Brian schaffte es nicht sein Grinsen zu unterdrücken, als er in Callens silbernen Aston Martin stieg. So ein Baby hatte er selbst noch nie gefahren. Sein alter Freund hatte ihm immer davon vorgeschwärmt, doch Brians Herz schlug eindeutig für die Tuners. Trotzdem war es ein Wahnsinnsgefühl, diese Maschine auf Trab zu bringen. Er fuhr auf den San Diego Freeway, beschleunigte und zog an den anderen Autos vorbei. Die Tachonadel kletterte auf 130.
„Du weißt, dass Hetty uns zu der Verkehrserziehung schickt, weil wir zu schnell fahren?", fragte Callen amüsiert.
„Du fährst zu schnell", Brian sah grinsend zu ihm, „ich lass mich nicht erwischen."
„Weißt du etwa, wo jede Verkehrskamera in L.A. ist?"
„Vielleicht gibt es eine App dafür", sagte Brian, „wie ich vorhin sagte: die Racer-Szene ist vernetzt."
Callen lachte. Sie schwiegen eine Weile. Es war Callen, der die Stille brach: „Was ich dich schon vorhin fragen wollte: Hast du dir schon überlegt, wo du übernachten willst?"
„Ich suche mir ein Motel, sobald der Tag vorbei ist. Ich muss eh bald zum FLETC-Training, also wollte ich mir erst eine Wohnung suchen, nachdem ich zurück bin."
„Das ist eine lange Zeit. Ich habe total vergessen, dass man dieses Training absolvieren muss. Ich brauchte es damals nicht zu machen, weil ich direkt von der CIA kam."
Überrascht starrte Brian Callen an: „Also bis du ein James Bond? Nur ohne Anzug."
„Ich war ein James Bond."
„Und hast das Auto behalten."
„Und ich hab das Auto behalten."
Brian grinste, dann lenkte er das Gespräch zurück zum ursprünglichen Thema: „Ms Lange meinte, dass ich mein Training vielleicht auch überspringen kann. Glaubst du, sie schafft das?"
„Hetty kriegt immer, was sie will. Das wirst du noch merken. Ich bin felsenfest der Überzeugung, dass sie ein kleiner Dämon ist."
„Das glaub ich dir auf's Wort."
„Also unabhängig davon, ob du zum Training musst oder nicht. Wenn du willst, kannst du auch bei mir pennen."
Vor Schreck riss Brian das Steuer ein wenig zur Seite. Er lenkte schnell gegen, aber Callen schrie auf, klammerte sich an seinem Sitz fest und sah mit geweiteten Augen zu Brian: „Du kannst eiskalt unter ein Truck durchfahren und über eine Brücke springen, aber bei einer einfachen Frage reagierst du so?"
„'tschuldige, Mann! Ich hab damit nicht gerechnet."
Brian atmete tief durch und sein Herzschlag normalisierte sich allmählich wieder. Wie sollte er denn ahnen, dass Callen einen solchen Vorschlag machte? Der Mann war doch kein Gedankenleser? Brian errötete bei dieser unsinnigen Idee.
„Wie kommst du eigentlich darauf zu fragen? Ich meine-"
„Ich hab doch in Miami auch bei dir gepennt. Für mich ist das kein Problem."
„Ja, aber da musstest du doch bei mir wohnen. Ich will nicht, dass du denkst, du musst dich mir gegenüber verpflichtet fühlen, nur weil wir miteinander geschlafen haben."
Brian blinkte, bremste ab, schaltete runter, bog ab, beschleunigte und schaltete wieder hoch. Seine Hand blieb auf dem Schaltknüppel liegen. Warme Finger legten sich über seine. Brians Herz schlug bis zum Hals. Er schluckte und sah zu Callen.
„Ich biete es dir nicht an, weil ich mich verpflichtet fühle, sondern weil ich es schön fände, wenn du bei mir übernachtest. Wenn dir das mit der Beziehung zu schnell geht, dann sag es. Wir müssen nicht das Bett teilen. Ich habe auch eine Couch."
Brian lachte auf und sah Callen in die Augen: „Du glaubst, es geht mir zu schnell? Glaub mir: ich hatte bisher nur eine Beziehung und im Vergleich zu der ist das hier direkt langsam. Außerdem", er sah wieder auf die Straße, „dachte ich, du wärst nicht der Typ Mann, der alles auf die übliche Weise tut."
„Nun dann, ist es doch schön, dass wir uns einigen können."
Brian bog in die letzte Straße ab und fuhr bis zum Gebäude der Fahrschule. Er schaltete den Motor aus, schnallte sich ab, blieb jedoch sitzen. Callen hatte schon die Tür geöffnet, aber als er bemerkte, dass Brian nicht ausstieg, schlug er sie wieder zu: „Was ist los?"
Brian biss sich auf die Unterlippe: „Was wird denn deine Chefin sagen, wenn sie von der Beziehung erfährt?"
„Hetty? Ich glaube, nichts weiter. Beim NCIS ist Fraternisieren nicht verboten, weißt du."
„Na ja", Brian fuhr sich durch die Haare. In seiner Erinnerung waren die Kommentare seiner Polizeikameraden noch immer präsent. Die halben Prügeleien in der Umkleidekabine und seine überhörten Bitten für Unterstützung im Einsatz ebenso.
Er schaffte es nur in Callens Richtung zu sehen, nicht in seine Augen. Brian war so voller Zweifel. Er wusste nur, dass er die Ausgrenzung durch Kollegen nicht noch einmal erleben wollte. So etwas wollte er Callen auf jeden Fall ersparen. Auch wenn das Team bisher doch einen sehr respektablen Eindruck gemacht hatte; alles änderte sich, sobald es ins Licht gezerrt wurde.
„Denkst du nicht, die sehen das ein wenig anders, wenn es um zwei Männer geht?"
„Hetty weiß von unserer Beziehung. Sie wird die Lunte gerochen haben, sobald sie auf der Abrechnung gesehen hat, dass ich nicht mit Sam und Kensi nach Verones Festnahme in ein Hotel gezogen bin. Und hätte sie etwas dagegen, hätte sie es schon längst gesagt. Sie wird uns unterstützen, sollten wir Probleme kriegen."
„Woher weißt du das?"
„Ich vertraue Hetty."
Brian starrte blicklos auf das Lenkrad: „Je mehr ich über sie höre und sie erlebe, desto mehr wird mir bewusst, dass sie eine echt klasse Chefin sein muss."
Plötzlich spürte Brian Callens Hand in seinem Nacken. Er sah den Mann an. Callen beugte sich vor und sie küssten sich.
„Lass uns gehen", wisperte Callen, „sonst kommen wir wirklich noch zu spät. Wir können auch später darüber reden."
Brians Muskeln entspannten sich. Er fühlte sich jetzt viel leichter: „Das brauchen wir nicht."
Hetty betrat die Operationszentrale: „Wo stehen wir?"
Sam berichtete: „Eric lässt den Namen der angeblichen Versicherungsangestellten durch alle Datenbanken laufen. Auf jeden Fall hat uns Raydex schon mitgeteilt, dass dort keine Allison Pritchett arbeitet. Und sie haben Brians Aussagen zu den Straßenrennen bestätigt. Getunte Autos können nicht versichert werden. Wir haben auch rausgefunden, dass jemand Yeoman Rushs Wagen manipuliert hat. Nach Tokkan wird auch noch gesucht. Kensi und ich wollten jetzt zu Keith und Angela fahren, um sie zu befragen."
Hetty nickte zufrieden: „Sehr gut. Vergessen Sie nicht, Callen und Mr. O'Conner auf dem Laufenden zu halten. Sie werden wieder zu uns stoßen, sobald die heutigen acht Stunden Unterricht vorbei sind."
Ein breites Grinsen schlich auf die Gesichter aller Anwesenden. In einem teuflischen Moment spielte Hetty mit dem Gedanken, sie alle noch einmal in die Fahrschule zu schicken. Nur um deren entsetzte Gesichter genießen zu können. Wie sie ihre Macht liebte!
„Agent Hanna, bevor Sie sich mit Kensi auf den Weg machen, hätte ich Sie gern kurz gesprochen."
Sam nickte Kensi zu und folgte Hetty hinaus. Sie führte ihn ihr Büro, wo sie ihm eine schon vorbereitete Tasse Bachblütentee zuschob. Sam setzte sich auf ihr Zeichen und sah sie erwartungsvoll an.
„Wie geht es Ihnen, Sam?"
„Ganz gut, danke. Warum fragen Sie?"
„Ich würde gern wissen, wie Sie mit Mr. O'Conners Anwesenheit hier zurechtkommen."
Sam runzelte die Stirn: „Ich fürchte, ich verstehe nicht ganz."
„Nun, ich kann verstehen, dass sein Hintergrund Sie vielleicht beunruhigt und Ihnen noch das Vertrauen in ihm fehlt."
„Soweit ich verstanden habe, soll er doch Dom ersetzen oder?", fragte Sam bitter und äußerst aggressiv, „Aber sobald Dom wieder bei uns ist, verschwindet O'Conner doch."
Hetty hob die Tasse und sah Sam über deren Rand hinweg an: „Ihnen muss doch klar sein, dass Agent Vailes Überlebenschancen nach so langer Zeit stark gesunken sind."
„Wollen Sie ihn etwa aufgeben?", Sam krallte seine Finger in die Stuhllehnen.
„Agent Hanna! Ich verstehe Ihre Hoffnung. Auch ich möchte Dom wieder in unserer Mitte wissen. Aber das harte Los eines Vorgesetzten ist es, realistisch zu bleiben. Und das werden Sie auch als SEAL gelernt haben."
„SEALs lassen keinen Mann zurück", knurrte Sam.
„Sei es drum", sagte Hetty. Es störte sie, dass sie zu ihrem Agenten so hart sein musste, doch Sam ließ ihr keine Wahl. Wenn er die Augen noch ein wenig verschlossen halten wollte, war das kein Problem, solange seine Arbeit nicht darunter litt. Und das Teamwork.
Hetty waren die kühlen Blicke zwischen Sam und Brian aufgefallen. Da ihr ein umfangreicher Erfahrungsschatz zu Verfügung stand, wusste sie, dass sie solche Konflikte am besten schon im Keim erstickte.
„In der Zwischenzeit wird Mr. O'Conner im Team mitarbeiten. Er wird solange Kensis Partner sein."
„Also wird O'Conner wieder gehen, wenn Dom zurückkehrt?"
„Nein, Sam. Brian wird bleiben, auch wenn Dom zurückkehrt. Er ist nicht einfach nur ein Ersatz. Erst quasi eine Ergänzung zum Team."
Sams Missmut war deutlich an seinen hängenden Schultern und seinem verkniffenen Mund zu erkennen. Er ließ sich ihre Aussage durch den Kopf gehen, bis fast ein wenig hoffnungsvoll fragte: „Das heißt, Sie schicken Dom nicht weg, wenn er gefunden wird? Sie schieben ihn nicht in eine andere Abteilung ab?"
„Wir werden darüber reden, wenn es soweit ist."
„Das war kein ja", murrte Sam, „ich habe das Gefühl, Sie glauben überhaupt nicht mehr an Doms Rückkehr. Und Sie haben schon vorsorglich nach einem Ersatz Ausschau gehalten!"
„Agent Hanna, jeder NCIS-Agent ist sich der Gefahr bewusst, während seines Dienstes verletzt zu werden oder zu sterben. Und in solchen Fällen ist es durchaus üblich, dass jemand anderer dessen Posten übernimmt."
„Also wollen Sie O'Conner wirklich behalten? Obwohl er dafür mehr als ungeeignet ist?"
„Ich habe Ihren Bericht aus Miami gelesen. So schlecht kam Mr. O'Conner dabei nicht weg. Persönlich habe ich nur einen guten Eindruck von ihm gewonnen."
„Er war gut, weil er Autos gefahren ist. Es war seine Szene. Das sagt nichts darüber aus, wie er in einem normalen Fall reagiert."
„Bisher macht sich Mr. O'Conner doch ganz gut. Er hat Sie auf die falsche Versicherungsagentin hingewiesen. Wer weiß, wann wir darauf gekommen wären."
„Aber nur, weil es wieder seinem kriminellen Hintergrund entspricht. Er wusste es nicht dank seiner Polizeiausbildung."
„Agent Hanna!", gewaltsam stellte Hetty die Tasse auf den Tisch ab. Das Geschirr klirrte und Tee schwappte über, „Sollte es Ihnen entfallen sein: Dieses Team führe immer noch ich! Es hätte genauso gut sein können, dass Agent Vaile zu einer anderen Dienststelle versetzt worden wäre. Sie mögen keine Veränderungen, aber wir alle müssen uns darauf einstellen. Und Mr. O'Conner ist eine dieser Veränderungen."
Sam schwieg. Er starrte Hetty lange an, dann stemmte er seine Hände auf die Stuhllehnen: „Wenn das alles war-"
„Einen Augenblick noch."
Mit einem tiefen Seufzen ließ sich Sam wieder in den Stuhl fallen.
War sie hier im Kindergarten oder wie? Genau deswegen hatte sie sich damals gegen mehr Kinder entschieden.
„Ich wollte Sie noch fragen, wie es Ihnen denn bei dem Gedanken geht, dass Callen und O'Conner eine Beziehung haben. Allerdings kann ich an Ihrer vorherigen Reaktion schon ablesen, dass Sie nicht allzu begeistert sind."
„Ich habe kein Problem damit, dass die beiden Männer sind. Ich weiß: don't ask, don't tell. Ich glaube nur nicht, dass Brian O'Conner der richtige Mann für Callen ist."
Hetty nickte langsam: „Ich verstehe. Ich hoffe nur, dass Sie das nicht als Anlass nehmen, Callens Glück zu zerstören."
„Ich werde Callen immer unterstützen", Sam stand auf. Bevor er ging, grinste er Hetty an: „Das bedeutet natürlich nicht, dass ich O'Conner nicht alle Knochen breche, sollte er Callen wehtun."
Und mit diesen Worten ging Sam. Hetty lächelte zufrieden und nahm einen Schluck. Sie hatte so etwas in der Art schon von Sam erwartet. Sie fragte sich nur, wer Callen die Knochen brach, sollte er Brian verletzen.
Brian hatte schon früh in seiner Kindheit festgestellt, dass er von Mode so gut wie gar nichts verstand. Er wusste was Unterwäsche, Hosen, Shirts, Hemden und dergleichen waren, aber er kannte kaum Modemarken. Und er sah auch keinen Unterschied zwischen ecru und natur. Dahingegen würde er niemals Arktissilber von Nissan für Altamirasilber von Mitsubishi halten. Da war er eigen.
Doch das alles bei Seite, wusste selbst Brian, dass der Fahrlehrer schlecht gekleidet war. Er jedenfalls würde sich lieber erschießen, als eine rotzgelbe Strickjacke zu tragen. Der Mann wankte mit einem riesigen Koffer und einer Thermoskanne nach vorn zum Tisch und begrüßte sie: „Guten Tag, ich bin Mr. Loobertz. Willkommen bei der Spaß-für-alle-Verkehrserziehung."
Der Mann hievte den Koffer auf den Tisch und Brian wollte seinen Kopf gegen eine Wand schlagen. Er fing Callens fassungslosen Blick auf und zuckte mit den Schultern.
Sie beide hatten sicherheitshalber Plätze in der letzten Reihe gesucht. Weit außerhalb des Dunstkreises dieser… Person.
Das einzige vielversprechende in diesem Raum war der Verkehrsteppich hinter ihm an einer Tafel. So einen hatte er als Kind schon immer haben wollen. Da er ihn nie zu Weihnachten oder zum Geburtstag bekommen hatte, hatte er immer mit Romes gespielt. Doch Brian befürchtete schon, dass diese Veranstaltung nicht einen Funken Spaß beinhaltete.
„Also ich weiß, dass einige sich vermutlich gar nicht freuen, hier sein zu müssen. Aber ich garantiere Ihnen…"
Ab diesem Punkt blendete Brian die Stimme des Fahrlehrers aus.
Eine Bewegung aus dem Augenwinkel lenkte ihn ab. Callen meldete sich gerade: „Müsste das dann nicht schul heißen?"
Mr. Loobertz antwortete: „Das H ist ein stummer Konsonant."
Callen sah mit einem resignierten Gesichtsausdruck zu Brian: „Wir sind in der Ölle."
Brian lächelte zurück. In diesem Moment betrat eine vollbusige Blondine in einem Minikleid den Raum. Sie setzte sich an den Tisch neben Callen. Sofort hellte sich Callens Gesicht auf und Brian fühlte seine Mundwinkel sinken.
Er starrte auf den Tisch und zwang sich nicht in Callens Richtung zu sehen.
Er sollte sich keine Gedanken machen. Und er sollte sich sein Unwohlsein nicht anmerken lassen. Callen musste seine Unsicherheit nicht unbedingt sehen.
Mr. Loobertz ging durch die Reihen und verteilte Bögen. Lustlos blätterte Brian durch die Seiten. Sie enthielt nichts, was er nicht wusste.
„Wie Sie sehen ist die kalifornische Straßenverkehrsordnung weit über 90 Seiten lang. Das sind viele Informationen, die sich jeder merken muss. Wissen Sie, was total cool ist, um es sich zu merken? Weiß es jemand? Irgendjemand? Das ist eine Frage. Soll ich einen Tipp geben?"
Mr. Loobertz hob einen riesigen Ghettoblaster auf den Tisch.
„Ja, genau. Ja, genau!", er schaltete die Musik ein, „Spaß-für-alle hat jeden Abschnitt in einen Song umgesetzt. Angefangen bei rockigen Zulassungs-Riffs bis hin zu Versicherungserfordernis-Raps. Also ist für jeden etwas dabei."
Callen rieb sich über das Gesicht und Brian hörte, wie er murmelte: „Könnte mich bitte jemand erschießen?"
Brian grinste in sich hinein.
„Also, fangen wir an mit den Vorfahrtsregeln. Ich- Ja, bitte? Sie haben eine Frage?"
Wie ein Mann drehten sich alle um und sahen Brian an, der seine Hand wieder senkte: „Ja, ich wollte wissen, ob es auch möglich wäre, den Test jetzt zu machen und dann zu gehen."
Verblüfftes Schweigen.
„Sie- Sie wollen den Test jetzt machen? Aber Sie können doch noch nicht alles wissen. Deswegen sind Sie doch hier."
Brian hob eine Braue. Der arme Mann wirkte so verzweifelt als würde er gleich zusammenbrechen, weil jemand es wagte, an seinem Stundenplan etwas ändern zu wollen.
„Ich bin hier", meinte Brian, „weil meine Chefin mich geschickt hat. Und da ich mit meiner Zeit besseres anfangen kann-"
Jetzt wurde der Mann rot im Gesicht. Wie putzig. Eifrig kramte Mr. Loobertz in seinen Unterlagen: „Sie glauben also, dass Sie schon alles wissen?", triumphierend holte er ein Blatt hervor und las ab, „Dann berechnen Sie doch einfach den Anhalteweg bei einer Geschwindigkeit von 87 km/h. Brauchen Sie einen Taschen-"H
„101,79 Meter", antwortete Brian. Brav, mit gefalteten Händen und einem strahlenden Lächeln, sah er den Mann an.
Mr. Loobertz runzelte die Stirn und sah sicherheitshalber noch einmal auf sein Papier: „Das ist richtig, Mr. O'Conner. Aber mit einem Taschenrechner kann das jeder."
„Tja, und ich hab's im Kopf gerechnet."
„Dann können Sie mir das auch von 63 km/h sagen."
Brian starrte ihm geradewegs in die Augen und sagte: „58,59 Meter."
Mr. Loobertz knurrte und fragte: „Und der Anhalteweg bei einer Gefahrenweg?"
„19,85 Meter."
Mr. Loobertz schwieg. Einige der Anwesenden flüsterten leise miteinander. Brian sah triumphierend zu Callen. Dieser grinste zurück und hob einen Daumen.
„Sehr gut, Mr. O'Conner. Sie haben bewiesen, dass Sie rechnen können", versuchte Mr. Loobertz die Kontrolle zurückzugewinnen. Er sah überhaupt nicht amüsiert aus, „Aber Sie dürfen den Test trotzdem erst morgen, nach der Praxisübung, schreiben. Und ich freue mich, dass Sie am Verkehr genauso viel Spaß haben wie ich."
Brian hob eine Braue. Callen verschluckte sich vor unterdrücktem Lachen und hustete. Mr. Loobertz sah ihn besorgt an: „Ist alles in Ordnung, Mr. Wolinski?"
Callen winkte ab: „Alles okay. Machen Sie weiter."
Mr. Loobertz drehte sich um und begann über die Verkehrsregeln zu referieren. Brian sank tief in seinen Stuhl und starrte an die Decke. Dann sah er auf die Uhr an der Wand. Die Stunde dauerte schon drei Tage, dabei war es erst 10 Uhr. Wie konnte die Stunde da schon drei Tage dauern?
