Disclaimer: Ich habe keinerlei Rechte an der Geschichte, was den Inhalt von Hasbro´s My Little Pony: Friendship is Magic anbelangt. Abgesehen von meinem OC ist alles deren Eigentum

Kapitel 25 - Die Königin im Dunkeln

Ein Volk. Eine Gemeinschaft. Eine Idee.

Eine Identität, die sich aus vielen Einzelstücken, aus vielen Teilen zusammensetzte, die dennoch alle Teil eines größeren Ganzen waren. Die einzelnen Zellen mochten vergehen, untergehen, aber die Gesamtheit, der Zusammenhalt, blieb bestehen. Der Tod des Einzelnen war bedeutungslos. Brachte er die Sache weiter, verlängerte er mit seinem Ende das Bestehen des Volkes, war sein Zweck ebenso erfüllt, wie er es im Leben mit jeder anderen Tätigkeit gekonnt hätte.

Es war kein Platz für Individualität innerhalb eines Kollektives. Was zählte war das Ganze, nicht der Einzelne. Alles hatte sich dem unterzuordnen.

Diese Idee war kalt, berechnend und gefühllos. Aber sie war effizient. Sie war geboren aus dem Grundbedürfnis jeden Lebewesens zu überleben und unter allen Umständen zu gedeihen. Not nährte sie, mangelnde Ressourcen trieb sie an, Gefahr und Verfolgung ließ sie gedeihen. Je schwieriger es wurde, umso enger rückte die Gemeinschaft zusammen. Um so wichtiger wurde das wir und das ich verlor an Bedeutung.

Tyrannen aller Zeitalter liebten genau dies. Es war nicht notwendig Dissidenten und Abweichler zu verfolgen, wenn das Volk wusste, das nur der Zusammenhalt das eigene Überleben sicherte. Es gab keinen Dissens im Angesicht des drohenden Untergangs. Keine Atheisten im Schützengraben. Und niemals riefen die Stimmen lauter nach Führung als in der Zeit der Not.

Um die Changelinge zu verstehen, musste man sich in ihre Lage versetzen können. In diese Welt geboren mit einem Hunger nach einem der seltensten Nährstoffe der Welt, den raffiniert gestrickten Emotionen intelligenter Wesen, waren sie zur Rolle als Jäger einer äußerst formidablen Beute verdammt. Ihre Nahrungsquelle organisierte sich in engen gesellschaftlichen Netzen, die immer schwerer und schwerer zu kopieren waren. Sie selbst waren Fremdkörper, Parasiten, ausgestoßen und ungewollt. Gehasst und Geächtet. Es sprach Bände über ihre Gefährlichkeit, das sie trotz all dieser Widrigkeiten noch immer existierten.

Sie hatten viel aufgeben müssen, um das zu erreichen. Jeder Changeling war zu seinen eigenen Gedanken fähig, war genauso dazu in der Lage Liebe, Trauer und Hass zu empfinden, wie jedes Pony, Zebra, Greif oder die vielen anderen intelligenten Rassen Equias. Aber um zu überleben, um ihre Rasse fortbestehen zu lassen, verzichteten sie darauf. Sie gingen im Schwarm auf, im Zweck, im Willen des Nestes zu bestehen, weiter zu leben. Getrieben von dem unnachgiebigen Zwang der Notwendigkeit, die ihnen von einer so feindseligen Welt aufgezwungen worden war, schufen die Changelinge sich ein Netz, das sie fester miteinander verband, als alle anderen Rassen der Welt. Und in der Mitte dieses Netzes... einen Knotenpunkt, ein Zentrum, das all die Aufgaben übernahm, für die die einzelnen Teile keine Zeit mehr hatten.

Ein Volk. Eine Gemeinschaft. Eine Königin.

Die Changelinge waren kein Bienenstaat. Sie waren eine Assoziation, Eine Gesellschaft, kein Automat, so sehr es auch von außen erscheinen mochte. Sie hatten eine Königin... aber sie hatten diese Königin hervorgebracht, weil es notwendig war, nicht weil es ihnen genetisch vorgegeben war. Sie hatten gewählt, vor langer, langer Zeit.

Das Gras wuchs. Die Sonne schien. Und die Changelinge hatten ein Königin. Weil sie sie wollten. Weil sie sie brauchten. Je dunkler die Zeiten wurden, desto mehr. Umso mehr Probleme es bereitete, das Nest zu sättigen, desto mehr Aufgaben musste die Königin übernehmen.

Je schwieriger es wird, umso enger rückte die Gemeinschaft zusammen. Aber es gibt einen Punkt, an dem diese Gleichung aufhört zu bestehen. Einen Punkt, in der das Volk zerbricht, das Netz anfängt sich aufzulösen. Langsam, aber sicher, lösen sich die Verbindungen, fädeln auf, zerfasern und verschwinden, bis nichts mehr übrig bleibt, bis auf das Individuum. Das ist der Unterschied zwischen einem Bienenstaat und einer Assoziation.

Noch war dieser Zeitpunkt nicht gekommen. Noch herrschte Königin Chrysalis über ihre Untertanen, noch stand das Netz, das sie mit jeder Drohne verband, stärker und fester sogar als zu jedem anderen Zeitpunkt. Jetzt, da es bis zum Zerreißen gespannt war, war ihre Kontrolle fast absolut. Als die Drohnen das vergossene Blut, ihr Blut, im Wind riechen konnten, erlosch der Funke der Individualität in ihnen bis auf ein letztes, trübes Glimmen.


„Jetzt...", hauchte Pinkie Pie.

Ein paar brennend grüner Augen erwachten in der Finsternis zwischen den giftig flackernden Flammen der Changeling-Hörner. Die Freunde taten unwillkürlich einen Schritt zurück.

„Sssssss..." Ein Zischen erhob sich rings um sie, tief, drohend.

„Sssssss..."

Die brennenden Augen blieben fest auf sie gerichtet, fixierten jeden von ihnen mit grünem Feuer.

„Ssssss...Selemente..." Das Wort war wie ein Windhauch, der über sie hinwegglitt.

Twilight schluckte schwer und trat dann entschlossen einen Schritt vor: „Wir kommen in Frieden. Aber wir werden uns verteidigen, wenn wir müssen!"

Das Augenpaar ruckte nach oben und legte seinen unnachgiebigen Blick auf die Stute.

„Twiiiiilightttt..." Die Stimme dehnte ihren Namen bis zur Unkenntlichkeit und wechselte dabei mehrfach die Tonlage, so das es unmöglich war festzustellen, ob sie männlich oder weiblich war.

Die grünen Flammen der zerstörerischen Magie erloschen eine nach der anderen und tauchten die Lichtung wieder in tiefe Dunkelheit, die nur die Reste des Lagerfeuers spärlich erhellte.

„Sie ziehen sich zurück... ich kann es fühlen...", hauchte Rainbow atemlos.

„Ja, aber se´ sin´ immer noch da drauß´n...", flüsterte Applejack zwischen zusammengebissenen Zähnen hindurch. „Bleibt auf´er Hut!"

„Twiiiiilightttt..."

Die grünen Augen in der Dunkelheit kamen näher.

Die violette Einhornstute fasste ihren Mut zusammen. „Wer bist du?"

Ein Kichern erklang in der Dunkelheit. Aber es kam nicht nur von dort, wo die zwei Augen noch immer unheilvoll in der Dunkelheit glommen, sondern schien von überall um sie herum gleichzeitig zu erklingen.

„Ich?" Noch einmal erklang das Kichern aus jeder Richtung. Es klang rau und freudlos. Und... leer.

„Ich bin nur ein Alptraum, Twilight. Nur ein Alpdruck."

Die grün leuchtenden Augen blinzelten. Und blinzelten noch einmal. Und dann... waren sie verschwunden.

Die Ponys auf der Lichtung hielten den Atem an.

„Nur ein schlechter Traum..." Die Stimme schien jedem von ihnen direkt von hinten ins Ohr zu sprechen. Sie schreckten auf und Fluttershy ließ ein Quieken von sich.

„Nehmt euch zusammen!", rief Twilight aus. „Sie will uns nur erschrecken!"

„Sie?" Jetzt kam die Stimme nur von vorne. Twilight konnte nicht anders, als zurück zu schrecken, als sie sich Auge in Auge einem harten, fremdartigen Changelinggesicht gegen übersah. Es hatte sich herangeschlichen, an das ersterbenden Licht ihres Feuers, bis es ihr direkt gegenüberstand. Nur die zartviolette Blase von Twilights Magie trennte sie noch vor der fremden Gestalt.

Die Einhornstute riss sich zusammen und sah dem Schrecken ins Gesicht. „Chrysalis.", knurrte sie.

Der Changeling lachte laut auf. Das sanfte Rauschen von Insektenflügeln klang wie ein Echo zwischen den dunklen Bäumen um sie herum.

„Ich kann dir nichts vormachen, oh, du treue Studentin ihrer Majestät!" Ihre Stimme tropfte vor Hohn. „Bist du überrascht? Überrascht, das ich überlebt habe? Das es mich immer noch gibt?" Sie klang zuckersüß, aber die Wut, die sich dahinter verbarg, war nur zu offensichtlich.

„Eine böse Überraschung?" zischte Sie. „Eine... Unwägbarkeit?, fragte sie gehässig.

Twilight konzentrierte sich auf das starre Gesicht der ausdruckslosen Drohne vor ihr.

„Wir sind nicht hier, um zu kämpfen, Chrysalis, wir..."

Die Mandibeln der Drohne schnappten nach ihrem Gesicht. Nur der magische Schild bewahrte sie davor, ihre Schnauze einzubüßen.

Königin Chrysalis! Merk dir das!", schnaubte die Drohne wütend.

Ein Rauschen erhob sich im dunklen Wald um sie herum. Es klang wie hunderte unsichtbarer Insektenflügel, die ärgerlich aneinander rieben.

Die Einhornstute nickte ernst. „Königin Chrysalis, wir sind hier, um zwischen euch und den Stämmen dieses Landes zu verhandeln. Wir sind Botschafter, keine Feinde."

„Botschafter?" Ein fremdartiges Flüstern klang von den Bäumen jenseits des Lichtkreisen. „Welche Botschaft könnt ihr mir schon bringen? Was könnt ihr mir sagen, was meine Spione mir nicht ohnehin schon zugetragen haben?"

„Es muss keinen Krieg zwischen den Völkern geben! Wir... wir können das verhindern! Es muss nicht so enden!" Twilight stapfte frustriert mit ihrem Huf auf. „Ich bin es leid, nur mit einer Drohne zur reden. Wo seid ihr? Wo versteckt ihr euch? Traut ihre euch nicht, mir Angesicht zu Angesicht gegenüber zu treten?"

Der Changeling schwieg einen Augenblick, dann leuchteten seine Augen wieder in den grünen Feuern auf, in denen sie vorher nur geglommen hatten.

„Ich... traue... mich... nicht?" Das verdrehte Horn auf der Stirn der Drohne strahlte in einem einzigen, grünen Impuls auf. Twilight zuckte zusammen, als ein sengender Schmerz durch ihren Kopf fuhr. Der magische Schild, den sie um sie um sich und ihre Freundinnen aufgebaut hatte, zerbarst mit einem lauten Klirren. Die Einhornstute sackte mit schmerzverzerrtem Gesicht zusammen, während das Summen um die kleine Schar von Freunden unheilverkündend anschwoll.

Die Drohne senkte ihren Kopf zu der Einhornstute hinunter, die Mandibeln drohend geöffnet. Applejack scharrte mit den Hufen, bereit anzugreifen, während Rainbow sich über ihren Kreis erhob, um Angriffe von Oben abzuwehren.

„Du weißt nicht im geringsten, wovor ich mich fürchte, Twilight."

Die Einhornstute erschauderte, als die den warmen, widerlichen Atem der Kreatur so nahe an ihrem Ohr spürte.

„Verschwinde!", bellte AJ und machte einen drohenden Schritt auf den Wechselbalg zu.

Die Kreatur hob ihren Kopf und zischte bösartig. Ihre Kiefer klappten auf, entblößten geifertriefende Fangzähne. Und dann teilte sich das Maul noch einmal, trennte den Unterkiefer auf für ein Pony unmögliche Weise und öffnete einen gifttriefenden Schlund voller nadelartiger Zähne.

„Wut?" Applejack schreckte zurück, als sie plötzlich in einen organischen Fleischwolf blickte, der sich vor ihr auftat.

Die Drohne zischte aggressiv und wollte schon einen Schritt auf das Erdpony zu treten, als sich plötzlich zwei Hufen von unten ihren Kopf packten und festhielten. In einem Reflex biss es zu, öffnete seinen dreigeteilten Schlund so weit, das Es Twilights Kopf in einem ganzen verschlingen konnte. Doch kurz bevor sich die scharfen Zähne in ihr Fell bohrten, verharrte es plötzlich.

Die Einhornstute hatte die Augen zusammengepresst, in Erwartung des scheinbar unvermeidlichen Schmerzes. Als er ausblieb, wagte sie es, vorsichtig ein Auge zu öffnen. Als sie sah, wie der schreckliche Schlund sich über ihr erhob, schloss sie es schnell wieder.

„Vielleicht weiß ich es doch.", stieß sie aus vor Angst zusammengepressten Kiefern hervor.

Der schreckliche Biss blieb aus. Sie spürte mit Schrecken, wie ein einzelner, klebriger Schleimfaden, der nichts anders als der Sabber der Drohne sein konnte, auf ihre Schnauze tropfte. Sie riss sich zusammen und kämpfte entschlossen das Gefühl des Ekels in sich herunter.

Die Kreatur verharrte scheinbar eine kleine Ewigkeit über ihr. Twilight dachte, sie müsste sich jeden Moment übergeben, als sie fühlte, wie der zähe Tropfen langsam an ihrem Gesicht hinab glitt, beherrschte sich aber. Schließlich erhob sich die Drohne über ihr und schüttelte ihre schwachen Griff ab.

„Wir werden sehen.", sagte sie leise. „Wir werden sehen."

Die Drohne erhob sich vollends und stieß ein wütendes Summen aus. Das Flügelschlagen zwischen den Bäumen steigerte sich zu einem Crescendo.

„Ich habe entschieden. Wenn ihr Botschafter sein wollt... dann sollt ihr als solche behandelt werden. Ich werde euch persönlich gegenübertreten. Aber seid gewarnt..." Die Drohne drehte sich um und verschwand langsam aus dem Feuerschein in die Finsternis.

„...Ich hege keine Zurückhaltung für die Überbringer schlechter Nachrichten."

Das Lachen der Königin schien wieder von allen Seiten zugleich zu kommen, während es langsam in der Dunkelheit verhallte.

„Das... das ist nicht gut...", stellte Rarity fest, während sie an Twilights Seite eilte und ihr auf half.

„Das Feuer! Facht s´ Feuer an!", bellte Applejack und warf die letzten trocken Äste auf die schwelende Glut. Fluttershy flatterte heftig mit den Flügeln und entfachte die Flammen von neuem.

Das Licht des Feuers erhellte die Lichtung in loderndem Schein.

„Heilige Celestia und Luna...", brachte Rainbow hervor.

Die Felsgrate und umgefallenen Baumstämme, die die kleine Lichtung um sie herum geformt hatten, waren dicht an dicht besetzt mit den dunklen Leibern von Changelingen. Als das Licht auf sie traf, kniffen sie ihre vielgegliederten Augen zusammen und ein wütendes Summen erklang aus ihren Reihen, so, als würde ihre Entdeckung sie stören. Sie waren überall. Es schien, als wäre die Erde des schmalen Tales selbst lebendig geworden und hätte sich in eine Masse aus sirrenden Flügeln und blitzenden Chitin verwandelt.

„Sie haben uns...", stieß Rainbow hervor und sank langsam zurück auf die Erde.

„S´ sin´ so viele...", stimmte ihr Applejack ungläubig zu, während sie sich über ihrem Cousin positionierte.

Twilight erhob sich mit der Hilfe von Rarity und blickte furchtvoll auf die Ränge der Changelinge. „Sie werden uns nicht angreifen. Chry... Königin Chrysalis wird es nicht zulassen." Sie sah sich noch einmal im Kreis ihrer neuen Bewacher um. „Aber wir sollten nichts tun, was ihren Argwohn erregen könnte."

„Was haben sie mit uns vor?", fragte Pinkie unsicher.

Twilight schüttelte ihren Kopf. „Ich weiß es nicht genau. Aber die Königin will sich genauer mit uns unterhalten. Ich denke, sie wird uns in ihren Bau führen. Ins..." Sie lächelte bitter. „...ins ´Herz der Finsternis´, um es philosophisch auszudrücken." Sie warf einen Blick auf die reglose Gestalt von Rogue, dann auf Fluttershy. „Er wird nicht gehen können, oder?", fragte sie mit wenig Hoffnung in ihrer Stimme. Die Pegasusstute schüttelte ihren Kopf. „Nein. Nicht in seinem Zustand."

Twilight nickte verstehend und atmete tief durch. „Wir lassen ihn nicht zurück. Unter keinen Umständen. Versteht ihr das?" Sie wandte sich um und blickte ihren Freundinnen ins Gesicht. „Unter keinen Umständen."

Die Freundinnen nickten, stumm und ernst.

Twilights Blick blieb noch einen Moment lang auf Rogues regloser Gestalt haften, dann hob sie entschlossen ihren Kopf. Irgendwie schaffte sie es, das Zittern aus ihrer Stimme fern zu halten, als sie laut über die Lichtung, zu den unruhig wartenden Changelingen rief: „Wir sind bereit. Führt uns zu eurer Königin!"

Das Surren hunderter von Flügen erfüllte die Luft so plötzlich, das sie zusammen zuckte, obwohl sie sich selbst darauf vorbereitet hatte. Glänzende, schwarze Leiber blitzten kurz im ersterbenden Licht des Lagerfeuers, dann verschluckte die Dunkelheit die Schar der Changelinge so schnell, das Twilight sich fragte, ob sie nur eine Illusion gewesen waren. Das Summen verstummte von einem Moment auf den Anderen und breitete die Stille des nächtlichen Waldes wie ein Tuch über ihnen aus.

„W-Was?" Twilight sah sich verwirrt um. „Ich verstehe das nicht. Wo sind sie hin? Wie sollen wir den Weg finden..."

Ein Zweig zerbrach knirschend in der Finsternis vor ihnen. Die Einhornstute atmete erleichtert aus.

„Oh, Celestia sei dank. Sie haben uns doch einen Führer da gelassen." Sie räusperte sich und setzt eine freundlich Mine auf. „Komm... kommen Sie heraus, ins Licht. Wir sind bereit aufzubrechen."

Ein seltsamer Laut im Wind, ein kurzes Rauschen, fast wie ein Räuspern, aber heller, verzerrt, wie ein Laut sich entladender Magie...

„Ich... ich soll euch zum Nest bringen." Die Stimme war leise und unsicher, eine etwas breitere, falsettartige Version von Fluttershy.

Rainbow spitzte die Ohren. „Strawberry?" Sie machte einen Satz nach vorne, bis zum äußersten Rand des Lichtkreises. Hecktisch sah sich die Stute um. „Twilight, mach Licht!"

Die Einhornstute zögerte nur kurz, dann ließ sie ihr Horn in violettem Glanz erstrahlen.

Die Schatten auf der Lichtung wichen zögernd zurück und enthüllten schließlich eine junge Stute, die kaum drei Schritt von Rainbow am Waldesrand stand. Das farbige Licht verwischte die wahre colorierung ihres Fells und ihrer Mähne. Aber das Cutie-Mark an ihrer Flanke sagte Rainbow genug. Die Erdstute sah unsicher und etwas ängstlich zu der Fliegerin auf.

„Hi.", brachte sie hervor.

„Strawberry...", flüsterte Rainbow. Sie konnte wenig mehr tun, als da zu stehen, und den Changeling in seiner Camoflage zu betrachten, während ein widerstreitender Sturm aus Gefühlen in ihrem Innersten tobte.

Die Changelinge waren eine Bedrohung, gefährlich und fremd. Der Horror ihrer letzten Begegnung stand ihnen allen noch gut ins Gedächtnis geschrieben. Aber gleichzeitig stand hier, vor ihr, die eine, die ihr den Weg aus dem Nest - wie hatte Twilight es ausgedrückt: ´Das Herz der Finsternis´- Gewiesen hatte, die für sie gesorgt, sie buchstäblich am Huf und Flügelspitze genommen und geführt hatte, die ihr eigens Leben und Wohlergehen dafür riskiert hatte, nicht nur um ihre Freiheit zu retten, sondern auch ihr Augenlicht.

Rainbow versuchte sich vorzustellen, dass sich unter diesem scheinbar glatten, seidig schimmernden Fell hartes, schwarzes Chitin verbarg. Das dieses Gesicht nur eine Maske war, das eine glänzende, regungslose Fratze verbarg, wie aus einem Alptraum.

Sie konnte es nicht. Sie hatte Strawberry nie gesehen. Aber sie hatte sie sich vorgestellt, als ihre Augen nutzlos geworden waren. Vor ihrem geistigen Auge war ein Bild entstanden, ein Phantom, das sicherlich nichts mit dem zu tun hatte, dass... sie ihnen jetzt präsentierte, aber gleichzeitig war sie sich bewusst, dass das, was sie sich vorgestellt hatte, und das, was sie jetzt sah, bereits vollständig miteinander verschmolzen war.

Strawberry war real, kein Trugbild. Das verstand sie. Sie war vielleicht ein Changeling. Und ihre wahre Form mochte wie aus einem Alptraum für sie geboren sein. Aber sie war kein Monster. Sie war... eine Person.

„Hi." Erwiderte sie langsam. Dann breitete sich ein Lächeln auf ihrem Gesicht aus und sie schlang die Vorderläufe um den Hals der Stute.

Strawberry versuchte zurück zu weichen, versteifte sich unter ihrem Griff, so als würde sie einen Angriff erwarten, aber schließlich hielt sie einfach nur still.

„Ich habe mich nie bei dir bedanken können weißt du?", flüsterte sie ihr ins Ohr. Der Changeling entspannte sich etwas und erwiderte unbeholfen ihre Umarmung.

„Es ist schon gut. Jetzt ist es gut." Sie wollte sich aus der Umarmung lösen, aber Rainbow hielt sie weiter fest.

„Ist alles in Ordnung?", fragte sie leise. „Ist man dir auf die Schliche gekommen? Was hat Chrysalis..."

Strawberry unterbrach sie heftig. „Königin Chrysalis!", berichtigte sie die Pegasusstute hart. Verwirrt ließ Rainbow sie los. Strawberry trat eine Schritt zurück und beruhigte sich fast augenblicklich. „T-Tut mir Leid. Das ist wichtig, Rainbow. Respekt ist wichtig. Sie ist unsere Königin, jetzt sogar noch mehr als vorher. Bitte vergiss das nicht." Sie atmete tief durch. „Nein, ich bin nicht ´davongekommen´. Man hat mich erwischt, kein zwei Kammern weiter. Ich... ich dachte, das wäre es gewesen, aber ich durfte sprechen... durfte vor der Königin mein Handeln erklären. Ich habe ihr alles erzählt. Ich habe damit gerechnet, verbannt zu werden. Ich hatte es sogar ein wenig gehofft..." Sie schüttelte sich unwillkürlich. Als sie weiter sprach, hatte sich ein Unterton von Traurigkeit in ihre Stimme gemischt. „Ihr versteht das vielleicht nicht... nein, ganz sicher nicht. Aber das ist die schlimmste Strafe, die uns erwartet. Allein zu sein. Ausgestoßen. Ohne die Stimmen des Schwarms... nur die eigenen Gedanken im Kopf." Sie machte einen kläglichen Gesichtsausdruck, verloren und einsam. Dann rang sie sich zu einem Lächeln durch. „Aber die Königin zeigte Gnade. Sie verstand, was ich durchmachen musste, um in Canterlot meine Mission zu erfüllen. Und wenn ich auch nicht zum großen Ganzen beitragen konnte, wollte sie nicht vergessen, das ich es versucht hatte. Mit... mit meinem ganzen Herzen... versucht..." Sie schluchzte kurz auf, wischte sich die Schnauze und sah auf. Rainbow sah erschreckt, das ihre Knie zitterten.

„Ich bin eine Falle.", hauchte sie leise, so leise, das es nur die Pegasusstute hören konnte. „Ich kann es mir nur so erklären. Ich habe sie verraten. Ich habe mein Volk verraten. Aber dennoch bin ich hier. Und ich soll euch zu ihr führen." Sie schniefte. „Ich bin ein Falle, entweder für euch alle oder nur für dich. Weil du mir vertraust. Ich weiß nicht, was sie vorhat. Ich weiß es nicht! Bitte glaub mir. Bitte..." Sie sank zu Boden und berührte in einer verzweifelten Geste die Hufe Rainbows mit den ihren.

Der cyanblaue Pegasus beeilte sich, ihr wieder auf die Hufe zu helfen. Rainbow musste sie ein gutes Stück nach oben ziehen, so schlaff war Strawberry in ihren Hufen. Schließlich strich sie die Mähne der vermeintlichen Erdstute zurück und rang sich zu einem Lächeln durch.

„Hey, hey. Ganz ruhig. Es ist nicht so, als das wir jetzt noch eine Wahl haben." Sie drehte sich halb um und zeigte auf ihre Freunde, die die beiden gebannt ansahen. „Wir sind hier. Wir alle sind hier. Es gibt keinen Weg zurück. Deine Königin mag ihre Spielchen spielen, und Torben seine eigenen, aber wir teilen die Karten aus. Ich habe versprochen euch zu helfen. Und ich werde helfen, so gut ich kann. So gut wir können." Rainbow lächelte, ein Lächeln, das so verwegen und draufgängerisch wirkte, wie nur sie es hinbekam. „Und das Haus gewinnt immer."

Strawberry zögerte einen Moment lang. Und dann lächelte sie zurück. Wie konnte sie anders? Die Pegasusstute strahlte ihren eigenen Zauber aus. Einen Zauber, der einen glauben ließ, das, gegen alle Wahrscheinlichkeit, gegen alle Bedenken, sie doch recht behalten würde. Das Lächeln eines Helden...

„Ja...", flüsterte sie und sah noch einen Moment lang in die klaren, strahlenden Augen der Stute. Sie konnten es schaffen. Sie konnten es schaffen!

„Ja!" Strawberry richtete sich auf. Sie schlug die Huf vor den Mund, um ihr Lächeln zu verbergen. „Ich... es tut mir leid. Ich habe mir das hier ganz anders vorgestellt. Ich war mir nicht sicher..." Sie sah unsicher zwischen Rainbow und den anderen Elementen hin und her. „Ich war mir nicht sicher, aber jetzt bin ich es wieder." Sie sah zu Rainbow und ihr Blick strahlte. „Ich vertraue dir. Es wird alles gut werden."

Die cyanblaue Pegasusstute konnte nicht anders, als das Lächeln zu erwidern. Doch kurz darauf warf sie einen Blick auf Twilight, die sorgenvoll ihre Stirn gerunzelt hatte. Strawberry bemerkte nichts davon und dafür war Rainbow dankbar.

Sie wusste nicht, wie sie es ihr beibringen sollte. Sicherlich lag es zu einem nicht unwesentlichen Teil daran, das sie selbst nicht daran glaubte, das ihre Mission darin lag, nur Schadensbegrenzung zu betreiben. Strawberry vertraute ihr. Mehr noch, sie sprach alles in ihr an, an das sie sich selbst glauben machen wollte. An die unmögliche Lösung.

Sie biss die Zähne zusammen, während sie den Changeling zu den anderen führte. Es musste eine andere Lösung geben. Es musste. Es musste!

Sie riss sich aus ihren Gedanken und schob die Erdstute ein Stück nach vorne, so dass das Licht der Flammen sie besser erfassen konnte. Twiligth beendete ihren Zauber und das violette Glühen erstarb. Jetzt, im natürlichen Licht des Feuers war Strawberrys Tarnung besser zu erkennen: eine junge Stute, mit senfgelbem Fell, deren gelockte Mähne in hellroten und etwas dunklerem scharlachroten Strähnen zur Erde fiel. Die zwei Erdbeeren auf ihrer Flanke glänzten seidig und verführerisch, wie frisch gepflückt. Sie war von einer ungezwungenen, natürlichen Schönheit, mit schlanken Gliedern und klaren Augen, die neugierig in die Welt hinaus sahen.

„Wenn ich euch vorstellen darf: Das ist Strawberry." Rainbow lächelte und stupste die Drohne mit einem freundschaftliche Stoß gegen die Flanke an. Strawberry stolperte einen kleinen Schritt nach vorne und sah sich verlegen unter den Freundinnen um, während sie nervös einen Huf über das Vorderbein strich.

„H-hallo, alle zusammen."

Die Elemente sahen sie mit gemischten Gefühlen an. Pinkies und Fluttershys Blick waren warm und freundlich, während Applejack und Twilight sie mit kaum verhohlenem Misstrauen betrachteten. Rarity hatte eine geschäftsmäßiges Lächeln aufgesetzt, das kaum etwas über ihre wahren Gefühle aussagte.

„Hey, du bist der Wechselbalg, der Rainbow aus der Patsche geholfen hat!" Es war natürlich Pinkie, die die sich langsam dehnende Stille unterbrach, indem sie einfach vor trat und den Huf zum Gruß ausstreckte. „Rainbow hat uns alles erzählt! Mannomann! Das muss ja ein Abenteuer gewesen sein! Wie du die Wachen abgelenkt hast! Zisch! Bumm!" Sie ahmte die Geräusche einer wilden Verfolgungsjagd nach und warf die Vorderläufe in die Höhe. „Ganz großes Kino!"

„Pinkie!", zischte Twilight wütend.

„Was?", fragte die Erdstute in betont unschuldigem Tonfall.

Twilight schüttelte nur mit gerunzelter Stirn ihren Kopf und trat einen Schritt auf die Drohne zu.

„Wir sind dir dankbar dafür, dass du unserer Freundin geholfen hast, aus eurem Nest zu entkommen. Auch wenn ich nicht ganz verstehe, warum du es getan hast, war es sicherlich... sehr mutig von dir." Sie sah, das Rainbow dazu ansetzte etwas zu sagen und hob einen Huf, um ihr das Wort abzuschneiden. Sie fixierte die Drohne mit schmal zusammengekniffenen Augen.

„Aber ich will, dass du weißt, dass ich dir nicht vertraue. Dein Volk..."

„Twilight, bitte, es ist nicht so...", schaltete sich Rainbow ein.

„DEIN VOLK...", fuhr Twilight ihr lauter dazwischen. „...ist dafür bekannt, dass es Lügen, Betrug und Täuschung zu seiner eigenen Natur gemacht hat. Ich persönlich finde das verabscheuungswürdig und falsch. Der einzige Grund, warum ich... wir euch helfen ist, das niemand, nicht einmal ihr, es verdient habt, abgeschla... ausgelöscht zu werden. Wir werden helfen, weil unsere Ethik es uns gebietet und es nicht richtig wäre, Tatenlos daneben zu stehen, während etwas so... böses geschieht. Aber du bildest dir besser nichts darauf ein." Sie hob den Kopf und setzte ein strenge, herrische Miene auf. „Wir sind der letzte Ausweg. Wir werden keine Täuschungen mehr dulden."

Strawberry zuckte zurück und machte sich unwillkürlich kleiner. „J-ja. Ja, natürlich.", presste sie verhuscht heraus.

„Twilight...", begann Rainbow ein drittes Mal, wurde aber sofort wieder von einem strengen Blick des Einhorns abgeschnitten.

„Kein Wort mehr, Dash. Wir haben eine Aufgabe zu erfüllen, wir haben einen schwer verletzten Freund und wir begeben uns auf das Wort von Lügnern und Betrügern in die Höhle des Löwen. Ich trage die Verantwortung. Wir können uns keine Fehler mehr leisten." Damit drehte sie sich um und stapfte am Feuer vorbei zu ihrem Gepäck.

Rainbow holte tief Luft, um ihr etwas hinterher zu rufen, verkniff es sich aber im letzten Augenblick. Sie knirschte vor Frustration mit ihren Zähnen und, als das nicht genug war, stampfte sie so fest mit dem Huf auf, dass sie anschließend schmerzhaft das Gesicht verzog.

„Nimm es ihr nicht übel.", sagte Rarity und trat mit freundlichem Gesicht auf ihre Freundin und die Drohne zu. Es war nicht ganz klar, an wen sie die Worte richtete. Vielleicht galt es für sie beide. „Wir waren bisher nicht gerade vom Glück verfolgt und es scheint von Tag zu Tag schlimmer zu werden." Sie streckte einen Huf nach Strawberry aus. „Ich bin Rarity."

Das Gesicht der Drohne leuchtet mit einem freudigem Lächeln auf und sie erwiderte die Geste. „Ich bin Strawberry. Em, also das ist mein Ponyname. Den trage ich am liebsten, also wäre es schön, wenn ihr mich so nennt." Sie wurde leiser, als sie den nächsten Satz aussprach. „Meinen echten Namen könntet ihr ohnehin nicht richtig..." Sie schüttelte ihren Kopf und erneuerte ihr Lächeln. „Einfach Strawberry."

„Strawberry.", sagte die weiße Einhornstute betont. „Gut." Sie drehte sich um. „Twilight, unsere Anführerin, hat vergessen dich uns vorzustellen. Das ist Pinkie..." Sie zeigte mit dem Huf nacheinander auf ihre Freundinnen. „Applejack, Fluttershy und Rogue. Die Anderen kennst du ja bereits."

Die Drohne sah besorgt zu Rogue, der immer noch regungslos neben dem Feuer lag, während Fluttershy besorgt neben ihm saß. „Was ist mit ihm?"

Rarity folgte ihrem Blick. „Er hat sich auf dem Weg verletzt. Es... geht ihm nicht sehr gut. Ich glaube nicht, dass er gehen kann." Sie warf einen fragenden Blick zu Fluttershy, die ihren Kopf schüttelte.

„Ja, das ist auch etwas, das ich fragen wollte.", mischte Rainbow sich ein. „Dieser... dieses Becken, das du mir gezeigt hast... das meine Augen wieder in Ordnung gebracht hat..." Sie druckste etwas herum, so offensichtlich unangenehm war ihr das Thema. „Ich dachte, vielleicht, wenn wir schon noch Mal da hoch zu euch müssen... also, könnte es ihm auch helfen?" Sie rieb sich verlegen den Vorderlauf. „Naja, ich schulde ihm was. Und so kann er ja nicht herumlaufen." Sie schluckte schwer und warf einen nervösen Blick auf die reglose Gestalt des Hengstes. „Im wahrsten Sinne des Wortes."

Fluttershy sah auf und fixierte sie mit einem verletztem Gesichtsausdruck. „´Tschuldigung...", murmelte die cyanblaue Pegasusstute in Richtung ihrer Freundin.

Strawberry trat an das Feuer heran und besah sich das Pony, das tief atmend daneben lag. Sie roch prüfend an den Verbänden und hob dann einen Huf, nur um kurz davor zurück zu schrecken. Sie warf einen unsicheren Blick auf Fluttershy, die jede ihrer Bewegungen mit aufmerksamen Augen beobachtete. „Darf ich?", fragte sie.

Fluttershy maß sie noch einen Moment lang mit ihrem Blick, dann nickte sie. Strawberry strich den Verband zur Seite und besah sich die Wunde, die in Rogues Flanke klaffte. Ihre Lippe verzogen sich zu einem schmalen Strich.

„Ich weiß es nicht genau. Aber es scheint ernst zu sein. Ich denke, wir können ihm helfen, aber es wird etwas dauern. Ich kann es nicht mit Gewissheit sagen, vielleicht ein oder zwei Tage. Vielleicht mehr." Sie breitete den Verband wieder sorgsam über der Wunde aus. „Es tut mir leid, aber mehr kann ich euch nicht sagen. Ich habe keine Erfahrung in diesen Dingen. Der Geburtsteich beschleunigt die Heilung, auch die von Ponys und anderen Rassen. Aber ich kann nicht sagen wie schnell."

Rainbow sah sich unsicher unter ihren Freundinnen um. Ihr längster Blick galt Twilight, die jedoch abseits von ihnen stand und ihre Satteltaschen überprüfte, ohne ihnen Beachtung zu schenken. „Wir haben doch so lange Zeit, oder? Ich meine, wenn dieses ganze Durcheinander aufgeklärt haben."

Fluttershy hob ihren Kopf. „Selbst wenn wir sie nicht haben, werden wir sie uns nehmen." Ihre Stimme klang noch immer ruhig und so sanft wie immer, aber darunter, verborgen unter einen hauchdünnen Schicht aus Seide, klang eine stählerne Entschlossenheit durch, die jeden Zweifel im Keim erstickte.

Rarity nickte zustimmend, jedoch nicht bevor sie einen kurzen Blick auf Twilight geworfen hatte, die sich noch immer abseits von ihnen mit dem Gepäck beschäftigte. Sie sah zu Fluttershy. „Wie transportieren wir ihn?"

Die Pegasusstute biss sich auf die Lippen. „Es ist nicht gut, ihn eine weite Strecke auf dem Rücken zu tragen, auch wenn Pinkie und Applejack sicherlich stark genug dafür währen."

AJ sah bei der Nennung ihres Namens auf. „S´ wär´ nich´ das erste Mal." Sie trat an ihren Cousin heran und ihre Lippen verzogen sich zu einem Strich. „Er is´ dünn geword´n. S´ würde nich´ mehr viel Mühe mach´n ihn zu trag´n."

Fluttershy schüttelte den Kopf. „Es geht nicht nur darum. Es wäre auch für ihn anstrengend, so getragen zu werden. Er braucht jetzt keine zusätzliche Belastung. Vielleicht können wir eine Trage improvisieren. Am besten währe es, wenn ich und Rainbow sie fliegen, auch wenn wir langsamer damit sind..."

„Ich werde ihn levitieren.", sagte Twilight, die nun von hinten zu ihnen trat, das Gepäck bereits auf ihrem Rücken. „Das wird mich mit der Zeit etwas schlauchen, aber es ist die beste Lösung." Sie sah zu Rarity. „Kannst du mich ablösen? Schaffst du ihn?"

Das weiße Einhorn machte einen Moment lang große Augen und sah dann noch einmal zu dem Hengst am Boden. „Ich... ich kann es versuchen. Aber ein ausgewachsenes Pony über eine so lange Zeit... ich bin sehr gut mit den kleine, diffizile Sachen, aber das..." sie hielt einen Moment lang inne, dann straffte sie ihre Gestalt. „Ich werde mein Bestes versuchen."

„Danke." Twilight schenkte ihr ein kurzes Lächeln, dann wandte sie sich an die anderen. „Nehmt eure Gepäcke auf. AJ, du übernimmst die Sachen von Rogue. Wir haben noch einen langen Weg in der Dunkelheit vor uns."

Fluttershy legte ihr den Huf auf die Schulter. „Ich danke dir Twilight, das du das für Rogue machst."

Die violette Stute schüttelte ihren Kopf. „Kein Problem. Ich habe ihn in diese Lage gebracht und jetzt stehe ich dafür gerade. Hol deine Satteltaschen und bleib in seiner Nähe." Sie wollte einen Schritt auf den Hengst zugehen, aber Fluttershy hielt sie noch einmal zaghaft zurück.

„Willst du wirklich, das wir noch einmal aufbrechen? Wir sind alle müde und etwas Schlaf würde uns gut tun."

Twilight seufzte. „Ich weiß. Mir geht es genauso. Aber die Zeit läuft uns davon. Ich weiß nicht, wie weit die Geduld Tordens reicht. Es könnte alles umsonst gewesen sein, wenn er sich entschließt, doch gegen die Changelinge vorzugehen."

Fluttershy nickte langsam und nahm ihren Huf von der Schulter ihrer Freundin.

„Mein Zauber wird uns etwas Licht spenden. Rarity, du leuchtest hinten. Strawberry?" Sie sprach den Namen mit einer kaum unterdrückten Spur der Verachtung aus.

„Ja?", beeilte sich die Drohne zu antworten.

„Kannst du mit deinem... Horn leuchten?"

Strawberry trat unsicher von einem Huf auf den anderen. „Ah... sicher, das kann ich. Ehm, es ist nur, also, dafür muss ich... die Form wechseln."

Twilight sah sie kalt an. „Worauf wartest du dann noch? Hier gibt es niemanden, den du noch damit hinters Licht führen könntest."

Die Drohne sah sie einen Moment lang mit zitternder Unterlippe an, dann fügte sie sich mit gesenktem Kopf. Einen Augenblick lang schien ihr Körper in grüne, unwirkliche Flammen gehüllt zu sein. Dann war der sanfte, schöne Ponykörper verschwunden. Statt dessen glänzte hartes Chitin im Feuerschein, während regenbogenfarbene Reflektionen über die Insektenflügel auf ihrem Rücken huschten. Ihr verdrehtes, gezacktes Horn flammte auf und warf ein kaltes, grünes Licht auf die Freundinnen.

Twilight sah sich kurz im Kreis der Ponys um, so als wolle sie sagen ´Ich habe es euch doch gesagt´ und wirkte dann ihren eigenen Zauber. Rogues Silhouette erglomm in einem violetten Schein und hob langsam vom Boden ab, bis er, immer noch auf der Seite liegend, neben der Bibliothekarin schwebte.

Rarity zog sich ihre Satteltaschen zurecht und trug dann mit ihrem blauen Schein dazu bei, dass die anderen ihren Weg fanden. Nach und nach reihten sich die Freundinnen in den Marsch ein, bis sie langsam die Lichtung verließen. Pinkie trat die Reste des Feuers aus und schloss schnell auf. Dann folgten sie allen dem grünen Schein, der sie zwischen den dunklen Bäumen zurück in den Wald führte. Vor ihnen ragte im Licht der schmalen Mondsichel ihr Ziel auf: Die Zwillingsgipfel.


Rainbow versuchte über der kleinen Kolonne zu fliegen, gab es aber schnell auf. Das schwankende, sich bewegende Licht der Magie der Einhörner und die widerstreitenden Farben machten eine Navigation in dem dichten Wald fast unmöglich. Als sie zweimal fast Kopf voran gegen einen Baum geflogen war, gab sie es auf und gab widerwillig ihren Hufen den Vorzug vor ihren Flügeln. Sie trottete missmutig vor Rarity her, als sie von hinten ein leises Räuspern hörte. Sie achtete nicht darauf, bis die Stute hinter ihr es wiederholte, etwas lauter diesmal.

Sie drehte sich um. „Hä?"

Rarity rollte kurz mit den Augen, dann fuhr sie mit gesenkter Stimme fort: „Wenn das hier vorbei ist, werden wir, also du und ich, ein ernstes Wörtchen mit Twilight zu reden haben. Geh weiter."

Rainbow horchte auf und setzte ihren Weg neben der weißen Einhornstute fort.

„Ich weiß, dass sie gerade viel durchmacht. Aber das gerade eben war... beispiellos. Im schlechten Sinne. Strawberry hat uns niemals Anlass gegeben, an ihr zu zweifeln, aber Twilight schert sie trotzdem mit den anderen über einen Kamm. Das ist nicht richtig. Und es wird Zeit, das wir ihr das sagen."

„Mein Reden!", stieß Rainbow aus. „Ich flieg gleich los und geig´ ihr mal so richtig die Meinung!" Sie spannte schon die Muskeln zu einem Alarmstart, als Rarity sie zurückhielt.

„Nein! Nicht so schnell!" Sie sah forschend nach vorne, ob ihre Unterhaltung bemerkt worden war, aber der violette Schein von Twilights Zauber war weit genug von ihnen entfernt. „Sie findet sich immer noch in ihrer Rolle. Wenn wir sie jetzt zu harsch angehen, könnte es sie zu sehr durcheinander bringen. Und wir alle brauchen sie jetzt." Sie zögerte einen Moment lang. „Vielleicht sogar genau so wie sie jetzt ist."

Die Pegasusstute sah sie verständnislos an. „Was meinst du damit?"

Rarity seufzte kurz. „Ich meine damit, das wir uns in Geduld üben sollten. Das du dich in Geduld üben solltest. Es ist notwendig, dass ihr jemand den Kopf zurecht rückt, ohne Frage. Aber nicht jetzt. Twilight hat ein paar sehr harte Kanten bekommen, die mir gar nicht an ihr gefallen. Aber gerade jetzt sind diese harten Kanten das, was wir und vielleicht auch sie braucht. Verstehst du das?"

Rainbow dachte einen Moment lang über das Gesagte nach, dann nickte sie entschlossen. „Ja, ich glaube das habe ich mit."

Rarity lächelte zufrieden. „Gut."


Der Garten war wunderschön, auch wenn es Nacht war.

Nein, dachte Rogue, gerade weil es Nacht ist, ist er so schön.

Die volle, silberne Scheibe des Mondes tauchte die dunklen, sorgsam geschnittenen Sträucher in fast schon magisches Licht, in dem die wie poliert wirkenden Blätter in blauem Glanz erstrahlten. Das fein getrimmte Gras glitzerte feucht vom nächtlichen Tau, so als hätte jemand funkelnde Diamanten achtlos darüber ausgestreut. Ein kleiner Teich vor ihm spiegelte die Lichter der Gestirne und ließ sie auf seinen Wellen tanzen.

Es war Nacht, aber die Sterne und der Mond waren nicht die einzigen Lichtquellen. Glühwürmchen schwärmten über der Szenerie wie winzige Laternen, erfüllten die Luft mit seltsamen Schimmer und leisem Summen. Zikaden sangen versteckt im Gras und ein leichter Wind lies die Blätter flüstern.

Er lag bequem auf einer Bank auf der Seite, den Kopf erhoben, um sich das Schauspiel der Insekten und das langsame Ballett der Sterne über ihm zu betrachten. Er wusste nicht, wie er hierher gekommen war, oder wie lange er schon hier war. Aber es war ihm auch egal. Der stille Friede, den der Garten ausstrahlte, der langsam in ihn hinein sickerte, so wie das leise Säuseln des Rinnsals, das verborgen zwischen dem niedrigen Schilf den Teich speiste, war genug.

Er atmete tief durch und genoss das Gefühl, das ihn durchströmte. Er wusste, das er hier in Sicherheit war. Nichts schlimmes konnte ihm hier zustoßen. Dieser Ort würde es nicht zulassen.

Jenseits des Teiches war ein großer Baum, dessen breite, fast geduckt wirkende Gestalt sich vor dem Sternenhimmel abzeichnete. Seine Zweige hingen in dünnen Bündeln von den starken Ästen ab, so tief, das sie fast den Boden streiften. Der Stamm war verdreht und knorrig, spaltete sich vielfach auf und wuchs scheinbar willkürlich zu allen Seiten fort. Dicke, schwere Blätter vielen einem Vorhang gleich daran herab. Sie teilten sich, fast so als würden die Blätter zurückweichen, wie ein Vorhang beim Theater.

Ein silbern glänzender Huf trat sanft aus dem Schatten auf das weiche Gras. Ein Horn, schlank und lang, teilte die letzten Zweige. Das Mondlicht schimmerte auf seidigem, dunkelblauen Fell und Federn. Es blitzte wie eine Sternschnuppe, als es sich für einen Moment im Halbmond auf der Brust des Ponys fing.

Prinzessin Luna glitt unter dem Schatten des Baumes hervor, ging ein paar Schritte auf den Teich zu, der sie noch von Rogue trennte und wandte dann ihren Kopf. Für einen Moment betrachtete sie verwundert die seltsame Baum, aus dem sie hervor gekommen war, dann nickte sie, als würde sie verstehen und setzte ihren Weg zu Rogue fort.

Er setzte sich etwas gerader hin, als er sie erkannte, aber sein Platz war zu bequem, als das er dem ersten Impuls nachgab, der ihn aufspringen lassen wollte. Ihr warmes Lächeln, als sie zu ihm sah, bestätigte ihm, das hier keine solchen Formalitäten notwendig waren.

Es überraschte ihn keineswegs, als sie nicht den Umweg um das Ufer des Teiches herum nahm.

Ihr Huf trat auf die silberne Fläche des Teiches und fand festen Halt. Kreise kleiner Wellen, wie von einem Kiesel, den man dort hineingeworfen hatte, breiteten sich von der Spitze aus. Das Spiegelbild der Sterne tanzte auf und ab.

Er beobachtete sie, während sie über das Wasser auf ihn zukam. Sie bewegte sich mit einer Anmut, einer Grazie, die sie fast unwirklich erscheinen ließ. Jedes anheben ihres Hufes war ein Gedicht, jede Neigung ihres Kopfes war reine Poesie. Man konnte Bände um Bände mit dem Anblick ihrer ätherischen Mähne füllen, die ihr eigene Kosmos war, noch schöner als der am Himmel.

Sie trat vom Wasser auf das Gras und die Diamanten funkelten für einen Moment aufgeregt. Sie überragte ihn mit ihrer großen Gestalt, aber nicht drohend. Sie war ein Stück dieser perfekten Nacht, die schönste Blume, die in diesem Garten vor ihm wuchs.

„Hallo, Rogue." Er erkannte die Stimme. Hätte er eine große Schwester gehabt, eine Stute, deren Blut er teilte, die er liebte, nicht weil sie schön war und ihn auch liebte, sondern weil sie ihn bis in die letzte Ecke seiner Seele kannte, genauso wie er sie selbst zu kennen glaubte, weil sie so etwas wie Vater und Mutter war, nur ohne den so tief klaffenden Abstand aus Alter und Weisheit... so hätte sie sich angehört. Das verstand er jetzt.

Er senkte seinen Kopf demütig. „Prinzessin Luna."

Er spürte, das sie es nicht mochte, dass er sie so förmlich begrüßte. Nicht hier. Und – vielleicht- nicht er. Er hob seinen Kopf wieder.

Luna sah sich demonstrativ um. „Es ist eine sehr schöne Nacht."

Er kostete ihn etwas Überwindung, seine Augen von ihrer schönen Gestalt zu nehmen, aber dann folgte er ihrem Blick. „Und es ist ein sehr schöner Garten." Er stupste spielerisch nach einem Glühwürmchen, das sich zu nahe an ihn heran gewagt hatte und beobachtete fasziniert, wie sein Licht erlosch, nur um in sicherer Entfernung wieder aufzuleuchten. „Ich glaube er gehört euch, nicht wahr?" Es war weniger eine Frage, als eine Feststellung.

Luna lächelte fröhlich. „Es ist mein Nachtgarten. Er gleicht in vielem dem, den ich im Schloss der zwei Schwestern hatte." Sie ließ ihren Blick über die dunklen Silhouetten der Bäume und Sträucher gleiten. Ihr Gesicht nahm eine melancholische Note an. „Er existiert natürlich nicht mehr. Er ist, wie so vieles, der Zeit zum Opfer gefallen." Sie verweilte einen Moment lag in der fernen Erinnerung, dann hellte sich ihr Gesicht auf. „Mir gefällt der Baum, den du dort gepflanzt hast." Sie deutete auf das Gewirr von Ästen und Laub, aus dem sie hervorgetreten war. „So einen habe ich noch nie gesehen."

Rogue folgte ihrem Hufzeig. Er runzelte die Stirn. „Er kommt von mir?"

Die Prinzessin nickte vergnügt. „Ja, ganz sicher. Wo hast du ihn gesehen?"

Das Rettungspony erhob sich langsam von seiner Bank und trat bis an den Rand des Teiches vor, um sich sein Werk besser zu besehen. Er verharrte eine Weile und dachte angestrengt nach. Schließlich schüttelte er den Kopf. „Ich weiß es nicht. Wenn ich es wusste, dann habe ich es vergessen."

Luna nickte sanft. „Er ist sehr schön. Er strahlt..." Sie suchte einen Moment lang nach den richtigen Worten, etwas, das er ein wenig komisch fand. „...Alter aus. Sanftes, ungestörtes Wachsen. Ruhe und Fürsorge. Findest du nicht?"

Rogue besah sich den dunklen, ausladenden Baum genauer. Es stimmte. Auf gewisse Weise. Er strahlte tatsächlich all das aus, aber...

„Es fehlt etwas.", stellte er fest.

Das Alicorn sah ihn neugierig an. „Was fehlt daran?"

Rogue strengte seine Augen an und versuchte in sich hinein zu hören. Er spürte, dass es da eine Verbindung zwischen ihm und dem Baum gab, aber sie war schwach, kaum zu fassen. Nach einer guten Minute, in der sich das Schweigen in die Länge zog, gab er auf. „Ich weiß es nicht."

Luna lächelte verzeihend. „Es macht nichts. Darf ich ihn mir ausleihen? Wenn du nichts dagegen hast?"

Er erwiderte ihr Lächeln, aufrichtig und wahrhaftig. „Nein, sicherlich nicht."

Sie hob ihren Kopf und ihr Blick streift abermals die Szenerie um sie herum. „Dieser Garten ist etwas besonderes für mich. Er enthält viele Erinnerungen wie die, die du gerade mit mir geteilt hast. Träume und Phantasien. Ich komme gerne hierher."

Rogue sah hinauf zu den Sternen, die sogar noch heller und wunderbarer strahlten als in der klarsten Nacht in Equestria. „Ich kann sehen warum."

Sie kicherte leise. Es war ein Klang, so weich und schön, wie von hellen Glocken. „Es freut mich, das es dir gefällt."

Sie schwiegen einen Moment, verloren in ihren eigenen Gedanken und dem Frieden, der ihrer beiden Seelen gut tat.

Aber letztlich spürte Rogue wieder das Jucken in seinem Hinterkopf, das er fast vergessen geglaubt hatte. Den Widerhall der Stimme, die ihn, zunächst leise und unterschwellig, jedoch in letzter Zeit immer aufdringlicher und unnachgiebiger, angetrieben hatte. Die ihn nicht in Ruhe ließ, so sehr er es sich auch wünschte. Es war wie ein Missklang in der Symphonie, die sich vor ihm ausbreitete, ein unwillkommene Störung, die er nicht beiseite schieben, nicht ignorieren konnte.

Er gab nach. „Warum bin ich hier, Prinzessin? Warum zeigt ihr mir das?"

Sie sah in an, den Blick voll von Mitleid und bitteren Verstehens. „Es ist nicht genug, oder?", fragte sie leise. „All das Schöne, all die Stille und der Frieden..." Sie schüttelte den Kopf. Das Mondlicht blitze auf ihrem gewundenen Horn.

Der Hengst stutze einen Moment. Sie sah... so traurig aus. Hatte er etwas falsch gemacht? Etwas falsches gesagt?

„Ich... es tut mir leid, ich..."

Sie hob abwehrend ihren Huf. „Nein. Ich verstehe." Sie legte ihren Kopf an, was ihrer Gestalt etwas herrschaftliches, ernstes gab. Als sie sprach, klang ihre Stimme fester, majestätischer. „Rogue Runner, hast du die Nachricht der Schwester-Regentinnen weiter getragen, wie wir es dir geheißen?"

Er nickte entschlossen.

„Und glaubst du, das die vertraute Studentin Twilight Sparkle die Botschaft verstanden hat, so wie wir sie an dich weiter gegeben haben?"

Er... zögerte.

Das Alicorn ragte vor ihm auf, in all seiner schönen, furchterregenden Pracht. Er konnte nicht anders, als ihr die Wahrheit zu sagen. Aber die Wahrheit war ein seltsames, wunderbares Gebilde, voll von Abzweigungen, Abkürzungen, süßen Missverständnissen und vor allem: Interpretation.

„Die Worte der Prinzessin Celestia haben einen tiefen Eindruck hinterlassen und die... Liebe einer Studentin zu ihrer Person und ihren Lehren bekräftigt." Er schluckte schwer. Er hatte nicht gelogen. Aber auch pikante Details ausgelassen.

Luna beobachtete ihn aus zusammengekniffenen Augen scharf. Doch dann, zu seiner Erleichterung, nickte sie.

„Ich akzeptiere diese Antwort." Dann stahl sich ein verschlagenes Lächeln auf ihr Gesicht. „Fürs erste."

Rogue lief es heiß und kalt den Rücken hinunter. Was meinte sie damit?

Die Prinzessin hob ihren Kopf. „Hörst du das?"

Er spitze seinen Ohren. In der Ferne erklang das Rauschen von Blättern, so als würde eine Wind aufkommen, den er jetzt noch nicht spürte.

Luna schloss einen Moment ihre Augen, als die erste Brise durch ihr Fell strich. „Ich bin so lange nicht mehr mit dem Wind gelaufen." Sie sah ihn herausfordernd an. „Meinst du, das du mit mir mithalten kannst, Rogue?"

Sie lachte auf und warf sich herum, galoppierte los, während ihre Hufe im Mondschein blitzten.

Ihm blieb keine andere Wahl. Er sprang auf und lief los. Er schloss schnell zu ihr auf.

„Prinzessin!", rief er verzweifelt. „Das ist nicht alles! Wir... die Situation hat sich geändert! Wir brauchen euren Rat. Und den eurer Schwester! Es gibt so vieles, über das wir sprechen müssen!"

Luna lachte nur und legte einen Zahn zu. Rogue knurrte und beschleunigte ebenfalls. „Wir wissen nicht mehr weiter. Es ist wichtig!"

Die Prinzessin wandte ihm im Laufen den Kopf zu. „Wie war unsere Nachricht an Twilight? Sag es mir! Wiederhole sie, Rettungspony Rogue! Was hat meine Schwester gesagt?"

Er stutzte kurz, ohne aus dem Tritt zu kommen. „Ich vertraue dir."

„Genau! Lauf mit mir, mein kleines Pony! Lauf mit mir, Rogue!"

Sie beschleunigte abermals. Die dunklen Gestalten der Bäume und Büsche waren bloße huschende Schatten, die hinter ihnen verschwanden, kaum das sie sie passierten. Er blieb an ihr dran.

„Ich verstehe nicht.", keuchte er. Rogue rannte so schnell er konnte. Seine Hufe verwischten unter ihm, während er dem endlosen Pfad des Gartens neben ihr herjagdte.

„Sie vertraut ihr! Wir vertrauen ihr!"

„Aber..."

„Kein Aber! Kannst du noch schneller?"

Silber blitzte im Mondlicht von ihren Hufen, als sie noch einmal an Geschwindigkeit gewann. Der Wind holte sie ein und wirbelte schimmernde Blätter um sie herum.

„Lauf, Rogue! Lauf mit dem Wind!"

Und er tat es.

Er wusste nicht wie, aber er schloss zu ihr auf. Seine Hufe arbeiteten wie eine gut geölte Maschine unter ihm, trugen ihn mühelos über das glitzernde Gras. Die wirbelnden Blätter jagdtem ihm jetzt nicht mehr voraus, sie begleiteten ihn, wehten wie sein Schweif im Wind. Er fühlte sein Herz in der Brust aufgeregt schlagen, aber nicht aus Anstrengung, sondern aus Freude. Er tat es! Er lief mit dem Wind!

Sie liefen schier endlos. Der gepflegte Garten verschwand und machte einem Wald platz, durch dessen Blätter das Licht des Mondes in hellen Streifen auf das feucht glänzende Laub fiel. Er lief neben der Prinzessin und als sie im einen Blick zuwarf und ein Lächeln, konnte er nicht anders, als es zu erwidern, offen und aus tiefsten Herzen.

Das hier war schön. Und es war einfach und wunderbar. Es war wie die Verschnaufpause, nach der er sich so lange gesehnt hatte.

Der Wald teilte sich und sie kamen auf einer Lichtung zum Stehen, die sich weit oberhalb eines Tales erstreckte. Das Land lag friedlich in der dunklen Umarmung der Nacht vor ihnen, weit und unberührt. Ein glitzerndes Band schlängelte sich in der Ferne durch den Wald.

Luna stand mit hoch erhobenem Kopf da und sah verträumt in die Ferne.

Rogue setzte sich neben ihr ins Gras und schloss sich ihr an.

Es dauerte einen Weile, bis er wieder sprach. All die drängenden Fragen, die ihm noch auf der Zunge gelegen hatten, schienen ihm nicht mehr wichtig zu sein. Es war überhaupt nicht mehr wichtig zu sprechen. Aber eine letzte Frage musste er dennoch stellen.

„Warum habt ihr mich hierher gebracht, Prinzessin?"

Luna antworte nicht sofort, sondern genoss noch für einen Moment die atemberaubende Aussicht. Als sie es schließlich tat, war ihre Stimme sanft und warm.

„Um dir zu Helfen, Rogue."

Sie lachte kurz auf, als sie sein verdutztes Gesicht sah, dann wurde sie wieder ernst. „Wir können nicht viel tun, um euch zu helfen. Selbst der Rat um den ihr uns bittet... so gut er auch gemeint wäre und so verzweifelt ihr ihn euch auch wünscht, könnte alles zunichte machen. Die Elemente müssen ihren Weg alleine finden. Nur so können sie wachsen und stark werden. Und..." Sie starrte traurig auf den Nachthimmel über ihnen. „...es kann sein, das wir sie sehr bald brauchen werden." Sie schwieg einen Moment lang, dann wandte sie sich ihm wieder zu. „Also: keine marschierenden Armeen, keine Alicorns, die zur Rettung eilen, nicht einmal ein guter Rat. Aber das hier..."

Sie zeigte mit dem Huf auf all die Schönheit, die sie umgab. „...das kann ich tun. Um einem müden Rettungspony ein wenig Ruhe zu verschaffen. Eine kleine Atempause, bevor ihn das Abenteuer wieder verschlingt."

Sie ließ sich sanft neben ihm nieder. „Willst du mit mir meine Sterne beobachten, Rogue?"

Er sah sie für einen Moment lang an, dann nickte er langsam. „Ja. Zeig sie mir alle."

Und das tat sie.


„Twilight, der Morgen graut!" Pinkie wies mit ihrem Huf auf die wenigen Flecken freien Himmels, die zwischen den Baumriesen um sie herum zu sehen waren. Die Sterne im Osten begannen langsam zu verblassen und das dunkle Blau der Nacht färbte sich langsam heller.

„Verdammt.", murmelte die Stute leise und wischte sich den Schweiß aus ihrem Gesicht. Sie hatte rasende Kopfschmerzen von dem Levitationszauber, den sie den Großteil der Nacht aufrecht erhalten hatte. Rarity hatte sich als keine große Hilfe erwiesen, da sie ihr Rogue nur kurze Zeit hatte abnehmen können, bevor ihre Kräfte erlahmten.

Sie waren ein gutes Stück vorangekommen, aber längst nicht so weit, wie das violette Einhorn gehofft hatte. Sie befanden sich gerade am Fuß des Berges und der Aufstieg war zunehmend steiler und anstrengender geworden. Und der Marsch die Nacht hindurch zehrte an ihrer allen Kräften.

„Ich sehe es Pinkie.", murmelte sie.

Der Wald um sie herum war lichter geworden. Die Bäume waren bei weitem nicht mehr so hoch und dick wie tiefer im Tal. Die kolossalen Eichen, Buchen und Eschen waren Fichten und Kiefern gewichen, das fast undurchdringliche Blätterdach über ihnen hatte sich in durchscheinendes Nadelgeäst verwandelt. Die Bäume standen nun weiter auseinander und das dichte Unterholz war fast gänzlich verschwunden. Selbst der grüne Moosbewuchs des Bodens war hier nur noch fleckenhaft und die gefallenen Nadeln bildeten nur eine dünne Schicht über dem hervortretenden Felsen, den man leicht mit einem Huf weg kratzen konnte.

Als sie einen Blick zurück warf, hatte die Stute einen fast freien Blick auf das schier endlose grüne Meer des Waldes, das sich unter ihnen erstreckte, begrenzt nur durch die hoch aufragenden Berge im Westen. Der Blick gab ihr Hoffnung, zeigte er doch, wie weit sie sich bereits aus der Tiefebene vorgearbeitet hatten. Aber als sie sich wieder umdrehte, ragte der Zwilligsgipfel immer noch riesig und fast unerreichbar vor ihr auf.

„Also gut.", rief sie mit lauter Stimme aus. „Wir machen hier für eine Stunde Rast, bis das Licht besser wird. Esst etwas und trinkt viel." Sie setzte Rogue an einem Platz ab, der ihr flach und einigermaßen weich erschien atmete erleichtert auf, als sie ihren Zauber erlöschen lassen konnte. Die stechenden Kopfschmerzen ließen fast sofort nach und verminderten sich zu einem dumpfen Pochen, das leise an ihrem Hinterkopf zu nagen schien.

Rarity fiel praktisch dort zu Boden, wo sie gestanden hatte. Es brauchte die Hilfe von Applejack, um sie unter ihren Satteltaschen hervor zu ziehen. Selbst das orangene Erdpony sah mitgenommen un übernächtigt aus, da es zu ihrem Gepäck auch noch die schweren Ausrüstungstaschen von Rogue hatte schleppen müssen. Pinkie gab sich so energetisch wie immer, aber die dunklen Ringe unter ihren Augen erzählten eine andere Geschichte. Sie beeilte sich ein Feuer zu entfachen, sobald sie ihre eigene Last am Randes des Pfades abgelegt hatte. Fluttershy hielt sich erst gar nicht mit ihrem Gepäck auf, sondern sah als erstes nach Rogue, als er aus dem Zauber von Twilight entlassen wurde. Dann schob sie ihm eine Tasche unter den Kopf und untersuchte wieder seine Wunde. Rainbow landete etwas unsanft neben ihnen, sah sich kurz um, lies sich auf ein Büschel ausgebleichter Farne fallen und begann praktisch in dem Moment zu schnarchen, als ihr Kopf den Boden berührte. Selbst Strawberry ließ sich ermattet auf ihren Bauch nieder. Obwohl ihr Chitingesicht zu wenig Ausdruck fähig war, machte auch sie einen müden und zerschlagenen Eindruck.

Twilight ließ sich einfach auf ihr Hinterteil fallen und atmete für ein paar Momente tief durch, um Kräfte zu sammeln. Schließlich befreite sie sich von ihren Satteltaschen und ging zu Pinkie hinüber, die mit kräftigem Pusten die Flammen in Gang brachte. „Was machst du da?", fragte sie ihre Freundin.

„Tee!", antworte die Stute ihr fröhlich. „Mit viel Zucker. Genau das, was wir jetzt alle brauchen."

Obwohl sie müde war und ihre Kopfschmerzen nicht verschwinden wollten, konnte Twilight nicht anders als zu lächeln. Die pinke Stute hatte wie immer die richtige Idee parat. „Super. Das wird uns auf den Beinen halten." Sie drehte sich um und ging hinüber zu Fluttershy, die sich über Rogue beugte. Applejack kam von einem kurzen Ausflug vom Rande ihres Lagers zurück und balancierte ein paar trockene Äste auf ihrem Rücken. Als die beiden aneinander vorbeigingen, klopfte ihr Twilight leicht auf die Schulter und warf ihr einen zuversichtlichen Blick zu. Sie freute sich, als das Erdpony ihn erwiderte.

Der gelbe Pegasus breitete gerade eine Decke über ihren Patienten aus und stopfte die Seiten fest unter ihn, um ihn warm zu halten. Es war kühler als den anderen Morgen, die sie auf dieser Seite der Berge erlebt hatten. Vielleicht waren sie doch schon höher, als Twilight geglaubt hatte.

„Wie geht es ihm?", fragte sie leise.

Fluttershy sah lächelnd auf, warm und fröhlich. „Frag ihn das doch selbst." Sie sah nach unten. „Er ist aufgewacht."

Twilight folgte ihrem Blick und sah tatsächlich, das der Hengst sie aus großen Augen betrachtete. Bei diesem Anblick fiel ihr ein großer Stein vom Herzen, der sie die lange und schwere Nacht hindurch bedrückt hatte. Sie könnte nicht anders als zu lächeln.

„Hallo. Und guten Morgen."

Rogue hustete angestrengt in seinen Huf. Als er antworte, klang seine Stimme belegt. Und noch immer schwach. „Guten Morgen. Was habe ich verpasst?"

Die violette Stute zögerte kurz, dann schüttelte sie langsam ihren Kopf. „Mach dir keine Gedanken darum. Wir sind auf dem Weg." Sie schwieg einen Moment lang, während sie sein Gesicht betrachtete. Seine Schnauze war noch immer fahl, auch wenn sie mehr Farbe hatte, als am gestrigen Abend. Sein Fell war stumpf, genau wie seinen Mähne, auch wenn die kurzen Strähnen in nicht viel Unordnung geraten konnten. Er machte eine abgehärmten Ausdruck. Es bereitete ihr fast körperliche Schmerzen, als sie die nächste Frage in sich hoch steigen fühlte, aber sie konnte nicht anders. „Kannst du gehen?"

Er lächelte tapfer. „Ich kann es versuchen."

Er wollte gerade die Decke zurückschlagen, als ein Huf auf seinem Vorderlauf landete und ihn zurückhielt.

„Nein.", sagte Fluttershy entschlossen. Das Wort strahlte eine finstere Entschlossenheit aus, die keinen Platz für Verhandlungen ließ.

Rogue erstarrte und sah zuerst auf Fluttershys Huf, dann in ihr Gesicht. Ihre Augen waren vom Vorhang ihrer rosanen Mähne vor ihm verdeckt, da sie Twilight unverwandt und streng ansah.

„Wie kannst du es wagen?", fragte die Pegasusstute leise. Gefährlich leise. „Genau das ist es, was ihn fast umgebracht hat."

Twilight wich nervös einen Schritt zurück. „I-ich wollte nicht... ich habe nur gefragt..."

„Hör auf!", schrie sie. Sie schrie so laut, das die Vögel, die sich im Geäst aufgehalten hatten, erschreckt aufflogen. So laut, das sofort jedes Pony im Lager erstarrte und zu ihnen sah. So laut, dass das Echo vom Zwillingsgipfel zurückgeworfen wurde. So laut, das Twilight, in dem Versuch von ihr weg zukommen, auf den Rücken fiel und dort liegen blieb.

Ehe sie sich von dem Schreck erholen konnte, wieder versuchen konnte, auf die Beine zu kommen, war Fluttershy über ihr und fixierte sie mit ihren durchdringenden, strahlend blauen Augen.

„Hör auf." Diesmal flüsterte sie es nur. Mehr war auch nicht notwendig. War das erste Mal, das sie ihren Blick bei ihrer Freundin eingesetzt hatte, so etwas wie Hypnose gewesen, war es diesmal ein Sturmangriff.

„Du hast nicht nur gefragt. Du weißt genauso gut wie ich, das er dumm und selbstlos genug ist, sich noch einmal auf diesen Wahnsinn einzulassen. Das er sich noch einmal bis zur absoluten Erschöpfung treiben wird, um dir... um uns zu genügen. Verstehst du überhaupt, was du ihm angetan hast?"

Twilight sah sie nur verständnislos an. Und dann zuckte sie erschreckt zurück, stieß sich hart den Kopf an der Erde, als ihr Fluttershy wütend ins Gesicht brüllte: „Verstehst du es?"

„N-Nein!", entgegnete ihr das Einhorn schnell. Fluttershy zeigte auf Rogue, ohne sie aus den Augen zu lassen.

„Er war auf dem Weg zu Besserung. Wir hatten die Infektion im Griff und er begann bereits zu heilen. Aber mit deinen dämlichen Erwartungen hast du ihn so weit getrieben, das er all das zunichte gemacht hat. Er hat immer noch Fieber und die Wunde ist entzündet. Er müsste so schnell wie möglich in ein Krankenhaus, aber das kommt hier nicht in Frage." Sie schwieg einen Moment lang und ihre eiserne Miene wurde etwas weicher, verstehender. „Vielleicht stirbt er nicht Twilight. Vielleicht können ihn die Changelinge davor bewahren. Aber wenn die Infektion fortschreitet... wenn sie auf den Knochen übergreift... dann wird er lahm bleiben. Verstehst du das? Verstehst du was das bedeutet? Für ihn? Begreifst du..."

„Es ist genug, Fluttershy."

Die Pegasusstute zuckte erschreckt hoch, als Rogue ihr von hinten einen Huf auf die Schulter legte. Sie schreckte herum und sah mit fassungslosem Blick, wie er hinter ihr stand und ihr mit einem sanften Lächeln ins Gesicht sah.

„Es ist genug.", wiederholte er leise.

„Ich... du... das Bein...", stotterte sie leise, immer noch nicht fähig zu begreifen, das er die zwei Schritt von seinem Lager zu ihr selbst überwunden hatte.

Aber nicht gut. Seine Knie zitterten stark und er stand nur auf drei seiner Beine. Das verletzte hatte er angewinkelt, damit es nicht auf den Boden trat. Der Schmerz war ihm ins Gesicht geschrieben.

Er sah zu Twilight, die immer noch am Boden lag und ebenso überrascht zu ihm aufblickte, wie Fluttershy. „Ich... ich glaube nicht, das ich gehen kann. Ich kann das Bein kaum bewegen. Und ich fühle mich auch nicht so gut. Es... es ist wohl besser wenn ich mich wieder hinlege." Er atmete bereits heftig und die Blässe in seiner Schnauze breitete sich aus.

„Hilf mir, Fluttershy." Er drehte sich um und die Pegasusstute beeilte sich, ihn mit ausgestrecktem Flügel zu stützen, während er zur Decke zurück humpelte.

Twilight rollte sich zurück auf den Bauch und stand dann langsam auf. Sie sah sich zu ihren anderen Freundinnen um, die schnell zu ihren Tätigkeiten zurückkehrten, als sie ihren Blick bemerkten, so als wäre nichts geschehen. Einzig Rarity, die von dem Geschrei geweckt worden war, stand neben dem langsam auflackernden Feuer und betrachtete sie weiterhin stumm. Als Twilights Blick auf sie fiel, lächelte sie aufmunternd und einladend. Sie mussten reden, sagte dieses Lächeln. Bald.

Twilight nickte ihr zu und gab ihr zu verstehen, das sie recht hatte. Aber nicht jetzt.

Sie drehte sich zu Fluttershy und Rogue um. Unsicher. Zögernd.

Rogue sah es und seufzte leicht. Er fühlte sich fiebrig und schwach, wie ein ausgewrungenes Tuch, das man zum Trocknen aufgehängt hatte. Seine Beine mochten ihn nicht mehr richtig tragen und das war ein Gefühl, das ihm mehr Angst machte, als er bereit war, sich selbst einzugestehen. Aber das bedeutete nicht, das nutzlos war. Das durfte es nicht. Er konnte immer noch etwas tun. Das Fieber brummte in seinem Kopf, machte seine Gedanken leicht und seltsam abstrakt. Aber dennoch formte sich eine Art Plan in seinem Verstand.

Er hob einen Huf und berührte Fluttershy an ihrem Vorderlauf. Die Stute unterbrach sofort ihre Suche in ihrer Tasche und sah ihn an. Er schenke ihr ein leichtes Lächeln. „Ich bin durstig. Kannst du mir etwas zu trinken bringen..." Irgendetwas in ihm stupste den Gedanken weiter, gab ihm einen kleinen Anstoß über die Kante, die das Fieber für ihn geglättet hatte. „...meine Liebe?", fuhr er fort, bevor er die Worte zurückhalten konnte.

Fluttershys Gesicht hellte sich auf, wie der Himmel an diesem jungen Morgen. „N-Natürlich! Ich wette der Tee ist gleich soweit! Ich bringe dir etwas warmes zu trinken. Das wird dir gut tun!" Sie sprang auf und eilte ans Feuer.

„Danke.", krächzte Rogue ihr noch hinterher. Dann winkte er Twilight näher zu kommen.

Die Stute zögerte etwas, bis sie an sein improvisiertes Krankenbett trat. Mehrmals warf sie ängstliche Blicke in Richtung Fluttershy, die ungeduldig von einem Huf auf den anderen trat, während Pinkie den Tee aufsetzte.

Schließlich ragte sie über ihm auf und spendete ihm etwas Schatten vor der zwischen den Stämmen hervor blitzenden Sonne. Es war mittlerweile hell geworden.

„Wie geht es dir?", fragte sie flüstern, fast so als könne ihre Stimme einen schlechten Einfluss auf seinen Zustand haben.

Er räusperte sich, um den Schleim von seiner belegten Kehle zu bekommen, fand sich dann aber in einem kleinen Hustenanfall wieder, der seinen rauen Hals schmerzen ließ. Fluttershy drehte sich ängstlich zu ihm um, aber er hatte sich so weit unter Kontrolle, um ihr mit einem Huf zu bedeuten, das sie sich nicht einmischen sollte. Sie zögerte einen Moment, dann nickte sie langsam.

Er beruhigte sich langsam und spuckte einen Klumpen grünen Schleims auf den Boden neben ihm. „Nicht gut." Sein Stimme klang immer noch heißer. „Das ist bis jetzt nur eine Erkältung. Eine Zweitinfektion, weil mein Körper zu sehr damit beschäftigt ist, all die Keime in meinem Bein zu bekämpfen." Er verzog kurz das Gesicht, als er unwillkürlich das verletzte Glied anzog. „Es hat ein wenig zu eitern begonnen. Kein gutes Zeichen. Ich habe noch eine weiter Ladung Antibiotika in meinem Vorrat, aber die ist schwächer. Sie kann mich vielleicht vor einer Lungenentzündung bewahren, aber mein Bein wird dadurch nicht besser werden."

Sie schwiegen einen Moment lang. Schließlich fuhr er fort. „Sie hat recht, weißt du?" Er schloss seine Augen. „Es... kann sein, dass, wenn die Infektion zu weit fortschreitet, mein Bein..."

Er biss seine Zähne zusammen. Was er jetzt im Begriff war auszusprechen, war so schrecklich, so furchtbar, das sein Verstand vor der bloßen Vorstellung zurückschreckte.

„...vielleicht nie mehr richtig heilen wird..." Kein Wagen, den er mit heulender Sirene den Ponys in Not entgegen zog. Keine Läufe mehr unter den Apfelbäumen von Sweet Apple Acres.

„...das ich es den Rest meines Lebens es nicht mehr benutzen kann..." Nur ein lahmes Rettungspony. Nur eine Existenz ohne Sinn, in dem ihm nichts blieb, außer der Erinnerung. Der Erinnerung wie es gewesen war, den Wind in seiner Mähne zu spüren, während man mit ihm um die Wette lief...

...lebendig begraben...

Der Plan zerfaserte, löste sich auf.

Er konnte nicht anders. Er packte sie mit aller Kraft, die er noch aufbieten konnte und zerrte sie zu sich hinunter, so das sie sich von Schnauze zu Schnauze gegenüber sahen. Twilight zuckte erschreckt zurück, aber er hielt sie mit eisernem Griff.

„Ich habe Angst." Es kam ihm jetzt so leicht über die Lippen, direkt aus dem tiefsten Innersten seiner Seele. „Ich habe Angst davor. Lass es nicht zu Twilight. Lass es nicht zu! Ich will nicht sterben. Aber ich will auch nicht so leben. Versprich es mir!"

Die Stute kämpfte, versuchte sich aus seinem schwachen Griff zu befreien. Sie versuchte zu fliehen, vor seinen Worten, vor dem, was sie bedeuteten.

„Nein!" Sie löste sich von ihm.

Er setzte ihr nach, so gut er konnte. Sein Bein schrie empört auf, als er sich herum warf. Er bekam sie mit seinen Vorderläufen am Hinterbein zu fassen.

„Sie wird es nicht tun." knurrte er. „Aber du. Du kannst die schwierigen Entscheidungen treffen. Du kannst es jetzt" Sie schüttelte ihn entsetzt ab. Er knallte hart mit dem Unterkiefer auf dem felsigen Grund auf.

Fluttershy war wie ein Sturm über ihnen. Sie drängte die verstörte Einhornstute ab und legte schützend die Flügel um Rogue.

„Alles gut.", flüsterte sie ihm zu. „Es ist alles gut."

Sie warf einen vernichtenden Blick auf Twilight, die diesen gar nicht bemerkte. Sie starrte immer noch entsetzt auf Rogue. „Nein.", flüsterte sie noch einmal. „Nein, niemals."

„Versprich es mir!", heulte Rogue auf und wehrte sich gegen die schützende Umarmung von Fluttershy. „Bitte!"

„Nein.", presste Twilight ein letztes Mal zwischen ihren Zähnen hindurch.

Der Hengst stöhnte laut auf, zu schwach, um noch einmal laut zu rufen. Er bäumte sich auf und stöhnte schwach, während Tränen seine Wangen hinunter liefen. Fluttershy hielt ihn fest und drückte ihn hernieder, während sie die Augen fest geschlossen hielt und lautlos darum betete, das er endlich aufhörte.

Letztlich erlahmten seine Bewegungen und sein Blick wurde glasig. Er erschlaffte langsam, als seine Kräfte ihn verließen und er wie ein Puppe auf sein Lager glitt. Fluttershy bettete ihn sorgsam in die Decke und begann ihn vorsichtig etwas Tee einzuflösen.

Twilight saß noch immer abseits auf ihren Hinterläufen, unfähig zu verarbeiten, was gerade geschehen war.

Ein Vorderlauf legte sich vorsichtig um ihre Schultern und ein dampfender Becher wurde in ihre zitternden Hufe gedrückt. Rarity, deren sonst immer perfekte Frisur reichlich gelitten hatte, saß neben ihr und hielt ihr den Becher, während sie das Gefäß sinnentleert anstarrte.

„Trink das. Es wird dir gut tun."

Entgeistert folgte Twilight dem Rat ihrer Freundin und nahm einen tiefen Schluck. Der Tee war ein wenig zu heiß, so das er in der Kehle schmerzte, aber er war auch süß und frisch. Und er hatte einen winzigen Schuss von destillierten Erdbeeren, der ein angenehm warmes Gefühl in der Magengegend auslöste.

Die Stute leerte den Becher in einem Zug und ließ ihn dann kraftlos in ihren Schoß plumpsen. „Ich habe ein Monster erschaffen.", flüsterte sie, mehr zu sich selbst.

„Wie meist du das, Darling?", fragte Rarity sie vorsichtig.

Die Bibliothekarin zögerte kurz, dann fuhr sie fort. „Ich. Ich bin das Monster. I-ich habe versucht alles r-richtig zu machen... Actio est Reactio... wenn... wenn die Umstände es erfordern, so muss sich der Geist anpassen. Aber... wo ist die Grenze?" Sie sah auf, Tränen in ihren Augen. „Jede Aktion hat Auswirkungen auf das System und verändert die Reaktion, die darauf erfolgt. Ich habe nie gedacht... ich glaubte, es wäre nur für eine Zeit... dass, wenn die Notwendigkeit nicht mehr besteht, der Status Quo wieder eintritt. Aber wenn die Reaktion endgültig ist..." Sie schloss ihre Augen und feuchte, salzige Flüssigkeit tropfte auf ihre Wangen. „...Verändert sie auch das System endgültig. Ich... ich kann das nicht, Rarity." Sie wandte sich zu ihrer Freundin, vergrub ihr feuchtes Gesicht im weißen Fell des Einhorns. „Ich kann nicht so grausam und herzlos sein, auch wenn es von mir verlangt wird. Auch wenn es sein muss. Ich kann es nicht!"

Rarity streichelte Twilight beruhigend über den Kopf und dachte verzweifelt nach, was sie ihr sagen könnte, damit sie sich beruhigte. Es war ihre Aufgabe als eine Lady, auch im Angesicht der Verzweiflung ihre Fassung und ihren klaren Geist zu bewahren. Sie musste Haltung bewahren, auch wenn die Hoffnungslosigkeit und Hilflosigkeit ihrer besten Freundin, die eigentlich ihre Anführerin sein sollte, nach ihrem Herzen griff.

Sei stark, Rarity. Sei stark für Sweety Belle und deine Freundinnen.

Und dann kam ihr eine Idee. Sie war vage und vielleicht nicht ganz ausgereift, aber sie war alles, woran sie sich klammern konnte.

Sie nahm Twilights Huf in den ihren und setzte ihn auf die Brust der verzweifelten Mähre. Dann sah sie auf und zauberte das zuversichtlichste Lächeln auf ihr Gesicht, zu dem sie im Stande war. „Spürst du das, Twilight?", fragte sie sanft. „Spürst du das? Wie es schlägt, laut und aufgeregt? Warm und kraftvoll? Das ist das Herz einer Kämpferin, eines Ponys, wie es Equestria noch nicht gesehen hat! So groß, das Tag und Nacht sich freuen, es seinen Freund nennen zu dürfen. Ein Monster?" Sie lachte laut auf, hell und glockenklar. „Nein, wohl kaum." Sie beruhigte sich und kniff verschlagen ihre Augen zusammen. „Aber wenn es sein muss. Dann ja. Ein Monster, ein Held, ein Diplomat, ein Kriegsherr. Eine Studentin, ein Prinzessin. Und alles dazwischen. Die Antwort ist hier drin." Sie deute auf Twilights Brust, etwas Links der Mitte. „Sie war es und wird es immer sein. Wenn du auf es hörst... wird alles gut werden. Ich verspreche es."

Die violette Stute sah einen Moment lang auf ihre Brust, dann zu ihrer Freundin. Sie lächelte verlegen, dann stand sie langsam auf.

„Ja, das wusste ich." Sie reckte ihren Kopf in das Licht der langsam aufgehenden Sonne und schüttelte ihre Mähne aus. „Ich wusste es die ganze Zeit über." sie griff sich noch einmal an die Brust, nachdenklich und ein bisschen melancholisch. „Aber es ist so leicht zu vergessen. Und es ist so schwer danach zu leben. Was, wenn ich mich irre? Was, wenn mein Herz mich betrügt?" Sie starrte einen langen Augenblick in die wolkenlose Helligkeit des anbrechenden Tages. „Es weiß nicht alle Antworten, weißt du?", flüsterte sie ihrer Freundin zu.

Rarity fasste sich und trat einen Schritt vor. Sie umfasste Twilights Huf, der noch immer auf ihre Brust gepresst war, mit den ihren und drückte ihn sanft. „Aber alle die wichtig sind, Darling. Alle die wichtig sind."

Twilight nickte langsam und warf einen Blick auf Rogue, dem Fluttershy langsam dampfenden Tee einflößte. „Ich hoffe es, Rarity. Denn ansonsten wüsste ich nicht, was ich tun sollte."

Es war letztlich mehr als eine Stunde die sie rasteten. Sie teilten den Tee miteinander und bereiteten sich ein frugales Mahl aus den Resten ihres Proviants aus der Idle Barter und dem Dorf der Stammesponys zu.

Als Twilight zum Aufbruch blies, war es wieder eine auffallend schöne Erdstute, die ihnen den Weg wies. Die Einhornstute verkniff sich jeden Kommentar zu Strawberry´s Tarnung und nahm wie von selbst wieder die Levitation von Rogue auf sich. Fast sofort verstärkten sich ihre Kopfschmerzen wieder und sie grunzte unterdrückt. Aber sie ertrug es. Es war eine Erinnerung daran, welche Folgen ihre Entscheidungen haben konnten.

Die Sonne hatte ihren langen Pfad bis fast zum Mittag hinauf beschritten und die Bäume waren bis auf verkümmerte, verdrehte Einzelgänger gänzlich zurückgewichen, als sie auf die Stufen stießen.

„Was is´ das?", fragte Applejack und klopfte mit einem Huf auf die in den Fels gehauenen Absätze, in die der Pfad, dem sie bis jetzt gefolgt waren, überging.

Strawberry blieb stehen und sah einen Moment lang hinter sich. Dann zuckte sie mit den Schultern. „Ein Überbleibsel der ursprünglichen Ponyzivilisation in diesem Land. Es gibt sie verstreut überall, hier und da."

Twilight besah sich die Stufen genauer. Sie runzelte die Stirn. „Sind es genau Tausend?", fragte sie mißtrauisch.

Die Drohne schüttelte ihren Kopf. „Niemand hat sie gezählt, aber ich glaube es sind sicher mehr als Tausend, bis wir zu den Statuen kommen."

Das violette Einhorn hob ihren Kopf. „Statuen?", fragte sie nach.

Strawberry nickte. „Ja. Die Treppe endet in einem Höhleneingang. Das ist einer der kürzesten Wege zum Nest, wenn man zu Huf geht. Am Absatz stehen... naja, standen vier Statuen. Ihr werdet sie noch selbst sehen." Sie wartete auf eine Erwiderung und setzte schließlich ihren Weg fort, als sie nicht kam.

„Kommt dir das bekannt vor?", fragte Rarity, als sie zu Twilight aufgeholt hatte.

Die Stute wandte ihr verwundert den Kopf zu. „Dir etwa nicht? Rogue hat es uns doch damals vorgesungen." Sie schloss kurz die Augen und rezitierte aus dem Gedächtnis:

Tausend Stufen geht es hinauf,

sieh´ nicht zurück, lauf nur, lauf.

Vier Wächter stehen dort, sind stumm,

Schenkst du was her, stimmt es sie um."

Sie schlug ihre Augen auf und sah ihre Freundin an. „Das mit den tausend Stufen mag nur Folklore sein. Wer zählt schon wirklich, wenn es eine Treppe zu besteigen gilt? Aber die vier Wächter... das können sehr gut vier Statuen sein, denen man einen Tribut entrichten soll. Und der Höhleneingang?" Sie schloss wieder die Augen.

Vergiss nicht, dort gibt es keinen süßen Klee,

nur Steine, Eis und ew´gen Schnee.

Doch dem, der an seinen Umhang hat gedacht,

Noch kein Frösteln etwas ausgemacht.

Durch die Höhle, tief und weit,

Mach kein Licht, sonst ist´s vorbeit."

„Hier so weit oben ist Nahrung für uns Ponys karg. Und wäre der besonders heiße Sommer nicht, würden wir sehr viel mehr frieren, als wir es jetzt schon tun. Und hat Rainbow nicht erzählt, das Königin Chrysalis gegen eine Monster gekämpft hat, dass von Licht angezogen wurde?" Die Stute klopfte mit ihrem Huf auf den Boden. „Das sind zu viele Übereinstimmungen, um noch Zufall zu sein!"

Rarity schüttelte verwirrt den Kopf. „Was meinst du damit? Ich dachte, wir sind jetzt hier, um die Changelinge zu retten."

Twilight nickte aufgeregt. „Das hat sich nicht geändert. Aber vielleicht... vielleicht... können wir zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen." Sie lächelte glücklich.

Rarity lächelte mit ihr, auch wenn es nicht aus ihrem Herzen kam.

Sie ist sprunghaft geworden, dachte sie zu sich. Es fällt immer mehr auf. Als Chrysalis durch eine der Drohnen gesprochen hat, war sie bereit sich zu unterwerfen, aber im nächsten Moment hat sie all ihre Verachtung über Strawberry ausgegossen. Vor kaum zwei Stunden hat Fluttershy ihr auf eine Art den Marsch geblasen, wie wir es noch niemals erlebt haben, aber jetzt scheint sie wieder aufgeregt und voll Tatendrang, so als wäre nichts geschehen.

Die weiße Einhornstute trottete langsam die Stufen hinauf, ihrer Freundin hinterher.

Ich muss sie im Auge behalten.

Sie seufzte schwer. Sie wollte die Verantwortung nicht, die auf ihr Schultern abgeladen wurde. Aber es gab keinen anderen Weg. Twilight musste jetzt funktionieren, musste irgendwie am laufen gehalten werden, während sie sie alle durch den hoffentlich letzten Akt dieses Drama führte. Um jeden Preis. Welcher Schaden dabei auch entstand... er musste warten, bis sie diese letzte Anstrengung hinter sich gebracht hatten.

Ein beunruhigender Gedanke kam ihr in den Sinn. War es nicht genau das, was zuerst Rogue und jetzt auch Twilight langsam in den Ruin getrieben hatte? Die ständige Notwendigkeit über sich selbst hinaus zu wachsen, Verantwortung zu tragen, für die man nie bereit gewesen war? War sie die Nächste in diesem Zirkel, diesem Teufelskreis, der sich langsam durch die Freunde fraß?

Sie schüttelte ihren Kopf. Es musste sein. Es gab keinen anderen Weg. Sie würde Twilight zur Seite stehen und versuchen, die Wogen so weit abzuglätten, das ihr Schiff nicht unterging. Es galt nur noch eine einzige Aufgabe zu bewältigen, ein kleines Stück, so kurz vor dem Ziel...

Sie fragte sich, ob es nicht genau diese Gedanken waren, die Rogue und Twilight antrieben. Die sie bis an die Kante gebracht hatten... und darüber hinaus.

Ein eiskalter Wind blies ihr ihre Mähne ins Gesicht und brachte sie fast ins Straucheln. Seit sie die letzten Bäume hinter sich gelassen hatten, waren die Temperaturen merklich gesunken und die Böen hatten beständig zugenommen. Jetzt war er schneidend fuhr ihr bis zur empfindlichen Haut unter das Fell. Aber genau das brachte ihr etwas in Erinnerung, was sie fast vergessen hatte.

Sie lachte kurz auf, ob ihrer eigenen Zerstreutheit. Schnell galoppierte sie an ihren Freundinnen vorbei, bis zu Strawberry, die sie noch immer führte.

Sie hieß die Drohne anzuhalten und streifte sich ihre Satteltaschen ab, während sich ihre Freundinnen langsam auf dem Absatz sammelten, auf dem sie gestoppt hatten.

„Was ist, Rarity?", wollte Twilight wissen. Ihr Horn erglühte noch immer in violettem Schimmer, der Rogue neben ihr hertrug. Sie sah müde aus, aber sie lächelte dennoch. Auch wenn ihr Gesichtsausdruck etwas leicht verzweifeltes hatte.

„Es ist nichts." wiegte die weiße Einhornstute ab. „Aber es ist kalt geworden. Und ich habe mich an Rogues Worte erinnert. Zumindest bevor wir aufgebrochen sind." Sie schlug die Lasche ihrer Tasche zurück und holte Schals aus dicker, hufgestrickter Wolle hervor. „Hier, nehmt die. Ich wollte auch noch ein paar Westen machen, aber die Zeit hat nicht ausgereicht. Aber sie nehmen zumindest dem Wind etwas an Kraft." Sie verteilte die bunten Schals, die in den Farben ihrer Freunde gehalten waren, nacheinander.

„Ui! Die sind super-schön! Und super-warm!", quietschte Pinkie aufgeregt, als sie sich ihren pinken Schal um den Hals wickelte.

„Vielen Dank.", bemerkte Fluttershy mit einem warmen Lächeln als sie ihr Stück in gelb und rosa sowie Rogues hellgrau- und sandfarben gewirktes entgegen nahm. Sie beeilte sich, es ihm um den Hals zu schlingen, bevor sie ihr eigenes anlegte.

„Danke, Rarity." Twilight sah mit einem glücklichen Lächeln auf ihr Kleinod hinab, dann wickelte sie es sorgsam um ihren Hals.

"Cool! Du bist die Beste!", sagte Rarity, die sich ihren gestrickten Regenbogen aus der Luft angelte.

„Kein Problem.", flüsterte die Fashionista ihr zu und reichte Applejack einen orangenen Schal, bevor sie auch ihren eigenen anlegte. Dann zog sie einen letzten aus ihrer Tasche und betrachte ihn kurz. Er war Creme-weiß und mit Fäden aus hellem Purpur und hellem Rosa durchwirkt. Sie lächelte verträumt, als sie ihn betrachtete, dann reichte sie ihn Strawberry. „Hier, für dich. Ich habe einen als Ersatz mitgenommen."

Die Drohne sah sie einen Moment lang verständnislos an. Dann streckte sie vorsichtig ihren Huf danach aus, fast so, als würde sie darauf warten, das Rarity ihn jeden Moment einfach zurückzog und sie auslachte.

Statt dessen trat das weiße Einhorn einen Schritt vor und schlang die dicke Wolle selbst um den Hals der zögernden Drohne. Strawberry zuckte für einen Moment zusammen, als die Stute die unerwartete Bewegung machte und hielt peinlich still, bis Rarity ihren Akt vollendet hatte.

Als das weiße Einhorn zurück trat, fühlte die Drohne ungläubig nach ihrem Hals und betastete die weiche Wolle vorsichtig. Sie hob ein Ende des Schals mit ihrem Huf an und besah es sich lang und ausgiebig.

„Es ist so weich..." flüsterte sie ungläubig.

„Das ist Merinowolle. Die beste Wolle die es gibt." Rarity betrachte sie einen Augenblick lang und sah den glitzernden, dankbaren Schimmer in den Augen der Drohne. Mit diesem Schal... mit diesen Farben... mit diesen Augen, die ihr so bekannt vorkamen... die sie so voll Bewunderung und Verehrung ansahen...

Sie beugte sie vor und drückte Strawberry einen kurzen, flüchtigen Kuss auf die Stirn. Sie bemerkte, wie ihr selbst die Feuchtigkeit in die Augen trat. Sie schniefte sie weg und zog den Schal an dem Hals der Drohne zurecht, darauf bedacht, sich nichts anmerken zu lassen. „Trag ihn mit Stolz. Seine Farben... seine Farben sind sehr wichtig für mich." Sie schniefte noch einmal und drehte sich schnell um, bevor sie ihre Fassung verlieren konnte.

Sie trat ein paar Schritte zur Seite, so weit es ihr das kleine Plateau erlaubte und wischte sich entschlossen über die Augen. In diesem Augenblick wünschte sie sich nichts mehr, als Zuhause zu sein. Zuhause in Ponyville, in ihrer Boutique, wo ihre kleine Schwester sie sicherlich viel zu früh wecken würde, weil sie irgendwelchen Unsinn gebaut hatte, oder eine unmögliche Idee hatte, oder eine der tausend anderen kleinen Verrücktheiten, die diese kleine Bündel Freude für sie jeden Tag bereit hielt. Und sie wünschte sich, sie in die festeste Umarmung zu nehmen, die je eine Schwester ausgeteilt hatte, sie fest zu halten, bis die Sonne unterging, oder, was wahrscheinlich früher passieren würde, Sweety Belle entnervt aufgeben und aus ihrem Griff befreien würde.

Sie erschreckte regelrecht, als sich ein Huf auf ihre Schulter legte. Sie wirbelte herum und versuchte ihr Heimweh unter einer Maske aus Fröhlichkeit zu verstecken.

Strawberry zuckte erschreckt zurück, als sie so plötzlich reagierte. Aber nach einem Moment fing sie sich wieder und straffte ihre Gestalt entschlossen. „Ich wollte dir noch danken.", sagte sie leise. In ihrer Stimme erinnerte sie Rarity an nichts von ihrer Schwester. Sie war dankbar dafür.

„Ich habe noch nie so ein Geschenk bekommen." Sie sah noch einmal auf den einfachen Schal hinab, der von ihrem Hals herunter hing. Und dann lächelte sie. Sanft und aufrichtig. Ein Lächeln, das ihre Augen erstrahlen lies und ihr Gesicht wie den Himmel bei Sonnenaufgang erhellte.

Wenn sie doch nur an meiner Stelle wäre, dachte Rarity. Wenn sie doch nur diesen Ausdruck sehen könnte. Wenn Twilight begreifen könnte, welches Geschenk ich ihr gerade gemacht habe. Nicht einer Spionin, einer Feindin, sondern einer Person... wie wichtig es für sie ist...

Sie lächelte warm und legte einen Huf auf den Vorderlauf der Stute. „Es ist nichts. Geh uns voran. Die anderen warten schon." Sie sah ihr nach, wie die Drohne mit neuem Mut die Stufen erklomm. Sie trug den Schal wie einen Banner, stolz und aufrecht. Rainbow setzte sich im Marsch neben sie und wechselte ein paar Worte mit ihr. Dann lachten sie gemeinsam, locker und ausgelassen. Twilight sah missmutig zur Seite und tat so, als hätte sie nichts bemerkt.

In diesem Augenblick traft Rarity ihre Entscheidung. Sie wusste nicht, ob es die Richtige war, oder ob sie ihren eigenen Erwartungen gerecht werden konnte. Aber was sie wusste, war: Wenn es denn sein musste, das sie über ihre Freunde wachen sollte... wenn es die Notwendigkeit gebot, dass sie das schwere Zepter übernahm... wenn alles andere Fehl gehen sollte, würde sie nicht in die selbe Falle tappen. Sie wollte, aus dem tiefsten Grunde ihres Herzens, sich selbst treu bleiben. Was konnte ihr dann schon schlechtes widerfahren?

Rogue und Twilight hätten eine Antwort darauf gewusst. Sie hätten ihr sagen können, das der Weg zum Tarterus mit guten Vorsätzen gepflastert war. Das ein notwendiger Kompromiss den nächsten nach sich zog, das Schwarz nicht immer gleich Schwarz und Weiß nicht immer gleich Weiß war. Das die Grenzen zu verschwimmen begannen, wenn man sich ihrem Herz näherte. Das eine Entscheidung nicht damit abgetan war, das man sie traf... sondern das sie Konsequenzen hatte. Immer. Und es eines gestählten, unnachgiebigen Geistes bedurfte, diese zu ertragen. Zu verantworten. Nichts, was man auf die leichte Schulter nehmen konnte. Nichts, worauf einen gleich welches Training vorbereiten konnte.

Es war ein Schlag, schmerzhaft und tief, der bis ins Innere vordrang, einen verletzte, wie man es bisher nicht gekannt hatte. Eine Wunde schlug.

Und Narben hinterließ.


Die Stufen zogen sich schier endlos dahin. Das letzte Grün bleib hinter ihnen zurück und machte bitteren und kargen Kräutern Platz, die sich an den nackten Felsen klammerte. Frost glitzerte auf den harten Ranken, den selbst die brennende Sonne nicht mehr zu vertreiben wusste. Der Pfad wurde schmaler und schmaler, bis sie sich nur noch zwischen hoch aufragenden Felswänden und jäh abfallende Klüfte pressten. Der Wind hatte weiter zugenommen und zerrte mit eisigen Fingern nach ihnen, während sie den schmalen Treppenstufen immer höher folgten. Vor allem Twilight hatte zu kämpfen, da die reißenden Winde die Kontrolle über die Levitation von Rogues Körper noch schwieriger machte. Der Hengst hielt zwar so still wie möglich, um es ihr die Arbeit zu erleichtern, aber das brachte ein weiteres Problem mit sich: Er kühlte rasch aus. Da er sich nicht bewegte und den Wind und den immer niedriger werdenden Temperaturen praktisch schutzlos ausgeliefert war, fing er bald an zu zittern und mit den Zähnen zu klappern. Sie wickelten ihn zwar so fest in ihre Decken, wie sie konnten, aber es half nicht viel. Sein Körper war einfach zu geschwächt, um sich selbst warm zu halten. Erst als Rarity auf die Idee kam das Wasser in ihren Flaschen magisch zu erhitzen und sie ihm als Wärmflaschen zu zu stecken, begann es ihm besser zu gehen.

Twilight dagegen spürte, wie sie sich langsam aber sicher ihrer Belastungsgrenze näherte. Der fehlende Schlaf, der ständige Einsatz von Magie und der anstrengende Aufstieg machten saugten sie praktisch aus. Als sie das Wasser erhitzen sollte, ein Zauber der besonders energiefressend war, brachte sie ihn erst beim dritten Anlauf zu stande.

Schließlich, als sie spürte, wie ihr eine besonders heftigen Böe beinahe die Herrschaft über ihren Levitationszauber zerrissen hatte, ließ sie die Ponys auf einem kleinen Absatz halten, wo eine natürliche Einbuchtung im Felsen den Pfad verbreiterte und sogar etwas Schutz vor dem Wind gewährte.

Sie setzte Rogue so weit von der Steilkante ab wie möglich und brach dann erschöpft auf die Knie nieder, wo sie versuchte, wieder zu Atmen zu kommen. Ihre Kopfschmerzen waren mittlerweile so stark, das sie für einen Moment lang glaubte, sie müsse sich übergeben. Dann kühlten die rotglühenden Zangen in ihrem Gehirn etwas ab und die Übelkeit verschwand. Als sie zitternd aufstand, tanzten farbige Flecken vor ihren Augen, aber sie vertrieb sie mit einem entschlossem Blinzeln.

Auch die Anderen sackten erschöpft zusammen und kauerten sich an die Felswand, um sich aus dem schneidenden Wind heraus zu halten.

„Was´n Aufstieg!", keuchte Applejack und zog sich den Schal etwas fester um ihren Hals. „Der blanke Wahnsinn!"

Pinkie schob sich ihre wuschelige Mähne aus dem Gesicht, die der Wind hartnäckig immer wieder dorthin blies und ging zu Twilight hinüber.

„Alles in Ordnung?", fragte sie und hielt ihrer Freundin ein verbeulte Blechkantine hin. „Hier, trink etwas. Es ist kalt, aber besser als Wasser."

Twilight nickte dankbar und nahm einen tiefen Schluck. Es war der Rest des Tees, den sie bei ihrer Rast im Morgengrauen zubereitet hatte. Er war kalt, aber wenigstens war er süß. Die Einhornstute sah die Flasche für einen Moment ausdruckslos an. „Ich kann ihn nicht mehr tragen.", sagte sie schließlich.

„Rogue?", fragte Pinkie überflüssigerweise und sah kurz zu dem Rettungspony, das in die Decken gehüllt nicht weit von ihnen lag. Fluttershy war zu ihm unter die Decken gekrochen, um ihn mit ihrem Körper aufzuwärmen. Die Tatsache, dass er dabei nicht wie ein Honigkuchenpony grinste, oder bis zu den Spitzen des Haaransatzes errötete, zeigte, wie ernst es um ihn stand.

Sie drehte sich um und lächelte zuversichtlich. „Dann müssen wir es eben anders machen. Applejack und ich können uns abwechseln ihn zu tragen. Auch wenn es nicht gut für ihn ist, aber wir müssen hier weg."

Twilight nahm noch einen Schluck von dem Tee und massierte dann müde ihre Schläfen. „Ich hätte Strawberry fragen sollen, wie weit es noch ist. Wir hätten zur Vorsicht eine Trage bauen sollen, als wir noch die Gelegenheit dazu hatten. Ich hätte mir meine Kräfte besser einteilen sollen..."

Pinkie wippte spielerisch von einem Huf auf den anderen. „Hätte, hätte, Fahrradkette. Wir, ich, du, keiner hat es gemacht und jetzt sind wir hier. Und wenn wir hier noch etwas stehen, bevor wir unsere Köpfe aus unseren Hinterteilen ziehen, gibt es bald acht Statuen mehr, die unbedarfte Touristen wie wir auf dem Weg zum romantischten Gipfel des alten Landes bewundern können. Also was sagst du?"

Twilight sah auf, für einen Moment sprachlos. Dann gab sie der Stute die Feldflasche zurück und lächelte sauer. „Ich verstehe schon: Selbstmitleid steht mir nicht."

Pinkie nickte heftig. „Nie. Genauso wie ein paar andere Sachen..."

„Was?", fragte Twilight überrascht.

„...über die zu sprechen sicherlich irgendwann noch Zeit ist. Aber nicht jetzt." Sie deutete auf die frierenden Ponys, die auf dm Pfad kampierten. „Los! Mach dein Ding! Sei du!"

Twilight sah sie noch einen Augenblick lang an, dann nickte sie.

„Okay, als erstes: Strawberry: wie weit ist es noch, bis wir zu den Höhlen kommen? Und bis zum Nest?"

Die Drohne zuckte kurz zusammen, als die violette Stute sie ansprach, beeilte sich dann aber zu antworten: „V-Vielleicht noch eine Stunde bis zu den Höhlen. Wenn wir gut vorankommen etwas weniger. Dann noch einmal eine Stunde bis zum Nest."

„Gut. Fluttershy: Pack´ Rogue so gut ein wie es geht, damit Applejack und Pinkie ihn auf dem Rücken tragen können. Ich... ich kann es nicht mehr. Es ist nur für kurze Zeit. Verteilt euer Gepäck. Es ist nicht mehr weit."

Sie hoffte es wirklich. Es war verrückt, aber sie waren bereits jetzt am Ende ihrer Kräfte. Und dabei stand ihnen ihre eigentliche Aufgabe noch bevor. Zwei sogar, wenn man es genau nahm. Sie erschauderte, versuchte es sich aber nicht anmerken zu lassen.


Schließlich, nachdem sie sich noch gut eine halbe Stunde durch den Wind über die schmale Trasse gekämpft hatten, bogen die Treppenstufen in einen schmalen Canyon ein, der von einem kleinen Seitengipfel des Berges gebildet wurde. Sie atmeten alle erleichtert auf, da er die schlimmsten Böen des schneidenden Windes abhielt. Die Stufen wurden etwas breiter und vor allem war die Gefahr, das ein einziger Fehltritt sie über die Kante und in einen fatalen Sturz schicken konnte, aus ihren Köpfen gebannt.

Ihr Aufstieg dagegen wurde nicht leichter. Die Stufen waren jetzt steiler und höher gehauen, um dem Anstieg gerecht zu werden. Bald dampften ihre Körper in der kalten Luft vor Anstrengung und sie lockerten die Schals, die sie vorher so fest um sich geschlungen hatten. Applejack tauschte unterwegs ihre Last mit Pinie Pie, die den Hengst mit fröhlichen Witzen und albernen Geschichten bei Laune zu halten versuchte. Er lächelte tapfer an den richtigen Stellen, war aber ansonsten abwesend und starrte mit glasigem Blick gegen die langsam vorbeiziehende Felswand. Die Trageweise bereitete im Schmerzen, aber er versuchte sie nicht zu zeigen.

Dann, endlich traten sie aus dem Felsspalt an der Flanke des Berges heraus auf ein breites Plateau. Der Wind traf sie mit einer letzten, eisigen Faust ins Gesicht, dann ließ er mit einem mal nach und blies ihnen nur noch sanft entgegen.

Eines nach der anderen blieb stehen, als sie die letzten Stufe erklommen hatten, ermattet und müde, aber dennoch nicht umso weniger gefesselt von dem Anblick, der sich ihnen darbot.

Sie waren, Schritt um Schritt, um die Westseite des Zwillingsgipfels herum gegangen. Die meiste Zeit war ihr Ausblick auf die schroffen Felswände des Bergmassives gerichtet gewesen, der Equestria vom alten Land trennte. Jetzt befanden sie sich jedoch am Nordhang des Berges, hoch oben. Keine Wolke störte ihren Blick. Die Luft war kalt, klar und mit dem Geruch nach Schnee erfüllt.

Der Norden des alten Landes erstreckte sich unter ihnen, so weit ihre Augen reichten. Der Wald, das smaradgrüne Meer, das ihnen im Süden so endlos vorgekommen war, das sie die dahinter liegenden Ebenen nur gerade so erahnen konnten, war hier nur ein grüner Bogen, der sich an die steilen Abhänge der Felsgrate schmiegte. Dahinter erstreckte sich Meile um Meile, so weit das Auge reichte, die sanften Hügel flachen Graslandes. Kleine Grüppchen ausladender Bäume verteidigten stumm die Kuppen der Anhöhen, bis diese in der Ferne flacher wurden und es nur noch endloses, wogendes Gras gab, das langsam das helle Gelb des Spätsommers annahm. Das glitzerndes Band eines Flusses wand sich von den Flanken der Berge durch den Wald und die Ebene und verschwand im Dunst des Horizonts.

Sie standen dort zusammen, gezeichnet von ihrer schweren Reise, müde bis auf die Knochen, aber sie konnten nicht anders, als für einen Moment zu verweilen, und die Schönheit zu bewundern, die sich vor ihnen ausbreitete.

„Rogue!", rief Fluttershy und eilte an Pinkies Seite. „Schau doch nur!"

„Ja.", antwortete er schwach. „Ja, ich sehe es." Er versuchte seinen Kopf zu heben, um zu sehen, was die anderen da so bewunderten, aber er war zu schwer. Und er selbst zu schwach.

Sanfte Hufe ergriffen ihn und hoben seinen Kopf an. Zuerst war alles für ihn verschwommen, aber dann klärte sich sein Blick. Und er begann zu lächeln.

„Es ist wunderschön." sagte er.

Fluttershy hielt ihn fest und presste ihre Wange gegen die seine, so das sie sah, was er sah.

„Ja, das ist es, nicht wahr?"

Er spürte die Wärme ihrer Nähe, die so viel heißer für ihn pulsierte, als der Rücken von Pinkie, über dem er unbequem lag. Er spürte die Berührung ihrer Hufe auf seinem Fell und roch das sanfte Aroma ihres Körpers, das eine gnädige Brise zu ihm herüber trug.

Und er konnte nicht anders als zu weinen.

Hier wäre es gewesen, wo er sie in seine Vorderläufe geschlungen hätte. Hier wäre es gewesen, wo er sie fest gehalten hätte und ihr gesagt hätte, dass er sie niemals wieder los lassen würde. Hier in diesem Augenblick in diesem Moment der Zeit, wo alles so fern und doch so nah schien, hätte er ihr gesagt, dass er sie liebte. Das kein Augenblick verging, an dem er nicht an sie dachte. Das er sich lieber von dieser Klippe stürzen würde und in einem letzten, herrlichen Augenblick sein Ende finden wollte, als auch nur einen Moment ohne sie zu leben.

Aber er konnte nicht. Er war todkrank. Er fühlte, wie das fahle Pony nach ihm griff, langsam, aber unaufhaltsam. Seine Stärke, seine Vitalität sickerte aus ihm heraus wie aus einem zerbrochen Krug. Das Fieber zerfraß ihn, hölte ihn aus und es würde nicht mehr lange dauern, bis nichts mehr von ihm übrig war. Wie lange? Er konnte es nicht sagen. Aber er wusste, dass keine Rettung auf dem Weg war. Es mochten nur noch Tage sein, die sie hier verbrachten, wenn sie es jemals nach Hause schafften. Aber das war mehr Zeit, als ihm blieb. Da war er sich sicher.

Und er war nicht egoistisch genug, um sich ihr anzuvertrauen. Wenn sie es bisher nicht wusste, wenn sie es – dank sei den Prinzessinnen, allen Gestirnen und seiner eigenen Dummheit und Tollpatschigkeit – noch nicht herausgefunden hatte, dann sollte sie es nie. Er würde sein süßes Geheimnis mit ins Grab nehmen, wenn Twilight und Pinkie dicht hielten. Aber das war nicht mehr in seiner Macht. Er konnte sich nur noch an sein Leben klammern und hoffen, dass das Ende schnell kam. Oder ein Wunder geschah. Was nicht sehr wahrscheinlich war.

Er würde Fluttershy nicht zur Witwe seiner Gefühle machen. Oder zur Pflegerin eines lahmen Krüppels, wenn alles, wirklich alles schief ging. Sie wäre gut genug dafür. Sie würde sich dafür aufopfern, würde an seiner Seite bleiben, während er... bitter würde. Bitter über die Wege, die er nicht mehr entlang rennen konnte... Bitter über das fehlende Geräusch seiner schlagenden Hufe auf dem Kopfsteinpflaster oder dem weichen Boden des Apfelhains... während er ihr ihrer Freiheit überdrüssig wurde, die er nicht mehr genießen konnte...

Er verbannte diese giftigen Gedanken aus seinem Kopf. Noch war es nicht so weit. Der Schmerz, all das, was er ihr sagen wollte für sich zu behalten, war schwer, aber nicht schwerer als die Pein in seiner Flanke. Er würde sie ertragen, so wie seine Freunde seine nutzlose Last ertrugen. Ohne Klage.

Aber er genoss dennoch das Gefühl ihrer Nähe und ihren Duft, so lange er konnte.


„Da sind sie!", rief Strawberry aus und riss die Freunde aus ihrer Betrachtung. Sie deutete mit einem Huf über das Plateau, hin zu einem weiten Grad des Berges, der aus seiner Flanke heraus trat. Die Tafel, auf der sie sich gerade befanden, war in den Schatten der aufragenden Zwillingsgipfel gehüllt, jetzt und wahrscheinlich auch den Rest aller Tage. Harter, verharschter Schnee hielt sich an dem Fuß der Felswände und im Windschatten der Felsen. Der Boden war mit hart gesottenem, zähen Flechtengras bewachsen, das trotz der widrigen Umstände zu blühen begonnen hatte. Es verströmte einen herben, kräftigen Geruch nach frischen Kräutern.

Jenseits von ihnen, dort wo der Grat aus dem Berg trat und das Plateau auslief, erhoben sich vier Sockel aus dem ewigen Gestein des Berges.

Drei waren standen dicht beeinander. Sie waren aus dem Felsen selbst gemeißelt worden, aus Felspitzen, die eine Eiszeit, ein Felsrutsch, oder der reine Zufall in der Erosion zurückgelassen hatte. Sie waren ungleichmäßig auf dem Plateau verteilt, aber so, das man an jeder davon vorbei kommen musste, um es zu durchqueren.

Auf dem ersten erhob sich das gemeißelte Abbild eines Erdponys. Der Sockel war gespalten und hatte den hinteren Teil, Flanke und Hinterbeine, abrutschen lassen. Aber das treue Gesicht mit glatter Mähne sah noch immer freundlich auf die Freundinnen herab.

Das zweite war nach einem Pegasus gestaltet. Die Flügel hatten arg gelitten, der linke hatte seine Spitze eingebüßt, während der Recht ganz abgebrochen war und im Gras lag. Die Statue war in einer Harnisch dargestellt, die die meisten von ihnen aus Geschichtsbüchern kannten. Ihr Pose war herausfordern und wild. Sie erinnerte auf seltsame Weise an Rainbow Dash.

Der dritte Sockel trug die mitgenommene Statue eines Einhorn. Ihr Kopf war abgebrochen, aber das Horn lugte noch immer zu ihren Hufen aus dem niedrigen Gras. Ein großer Riss teilte ihre rechte Flanke vom Rumpf und ein erhobener Vorderlauf war am Körper abgerissen.

Die einzig intakte Statue war auch die eindrucksvollste und größte. Anders als ihre drei Schwestern war sie aus einem anderen Gestein gearbeitet, das heller und glänzender war, als die anderen. Sie zeigte ein Alicorn, das auf ihren Hinterbeinen stand und ihre Vorderläufe nach Norden erhoben hatte, so das die Freunde es von er Seite betrachteten. Jedes Detail an ihr war mit sorgsamen, vollkommenen Schlägen herausgearbeitet worden. Jede Feder ihrer Flügel. Jede Strähne ihrer glatten, langen Mähne. Das Horn, das aus ihrer Stirn hervortrat, war lang und blitze an seiner Spitze, als einziges von der Sonne berührt. Sie hatte ihre Augen geschlossen und den Kopf sanft geneigt, so als würde sie ihre Besucher begrüßen.

Twilight trat atemlos einen Schritt vor, den Blick unverwandt auf die letzte Statue gerichtet. „Königin Faust.", flüsterte sie leise. „Die Schöpferin. Die Urmutter Equias."

Sie gingen gemeinsam langsam über das Plateau. Am ersten Sockel hielten sie an und sahen ehrfürchtig daran hinauf.

Die Statue strahlte eine unbestimmte Würde aus. Und Alter. Sie sahen zu ihr auf und fühlten ihren Blick von Äonen erwidert.

Diese Statuen waren schon alt gewesen, als Celestia ihre Schwester auf den Mond verbannt hatte. Sie hatten schon gestanden, als ihre entfernten Vorfahren das alte Land verlassen hatten, um jenseits der Berge ihr Glück zu suchen. Sie waren so alt, das nur halb vergessene Legenden und alte Lieder sich überhaupt noch an sie erinnerten.

Twilight blickte tief in die Augen des steinernen Erdponys, dass sie scheinbar unverändert zu betrachten schien. Dann trat sie auf den Sockel vor und strich das karge Gras zur Seite.

„Hier ist eine Schüssel." Sie sah noch einmal auf. „Ein Opferstein."

Applejack ging an ihr vorbei und wischte mit ihrem Huf die Flechten beiseite, die über den Sockel gewachsen waren. „Hey! Sieh´ dir das an!"

Twilight eilte an ihre Seite und besah sich die steinerne Fläche, die ihre Freundin frei gekratzt hatte.

Seltsame Zeichen waren darin gekratzt worden, krude und nachträglich. Aber es waren viele. Die unverständlichen Runen überlappten sich teilweise, umschlangen sich, gingen ineinander über. Aber sie hatte immer eines gemeinsam: Ein Satz Zeichen war immer mit einem einheitlichen Symbol verbunden mit einem anderen.

„Das...", begann Twilight und kratzte noch mehr Flechten von dem Sockel um die darunter liegenden Runen zu enthüllen. „Das ist Graffiti!" Sie begann wilder zu arbeiten, riss wilden Efeu von der Seite des Sockels und wischte mit ihrem Huf die Flechten hinfort. Dann hielt sie plötzlich inne und deutete mit einem Huf auf eine der gekratzten Nachrichten aus der Vergangenheit.

„Das ist die ´Hohe Sprache´. Die alte Sprache, die der Einhorn-Adel in früheren Zeiten benutzt hat!" Sie kniff ihre Augen zusammen und übersetzte es: „Meyn Lieb is kein Pony von Horn, doch teur wy kaiin zwait. Ych, Truabload und sey, Sugaer Aepple."

Applejack spitzte die Ohren. „Ne Apple? Ohne Witz jetz´? Na, das is´ ja n´ Ding!" Sie stupste Twilight an. „Ha! Wie lang hast du gesacht, steht das schon hier? Un´ ich hab gedacht mein´ Stammbaum würd´ nich´ weiter reich´n als wie Ponyville!" Sie stutze einen Moment, als ihre Freundin ihr nicht antwortet. „Twi´? Alles Okay?"

Die violette Einhornstute starrte auf die steinerne Schüssel am Fuße des Sockels. Dann blickte sie hoch, zur Statue des Alicorns, die majestätisch über ihnen allen thronte.

„Wir müssen es richtig machen.", flüsterte sie, wie zu sich selbst.

„Hä? Was meinst´n damit?", fragte Applejack sie stirnrunzelnd.

Twilight sah sie an und ihr Gesicht erhellte sich langsam zu einem warmen Grinsen. „Es ist das Lied, AJ! Der Vers, Der Reim. Es stimmt alles! Auch wenn es nicht tausend Stufen waren, sie sind hier! Die Wächter!" Sie zeigte auf die Statuen, die sie umgaben. „Sie sind hier! Es ist alles wahr!"

Sie sah hinauf, höher als das Horn der Allgöttin Faust, hinauf zu den geteilten Gipfeln des Berges. „Sie kamen hierher. So viele. Auf der Suche nach Antworten. Und sie bekamen sie. Wie hätte die Legende sich sonst verbreiten können?"

Applejack schüttelte verwirrt ihren Kopf. „Was meinste´ damit, Twi?"

Die Einhornstute ließ sich sanft auf ihre Hinterbeine hernieder. „Ich meine damit das wir es genauso machen, wie Rogue es uns gesagt hat:

Vier Wächter stehen dort, sind stumm,

Schenkst du was her, stimmt es sie um.

Ein Opfer. Sie verlangen ein Opfer! Dazu sind die Schalen da! Etwas persönliches. Etwas wichtiges. Legt es in die Schalen! Jede Rasse in die Statue seines Geschlechtes! Kommt, lasst es uns tun!" Sie galoppierte zu den Resten der Einhornstatue hinüber, kramte einen Moment lang in ihren Satteltaschen, dann ließ sie eine Rolle Pergament in die Schale fallen.

Als die Gabe die steinerne Schale berührte, flammte blaues Feuer darum auf. Das Schriftstück verbrannte in kalter Flamme und ließ nicht einen Flocken Asche zurück.

Twilight wandte sich triumphierend ihren Freundinnen zu. „Es funktioniert noch immer! Die Magie ist ungebrochen!"

Applejack stand vor der steinernen Schale und warf einen kurzen Blick auf den Hut, den sie immer noch auf ihrem Kopf trug. Dann schüttelte sie den Kopf und setzte ihn ab. Sie löste das Hutband davon und warf es in die Schale. Die Flammen lösten es auf, ohne das ein Flocken davon zurückblieb. Sie starrte noch lange drauf, als auch der letzte Schein vergangen war.

Pinkie trat neben sie und suchte einen Moment lang in ihrer Satteltasche. Was immer sie hervorholen wollte, war ganz unten versteckt. Als sie es fand, musste sie es zuerst aus einer schützenden Lage Krepp befreien.

„Ich weiß nicht einmal, warum ich sie mitgenommen habe.", sagte sie, als sie die Mütze des Chiefs der freiwilligen Feuerwehr von Ponyville in den Hufen hielt. „Es ist ein bisschen dumm... aber jetzt... macht es Sinn." Sie warf es in die Schüssel und beobachtet ausdruckslos, wie es sich in Nichts auflöste.

Rarity trat vorsichtig auf Strawberry zu, die unverwandt den Grat betrachte, der hinter der Statue von Faust aus dem Berg trat. Die Fashionista bemerkte ohne besondere Überraschung, dass sich hinter einem unscheinbaren Felsen ein dunkles Loch auftat, das nur ein Höhleneingang sein konnte. Der Eingang zu den Höhlen, denen sie folgen mussten.

„Strawberry.", begrüßte sie die Drohne sanft.

„Oh. Hallo, Miss Rarity.", erwiderte der Changeling überrascht, aber zumindest nicht ängstlich.

„Ist das der Weg nach drinnen?", fragte Rarity vorsichtig und zeigte mit einem Huf auf den Spalt im Felsen.

„Ja. Von dort aus kommen wir zum Nest."

Die weiße Einhornstute nickte zufrieden. „Gut. Gut."

Sie schwieg einen Moment lang und hoffte drauf, das Strawberry mit ihrer Konversation fortfuhr. Aber sie tat ihr nicht den Gefallen. Schließlich fasste sie sich ein Herz und brachte ihr Begehr vor.

„Strawberry, ich weiß, das ich dir diesen Schal geschenkt habe und kein Recht darauf habe, ihn zurück zu fordern..." Sie trat neben die Stute und senkte leicht ihren Kopf. „...aber ich will fragen, ob ich es nicht dennoch könnte. Es ist keineswegs so, dass ich ihn dir nicht gönne, oder bereue ihn dir gegeben zu haben..." Sie sah auf, in die Augen der Drohne, die im Moment so sehr der eines Ponys glichen... so sehr... eines Ponys, das sie so gut kannte... und so sehr liebte... „... aber ich brauche ihn dennoch. Und wenn sie ihn mir gibt, sei sie versichert, das ich es ihr tausendfach zurückzahlen werde. Sie sei versichert, das ich es nicht nehme, weil ich grausam bin, sondern verzweifelt und das mich nichts anderes als diese Verzweiflung dazu treiben könnte zurück zu bitten, was ich gerne her gegeben habe. Versteht du das?"

Strawberry sah auf ihren Schal hinab. Sie betrachtete ihn einen Moment lang, so las hätte sie ihn niemals vorher gesehen. Dann wickelte sie ihn von ihrem Hals und reichte ihn Rarity. „Es ist euer." Und dann lächelte sie. Breit und aufrichtig.

„Das Ihr mir vertraut habt, ihn aufzubewahren, ist für mich genug. Ich danke euch."

Rarity sah einen Moment lang auf denn Schal in ihren Hufen. Dann warf sie ihn achtlos über ihre Schulter und umarmte die Drohne so fest und herzlich, wie sie nur konnte.

„Wir sind per ´du´. Jetzt und für immer. Und was immer Twilight sagt und was immer deine Königin im Sinne führt... das werde nie vergessen. Niemals!"

Sie löste sich langsam von der Drohne und zwinkerte ihr zu. Dann hob sie Den Schal auf und trug ihn zu der Statue mit dem abgebrochenem Kopf. Die weiche Wolle kräuselte sich einen Moment lang, als das magische Feuer sie verschlang, dann war er verschwunden. Sie trat zurück und sah nach Westen, dort wo hinter den hohen Gipfeln des Grates Canterlot lag. Und dahinter... Equestria und Ponyville... und Sweety Belle.

Applejack sah, wie Rainbow über der Schüssel sah und unschlüssig auf etwas kleines in ihrem Huf starrte. Als sie sie ansprach, warf der Pegasus den Gegenstand, der kurz metallisch aufblitzte, in den Opferstein und sah sie erschreckt an.

„Was war´s?", fragte AJ sie.

„N-nichts! Nur ein kleines Andenken!"

Das Erdpony betrachte sie einen Moment lang mitfühlend, dann nickte sie und ging weiter.

Rainbow wollte ihr schon folgen, zauderte aber noch einen Augenblick lang. Ihr Blick glitt zurück auf den Opferstein, wo die magische Flamme das kleine Abzeichen der Wonderbolt Academy restlos verschlungen hatten. Sie warf einen letzten, sehnsüchtigen Blick darauf, dann setzte sie ihren Marsch fort.

Fluttershy trat von der steinernen Schüssel zurück und beobachtete für einen Moment, wie die Flammen aufloderten, dann drehte sie sich um und ging zurück zu Pinkie und Rogue.

Der Hengst schien im Halbschlaf zu liegen, deshalb streichelte sie vorsichtig über seine Mähne, um ihn aufzuwecken. Es war beängstigend, wie heiß sich sein Fell unter ihrem Huf anfühlte.

Halt noch etwas durch, betete sie still. Nur noch ein kleines bisschen. Die Changelinge werden dich wieder in Ordnung bringen. Sie müssen. Sie müssen!

Sie beugte sich zu ihm herunter und flüsterte im leise ins Ohr. „Was willst du in die Schale werfen, Rogue?"

Es dauerte einen schrecklichen Augenblick lang, bis er ihr antwortete. Er huste heftig und keuchte einige Sekunden lang, dann schüttelte er seinen Kopf. „Ich weiß es nicht, Fluttershy. Ich habe nichts mitgebracht, das irgendeinen sentimentalen Wert für mich hat. Ich zermartere mir den Kopf darüber, aber mir fällt nichts ein.

Fluttershy trat unruhig von einem Huf auf den anderen. Schließlich beugte sie sich wieder nach unten. „Okay, nicht so schlimm. Bleib hier und ruhe dich aus, so gut es geht."

Sie sprintete los, hin zu Twilight, die noch immer die Schriftzüge an den Sockeln betrachtete.

„Twilight!"

Die Stute richtete sich auf, als sie ihren Namen hörte und sah ihr entgegen. Fluttershy konnte nicht anders, als den seltsamen Blick zu bemerken, mit der ihrer Freundin sie bedachte. Es war... vorsichtige Zurückhaltung. Vielleicht sogar mit einer Spur Angst darin. Es machte sie traurig, ihn zu sehen.

„Was ist los? Ist etwas mit Rogue?", fragte die Einhornstute sie, als sie vor ihr zum stehen kam.

Sie schüttelte den Kopf. „Es geht um ihn, aber nicht so. Es ist... er weiß nicht, was er in die Schüssel werfen soll!"

Twilight rollte mit den Augen. „Oh, Celestia und Luna, dieser Hengst... Also gut, ich rede mit ihm." Sie machte sich auf den Weg, Fluttershy dicht an ihrer Flanke. Die Pegasusstute warf ihr im Gehen seltsame Blick zu, aber sie versuchte sie zu ignorieren. Als sie bei dem Rettungspony ankamen, versuchte Pinkie gerade ihm etwas von ihrem Tee einzuflösen. Der Hengst hustete zwischen jedem Schluck kräftig.

„Rogue...", begann sie, als sie bei ihm angelangt war. „Es ist ganz einfach. Sie wollen nur etwas persönliches aus deinem Besitz. Etwas, das dir wichtig ist."

„Ja..." Husten, tief und kehlig. Er verzog schmerzhaft das Gesicht, beruhigte sich aber fast sofort wieder. „Ja, das weiß ich. Aber ich habe nichts. Ich habe meine Ausrüstung, ich habe meine Decke und meine Vorräte und nicht mehr. Selbst das Geschirr..." Husten. „ Selbst das Geschirr, das meine Mom mir mitgegeben hat ist in Sweet Apple Acres. Mir fällt einfach nichts ein, Twilight.

Die Stute biss sich angestrengt auf die Lippen. Sie mussten sich so gut es ging an den Vers halten, wenn sie nicht Gefahr laufen wollten, dass die uralte Magie versagte. Und gerade bei Rogue...

Sie war sich immer sicherer geworden, seit sie die Zeilen des Liedes immer und immer wieder im Kopf durchgegangen war. Zusammen mit dem liebestrunkenem Graffiti auf den Sockeln hatte sich ihr Verdacht zur These erhärtet: Was immer auch für ein Orakel auf dem Gipfel des Berges auf sie wartete, es öffnete sich vielleicht nur für Liebende. Und das einzige Pärchen in ihrer Gruppe war... Rogue und Fluttershy. Die Pegasusstute hatte ihre Aufwartung an die Wächter bereits vorgebracht, genau wie alle anderen. Aber um sicher zu gehen, brauchten sie Rogue.

Sie strich sich angestrengt mit einem Huf über ihren Schnauzenrücken. „Denk bitte noch einmal genau nach. Bist du dir sicher, das du nichts dabei hast? Was ist mit deiner Ausrüstung?"

Der Hengst schüttelte seinen Kopf. „Die ist aus dem Katastrophenschutzkeller meiner Wache. Sie gehört mir nicht einmal."

„Najaaa...", begann Pinkie Pie und drehte ihren Kopf mit einem mysteriösen Grinsen auf die Seite. „Vielleicht wüsste ich ja da eine Lösung..."

Twilight sah auf. „Welche?"

„Najaaa, das ist nicht ganz einfach." gab sie von sich und grinste etwas breiter, während sie zwischen Fluttershy und Rogue hin und her sah.

Dem Hengst graute es. „Pinkie...", begann er grollend und mit seiner belegten Stimme klang es so drohend wie ein Donnergrollen.

„Was?", fragte Fluttershy verdutzt und unschuldig.

„Najaaa,...", fuhr die Erdstute stichelnd fort. „...wenn es doch so wichtig ist?"

Applejack trat von hinten an sie heran. „Was´n los? Geh´n wir bald weiter?"

„Uuund... wir haben sogar noch eine zweite Kandidatin am Start! Jetzt kann es doch nicht mehr so schwer sein, oder?"

„Pinkie!"

„Wut?", mischte sich Twilight ein, die gerade den Faden verloren hatte.

„Ich sage:...", dozierte Pinkie mit fröhlicher Mine. „...wir schneiden einfach ein kleine Strähne von zwei wirklich wunderschönen Mähnen ab und sehen mal, welche..."

„Okayokayokay!" preschte Rogue heraus und schnitt der unsäglichen Stute das Wort ab. „Nur einen Moment." Er knirschte mit den Zähnen und gab seinem überhitzten Gehirn einen kräftigen Tritt mit lieben Grüßen vom Überlebenswillen.

Was von persönlichem Wert hatte er dabei? Was war für ihn von persönlichem Wert? Er hatte nichts aus Manehattan dabei, als die generische medizinische Ausrüstung seines Berufes und die Decke, die sogar noch aus den Beständen seiner Wache stammte. Selbst viele der Einmalartikel und Medikamente stammten aus Ponyville. Sollte er sie opfern? Das Päckchen Antibiotika, das seine letzte Hoffnung auf eine fortgesetzte Existenz war? Verdammt, das war etwas persönliches...

Aber nicht das richtige. Das spürte er. Die Wächter hier wollten ein Opfer, aber keinen Blutzoll.

Was hatte er aus Ponyville mitgenommen? Der Ort war inzwischen voll genug mit so wichtigen, manchmal schönen und manchmal grausamen Erinnerung. Welche Gegenstände waren in den letzten Wochen für ihn von Bedeutung gewesen?

Das Buch. Das Buch mit den Gedichten. Mit dem einen, wichtigen Gedicht, das ihm und Twilight so viel Hoffnung gebracht hatte. Aber er hatte es ihr zurückgegeben und sie hatte es sicherlich nicht dabei.

Der Beutel mit Nüssen. Die letzte Erinnerung an seine erste Begegnung mit seinem kleinen pelzigen Freund Bandit. Der nicht mehr war. Aber das Säckchen war auch in Sweet Apple Acres geblieben.

Apple Blooms Zeichnungen. Auch dort.

Die Fahne Equestrias, die er getragen hatte, so traurig und doch so stolz. In Ponyville.

Alles zurückgelassen, in der Gewissheit, das er zurückkehren würde, um mit ihnen heim zu gehen. Eine Gewissheit, die jetzt verblasst war, die unsicher und unwahrscheinlich geworden war. Was bleib, waren...

Seine Ohren zuckten auf.

„Es ist Magie, oder Twilight?", fragte er plötzlich.

Die Stute sah ihn überrascht an. „Ja. Ja, natürlich."

„Mächtige Magie?", forschte er weiter nach.

Sie sah ihn weiterhin verwirrt an. „Sie existiert seit tausenden von Jahren. Ja, sie ist mächtig."

Er schüttelte seinen Kopf. „Ich hab ja sowieso keine Ahnung." Er erhob sich mit zitternden Knien. Die Decken fielen von ihm ab und sein fiebriges, feuchtes Fell dampfte in der kalten Luft. Fluttershy eilte sofort an seine Seite, aber er hielt sie zurück. Er versuchte ein Lächeln zustande zu bekommen, aber es wirkte kläglich, angesichts seines Zustandes. „Es ist schon in Ordnung. Das ist ein Gang, den ich alleine tun muss." Er sah hoch zu der Status des Erdponys, die vor ihnen aufragte. „Es sind ja nur ein paar Schritt."

Er keuchte vor Schmerz laut auf, als er den ersten Schritt tat. Weißglühende Stacheln schienen sich in seine Flanke zu bohren, als sein nutzlos gewordenes Hinterbein bewegt wurde. Er biss die Zähne zusammen und machte noch einen.

Das immer gleiche Pochen in seiner Flanke, das ihn schon seit Stunden begleitete wurde stärker, durchbrochen nur von den Lanzen aus Pein, wenn er seinen Hinterlauf bewegte. Nur noch ein Schritt...

Er sprang auf drei Beinen vorwärts und klammerte sie an der Schale fest, zog sich grunzend an ihr hoch. Er hustete, wild und ungehemmt. Seine Lungen fühlten sich wund an und seine Kehle wie mit Dornen gespickt. Er hatte nur einen Versuch. Wenn es nicht funktionierte... konnte er nichts daran ändern. Das hätte ihm Angst machen sollen, aber tatsächlich erfüllte es ihn nur mit einem angenehmen Gefühl der Unabwendbarkeit. Er würde etwas von sich her geben, das ihm teuer und wichtig war. Wollten es diese Wächter nicht haben... Dann sollten sie verflucht sein. Er konnte es nicht ändern.

„Was macht er´n da?", fragte Applejack Twilight, als sie sah, wie ihr Cousin lautlos die Lippen über der Schale bewegte, fast so als würde er Speichel sammeln, um hinein zu spucken.

„Er flüstert etwas, aber ich kann es nicht verstehen..." Sie spitzte die Ohren. „Etwas über..." Sie erbleichte sichtlich. „Nein! Tu´ das nicht, Rogue!"

Eine kalte, blaue Flamme erglomm über der Schüssel, ohne das der Hengst etwas Sichtbares hinein gegeben hatte. Sie wuchs an, größer, als alle anderen Flammen, die sie gesehen hatten.

Und dann sprang ein Funke auf den Hengst über. Ein funkelnder, kleiner Lichtblitz, wie eine Sternschnuppe. Aber als als sie auf seine Stirn traf, flammte sie umso heller auf, loderte und wuchs, so wie das Feuer in der Schale erstarb. Für einen Moment trug Rogue ein Horn. Ein Horn aus blauen, kalten Flammen auf seiner Stirn.

Dann verblasste das Feuer in einem Augenblinzeln, so als hätte es es nie gegeben. Rogue fiel vor dem Opferstein in sich zusammen, wie eine Marionette, deren Fäden durchtrennt worden waren.

Twilight stürmte los, aber so schnell sie auch war, sie war nicht schneller als Fluttershy, die wie ein gelber Blitz an ihr vorbei schoss und den leblosen Hengst an sich zog.

„Rogue!", rief sie aus, ein Laut, der wild und verzweifelt über den gleichgültig in Schatten gehüllten Berghang hallte. Sie hielt seine Gestalt in ihren Hufen und schüttelte sie heftig, versuchte ein Lebenszeichen aus ihm heraus zu pressen, mit aller Kraft, die sie besaß.

„Fluttershy!", stieß Twilight hervor. „Lass ihn los!"

Wenn sie es hörte, reagierte sie nicht auf den Schrei ihrer Freundin. Statt dessen hüllte sie das Rettungspony in die schützende Umarmung ihrer Flügel und betete ihren Kopf an seine feuchte Brust.

„Du verdammter Dummkopf! Du von allen guten Geistern verlassener Idiot! Wie konntest du mir das antun? Wie kannst du es wagen, dich für uns zu opfern?"

„Fluttershy! Fluttershy! Er atmet! Lass ihn los!" Twilight zerrte an ihren Flügeln und bekam glücklicherweise Hilfe von Applejack und Rainbow, die plötzlich neben ihr auftauchten. Selbst zu dritt hatten sie ihre liebe Not, das völlig aufgelöste Pony von Rogue herunter zu ziehen.

Sie wehrte sich nach Leibeskräften, aber nur, bis der Hengst vor ihr sich langsam zusammen rollte und angestrengt zu Husten begann. Sofort stellte sie ihre Gegenwehr ein. Ihre Freundinnen ließen von ihr ab. Und schon war sie wieder über ihm, sanft aber diesmal, bettete ihn auf einen ihrer Flügel und legte seinen Kopf in ihren Schoß.

„Ich... ich dachte...", begann sie stotternd und versuchte die Tränen zurück zu halten, die ihr die Wangen herabliefen. „...ich dachte, du wärst tot.", brachte sie schließlich hervor.

Er blinzelte schwach, als salzige Tropfen auf sein Gesicht fielen. Er war noch immer nicht ganz bei sich, nachdem die Magie in einfach ausgenockt hatte.

„Nein. Noch nicht.", flüsterte er schwach.

Sie verspürte einen Knoten in ihrem Hals. Eine unendliche Dankbarkeit, das er immer noch bei ihr war. Aber daher kam der Knoten nicht. Er kam von einer Frage, einer Frage, die sie ihm stellen musste:

„Was hast du geopfert Rogue? Was war es?" Ihr Herz zog sich schmerzhaft zusammen, aus Furcht, was er ihr antworten könnte.

Er sah sie einen Moment lang aus tiefen, blauen Augen an, die so sehr den ihren glichen, nur eine winzige Spur heller. Dann hob er zitternd einen Huf und strich ihr zärtlich über ihre tränennasse Wange.

„Etwas Persönliches. Etwas Wichtiges." wisperte er kaum hörbar. Er schwieg für einen Moment, während er sie schläfrig betrachtete. Sie beugte sich näher zu ihm herab, um zu hören, was seine letzten Worte waren, bevor er das Bewusstsein verlor.

„Eine Erinnerung." hauchte er in ihr Ohr.


Der Berg verschluckte sie, ohne eine Spur von ihnen zu hinterlassen. Ihre Hufabdrücke in den zähen Flechten verschwanden fast so schnell wie sie gekommen waren. Keine Stunden, nachdem sie in den Höhleneingang getreten waren, der sich unauffällig hinter einem hervorragenden Felsen neben der Alicornstatue versteckte, war es so, als hätten sie nie einen Huf auf das Plateau gesetzt.

Doch Ihr Pfad führte weiter. Diesmal nicht an der Außenseite des Berges entlang. Sondern tief, tief hinein in seinen Bauch.

Als sie das letzte Licht des Tages hinter sich zurück ließen, erglommen Rarity und Strawberrys Hörner wieder in ihren Farben. Diesmal schien die Drohne sich nicht so sehr zu schämen, ihre wahre Gestalt zu zeigen.

Twilight sah sich für einen Moment zu dem letzten Schimmer Tageslicht um, der weit hinter ihnen lag und klopfte dann laut mit einem Huf auf den Boden, so das die anderen sich ihr zu wandten.

„Rarity, Strawberry: löscht eure Lichter."

Die beiden Ponys sahen sich für einen Moment lang überrascht an, dann war Strawberry die erste, die ihr Horn erlöschen ließ. Nur einen Moment später folgte ihr Rarity.

Die Ponys saßen unbewegt in der Dunkelheit. Der Eingang in den Berg war ein Lichtpunkt, aber fern und winzig.

„Twi...", begann Applejack zögernd. „Wir könn´ nich´ n´ Huf vor Aug´n seh´n..."

„Psst!", entgegnete ihr die Einhornstute harsch. „Nur noch einen Moment!"

Sie warteten angespannt in der Dunkelheit.

Die Dunkelheit stellt seltsame Dinge mit dem Verstand an. Das Auge, immer gewohnt zu sehen, malt seine eigenen Gemälde in das Schwarz hinein, wenn es nichts zu sehen gibt. Wabernde Farben, glänzende Abdrücke auf der Netzhaut, schwimmende Regenbogensterne und fantastische Muster. Wenn die die sensorische Deprivatation lange genug dauerte... konnte man alles sehen.

„Ich...ich sehe etwas...", begann Rainbow leise. „Vor uns. Dort, wo der Tunnel weiter ging. Ich kann Schatten unterscheiden."

Sie wandten ihren Blick, in die Richtung, die ihre Freundin beschrieben hatte. Es dauerte einige Sekunden lang, bis ihre Augen den Schimmer aufnahmen.

„Es stimmt!", rief Pinkie aus. „Ich sehe es auch!" Sie hörten das Geräusch von aufgeregten Hufen, die über den nackten Felsen tanzten. „Wenn ihr den Hintern dem Eingang entgegenhaltet, seht ihr es besser!"

Sie taten wie geheißen und bald konnten sie es auch sehen.

Es war ein winziger Schimmer in der absoluten Finsternis. Eine winzige Spur weißblau in vollkommenem Schwarz.

Langsam gingen sie darauf zu. Es wurde mehr und mehr, je weiter sie ihre Hufe trugen. Es war nicht hell. Es war nur so, als währen die ansonsten unsichtbaren Kanten des Ganges, die Steine und Felsen, die Stalaktiten und Stalakmiten, jede Kontur mit einer kleinen Spur Weiß und Blau nach gezeichnet worden. Nicht genug, um zu sehen. Aber gerade genug, um sich zu orientieren. Sie selbst blieben Schatten, die sie höchstens an ihren charakteristischen Silhouetten erkennen konnten.

„So konnten sie ihren Weg finden.", sagte Twilight ehrfürchtig. „Auch ohne eine Laterne oder Magie zu benutzen.

Applejack strich über eine feuchte Stelle, wo das blasse Leuchten etwas mehr hervortrat und roch daran. Dann wischte sie es sich von ihrem Huf. Eine Spur Leuchten bleib daran zurück.

„Ich verwett´ was drauf, dass das Pilze sin´. Se´ riechen un´ schmeck´n danach. Un´ ich hab schon mal geseh´n das Pilze leucht´n könn´."

Twilight nickte zustimmend und bemerkte dann, das wahrscheinlich niemand ihre Geste in der Finsternis bemerken würde. „Ja.", sagte sie statt dessen. „Aber mich würde nicht wundern, wenn sie nur auf seinem einzigen Pfad durch den Berg wachsen würden. Strawberry? Ist euch sonst noch irgendwo diese Biolumineszenz aufgefallen?"

„Nein.", antwortete die Drohne sofort. „Ich sehe sie jetzt zum ersten mal." Sie zögerte einen Augenblick. „Aber der Geruch... der Geruch kommt mir bekannt vor. Ich habe ihn nur hier unten so stark wahr genommen. Und in einigen anderen Gängen, aber nicht vielen..."

„Wo genau?", verlangte Twilight zu wissen.

„Das ist schwer zu beantworten. Hauptsächlich im Osten des Nestes, aber die Gänge dort sind sehr verschlungen und wir meiden sie, weil dort die Kreatur zu Hause schien. Es gibt einen Eingang über der Kammer der Prätorianer, die stark danach roch, aber wir haben alle Wege nach unten, die davon abführten, verschlossen."

Twilight horchte auf. „Rochen diese Wege auch nach diesem Pilz?"

Strawberry zögerte. „Ich weiß es nicht. Ich war nie dort, da ich nicht bei den Arbeitern war, die sie verschlossen haben."

Die Stimme der Einhornstute drückte Ungeduld aus. „Gab es weitere Tunnel nach oben?"

Strawberry machte einen verwirrten Laut. „Ich weiß es nicht. Ich glaube nicht! Die Prätorianerhöhle und die Gemächer der Königin sind die obersten Höhlen in diesem Berg und sie sind praktisch auf gleicher Höhe. Wenn es Wege weiter hinauf gibt, sind sie verschlossen worden!"

„Verdammt!" Sie hörten das schicksalsergebene Schnaufen der Stute. „Also gut. Wir werden es herausfinden. Gehen wir weiter."

„Ähm, tatsächlich müssen wir hier abbiegen.", sagte Strawberry in einem vorsichtigen Tonfall.

„Was?", fragte Twilight angestrengt.

„Es geht hier entlang, durch diese Passage." Das Horn der Drohne leuchtete auf und blendete sie alle sofort. Ihre Augen hatten sich an den leichten Glanz der Pilze gewöhnt und schmerzten im Licht der fremden Magie. Der Pfad der Lumineszenz war weiter stetig vor ihnen aufgestiegen, aber das Loch, dass das grüne Feuer ihnen leuchtete, ging gerade von diesem Pfad ab.

„Das Nest liegt in dieser Richtung."

„Ja, Das Nest.", sagte Twilight nachdenklich.

Rainbow trat neben sie und legte ihr ernst den Huf auf die Schultern. „Du hast es doch nicht vergessen, Twilight? Warum wir hier sind?"

Die Stute erschrak und sprang zurück. „Nein!", erwiderte sie heftig. „Die Changelinge. Torden Hallen. Ich weiß es noch!"

Dash nickte kurz. „Dann ist ja gut."

„Ja.", murmelte Twilight. „Alles gut. Ich mach das."


Ihr weiterer Weg war nicht so halb so leicht, wie der, den das Leuchten ihnen gezeigte hatte. Der sanft aufstrebende Pfad, dem sie gefolgt waren, verwandelte sich in einen Hindernisparcour aus plötzlich aufsteigenden Felswänden, engen Schikanen und gewundenen Tunneln. Mal mussten sie sich an klaustrophobischen Engstellen vorbei drücken, mal weitete sich die Höhle zu einem Saal, wo tückische Löcher und Spalten auf den unvorsichten Huf lauerten. Obwohl die Hörner von Rarity, Twilight und Strawberry ihnen den Weg schienen, warf der zerklüftete Fels seltsame, tiefschwarze Schatten, die das Auge zu durchdringen nicht in der Lage war. Das Licht tanzte auf verrückten Formen, halb verborgen in der Dunkelheit, feucht glitzernd und geheimnisvoll. Es wurde von schillernden Quarzadern zurückgeworfen, die verführerisch in der Dunkelheit glänzten.

Das wandernde Licht erzeugte den Eindruck von Bewegung wo keine war. Oder wo keine zu sein schien, nachdem ein ängstlicher Blick in die stygische Finsternis geworfen worden war. Die Echos ihrer Huftritte auf dem nackten Stein hallten weit durch die Kavernen, bis sie verzerrt und unerkennbar wider an ihre Ohren drangen.

Manchmal hörten sie etwas, das kein Echo zu sein schien. Nichts, das durch ungesehene Säle und dunkle Weiten verändert zu sein schien. Ein Flirren, ein Summen. Ein Klicken, ein hartes Schnattern. Eine Bewegung in der Finsternis. Ein Stein, der nicht weit von ihnen über den Boden gestoßen wurde.

Sie waren nicht alleine.

Und dann bemerkten sie es alle.

Eine Spur Wärme in der kalten Luft der Tunnel. Ein Spur des Geruchs des Nestes, wie ein zu lang getragenes Hemd, oder wie feuchtes Stroh, dass in der Sonne gärte.

Und der grüne Schimmer, der den Tunnel vor ihnen erhellte.

„Nicht mehr weit. Nicht mehr weit.", sagte Strawberry. Rainbow war vielleicht die einzige, die den seltsam apathischen Tonfall in ihrer Stimme wahrnahm. Aber sie sagte nichts darauf, aus Angst, Twilights Misstrauen noch weiter zu füttern.

Rarity nahm Pinkie die Last von Rogue über die letzte, mehr als drei Meter hohe Stufe ab. Dann bettete sich den keuchend atmenden Hengst über ihren eigenen Rücken und winkte ab, als Applejack auf sie zu kam.

„Wir sind da. Erholt euch." Dann schloss sie sich dem staunenden Blick ihrer Begleiter an.

Die riesige Höhle, der breite Kamin, in dem sie sich befanden, wand sich gekrümmt über ihnen empor, bis sein Ende sich in einem winzigen Fleck Sonnenlichtes verlor. Der Boden war bedeckt mit schimmernden Teichen, deren Wasser von selbst zu leuchten schien. Kleine, dunkle Gestalten, von der Größe eine Hufes huschten wie Fische darin umher, auch wenn ihrer Gestalt keinem Vertreter der Gattung Pisces ähnelte. Sie erinnerten mehr an Kaulquappen, auch wenn ihre Köpfe mehr denen eines Ponys, oder vielmehr eines Wechselbalgs glichen.

Darüber spann sich, bis hinauf in die Finsternis, ein starres Netz. Gewebt aus unbekannter Seide, durchscheinend und doch stabil, verwob es glänzende Blasen aus grünem Schleim, der undeutliche Schatten in sich barg. Auch diese gaben einen grünen Schein von sich und durchbrachen die Schwärze mit ihren unheimlichen Tupfern seltsamen Lichtes.

Die steinernen Wände selbst schienen lebendig zu sein. Sie schienen sich zu verschieben, zu verformen, blitzten auf und verloschen wie ein einziger, polierter Körper. Mit Schrecken wurde ihnen bewusst, das es unzählige Changelinge waren, deren Chitin das grüne Licht auf die zurückwarfen.

Daher das Summen. Das Vibrieren im Gestein, das durch ihre Hufe in ihr Gehirn drang, wie ein ferner, befremdlicher Gesang, wie ein Gefühl von Angst, dass direkt in ihr Gehirn appliziert wurde.

„Folgt mir!", sagte Strawberry, als sie forsch voran schritt.

Sie konnten nicht anders. Sie blieben dicht hinter ihr.


Sie gingen voran, tiefer und tiefer in den Bau der Wechselbälger. Die Umgebung veränderte sich zunehmend von Kammer zu Kammer, durch die sie geführt wurden. Die schroffen Steinwände wurden mehr und mehr verdeckt durch organische Strukturen, unbegreifliche Rundungen, Wölbungen und Fortsätze, die an versteinerte Organe oder Venen erinnerten. Grüne, leuchtende Flüssigkeit tropfte von der Decke und sammelte sich in einem kleinen Rinnsal, das ihnen entgegen strömte.

Seltsame, fremdartige Gestalten huschten am Rande ihres Blickfeldes in verborgene Tunnel, zischten sie ungesehen an und verschwanden, bevor sie sie richtig ausmachen konnte. Der Geruch des Nestes erfüllte mittlerweile jeden Winkel ihrer Nüstern. Das Aroma nach wie von feuchter Hefe, überreifen Früchte und vergessener Socken war überwältigend.

Sie gingen nicht unbeobachtet. Ein Glitzern folgte ihnen, gerade außerhalb des glühens ihrer Hörner und des Scheins des Nestes. Kleine, regenbogenfarbene Reflektionen wie auf den Flügeln von Insekten, gerade außerhalb ihrer Wahrnehmung. Das sanfte Streichen von Flügeln über Chitin, über Felsen. Das unterdrückte Summen und Zirpen das kaum über das Hintergrundgeräusch des Stockes hinausging.

Strawberry trieb sie zur Eile an. Sie folgten ihr bereitwillig.

Sie wurden verfolgt. Nicht von einer Leibgarde. Sondern von einer Armee.

Eine letzte Höhle. Schmal und lang. Barrikaden aus glitzerndem, hartem Material stellten sich ihnen entgegen. Nur ein schmaler Pfad schlängelte sich zwischen ihnen hindurch.

Strawberry folgte ihm, unerschütterlich und ohne zu zögern, wie in einem Traum. Das helle Licht hier ging nur von der engen Öffnung am Ende der Kammer aus und tauchte den Rest in harte Schatten. Sie folgte ihm, wie eine Motte.

In der Dunkelheit zu ihren Seiten, hinter den Befestigungen, regten sich aufgeblähte Gestalten, gehüllt in glitzernde Panzer aus Muskeln und Chitin, die sie aus vielfach geteilten Augen wachsam betrachteten. Sie blieben im gnädigen Dunkeln, aber scharfe Mandibel und schartige, scharfe Krallen blitzten sie im wenigen Licht herausfordern an.

Sie drängten sich ängstlich hinter der Drohne zusammen, eingeschüchtert von der fremdartigen Umgebung des Nestes. Strawberry ging ihnen voran, mit einer Zuversicht, die sie vorher nie gezeigt hatte.

Sie erklommen die steile Rampe hinter ihr, dem gleißendem, grünen Licht entgegen, das die die letzte Grenze zwischen der Königin und ihren Untertanen bedeutete.

Sie mussten ihre Augen vor der blendend grünen Helligkeit schützen, die von dem Kokon in der Mitte der Kreisrunden Kammer ausging. Als sich ihre Augen an das Strahlen gewöhnt hatten, sahen sie, das Strawberry demütig ihren Platz neben der langsam pulsierenden Zyste eingenommen hatte, die im innersten Heiligtum der Changelinge von der Decke hing.

Willkommen, meine kleinen Ponys, pulsierte der Kokon, in dem sich die undeutliche Gestalt von Chrysalis abzeichnete, wie hinter einem Vorhang grünen Bernsteins.

Willkommen, willkommen, willkommen.

Die Stimme dröhnte in ihrem Verstand, ohne den Umweg über ihre Ohren zu nehmen. Sie hielten sich dennoch die Hufe dagegen, so falsch und schrecklich war das Eindringen in ihr Denken. Sie fühlten, wie das Etwas, das noch immer bewegungslos in seinem Kokon schwebte, lächelte, als es ihre Abscheu fühlte.

Ich freue mich wirklich sehr, das ihr zu mir gekommen seid, gurrte die Königin in ihren Köpfen mit vergifteter Freundlichkeit, als sich langsam einen Membran wie ein Vorhang über den Eingang hinter ihnen legte und ihn verschloss.


Twilight fasste sich ein Herz und trat entschlossen einen Schritt vor. „Wir sind nicht gekommen, um gegen dich oder dein Volk vorzugehen, Königin Chrysalis! Wir sind hier, um zu helfen!"

Ihre Freundinnen sahen sie bewundernd an, auch wenn ihnen selbst die Angst noch die Kehlen zuschnürte. Das Twilight dazu fähig war, hier, jetzt, solchen Mut aufzubringen und der Königin der Changelinge in ihrem eigenen Allerheiligsten so gegenüber zu treten, war bemerkenswert. Auch wenn sie alle sahen, wie ihr die Knie leicht zitterten, stand sie dennoch aufrecht und mit erhobenem Kopf.

Gegen mich vorgehen? Das ich nicht lache! Zurück auf deinen Platz, kleines Pony!

Ein Puls ging von dem Kokon in der Mitte der Kammer aus, eine Welle geistiger Kraft, so kraftvoll und hart wie ein Schlag ins Gesicht.

Die anderen, die nur abseits des Wirkungskreises standen, verspürten einen kurzen, intensiven Kopfschmerz, der wie ein glühender Dolch in ihr Hirn fuhr. Sie zuckten und krümmten sich unwillkürlich zusammen.

Twilight, die der Angriff galt, wurde brutal herum gerissen und sackte zu Boden.

Fluttershy und Rarity waren sofort an ihrer Seite. Applejack, Rainbow und Pinkie stellten sich schützend vor sie.

Nein, ihr seid keine Mörder, die Er zu mir geschickt hat. Dafür seid ihr zu schwach, mit euren lächerlichen Sinnen nach Frieden und Eintracht. Sein Weg ist Feuer und Speer, Pfeilspitze und blanker Huf. Keine Assassinen in Verkleidung. Er ist, auf seine Weise, genauso dumm wie ihr.

Fluttershy hob vorsichtig Twilights Kopf an und sah mit Schrecken, das ein dünner Blutfaden aus einem ihrer Nasenlöcher ran. Die Stute in ihren Hufen rollte glasig mit den Augen, kaum bei Bewusstsein.

„Twilight! Twilight!", rief die Pegasusstute den Namen ihrer Freundin, in der Hoffnung, sie zu sich zu bringen.

Langsam erholte sich das Einhorn von dem Schlag, Ihre Augen fixierten ihre Freundin und sie schüttelte sachte ihren Kopf.

„Oww! Was ist passiert?"

Nur ein Vorgeschmack, kleine Twilight, nur ein Vorgeschmack. Chrysalis Stimme drückte nun jedes Gramm an Gehässigkeit aus, das sie aufbringen konnte.

Die Einhornstute strampelte sich frei und kämpfte sich zurück auf ihre vier Hufe.

„Verstehst du nicht? Torden Hallen will euch mit allen Stämmen des Alten Landes angreifen! Und er wird keinen einzigen Changeling am Leben lassen, wenn du dich ihm nicht unterwirftst!"

Das eiskalte Lachen der Königin hallte durch Ihren Verstand. Du glaubst, das weiß ich nicht bereits? Du glaubst es tatsächlich! Die Stimme verlor mit einem mal ihre Amüsiertheit und machte einem dunklen, herrschaftlichen Tonfall platz. Ich bin das Flüstern in der Dunkelheit. Das Ohr an der Wand. Das Auge des Spions. Ich weiß, welchen Sturm dieses Pony über mein Volk bringen wird.

Twilight trat fassungslos einen Schritt zurück. „D-du weißt es?", fragte sie ungläubig. „Aber... wie kannst du es zulassen, dass...?"

Zulassen?, zischte Chrysalis hasserfüllt. Ich ertrage es. Mit Würde, wie eine Königin. Es war deine geliebte Hure Cadance und ihr geiler Bock, dein Bruder Shining Armor, der mein Volk zum Untergang verdammt hat! Ihre Stimme troff vor Gift über. Twilight zuckte vor den Obszönitäten, die die König ihr entgegen spuckte, zurück. Ich hatte bereits alles unter meiner Kontrolle. Das Königreich lag in meinen Hufen! Und doch habt ihr verdammten Ponys es geschafft mir den verdienten Sieg mit euren verdammten Tricks zu entreißen. Mein Volk wäre endlich sicher gewesen! Kein Verstecken mehr in den Schatten. Keine Verfolgung mehr, keine Angst. Alles zunichte gemacht in einem Wimpernschlag. Durch gerade die süßeste Speise von allen: Sie würgte das Wort geradezu hervor, als müsse sie daran ersticken. Liebe.

Der Schatten im Kokon zuckte. ICH hätte den Sieg davon tragen müssen! ICH hätte über Equestria herrschen sollen. Doch statt dessen habt ihr mich in dieses schreckliche Land verbannt, wo diese degenerierten, mordgierigen Vettern eurer Rasse die schmutzige Arbeit für euch verrichten sollen! Ich hasse euch! Ich hasse euch! Sie schrie die letzten Worte so schrill heraus, das die Freunde vor Schmerz zusammen zuckten.

Dann beruhigte sie sich von einem Moment auf den anderen. Die plötzliche Ruhe ihrer Stimme klang gefährlich und mordlüsternd.

Aber das alles spielt nun keine Rolle mehr. Die Steine sind gesetzt und die Würfel Changelinge werden für ihre Königin fallen, aber nicht bevor sie ihre Rache gehabt hat. Auch wenn ich diese Schlampe Cadance und den Sonnenbastard nicht persönlich zur Verantwortung ziehen kann, werde ich ihnen dennoch genug Schmerz damit bereiten, wenn ich ihre geliebten Elemente auslösche. Ein kleiner Ausgleich, aber umso befriedigerend!

„Warte!", schrie Twilight, als sie fühlte, wie sich die Energie in der Kammer der Königin sammelte.

Worauf? Schrie die Stimme in ihrem Verstand. Willst du um dein kleines Leben betteln, Twilight? Um das deiner Freunde? Tu Es! Erniedrige dich vor mir, und ich will einen von ihnen schonen, um die Kunde zu Celestia und Cadance zu tragen!

„I-ich bitte nicht um unser Leben. Das habe ich nie gewollt. Wir sind hier, um für das Überleben der Changelinge zu verhandeln!"

Ich bin die Königin! Ich werde mich niemandem beugen!

„Eine Königin dient ihrem Volk! Wem wird der Tod deines Volkes dienen?"

Die Königin war außer sich. Wir werden uns nicht kampflos ergeben! Wir werden nicht still in der Nacht untergehen! Alles was wir noch haben, alles, was wir noch tun können, ist, unser Vermächtnis auf die Seiten der Geschichte zu brennen. Und Blut – Das Blut dieser verdammten Ponys – wird es für lange, lange Zeit darin bewahren!

Twilight schüttelte ihren Kopf. „Nein, das ist nicht wahr. Es gibt kein ´Vermächtnis´." Sie sah auf und fixierte den Kokon mit blitzenden Augen. Die undeutliche Gestalt darin regte sich, zuckte aufgeregt und wütend. „Sie dienen nur noch deinem eigenen Stolz."

Sie stapfte entschlossen mit ihrem Huf auf.

„Eine Königin dient ihrem Volk!", rief sie mit lauter und klarer Stimme, furchtlos und tapfer.

ICH BIN DAS VOLK!, brüllte Chrysalis.

Die Kraft ihres Gedankenschlages war so mächtig, das man ihn mit bloßem Augen erkennen konnte. Ein spitzer, tödlicher Pfeil, unsichtbar bis auf seine rasiermesserscharfen Kannten, die die Realität selbst verzerrten. Sie begnügte sich nicht mehr damit zu Spielen. Sie war aufs Töten aus.

Aber Twilight widerstand. Ihr Horn flammte auf und für einen Augenblick blitzte ein violetter Schimmer vor ihr auf, der den Angriff brach. Furchen brachen keilförmig zu beiden Seiten ihrer Gestalt huftief in den Boden, wo die Kraft das harte, chitinartige Gewebe des Bodens einfach pulverisierte.

Sie verzog schmerzhaft das Gesicht und zwei neuerliche Blutströme plätscherten ihr aus den Nüstern und tropften rubinrote Tupfen auf den smaragdgrünen Boden, als ein Nachhall des Schlages ihre Verteidigung durchbrach. Aber sie hielt stand.

„Unsinn!", rief sie laut aus. „Dein Stolz blendet dich! Deine Selbstüberschätzung tötet dein gesammtes Volk! Es wird nichts übrig bleiben, verstehst du das nicht? Deine Hybris tötet deine Kinder!"

NEIN!

Ein weiterer Schlag, schwächer diesmal, mehr getragen von Verzweiflung, als von Wut.

Twilight warf ihren Kopf zurück und gurgelte unkontrolliert. Sie taumelte, nun, da auch ihre Reserven an Kraft zur Neige gingen.

Fluttershy wollte ihr zur Seite eilen, aber die Stute fing sich wieder und richtete sich auf. Sie deutete ihrer Freundin zurück zu bleiben.

„Es ist wahr.", brachte die Einhornstute erschöpft hervor. Sie wischte sich mit dem Vorderlauf über die Schnauze und spuckte mit Blut vermischten Speichel aus. „Auf eine Weise kann ich Torden sogar verstehen. Er ist kein gutes Pony und er wird ein schrecklicher Tyrann werden. Daran habe ich keinen Zweifel." Sie sah für einen Moment unschlüssig auf die scharlachroten Flecken auf ihrem Fell und ließ dann ihr Vorderbein einfach sinken. „Aber wenigstens hat er ein höheres Ziel im Sinn. Die Vereinigung aller Ponys. Vielleicht ist es das Blut wert, das er noch vergießen wird. Ponys haben das ihre schon für dümmere Ideen hergegeben." Sie sah auf. „Er dient nicht dem Tod, Königin Chrysalis. Er will etwas aufbauen, etwas, das Bestand hat, über seine Lebenszeit hinaus. Er wird es auf den Knochen der Changelinge errichten, wenn er muss. Aber es wird sie nicht vernichten, wenn sie ihm dienlich sind."

Schweigen war ihre Antwort. Es schien, als müsse die Königin in ihrem Gefängnis aus gesponnener Seide erst wieder zu Atem kommen. Als sie schließlich wieder sprach, grollte ihre Stimme vor kaum unterdrückter Wut.

Verlangst du von mir, das ich meine Kinder in die Sklaverei eines Ponys gebe?

„Ja." Twilights Antwort war frei heraus und emotionslos.

Sie konnten die Überraschung der Königin in der Luft um sich herum spüren.

Du musst von Sinnen sein!, platzte sie entgeistert heraus.

Twilight drehte sich zu ihren Freundinnen um und ihr Blick glitt entrückt in die Ferne. „Vielleicht. Hätte mich jemand noch vor einer Woche vor diese Wahl gestellt, wäre meine Antwort das genaue Gegenteil gewesen. Aber nach dem, was ich gesehen habe..." sie schloss ihre Augen. „Nach dem, was ich erfahren habe... Nach den Entscheidungen, die ich treffen musste..." Sie öffnete ihre Augen wieder und drehte sich zurück zur Königin. „Ja, ich glaube, es ist die richtige Entscheidung. Sie ist kalt, sie ist grausam, aber sie ist richtig." Sie streckte ihren Huf aus und deutete mit einer unbestimmten Geste im Halbkreis herum. „Zeit vergeht. Aus Stabilität wird Wachstum. Aus Wachstum entsteht Reichtum. Reichtum verlangt nach Sicherheit. Sicherheit generiert einen Staat. Recht und Gesetz. Gleichheit und Freiheit. Für alle, oder niemanden."

Sie ging einen Schritt nach vorne und senkte langsam ihren Kopf, betrachtete den bebenden Schatten in dem Kokon aus zusammen gekniffenen Augen. „Es gibt keine leichte Lösung für dieses Problem, keine nette Abkürzung, nur einen steinigen, steilen Pfad, an dessen Ende vielleicht ein Happy End liegt. Die Changelinge werden leiden. Viele werden sterben und dabei euren Namen verfluchen. Aber euer Volk wird überleben. Und lernen mit den Ponys zu leben, anstatt von ihnen. Und die Ponys werden lernen an eurer Seite zu leben, statt unter euch, aus reiner Notwendigkeit. Und gebe Celestia und Luna..." Sie schloss noch einmal für einen Moment ihre Augen und schickte ein wahrhaft und ehrlich gemeintes Stoßgebet an die Prinzessinnen. „...werden wir euch sogar lieben lernen. Denn so sind wir. Und selbst diese Barbaren können sich dieser Natur nicht ewig verschließen." Sie hob ihren Kopf. „Das ist eine der schweren Entscheidungen. Eine, die euch niemand danken wird, die grausam und böse erscheint, aber notwendig ist. Die Frage ist nur: Seid ihr bereit dafür, sie zu treffen? Seid ihr bereit dafür, die Schuld auf euch zu nehmen und den Sturm zu ertragen? Oder lasst ihr euren Stolz über euch siegen? Die richtige Antwort darauf... kann nur eine wahre Königin wissen."

Schweigen breitete sich über die Kammer aus, als Twilight gemessenen Schrittes zurück trat und sich etwas unsicher auf ihre Hinterläufe nieder ließ. Der Schatten im Kokon war wieder erstarrt und schien leblos, lange genug, damit die Freunde unruhig wurden.

„Twilight...", begann Rarity, die sich bis jetzt im Hintergrund gehalten hatte. Mit einem Hufzeig bedeutete ihr die violette Einhornstute, sich zurückzuhalten und zu schwiegen.

Schließlich erklang die Stimme der Königin wieder in ihren Köpfen.

Ich kann das Schicksal meines Volkes nicht in die Hufe von Torden Hallen legen, begann Chrysalis und sie konnten alle das mentale knirschen ihrer Zähne hören.

Twilight spannte sich bereits in ihrem Geist für die fatale Antwort an und sucht nach Wegen, um die Königin doch noch zu überzeugen.

Aber, fuhr die Changelingmuttter fort, Ich muss es auch nicht.

Ihr Ponys, ließ sie abfällig von sich. So schwach und lächerlich treugläubig. Ich habe versucht euch zu unterjochen, zu versklaven, wie es Torden jetzt mit meinem Volk versucht. Aber anders als er, besitzt ihr nicht die Stärke, uns zu widerstehen. Nicht mit einem Zweig des Friedens in unserem Huf.

Sie verstummte und es dauerte einige Sekunden, bis sie weiter sprach. Es klang, als würde sie sich gegen alle Widerstände dazu durchringen es auszusprechen.

Und wenn es wahr ist, was du gesagt hast, das bringt ihr meinem Volk eher Frieden als dieser Barbar.

Sie fühlten eine Anspannung in der Kammer, so wie ein tiefes Ein- und Ausatmen.

Ich, Königin Chrysalis, überantworte der Gesandten Celestias und Luna, Prinzessinnen des Königreichs Equestrias, Twilight Sparkle, meine Nachfolgerin Zzzirabt Sss´aptat, die unter den Ponys als Strawberry Blite bekannt ist. Unter der Bedingung, das sie unter keinen Umständen dem Pony Torden Hallen in die Hufe fällt, sondern, so schnell es möglich ist, dem königlichen Hof in Canterlot und der Obhut der königlichen Schwestern überstellt wird und ihre Existenz vor allen außer den Elementen der Harmonie und den königlichen Schwestern geheim gehalten wird. Dafür unterwerfe ich mich den Bedingungen der Kapitulation der Stämme, bis auf die genannte Einschränkungen.

Twilight riss ihre Augen auf. „Ich... ich wusste nicht..." Sie warf einen kurzen Blick auf die Gestalt von Strawberry, die noch immer zusammengesunken neben dem Kokon kniete. Dann riss sie sich sich sichtlich zusammen und hob ihren Kopf.

„Ich, Twilight Sparkle, treue Studentin ihrer Majestät Sol Invictus, akzeptiere eure Bedingungen. Ich werde mit meinem Leben für eure Nachfolgerin einstehen und mit ihr verfahren, wie mir von euch geheißen."

So sei es, Königin Chrysalis Stimme klang bitter, aber niemand konnte die Spur Erleichterung verhehlen, die darin mit schwang. Und Trauer. Das war das Gefühl, das sie am meisten verstörte. Eine tiefe Trauer, die so gar nicht zu dem großspurigen Auftreten passen wollte, die die Königin vorher an den Tag gelegt hatte.

Ein Geräusch erklang in der Kammer. Es klang wie das Reißen feuchten Stoffes, nicht gleichmäßig, sondern als würde man ihn nach und nach auftrennen. Rogue stöhnte unruhig in seinen Fiebertraum, als ihn der Laut zurück zu dem Sturm und dem reißenden Segel der ´Idle Barter` brachte.

Grünes, stark nach Hefe duftendes Wasser ergoß sich aus der Seite des Kokons, wo sich ein Riss durch die Schale zog, der immer weiter und weiter klaffte. Strawberry wurde von der kleinen Flut umspült, ohne das sie es mit zu bekommen schien. Sie saß einfach weiter da und starrte ins Leere, während sich Königin Chrysalis aus ihrem Gefängnis befreite.

Als der Spalt an der Unterseite des Kokons angekommen war, platzte er schließlich auf und ließ die letzten Reste seines Inhalts auf den Boden tropfen. Die dunkle, undeutliche Gestalt hinter den gewebten Seidenfäden zitterte sichtlich, begann sich aber steif zu bewegen.

Ein schwarz schimmernder Huf streckte sich in das grüne Licht der Kammer. Er tastete vorsichtig nach draußen, fasste die aufgerissene Kante des Kokons und zog ihn weiter auf. Zwei Hinterläufe senkten sich auf die Erde. Ein gezacktes Horn erschien.

Hier war es, das die Freunde zum ersten Mal sahen, das mit der Königin etwas nicht stimmte. Die Hatten Chrysalis auf dem Höhepunkt ihrer Macht gesehen, in all ihrer Pracht. Ihr Horn war so spitz gewesen, das sie es als Dolch hätte verwenden können. Jetzt war es kurz unter der Spitze abgebrochen. Die zackige Bruchstelle glänzte seltsam verfärbt in dem grünen Licht, als währe das Chitin morsch geworden, wie moderndes Holz und gesplittert.

Dann schob sich der Rest von Königin Chrysalis aus dem Kokon und sie verstanden.

Die Königin war niemals eine Schönheit gewesen, nicht nach ihren Maßstäben, aber jetzt war sie nur ein Schatten ihrer Selbst. Sie hatte den unteren Teil eines ihrer Vorderläufe eingebüßt. Er war so glatt abgetrennt, wie mit einem Skalpell. Schreckliche Wunden hatten den harten Panzer ihres Leibes aufgerissen und entblößten das krankhaft aussehende Fleisch darunter. Ihrer Flanke war wie von Feuer versengt und vernarbt. Am schlimmsten jedoch war ihr Gesicht. Ein Seite ihres Kopfes war eine entstellte Ruine, gnädigerweise verdeckt von der spinnwebartigen Mähne der Stute.

Sie alle starrten sie für einen Moment lang entsetzt an, dann wandten sie ihren Blick ab.

„Nein, Twilight. Du wirst mich nicht mit deinem Mitleid verhöhnen. Schau her!" Die Stimme, die wahre Stimme der Königin, die nun nicht mehr in ihren Köpfen erklang, war rau und dünn, wie ein aufgeriebener Faden, kurz vor dem Zerreißen. „Sieh mich an!"

Die Einhornstute schluckte ihre Angst herunter und hob ihren Kopf.

„Ich will das du dich erinnerst. Ich will das du alles siehst, was deine Prinzessinnen mir angetan haben. Es soll dich in deinen Träumen verfolgen."

Sie wandte sich Strawberry zu.

Die Drohne sprang wie auf ein geheimes Zeichen auf ihr Hufe und wandte ihrem Kopf dem Gesicht ihrer Königin zu. Chrysalis besah sich die gewählte Gestalt ihres Kindes angewidert.

„Wie gewöhnlich.", murmelte sie wie zu sich selbst. Dann beugte sie sich hinunter.

Sie... sie wird doch nicht... dachte Twilight überrascht.

Die Lippen der beiden Changelinge berührten sich. Für einen Moment schienen sie einen sittsamen Kuss auszutauschen, dann neigte Strawberry ihren Kopf etwas zur Seite. Und öffnete ihren Mund, ohne den Kontakt zu ihrer Königin zu lösen.

Twilight fühlte, wie sich trotz der ernsten Situation eine verlegene Hitze auf ihre Wangen legte.

Ein sanftes, grünes Glühen, erglomm in der Brust Chrysalis. Mit jedem Herzschlag wurde es heller und heller, pulsierte selbst im Takt des verblassenden Lebens im Körper der Königin. Als es ein funkelnder Smaragd in ihrer Brust war, begann er zu wandern. Langsam stieg er ihren Hals entlang auf, sein Licht durch ihren Körper, aus dem es strahlte, gedämpft, aber dennoch gleißend. Es trat in ihren Mund und für einen Augenblick konnte Twilight die Schädelknochen der Königin sehen, die sich vor dem Pulsieren abzeichneten. Als es den Punkt passierte, wo Königin und Drohne sich vereint hatten, brach für einen winzigen Moment ein ungehinderte Strahl sengender, glühender Helligkeit hervor, so intensiv, das Twilight ihren Huf vor Augen nehmen musste, um nicht geblendet zu werden. Als sie ihn wieder herunter nehmen konnte, war das Glühen bereits in Strawberrys Brust gewandert. Es pulste nun in einem anderen Takt, im Takt des Herzens seiner neuen Meisterin und wurde langsam schwächer, als dies es in sich aufnahm.

Chrysalis löste ihre Lippen von der ehemaligen Drohne und hob ihren Kopf.

Strawberry blinzelte und zum ersten Mal, seit sie die Kammer betreten hatten, strahlten ihre Augen im Licht ihres eigenen Verstandes. „Was... was ist passiert?", fragte sie ihre Königin, schwach und leise, so als würde sie aus einem Traum erwachen.

„Du bist frei.", antwortete Chrysalis ihr. Und zum ersten Mal war in ihrer Stimme ein winzige Spur Mitgefühl zu hören. „Du bist keine Drohne mehr, kein einfacher Strang des Netzes. Du bist noch nicht, wirst aber eines Tages sein, eine Königin."

Strawberry blickte sich verwirrt um. „Was hat das zu bedeuten? Warum habt ihr das getan?"

Chrysalis zögerte einen Augenblick. Es war dieser Augenblick, der Twilight vieles offenbarte, das sie bis jetzt nur Unterbewusst vermutete hatte, der die Fragmente und Puzzleteile, die ohne Verbindung durch ihren Verstand geschwebt waren, zu einem Bild formte.

„Es war... notwendig, mein Kind. Der Schwarm braucht dich. Jetzt mehr den je."

Chrysalis war einmal, vor langer, langer Zeit, an der selben Stelle gestanden wie Strawberry. Bereits von Natur ausgestattet mit furchterregenden Kräften, aber doch im Geiste so sehr ein Fohlen, das geglaubt hatte, sich immer auf die Führung seiner Mutter, der Stimmen in seinem Kopf, dem Flüstern des Nestes verlassen zu können, ohne Zögern, ohne Reue, ohne Zweifel. Doch nun war sie erwachsen geworden, war gezwungen worden, aufzuwachen und ihre eigenen Entscheidungen zu treffen. Und ihre Konsequenzen zu tragen.

Und als sie das verstand, konnte sie nicht anders, als zum ersten Mal Mitgefühl sowohl für Strawberry als auch für Chrysalis zu empfinden. Wie hätte es auch anders sein können?

War sie nicht selbst durch diese harte Schule gegangen? War sie nicht selbst erst aus einem süßen Traum erwacht, hatte das Feuer gerochen und entdeckt, dass die Realität weit mehr Kanten aufwies, als sie jemals zu vermuten gewagt hatte? Hatte sie nicht am eigenen Leibe gefühlt, wie kalt das Wasser sein konnte, in das man geworfen wurde? Wenn der Traum aufhörte?

„Aber ich verstehe nicht...", begann Strawberry noch einmal, aber die Königin schnitt ihr das Wort ab und die erste Spur von Ungeduld zeichnete sich in ihrer Stimme ab.

„Du wirst es. Mit der Zeit. Geh jetzt." Sie sah auf und ihr Blick verfinsterte sich. „Nehmt sie und tut wie euch geheißen. Ihr habt keine Zeit zu verlieren. Eine Drohne in der Gestalt von Fluttershy ist bereits auf dem Weg zu eurem Luftschiff. Ich zweifle nicht daran, dass es in drei, höchstens vier Stunden hier eintreffen wird. Torden wird frühestens im Morgengrauen seinen Angriff starten. Ihr solltet dann besser schon auf halben Weg in Canterlot sein." Sie stieß Strawberry an, schubste sie einen Schritt vorwärts. „Nehmt sie. Sie kann euch zu einem Grat führen, wo eure Garde euch alle problemlos aufnehmen kann." Sie wandte sich ab.

Twilight zögerte einen Augenblick, dann trat sie vor und legte der immer noch verwirrten Strawberry einen Huf auf die Brust. Zum ersten Mal sprach sie mit warmer Stimme zu der ehemaligen Drohne und schenkte ihr ein aufrichtiges Lächeln. „Komm mit uns." Sie hörte das sanfte schlagen von Flügel hinter sich und war froh, das sie die Stute an Rainbow übergeben konnte, die gerade an ihrer Seite landete. „Es wird dir nichts geschehen."

Strawberry sah zu ihrer Freundin Dash, dann noch einmal zu Twilight. „Danke." hauchte sie leise und ging dann mit dem Pegasus zu den anderen.

Twilight blieb noch einen Moment stehen und sah auf den Rücken der zerstörten Königin. Sie trat einen Schritt vor und hob ihren Huf, um das zerissene Chitin Chrysalis sanft zu berühren. Im letzten Augenblick hielt sie inne und ließ ihren Huf wieder sinken. „Es tut mir leid.", sagte sie leise. Es waren so dumme Worte. So leicht ausgesprochen, so universell und so bedeutungslos. Ein zerbrochener Teller ´Es tut mir leid´. Ein versagender Zauberspruch ´Es tut mir leid´. Ein verdammtes Leben ´Es tut mir leid´. Wie lächerlich. Wie hilflos diese Worte waren. Aber es war alles, was sie sagen konnte.

„Erspare mir dein Mitleid, treue Studentin." Der Haß war in Chrysalis Stimme zurückgekehrt. „Erspare mir deine Entschuldigungen und deine späten Erleuchtungen. Geht, bevor ich mich vergesse. Bevor ich dennoch einen von euch töten, nur um mich besser zu fühlen."

Twilight hörte ein feuchtes Geräusch hinter sich und sah, das sich der Vorhang aus grünem Gewebe, der den Eingang verschlossen hatte, wieder öffnete.

Sie wollte sich bereits zum Gehen wenden, als sich der Kopf der Königin mit einem grausamen Lächeln auf den Lippen ihr zuwandte. „Ihr seid nicht unersetzbar, wisst ihr? Keine einzigartigen Schneeflocken im Gestöber der Magie Equias. Das hat sie dir nicht erzählt, oder du ´treue Studentin´? Harmonie bedeutet auch Ausgleich. Und die Wellen der Magie scheren sich nicht um das Leben eines Ponys, egal für wie wichtig es sich hält." Sie drehte sich um und senkte ihren Kopf in einer aggressiven Haltung. „Lauf, Twilight. Meine Saat ist ausgebracht! Möge sie euch alle zu Grunde richten! Lauf, bevor ich einen von euch verschlinge."

Sie öffnete ihren Kiefer. Blitzenden, scharfe Zähne glänzten darin. Und dann öffnete sie ihn noch weiter, als ihr Unterkiefer auf eine Weiße auseinander klappte, die sie wie einer Kreatur aus einem Alptraum erscheinen ließ.

Twilight warf sich herum, ohne auch nur einen Blick zurück zu werfen. Das Grauen war zu viel. Sie flohen aus der Kammer der Königin und ihr höhnisches Lachen begleitete sie nach draußen.