Disclaimer: Ich habe keinerlei Rechte an der Geschichte, was den Inhalt von Hasbro´s My Little Pony: Friendship is Magic anbelangt. Abgesehen von meinem OC ist alles deren Eigentum.
Kapitel 30: Was das Herz weiß
"Obgleich der immanenten Magie der Alicorns in Gestaltwerdung ähnlich, unterscheidet sich der Zauber der Elemente der Harmonie doch grundlegend von eben diesem. Während ersterer sowohl Betrachtung als auch Einflussnahme von einem Standpunkt außerhalb des Schicksalsflusses von Equia erlaubt, in einer Weise, die einem Huf gleicht, der in ein schnell strömendes Gewässer eintaucht, ist letzteres der Quelle sehr viel näher. Obwohl ich mir selbst nicht anmaßen kann, diese schwierige Problematik vollends zu verstehen, oder jede Zweifel ob meiner Gedankengänge auszuschließen, habe ich dennoch eine Theorie entwickelt, die bisher alle beobachtete Effekte und Überlieferungen erklärt.
Meines eigenen Verständnisses nach beruht die Stärke der Alicorns auf zwei Voraussetzungen: Im geringeren Maße einer genetischen Disposition durch die Schöpferin selbst, die diese Rasse als geborene Führer erschuf, sowohl in Körper als auch Geist, mit einer hohen Affinität zum Strom der Magie, die jedem Pony angeboren ist, ohne jedoch deren spezifischen Schwächen zu teilen. Zum anderen, wesentlich Wichtigeren, aufgrund ihrer Bereitschaft sich den Bedingungen der Quelle zu beugen und entsprechend zu handeln.
Leider führt dieser Gedankengang auch zu einer anderen Erkenntnis: Die uns gegebenen Prinzessinnen sind nicht die mächtigsten Wesen auf dieser Welt. Während Mächte uns bedrohen, deren Kraft offensichtlich nicht aus der Quelle selbst stammen, sondern von anderer, oft finsterer Herkunft sind, verrät uns die Natur unserer Magie, das unsere Führerinnen selbst nur Objekte reiner Korrespondenz sein können, was die wahre Macht unserer Magie betrifft. Die Quelle wählt ihre Avatare selbst. Und auch wenn die Prinzessinnen sich ihrer bedienen können, da sie selbst ihrer Kraft letztlich daraus schöpfen, entspringen sie ihr weder, noch ist ihre Verbindung zu ihr in irgendeinem Maße einzigartig, zumindest theoretisch. Die bewundernswerte und manchmal auch erschreckende Machtfülle, über die sie verfügen ist letztlich ihrem Verständnis und ihrer Erfahrung geschuldet. Gleichzeitig begrenzen ihre einzigartigen Eigenschaften aber auch ihre Möglichkeiten. Unsterblichkeit mag für viele wie ein Segen erscheinen, aber nach langen Jahren, in denen ich unter den Schwestern gedient habe, weiß ich, das es ebenso ein Fluch sein kann.
Das Leben ist ein Zyklus aus Geburt, Reife, Vergehen und Tod, das alles und jeden in sich einschließt und das jedes Wesen auf Equia miteinander teilt. Jeden, bis auf die Schwestern. Sie sind davon ausgenommen, während die Zeit an ihnen vorbeifließt, Jahr um Jahr, ohne das sie davon betroffen sind. Sie nehmen nicht teil an diesem Wunder, das uns anderen schließlich zur Last und zum Verhängnis wird. Sie bleiben für immer Außenseiter, bis ans Ende der Zeiten.
Die Wahrheit, zu die dies führt ist letztlich: Diese Welt ist für uns gemacht, nicht für sie. Sie ist nicht für die zwei Schwestern entstanden, die nicht darin leben, sondern existieren, als viel mehr für diejenigen, die bereit sind, sich der Quelle zu nähern, die den Zyklus aus Entstehen und Vergehen speist und deren Zweck doch das dazwischen ist. Diejenigen, die Freundlichkeit in ihrem Herzen tragen, Loyalität, Wahrheit, Freude und Großzügigkeit. Und die Magie, all das zu verbinden: Freundschaft. Der Zusammenhalt untereinander. Der das Leben mit Leben erfüllt. Selbst ohne die Quelle mag dies mächtiger sein als alles andere.
Die Prinzessinnen führen uns auf diesen Weg, aber die Elemente, in ihrer ganzen Macht, bleiben ihnen verschlossen. Obgleich die Beziehung zwischen Geschwistern in vielem dem gleicht, was ich hier aufzähle, kommt es nicht dem Selben gleich, wenn es ursprünglich Fremde miteinander teilen.
Letztlich sind unsere Herrscherinnen dazu verdammt, zu beobachten. Die wahre Macht liegt in Hufen, die sie vielleicht zu beeinflussen, aber nicht zu lenken vermögen. Auch ihre Magie hat Grenzen, die für die Elemente nicht existieren. Zumindest theoretisch.
Die Elemente der Harmonie sind der Quelle der Magie so nahe wie kein Pony, wie kein anderes Wesen sonst. Ihr Begrenzung liegt allein im Selbstvertrauen ihrer selbst. Und im Willen der Quelle selbst.
Schicksal mag ein grausamer Begriff sein. Es bedeutet Unabdingbarkeit, Unausweichlichkeit und Starre. Aber wer sich den Mut fassen mag und die Prinzessinnen dannach fragt, erfährt, dass das Schicksal ein vielfach geknoteter Faden ist. Es ist eine Muster, ein sich ständig veränderndes Geflecht unserer eigenen Entscheidungen, in dem wir uns alle verstrickt sehen. Wir alle, gemeinsam. Es ist eine Offenbarung, es zum ersten Mal vor sich ausgebreitet zu sehen. Ich wünschte mir, es jedem von uns zugänglich zu machen, auf die Weise, wie ich es selbst erfahren habe. Es zeigt, wie klein wir alle sind und doch so unendlich wichtig. Eine einzige Tat, ein einziges Wort von uns kann neue Verbindungen schaffen, andere auflösen, Stränge bilden, Kaskaden, Knotenpunkte. Jeder von uns hat die Macht das ganze Muster zu verändern. Jeder. Oder davon verändert zu werden.
Es ist eine Lektion in Demut, aber auch eine Bestätigung unserer Selbst, unseres eigen Willens und unserem Bestreben, besser zu werden. Wir sind nicht allein. Wir sind alle Teil der Quelle, ohne ihr ausgeliefert zu sein. Es ist ein schönes Gefühl, ein gutes Gefühl, das zu wissen.
Die Quelle braucht uns nicht. Die Quelle genügt sich selbst. Wir aber brauchen sie so sehr wie die Luft zum Atmen. Wenn sie eines Tages diejenigen erwählt, die ihr Zeichen tragen sollen, beneide ich sie nicht darum. Alle Muster dieser Welt werden sich verändern, werden sich umgestalten, um ihren Strängen zu dienen während sie zugleich von allen anderen verändert werden können. Dies ist eine Verantwortung, die mir zu viel für ein Pony erscheint, um sie ertragen zu können, ohne vor Sorge verrückt zu werden. Es müssen ganz außergewöhnliche Persönlichkeiten sein, die in der Lage sind, diese Last zu tragen.
Dennoch habe ich keine Furcht. Die Quelle wird wählen und sie wird gut wählen. Und die Prinzessinnen werden über uns wachen, wie seit Anbeginn der Zeiten.
-Aus den Tagebüchern von Star Swirl the Bearded, die verschollenen Ausgaben.
Bevor die Sonne sich über dem Horizont aufging, in der Stunde des Zwielichts, als sich die Nacht in immer helleren Tönen von Blau färbte, hatte sich vor den Palasttoren bereits ein große Menge versammelt. Sie standen auf dem großen Platz, dichtgedrängt vor den schmiedeeisernen Flügeln, die zur Residenz hin führten. Sie standen bis hinein in die Straßen und Gassen, die zum Platz führten, füllten jeden Winkel und sogar die Dächer, wenn sie Flügel hatten, die sie hinauftragen konnten. Die Luft selbst war erfüllt von Pegasie, die mit langsam schlagenden Flügeln in der Luft schwebten, den Blick, wie den jedes anderen Ponys, unverwandt auf die Spitze einer der Zwiebeltürme gerichtet. Es mochte in ganze Canterlot nur ein Hufvoll Ponys geben, die nicht gekommen waren.
Als sie auf den Balkon trat, hörte sie das Raunen, das wie das Murmeln eines Baches zu ihr aufstieg. Sie konnte das Gewicht der vielen tausend Blicke auf sich spüren, sie konnte spüren, welche Sorge und Verzweiflung darin lag. Sie konnte die Angst darin spüren.
Als sie an den Rand des Balkons trat, wurde das Murmeln lauter. Dann erklang ein Schrei in der Menge, der die morgentliche Luft durchschnitt und trotz der Entfernung klar bis an ihr Ohr drang.
"Celestia! Verlass uns nicht!"
Ein Schrei, ein Wehklagen. Ein Bitten, ein Flehen. Das von tausend und mehr Kehlen aufgenommen wurde
"VERLASS UNS NICHT!"
Und Celestia weinte. Sie weinte, als ihr Horn im Licht ihrer Magie erstrahlte, wie ein Vorbote des kommenden Morgens. Sie weinte, als das gleißende Rund der Sonne sich über den Horizont schob und zuerst die schlanken Zwiebeltürme des Palastes und dann die alten Häuser der alten Stadt und schließlich ihr verzweifeltes Volk in ihren warmen Glanz tauchte. Und sie weinte noch immer, als sie sich von den Rufen der Ponys abwandte.
Auch Twilight weinte, auch wenn sie es selbst gar nicht wahr nahm. Sie war zu sehr damit beschäftigt, ihre zitternden Knie davon abzuhalten, einfach einzuknicken. Sie war wieder hier, an diesem Ort. Der Ort, der ihr mehr Alpträume verursacht hatte, als alles andere, das sie bisher erlebt hatte. Der Ort, der ihr mehr als jeder andere Angst machte. Der Ort ihres Scheiterns.
Sie schniefte, schüttelte die Tränen von ihren Wangen und machte den letzten Schritt auf die schwere, doppelflügelige Tür zu. Langsam hob sie ihren Huf an das dicke Holz, dessen breite Beschläge aus Sterneisen geschmiedet worden waren. Mächtige Runen des Schutzes waren tief darin eingemeißelt worden und sie konnte die in ihnen schlummernde Magie fühlen, obwohl sie noch nicht aktiviert worden waren. Es war wie ein feines Summen, als hätte sie den Huf einen Bienenstock gelegt.
Ruhig, Twilight, befahl sie sich in Gedanken selbst. Bleib ruhig.
Aber es half nicht viel.
Was würde sie sehen, wenn sie das schwere Tor aufstieß? Ihr Verstand sagte ihr, dass sie nur die kreisrunde Ritualkammer erblicken würde, hoch und weit, kühl, selbst in der Hitze dieses verrückten Sommers. Den Boden aus dicken Schieferplatten, in die feine Linien gemeißelt worden waren, verschlungen und mit meisterhafter Präzision. Die leicht erhobenen Galerie aus Granit und das glänzende Funier aus Ebereschenholz darauf. Sie war schon dutzende Male hier gewesen, während ihrer Studienzeit. Und noch öfter danach, als...
Ihr Herz schlug wild. Sie spürte Schwindel in sich aufsteigen, schwer und nicht zu unterdrücken.
Konnte sie mit diesem Tor auch die Vergangenheit selbst aufstoßen? Würde sie Sie sehen? Würden sie statt des vertrauten, leeren Raums in die verzerrten, wie geschmolzen wirkenden Gesichter der Professoren blicken, die an jenem Tag Opfer ihrer Schwäche geworden waren? Würden sie sehen, wie sie sich in Schmerzen wanden, während der magische Fallout, die Rückkopplung der ungeleiteten Magie sich durch ihre Körper fraß? Wie wilde Magie ihr Fleisch verformte, wie ein Schwall Wasser trockenen Sand aufwirbelte? Würde sie sehen, wie einer sich in Staub verwandelte und ein anderer in Glas? Würde sie sehen, wie sie zuckend zusammenbrachen, als ihr Blut mit Säure vertauscht wurde, oder mit Salz, oder mit trockenem Laub? Oder war es noch schlimmer gewesen? Waren die Haare ihres Fells durch Tentakel ersetzt worden, oder ihre Augen mit Wachs oder ihre Zungen mit kaltem Licht, so das sie nicht einmal schreien konnten, während sie aus dem Leben gerissen wurden...
Sie wusste es nicht. Als sie die Kontrolle verlor, als ihr Wille unter dem Ansturm der Magie und der Angst vor der puren, kalten Fremdartigkeit der Verbindung mit dem Tarterus und ihren Wächtern zerbrach, hatte sie gnädige Bewusstlosigkeit sie umfangen. Aber ihre Fantasie füllte die Lücken in ihrem Gedächtnis mehr als auf.
Einige der Professoren waren sofort gestorben. Aber nicht alle. Bei anderen... hatte es etwas länger gedauert. Es gab wenig Zweifel daran, das sie ihre Kollegen darum beneidet hatten.
Die Furcht hielt Twilights Herz umfasst, wie eine eiskalte Klaue. Vor ein paar Tagen noch wäre sie nicht in der Lage gewesen, das Tor aufzustoßen und ihrer Angst ins Gesicht zu sehen. Aber das war eine andere Stute gewesen. Unerfahrener, naiver... unschuldiger. Jetzt war das anders. Sie war anders. Der Ausflug ins Alte Land hatte sie reifer werden lassen. Twilight wusste nun, das sie ihren Fehlern nicht davonlaufen konnte, sondern das sie die Verantwortung dafür übernehmen musste. Das half ihr die Kraft aufzubringen das schwere Tor aufzustoßen, auch wenn es nichts tat, um ihre Angst zu besänftigen.
Sie erwartete trotz allem ein unheilvolles Quietschen, als die Tür sich in den Angeln bewegte, aber es blieb aus. Das Tor war so gut geölt wie immer. Was ebenso ausblieb, waren die Gespenster ihrer Vergangenheit. Der Saal erstreckte sich weit und leer vor ihr. Die kühle Luft, die durch die Türöffnung drang, war einladend und brachte nicht mehr mit sich, als den schwachen Geruch nach längst verbranntem Räucherwerk und verloschenen Kerzen. Die violette Einhornstute atmete erleichtert auf.
Dennoch kostete es sie noch einmal etwas Überwindung, über die Schwelle zu treten. Sie zögerte kurz, sah missmutig auf ihre verräterischen Hufe, die den Schritt nicht gehen wollten und trat dann entschlossen durch das Tor.
Der leere Raum trug das Echo ihrer Hufe auf dem steinernen Boden mit sich, als sie weiter ging. Sie spürte, wie ihre Anspannung nicht nachlassen wollte, obwohl ihr rationaler Verstand nun endlich wieder die Oberhand gewonnen hatte. Sie bemerkte wie sie in den Augenwinkeln nach huschenden Schatten und versteckten Bewegungen suchte, so als könnte sie jeden Augenblick etwas anspringen.
Sie atmete tief durch, und versuchte sich zu beruhigen. Hier war nichts, niemand außer ihr selbst. Welche Geister sie auch hervorgerufen hatte, sie waren längst verschwunden. Alles was hier erwartete war... Reue und alter Schmerz.
Sie pochte sanft mit dem Huf auf eine der Kacheln auf dem Boden. Sie war etwas heller als die anderen. Sie musste ausgetauscht worden sein, nach dem... nach dem was passiert war. Es war nicht die einzige. Ein kalter Schauer erfasste sie, als sie daran dachte, wie schrecklich die wilde Magie gewütet haben musste, wenn selbst der Schiefer darüber vergangen war.
Er war zerbrochen worden, oder geschmolzen, oder vielleicht einfach bis zur Unkenntlichkeit verändert. Man hatte ihn ausgetauscht und die Linien nachgezogen, fein und präzise. Das Muster blieb bestehen. Die Kreise waren wieder geschlossen. Alles war bereit. Alles wartete.
Heute würden sie Celestia in diesem Saal, in diesem Kreis auf den Mond verbannen. Sie würde dort drüben stehen, kaum ein halbes dutzend Schritte von dem Platz entfernt, an dem Twilight nun kauerte, in der Mitte des Kreises, der an einem anderen Tag der Platz ihrer Studentin gewesen war. Die Elemente würden am Rande stehen, mit Twilight im Norden, die die Krone der Magie tragen würde. Und wenn Prinzessin Luna die Sonne senkte und ihren Mond heraufbeschwor, so das er genau über der Kuppel stand... Würde ihre Magie das Alicorn erfassen und fort schicken, hinauf zum silbernen Himmelsgestirn, für tausend Jahre im Exil. Twilights Beine zitterten, als sie daran dachte.
Celestia hatte ihr verraten, das es nicht leicht werden würde. Sie war die Prinzessin der Sonne und ihre Essenz strebte nach dem gleißenden Inferno über Equia. Sie hatte ihr zugeflüstert, das ihr Innerstes sich davor wehren würde an den kalten, dunklen Ort geschickt zu werden. Twilight musste das verhindern.
Ihre Stimme hatte einen Hauch von Furcht verraten, als sie ihrer Studentin das Versprechen abnahm. Es war nur ein leichtes Zittern im angenehmen Mezzosopran gewesen und ein anderes Pony, das der Herrscherin nicht so nahe stand, hätte es vielleicht gar nicht bemerkt. Für Twilight jedoch barg es ungeahnte Schrecken.
Musste sie sie zwingen? Würde sie dort drüben stehen, die Magie durch ihren Körper fließen fühlen, rein und ungehemmt und mächtig und alles gegen Celestia werfen, die still stehen würde, während ihr Innerstes mit aller Macht dagegen aufbegehrte, was ihr angetan wurde? Musste sie sie brechen? Ihren unterschwelligen Willen, ihr Unterbewusstsein, ihr Sein davon spülen, bis nichts mehr blieb, als sich der Gewalt zu beugen? Musste sie ihr... Weh tun? Sie zwingen zu... zu...
Twilight brach auf dem Boden zusammen und hielt sich die Hufe vor das schluchzende Gesicht. Sie konnte das nicht! Niemals! Niemals konnte sie der Stute, die sie liebte das antun. Sie konnte es nicht! Nicht um das Schicksal der Welt und aller Ponys darauf! Wie konnte man das von ihr verlangen? Wie sollte sie das schaffen? Wie?
Sie lieb lange dort liegen, schluchzend und weinend, während der Schiefer ungerührt ihre Tränen aufsog. Als die sie die Kraft zum Weinen langsam verließ, rollte sie sich zusammen und stieß weiter leise Laute des Wehklagens aus, bis ihre Kehle rau und wund war. Und dann lag sie still da, bis sich sich selbst ihre dunklen Gedanken verloren.
Schließlich erhob sich Twilight, wischte sich den Rotz von ihrer Schnauze und strich sich die Tränen aus dem Fell. Sie fühlte sich müde, aber gleichzeitig auch klarer im Kopf, so als hätte das Weinen die Wolken und den Nebel in ihrem Kopf vertrieben.
Sie konnte die Dinge jetzt sehen, wie sie waren. Sie erkannte die Wahrheit. Es ging nicht um sie. Es ging nicht um ihre Liebe zu Ihrer Prinzessin. Es ging nicht um ihre unerfüllten Wünsche.
Die Zukunft Equias war das Problem, aber das war nicht der Kern des Ganzen. Es ging um das Wie und um das Wer. Es ging darum, das Celestia tausend Jahre eine Schuld mit sich getragen hatte, die sie nicht wieder gut machen konnte. Es ging darum, das sie glaubte einen Fehler begangen begangen zu haben, für den sie jetzt die Verantwortung übernahm. Es ging um Buße, um Reue und um Wiedergutmachung. Es ging um den Seelenfrieden, um das innerste Bedürfnis ihrer Liebe, Es ging um das Selbstverständnis einer Herrscherin, die alle ihre Untertanen als ihre Fohlen betrachtete.
Und auch wenn diese Erkenntnis bitter in Twilights Mund schmeckte, bitter von einem Wunsch, der niemals erfüllt werden konnte, verstand sie ihn.
Alles was jetzt noch blieb, war, ihre Freundinnen davon zu überzeugen.
"Warum kann ich nicht mitkommen?"
Die Frage blieb im Raum hängen wie ein schiefes Gemälde.
Pinkie, Apple Jack, Rainbow und Rarity sahen sich gegenseitig unsicher an. Fluttershy trat einen Schritt auf ihn zu und legte ihm ihren Huf auf die Brust.
"Es ist gefährlich, verstehst du?"
Rogue sah sie einen Moment lang an und wackelte dann demonstrativ mit seiner verbundenen Flanke. "Gefährlicher als ein Haufen durchgeknallter Stammesponys? Gefährlicher als eine Bergbesteigung mit einer rasanten Infektion? Gefährlicher als ein Rendezvous mit der Königin der Changelinge?" Er schnaufte aufgeregt. "Ich bin praktisch von Anfang an mit dabei, und jetzt soll ich die Hufe still halten und hier im stillen Kämmerlein sitzen? Habt ihr ein Rad ab?" Er sah sich wütend im Kreis seiner Freund um. Aber die Stuten wichen seinem Blick aus. Das regte ihn nur noch mehr auf. "Ich verstehe das nicht! Noch heute morgen hat Rainbow und AJ gewettert das sie niemals zustimmen würden Prinzessin Celestia auf den Mond zu verbannen! Und jetzt nickt ihr plötzlich das ganze einfach nur ab! Was beim Tarterus hat euch Twilight erzählt?"
"Rogue, es is´ nich´ so wie du denkst. Wir schließn´ dich nich´ aus. Du bis´ immer noch n´ Teil von unserm´ Team, aber..."
Das Rettungspony wirbelte zu seiner Cousine herum. "Aber was? Bin ich dann doch nicht gut genug für ihre Hoheit? Reicht es nicht, das ich mein verdammtes Leben in die Waagschale geworfen habe?" Er sah sich noch einmal mit stechendem Blick um. "Ist es so eine Nur-Element-Sache? Keine sonstigen Freunde eingeladen?"
"Rogue, bitte..."
Wie immer hatte er keine Verteidigung parat, die stark genug war, um gegen Fluttershy etwas auszurichten. Als sie bittend zu ihm aufblickte, schmolz sein Zorn zusammen, bis er klein und unwichtig wurde.
Um wenigsten etwas von Stolz zu bewahren, behielt er seine saure Miene bei, auch wenn sein Zorn schnell verflog. Er wusste, Fluttershy würde sich nicht gegen ihn stellen, wenn ihm Unrecht angetan wurde. Trotzdem wollte er den Grund wissen.
"Es ist ungerecht...", gab er leise von sich und hasste im selben Augenblick wie unreif und trotzig das klang, auch wenn es der Wahrheit entsprach.
"Es mag dir jetzt so erscheinen, aber das ist es nicht." Fluttershy sah zu ihm auf, mit großen, blauen Augen. "Prinzessin Celestia macht sich Sorgen um dich, das ist alles. Was wir vorhaben, ist nicht ungefährlich und du hast schon genug getan. Du musst nicht dort sein. Es gibt keinen Grund, das du dich in Gefahr begibst."
"Und was ist mit euch?" Er sah sich noch einmal um, blickte jedem seiner Freunde ins Gesicht. "Besteht für euch keine Gefahr?"
Apple Jack begegnete als einzige seinem Blick. "Nein. Wir sin´ von den Element´n geschützt. Aber du nich´. S´ tut mir leid."
Rogue kämpfte einen Moment lang mit einer Erwiderung, dann gab er auf.
Er verstand nicht wo alles begonnen hatte falsch zu laufen. Am Morgen hatten alle noch übereingestimmt, das sie niemals Celestia verbannen würden. Sie würden sich einfach weigern. Es war einfach undenkbar.
Aber dann hatte er seinen Termin mit dem Palastdoktor wahrnehmen müssen, während die anderen losgegangen waren, um Twilight von dem Wahnsinn abzubringen, der Celestia ins Hirn gefahren war. Und als er wieder zurück gehumpelt kam, war es, als hätte man seine Freunden einer Gehirnwäsche unterzogen. Twilight hatte irgendetwas zu ihnen gesagt, das sie um hundertachzig Grad gedreht hatte und das Schlimmste war, das sie ihm nicht erklären konnten, was anscheinend so schlüssig war. Und Twiligt hatte sich unerreichbar im Zaubererturm eingeschlossen.
Es war einfach... nicht Fair!
"Könnte ich vielleicht...", begann er halblaut, brach aber ab, als er bemerkte, wie lächerlich er sich mit jedem weiteren Drängen machen würde. Er konnte es an den Mienen seiner Freunde ablesen. Die Sache war bereits entschieden worden und wenn es etwas geben sollte, das sie umstimmen konnte, so fiel es ihm nicht ein.
Rogue würgte den Drang, seinen Missmut laut Luft zu verschaffen, hinunter. Er wusste, das sie es nur gut mit ihm meinten. Dennoch blieb sein Ärger über diese Abfuhr weiterhin bestehen, wie ein kleiner, heißer Knoten unter seinem Fell. Twilight würde einiges zu erklären haben, wenn er sie in die Hufe bekam.
"Also gut." presste er zwischen den Zähnen hindurch. "Also gut."
Die Freunde atmeten erleichtert aus, als er sich fügte. Als er ihre ehrliche Erleichterung sah, schwächte sich seine Wut ein wenig ab. Er konnte erkennen, das sie nicht wenig Angst vor diesem Gespräch und seiner Reaktion gehabt hatten.
"Darling, bitte glaube uns, wir würden nicht so handeln, wenn wir uns nicht sicher wären, das es das Beste für uns alle ist. Du musst uns einfach vertrauen." Rarity schenkte ihm ein aufmunterndes Lächeln. "Es ist für niemanden von uns ein leichter Gang. Twilight sagte, das der... Vorgang diesmal etwas komplizierter werden würde. Aber das alleine wäre nicht so schlimm. Die Tatsache hingegen, das es Prinzessin Celestia, ist, die wir verbannen sollen, für tausend Jahre..." Sie stockte mitten im Satz und blickte sich unsicher um. "Gosh, wir werden es wirklich tun, oder?", fragte sie in die Runde und Rogue konnte die Angst in ihrer Stimme hören.
Rainbow landete neben der Fashionista und sah sie scharf an. "Knick mir nicht ein, Rarity! Du weißt was auf dem Spiel steht!"
Das weiße Einhorn sah einen Moment lang bedrückt auf ihre Hufe, dann hob sie wieder ihren Kopf. "Aber es ist Prinzessin Celestia, über die wir hier reden! Wir können doch nicht... wir dürfen... Tausend Jahre! Es sind tausend Jahre!"
"Die Prinzessin hat sich entschied´n." ging Applejack dazwischen. "S´ ihre eigene Entscheidung."
Rarity sah betrübt zu Seite. "Ja, ich weiß." antwortete sie leise. "Es ist nur..." Sie richtete ihren Blick auf Rogue. "Es ist nicht fair."
Der Hengst zögerte einen Moment lang, dann nickte er langsam. "Nein, das ist es nicht."
Er sah sich noch einmal im Kreis seiner Freunde um. Die bittere Entschlossenheit, mit der sie zu ihm gekommen waren, war verschwunden. Er konnte sehen, das sie noch immer ihre Zweifel und Sorgen hatten, egal was Twilight ihnen gesagt hatte. Auf seltsame Weise beruhigte ihn das. Auch wenn er das niemals von Twilight denken würde, war es ihm doch so gewesen, als hätte sie einen verrückten Zauber gewirkt, um die Wünsche ihrer Mentorin durchzusetzen. Diese Zweifel, so nahe an der Oberfläche, das man nur daran kratzen musste, um sie ans Tageslicht zu bringen, gaben dem Ganzen ein wesentlich natürlicheres Gesicht.
Einen Moment lang stand er noch so da und wusste nicht, was er weiter sagen sollte. Als er fühlte, wie der Augenblick sich immer weiter dehnte und die Stille zwischen ihnen immer unangenehmer wurde, wandte er sich schließlich um und ging einfach.
Er wusste, das es nicht gut war, sie so dort wortlos zurückzulassen, unsicher darüber, ob er ihnen vergab oder nicht. Er konnte ihre Blicke spüren, wie sie im durch den Raum folgten, bis die Tür ihn ihren Blicken entzog. Jetzt war es an ihm erleichtert durchzuschnaufen. Er ließ sich gegen das kühle Holz sinken und strich sich gedankenverloren über seine bandagierte Flanke.
So sehr diese Stuten auch mochte, so sehr er sie alle in sein Herz geschlossen hatte, konnte er nicht verhehlen, wie strapaziös es mit ihnen manchmal war. Einiges von dem hatte er sicherlich sich selbst zuzuschreiben. Aber er war nun darüber hinaus, die Schuld nur bei sich selbst zu suchen.
So schön es auch war Freunde zu haben, es war manchmal sehr anstrengend.
Er würde in seine fast schon unangenehm luxuriöse Unterkunft im Palast gehen und dort wie alle anderen darauf warten, das die Sonne unterging und der Mond sich erhob. Und darauf, das die Elemente, seine Freunde, eine Ära zum Abschluss brachten. Ohne ihn.
Hallo Rogue,
Ich bin mir nicht sicher, wie ich diesen Brief beginnen soll. Also halte ich mich daran, was mir am meisten am Herzen liegt: Geht es dir gut? Ich habe von deiner Verletzung in den Zeitungen gelesen und mache mir große Sorgen.
Vielleicht war das es, was Rogue am meisten an die Nieren ging. Ein Stachel aus Schuld und Reue, der eigentlich schon fast vertraut sein sollte und doch nie an Schärfe verlor.
Ich höre so viel über dich, seit du nach Ponyville, und wie ich gehört habe, in das Alte Land aufgebrochen bist. Einige unserer Ärzte und meiner eigenen Kolleginnen haben nach dem Angriff der Schattenwölfe in dem kleinen Dorf ausgeholfen. Ich selber wäre gerne dort gewesen, um zu unterstützen, aber ich war im Aufwachraum eingesetzt und konnte nicht weg. Trotzdem habe ich immer wieder deinen Namen gehört, auch bevor er durch alle Zeitungen ging. Tender sagte, das du die Organisation vor Ort übernommen hast und viele Leben retten konntest! Das ist etwas, auf das du sehr stolz sein kannst!
"Ich konnte nicht alle retten." flüsterte er in den leeren Raum hinein, als Antwort auf diesen Satz, die die Verfasserin nicht hören konnte. "Nicht alle." Er sah sich selbst die schwarzen, schweren Säcke hinter der Versammlungshalle aufschichten. Den Geruch des reifen Sommergrases, vermischt mit dem in der Sonne erwärmten Gummis drang ihm wieder in die Schnauze. Er würde ihn sein Leben lang nicht vergessen.
Aber damit nicht genug! Wie ich gelesen habe, bist du mit den Elementen selbst aufgebrochen, um die Ursache der Dürre zu erforschen! Ich weiß zwar, welche Abenteuer ihr Rettungsponys immer erlebt, aber das ist sogar mehr als jede Räubergeschichte, die man uns hier auftischt! Es muss so aufregend gewesen sein!
´Aufregend´ war nur ein Wort. Ein Wort mit dem andere Ponys ein Abenteuer umschrieben, die niemals eines erlebt hatten. Andere Bezeichnungen wären ´Beängstigend´, ´Erschöpfend´ oder ´Selbstmörderisch´, wie Rogue jetzt wusste.
Auf jeden Fall möchte ich dir sagen, dass ich sehr stolz auf dich bin. Erinnerst du dich noch daran, wie du als Praktikant auf unsere Station gekommen bist? Als ich selbst eine Schwester im Probejahr war? Wir wussten beide kaum, was wir tun und lassen sollten und waren so unsicher, das wir kaum einen Huf zu rühren wagten. Als wir uns vor drei Woche wieder sahen, ging mir auf, wie weit wir gekommen sind... Wie weit ich gekommen bin. Und nachdem ich gelesen habe, was du zustande gebracht hast, weiß ich, wohin ich noch will. Du bist einfach toll, Rogue. Ganz ehrlich.
Alle Rettungsponys sprechen von dir, genauso wie die Schwestern und Ärzte auf den Stationen. Du bist wirklich in aller Munde. Ich fürchte, das Trotter seinen nicht hat halten können, was uns betrifft. Alle, die hier her kommen, lassen ihre Grüße ausrichten. Und
Ich weiß nicht
Trotter
Rogue, ich weiß, das Trotter seit deiner ersten Zeit als Rettungspony dein Zugführer war und welche Verbindung du zu ihm hattest. Ich weiß nicht genau, ob du es durch diesen Brief erfährst, oder schon gehört hast, aber er ist gestorben.
"Nein." Seine Antwort auf diese Zeile war absolut. Es konnte nicht sein. Er knüllte den Brief in seinen Hufen zusammen und quälte den Schrei durch seinen Kehle. "NEIN!"
Sein Ruf, geboren aus Schmerz und ungläubigem Entsetzen, verhallte ohne Antwort zwischen den Seidentapeten des Zimmers. In Öl gebannte Adlige vergangener Zeiten bedachten ihn aus ihren Bilderrahmen an den Wänden mit mitleidslosem Blick.
Er spürte eine Hilflosigkeit in sich, eine haltlose Verzweiflung, die von ihm Besitz ergriff. Er wollte nicht glauben, was dort geschrieben stand. Er wollte... er konnte es nicht glauben. Als er nirgendwo mehr hin wusste, schlug das Gefühl in Wut um.
"NEIN!" Er ließ seinem Aufschrei einen blinden Schlag gegen das harte Holz des Schreibtisches folgen, vor dem er saß.
"NEIN!" Ein eingedrückter Hufabdruck zeichnete sich auf der polierten Oberfläche ab.
"NEIN!" Seine Fell gab unter dem Schlag nach und begann zu bluten. Er bemerkte es nicht.
"Nein. NeinneinneinneinneinNEIN!"
Hecktisch glättete er das Briefpapier wieder mit seinem Huf. Ein karmesinroter Streifen begann auf dem Weiß zu blühen, aber er beachtete es nicht, als er fahrig die nächsten Zeilen las.
Wir beide wissen, das es keine schonende Art gibt, so etwas mitzuteilen. Ich kann dich nur so trösten: Trotter hat während einer Nachtschicht einen Herzinfarkt erlitten und ist im Schlaf gestorben. Eure Kameraden haben es erst bemerkt, als er zum Alarm nicht aufgestanden ist. Da war es bereits zu spät etwas zu retten. Er wurde bei uns mit agonalem Rhythmus und keinerlei Hirnaktivität eingeliefert. Es tut mir leid, Rogue.
Er erkannte seine eigenen Worte in den von ihr geschriebenen Zeilen. Wie oft hatte er diese Worte, oder ähnliche ausgeprochen? ´Es tut mir leid´. Als würden diese Zeilen etwas ändern.
Je mehr ich mich mit deinen Kameraden darüber unterhalte, umso mehr verstehe ich, wie viel er dir bedeutet haben muss. Bitte glaube mir, das ich mit dir und deinem Verlust fühle. Wir alle sprechen viel über euch beide. Wie man so sagt, scheint es, das man das Gute, was man hat, nur zu würdigen weiß, wenn es verloren war dein Kollege, dein Kamerad. Aber er war auch dein Freund. Und, vielleicht, auch dein Held.
"Ja, das war er.", sagte Rogue in den leeren Raum hinein. Und wischte sich die Tränen fort, die sich in seinen Augenwinkeln gesammelt hatten. "Mein Kamerad. Mein Held. Und so viel mehr. Er hat mich mehr als einmal gerettet."
Eine Weile starrte er gedankenverloren auf das polierte Holz des Schreibtisches und seine Hufabdrücke darin, während vor seinem geistigen Auge seine letzte Begegnung, seine letzte Schicht mit dem so liebgewonnen Pony Revue passierte. Das was am klarsten in seinem Verstand geblieben war, war der ruhige Moment mit Trotter auf der Auffahrt vor dem Krankenhaus, als sie sich einen Kaffee geteilt hatten und sich darüber unterhielten, was er in seinem Urlaub anstellen sollte. ´Rogue, du bist kein Junge mehr. Celestia weiß, du hast genug getan um das zu beweisen. Du bist ein Rettungspony, so durch und durch wie man es sich nur wünschen kann.´ Das waren seine letzten Worte an ihn gewesen, oder zumindest die letzten, die wirklich zählten. Es war, aus seinem Munde, eines der schönsten und wichtigsten Komplimente, die er jemals bekommen hatte. Worte der Anerkennung und des Respekts, die ihn nach Pears tragischen Tods zwar nicht geheilt, aber genug aufgebaut hatten, um weiter zu machen. Er konnte sich kaum vorstellen, das diese so wichtige Stimme in seinem Leben für immer verstummt sein sollte.
Für deine Kameraden bist du selbst ein waschechter Held. Und für mich noch mehr.
Trotz seiner Trauer schluckte Rogue, als er diese Zeile las. Der Tod seines Partners hatte ihm einen üblen Schlag versetzt. Aber Ihm dämmerte, das der Nächste gleich folgen würde.
Ich habe gelesen, was die Presse über dich und das Element der Freundlichkeit, Fluttershy, geschrieben hat. Ich bin mir nicht sicher, wie ich darauf reagieren soll. Bitte verstehe mich nicht falsch, ich begreife, das du in den vergangenen Wochen viel durchgemacht hast und das der Tod deines Partners dich erschüttert, jetzt oder wenn du es schon vorher erfahren hast. Wir haben uns nichts versprochen (Außer eines Dates, wenn du wieder zurück bist), aber ich würde mich freuen, von dir zu hören. Auch wenn wir wir uns nur treffen um zu reden. Egal, worüber du willst. Ich bin da, wenn du ein offenes Ohr brauchst.
Mit freundli
In Lie
Ich weiß nicht einmal, wie ich diesen Brief unterschreiben soll. Rogue, es ist egal, was du von mir hältst, nur weil ich zu dumm bin, es geschickt genug auszudrücken. Die Wahrheit ist: Ich liebe dich Ich bin in dich verliebt. So, jetzt ist es raus. Ich war ein bisschen in dich verschossen, als du dein Praktikum bei uns gemacht hast und als ich dich wieder gesehen habe, ist alles zurück gekommen. Und als ich ein bisschen mit dir geflirtet habe bist du genauso süß gewesen, wie ich dich in Erinnerung hatte.
Ich weiß, das die Presse behauptet, das du und Fluttershy etwas miteinander habt und sollte es wirklich so sein, will ich mich nicht dazwischen drängen (Welche Chance hätte ich schon gegen ein Element der Harmonie, das auch noch dazu ein Ex-Model ist?)
Ich möchte einfach nur wissen, wo wir stehen. Egal wo wir stehen, entweder bin ich
Lass es mich bitte wissen. Und egal, wie deine Antwort ausfällt, ich bin da, wenn du über etwas reden möchtest. Wir haben beide Trotter kennen und Lieben gelernt.
Gez.
Sweet Darling, Krankenschwester, Sacred Hooves Hospital, Manehatten
PS: Ich vermisse dich...
Rogue ließ sein Gesicht langsam in seine Hufe auf dem Schreibtisch sinken Der Brief hatte ihn als einziger wie ein Überrschungspräsent darauf erwartet, während ein ganzer Sack an Fanpost leicht schräg daneben lehnte. Natürlich war die Fanpost selbst auch eine Überraschung, zumindest für ihn.
Es war schwierig für ihn zu entscheiden, worauf er zuerst reagieren sollte. Das einfache Stück Papier, geschrieben in der sorgsamen Schrift eines Erdponys, kaum eine Seite lang, war so übervoll von Neuem, Altem, Verdrängtem, das für alles zusammen kein Platz in seinem Kopf war.
Trotter.
Es war nicht nur ein Name, der wie ein Ölschliere in dem Wasser seines Verstandes als erstes zum Vorschein trat. Es waren Erinnerungen, die scheinbar fast ein Leben umspannten, sein Leben bei den Rettungsponys, so wenige, kostbare Jahre. Ein Leben im Dienst, unterbrochen durch kostbare Freizeit, die doch im Wirbel der Einsätze verschwand.
Das Gewicht des Wagens auf seinen Schultern. Das Heulen der Sirene. Die Ponys, die beiseite sprangen. Die Gesichter der Patienten, so viele, das sie verchwammen, Leid, das durch einen ungenannten Nenner geteilt wurde, bis nur noch das wahrhaft außergewöhnliche Bestand hatte. Abgründe, die immer tiefer wurden.
Aber ein Gesicht blieb. Trotter. Alter Hase. Veteran. Ein Rettungspony das scheinbar auf alles eine Antwort wusste. Lehrer. Mentor. Kamerad. Freund.
Die Rettungsponys hatten einen abgetrennten Ruheraum von den Feuerwehrponys auf der Wache. Mit Schrecken wurde sich Rogue bewusst, das er es hätte sein können, der Trotter so gefunden hätte...
Wie oft waren sie beide Seite an Seite aus ihrem Schlaf auf den schmalen Pritschen vom Geräusch des Alarms hochgeschreckt und noch mit schlafestrunkenen Augen mit dem Wagen ausgerückt? Währe es nicht an Rogue gewesen, die langen Nächte mit Trotter teilen? Wäre es nicht an ihm gewesen, ihn zu rütteln und zu schütteln, nachdem er nicht auf den Alarm reagierte? Wäre es nicht seine Aufgabe gewesen schließlich, voll Furcht und nur knapp unterdrücktem Entsetzen den Huf auf die Halsschlagader zu legen, während das grelle Licht der Neonröhren bereits allen kundigen Anwesenden das Schicksal des so geschätzten Rettungsponys vorhergesagt hätte? Hätte er seinen Huf in das kalte, graue Fleisch gedrückt, dass das Fell noch verbarg? Hätte er in die stumpfen, trockenen Augäpfel gesehen, verzweifelt auf einen Funken von Leben hoffend?
Trotter.
Er wollte sich ihn nicht so vorstellen. Er wollte den alten Hengst nicht so verletzlich in Erinnerung behalten. Trotter war seine Bastion gewesen, sein Bezugspunkt, unerschütterlich, unangreifbar. Von dort aus war er in das unbekannte Land der Patientenversorgung vorgedrungen, stets wachsam begleitet und doch voll Furcht, aber mit dem Wissen, das das alte Einhorn über ihn wachte. Alles was das Rettungspony Rogue heute war, verdankte es Trotter.
Lehrer. Mentor. Freund.
Trotter hatte auf diese eine Erfahrung gewartet, die jedes Feuerwehr- und Rettungspony bedurfte, damit alle Rogue für voll nahmen. Ein Fehler, eingebildet oder real. Ein Buck-Up. Ein Toter auf der Liste. Ein kalter Eimer Realität für eingebildete Helden. Der ihn auf den Boden zurückbrachte. Und er war bereit gewesen, ihn aufzufangen, wenn er fiel. Niemand konnte etwas dafür, das Rogues Scheitelpunkt so spät und so drastisch erfolgen würde.
Aber er hatte es überstanden. Trotz allem. Trotz aller Widrigkeiten, die ihm das Schicksal wie in einem nachgehendem Groll zwischen die Beinen warf. Er hatte bestanden und war sogar mit mehr als nur einer Trophäe hervor gegangen. Er hatte streng genommen den Jackpot geknackt.
Aber dies war kein Spiel. Im richtigen Leben barg jedes Glück auch seine Konsequenzen, während das Gegenteil nicht immer eine Kompensation bereit hielt.
Für Rogue war es, als würde er dem Preis für sein Glück zahlen. Oder, schlimmer, als müssten andere ihn für Ihn selbst zahlen. Als gäbe es ein kosmisches Konto aus Glück und Leid, das am Ende immer ausgeglichen sein musste. Es war schrecklich sich vorzustellen, das Trotter dieser Gleichung zum Opfer gefallen sein sollte.
Denn letztlich hatte er es auch diesem alten, griesgrämigen Pony zu verdanken, das er heute hier stand. Das nicht müde geworden war ihn in die richtige Richtung zu schubsen, so oft es der junge Hengst auch besser zu wissen meinte. Der immer da gewesen war, für dumme Fragen und und nicht ganz so dumme, für ein Glas Cider am Ende der Schicht, für gute Ratschläge und scharfe Schelte und für gegrummelte Komplimente, selten genug und unendlich kostbar, gerade deswegen. Trotter war während seiner wahren Bewährungsprobe nicht an seiner Seite gestanden, aber er hatte ihn dennoch begleitet. In dem Teil von Rogues Herz, in dem er immer fortleben würde.
Er weinte, während er den Absatz immer und immer wieder las. Er wusste mittlerweile, dass das dazu gehörte und nichts war, dessen man sich schämen musste. Er nahm bereits Abschied von seinem Freund, während seine Verstand noch immer darum kämpfte das unweigerliche zu akzeptieren. Es war traurig, auf seine eigene Art und Weise. Er wusste, die Tränen würden irgendwann versiegen. Sie nahmen die Trauer mit sich, ließen sie aus ihm herausfließen, wo sie sonst nirgends hin konnte, genau wie seine ungezähmte Wut vorher. Später würde er sich besser fühlen, geleert, gereinigt, auch wenn in seinem Innersten eine leere Stelle zurückbleiben würde. Aber auch diese würde schließlich schrumpfen und vergehen. Zurück blieben nur die Erinnerungen. Sie mussten genügen.
Aber jetzt weinte Rogue noch. Er weinte um seinen Freund, den er jetzt schon vermisste. Er weinte um Trotter, seinen Lehrer, Mentor, Kamerad. Und er weinte um Bandit, seinen Schützling, Weggefährten, Retter. Jetzt da er endlich Zeit und Muße dafür fand, konnte er auch ihn angemessen betrauern. Er weinte um sie beide.
Als die Sonne unterging, als das letzte Licht von Celestias Herrschaft verblasste und ein Raunen der Furcht durch die Menge vor dem Palast ging, als sich die Elemente im Turm versammelten und sich scheu und unsicher ansahen, als Celestia ihren schweren, letzten Gang antrat und ihre Schwester sie voll Furcht und mit einer letzten, unausgesprochenen Bitte anblickte, griff Rogue in die Schublade zu seiner Linken und holte Stift und Papier hervor.
Während ganz Equia den Atem anhielt, während jedes Pony in Equestria auf Canterlot sah, voll Bangens, voll versteckter Hoffnung, nahm er den Federkiel in den Mund und begann zu schreiben.
Während des wichtigsten Ereignisses in tausend Jahren Geschichte des Reiches, zahlte Rogue einen kleinen Teil seiner Schulden.
Liebe Darling,
Lass mich als erstes sagen, als Antwort auf deine Frage, das es mir gut geht. Zumindest den Umständen entsprechend.
Meine Zeit im Alten Land ist nicht spurlos an mir vorbei gegangen und ich erhole mich noch immer von einer schweren Verletzung und der anschließenden Infektion. Die Operation ist gut verlaufen, und ich bin wohl auf dem Weg der Besserung, auch wenn ich noch immer nicht an meine alte Form anknüpfen kann. Ich habe etwas an Gewicht verloren und das nicht gerade zum Guten. Und das Bein ist immer noch etwas lahm, auch wenn ich glaube, das es von Tag zu Tag besser wird.
Ich glaube
Lass mich ehrlich sein, weil du auch ehrlich zu mir warst. Ich habe verdammt große Angst. Die Ärzte sagten mir, das es sehr knapp gewesen ist. Laut dem Sanitäter auf dem Schiff, mit dem wir unterwegs waren, war ich klinisch tot und bin irgendwie zurückgekommen. Und die Infektion habe ich gerade so überlebt, ohne das sie mir das Bein abnehmen mussten.
Trotzdem geht es mir eigentlich blendend und das ist verrückt. Ich WEIß, ich müsste praktisch ans Bett gefesselt sein, aber ich kann frei herumlaufen und habe keine Schmerzen. Und es geht mir tatsächlich von Tag zu Tag besser. Hier in Canterlot gibt es die besten Ärzte, aber selbst für sie ist meine Genesungsrate ein Rätsel. Ich habe eine
Ich habe Angst, dass das alles nur ein verrückter Traum ist und ich aufwache und bin ein Krüppel
Aber gleichzeitig kann das kein Traum sein, denn ich habe TROTZDEM Angst, das ich nicht mehr so gut laufen kann wie vorher und das meine Zeit bei den Rettungsponys vorbei ist. Unser Abenteu Die Zeit im Alten Land hat mich viel gekostet. Vielleicht zu viel. Es war eine schwere Zeit. Zu schwer, um dir hier von ihr zu schreiben, ehrlich. Ich weiß nicht einmal, ob du es wirklich alles wissen willst. Vielleicht denkst du, das du es willst, aber vielleicht änderst du deine Meinung, wenn ich dir davon erzähle.
Es ist nicht schön. Nein, das ist es nicht.
Ich wusste nicht das Trotter gestorben ist. Er war
Ich glaube
Ich
Ich glaube nicht, das ich schon bereit bin, etwas über ihn zu sagen. Aber ich danke dir, dass du es mir gesagt hast. Es ist Er war Das ist alles, was ich im Moment dazu sagen kann. Danke.
Ich weiß nicht, wie ich fortfahren soll. Du hast gesagt, dass wir beide wissen, das es keine schonende Art gibt, so etwas weiterzugeben. Ich versuche es trotzdem.
Als ich dich im Krankenhaus wieder sah, war ich angenehm überrascht und freute mich für dich, das du es zur vollwertigen Schwester geschafft hattest. Und als du dann etwas... naja, näher an mich heran gerückt bist, hat mir das gefallen. Sehr sogar. Ich habe dich während unseres Praktikums auch genauer kennen gelernt und nichts davon hat mich abgeschreckt. Und das kam dort, in der Notaufnahme, wieder.
Ich hatte keine Hintergedanken, keine dunklen Pläne oder dummen Geheimnisse, als ich mich auf deine Avancen einließ. Ich hatte eine unglückliche Beziehung hinter mir, von der ich dachte, sie endlich hinter mir gelassen zu haben. Ich wartete nicht auf etwas Neues, war nur froh, dass das Alte vorüber war, als du mir praktisch in den Schoss fielst.
Vielleicht liegt darin der Fehler verborgen. Wir schätzen das, worum wir uns nicht bemühen müssen, oft zu gering. Und es ist nicht dein Fehler, das du es mir so leicht gemacht hast. Es ist mein Fehler, das ich so sorglos zugegriffen habe.
Ich mag das Schicksal verfluchen, oder wer sonst dafür verantwortlich ist, aber letztlich ist es meine Schuld. Nicht weil es die falsche Zeit war, den ich kann nicht in die Zukunft sehen. Ich habe nicht verstanden, das ich, indem ich auf dich eingegangen bin, auch eine Verantwortung übernommen habe. Eine Verantwortung. die
Zu lieben heißt, jemanden die Macht zu geben, dich schrecklich zu verletzen.
Und gleichzeitig zu hoffen, das er es nicht tut.
Ich glaube, ich habe es getan. Nicht aus Absicht, oder bösem Willen. Aber ich habe es trotzdem getan, ohne zu wissen, ohne es zu wollen. Aber es ist passiert. Wenn nicht vorher, dann jetzt.
Es ist wahr. Alles. Ich habe mich in Fluttershy verliebt, das Element der Freundlichkeit und, so unglaublich das auch für mich selbst klingt, erwidert sie diese Liebe.
Es tut mir leid.
Es tut mir leid, Darling.
Ich kann nicht mehr dazu sagen. Vielleicht siehst du es anders, aber nach deinem Brief ist es mir, als hätte ich dir ein Versprechen gemacht, das ich jetzt nicht mehr halten kann. Ich war sorglos und dumm und auch wenn ich nie die Absicht hatte, dich zu verletzen, habe ich es dennoch getan. Das ist es, was mir leid tut.
Ich kann nicht wieder gut machen, was ich angerichtet habe, noch kann und will ich die Zeit zurückdrehen. Denn wie du weist, wenn du liebst, ist es unersetzlich. Und so, auch wenn ich bereue, dir so übel mitgespielt zu haben, bin ich letztlich glücklich. Reuevoll. aber glücklich. Ich weiß nicht, was aus uns geworden wäre, hätte das Schicksal andere Wege eingeschlagen, aber ich glaube nicht, das ich etwas mit dir gemisst hätte, das ich jetzt habe.
Egal, welche Gefühle du mir auch jetzt gegenüber hegst, bitte vergiss dieses nicht: Trotz allem bist du mir weder egal, noch weniger wichtig. Trotz allem würde ich dich gerne wieder sehen. Und trotz allem würde ich mich freuen über alles zu reden, was nicht in diesen Brief passt und dennoch zwischen uns hängt. Egal, ob du dir einfach nur Luft machen musst oder mir zuhören willst. Ich bin ebenso für dich da, wie du für mich.
Dein Freund,
Rogue
Auch an diesem Morgen versiegte der silberne Schein des Mondes, um dem strahlenden Schein der Sonne Platz zu machen. Die goldene Scheibe schob sich zögernd über den Horizont, als müsste sie einem Ruf folgen, dessen Stimme ihr fremd, deren Worte ihr aber vertraut waren. Dennoch erhellte ihr warmer Schein die Lande unter ihr in vertrautem Licht und ließ die verzagten Herzen Vieler erleichterter schlagen, die die lange Nacht sorgenvoll und schlaflos verbracht hatten.
Erschöpft ließ Luna ihren Kopf sinken, nachdem sie das Gestirn ihrer Schwester über das Land erhoben hatte. Es hatte sich gegen ihren ungewohnten Griff gewehrt, aber schließlich nachgegeben. Sie konnte es tun. Sie konnte Sonne und Mond gleichermaßen in den gewohnten Rhythmus zwingen, auch wenn es sie noch viel Kraft kostete. Aber es würde mit der Zeit leichter werden, hatte Celestia ihr verraten.
Und nun... nun hatte sie Zeit im Überfluss. Zeit zu lernen, wie sie das so störrische Himmelsgestirn beherrschen konnte. Zeit zu lernen, wie sie diese Ponys zu regieren hatte, die sie misstrauisch und ein wenig ängstlich beobachteten. Zeit zu lernen, wie sie noch einmal tausend Jahre ohne ihre Schwester zurecht kommen würde.
Tausend Jahre, umgeben von Gesichtern und Persönlichkeiten, von Problemen und Herausforderungen, von Triumphen und Niederlagen. Und tausend Jahre... allein. Wieder allein.
Allein wie sie. Wie ihre Schwester, dort auf dem fernen Mond.
Sie konnte sie fühlen, schwach nur und entrückt, wie die letzte Umarmung eines geliebten Ponys auf ihrem Fell, bevor es fort ging. Sie wusste nicht, ob es ihrer Verbindung zu dem Himmelsgestirn geschuldet war, oder ob es sich für ihre Schwester all die Jahre ebenso angefühlt hatte. Sie wusste nicht, ob Celestia es ebenso fühlen würde.
Sie wusste nicht, ob es die Dinge einfacher machen würde, in dem Millennium, das vor ihr lag, oder schwerer. Sie wusste so schrecklich wenig.
Die Prinzessin des Mondes hatte Angst. Sie fürchtete sich vor dem Ungwissen nicht weniger, als ihre Untertanen. Aber gleichzeitig wusste sie, dass ihr diese Schwäche nicht erlaubt war zu zeigen.
Sie war allein.
Es gab keine Fanfaren und keine Musik, als sie von Canterlot aufbrachen. Auf eine gewisse Art und Weise kam es Rogue vor, als würden sie sich in einer Nacht und Nebelaktion davonstehlen.
Natürlich war es weder Nacht, noch gab es Nebel. Es war helllichter Tag, als sie in den Zug nach Ponyville stiegen. Aber gleichzeitig kam ihm der fehlende Trubel seltsam vor, waren sie doch noch vor wenigen Stunden praktisch im Zentrum der Aufmerksamkeit gestanden. Es war komisch, dass auf dem Ball jede ihrer Bewegungen mit einem Blitzlichtgewitter begrüßt worden war und für jedes Wort mindestens ein halbes Dutzend Reporter mit gezückten Notizblöcken bereitgestanden hatte, während jetzt nicht eine einziger Hut mit der Aufschrift ´Presse´ zu sehen war. Der Bahnhof war natürlich belebt, so wie man es von einer Haltestation in der Hauptstadt erwarten konnte, aber Rogue konnte beim besten Willen nicht entdecken, das ihnen mehr Aufmerksamkeit zu teil wurde, als ein neugieriger Seitenblick und ein hinter vorgehaltenem Huf geflüsterter Kommentar.
Sie... gingen einfach. Als wären die Elemente ein hufvoll Bauarbeiter, die eine imposante, aber letztlich notwendige Pflicht erfüllt hatten.
Sie reisten mit leichtem Gepäck. Selbst Rarity, die mit einem ganzen Arsenal an Koffern die ´Idle Barter´ betreten hatte, brachte nicht mehr mit, als eine große, mit gleichmäßigen Zeichen versehene Modetasche mit, die gerade der letzte Schrei in der Hauptstadt war. Der Nächste, gemessen an Gepäck, war Rogue selbst, der eine einfache Satteltasche mit den medizinischen Unterlagen für das Krankenhaus in Ponyville und letztlich Manehattan trug. Seine Galauniform hatte er mit der Post seinen Eltern hinterhergesandt, die bereits wieder in Manehatten angekommen sein mussten. Was seine geliehene Sanitätsaustattung anbelangte... sie war auf dem Zwillingsgipfel zurückgeblieben. Alle anderen hatten kaum genug ihrer persönlichen Habseligkeiten aus dem Wrack des Luftschiffes bergen können, um damit einen Beutel zu füllen.
Er übergab seine Tasche an AJ, die sie an den Gepäckträger weiterreichte. Dannach blieb ihm nicht weiter übrig, wie die anderen geduldig auf das baldige Eintreffen des Zuges zu warten. Fluttershy blieb dicht bei ihm, suchte seine Nähe wie eine Motte das Licht, eine Regung, die er mit ihr teilte. Sie wechselten nur wenige Worte, ebenso wie der Rest des Freundeskreises, aber es genügte ihnen, zumindest jetzt.
Das ganze kam Rogue unwirklich vor, fast wie ein Traum. Es war, als hätten die letzten zwei Tage gar nicht statt gefunden. Hier standen sie, bereit, Canterlot zu verlassen und die Züge fuhren pünktlich, die Ponys auf dem Bahnsteig waren lebhaft und fröhlich, die Sonne schien und die Vögel zwitscherten. Es war, als würde Celestia noch immer im Palast residieren, jeden Morgen die Sonne über den Horizont erheben und an der Seite ihrer Schwester das Reich regieren. So, als hätte sich nichts verändert. So, als würde den Mond nicht ein unvertrautes, neues Muster zeichnen, das Abbild eines einfach gehörnten Kopfes, in stumpf-goldenen Flecken. So als währe alles nur ein schlimmer Traum gewesen...
Es war leicht das zu glauben. Es war das, was der eigene Verstand einem am besten vormachen konnte. Es war ein Schleier, der über die Realität geworfen war und umso fester wurde, je mehr man an ihn glauben wollte.
Rogue war in den Jahren gut darin geworden, hinter solche Fassade zu blicken. Krankheit und Verletzungen waren eine Schwäche und viele Ponys waren nicht gut darin, etwas davon Preis zu geben. Es war unangenehm, oft peinlich und in den Köpfen als unangemessen verschrien. Ponys waren oft zu bescheiden, oder zu stolz, um sich selbst einzugestehen, wo das Problem lag, wenn sie nicht mit der Schnauze darauf gestoßen wurden, oder ihnen keine Wahl blieb. Ponys liebten den Status Quo. Sie mochten keine Veränderung.
Wenn er genau hinsah, konnte man es leicht erkennen. Man musste nur ein wenig an der Oberfläche kratzen und schon...
Das Gelächter der Gruppe von Pegasie klang ein wenig zu gezwungen und schrill, als das es echte Ausgelassenheit sein konnte. Der Hengst im steifen Kragen und Krawatte schwitzte zu viel, trotz der heißen Temperaturen. Die drei Erdponys am Eingang zum Bahnhofsgebäude sahen sich zu nervös und unsicher um. Selbst der Schaffner, der in seinem Holzhäuschen auf die Uhr sah, wirkte seltsam abwesend und mit sich selbst beschäftigt.
Eine Stute im modischen Kostüm stritt wegen einer Kleinigkeit mit dem Taxifahrer. Ein kleines Fohlen zupfte immer wieder unsicher am Kleid seiner Mutter, die ein wenig zu gewissenhaft ihre Reisepapiere prüfte. Und immer wieder diese seltsamen Blicke in den Himmel, gen der Sonne. So als könnte sie jeden Augenblick verschwinden und sie alle in eine kalte, dunkle, lange Nacht stoßen...
Der Zug schnaufte mit zischendem Dampf in den Bahnhof ein und lenkte das Rettungspony von seinen düsteren Gedanken ab. "Wir haben ein Abteil für uns zusammen.", sagte Fluttershy und winkte ihm einladend.
Rogue sah sich noch einen Moment lang das Treiben auf dem Bahnsteig an, dann nahm er ihre Einladung an. Sie half ihm über die hohe Stufe in den Waggon und er biss die Zähne zusammen, als der große Schritt ihm einen schmerzhaften Stich in der Flanke bescherte.
Als er heute morgen aufgewacht war, hatte sich sein Schenkel bei den ersten Bewegungen angefühlt, als wäre er statt aus Muskeln und Knochen mit Stacheldraht und zerbrochenem Glas angefüllt. Nachdem er eine Schmerztablette geschluckt hatte - die erste seit seiner Entlassung aus dem Krankenhaus - und sich etwas bewegt hatte, war es besser geworden, aber das Glied fühlte sich noch immer wund und verspannt an.
"Alles in Ordnung?", fragte sie, als sie seinen angestrengten Gesichtsausdruck bemerkte.
Er nickte schnell. "Alles gut.", beeilte er sich zu sagen.
Aber während er dem kanariengelben Pegasus, seiner Erwählten, seinem ganz besonderen Pony, in die erste Klasse folgte, fragte er sich, ob dem wirklich so war. Vielleicht mit ihm selbst, auch wenn ihm jetzt wieder leichte Zweifel daran kamen. Vielleicht zwischen ihnen beiden, auch wenn das noch immer nicht ganz geklärt war. Aber nicht das zwischen ihm und Twilight und den anderen Elementen, was das anbelangte, das war noch nicht geklärt. Und auch nicht das mit Equestria und seiner jetzt verlorenen Prinzessin. Nein, er hatte das Gefühl, dass letzteres noch gar nicht geklärt war. Auch wenn alle so taten, als wäre alles wie zuvor, war es alles andere als geklärt. In Wahrheit, so vermutete er, war es lediglich eine Katastrophe, die alle versuchten zu ignorieren, bis sie passierte. Nicht weil es jetzt Luna war, die am Ruder saß, weit gefehlt. Sondern weil eben alle so taten, als hätte sich nichts geändert. Weil alle so sehr versuchten zu glauben, das sich nichts verändert hatte, während sich in Wahrheit alles verändert hatte.
Er war nicht allein mit dieser Vermutung. Noch während sie ihr Weniges an Gepäck verstauten, konnte er die Unsicherheit in seinen Freundinnen fühlen und das gab ihm ein wenig Zuversicht in seine Intuition.
Fluttershy hatte nicht gelogen. Sie suchten sich ihre Plätze in einem abgetrennten Abteil in der ersten Klasse, das genug Platz für sie alle bot, während eine Schiebetür gleichzeitig für Privatsphäre sorgte. Fluttershy rückte etwas mit Rainbow zusammen, so das Rogue seinen verletzten Hinterlauf mehr Luft verschaffen konnte.
Den Zug durchlief ein Ruck, als er anfuhr und langsam begann sich die Landschaft vor dem Fenster zu bewegen. Sie waren auf dem Weg.
Das Schnaufen der Lokomotive und das gleichmäßige *klackklack* der Schienen begann in einen steten Rhythmus über zu gehen, der durch das halb geöffnete Fenster zu ihnen hereindrang. Rogue merkte aufmerksam auf die Stille, die zwischen ihnen allen hing, während sich die Minuten dehnten.
Applejack sah ihm gegenüber abwesend aus dem Fenster, während die letzten Gebäude Canterlots an ihnen vorbeizogen. Neben ihr suchte Pinkie in einem Beutel nach einer ganz besonderen Süßigkeit, die sie mit sich gebracht hatte. Rechts von ihr, der Tür am nächsten, starrte Twilight gedankenverloren auf den Einband eines Buches, das unaufgeschlagen in ihrem Schoß lag.
Rainbow sah abwechselnd auf Fluttershy und Rogue neben ihr und auch schnell aus dem Fenster, immer wenn sie glaubte, das er ihr einen Blick zuwarf. Rarity, etwas eingequetscht am Rande ihrer Reihe und Twilight gegenüber, gab sich scheinbar ganz ihrer Hufpflege mittels einer kleinen Feile hin, aber ihre großen, azurblauen Augen flitzten immer wieder zwischen den Freunden hin und her und schienen jedes Detail aufzunehmen.
Und Fluttershy... Fluttershy lehnte sich wie zufällig an ihn, während sie an ihm vorbei aus dem Fenster sah. Ein seeliges Lächeln umspielte ihre Lippen, das ebenso rein und unschuldig war wie der junge Morgen.
Das alles nahm Rogue wahr, während er auf der Sitzbank lag und versuchte, sich so klein wie möglich zu machen, um in dem engen Abteil genug Platz für sich und seine Freunde zu schaffen. Er beobachtete sie aufmerksam, zumindest eine Weile lang, bis sein Interesse langsam von den gleichmäßigen Geräuschen der Bahnfahrt eingelullt und schließlich verschlungen wurde. Während das stete *klackklack* und *chuffchuff* der Eisenbahn ihn immer tiefer in die dunklen Tiefen eines traumlosen Schlafes zog und er mit einem warme Gefühl im Herzen merkte, wie Fluttershys Kopf auf seiner Seite zum Liegen kam, galt sein letzter klarer Blick doch Twilight, die, scheinbar unbewegt von den einschläfernden Geräuschen noch immer auf ihren Schoß starrte.
Er schreckte auf, ohne zu wissen warum. Er wusste nicht, wieviel Zeit vergangen war, aber die Sonne hing noch immer am Himmel, auch wenn sie ihren Zenit überschrieten zu haben scbien. Einen Moment lang rührte sich sich Fluttershy, deren Kopf auf seinem Hinterlauf ruhte, knapp oberhalb des Verbandes und murmelte etwas. Er strich ihr beruhigend mit dem Huf über den Kopf, dort wo ihre Mähne von den Ohren getrennt war und sie seufzte erleichtert. Ihre Flügel zuckten sanft im Traum und legten sich dann fester um ihren Körper. Er streckte seinen Hals und hauchte ihr einen Kuss auf die Stirn, den sie nicht zu bemerkten schien. Einen Moment betrachtete er sie mit einem glücklichen Grinsen im Gesicht, dann sah er auf.
Twilight beobachtete ihn mit einem seltsamen Blick uns sah schnell weg, als sie seinen Blick bemerkte.
Er sah sie einen Moment lang neugierig an, dann bedachte er das ganze Abteil mit einem prüfenden Blick. Die restlichen Stuten hatten sich ebenso wie er vorher dem gleichmäßigen Klang der Bahnfahrt hingeben und waren darüber in einen tiefen Schlaf versunken, der der Aufregung der vergangenen Tage Rechnung zollte. Rogue und das violette Einhorn waren die einzig wachen Ponys in dem Abteil.
Es war eine Gelegenheit, die er halb herbeigesehnt, halb gefürchtet hatte. Einerseits wollte er wissen, was die Stuten, die vorher so uneins gewesen waren, bewegt hatte, Twilight letztlich so bedingungslos zu folgen. Andererseits war er sich nicht sicher, ob er diese Gespräch allein suchen wollte. Nicht weil er irgendeine Magie fürchtete, die Twilight mit seinem Kopf anstellen konnte, sondern, weil er alle Seiten hören wollte, gerade weil er den Disput, auch noch nach der eigentlichen Entscheidung, noch mitbekommen hatte. Er wollte die Wahrheit wissen und eigentlich wollte er auch wissen, wie sie jetzt, nach allem, dazu standen. Aber die Versuchung, allein mit Twilight zu reden und sich ihren Standpunkt anzuhören, der anfänglich alle anderen überzeugt hatte, war groß. Zu groß letztlich, um ihm zu widerstehen. Und sie war natürlich seine Freundin, immer noch. Es war schwer zu ignorieren, wie sehr sie unter allem litt.
Er kämpfte einen Moment lang damit, seine erste Frage richtig zu formulieren.
Er probierte im Geiste mehrere Fassungen aus und verwarf sie fast ebenso schnell, wie sie ihm in den Sinn kamen. Schließlich, nachdem sich ihr Schweigen fast in unerträgliche Länge gezogen hatte, stellte er die Frage so einfach und so gerade heraus, wie sie ihm zuerst in den Sinn gekommen war:
"Warum?"
Er sah, wie sie zusammenzuckte, so als hätte sie gerade diese mehr als alles andere gefürchtet. Vielleicht war sie ihm Geiste fast ebenso viele schlaue Antworten durchgegangen, wie er kluge Fragen entworfen hatte und hatte doch keine auf die einfachste von allen.
Warum?
"Es gibt keine einfache Antwort darauf, Rogue.", sagte sie schwach. Er schwieg. Er wusste, dass das nicht alles war. Er wurde nicht enttäuscht, als sie zögernd fortfuhr.
"Celestia wurde vor tausend Jahren dazu gezwungen, ihre eigene Schwester zu verbannen. Das einzige Geschöpf, das ebenso wie sie selbst ist. Die Einzige... die Einzige, die sie... wirklich... verstehen kann." Schmerz lag in diesen Worten, tief und resigniert. Verzweifelt.
"Es war ein Urteil, hart und endgültig, aber nicht gerecht. Es war eine verzweifelte Tat. Es galt uns Ponys zu schützen, aber um einen Preis, der für sie schrecklicher war, als wir uns jemals vorstellen können. Es war nicht gerecht, aber es war notwendig, die einzige Möglichkeit. Ein kleines Übel, eine kleine Ungerechtigkeit, im Vergleich zum Leiden eines ganzen Volkes. Sie hat sich niemals verziehen."
Twilight sah auf, gequält und elend. "Sie hat sich tausendmal und mehr dafür verflucht. Tausend Jahre lang. Wie könnte sie diesen Fehler noch einmal begehen? Wie könnte sie ihre Schwester noch einmal für die Fehler, für die sie sich selbst die Schuld gibt, noch einmal in dieses Tal des Jammers schicken? Tausend Jahre lang?"
Das violette Einhorn barg ihr Gesicht in ihre Hufen, um die Tränen zu verstecken, die aus ihren Augen quollen, ungefragt, ungebeten. "Wie hätte ich diesem Wunsch widersprechen können? Was hätte ich ihr schon an Trost spenden können? was hätte ich ihr sagen können, um sie davon abzubringen?"
Sie schluchzte leise, sorgsam darauf bedacht, ihre Freundinnen nicht zu wecken.
"Twilight...", begann Rogue und brach dann ab, als ihm die Stimme versagte. Er verstand, wovon die Einhornstute sprach. Er verstand, wie tief die Kluft zwischen den beiden Schwestern war, hatte er doch selbst einen kleinen Blick auf das Muster erhaschen können. Und er verstand, was Twilight bewegte, hatte er doch selbst erkannte, was in ihrem Herzen vorging, fast noch bevor sie es sich selbst eingestand. Aber er konnte nicht anders, trotz allem Wissen zu fragen und sei es nur, um ihre, ihre Antwort darauf zu erfahren:
"Aber was ist mit dir?"
Twilight sah ihn einen Moment lang an, dann lachte sie hilflos und verzweifelt: "Was ist mit mir? Ich bin das Element der Magie und ich muss meine Pflicht erfüllen. Jetzt mehr den je."
Rogue zögert kurz, dann setzte er nach. "Twilight, ich weiß, das du sie liebst. Nicht als Lehrerin, nicht als Mentorin, sondern..."
"Sondern was?" bellte sie ihn wütend an. Die Freundinnen bewegten sich unruhig im Schlaf, durch die Lautstärke aufgeschreckt. Rarity öffnete als einzige ihre Augen ganz, sah einen Moment unsicher zwischen ihnen beiden hin und her und schloss sie dann wieder, unbemerkt. Aber ihre Ohren zuckten aufmerksam.
"...So wie ich Fluttershy liebe.", antwortete Rogue fest. "Und würde sie sich morgen entscheiden zu verschwinden um niemals in meiner Lebenszeit zurückzukehren, gäbe es nichts, was mich auf dieser Welt trösten könnte." er sah auf das schlafende Pony an seiner Seite. "Und mir vorzustellen, das ich selbst es sein müsste, der sie dort hin schicken müsste..." Er sah auf. "Twilight, ich kann nicht im geringsten ermessen, wie es dir jetzt gehen muss. Keiner von uns kann das wirklich." Er stockte, als er bemerkte, das er nicht wusste, wie er fortfahren sollte. Welchen Trost konnte er der Stute schon schenken? Welche aufmunternden Worte sollte er für sie finden? Ihr war das liebste, das teuerste in ihrem Leben genommen worden und es gab keine Hoffnung, es jemals wieder zu erlangen. Was konnte er ihr schon sagen?
"Twilight, ich... ich glaube..." Er stotterte, aber es machte ihm nichts aus. nicht hier, nicht jetzt. "...ich glaube...wenn du wirklich liebst...wirklich liebst... dann gibt es einen Weg. Irgendwie. Es muss. Es muss einfach." Er hörte sich selbst lügen, aber es klang selbst in seinen Ohren überraschend überzeugend. "Ich meine... was hätte das alles für einen Sinn? Freundschaft? Magie? Das Alles ist schön und gut, aber... aber was bedeutet es denn noch, wenn wir lieben? Von ganzem Herzen?" Es bedeutete gar nichts. Liebe war stark, war wie ein eiserner Griff, war herrlich, war furchterregend, war unvergänglich wie Sonne und Mond und so zeitlos wie feuchtes Gras unter den Hufen und der geheimnisvolle Nebel am Morgen, vergessen schon am Mittag. Sie war schwer wie ein Berg und flatterhaft wie eine Feder im Wind und Ewig wie in Stein gemeißelt oder in Schnee geschrieben. Es bedeutete alles. Für immer. Und mehr.
Rogue hatte einmal geliebt, mit ganzem Herzen. Es war vergangen. Und er liebte wieder, mit nicht weniger als zuvor. Aber es blieb eine fade, leise Stimme in ihm, die fragte: ´Und nun? Und nun? Ist es das? Ist es das wirklich?´ Er wusste mit dieser Stimme umzugehen. Er wusste, das es nichts anderes brachte als Einsamkeit, ihr zuzuhören und er wusste, das er niemals so sehr wissen würde, wie er zuerst geglaubt hatte zu wissen. Er konnte nur hoffen und das war ihm jetzt genug.
Aber Twilight hatte diesen letzten, endgültigen Schlag noch nicht verarbeitet. Sie musste selbst zu dieser Erkenntnis kommen, auf eigenen, schmerzenden Hufen, oder nie.
Er redete sich ein, das sie Hoffnung dazu brauchte, das er ihr gut daran tat, diese zu schüren. Das sie den selben, steinigen Weg zur Erlösung gehen könne wie er selbst und er ihr dabei half. Aber tief in sich drin, fast verborgen vor seinem Selbst, wusste er, das er nur zu feige war die Wahrheit auszusprechen
Niemals, niemals, lieben wir so tief und innig wie das erste Mal.
Es war dumm und selbstzerstörerisch. Aber es war auch wahr. Die erste Liebe brannte sich ein. Die erste wahre Liebe, fern jeder Schwärmereien und unerfüllter Sehnsüchte. Die erste Liebe setzte alle anderen in einen Kontext, gab Maßstäbe vor, Vorlieben und manchmal auch Obsessionen, greifbar oder auf ewig unerfüllt.
Mit der Zeit kamen Kompromisse. Und mit Kompromissen kamen Möglichkeiten. Und mit den Möglichkeiten kam...Flexibilität. Aufgeschlossenheit. Punkte, an denen es kein Kompromiss mehr war, sondern...vielleicht wieder Liebe. Genug vom vertrautem und genug von neuem, bis man das widerentdeckte, was man verloren glaubte. Liebe schien einfach, aber je älter und erfahrener man wurde, umso komplizierter wurde sie.
Und doch konnte sie einen immer wieder überraschen. Sie konnte plötzlich kommen, wie ein Sturm, oder langsam schwelen, wie ein Waldbrand, der erst spät aufloderte. Sie konnte sanft sein, wie das Flüstern in dunkler Nacht oder laut und fordernd wie ein vertrösteter Gläubiger. All das und noch mehr.
Aber wie sollte Rogue das Twilight erklären? Wie sollte er ihr sagen, das sie jemanden anderen finden würde, jetzt, da Celestia fort war? Vielleicht nicht heute oder morgen, aber vielleicht in einem Jahr, oder in Zwei, oder in Zehn? Das sie vor Glück zerspringen würde, wenn es geschah, auch wenn sie jetzt glaubte, dass das niemals der Fall sein konnte, ebenso wie er es vor so weniger Zeit geglaubt hatte? Und das sie dennoch immer an diese eine, erste Liebe zurückdenken würde und unfairerweise, ohne es zu wollen, Ihn oder sie damit vergleichen würde? Und immer Makel feststellen würde, so perfekt auch der neue Partner wäre? Makel, die nicht einmal real waren, sondern nur in der Vorstellung existierten würden?
Wie sollte er ihr das sagen, so, das sie ihm glauben würde? Wie konnte er ihr die Hoffnung nehmen? Lieber log er, so sehr es ihm auch missfiel. Sie würde ihm doch nicht glauben. Er hätte es auch nicht getan, wenn es ihm jemand gesagt hätte. Das war etwas, das jedes Pony für sich selbst heraus finden musste. Er würde für sie da sein, um sie auf diesem Pfad zu begleiten. Aber er konnte ihn nicht für sie gehen.
Er verstand letztlich, warum die Anderen sich auf Twilight eingelassen hatten. Er verstand, warum es nun Celestia war, die verbannt worden war.
Und er verstand, dass das Leben weitergehen musste, mehr als es alle Ponys des Reiches es taten.
"Wir sind da."
Er sagte es laut genug, das es die Anderen weckte, noch bevor der Zug merklich bremste. Er hatte die weiten Apfelhaine von Sweet Apple Acres erkannt.
Die Stuten merkten verschlafen auf und sahen sich etwas überrascht im Abteil um. Rogue sah bereits wieder aus dem Fenster, während Twilight ihr Buch, das sie während der Fahrt nicht einmal aufgeschlagen hatte, verstaute.
"Ah! Da is´ mein süßes, süßes Ponyville!" Applejack stand auf und presste sich gegen die Scheibe, um sich nichts entgehen zu lassen. "Ey! Da sin´ Granny Smith un´ Big Mac am Bahnsteig!" Sie öffnete das Fenster und winkte aufgeregt. "Hier! Hier sin´ wir!"
Rogue glitt vorsichtig von der Sitzbank. "Kommt. Wenn wir uns beeilen, müssen wir uns nicht durchdrängeln."
Es gab trotzdem etwas Geschubse und Gedränge, als sie ihre wenigen Habseligkeiten, die sie mit in das engeAbteil genommen hatten, hervorholten, aber danach war der Gang frei. Es schien, als würden sonst nur wenige Ponys hier aussteigen.
Die Hitze, während der Fahrt durch den Wind aus dem halb geöffneten Fenster gemildert, traf Rogue wie ein Schlag ins Gesicht, als er auf den gepflasterten Bahnsteig trat. Canterlot war wesentlich höher gelegen und deshalb kühler gewesen, während sich hier im Tal die Wärme staute. Er konnte das Hitzeflirren über den Steinen sehen.
"Granny! Big Mac! Oh, ich hab´ euch so vermisst!" Applejack sprang aufgeregt in den Kreis ihrer Familie, die sie mit freudigen Hufen empfang.
"Ey! Ich bin auch noch da!", drängte sich Applebloom zwischen den Beinen ihrer Anverwandten hindurch.
"Oh, dich hab´ ich ganz bestimmt nich´ vergess´n, Sugarcube!" Das Farmerpony schnappte sich ihre kleine Schwester vom Boden und warf sie ein kleines Stück in die Luft, bevor sie das Fohlen wieder fing und fest an sich drückte. Apple Bloom quittierte diese Behandlung mit einem so sorgenfreien Lachen, das Rogue, der ein paar Schritt abseits stand, das Herz dabei aufging.
"Hier, für ihre Mühe.", sagte er dem Gepäckmeister und drückte ihm einen Bit als Trinkgeld in den Huf, bevor er sein schmalen Satteltaschen von dem Karren nahm. Anschließend half er Rarity mit ihrem wesentlich größeren Stück.
Das weiße Einhorn tupfte sich den Schweiß mit einem spitzenbesetzten Taschentuch von der Stirn. "Oh, diese Hitze ist einfach erdrückend." Sie drehte sich zu ihm um und strich ihm etwas imaginären Staub von der Schulter. "Danke, Darling, aber du solltest dich besser schonen. Ich komme schon alleine zurecht." Sie schenkte ihm ein dankbares Lächeln, das allerdings auf ihrem Gesicht gefror, als sie eine Stimme hinter sich hörte.
"Uuuuuh! Ist es das was ich glaube, Magnum? Ist es das? Ist Er das?" Die Stute in mittleren Jahren, trotzt der sommerlichen Hitze aufgerüscht in einem pflaumenfarbenen, kurzen Kleid und toupierter Frisur, die plötzlich aufgetaucht war, stieß noch einmal einen spitzen, aufgeregten Laut aus. "Uuuuh! Ist es so weit?"
Der Hengst neben ihr, mit Strohhut und einem Tropenhemd in schreiendem Muster wesentlich legerer gekleidet, schüttelte skeptisch und ein wenig amüsiert den Kopf. "Nein, ich denke nicht, Darling. Ihm fehlt sowohl die wallende, schwarze Mähne, als auch die Ausstrahlung eines Kapitäns der Luftwacht." Er sah Rogue an und lächelte entwaffnend. "Nichts für ungut, mein Lieber."
Das Rettungspony beobachtete fasziniert, wie Raritys Gesichtsausdruck innerhalb weniger Sekunden gut ein Dutzend Stadien durchlief, von Überrascht, zu Verängstigt, über peinlich Berührt zu unterdrückter Wut und schließlich gezwungener Freundlichkeit, mit noch so einigem dazwischen. Schließlich wirbelte sie auf dem Absatz herum. "Mom! Dad!", presste sie zwischen ihren Zähnen hindurch.
"Schwester!"
Bevor Rarity noch auf weitere, uneindeutige Weise auf die Anwesenheit ihrer Erzeuger reagieren konnte, flog ihr bereits ein ein kleines Bündel aus cremefarbenem Fell entgegen, das sie gerade noch auffangen konnte.
"Sweety Belle! Oh, Kleine, nicht so stürmisch!" Aber sie lachte, als sie das Fohlen fest an sich drückte.
Raritys Vater betrachtete die Szene mit einem warmen Lächeln, während seine Stute zu ihren Töchtern trat. Dann sah er auf und ging auf Rogue zu."Entschuldigen sie das Missverständnis, junger Hengst." Er streckte seinen Huf aus. "Ich bin Tom Magnum VI., der stolze Vater der wundervollen Stute, die sie als Rarity kennengelernt haben."
Rogue zögerte einen Augenblick lang, dann ergriff er den ihm dargebotenen Huf. "Rogue Runner. Es ist mir eine Ehre."
Der Hengst schüttelte ihn kräftig durch, dann ließ er unvermittelt los und schlang im nonchalant den Vorderlauf um die Schulter. Er drehte sich so, das sie beide die Szene vor sich im Blick hatten. "Da geht einem doch das Herz auf, was, mein Freund? Alle meine Mädels wieder vereint." Er lachte laut und klopft Rogue mit dem freien Huf auf die Brust. "Nehmen sie es mir nicht krumm, meine Stute wacht mit Argusaugen auf jede Möglichkeit für ein Enkelfohlen und seit sie diesen Artikel in der Klatschpresse gelesen hat, gibt es kein Halten mehr. Aber wenn ich die Zeitungen richtig gelesen habe, sind Pegasusstuten mehr ihr Ding, was?" Er sah an Rogue vorbei zu Fluttershy, die sich gerade mit Pinkie Pie und Rainbow unterhielt, ohne ihn dabei wirklich aus den Augen zu lassen. Er zwinkerte der kanariengelben Stute zu, die sich schnell weg drehte und heftig errötete. "Ein echter Fang, halt die Esse fest! Glückwunsch, mein Lieber" Wieder klopfte er Rogue gegen die Brust und grinste dabei unverschämt. Langsam kam es dem jungen Hengst in den Sinn, warum Rarity so gemischte Gefühle hatte, ihre Eltern hier anzutreffen.
Magnums Griff um seinen Hals verstärkte sich etwas, nicht so fest, das es unangenehm wurde, aber genug, das ihre beiden Köpfe verschwörerisch auf einer Höhe zusammenkamen. "Sie haben doch diesen Fairway kennengelernt, oder? Er stammte aus gutem Hause, soviel ist sicher, aber was halten sie von ihm? Persönlich, meine ich." fragte er in eindringlichem Tonfall. "Hält er was er verspricht? Ein echtes Pony von Schrot und Korn?"
Rogue war während der ganzen Behandlung still geblieben, zu überwältigt von der überschäumenden Präsenz des älteren Hengstes und zu sehr darauf bedacht, Raritys Vater nicht zu verärgern. Trotzdem wurde ihm die völlige Missachtung seines persönlichen Sicherheitsabstandes gegenüber eines völlig Fremden etwas zu viel. Leider sah er keine Möglichkeit, sich leicht aus dieser Situation zu befreien, ohne ein schlechtes Licht auf seine Freundin und die langsam keimende Beziehung zu werfen, die er zwischen dem Kapitän und Rarity erkannt hatte. Letztlich blieb ihm nichts anderes übrig, als ebenso wie die Fashionista die Zähne zusammen zu beißen und gute Miene zum bösen Spiel zu machen.
"Seien sie unbesorgt, Mister Magnum. Kapitän Fairway...", er betonte den Titel, um dem Respekt, den er vor diesem Pony gewonnen hatte, besonderen Nachdruck zu verleihen. "...ist ein Pony von sowohl ernsten, als auch wohlmeinenden Absichten, dessen Ehre jenseits aller Zweifel liegt. Wenn..." Er zögerte kurz, entschied sich dann aber dafür, ebenso offen zu sprechen, wie es Rarity´s Vater mit ihm getan hatte. "Wenn die beiden zueinander finden sollten, kann ich mir persönlich kaum ein besseres Paar vorstellen."
Magnum sah ihn einen Moment lang ernst in die Augen, dann schlug er ihm noch einmal kräftig auf die Schultern. "Wir werden sehen. Wir werden sehen, oder? Jetzt weiß ich, warum sie mit den Freundinnen meiner Tochter unterwegs sind. Wenn ihr Kapitän sein Pulver wert ist, so wie sie sagen, dann werde ich vielleicht mein Kampfgewicht in den Ring für ihn werfen, wenn es an seine Anhörung geht. Er kann gerade alle Freunde brauchen, die er bekommen kann." Er sah noch einmal auf seine Tochter, die Sweety Belle jetzt neben sich abgesetzt hatte und sich wesentlich entspannter mit ihrer Mutter unterhielt. "Sie haben keine Fohlen, oder?". fragte er abwesend.
Rogue schüttelte seinen Kopf und als er bemerkte, das ihn der Hengst nicht ansah, sagte er laut. "Nein. Keine Fohlen."
Magnum wandte ihm den Kopf zu. "Sie sind alles was ich habe. Alles was zählt. Wenn ihr jemand das Herz bricht..." Ein Ausdruck wie eine Gewitterwolke glitt über sein Gesicht, dunkel und unheilvoll,. Doch so schnell sie gekommen war, verschwand sie wieder. Er lächelte. "Sie werden es verstehen, wenn sie selbst so weit sind." Er sah an Rogue vorbei. "Man wartete anscheinend bereits auf sie. Ich bedanke mich bei ihnen. Und ich wünsche ihnen viel Glück."
"Rogue! Was is´n? Komm schon her!" Applejack winkte ihm fröhlich, im Kreise ihrer Familie, seiner Familie, die einige Meter von ihnen entfernt stand und ihn erwartungsvoll ansah.
Magnum nahm seinen Vorderlauf von seiner Schulter und rückte scheinbar unbekümmert seinen Strohhut zurecht. "Gehen Sie! Worauf warten sie noch?" Er grinste breit und schob ihn in die richtige Richtung.
"Rogue!" Jetzt war es an dem jungen Hengst das Bündel wilden Lebens aufzufangen, das sich ihm wie ein ballistisches Geschoss entgegenwarf. Er bewältigte es mit mehr oder weniger Grazie, als seine Cousine. Apple Bloom sich ihm in die Huf sprang. Sie schien ihm größer und schwerer als in seiner Erinnerung, auch wenn das letzte Mal, als das er sie in seinen Hufen gehalten hatte, noch nicht so lange her war.
"Du bis´ doch zurück gekomm´!", jauchzte das Fohlen und drückte ihre kleinen Hufe gegen seinen Hals. Wie schon zuvor war Rogue vollkommen überrumpelt von der Zuneigung, die das jüngste Mitglied der Apple-Familie ihm entgegen brachte, obwohl er eigentlich nicht viel mit ihr zu tun gehabt hatte. Trotzdem ließ er es sich gerne gefallen und erwiderte ihre Umarmung mit nicht weniger Enthusiasmus. "Hey, Apple Bloom. Ich hab´ dich vermisst." Er hielt sie einen Moment so, dann schob er sie sanft auf seinen Rücken, so das sie auf ihm reiten konnte. Das Fohlen ließ es sich gefallen und besah sich neugierig seinen Verband über dem Hinterlauf. "Was has´ du da gemacht, Rogue? Has´ du mit nem´ bös´n Monsder gekämpft? Erzähl´s mir!"
Das Rettungspony ignorierte für den Moment die aufgeregten Fragen seiner kleinen Cousine und wandte sich statt dessen Granny Smith und Big Macintosh zu. Er lächelte und winkte ein wenig unsicher. "Da bin ich wieder. Ich hab sie in einem Stück zurück gebracht."
Granny besah sich ihn von den Hufen bis zum Scheitel mit skeptischen Blick. "Aye, s´ wohl war. Aba´ auf dich selbs´ has´e nich´ so viel gegeb´m, wie´s schein´ tut. Has´ abgenom´. Un´ nich´ nur annen gut´n Stell´n. Granny kann´ deine Ripp´m zähl´n un´ könnt´ drauf spiel´n wie auf´m Xylofon." Ihr harter Blick wurde weicher. "Aba´ s´ nix was nich´ n´ paar Tage Apfelkuch´n un´ Pfannkuch´n un´ Eintopf un´ meine Marmelade hufdick auf´m Brötchen zum Frühstück nich´ wieder hin bekom´ könn´. Willkom´ zurück Rogue." Und damit drückte sie ihn so fest an ihre faltige Brust, wie es nur die Apples konnten.
"Eeyup!", gab Big Mac von sich und klopft zustimmend mit seinem riesigen Huf auf dem Boden.
"S´ Ess´n wartet schon. Ich hab´ ordentlich aufgetischt, wie´s sich gehört, wenn eina´ vonner´ Reise wiederkommt. Was sacht´ ihr? Woll´n mer´ geh´n?"
Überraschenderweise war es Applejack, die schnell antwortete: "N´ Moment noch, Granny. Wir komm´ gleich nach!"
Als Rogue sich umdrehte, verstand er auch, warum. Im Stillen verfluchte er sich dafür, das er nicht selbst daran gedacht hatte. Das warme Gefühl der Begrüßung durch die Apples hatte ihn fast alles um sich herum vergessen gemacht. Alles, bis auf eine gewisse, kanariengelbe Stute, die ihm bereits seit Wochen nicht mehr aus dem Kopf ging. Aber sie war natürlich nicht die einzige.
Sie trafen sich noch einmal am Eingang zum Bahnsteig, dort wo der Durchgang zwischen den Schaltern und den Aufenthaltsräumen der Haltestelle den Blick auf das sonnenbeschienene Ponyville freigab.
"Wieder ein Abenteuer bestanden.", sagte Pinkie, aber nicht so überdreht und quietchig, wie man es von ihr gewohnt war. Ihre Stimme war fröhlich, aber ein leiser Unterton von Erleichterung schwang darin mit, der nicht zu ihrer sonstigen Art passte.
"Das war ein harter Ritt.", stimmte Rainbow ihr zu. Sie zwang sich zu einem Lächeln, aber alle konnten sehen, das sie nicht mit ganzem Herzen bei der Sache war. "Ich schreibe an Strawberry, sobald ich kann. Ich lass´ euch wissen, wie es mit ihr weiter geht." Sie sah einen Moment gedankenverloren in die Ferne. "Ich hoffe Lu... Prinzessin Luna hält sich..." sie verstummte plötzlich. "Ich hoffe, es geht alles gut aus..", endete sie unsicher. Die Sorge stand ihr ins Gesicht geschrieben.
"Ich... ich bin einfach nur froh, das alle es geschafft haben.", flüsterte Fluttershy und sah dabei zu Rogue. Der Hengst lächelte ihr aufmunternd zu und machte ein tapferes Gesicht.
"Da hast du recht, Darling.", pflichtete ihr Rarity zu. Sie sah einen Moment lang verlegen auf ihre Hufe, eine Geste die eher zu Fluttershy, als zu ihr gepasst hätte. "Aber vielleicht, so schwer es uns auch gefallen ist, und so hoch der Preis auch war...", sie sah zu Rogue und dann zu Fluttershy. "...vielleicht finden wir ja heraus, dass das es alles wert gewesen ist, ja? Ich meine... das Gute zu finden, in all den Trümmern..." Ihr Blick glitt zu Twilight und sie verstummte.
Einen Moment lang wurde es still zwischen ihnen. Dann sprach die violette Einhornstute. "Wir haben viel hinter uns. Es ist unser Recht uns über unsere Erfolge zu freuen." Während sie das sagte, verließ ihr Blick niemals ihre eigenen Hufe. "Wir haben alles getan, was in unserer Macht stand. Wir haben unsere Pflicht erfüllt. Dem Reich und den Prinzessinnen gegenüber." Ihre Stimme klang ausdruckslos, während sie das sagte. Zu kalt und zu leer. Ihre Freunde sahen sich unsicher gegenseitig an. "Wir haben alles getan, was in unserer Macht stand. Wir können stolz auf uns sein." Keine Nuance drang davon in ihre Rede vor. Es war, als spulte sie einfach einen vorbereiteten Text ab. "Wir können stolz auf uns sein."
Für einen Moment war es, als würde Twilight hier und jetzt in Tränen ausbrechen. Als würde der Damm bersten, der all das zurückhielt, was sie wirklich empfand, als würde der Druck ihrer Emotionen die Mauer aus Schweigen sprengen und hervorlassen, was sie so sorgsam verbarg.
Dann verging der Moment, ohne das etwas geschah. Sie drehte sich einfach um und ging fort, hinaus auf die staubigen Straßen Ponyvilles. Sie brach den Kreis.
Als sie ihr lange genug nachgeblickt hatten, manche voll Verwunderung, andere voll von Mitleid, verabschiedeten sie sich voneinander. Herzlich, aber auch flüchtig, wie Freunde, die für die Nacht voneinander getrennt wurden, nicht mehr.
Pinkie hüpfte fort und Rarity folgte mit ihrer Familie der Hauptstraße in Richtung ihrer Boutique. Rainbow hob ab und versprach Fluttershy sie an ihrer Hütte zu treffen, wo sie noch immer Unterschlupf suchte. Die Apples machten sich langsam auf den Weg, wobei Granny und Apple Bloom die Spitze bildeten. Direkt dahinter kam Big Mac, der sich allerdings sichtlich Zeit ließ. Applejack zögerte am längsten und warf einige unsichere Blicke zwischen Rogue und Fluttershy hin und her, bevor sie sich auch in Bewegung setzte und den beiden etwas Privatssphäre ließ.
Schließlich blieb das junge Rettungspony und der kanariengelbe Pegasus allein auf dem Platz vor dem Bahnhof zurück.
Rogue ertappte sich dabei, wie er verlegen auf seine Hufe starrte, da er nicht wusste, was er sagen sollte. Es war ein dummes Gefühl, gerade weil eigentlich alle Hürden, vor denen er sich fürchtete, schon genommen waren. Es gab keinen Grund mehr sich zu sorgen, das sie ihn zurückweisen würde. Es gab keinen Grund mehr dafür, sich Gedanken darüber zu machen, was sie wirklich für ihn empfand. All das war bereits ausgesprochen, und, noch mehr, durch Taten bewiesen worden. Alles was noch blieb... waren eine millionen Worte, darüber wie, auf welche Art, was, wie genau, wie schnell und jetzt passieren sollte. Zu viele Worte, viel zu viele Worte, um sie auf einmal auszusprechen. Zu viele Worte, um das richtige darin zu finden.
"Uhm, Rogue...?", begann sie leise und er sprang drauf an, wie ein Läufer auf einen Startschuß, erleichtert darüber, das sie einen Anfang gefunden hatte, wo er keinen hatte finden können. "Ja, Fluttershy?"
Sie verstummte augenblicklich, eingeschüchtert von seinem aufgeregten Tonfall. Er sah sie einige Sekunden erwartungsvoll an, bis er bemerkte, das er es ihr damit nicht leichter machte. Statt dessen konzentrierte er sich wieder auf seine Hufe, die fein säuberlich vor ihm im Staub der Straße standen.
"Vielleicht...möchtest du mit mir auf das Lichterfest gehen?" Sie flüsterte die Frage so leise, das er sie trotz gespitzter Ohren nicht richtig verstehen konnte. Er kämpfte einen Moment lang mit sich, einfach ´Ja´ zu sagen und ihr die Peinlichkeit zu ersparen. Aber dann siegte sowohl seine Vernunft, als auch seine Neugier.
"Ich... wohin? Was möchtest du, Fluttershy?", er versuchte seine Stimme so unverfangen klingen zu lassen, wie möglich. Die Portion Hilflosigkeit, die er auch wirklich verspürte half ihm sicherlich dabei.
Die Stute sammelte ihren Mut zusammen. "IchwilldasdumitmiraufdasLichtfestgehst!", stieß sie in einem einzigen Satz hervor, der mehr einer Explosion glich, als einer Frage.
"Ja! Ja!", es war mehr eine unwillkürliche Reaktion, als eine wirkliche Antwort, aber er meinte es dennoch von ganzem Herzen. Egal, was sie von ihm wollte, er würde ihr folgen.
Sein Verstand hatte kein Pläne, aber seine Geist hatte Sehnsucht, schon so lange.
Und sein Herz wusste, was sein Herz wusste.
In ihren Hufen ruhte sein Glück. Ob er wollte oder nicht, ob es gut ausging oder schlecht. Er war ihr ebenso ausgeliefert wie sie ihm. Es gab keine Ausflüchte mehr.
Er fühlte es in seinem Herzen, als sie ihm erleichtert zunickte, so als hätte es einen Zweifel daran gegeben, das er ihr folgen würde, so verrückt das auch war. Vielleicht kam sie sich ebenso dumm dabei vor. Vielleicht wusste sie es genauso gut darin wie er selbst. Aber es gehörte dazu. Es war Teil des Ganzen, des ewigen Tanzes, der so dumm und doch so notwendig war. Der seit Anbeginn der Zeiten zwischen Hengst und Stute getanzt wurde, in tausend und zehntausend verschiedenen Formen. Ein Tanz aus Schatten und Masken. aus Zurückhaltung und Begierde, aus Erwartung und Hoffnung. Ein Tanz, süß und bitter und alles dazwischen. Aufregend, zermürbend, erregend, erschöpfend, aber niemals langweilig. Das war wichtig. Trotz allem, was sie zusammen durchgemacht hatten, trotz aller Vertrautheit, war dies hier, diese Beklommenehit, diese Schüchternheit zwischen ihnen kein Hindernis, sondern eine von vielen Stufen, die sie erklimmen mussten.
Er sah es in ihren Augen. Er sah es in dem atemlosen Auf und Ab ihrer Brust. "Übermorgen Abend.", hauchte sie.
"Ich kann es kaum erwarten.", antwortete er ihr, nicht fähig lauter als sie selbst zu sprechen. Er wusste nicht was das Lichterfest war, aber die Aussicht es mit ihr zu verbringen, klang herrlich.
"Bis..." Er wusste nicht, wie er sich von ihr verabschieden sollte. "Bis..."
Er senkte seinen Kopf und nach einem Augenblick des Zögerns tat sie es ihm nach. Ihre Stirne berührten sich, in einer vertrauten Geste, die unverfangen genug war. So blieben sie, spürten die Nähe des Anderen an sich selbst, ohne sich dessen auszusetzen, was an anderer Stelle so einfach und jetzt so kompliziert erschien. Jetzt, hier, schien es genug, schien es genug zu fühlen, was der andere fühlte, schien es genug zu wissen, was der andere wusste. und so trennten sie sich schließlich.
"Gute Nacht.", sagte Rogue, obwohl es kaum später Nachmuttag war.
"Gute Nacht.", erwiderte Fluttershy, mit einem bittersüßem Ausdruck auf dem Gesicht, der ebenso von Erleichterung, wie auch von Sehnsucht sprach.
Sie trennten sich. Fluttershy nahm den etwas längeren Weg zu ihrer Hütte, während Rogue in Richtung Applejack und der Apple-Familie schritt, die in sittsamen Abstand auf ihn wartete.
Sie begannen den Pfad in Richtung Farm entlang zu schreiten, noch bevor er ganz bei ihnen angekommen war.
Sie alle sagten kein einziges Wort. Aber auch wenn sie ihre Blicke abgewandt hatten, während er sein privates Gespräch mit Fluttershy gehabt hatte, war er sich dennoch der teils amüsierten, teils zufriedenen Blicke bewusst, die sie ihm zuwarfen. Er konnte fast in seinem Geist hören was sie dachten: Wie sie sich darüber freuten, das sie beide zueinander gefunden hatten. Wie sie sich zunickten, wie züchtig und konform ihre Verabschiedung abgelaufen war. Wie vernünftig und... langweilig.
Ja, langweilig. Vernünftig. Wie sehr sie beide darauf achteten, den anderen nicht zu verschrecken. Zu überraschen. Wie sehr sie darauf achteten, was von ihnen erwartet wurde, oder der andere von ihnen erwarten sollte. Wie vorsichtig sie waren. Als wäre das zwischen ihnen ein rohes Ei... eine einzigartig Mohnblüte, die bei der geringsten Berührung zerfallen würde. Etwas... zu Vergängliches, Flüchtiges.
Nein.
Nein, nicht das.
Rogue sah über seine Schulter zurück, während die Familie den Kreis um ihn schloss.
Fluttershy hatte angehalten, an der Ecke des Hauses, die sie letztlich seines Blickes entziehen würde.
Granny ging ihnen voran und erzählte von dem Kuchen, der sie erwarten würde, wenn sie zu Abend aßen. Apple Bloom tollte auf dem Grün neben dem Weg entlang, während Big Mac mit zufriedenen, aber ansonsten ausdruckslosem Gesicht neben ihnen trottete. AJ war die einzige, die ihn aus den Augenwinkeln betrachtete.
Nein, es waren nicht die Apples. Es war nicht Granny, die zu lange gelebt hatte, als sich wegen den Versuchungen des Fleisches irgendwelchen Flausen hinzugeben. Es war nicht Big Mac, der zu gut gebaut und zu praktisch veranlagt war, als das er sich deswegen noch ins Boxhorn jagen ließ. Und es war nicht Apple Bloom, die zu jung war, um überhaupt etwas davon zu verstehen. Es konnte auch nicht AJ sein, von der er wusste, das sie sich nicht so sehen wollten und durften. Das hatten sie zwischen sich klar gemacht, oder?
Es war nur in seinem Kopf.
Es war nur in ihrer beider Köpfe.
Der Verstand hat Pläne, aber der Geist hat Sehnsucht.
Und sein Herz wusste, was seine Herz wusste.
Er murmelte eine Entschuldigung und warf sich herum. Sein Hinterlauf protestierte lautstark und sandte einen kurzen, aber sengenden Speer der Pein durch sein Fleisch. Die Apples blieben stehen und blickten ihm nach.
Es kam ihm so vor, als würde er die Entfernung zu ihr in nur einem Herzschlag überwinden. Plötzlich war er da, war er bei ihr, stand er vor ihr und holte nach, was er von Anfang an hätte tun sollen.
Er drückte seine Lippen auf die ihren, achtete nicht darauf, wie sie aus Reflex zurückzuckte, wie sie sich zuerst versteifte und dann dahinschmolz, während er sie in festem Griff auffing. Wie sie zuerst zögerte und dann erwiderte, was er ihr gab, mehr und mehr, bis es keine Grenze zwischen ihnen mehr zu geben schien. Er hatte sie unter ihren Flügel gefasste, hielt sie aufrecht, während sie sich in seinen Griff hineinfallen ließ und ihrerseits seinen Kopf mit beiden Hufen festhielt, unwillig ihn loszulassen, jetzt, da sie ihn eingefangen hatte.
Als sie sich trennten, nach einer Ewigkeit, unwillig und voll unerfüllter Begierde in ihrer beider Herzen, blickten sie sich noch einmal tief in die Augen, die sich so sehr glichen.
"Gute Nacht.", flüsterte Rogue noch einmal seiner Liebsten zu, aber diesmal ging sein Atem so wild und verheißungsvoll, das sein vorheriger Gruß sich wie ein beiläufiger Hufdruck ausnahm.
"G...Gute Nacht, Rogue." Ihre Stimme war das Geflüster tausend unausgesprochener Versprechen, vager Hoffnungen und unerfüllter Sehnsüchte.
Er verließ den Kreis ihrer berauschenden Wärme, ihres Geruchs nach sauberen Streus und Erdbeeren. Er ließ seinen Vorderlauf den ihren entlang gleiten, in dem Versuch sie so lange zu spüren wie er konnte. Einen Moment verharrten ihre Hufspitzen anneinander, dann war auch dieser Augenblick Vergangenheit. Sie gingen ihrer Wege, aber nicht ohne sich immer wieder umzudrehen und einander nachzublicken, bis die Häuser ihnen den Blick verwehrten.
Als Rogue sich schließlich endgültig umwandte waren Granny Smith, Big Mac und Apple Bloom schon ein ganzes Stück des Weges weiter gegangen, freilich ohne ihn vollständig zurück zu lassen. Sie schlenderten zusammen den Kiespfad entlang und schwatzten laut und ausgelassen, während sie ihm Gelegenheit ließen zu erledigen, was er zu erledigen hatte und dann aufzuschließen.
Applejack hingegen wartete am Rande des Weges, unbewegt und mit undeutbarer Miene. Als er auf den Pfad zurückstolperte, noch immer trunken von dem letzten Kuss, nickte sie ihm nur zu und bugsierte ihn sanft in die richtige Richtung.
Rogue war zu glücklich, um es zu bemerken, aber nachdem er in der Farm von Sweet Apple Acres ins Bett des schon fast vertrauten Gästebettes sank und einschlief, sobald sein Kopf die Kissen berührte, dauerte es noch lange, bis die smaragdgrünen Augen aufhörten, ihn zu betrachten.
Der Verstand hat Pläne, aber der Geist hat Sehnsucht.
Und das Herz weiß, was das Herz weiß.
