dem Anblick dieser grausigen Trophäen so abgelenkt das er es nicht bemerkte, bis ein gelber Schatten an seine Seite hüpfte und in seiner Nähe Schutz suchte.
Er erschreckte ein wenig, als die Stute so plötzlich praktisch unter ihm kauerte. Er kämpfte einen Moment um sein Gleichgewicht, um nicht auf sie zu treten.
„Ruhig, Fluttershy.", brachte er hervor, noch bevor er sich selbst von dem verstörenden Anblick erholt hatte. Er trat einen Schritt beiseite und strich ihr in einer – wie er hoffte – beruhigenden Geste über den Hinterkopf. „Es ist nicht schlimm. Es ist nur... anders." Er suchte die blauen Augen des Pegasus. „Verstehst du das?"
Sie sah zaghaft zu ihm auf. Als sich ihre Blicke begegneten, sah er wie sich ihre Mine festigte, so als würde sie Kraft aus seiner Anwesenheit ziehen. Sie kniff die Augen zusammen und nickte dann heftig. „Ich... ich... ich bin okay.", gab sie von sich. Sie versuchte tapfer zu sein. Er konnte es in ihrer Stimme hören. „Es war nur... im ersten Augenblick schlimm."
Er nickte ihr sanft zu, um sie zu unterstützen. Aber er wusste, das es für sie mehr als nur im ersten Augenblick schlimm war. Fluttershy liebte jedes Wesen auf diesem Planeten, egal wie es aussah, wie es sich benahm oder wie es von anderen beurteilt wurde. Sie war so frei von Vorurteilen, wie ein Pony nur sein konnte. Das hatte er gelernt. Das einzige was ihren Missmut erregen konnte, war das Fehlverhalten des Einzelnen. Aber sie würde nie eine Gruppe verurteilen, weil ein Individuum, dessem Aktionen trotz allem immer noch ´nur ein Fehler ´sein mochten, sich schlecht benommen hatte. Hier, im Anblick der endgültigen Lösung, in der zur Schau Stellung des indiskutablen Recht-des-Stärkeren, blickte sie in ihre eigene Anti-These.
Er konnte verstehen, warum sie nicht aufhören konnte zu zittern. Torden Hallen hing die Schädel seiner besiegten Gegner als Zeichen seiner Kraft auf, als ein Zeugnis seines Rechts zu herrschen. Rogue vermied es tiefer mit seinen Augen im Halbdunkeln zu forschen. Er wollte nicht sehen, was dort noch verborgen war.
Hinter einem Sichtschirm aus gewebten Pflanzenfasern war das leise Geräusch plätschernden Wassers zu hören, dann ein kurzes Prusten. Nach einem Augenblick ertönte die Stimme des Häuptlings dahinter: „Min kærlighed, mit liv." Die große Stute, die ihm aus der Falltür geholfen hatte wandte sich um und verschwand hinter dem Sichtschutz. Rogue hatte sie zuerst für eine Erdstute gehalten, aber kurz bevor sie hinter der Bastmatte verschwand, konnte er ein kurzes, aber breites Horn erkennen, das aus ihrer wallenden Mähne hervorstach.
Er hörte ein leises, schmatzendes Geräusch, dann murmelte Torden etwas, das sich wie „Jeg savnede dig. I aften tager jeg dig i seng, når mine opgaver er færdig." anhörte. Die Stute antwortete ihm, aber so leise, das er keine Silben herauspicken konnte. Dann trat sie hinter der Sichtblende hervor und maß die Freunde mit einem letzten, strengen Blick, bevor sie durch die Tür trat und sie hinter sich verschloss.
Rogue sah sich unsicher im Kreis um. Offensichtlich teilten seine Freundinnen seine Ratlosigkeit, was hier vor sich ging. Einzig Twilight saß aufrecht auf ihren Hinterläufen und harrte mit ernster Mine, auf das, was da kommen möge.
Schließlich trat Torden hallen vor sie. Seine Mähne war tropfnass, das Wasser ran an seinem mächtigen Körper wie in Sturzbächen herunter und sammelte sich an seinen bloßen Hufen. Er hatte seine Rüstung abgelegt, zusammen mit seinem Helm, so das sie ihn zum ersten Mal in seiner vollen Pracht sehen konnten. Jedes Merkmal an dem Häuptling strahlte nur mühsam unterdrückte Kraft und Stärke aus. Das Spiel seiner Muskeln unter seinem sanft schimmernden Fell war wie von einem Bildhauer konzipiert, verunstaltet nur durch sichtliche Narben, die sich immer wieder einen groben Weg über seine Gestalt suchten. Seine scharf gezeichneten Gesichtszüge, ernst und unnachgiebig, wurden durch das flackernde Licht der Kerzen nur noch hervorgehoben. Sein fehlendes Auge, das ihnen bereits in der Halle aufgefallen war, zeichnete nur den Beginn einer langen, tiefen Narbe die sich bis zu seinem Hals zog. Etwas musste ihn schon vor langer Zeit schrecklich verwundet haben.
Er maß sie noch einmal aufs neue mit diesem tiefen, stechenden Blick, wie er es bereits zuvor getan hatte. Für einen kurzen Moment blieb er auf Twilight hängen, dann wandte er sich ab. Gelassenen Schrittes ging er zu dem großen Bett in dem Zimmer, sprang ohne zu zögern darauf und faltete seine Glieder unter sich. Er sah zu seinem Berater, Seilzug, und nickte.
Der alte Hengst räusperte sich. „Es ist eine... privatä Sprechen, die Torden Hallen will. Nichts was hier gesagt, will nach außen gehen."
Der große Hengst deutete auf eine Holzschale neben seinem Bett und Seilzug fuhr fort. „Es ist gehört, das ihr hungrig seid. Ihr sollt bedient werden."
Rainbow war wie ein blauer Blitz an der Schale und stopfte sich die erstbeste, gutaussehende Frucht in den Mund „Umum, Isch hab chon gegaubt, ihr habt mik vergeschen! Oh, Schelechtia, isch dasch gut!", schmatzte sie, noch während eine Frucht nach der anderen in Ihrem Schlund verschwand. Der Saft lief ihr dick über das Kinn und tropfte auf den Boden, ohne das sie es bemerkte.
Torden Hallen betrachte sie kurz, dann wandte er seine Aufmerksamkeit wieder Twilight zu.
„Sult din Scout har givet os en undskyldning for at holde denne samtale blandt os. Du sagde du Ward at undersøge her til tørke. Men lige nu, da ponyer af det gamle land at gå i krig, som de har gjort i nogen tid, forekommer det mig at være mere end en tilfældighed."
Seilzug überlegte kurz, dann übersetzte er: „Der Hunger von dien Späher hat Entschuldigung gebracht um diese Unterhaltung zu machen. Du hast gesagt, das du und ander hier seid um die Zeit ohne Wasser zu forschen. Es ist seltsam das gerade jetzt, wo Ponys vom alten Land gehen für Krieg wie keiner kennt, ihr hier kommt."
Twilight räusperte sich. „Ihr mögt es mir glauben oder nicht, Torden Hallen, aber es ist die Wahrheit. Wir wissen nichts über das alte Land, nur das die Antwort auf unsere Fragen hier liegen soll. In den Zwillings Gipfeln."
Sie wartete geduldig, bis der alte Hengst seine Übersetzung beendet hatte.
Der Häuptling nickte leicht. „Det er også kommet til vores opmærksomhed, som vises tidspunktet for farverige blade meget tidligt på året. Og regnen og skyerne mislykkes. Men der er andre, mere presserende, hvad undertrykker os, sagde du, at du kender den trussel, mod hvilken vi er ziwhen i feltet?"
„Es ist gesehen worden, das die Zeit von bunte Blätter früh im Jahr. Und das der Regen und Skyer... Wolkeen nicht kommt. Aber anderes Schlechtes ist schlimmer. Ihr sagen, das ihr kennt die formskiftere?"
Die Einhornstute Leckte sich nervös die Lippen. „Ja, das stimmt. Wir haben sie bereits vorher getroffen und ihre Pläne zunichte gemacht."
„Ja, det er rigtigt. Vi har allerede mødt hinanden før og gjort deres planer til intet"
Der Häuptling betrachtete sie ruhig aus seinem einen, guten Auge. Als er sprach, war seine Stimme ruhig, feierlich, fast wie ein Richtspruch. „Der vil være krig. Dette formskiftere truer os, os og alle andre stamme af den gamle land. Jeg har påtaget mig, til at modsætte sig denne trussel at forene stammerne og til at sikre, at ingen af disse skabninger nogensinde kunne påføre nogen skade os igen. Jeg beder dig som en budbringer gudinde Celestia: Støtter du min virksomhed? Er du klar til at hjælpe mig, støtte mig på mit ord, når jeg udslette dette monster af Equia?"
„Es gebet Krieg. De formskiftere sind Gefahr für uns all Roden aus alte Land. Torden Hallen hat Mut gegen Gefahr für alle Roden, machen aus viele Roden eins und machen das de skabninger... de Kreaturen kein Leid mehr können machen. Er fragt: Sind Gesandte von gudinde Celestia auf seinem Weg? Sie helfen und hören auf seine Worte, wenn er geht, de formskifter zu töten?"
Twilight´s Gesichtszüge wurden hart, als sie den letzten Satz hörte. „Nein. Wir wissen, das die Changelinge eine Gefahr darstellen. Aber wir werden nicht dabei helfen..." Sie schüttelte ihren Kopf, „Nein, wir werden nicht tatenlos daneben stehen, wenn ihr sie vernichten wollt."
Als Seilzug das Gesagte übersetzte, verdunkelte sich Tordens Gesichtszüge.
„Du ved, at kun et enkelt opkald, det kræver min til dig op til alle de døde? Det er i mine hove, uanset om du lever eller dør?"
Der alte Hengst setzte bereits an, als Twilight ihn unterbrach.
„Jeg ved det"
Torden Hallen stand von seinem Bett auf und sprang mit einer eleganten Bewegung direkt vor die Einhornstute. Twilight bemühte sich, nicht zusammen zu zucken, aber sie konnte nicht verhindern, das sie überrascht einatmete. Der so schrecklich große Hengst schritt langsam um sie herum, besah sie sich von allen Seiten und blieb dann schließlich auf ihrer anderen Seite stehen.
„Jeg ved, du forstår mig, når jeg taler simpelthen. Jeg kan stadig gøre andre ting, som at dræbe dig. Ting, som er meget værre...", flüsterte er ihr ins Ohr.
Twilight schluckte schwer. Aber sowohl ihr Gesicht als auch ihre Stimme blieb ausdruckslos.
„Ich bin die treue Studentin ihrer Majestät, Sol...", begann sie, aber sie kam nicht dazu, den Satz zu beenden.
Torden Hallens Kopf zuckte vor und sein Gebiss grub sich in ihren Hals wie die Fänge einer Schlange. Das Einhorn schrie vor Überraschung und Schmerz laut auf, während die Gewalt des Angriffs sie auf den Boden zwang.
Für einen Moment war Rogue zu überrascht, um zu reagieren. Der plötzliche Ausbruch von Gewalt erschreckte ihn bis in die Grundfesten seiner Seele. Er hatte den unterschwelligen Zorn in Torden gespürt, schon als er ihm zum ersten Mal begegnet war, aber der plötzliche Angriff überrumpelte ihn vollkommen. Es war wie ein Blitzschlag aus heiterem Himmel gekommen, ohne Vorankündigung, ohne jede Warnung, ein jäher Ausbruch schierer Brutalität, die ihn zurück taumeln ließ.
Aber er brauchte nur ein Augenzwinkern um sich zu sammeln. Er fühlte sein Herz unter dem plötzlichen Ansturm aus Adrenalin ächzen, fühlte wie sich die Welt um ihn herum verlangsamte, wie die eiserne Klaue um sein Innerstes sich wieder zusammen zog. Seine Wahrnehmung schrumpfte, zog sich zusammen auf einen engen Tunnel, in dem nur er, dieses Monster Torden Hallen und Twilight existierte. Das violette Einhorn, das sich im unnachgiebigen Griff des Häuptlings wand, während schmerzerfüllte Tränen ihre Wangen hinunter liefen, während sie... einen Huf ausstreckte, um ihre Freunde zurückzuhalten.
Ihre Augen waren feucht und vor Furcht so weit aufgerissen, dass das Weiße darin größer war als ihre Pupillen. Aber sie hefteten sich unnachgiebig auf Rogue und auf Applejack und Rainbow, die die ersten waren, die sich in den Kampf für sie werfen wollten.
„Zurück!", keuchte sie angestrengt unter der Last von Torden, der sie auf den Boden drückte. „Zurück!"
„Ingen af dine venner kan hjælpe dig. Prøv det, de dør.", presste Torden hervor, noch während er die Stute in seinem festen Biss hielt.
Seilzug hatte sich derweil keinen Millimeter bewegt. Er saß noch immer ruhig auf seinen Hinterbeinen in der Ecke und übersetzte ohne jede Regung die Worte. „Keiner von Freunden kann helfen. Wenn doch, sie sterben."
Torden drückte Twilights Kopf mit seinem Huf noch tiefer auf den Boden. Rogue hörte, wie seine Zähne vor Anspannung im Mund knirschten, aber er konnte nichts tun. „Ordet Celestia tæller ikke her. Alt er dyrebar for dig, er din stærke magi og kendskab til Formskiftere. Ud forstå det? Får du mig? Jeg kan bryde din nakke eller sørge for, at du ser det som det sker dine venner dig her og nu. Kan du høre mig? Forstår du mig. Du er ikke noget, dine venner er ikke, jeg skal ikke have det."
„Das Wort von Celestia hat kein Bedeutung hier. Alles was du an Wert hast ist de Magi und de Visdom von de Formskiftere. Du verstehen? Du verstehen? Er dir kann Hals brechen oder besser, kann dir zeigen wie Hals von deinen Freunden gebrechen wird. Du verstehen? Du bist nichts, dein Freunde sind nichts, wenn er es nicht will."
Twilight hustete schwer unter dem Gewicht des Hufes, der auf ihren Hals drückte.
„E-es gibt... gibt einen anderen Weg."
„Hun siger, at der er en anden måde."
Torden spielte sanft mit dem Druck seines Hufes auf dem Hals der Stute. Sein Gesicht zierte ein abwesendes, freudloses Lächeln, während er sie nieder drückte.
„En anden måde? Du er bare en anden frakke på min trone. En Throphäe da de kan næppe være sødere." Er gab ihr einen letzten, brutalen Stoß, der ihr die Luft aus den Lungen trieb, dann erhob er sich. „Den store Budbringer Gudinde Solen Efter min sejr over formskiftere vil du være en anden grund til min dominans over alle stammerne. Dette land vil blive forenet igen under en hov." Er sah hinab auf seine schartigen, kampfeserprobten Hufe. "Og der vil være fred. Da det har villet min far."
„Ein andere Weg? Du bist nur ein Fell mehr auf de Thron von de Høvding. En Thropäe mehr, welche ist süß wie Honig. De Gesandte von de Göttin de Sol wird sein Zeugnis von de Aere un de Herrschaft über all Rodens. Ein Høvding von all Rodens in dem alten Land. Und es sei fred... Frieden, wie es de far... der Vater gewollt."
Twilight atmete schwer und spuckte aus. Sie wischte sich mit ihrem Huf die Tränen aus dem Gesicht. Rogue konnte sehen, wie sie sich zusammen riss, aber die Angst vor diesem brutalen Hengst war ihr ins Gesicht geschrieben. Er wollte nichts mehr, als ihr zu helfen, aber gleichzeitig wusste er, das er hier nicht eingreifen durfte. Dies war ein Kampf, den sie alleine austragen musste.
„Es muss keinen Krieg geben.", sagte sie. Dann fuhr sie in der Sprache der Eingeborenen fort. „Der må ikke være nogen krig. Der er en anden måde."
Torden drehte sich zu ihr um, ragte drohend über ihr auf. „Igen på hovene? Du er sej, vil jeg give dig det. Hvad vil du?"
Rogue sah, das Twilight versuchte sich zu beherrschen, aber die Stute konnte nicht anders, als vor dem Häuptling zurück zu zucken.
Er wünschte sich nichts sehnlicher, als zwischen die beiden zu springen, um diesen furchtbar einseitigen Kampf zu beenden. Torden hatte seine ganze körperliche Gewalt ausgespielt, um die Stute einzuschüchtern. Und er hatte Erfolg damit gehabt. Twilight hatte Angst vor ihm, nicht weniger als der Rest ihrer Freunde. Aber sie hielt durch, kämpfte dagegen an und versuchte sich zu behaupten, ohne den Kriegshäuptling zu verärgern. Dies war kein Hengst mit dem sich vernünftig argumentieren ließ. Sie befanden sich in den Hufen eines Wahnsinnigen, der einzig und allein auf Stärke reagierte. Und er war hier mächtiger als sie alle zusammen. Alles was sie als Trumpf hatten, war Twilights Klugheit und ihre Beredsamkeit. Sie konnten ihr hier nicht helfen.
„Lad mig tale med formskiftere.", keuchte das Einhorn. „Giv mig en chance ... for at afværge denne krig. Hvis du ønsker,,, så jeg bringe mine venner og dine betingelser for deres overgivelse."
„Sie will mit de formskiftere reden.", übersetzte Seilzug. „Sie bitten um Gelegenheit um zu geben Gelegenheit für sie aufzugeben. Und was sie dafür tun sollen."
Torden Hallen betrachtete Twilight lange aus den stechenden Tiefen seines verbliebenen Auges. Schließlich, nach langem Nachdenken nickte er langsam.
„Nå, jeg mister ikke noget af det.", antwortet er schließlich und wandte sich ab. „Nå, jeg mister ikke noget af det."
„De Høvding sagt, das es nichts ausmacht euch zu verlieren. Und wenn ihr reden könnt mit denen wo wir nicht reden können, es ist gut."
Der große Hengst wirbelte plötzlich herum und hielt eine Huf drohend unter Twilights Kehle. „Men der skal ikke herske tvivl: Sig til dem, hvis de ikke sværge til mig og kun for at tjene mig, at ord og gerning under deres liv, så jeg lod den vrede Roden ned på det. Og ingen vil blive skånet. Ikke én. Der vil ikke være Formskiftere at min vilje ikke bøjninger. Nu og til evig tid. Forstår du?"
„Es kein Zweifel gibt: Du ihnen sagst, wenn sie nicht treu bei Wort und Tat, bei ihrem Leben, zu de Høvding Torden Hallen, de Rodens wellen brechen sie in Stücken. Bis da kein formskiftere mehr ist und wird wiederkommen. Keiner! Wenn nicht alle bei Wort und Tat, dann keiner. Alle hören Torden Hallen und kein andere Wort! Für Jetzt und immer! Du hast das verstanden?"
Twilight hielt dem Blick des furcheinflösenden Ponys noch für einen Moment stand. Die Demütigung und der brutale Angriff setzte ihr noch sichtbar zu, aber sie versuchte Tapfer zu sein und Mut zu beweisen. Schließlich aber senkte sie ihren Kopf. Rogue konnte hören, wie sie mit den Zähnen knirschte. „Jeg forstår.", presste sie hervor.
„Godt, godt...", brummte Torden Hallen zufrieden. „Og glem ikke, at vi er gode allierede. Min kaempen vil bringe dig i morgen formiddag for Twinmødet." Dann wandte er sich an Seilzug: „Bring dem ud."
„Der Høvding will euch nicht vergessen, das wir jetzt Verbündet sind. Morgen früh werdet euch ein paar Kaempen zu den Zwillingsgipfeln bringen." übersetzte das alte Pony den letzten Satz, dann zog er bereits wieder die Falltüre auf und bedeutete den Freunden hinunter zu steigen. Langsam glitten sie einer nach dem anderen wieder in die schmale Öffnung. Twilight ging als letzte. Sie warf noch einen langen Blick auf die große Gestalt von Torden Hallen, der sich wieder auf sein Bett gesetzt hatte und ihnen unbewegt nachsah. Dann stupste Seilzug sie an und sie folgte ihren Freunden.
Nachdem die Falltür hinter ihnen zugefallen war, steckte der alte Hengst seine Schnauze zunächst prüfend über den Heuhaufen und sah sich vorsichtig um. Zufrieden winkte er die anderen Ponys heraus. Nachdem Fluttershy als letzte aus der schmalen Öffnung geglitten war, schob er den Haufen Stroh wieder zurecht, so das nichts auf die Geheimtür hinwies. Dann drehte er sich zu ihnen um.
Die Freunde betrachteten ihn schweigend. Der Schock über das Zusammentreffen mit Torden Hallen steckte ihnen allen noch in den Knochen. Die meisten sahen betrübt zu Boden, Fluttershy schniefte leise, als müsse sie ihre Tränen zurückhalten. Twilights Blick war auf die Ferne gerichtet, dort, wo der Zwillingsgipfel über die Palisade des Dorfes zu sehen war.
„Ähm,...es... es, ähm.", Seilzug´s blick huschte ihre Reihe entlang und er schien Schwierigkeiten zu haben, die richtigen Worte zu finden. „Ich... wenn ihr euch wollt waschen, es gibte Eimer an den Brunnen. Und...äh." Er sah tatsächlich verlegen aus. Während des Gespräches mit Torden Hallen und allem, was während dessen passiert war, hatte er keine Miene verzogen.
Rogue fragte sich, ob es sein konnte, das sich der alte Ratgeber ein wenig für seinen Häuptling schämte.
„Äh, ja. Ich euch rufen, wenn de Rådgivning kommt." Dann drehte er sich ohne ein weiteres Wort um und ging zurück auf den Dorfplatz.
„Dieser schleimige, kleine...", begann Rainbow verbittert, aber ein kurzer Laut von Twilight ließ sie verstummen.
„Nicht hier. Wir gehen jetzt zum Brunnen, wir waschen uns und wir verlieren kein Wort über... all das, bis wir wieder bei unserer Hütte sind. Einverstanden?"
Die Freunde sahen sich gegenseitig an, nickten dann aber.
„Gut." Die Violette Stute drehte sich zu ihnen um und rang sich zu einem kleinen Lächeln durch. „Es wird uns allen besser gehen, wenn wir wieder sauber sind."
Zusammen machten sie sich auf den Weg.
Es war nur ein kurzes Stück zu gehen, aber Rogue beeilte sich zu Twilight aufzuholen. Er setzte sich mit ihr auf eine Höhe, während sie nachdenklich durch die staubigen Straßen trotteten. Sie schien ihn erst zu registrieren, als er sich sanft räusperte. „Ist... alles in Ordnung mit dir?", fragte er sie vorsichtig.
Sie warf ihm einen kurzen Seitenblick zu, dann ging ihr Blick wieder in die Ferne. „Nein. Nein um ehrlich zu sein nicht. Aber das ist nicht die Zeit und der richtige Ort um darüber zu sprechen." Sie verzog das Gesicht und schüttelte ihre Mähne aus. „Ich... ich will mich jetzt einfach nur waschen. Sein..." ihre Stimme zitterte leicht. „Seinen Speichel aus meiner Mähne bekommen. Seinen Gestank." Sie schloss kurz die Augen und seufzte dann schwer.
Rogue ging auf, wie schwer es ihr gerade fiel sich zusammen zu reißen. Sie hatte eine starke Miene aufgesetzt, um ihn und ihre Freundinnen nicht zu verunsichern, aber darunter, gefährlich nahe an der Oberfläche, brodelten Angst und Abscheu in einer ekelhaften Mischung. Und sie hatte Angst. Er konnte es an ihr spüren.
Er nickte und ließ sich wieder hinter sie fallen. Wenigstens hatte sie die Wahrheit gesagt, anstatt sich vor ihm in Ausflüchten zu ergehen. Das war ein gutes Zeichen, so weit er das beurteilen konnte. Was hätte er an ihrer Stelle getan? Wahrscheinlich ein dummes Lächeln aufgesetzt und alles abgestritten. Er warf noch einen Blick von hinten auf sie. Wie so oft wünschte er sich, er könne ihr Helfen. Aber er hatte keine Antworten für sie. Und Antworten waren das, was sie jetzt vermutlich am dringendsten brauchte. Und etwas Zeit.
Der Brunnen kam in Sicht, als sie um eine der runden Hütten traten. Mehrere Stuten und ein paar Hengste waren dabei die Eimer zu füllen und in der heißen Mittagssonne sich etwas Linderung zu verschaffen. Ein leicht abschüssiger Teil des Dorfplatzes dahinter war zum Waschplatz erkoren worden, wo der festgestampfte, lehmige Boden das Wasser schnell davontrug und es in einer ausgestochenen Rinne, die zwischen den Hütten und unter der Palisade hindurch ging, aus dem Dorf laufen ließ.
Applejack und Rogue holten ein paar gefüllte Eimer, während Rarity von irgendwo her kleine Bündel aus weichem Stroh besorgte, die hier als Schwämme dienten. Die beiden Einhörner halfen mit ihrer Magie den anderen dabei das Wasser über sich auszugießen. Als sie schließlich alle tropfend nass waren, begannen sie sich gegenseitig den Schmutz der letzten Tage aus dem Fell zu waschen.
Am Anfang standen sie noch alle unter dem schrecklichen Eindruck, die die Zusammenkunft mit Torden Hallen bei ihnen allen hinterlassen hatte. Sie alle hingen ihren eigenen Gedanken nach und ihre Bewegungen waren steif und automatenhaft.
Aber das gemeinsame Waschen war ein sehr geselliger Akt, dem sie sich trotz allem nicht lange verschließen konnten. Pinkie war von ihrer Natur aus die erste die wieder aufblühte und zu ihrem neckischen Selbst zurück fand. Unter ihrer Anleitung begannen sie damit sich gegenseitig systematisch abzuschrubben, ohne das eine Stelle vergessen wurde. Es war hin und wieder ein bisschen peinlich, aber längst nicht so sehr wie es hätte sein können. Sie hatten bereits zu viel miteinander erlebt, um sich falscher Scheu hinzugeben. Sie Stimmung entspannte sich langsam und bald war der kleine Waschplatz nicht nur mit den fremden Stimmen der Stammesponys erfüllt, sondern auch mit dem Lachen und dem leisen Geschwätz der Freunde.
Fluttershy half Rogue dabei, die Verbände um seine Flanke abzuwickeln und strich dann sorgsam das getrocknete Blut aus seinem Fell, das sich besonders hartnäckig hielt. Pinkie half Rarity bei ihrer Mähne, während Applejack sich mit Twilights Hilfe um Rainbows Gefieder kümmerte. Die cyanblaue Stute musste immer wieder kleine Schmerzlaute unterdrücken, wenn Twilight ihr gebrochene Federn aus dem Flügel entfernte.
„Arrgh! Ich brauche noch ein paar zum Fliegen, weißt du?" beschwerte sie sich schließlich lauthals.
„Wir sind gleich fertig. Das hier..." Twilights Horn schimmerte kurz.
„Autsch!"
„...ist die letzte."
Rainbow breitete die Flügel aus und betrachtete sie kritisch. „Bin ich irgendwo kahl?", fragte sie Applejack.
Die Farmerin betrachtete sie skeptisch. „Keine Sorge, Sugarcube. Wennst n´ paar Federn braucht, ich weiß, wo de´ jede menge find´n kannst."
Rainbow sah sich suchen um. „Was? Wo?"
Applejack ging auf sie zu und gab ihr mit dem Huf einen Stups auf den Kopf. „Hier. Jede Menge davon. Voll bis zum Rand."
Die blaue Pegasusstute machte eine saure Miene. „Sehr witzig."
Applejack streckte ihr nur die Zunge raus.
„Nein, jetzt mal im Ernst, sieht jemand ne kahle Stelle?" Rainbow sah streckte ihre Flügel weit von sich, damit ihre Freundinnen sie begutachten konnten.
Die anderen sahen sich gegenseitig an. Dann lachten sie alle zusammen los.
„Tolle Freunde hab ich.", murmelte Rainbow und klappte wieder die Schwingen an.
Es war schließlich Fluttershy, die sich erbarmte. „Uhm, es ist alles in Ordnung mit deinen Flügeln, soweit ich das sehen kann.", sagte sie leise. Rainbow ließ einen leichten Seufzer der Erleichterung von sich und strubelte ihrer Freundin spielerisch mit dem Huf über die Mähne. Dann drehte sie sich um und schüttelte ihre Mähne aus. „Ich hab immer noch Hunger.", sagte sie schließlich.
Twilight hob ihre Stimme. „Ok, das soll genug sein. Es ist schon kurz nach Mittag, wenn ich die Sonne richtig lese und mit etwas Glück wartet das Essen schon auf uns."
Sie schüttelten sich trocken, trugen die Eimer und die Strohbündel zurück und versammelten sich dann wieder unter dem Schatten des Daches, das ihre Lagerstatt war.
Es standen bereits ein paar Krüge mit frischen Wasser, sowie Körbe mit Brot und Früchten für sie bereit. In einem irdenen Topf dampfte ein Gemüseeintopf und duftete verführerisch.
Sie verteilten alles unter ihnen und begannen herzhaft zu essen. Vor allem Rainbow haute rein wie ein Scheunendrescher. Rogue dagegen... Der Eintopf war lecker und das Brot frisch gebacken, aber er verspürte kaum Appetit. Seine Wunde hatte nach dem Waschen wieder angefangen leicht zu pochen. Fluttershy hatte nachgefragt, ob sie ihn neu verbinden sollte, aber er hatte abgelehnt. Er wollte etwas Luft an die Verletzung lassen. Jetzt zwickten die frischen Stich bei jeder Bewegung, als sich die Wundränder beim trocknen zusammenzogen.
Aus Pflichtbewusstsein und in Anbetracht seines geschwächten Zustandes zwang er dennoch eine Portion in sich hinein. Er kämpfte eine wenig damit, aber danach fühlte er sich tatsächlich besser. Als er als erster seinen Napf beiseite stellte, fiel ihm auf, das er nicht das einzige Pony war, das offensichtlich mit seiner Mahlzeit zu kämpfen hatte.
Twilight stocherte lustlos in der Brühe herum und konzentrierte sich in der Hauptsache darauf Rainbow genauer über ihre Erlebnisse im Zwillingsgipfel auszufragen. Nachdem die Pegasusstute gut gegessen hatte, gab sie auch bereitwillig Auskunft und prahlte auch nicht schlecht über ihre Abenteuer.
Die Freundinnen hingen an ihren Lippen, aber Rogue hörte nur mit halbem Ohr zu. Es interessierte ihn zwar, was nun in den dunklen Höhlen unter ihrem Ziel passiert war, aber genau wie beim ersten Mal, in der großen Halle, begannen seine Gedanken abzuschweifen. Immer wieder ging sein Blick zu Twilight, wie von einem unsichtbaren Band gezogen.
Es war klar, das sie sich darüber unterhalten mussten, was in der Kammer von Torden Hallen passiert war. Und es war klar, das sie das Thema jetzt, während das Essens noch nicht anschneiden wollte. Das gemeinsame Waschen hatte sie erfolgreich davon abgelenkt und ihnen etwas Ruhe verschafft, um darüber nachzudenken und Abstand zu gewinnen. Ein kleine Pause, die sie alle brauchten. Aber letztendlich mussten sie darauf zu sprechen kommen.
Er beneidete sie nicht darum. Twilight hatte heute sehr schnell und sehr schmerzhaft erfahren müssen, was es bedeutete der Anführer zu sein, die schweren Entscheidungen zu treffen... und darin zu versagen. Dafür, gerade stehen zu müssen. Sie hatte einen furchtbaren Tag hinter sich und er war noch lange nicht zu ende. Er konnte verstehen, warum sie dieses kleine bisschen Frieden noch ein wenig länger erhalten wollte, auch wenn es drängte eine Entscheidung zu treffen.
Also lauschte er still Rainbows Geschichte, während sein Blick nicht von dem violetten Einhorn wich, das so sehr fürchtete, was kommen würde, wenn ihre Freundin letztlich endete.
Es war letztlich die Stille, die langsam einkehrte, die den Ausschlag gab. Alle Geschichten waren erzählt worden, manche mehr ausgeschmückt als andere.
Twilight fasste sich ein Herz und räusperte sich in diese Stille hinein. Rogue sah, wie viel es sie an Kraft kostete. Wie sie wünschte er sich, das die kurze Zeit der Ruhe nicht vergehen sollte. Aber es konnte nicht ewig andauern. Sie ergab sich in ihr Schicksal und trug es aufrecht, ohne das man ihr ihre Furcht und ihre Unsicherheit anmerkte.
„Wir sind einen weiten Weg gegangen.", begann sie leise, sicher darin, das ihre Freunde ihr Gehör schenken würden. „Ich gebe zu, das ich mit vielem hier nicht gerechnet habe. Was mir aus den Dokumentationen über das alte Land in die Hufe gekommen war, machten mich glauben hier eine weite, leere Wildnis zu finden, in der unserer größter Herausforderung darin bestünde die Prüfungen zu überstehen, von der Rogue´s Gedicht gesprochen hatte. Aber alleine der Weg war ein Abenteuer für sich. Eines, wie wir es trotz unserer zahlreichen Erfahrungen noch nicht erlebt haben. Wir... wir haben zusammen bereits viele Probleme bewältigt, große wie auch kleine, Probleme die nur unseren kleinen Kreis, aber auch ganz Equestria betroffen haben. Aber dies hier ist anders. Es... es wird immer größer, je weiter wir darin vorstoßen. Und es wird komplizierter. Wir kamen hier her, um herauszufinden, was die Dürre in unserem Heimatland verursacht. Aber jetzt finden wir uns in Mitten eines... Krieges wieder, zwischen Ponys, die uns Fremd sind, die uns in ihren Verhalten und Bräuchen unvertraut und oft... furchterregend sind und einer Spezies, die wir nur als Feind kennen lernten, die aber wesentlich vielschichtiger ist, um sie darauf zu reduzieren. Wir wissen um die Gefahr der Changelinge, wir haben sie am eigenen Leib erfahren. Wir haben die hier ansässigen Stammesponys kennen gelernt und ihre... Agenda." Sie schloss für einen kurzen Moment ihre Augen und sammelte sich. „Wir haben erfahren, das es Krieg zwischen den Ponys des alten Landes und den Changelingen geben wird. Aber Torden Hallen hat uns..." Sie zögerte. „Trotz seiner `Ansprüche´ eine Möglichkeit gegeben, zu intervenieren. Er mag uns derzeit nur als eine Trophäe sehen, etwas, das er vorzeigen kann, um seine eigene Stellung zu verbessern, aber er hält uns auch für entbehrlich. Deshalb erlaubt er uns mit den Changelingen Verhandlungen aufzunehmen. Er glaubt, das er nicht verlieren kann. Wenn wir sie überzeugen, sich kampflos der Übermacht zu ergeben, will er sie verschonen. So sagt er zumindest. Wenn nicht... ist er sich seines Sieges dennoch so sicher, das er uns gerne riskiert.
Aus Rainbows Berichten wissen wir, das die Lage der Changelinge verzweifelt ist. Sie sind immer noch durch unseren Sieg in Chanterlot geschwächt und ihr Rückzugsgebiet hier scheint ihnen auch kein Glück gebracht zu haben. Sie sind verwundbar. Und wir wissen alle, was es für die Stämme hier bedeuten könnte, wenn sie wieder erstarken.
Aber Torden Hallen strebt nicht weniger als die totale Unterwerfung seiner Feinde an. Ich denke, er hat das in unserem ´Gespräch´ sehr deutlich gemacht. Selbst wir sind ihm nur so viel wert wie die Nützlichkeit, die wir ihm bringen. Nicht mehr und nicht weniger. Er scheint... keine Skrupel zu haben. Das macht mir Angst." Sie sah nachdenklich auf ihre Hufe, bevor sie weiter sprach. „Ich sagte, das dieses Abenteuer anders ist, als die, die wir bereits so erfolgreich hinter uns gebracht haben. In vielem, was uns in den Weg gestellt wurde, mussten wir uns nur auf unsere Tugenden besinnen, mussten wir uns nur selbst klar werden, was der rechte Weg ist, um die beste aller Möglichkeiten zu wählen. Aber hier..."
Rogue fiel etwas aus dem Augenwinkel auf. Die Straßen des Dorfes, die an ihrer Hütte vorbei führten, waren stark belebt, mit Ponys die die verschiedenen Merkmale ihrer Herkunft trugen. Die ´Schwinge, Huf und Horn´ war sicherlich in der Mehrzahl, aber alles war in Bewegung, einzelne Gruppen umher streifender Ponys oder kleine Ansammlungen die sich sammelten und wieder verstreuten. Aber ein Gesicht blieb. Er gab Twilight mit einem Hufwink zu verstehen zu schweigen. Dann nickte er in die Richtung seiner Entdeckung. Die Köpfe der Gruppe ruckten unisono herum zu dem Pony, auf das er wies.
Seilzug stand abseits der Straße, im Schatten einer Hütte. Als er bemerkte, das er entdeckt worden war, sah er sich aufmerksam nach allen Seiten um und trottete dann betont unbekümmert zu ihnen herüber. Der Kreis der Freunde teilte sich unwillkürlich vor ihm und ließ ihn in ihre Mitte. Bedeutungsschwangeres Schweigen empfing ihn.
Der alte Hengst trug ein ausdrucksloses Gesicht zur Schau, als er vor sie trat. Er sah sich einen Moment unter ihnen um, bevor er sich vor Twilight aufbaute.
„Es wird ein Rådgivning geben von de Høvdingen geben in einer Stunde. Du." Er zeigte auf Twilihgt. „Wirst da erwartet."
Die Einhornstute maß ihn für einen Moment mit finsterem Blick, dann nickte sie. „Jeg vil være der.", stieß sie hervor. „Hvis det er alt ..."
Seilzug klopfte entschlossen mit dem Huf auf den strohbedeckten Boden. „Nein, das nicht alles." zischte er leise. Seine faltigen Augen waren zu Schlitzen verengt. Noch einmal sah er sich um, ob nicht noch weitere Ponys mehr Interesse an ihnen zeigten, als sie sollten. Schließlich seufzte er leise. „Ihr keinen Grund mir zu glauben. Kein Grund mir Vertrauen. Ich bin rådgiver von Torden Hallen und bin bei Aere gebunden an ihn. Aber ich bin auch Sohn von mein Vater. Und mein Blut ist dicker als Wasser, das mein Wort Sprache verleiht." Der alte Hengst sah verdrossen auf seine Hufe nieder. „Ich Kind von zwei Welten. Hört die Sprach von mein Vater und lebt die Wege von Rogen, dem Stamm. Ich bin kein dies, kein anderes. Bin dazwischen und kein von beidem. Bin `begge overtrædelser´, ´beide Zungen´. Bin Klog, aber kein Kaempen. Ich denke mehr als Rogen. Denke viel, denke weit, wie mein Fader." Er sah auf und suchte Blickkontakt mit Twilight. „Torden Hallen ist guter Høvding, macht ´Schwinge, Huf und Horn´ Aere und Macht. Aber er ist Pony von altem Land. Mehr als de Fader hat gewollt. Als mein Fader hat gewollt. Torden Hallen will de Roden unter sein Huf, will das er ist ´Krig Konge´, nicht nur für jetzt, sondern für alle Zeit. Ein Huf, ein Roden. Alle Roden, ein Huf. Sein Huf."
Der greise Hengst blickte zum Himmel empor, „Mein Fader hat gesagt, das Roden musst werden eins. Zu viel kamp, zu viel død von Pony zu Pony. Ein Roden, ein Huf. Aber Torden Hallen..." Er wandte sich wieder der Einhornstute zu. „Er ist ein gute Høvding, von Macht und Aere. Sein Huf mag schafft was mein Fader geträumt. Aber sein Huf ist hart und kennt keinen Frieden, was Ponys so sehr brauchen. Er kennt kamp und død und nicht mehr. Und was de Formskiftere sind an Gefahr und schlecht für de Roden, sie sind nur was ihn macht ´Krig Konge´."
Er trat einen Schritt vor und legte einen Huf auf Twilights Brust. „Ihr nicht mögt mich als allieret oder rådgiver. Aber mein Blut von mein Fader, was stärker ist als mein Wort und meine Aere, sagt das ich warne: Torden Hallen wird herrschen, kommt Krig oder kein Krig. Aber es ist die Frage wie. Als de eine Stimme von de vielen Roden oder als einzige Stimme von de mächtigsten Roden. Euer Huf ist an der Schale von der Waage. Er es nicht begriffen, aber ich bin klog und ihr seid es auch." Er zog langsam seinen Huf zurück und neigte seinen Kopf. „Aber wenn ihr wahr gesprochen und mit de Formskifteren reden könnt, dann es ist an euch."
Twilight starrte ihn mit offenen Mund an. „Aber... aber was...", begann sie. Dann schluckte sie schwer und besann sich ihrer Worte. „Aber wie denkt ihr, das ich entscheiden sollte?", fragte sie unsicher.
Der alte Hengst sah müde auf und mehr als jemals zuvor sah man ihm die Last seiner Jahre an. „Ihr seid de treue Studentin de Göttin Celestia, Herrin über de Sonne. Ich bin und ware nur ein Diener wie es mein Fader war. Torden Hallen mag kein Aere mehr finden für Sol Invictus in seinem Roden. Aber der Lauf der Sonne lässt sich nicht aufhalten. Ihr findet Weg, wo ich es nicht kann. Wo ist nicht Hoffnung, wo Wahrheit, wenn nicht in den Einzelheiten von Harmonie? Wenn nicht ihr, wer dann?" Er sah sich noch einen Moment lang im Kreis der Freunde um, dann verbeugte er sich steif. „Pflichten rufen. Ihr kennt eure, ich die meinen. Celestia leite euch." Dann drehte er sich um und trottete davon.
Twilight stand auf und blickt ihm nach, noch lange, als ihn die Menge verschlungen hatte.
„Was... was meinte er damit?", fragte Rarity schließlich. Die Freunde sahen zunächst sie an, dann Twilight, die noch immer dem Hengst nachsah.
„Genau das, was er gesagt hat.", murmelte sie schließlich, mehr zu sich selbst als zu den anderen.
Die Freunde warteten gespannt darauf, was sie als nächstes sagen würde, aber die Stute blieb still und regungslos. Es war Rogue, der als erstes vortrat und ihr kameradschaftlich einen Huf auf die Schulter legte.
„Du musst diese Entscheidung nicht alleine tragen, Twilight. Vergiss uns nicht. Wir sind bei dir."
Sie dreht ihren Kopf zu ihm und legte ihren Huf auf den seinen. Ein Lächeln erschien auf ihren Lippen. „Ich weiß, ich weiß." Sie sah sich für einen Moment im Kreis ihrer Freunde um, dann schob sie seinen Huf mit einem freundlichen Nicken fort. Er trat zurück.
„Seilzugs Offenbarung wirft ein neues Licht auf unserer Situation.", begann sie. „Es..." Sie räusperte sich nervös, „Wir sollten Torden..." sie unterbrach sich. Sie begann von neuem. „Die Changelinge sind..." wieder verlor sich ihre Rede in Schweigen.
„Verdammt!" Verdrossen klopfte sie mit dem Huf auf den Boden. Sie sammelte sich einen Moment lang und blickte dann wieder auf.
„Ich weiß nicht was ich sagen soll. Ich weiß nicht, was ich euch sagen soll, damit dieses ganze durcheinander einen Sinn ergibt. Ich... ich zermatere mir das Hirn um zu einer Lösung zu kommen, oder zumindest zu einem Plan, dem wir folgen können, aber... aber ich..." Sie sah wieder verschämt auf ihre Hufe. „Ich habe keinen Plan. Ich dachte, für einen Moment zu wissen wo wir stehen, aber als Seilzug gesprochen hat... ich glaube, er hat nicht gelogen. Ich... ich möchte glauben... ich glaube..." Sie stockte.
Überraschenderweise war es Fluttershy, die als erstes das Wort ergriff. „V-Vielleicht wäre es gut, wenn wir noch alle etwas darüber nachdenken würden. Ich meine, egal wie wir entscheiden, wir wollen morgen zu den Zwillingsgipfeln ist es gut, wenn wir noch eine Nacht darüber Schlafen? U-und wir wissen auch noch nicht wie die Changelinge reagieren werden. Vielleicht sind sie nicht mehr so..." sie zögerte einen Augenblick, „... nicht mehr so schlimm . Vielleicht ergeben sich neue Möglichkeiten, wenn wir vernünftig mit ihnen reden. Ich denke, das auch Torden Hallen tief in seinem Herzen Frieden besser findet als... als Krieg,"
Twilight´s nickte langsam mit immer noch sorgenvollem Gesicht. „Vielleicht hast du recht, Fluttershy. Ich will es nicht zu lange vor uns herschieben, aber wir dürfen auch nichts übers Knie brechen. Wir werden Morgen wahrscheinlich schon früh aufbrechen. Lasst mich noch die Meinung der anderen Stämme hören, wenn ich zu diesem Treffen gehe. Vielleicht bringt es etwas mehr Klarheit. Und schließlich... wir dürfen nicht vergessen, das Königin Chrysalis sicherlich nicht der... umgänglichste Charakter ist. Ich... Wir können nur hoffen, das sie sich in ihrem Herzen eben so um ihr Volk sorgt, wie es unsere Prinzessinnen tun." Sie erschauderte unwillkürlich. „Ich mache mir um sie fast ebenso viele Sorgen, wie um Torden Hallen. Wir haben sie als einen Feind kennengelernt, etwas Böses und Rücksichtsloses. Ich kann nur hoffen, das dieser Eindruck täuscht. Die Changelinge mögen uns fremd und seltsam vorkommen und ihre unprovozierte Attacke auf Canterlot hat uns sicherlich gegen sie eingenommen, aber Rainbows Bericht zeigt, das dahinter mehr steckt, als wir uns derzeit eingestanden haben. Sie sind nicht nur Monster. Sie sind zu eigenen Meinungen, Gesinnungen und Gefühlen im Stande und unterscheiden sich darin nicht von uns." Sie blickte sich ernst im Kreis ihrer Freundinnen um.
„Ich denke, das ich euch nicht erklären muss. Wenn alles Stimmt, was Torden Hallen und Seilzug uns gesagt hat, dann sind wir vielleicht die einzigen, die zwischen der Weiterbestehen und dem Sterben eines ganzen Volkes stehen." Sie hielt einen Moment inne. Dann hob sie einen Huf an ihre Stirn, so als würde der Gedanke allein ihr Kopfschmerzen bereiten.
„Könnt ihr euch das vorstellen? Ein ganzes Volk, eine Spezies, ausgelöscht? Unter den Hufen von... Ponys... zertrampelt? Ich... ich kann es nicht. Das unsere Artgenossen zu so etwas im Stande wären... es geht mir einfach nicht in den Kopf. Es will mir nicht in den Schädel. Wie konnte es so weit kommen? Was ist hier so grundsätzlich falsch gelaufen, dass dies auch nur in Erwägung gezogen werden kann? Das niemand dagegen aufbegehrt?" Tränen glitzerten in ihren Augenwinkeln, aber sie wischte sie entschlossen weg. „Das hier ist wichtig, wichtiger vielleicht als alles, was wir bisher erreicht haben. Wir können das nicht zulassen. Wir können das nicht geschehen lassen."
In der Stille, die sich auf Twilights Rede anknüpfte, war das einzige Geräusch die entfernten Stimmen der Stammesponys, die um sie herum redeten, lachten und unbeschwert unterhielten. Es machte die ganze Szene noch unwirklicher, deutete doch nichts auf den Ernst und die Endgültigkeit ihres Vorhabens hin.
Die Freunde sahen sich gegenseitig unsicher an. Twilight hatte auf den Punkt gebracht, um was es hier für sie alle ging. War ihre Verantwortung und die Last auf ihren Schultern nicht bereits vorher schwer gewesen, erschien sie jetzt doch geradezu erdrückend.
Schließlich räusperte sich Applejack. „S´ vielleicht nich´ nur in meim Kopf so, aber kann´s sein, das uns das hier nicht langsam über die Mähne wächst? Ich mein, wir sin´ hier um Equestria zu rett´n un´ nich´ weniger, aber das ham wir auch schon vorher gemacht. Jetzt... das ist ein ganz anderes Paar Hufschuhe. Wir wiss´n nich´ mal was wir tun soll´n, um... um zu rett´n was zu rett´n ist." Sie wandte sich an Twilight. „Is´ das nich´ ne Nummer zu groß für uns? Wir sind die Elemente un´ alles, aber wir sind nur wir sieben hier. Kannste keinen... Kontakt zu den Prinzessinnen aufneh´m? Das hier scheint mir einfach nich´ mehr unsre Preisklasse."
Hoffnungsvolle Blicke wandten sich auf das violette Einhorn in ihrer Mitte. Aber Twilight schüttelte langsam ihren Kopf. „Ich kann hier keine Verbindung mit dem Palast herstellen. Kommunikationsmagie war nie wirklich meine Stärke. Wenn Spike hier wäre, würde das kein Problem darstellen..." Sie seufzte. „Aber er ist nicht hier und damit sind wir wie so oft auf uns alleine gestellt."
Etwas in Rogues Hinterkopf versuchte leise seine Aufmerksamkeit zu erregen, so wie eine ferne Erinnerung, die er schon fast vergessen hatte. Er ignorierte sie. Es gab Wichtigeres zu besprechen.
Rainbow klopft halblaut mit dem Huf auf den Boden. „Ich kapiere langsam, was Krieg so schrecklich macht. Es ist eine Sache, darüber zu lesen. Es scheint aufregend und gefährlich. Aber so etwas..." Sie schüttelte den Kopf. „Darüber schreiben sie nichts. Wenn ich mir vorstelle, das Strawberry getötet werden könnte, einfach nur weil sie kein Pony ist..." Sie ließ den Rest ungesagt.
Twilight bemerkte die langen, bedrückten Gesichter um sich herum. Die Umstände und Hindernisse, die ihnen im Weg standen, schienen kaum zu bewältigen. Noch nie hatten sie sich in einer so verfahrenen Situation wie jetzt befunden.
Sie öffnete noch einmal den Mund, um ihnen einige aufmunternde Worte zu sagen, stellte aber fest, das ihr keine einfielen. Sie sah hilfesuchend zu Pinkie, die ihr zuversichtliches Lächeln schenkte, das aber auch etwas ratlos wirkte. Twilight seufzte tief. Wenn selbst ihrer lebenslustigen pinken Freundin nichts einfiel, war es für sie sicherlich hoffnungslos, es zu versuchen.
„Ich mache mich jetzt auf den Weg. Es ist zwar noch nicht Zeit, aber ich brauche eine Weile, um nachzudenken. Vielleicht fällt mir noch etwas ein. Vielleicht bringt der ´Kriegsrat´ etwas zu Tage, das uns helfen kann. Ich hoffe, es dauert nicht zu lange." Sie nickt noch einmal zum Abschied und trottete dann unter dem Dach hervor zwischen die Hütten davon.
Die Freunde sahen ihr nach, bis sie zwischen den strohgedeckten Häusern verschwunden war. Sie blieben noch eine ganze Weile still, ohne das jemand wusste, was er sagen sollte. Als die Stille zwischen ihnen sich in die Länge zog, erhob Rogue sich schließlich und ging zu seiner Sanitätstasche hinüber, die noch immer gegen einen der Pfähle ihrer Hütte gelehnt war. Er schluckte seine Tabletten – Eine gegen die Schmerzen und das Fieber, eine zur Antibiose – und suchte sich dann etwas Verbandsmaterial zusammen. Er musste mit seinen Vorräten haushalten. Glücklicherweise hatte er die tiefen Taschen randvoll gepackt, bevor sie aufgebrochen waren.
Hinter ihm hatten sich auch die Anderen erhoben. Applejack und Pinkie suchten das schmutzige Geschirr zusammen und trugen es Richtung Brunnen, um es sauber zu machen. Rainbow versuchte es sich an einem der Pfähle gemütlich zu machen und schob das Stroh zu einem Haufen wie ein Kissen zusammen. Aber ihr abwesender Blick und ihr halbherzigen Bemühungen zeigten unmissverständlich, das sie nicht recht bei der Sache war. Selbst als sie sich auf das leidlich bequeme Lager fallen ließ und die Augen zu einem Nickerchen schloss, blieb ihre Stirn in Sorge gefurcht. Rarity setzte ihr Brille auf und zog ein Wollknäuel und zwei Stricknadeln aus ihren Satteltaschen hervor und setzte ihr Arbeit an etwas fort, was wohl einmal ein Schal aus verschiedenen Rottönen werden sollte. Sie ließ öfters unbemerkt eine Masche fallen und trennte dann ungeduldig ihre Arbeit wieder auf, bis sie den Fehler beheben konnte. Fluttershy...
Fluttershy war bereits hinter Rogue getreten und nahm ihm die Verbandsrolle ab. Ohne ein weiteres Wort zu verlieren, desinfizierte sie seine Wunde und begann damit, sie neu zu verbinden.
Das Rettungspony ließ es genauso stumm über sich ergehen, da jedes Wort überflüssig schien. Der gelbe Pegasus war wie gewohnt sehr vorsichtig und sanft zu ihm, aber etwas ungeschickter als sonst. Sie ließ die Rolle mehr als einmal fallen und musste sie umständlich wieder aufwickeln, bevor sie weitermachen konnte. Es war offensichtlich, das sie dabei an etwas anderes dachten, genau wie Rogue, genau wie alle anderen auch, während sie versuchten, sich mit irgendetwas zu beschäftigen.
Er hatte einmal ein Wort gelesen. Ein Wort, das es im Sprachgebrauch Equestrias nicht, oder zumindest nicht mehr, gab: Genozid. Völkermord. Die aktive, gewaltsame Auslöschung eines Volkes oder Spezies durch eine andere.
Das Konzept war ihm damals so fremdartig und abstrakt vorgekommen, das es unmöglich gewesen war, in seinem Kopf Bilder dafür zu finden, eine Vorstellung davon zu kreieren. Es war einfach ein Begriff geblieben, mit einer Bedeutung, die nicht über die Beschreibung in einem Wörterbuch hinaus ging.
Sein Verstand versagte einfach dabei, sich vorzustellen, ein anderes, fühlendes Wesen nur deshalb zu töten, weil es der falschen Rasse angehörte. Das war etwas, gegen die die schauerlichsten Horrorgestalten und wahnsinnigsten Bösewichter, die man sich ausmalen konnte, wie ein Streichelzoo wirkten. So etwas kam in der Welt der kleinen Ponys Celestias und Lunas nicht vor. Selbst in den ältesten Geschichten, in den Schöpfungsmythen des Landes, verbannten die Prinzessinen die unsagbaren Schrecken, die zu dieser Zeit noch in den Schatten hausten, nur und löschten sie nicht aus.
Mit den Flammen der Sonne und den reinen Strahlen des Mondes vertrieben die Prinzessinnen die Finsternis aus der Welt. In ein Gefängnis aus lebenden Stein sperrten sie die furchtbarsten der Übel und stellten ewige Wächter auf, so das sie nie wieder einem Pony Schaden zufügen konnten, zitierte er aus dem Gedächtnis. So hatte er es bereits in der Grundschule gelernt.
Wie sollten sie mit so etwas umgehen? Wie sollten sie etwas verhindern, das sie nicht einmal richtig begreifen konnten?
Er sah sich auf der Straße um, wo die Ponys der verschiedenen Stämme noch immer unbekümmert ihrer Wege gingen. Wussten sie worauf sie sich einließen? War es ihnen einfach egal?
Es wollte nicht ins Bild passen. Niemand, der zu so etwas im Stande war, oder auch nur bewusst dabei zu helfen bereit war, konnte so... normal sein. Diese Ponys hatten ebenso Familien wie jedes andere in Equestria, Sie liebten, lachten und freuten sich nicht weniger als sie. Wo war diese verrückte, abnormale Finsternis, die sie so etwas zulassen konnte?
Rogue konnte sie nicht sehen. Er konnte sie nicht begreifen. Selbst Torden Hallen war zwar beängstigend und verstörend gewaltbereit, aber er war kein Psychopath.
Was übersahen sie hier?
Er wusste es nicht. Frustriert wischte er sich mit einem Huf über das Gesicht. Es war erst früher Nachmittag, aber er fühlte sich bereits müde und ausgelaugt. Er wusste, das es zum Teil an den Medikamenten lag. Auch wenn er nicht direkt etwas davon mitbekam, konnte er sich gut vorstellen, was in seinem Körper gerade vor sich ging: Legionen aus Abwehrkräften, unterstützt von schwerer Artillerie der Antibiotika und mit Luftunterstützung der entzündungshemmenden Schmerzmittel fochten einen mitleidlosen Kampf gegen die mannigfaltigen Viren und Bakterien, die unablässig durch das Loch in seiner schützenden Haut strömten. Das Bild war wie ein Vorgeschmack auf das was kommen konnte, wenn sie versagten. Ihm wurde schlecht dabei.
Fluttershy spürte, wie er sich anspannte und beendete schnell ihr Arbeit an seinem Hinterlauf.
„Hat es weh getan?", fragte sie ihn.
Er sah sie einen kurzen Augenblick an, jäh aus seinen Gedanken gerissen. Dann schüttelte er den Kopf. Wie es ihre Routine geworden war, besah er sich den Verband, den sie ihm angelegt hatte und fand keinen Fehl daran. Er schenkte ihr ein zustimmendes Lächeln, auch wenn der nicht ganz bei der Sache war.
„Du machst dir Sorgen, nicht wahr?", fragte sie ihn leise.
Trotz des ernsten Tons musste er kurz lachen. Er zeigte mit einem Huf in die Runde der Freundinnen, die in sich selbst versunken versuchten sich von den drückenden Problemen, die vor ihnen standen, abzulenken. „Wer macht sich hier keine Sorgen?", fragte er sie gerade heraus. Er ließ den Huf sinken. „Und du sicherlich auch."
Fluttershy trat unsicher von einem Huf auf den anderen. „Ja, das stimmt. Aber ich meine, das du dir noch mehr Sorgen machst, als wir alle." Sie biss sich verlegen auf die Unterlippe. „Ähm. Das ist nicht böse gemeint. Ich... naja, ich kenne dich einfach schon ein wenig." Sie sah mit einem halb hoffnungsvollen, halb ängstlichen Lächeln auf.
Als er diesen Blick sah, musste er ein weiteres Mal darum kämpfen, sich einfach ein Stück vor zu lehnen und sie zu küssen. Es... würde so vieles so viel einfacher machen. Es würde sie überraschen, es würde sie sprachlos machen. Es würde ihn um die Verlegenheit bringen ihr antworten zu müssen. Eine kurze Berührung der Lippen, seine auf den ihren, die so verheißungsvoll waren wie eine Woche Schlaf. In der samtenen Berührung waren vielleicht genug Antworten für sie verborgen. Das sie sich keine Sorgen machen musste. Das er sich bereits alle Sorgen auf der Welt für sie machte. Für sie und alle anderen.
Für einen Moment stellte er sich vor, wie er es tat, wie seine Knie leicht nachgaben, wie er das Stechen seines verletzten Hinterlaufes ignorierte, wie er die Augen schloss und nur ihrem Geruch folgte, wie er die Wärme ihrer Nähe spürte, bis seine Lippen auf die ihren trafen. Wie sie eine Moment erschreckte, zögerte, wie es ihre Art war. Und wie sich dann doch diesem Augenblick ergab und leicht ihren Kopf drehte, damit der Kuss tiefer und intensiver werden konnte, bis...
...er sich in der Realität wiederfand.
Ok, keine Schmerzmittel mehr für Rogue heute, entschied er im Stillen. Das war ein wenig lebensechter gewesen als ein Tagtraum eigentlich sein sollte. Er schüttelte seinen Kopf aus, um die letzten Phantome zu vertreiben, dann brachte er eine tapfere Miene zu stande.
„Lass mich nicht wieder davon anfangen, Fluttershy." Er rieb sich mit dem Huf über seine Stirn. „Ich habe bereits alles gesagt, was zu sagen ist. Und wie immer hat es nichts gebracht. Es ist nur schlimmer geworden. Ich glaube nicht, das ich mich in einem Stück diesen Berg hochschleppen kann und anstatt das wir das Tempo etwas runter schrauben, erhebt schon ein noch größeres Problem sein hässliches Haupt. Was bleibt mir den noch anderes übrig, als hinterher zu humpeln, bis zum bitteren Ende?" Er seufzte schwer.
Er war zu müde, zu verletzt und zu krank, um sich noch sehr zu verstellen.
„Ich geh kaputt, Fluttershy", gestand er erschöpft. „Ich fühle mich wie ein ein kaputtes Aufziehspielzeug. Ich falle auseinander. Aber jedesmal, wenn ich glaube, das es nicht mehr weitergeht, kommt etwas vorbei, das mich wieder aufzieht, das mich weiter treibt. Und ich kann nichts dagegen tun."
Er starrte verdrossen auf seine Hufe. „Und..." Er schluckte schwer. „Und mittlerweile habe ich Angst aufzuhören. Wenn es keine Probleme mehr gibt, keine Krisen, die größer sind, als die meinen, bin ich vielleicht gezwungen anzuhalten und... mich dem zu stellen, was ich... zurückgelassen habe. All die unbezahlten Rechnungen, all die ungedeckten Schecks..." Er schloss die Augen. „Twilight hatte recht. Ich helfe euch noch immer, trotz allem, gerade wegen allem, was ich mit euch erlebt habe. Aber nur weil ich mir nicht selbst helfen kann. Ich kann nicht mehr aufhören." Er sah zu ihr auf. „Bis meine Feder bricht. Und dann bin ich nur noch ein zerbrochenes Spielzeug."
Er schwieg einen Moment, dann seufzte er wieder. „Aber das alles habe ich schon gesagt. Euch, Twilight... Sie sagt, es macht nichts und das ihr mich auffangt, wenn es so weit ist. Aber das heißt nicht, das ich mir keine Sorgen mehr darum mache. Ich verstehe jetzt, das ich... mehr bin, als nur ein Anhängsel, das ich wichtig bin, genau wir ihr alle. Aber..." Er hielt einen Moment inne und versuchte seine Gedanken in die richtige Reihenfolge zu bringen. „Es klingt vielleicht selbstsüchtig. Mit allem was wir an den Hufen haben, dir Rettung unseres Landes und jetzt die Changelinge und all das..."
Fluttershy legte ihm sanft einen Huf auf die Schulter. „Nein. Ich bin mir sicher, wenn es dir so viel Sorgen bereitet, muss es wichtig sein. Du musst dich deshalb nicht schämen."
Er sah zuerst auf ihren Huf, dann in ihr Gesicht. Er las darin nicht mehr als aufrichtige Sorge und Mitgefühl. Dankbar nickte er ihr zu und schenkte ihr ein Lächeln, bei dem ihr Antlitz sichtbar aufblühte. Er war froh, das sie ihm so selbstverständlich den Mut gab, seine Bedenken zu teilen.
„Ich mache ernsthafte Sorgen um mich selbst. Es geht mir nicht gut, Fluttershy. Und damit meine ich nicht nur meinen körperlichen Zustand." Er nickte in Richtung seiner Fest verbundenen Flanke. „Ich... ich habe Probleme. Ernsthafte, tiefgreifende Probleme. Hier drin..." Er zeigte auf seinen Kopf. „...und hier drin." Er deutete auf seine Brust, wo sein Herz lag. „Ich musste in den letzten Tagen Dinge tun... Dinge erleben..." er brach ab, als ihm die Worte ausgingen.
Er fühlte sich wacklig auf den Beinen, als alleine die Erinnerung ausreichte, diese furchtbare, irrationale Angst wieder in ihm aufsteigen zu lassen. Aber Fluttershy war bei ihm, fühlte, wie er mit sich selbst kämpfte und schlang schnell ihre Vorderläufe um seinen Hals, um ihn aufrecht zu halten. Er gab ihrem Griff nach und ließ sich sanft von ihr auf den Boden legen.
Er versuchte seine Atmung zu beruhigen, die plötzlich wieder so schnell geworden war, als hätte er einen Dauerlauf hinter sich. Das seltsam prickelnde Gefühl ins seinen Gliedmaßen war wieder da, aber es verschwand langsam, als er sich zwang, sich zu beruhigen.
Als es vorbei war, wischte er sich den Schweiß von seiner Stirn, der sich unangenehm kalt und klebrig darauf anfühlte. Er schüttelte seine Mähne aus und lachte kläglich. „Siehst du?", fragte er die Pegasusstute. „Ich bin vollkommen fertig. Zuhause würde man mich auf einer Couch festbinden und die Psychiater im Schichtdienst an mir arbeiten lassen." Er atmete tief durch. „Aber hier erwartet man von mir..." er unterbrach sich und schüttelte seinen Kopf. „Nein, das ist nicht richtig. Hier muss ich Länder und Spezies retten und jeden, der mir sonst noch unter kommt." Er legte müde seinen Kopf auf seine Vorderläufe und schloss die Augen. „Ich weiß nicht einmal mehr, ob ich verrückt bin, oder ob es die Welt um mich herum ist, die einfach aufgehört hat Sinn zu machen. Einzeln und für sich gesehen, erscheint alles was wir getan haben logisch, aber wenn man zurück tritt und das große Ganze betrachtet, ist es Wahnsinn. Einfach nur Wahnsinn. Und es hört nicht auf. Es geht weiter und weiter und es gibt kein Ende mehr. Kein Ende, keine Ruhe, keine Erlösung für Rogue..."
Er spürte die Verzweiflung in den Worten, die er selbst sprach und fühlte sie in seinem Herzen widerhallen. Es war seltsam, seinen Mund Töne hören zu sagen, die sein Herz sich nicht einzugestehen wagte. Aber sobald sie seine Lippen verlassen hatten, konnte er sie nicht mehr zurücknehmen. Und gegen seinen Willen, gegen die Mauern und Sperren, die er zu seinem Schutz errichtet hatte, blieb dieser Ton in ihm bestehen.
Er wollte es nicht, aber er war nicht mehr sein eigener Herr. Seine Gefühle streiften den immer loser werdenden Griff seines Verstandes ab. Er war zu schwach, sie noch einmal einzufangen.
Fluttershy, fühlte, wie Rogue unter ihr erzitterte und verstärkte ihren Griff um ihn. Aber das Zittern hörte nicht auf. Sie wusste sich nicht anders zu helfen und schmiegte sich fester an ihn, als könnte sie durch bloße Nähe etwas von dem Leid, das er empfand, auf sich übertragen.
Es war nicht das erste Mal, das sie ihm so nahe war. Sie fühlte sein Fell auf dem ihren, noch immer leicht Feucht von seinem Schweiß und die Wärme die er ausstrahlte. Seine Muskeln waren angespannt und sie konnte sie viel leichter fühlen als zuvor. Er hatte an Gewicht verloren, so das sie sich viel deutlicher unter seinem Fell abzeichneten. Sein Atem war noch immer schnell und ging in unregelmäßigen Stößen, die, wie ihr aufging, nur unterdrücktes Schluchzen sein konnte. Er weinte. Er weinte still unter ihr, voll Verzweiflung und Schmerz, die er nicht mehr zurückhalten konnte. Er weinte um sich selbst.
Sie drückte ihn an sich, mit nicht weniger Verzweiflung, als er für sich selbst empfinden mochte. Er hatte alles gesagt, alles getan, hatte sich so offen gelegt wie ein Buch. Es gab keinen Zweifel daran, was mit ihm los war.
Aber sie mussten dennoch weiter machen. Sie brauchten ihn. Sie waren auf ihn angewiesen. Es hing so viel von ihnen allen ab, von ihnen allen zusammen, so viel, so viel. Sie konnten nicht aufhören. Er hatte recht. Es gab keine Pause, keine Auszeit, auch nicht für ein Pony, das an Leib und Seele so verletzt war wie er. Sie konnte ihm nicht helfen.
Sie konnte ihm nicht helfen. Alles was sie tun konnte, war ihn etwas zu trösten.
Sie breitete ihre Schwingen über ihn aus und hüllte ihn in ihr weiches Federkleid. Sie hatte gelernt, das er das mochte und diese Kenntnis lies ihr einen freudigen Schauer über den Rücken laufen, dessen Ursprungs sie sich nicht ganz sicher war. Dann bettete sie ihren Kopf neben dem Seinen und hörte seinen Atem ruhiger werden.
Irgendwann, als sie sicher war, das vor Erschöpfung eingeschlafen war, faltete sie ihren anderen Flügel, der nicht seinen Körper bedeckte, über ihrer beiden Köpfe, so das sie für einen Moment lang allein unter einem Dach aus kanariengelben Federn waren.
Es war ein kurzer Kuss, schnell und verschüchtert, kaum mehr als ein Schmatz auf die Wange. Aber als sie den Flügel zurück nahm, schlief Rogue bereits ruhiger. Und Fluttershy lächelte, glücklich und ein wenig schuldhaft.
Die Rufe der Freundinnen weckten sie.
„Da kommt Twilight!"
Rogue blinzelte im Licht der untergehenden Sonne und fühlte gerade noch, wie etwas weiches, warmes von seinem Körper gezogen wurde. Er fühlte sich seltsam desorientiert und brauchte einen Moment um wieder in das Hier und Jetzt zurück zu finden. Jemand bewegte sich neben ihm, erhob sich, der gerade noch direkt neben ihm gelegen hatte.
Er erhob sich langsam und unter Schmerzen. Seine Muskeln waren noch immer wund von den vielen Überanspruchungen der letzten Tage und das Nickerchen hatte ihn einrosten lassen. Er überlegte, sich noch schnell eine Schmerztablette einzuwerfen, entschied sich aber dagegen. Er musste auf seine Vorräte aufpassen. Außerdem waren es mehr Unannehmlichkeiten. Seine Wunde stach etwas, verhielt sich aber ansonsten ruhig.
Das rote Rund der Sonne lugte gerade noch über die angespitzten Baumpfähle der Palisade. Er hatte wieder etwas Schlaf erhaschen können und soweit er sich erinnerte sogar ungestört und unbeeinträchtigt von Alpträumen. Er wischte sich die letzten Reste von Müdigkeit aus den Augen und fragte: „Was ist los?"
Alle Freundinnen waren aufgestanden und hatten stehen und liegen gelassen, womit immer sie sich die Zeit vertrieben hatten. Es war Applejack, die ihm schließlich antwortete.
„Schlechte Neuigkeiten" Sie deutete mit dem Huf die Straße entlang.
Twilight trottete langsam den Weg entlang zu dem Unterstand, der ihnen als Heim diente. Ihr Schritt war langsam und ihr Kopf so weit gesenkt, das ihr Ponyschnitt ihre Augen verdeckte.
„Oh, nein...", flüsterte Rogue zu sich selbst. Für einen Moment verspürte er den Drang ihr entgegen zu laufen und sie einfach zu umarmen, so niedergeschlagen wirkte sie. Aber die Angst hielt ihn zurück. Die Angst davor, was sie an Hiobsbotschaften sie mit sich bringen würde.
Die Einhornstute schleppte sich bis in ihre Mitte und ließ sich mit einem entkräfteten Stöhnen auf das Stroh fallen. Dann vergrub sie ihr Gesicht in ihrem Vorderlauf.
Die Freunde sahen sich unsicher an, bis schließlich Rarity zu Twilight trat und ihr sanft mit ihrer Schnauze ans Ohr stubste.
Twilight schreckte hoch, mit einem Ausdruck von Überraschung auf ihrem Gesicht. Als sie ihre Freundin erkannte, lächelte sie, jedoch ohne das die Freude ihre Augen erreichte.
„Kann ich...", begann sie krächzend. Sie räusperte sich und versuchte es noch einmal: „Kann ich bitte etwas Wasser haben?"
Fluttershy nickte und eilte los, ihr einen der Krüge zu besorgen.
Rogue und die anderen zogen den Kreis etwas enger und setzten sich zu der müden Stute in das Stroh. Als Fluttershy zurückkam, nahm Twilight ein paar gierige Schlucke, während die anderen ungeduldig warteten.
Als sie den Krug von ihren Lippen nahm, hielt Rainbow es schließlich nicht mehr aus: „Wie ist es gelaufen, Twilight? Was haben sie gesagt?"
Das violette Einhorn zuckte sichtlich zusammen, auch wenn sie versuchte, die Reaktion zu überspielen. Sie sah sich langsam im Kreis ihrer Freunde um und schüttelte schließlich den Kopf. „Es nützt nichts. Es gibt keine Möglichkeit, es euch schonend beizubringen." Sie sah auf. „Es ist noch schlimmer, als wir gedacht haben."
Für einen Augenblick hielten die Ponys erschreckt die Luft an. Dann brach ein wahrer Sturm von besorgten Fragen über Twilight herein.
„Wartet! Wartet!" Sie hob den Huf. „Ich erzähle es euch ja." Als ihre Freunde wieder verstummten, seufzte sie schwer und richtete sich langsam auf. Nach einem kurzen Moment, des Nachdenkens, begann sie schließlich.
„Als erstes müsst ihr wissen, das hinter alle dem, was wir bisher gesehen haben, sehr viel Politik steckt, von der wir bis jetzt keine Ahnung hatten: Die drei Stämme, die sich jetzt hier im Lager befinden, sind die ´ Blodige Fløj´ - die blutigen Schwingen -, die ´ Vilde Løberen´ - die Wilden Läufer´ - und die ´Skræmme Hvide´, was glaube ich mit ´Weißläufe´ oder ´Schreckenshufe´ zu übersetzen ist, so wie Seilzug es gesagt hat. Der Stamm der Schwinge, Huf und Horn ist zwar der stärkste dieser Stämme, aber bei weitem nicht der Größte. Das Metall, das sie aus dem Randgebirge abbauen und ihre Schmiedearbeiten haben ihnen eine Machtposition ermöglicht, die aber alles andere als Unangefochten ist. Nach dem zu schließen, was ich aus dem Kontext herausgehört habe und dem, was Seilzug mit nebenbei erklärt hat, sind vor allem die Weißläufe, die lange Zeit der dominierende Stamm waren, alles andere als einverstanden mit der neuen Stellung der Schwinge, Huf und Horn. Es gibt immer wieder Kämpfe und Überfälle der Stämme untereinander, wechselnde Bündnisse und stille Vereinbarungen." Twilight rieb sich fahrig mit dem Huf über das Gesicht. „Ihr müsst euch das vorstellen: Diese Ponys handeln untereinander, mit Metall, Waffen, Werkzeugen, Nahrung und allem möglichen, aber fast genauso selbstverständlich bekämpfen sie sich! Wären die Changelinge nicht eine Gefahr für alle, wäre es undenkbar, das so viele von ihnen auf einem Haufen zusammenkommen, ohne das es in einen Krieg ausartet! Sie wissen schon seit Monaten, das sie von außen unterwandert werden, aber es hat ewig gedauert, die einzelnen Stämme auch nur an einen Tisch zu bekommen, ohne das sie sich gegenseitig an die Kehle gehen! Das hier..." Sie zeigte mit dem Huf auf die umherwandernden Ponys der verschiedenen Stämme, die um sie herum durch die Straßen trotteten. „...das war bisher fast undenkbar. Die Stämme streiten schon so lange sie denken können! Erst Seilzugs Vater hat dafür gesorgt, das ein anderes Pony mehr als nur eine leichte Beute in ihren Augen ist. Sie erinnern sich noch gut an ihn... und an seine Idee. Ein Land, ein Stamm. Schwinge, Huf und Horn hat durch seinen Handel mit Metall dafür gesorgt, das es unter den Stämmen sehr viel ruhiger geworden ist. Und jetzt kommt es: Deshalb haben sich fast alle gegen sie verbündet. Torden Hallen und vor ihm sein Vater sind so mächtig geworden, das sie für die anderen zu einer zu großen Gefahr wurden. Sie konnten sie nicht einfach auslöschen – was sie wohl durchaus in Erwägung gezogen haben." Die Stute schüttelte angewidert ihren Kopf. „Sie sind auf das Eisen angewiesen. Bisher warteten sie auf einen Fehler, auf eine Gelegenheit,wenn Torden zu viel beißen würde, als er schlucken konnte. Jeder der anderen Stämme setzte Ihn so sehr unter Druck wie sie konnten, ohne das der Handel zum Erliegen kam. Aber keiner konnte riskieren ihm offen die Stirn zu bieten, aus Furcht, Torden würde die anderen kaufen und sie vernichten. Aber die Changelinge haben alles verändert."
Twilight wendete ihren Kopf und sah zurück zu der großen Halle, die über die Dächer der Häuser aufragte. „Sie können es sich nicht mehr leisten, gegen Torden und den Stamm zu arbeiten. Die Bedrohung ist so groß, das sie nur gemeinsam dagegen bestehen können. Und sie brauchen das Eisen um diesen Krieg zu führen. Sie haben Torden zum Kriegskönig gemacht. Der erste König des alten Landes." Sie erschauderte.
„Die Stute mit den weißen Beinen hat so laut mit den Zähnen geknirscht, das ich für einen Moment gefürchtet habe, sie bricht sich einen Zahn aus. Keiner der anderen war mit der Entscheidung glücklich. Aber sie hatten keine Wahl."
Twilight hob ihren Kopf und schloss ihre Augen. „Es ergibt jetzt einen Sinn. Die Heimlichtuerei von Torden. Sein ´Angebot´. Ich glaube zu verstehen, was dahintersteckt, was sein Plan ist. Und ich glaube zu verstehen, was die Folgen sein werden."
Sie saß auf ihren Hinterbeinen, die Vorderläufe streng vor ihren Körper gesetzt, die Augen immer noch geschlossen. Ihr Gesicht war ausdruckslos, entspannt, fast losgelöst, auch wenn ihre Sorgen sich nicht ganz daraus verbannen ließen. Der Moment der Stille dehnte sich, bis Rogue es schließlich nicht mehr aushielt: „Was, Twilight? Was hat er vor?"
Die Stute öffnete die Augen: „Er und sein Vater haben lange auf diesen Moment hingearbeitet. Ihre Anstrengungen scheinen endlich Früchte zu tragen. Er hat scheinbar sein Ziel erreicht: Er ist Kriegskönig und so nahe an der Macht über alle Stämme wie kein Pony vor ihm. Ein Land, ein Stamm, ein König. Aber er weiß auch, das sein Thron auf wackligen Füßen steht. So lange die Changelinge als Gefahr bestehen bleiben, halten ihm die anderen Stämme gezwungenermaßen die Treue. Er muss gegen sie in den Krieg ziehen, sonst wäre seine Zweck nichtig und sie würden sich von ihm abwenden. Wenn er sie aber vernichtet, trifft das auch zu. Er wurde zwar zu einer Legende unter den Stammesponys werden und es würde sehr schwierig für die anderen Häuptlinge werden, offen gegen ihn vorzugehen, aber die Stämme würden weiterbestehen. Und damit die Kämpfe. Zögert er den Sieg hinaus, löscht er die Changelinge nicht mit einem Schlag aus, könnten sie sich zerstreuen und über das ganze Land verbreiten. Die Paranoia unter den Ponys würde alles zerstören, wofür er und sein Vater so lange gekämpft haben. Aber wenn er es schafft, das die Königin der Changelinge vor ihm niederkniet, sich unterwirft und ihm, ihm alleine die Treue schwört..."
Twilight sah sich mit eiskalter Miene in den Gesichtern ihrer Freundinnen um, in denen langsam furchtbare Erkenntnis dämmerte. „Wer könnte ihn dann noch aufhalten? Mit einer Armee von Formwandlern, die seinem Willen gehorchen? Die seine Schlachten schlagen? Seine Widersacher ausschalten und einfach ersetzten? Wer würde sich noch gegen ihn erheben?"
Sie stampfte mit einem Huf auf den Boden. Es war eine trotzige Geste, voll von ohnmächtigen Zorns. „Keine Kämpfe mehr im alten Land. Keine streitenden Stämme. Keine Ponys mehr, die für lange vergessene Fehden sterben. Nur ein eisernen Huf, der über alle herrscht. Und die Changelinge werden leben."
Sie ließ traurig den Kopf hängen. „Ein Land, Ein Stamm, ein König.", flüsterte sie leise
