„Dad!" rief Emmet.
Wir drehten uns alle zu ihm um.
„Und? Konntest du etwas herausfinden? Geht es ihr gut? Geht es dem Baby gut?" rief ich verzweifelt.
Traurig blickte er mir in die Augen.
„Es tut mir Leid. Ich habe keine guten Neuigkeiten."
Mein Hände legten sich verzweifelt auf mein Gesicht und ich rutschte an der Wand hinunter.
Alice kniete vor mir nieder und umarmte mich, bevor sie zu Carlisle sprach.
„Carlisle, was hat sie?"
Ich lugte zwischen meinen Fingern hervor und sah hinauf zu ihm.
Traurig blickte er mich an.
„Bei ihr handelt es sich um Placenta praevia Edward."
Meine Augen weiteten sich leicht.
„Was ist das?" Alice und der Rest schaute zwischen uns her und wartete auf eine Antwort.
„Ihr Mutterkuchen, auch Plazenta genannt, befindet sich in einer Fehllage Alice. Sie überdeckt den Geburtskanal. Bei Bella ist das sehr außergewöhnlich, da es normalerweise bei schnell aufeinanderfolgenden Schwangerschaften dazu kommt."
„Was bedeutet das für sie und das Baby?"
„Wenn Bella das Baby behalten will, dann wird sterben." flüsterte ich.
Meine Mutter und meine Geschwister zogen erschrocken die Luft ein.
„Aber ist es denn nicht für eine Abtreibung zu spät?" fragte Rosalie.
„Doch normalerweise schon, aber falls es für die Mutter gesundheitsschädigende Auswirkungen gibt, ist es erlaubt."
„Und sie wird es nicht überleben?"
„So wie es aussieht nicht...sie hat leider nur geringe Chancen."
Schweigen bildete sich und mein Groll über das Baby stieg allmählich.
Ich konnte und wollte sie nicht verlieren.
„Und dir geht es wirklich gut?" murmelte ich.
„Ja Edward!" schnaubte Bella.
Ich streichelte über ihre Haare und küsste sie auf ihre Stirn.
Bella wurde nach einem Tag schon wieder entlassen und lag nun bei uns im Bett. Sie hatte strengste Bettruhe verordnet bekommen, um den kritischen Zustand nicht noch zu verschlechtern.
Ich setzte mich neben sie an die Kante des Bettes.
„Du hast mir einen ganz schönen Schrecken eingejagt."
Besorgt blickte sie mich an und nahm meine Hand.
„Ich liebe dich." flüsterte sie zärtlich.
Meine Augen leuchteten und ein Lächeln entstand.
„Was?"
„Du hast schon richtig gehört."
Mit diesen Worten legte sie eine Hand in meinen Nacken und zog mich zu sich hinunter.
Unsere Lippen berührten sich nur leicht und schon spürte ich, wie sie mich noch enger an sich drückte und mit ihrer Zunge um Einlass bat.
Ein Stöhnen entwich mir und spürte ein kleines Lächeln auf ihren Lippen.
Unsere Zungen lieferten sich einen kleinen Kampf, doch ich brach das Ganze ab.
„Ich liebe dich auch Bella." flüsterte ich und sah sie lächelnd an.
„Aber dennoch, der Arzt hat gesagt du darfst dich nicht zu sehr überanstrengen oder dich aufregen!"
Und schon verdrehte sie ihre Augen.
Ich kam gerade ins Wohnzimmer und sah wie Bella vom Sofa aus aus dem Fenster schaute.
„Ich hatte noch nichteinmal einen Namen für das Baby."
„Bella." unterbrach ich sie doch sie ignorierte den Einwand.
„Ich dachte an Aria. Falls es ein Mädchen wird, soll es Aria heißen."
„Komm schon. Lass das. Lass das!" Ich hob beschwichtigend meine Arme.
„Und falls es doch ein Junge wird Zac. Zac Cullen."
Sie drehte sich zu mir um und lächelte mich leicht an.
Ihre Hand fuhr durch ihre Haare und stütze sich am Nacken.
Ich schloss meine Augen und mein Herz zog sich schmerzhaft zusammen.
„Wir sollten die Namen ersteinmal um ein paar Tage verschieben."
Ich setzte mich auf den Sessel und stützte meine Ellenbogen an den Knien ab.
Mein Gesicht vergrub ich in meinen Händen.
„Oh Gott." murmelte sie erschöpft.
„Wenn ich mir vorstelle, dass ich mir manchmal gar nicht sicher war, ob ich das Baby überhaupt kriegen will. Ich hatte Angst, dass ich das Ganze nicht schaffe und der Mutterrolle nicht gerecht werde." Sie schluchzte leise.
„Bella, das hat doch damit nichts zu tun! Du wirst nicht dafür bestraft weil du Angst hattest."
„Ich weiß, ich weiß" Sie schaute wieder zu mir.
„Aber ich werde das nicht zulassen!" sagte sie nun entschlossen und stand auf,
Ich blickte zu ihr und schaute sie verwirrt an.
Innerhalb einer Sekunde war ich aufgestanden und packte sie leicht am Arm.
„Bella, der Arzt hat gesagt-"
„Ich weiß, was der Arzt gesagt hat!"
„Dein Leben steht auf dem Spiel! Das Risiko ist zu groß."
Sie schüttelte leicht den Kopf.
„Das ist mir egal! Ich werde dieses Baby bekommen."
Sie legte ihre Hände auf meine Wangen und streichelte sachte darüber.
Lächelnd sah sie mich an, doch ich konnte es nicht erwidern. Zu groß war der Schmerz darüber nachzudenken, dass sie sterben könnte.
„Der Arzt hat nicht gesagt, dass es wahrscheinlich ist, sondern, dass die Chance hoch ist, dass dir etwas zustößt. Und die Gefahr, dass wir das Baby verlieren ist extrem hoch."
Sie seufzte und spülte weiter das Geschirr ab.
Ich lief zu ihr hin, stellte mich hinter sie und umarmte sie. Ich küsste sie lange auf ihren Haaransatz.
Leise konnte man sie schluchzen hören und ich bekam deutlich mit, wie sie mit den Tränen kämpfte.
„Wir müssen uns ja nicht sofort entscheiden Bella. Wir können ruhig ein paar Tage warten, damit du dich erholen kannst. Und wenn du bereit bist gehen wir wieder dorthin." flüsterte ich ihr zu.
„Um es abtreiben zu lassen." zischte sie verächtlich.
Ich zog scharf meine Luft ein, drehte mich um und entfernte mich von ihr.
„So hat der Arzt das nicht gesagt!" Meine Stimme wurde laute.
„Darauf läuft es aber hinaus Edward!"
„Bella-"
„Nein Edward! Wenn du schon mit dem Thema anfängst, dann red auch nicht so dumm herum. Pack es beim Schopf! Du willst, dass ich abtreibe."
„Wie konnte das innerhalb einer Woche passieren?"
Ich sah sie verzweifelt an.
„Ich ..." , begann sie zögerlich und fuhr langsam fort, „ hatte diese Schmerzen schon von Anfang an in der Schwangerschaft." Sie blickte zwischen mit und dem Boden her.
Ich lief bedrohlich auf sie zu und mein Mund verzog sich zu einer Maske.
„Wieso hast du mir das nicht erzählt?" zischte ich.
„Weil ich dich nicht beunruhigen wollte, und der Arzt gesagt hat da ist nichts. Ich dachte es wäre vielleicht von dem Sportunfall den ich damals hatte." Sie redete so schnell, dass ich darauf aufpassen musste, alles zu verstehen.
„Das sehe ich anders!" Ich stand keine 20cm von ihr entfernt und abermals wurde meine Stimme lauter.
„Warten wir´s ab, würd ich sagen." Ihre Stimme war mehr fragend und leichtsinnig, als sei das ganze ein Spiel.
„Wie meinst du das?" Ich betonte jedes Wort einzeln.
„Ich würde sagen, wir lassen es darauf ankommen."
„Das ist-" schrie ich, „verdammt. Egoistisch!" Ich zeigte mit dem Finger auf sie und entfernte mich wieder ein bisschen von ihr.
„Entschuldige bitte?!" meinte sie empört.
„Oh! HEY ! ICH bin hier auf einmal der Böse, ja? Na schön, wenn du es so willst, gern! Okay, aber wenn ich dich," ich zeigte zur Verdeutlichung nocheinmal auf sie, „ dadurch verliere könnte, dann will ich das nicht!"
„Edward."
Sie lief auf mich zu, versuchte wieder ein Lächeln hervor zu bringen.
„Es geht um unser Baby, hörst du? UNSER Baby! Du hast sein Herzschlag gehört, du hast die kleinen Finger gesehen und die kleinen-"
„HÖR AUF DAMIT" schrie ich sie an und schlug ihre Hände weg.
„Nein, ich will nicht-"
„Hör auf damit Bella! Hör auf!"
„damit aufhören! ICH WILL DASS DU DARÜBER NACHDENKST!" schrie sie unter Tränen zurück.
„Wir werden schon einen Weg finden..."
Ich nahm ihr Gesicht in die Hände.
„Wir könnten adoptieren."
„Ja ich weiß, ich weiß! Aber dieses kleine Leben, dass ich in mir trage, das ist ein Teil von mir und von dir! Ich will, dass er deine grünen Augen bekommt und meine dünnen Beine, verstehst du?" ihre Stimme wurde immer euphorischer, während ich meinen Kopf abwandte und ihn fassungslos schüttelte.
„Ob ein Kind mir ähnlich sieht, ist doch vollkommen egal! Denn was bringt mir das, wenn das Kind ohne seine Mutter aufwächst? Das kannst du doch einem Kind nicht antun!"
„Versuchst du mir gerade Schuldgefühle einzureden?!"
„Ja , denn dazu gehört auch das! Denn wenn es darum geht, dass du am Leben bleibst, ist mir jedes Mittel recht!"
Erschüttert starrte sie mich an.
„Du bist so ein Arschloch." meinte sie abschätzend.
„Dann bin ich eben ein Arschloch." flüsterte ich und ging aus dem Zimmer.
„Was tust du da?"
Ich drehte mich erschrocken um und sah wie Bella mich mit geweiteten Augen anschaute.
„Was soll ich schon machen? Ich baue das Ganze hier wieder ab."
Ich wendete mich wieder der Kommode des Kinderzimmers zu und holte einen Strampler nach dem anderen heraus.
„Nein! Hör auf damit! Edward Anthony Cullen! Entweder du hörst damit auf oder ich versohl dir deinen Hintern." kreischte sie und schlug mir meine Hand weg.
„Du klingst wie meine Mutter." zischte ich.
„Ich werde auch bald eine Mutter!" Tränen kullerten an ihrer Wange hinunter.
Und auch bei mir kamen sie hoch.
„Es ist schon ein bisschen her, da habe ich geträumt, dass dir etwas schlimmes zu stößt. Und dann fing ich darüber nachzudenken, was mein Leben ohne dich wert wäre. Dieses Leben, Bella, es wäre ohne dich nicht mehr lebenswert. Ich könnte es nicht."
„Edward, Schatz. Selbst wenn ich es nicht schaffen sollte, du lebst! Du schaffst das, das weiß ich."
„Wie könnte ich ein Kind lieben, dass für deinen Tod verantwortlich ist?"
„Gott, dafür bist du gar nicht der Typ, ich weiß dass du dieses Kind lieben würdest. Und du würdest nie mit dem Kind alleine dastehen! Was ist mit Alice, Emmet, Jasper , Rosalie und deinen Eltern? Und vielleicht komme ich als Geist wieder, und sorge dafür, dass du keinen Sex mehr hast." Sie kicherte leise.
„Wie kannst du darüber nur Scherze machen?"
Ihr Lächeln schwand.
„Weil ich verdammt große Angst habe, aber man soll sein Schicksal annehmen Edward."
„Das kann nicht unser Schicksal sein."
„Edward, wir sind füreinander da, vielleicht meint das Schicksal, dass wir jede Minute miteinander noch genießen sollten."
Ich nahm sie in den Arm und wir versuchten uns gegenseitig zu beruhigen.
Plötzlich zog sie scharf ihre Luft ein.
Alarmierend sah ich sie an. Begann es von vorne?
Ich zog schnell einen Stuhl herbei, schob sie drauf.
Ich kniete mich vor sie.
„Was ist? Was ist ? Soll ich einen Arzt rufen?"
Sie fasste sich erschrocken an den Bauch.
„Nein..nein" meinte sie beruhigend.
Bella nahm meine Hand und legte sie auf ihren kugelrunden Bauch.
Sie stöhnte wieder.
„hhh, das Baby tritt ganz fest!" meinte sie euphorisch.
Mein Gesicht verzog sich schmerzhaft und ich wandte meinen Kopf leicht ab.
„Kannst du das fühlen Ed?"
Ich spürte wie das Baby gegen den Bauch trat.
„Ja.." meinte ich ehrfurchtsvoll, aber senkte meinen Kopf.
Ich spürte ihre Hand an meiner Wange, wie sie mich streichelte.
„Hey.." flüsterte sie und ich schnaufte kurz.
Sie zwang mich sie anzusehen und sagte beruhigend:
„Es ist vollkommen normal, wenn du dieses Baby liebst. Das bedeutet nicht, dass du mich nicht liebst Edward!"
„Ich kann nicht ohne dich leben Bella!" verzweifelt blickt ich zu ihr hinauf.
„Das musst du auch nicht! Ich hab das im Gefühl! Wir schaffen das, und werden eine glückliche Familie."
Wie oft habe ich diese Zeitschrift schon bis auf ihr letztes Detail durchgelesen? 56 vollgeschriebene Seiten.
Ich schnaufte und schmiss das Magazin in die nächstbeste Richtung. Grummelnd setzte ich mich auf und lehnte an die Wand.
Edward verschrieb mir mal wieder strengste Bettruhe und nun saß ich dort und wusste nicht, wie ich mir die Zeit vertreiben sollte. Ich merkte wie er unter mir litt, unter mir und meinen Entscheidungen. Aber welche Mutter kann sein Kind töten? Besonders nach 30 Wochen, in dem ich es schon in mir trug. Ich verstand ihn ja, er machte sich Sorgen um mich. Aber auch ich habe Angst. Ich will nicht, dass mein Kind, wie ich, ohne seine Eltern aufwächst. Und genauso wenig will ich sterben. Ich will mein Kind aufwachsen sehen, sehen, wie es das erste Mal läuft, Fahrrad fahren lernt, das erste Mal verliebt und wie es heiratet. Ich will sein Leben miterleben und zwar von hier unten. Und vor allem will ich Edward nicht allein lassen.
Die letzten Jahre waren eine Zeitverschwendung, ich hätte sie nutzen sollen. Es gab tausend wichtigere Dinge als Alkohol, Drogen und Sex. Wobei, auf Sex würde ich auch nicht verzichten wollen, Edward ist richtig gut darin...
„Na, was gibt's zu lachen?"
Ich sah zur Türe und lächelte meinen Freund an.
„Sagen wir's so, ich vermisse deine körperliche Nähe." leise kicherte ich.
Edward kam auf mich zu und setzte sich neben mich. Seine Hand streichelte sanft meine Wange, während er mir in die Augen blickte.
„Ich liebe dich, das weißt du oder?"
„Hm...ich glaube du hast da mal so etwas erwähnt." Feixend sah ich ihn an und küsste ihn leidenschaftlich.
„Bella, ich weiß deine Hormone gehen mit dir durch und du bist rallig-"
„Hey!"
„- aber Sex bekommst du erst nach der Geburt!" leise lachte er, als er meinen bösen Blicken ausgeliefert war.
„Vielleicht sollte ich doch lieber nocheinmal James anrufen. Ich glaube er hat Zeit für mich."
Er knurrte.
„Bella!" wütend sah er mich an.
„Ja Schatz?" tat ich unschuldig.
„Das wagst du nicht!"
„Ach nein?" Ich lächelte und schnappte mir das Handy das neben mir lag.
Fassungslos sah er mich an, während ich James Nummer in der Kontaktliste suchte und wählte.
„Ja?" ertönte eine Stimme aus meinem Handy.
„James! Ich bin's Bella!"
Unterdessen sah ich zu Edward, der immer wütender wurde.
„Was soll das?" flüsterte er mir drohend zu.
„Bella! Schön mal wieder was von dir zu hören! Wie geht's dir? Ich hab dich ja schon ewig nicht mehr gesehen! Über ein Jahr her oder?"
„Jaa ich weiß. Aber hey, du hast dich auch nicht gemeldet!"
„Vielleicht hatte er an Lydia mehr Interesse!" neckte Edward mich. Ich knurrte ihn an.
„Sorry Bella, ich weiß, dass war scheiße von mir. Aber ich fands toll, dass wir uns nocheinmal nach Michelle's Party gesehen haben. Sollten wir echt wiederholen."
„Ja klar gerne!"
Plötzlich wurde mir das Handy aus der Hand gerissen. Erschrocken sah ich zu Ed.
„So das reicht jetzt.", sagte er zu mir und legte das Handy an sein Ohr," Hey James. Ich bin's Edward. Vielleicht kannst du dich noch an mich erinnern. Ich bin der, der dich damals abgehalten hat mit Bella zu schlafen. Tja und weißt du was? Wir sind jetzt zusammen und sie ist schwanger."
„Na klar, Alter. Wenn du meinst." hörte ich James lachen und musste schmunzeln.
Edward sah das und wurde wütender.
„Ich sag's nicht nochmal du hirnloser Flachwichser. Wenn du jemals diese Nummer wählst oder auf irgendeine Weise mit Bella Kontakt aufnimmst, dann brech ich dir deine Knochen."
Schockiert sah ich Edward an und nahm ihm wieder das Handy aus der Hand.
„Tut mir Leid James. Edward ist etwas schlecht gelaunt. Jedenfalls war schön dich mal wieder gehört zu haben. Bye" Und schnell legte ich auf.
Stille herrschte in unserem Schlafzimmer.
Ich lies meine Augen unschuldig durch den Raum wandern und kniff den Mund zusammen.
„So so Eddi. Könnte es sein, dass du eifersüchtig bist?" Ich legte meine Kopf schief.
„Ich fand das nicht lustig!"
„Ja... ich glaube das hab ich gemerkt mein Lieber."
„Wie würdest du es finden, wenn ich Lydia anrufen würde?" mit Schalk in den Augen sah er mich fragend an.
„Geil, steht sie denn auf Dreier?"
Tick Tock.
Tick Tock.
Tick Tock.
Die Bettdecke bewegte sich, das Bett erhob sich leicht. Man konnte spüren, wie Edward aufstand. Mit leisen Schritten bewegte er sich Richtung Badezimmer.
Als würde ich jetzt noch schlafen können, bei dem was ich vorhatte.
Ich schlug meine Augen auf, sah einen Augenblick an die Decke.
Dann auf die Uhr an meinem Nachttisch . 5:40 Uhr.
Es wird Zeit.
Leise schlängelte ich mich aus dem Bett und lief zu seinem Nachttisch. Dachte er wirklich, ich käme nicht dahinter? In Gedanken lachte ich.
Ich öffnete die Schublade und schnappte mir schnell den Schlüssel. Anschließend ging ich zur Kommode.
Edward würde die nächste Stunde sein Badezimmer nicht verlassen, und selbst wenn, würde er vom Bad aus in seinen begehbaren Kleiderschrank gehen. Dennoch war mir das Risiko zu groß, dass er mich erwischen würde.
Ich öffnete das Schloss, schnappte mir also meine Schminkutensilien, legte den Schlüssel wieder zurück und tapste mit leichten Schritten den Flur entlang.
Auf der anderen Seite der Etage lag mein eigenes Badezimmer ( natürlich mit eigenem Ankleidezimmer). Dieses große Anwesen habe ich dem Erbe meiner Eltern zu verdanken, aber die zusätzlichen Räumlichkeiten für Edward haben wir extra einbauen lassen. So konnte er vollends zu mir ziehen, ohne, dass wir uns gegenseitig auf die Pelle rückten.
Ich öffnete die Badezimmertüre und fluchte leise, als diese quietschte. Einen Moment hielt ich inne, lauschte, ob er irgendetwas mitbekommen hatte, doch es war nur die laufende Dusche zu hören. Erleichtert atmete ich aus und setzte meinen Weg fort.
Kaum schloss ich die Tür ab, packte ich meine Schminke aus und verteilte sie auf der Waschbeckenablage.
„So meine Freunde, endlich werdet ihr wieder gebraucht."
Seit kurzem verbot mir Edward, mich zu schminken. Lächerlich, aber er war auf irgendeinem Greenpeace Trip und meinte es wäre schädlich für die Haut, besonders für Schwangere, außerdem sei es an Tieren getestet worden.
Ersteres stimmt ja mal überhaupt nicht, Make Up verursacht höchstens Pickel und selbst das weiß ich vorzubeugen und außerdem was soll das Ganze? Fett und hässlich soll ich für ihn sein? Nein, danke.
Hab schon genug für ihn aufgegeben, unter anderen meine High Heels.
Sehnsüchtig starrte ich in Richtung Schuhschrank. Naja wohl eher auf die geschlossene Badezimmertüre, da mein Schuhschrank sich im Flur befand.
Kritisch beäugte ich mich im Spiegel und kniff die Augen zusammen.
„Okay los geht's, noch 40 Minuten!"
Ich packte meinen Eyeliner und rannte förmlich zum kleinen Spiegel, an dem man jeden noch so kleinen Mitesser erkennen würde.
Langsam zog ich eine Linie über mein oberes Lid. Über das untere jedoch nur die hintere Hälfte, sonst wirkten meine Augen viel zu dunkel.
Ich schnappte mir meinen Kajal und umrandete mein Auge. An den äußeren, unteren Enden färbte ich die Haut auch etwas mit schwarz. Bisschen smokey eyes konnte nicht schaden.
Da ich an diesem Tag braun tragen wollte, wählte ich auch beigen und dunkelbraunen Lidschatten. Den hellen auf die Innenseite des Lids und der dunkle auf die äußeren Seiten.
Dann noch etwas von dem Augenbrauenstift und ein bisschen Make Up.
Als letztes putzte ich mir meine Zähne und kämmte mir die Haare. Sie saßen auch ohne Glätteisen oder Lockenstab perfekt.
„Das ich das mal sagen werde, wusste ich zwar, aber dennoch Bella Swan, damn it, du hast es verdammt nochmal drauf!"
Vorsichtig öffnete ich die Tür und lugte mit dem Kopf heraus. Langsam sah ich mich um, ob er vielleicht doch bemerkt hatte, dass ich weg war.
Ich blieb ruhig, versuchte es zumindest, denn meine Atmung war natürlich mal wieder vor Aufregung nicht gerade still.
Volle zehn Sekunden wartete ich ab, dann schlich ich mich in das Ankleidezimmer und nahm mir meine Sachen. Ich hatte schon die ganze Nacht geplant was ich anziehen würde, also sparte ich mir so schonmal Zeit. Schnell sah ich auf die Zimmeruhr. Noch 8 Minuten. Shit.
Zuerst streifte ich mir mein Nachtkleid vom Körper und wechselte die Unterwäsche. Schnell zog ich mir meine dunkelbraune Bluse über. Sah natürlich suuuper aus mit dickem Babybauch – not.
Ich schnaufte abwertend und schnappte mir die beige Hose - ich sagte doch, perfekt passender Lidschatten – und zog sie über.
Kurzer Blick in den Spiegel, check.
Selbst mit diesem kugelrunden Bauch sah ich dennoch gut aus. Ein Lächeln schlich sich auf mein Gesicht.
Noch 3 Minuten. .
Ich schnappte mir meine High Heels – okay okay Leute. Es waren keine High Heels, leider. Die Schuhe hatten Keilabsatz und bevor jemand etwas sagt, die tun überhaupt nicht weh und waren auch gerade mal 6cm hoch, das ist nun wirklich nicht viel - und ging mit schnellen, aber leisen Schritten in unser Schlafzimmer.
„Bück dich hoch!"
Erschrocken drehte ich mich um, machte gerade vor dem Bett Halt.
Ich sah hinter mich, seine Badtür war jedoch immernoch verschlossen. Er sang!
Leise kicherte ich und presste meine Hand auf den Mund, was für ein Trottel.
Konnte er, wenn er schon singt, nicht etwas geschmackvolleres wählen?
Meine Schuhe stellte ich neben mein Nachttisch, legte mich wieder zurück in mein Bett und schloss die Augen.
Sofort öffnete ich sie wieder, scheiße scheiße scheiße, ich hatte Lidschatten drauf, das würde er bemerken.
Ich drehte mich um, sodass ich auf dem Bauch lag, zog die Bettecke bis an den Nacken, lies meine nackten Füße unter der Bettdecke hervorlugen und verdeckte mit einer Hand mein Gesicht.
Gerade noch rechtzeitig, denn schon öffnete er die Tür.
„Schatz bist du wach?" fragte er in den Raum. Ich tat so als würde ich schlafen und antwortete nicht.
Die folgenden fünfzehn Minuten musste ich weiter so tun als würde ich schlafen, während er sich weiter für die Schule richtete.
7:10 Uhr
Noch 20 Minuten und die Schule würde beginnen. Er war aus dem Haus.
In der Sekunde, in der ich das Schloss hörte, sprang ich aus dem Bett und schnappte mir meine Schuhe.
Schnell zog ich sie an und lief die Treppe hinunter, rennen ging in diesem Zustand schlecht.
Und ich hatte eh noch genügend Zeit.
Ich schnappte mir die Autoschlüssel vom Armaturenbrett und fuhr los.
Man brauchte mit dem Auto nur fünf Minuten bis zur Schule.
7:18 Uhr
Ich fuhr langsam die Auffahrt entlang. Manche Schüler gammelten noch hier rum, aber die meisten waren schon im Schulgebäude, denn mit unseren Lehrern konnte man nicht gerade Kaffee trinken.
Ich hatte Glück, Edward war nirgends zu sehen und so parkte ich mein Auto (Mercedes Benz c63 amg . ) in eine der abgelegten Parklücken. Wobei mir das auch nicht viel half, da, falls ich von Edward erwischt werden würde, was auch mit 100% Wahrscheinlichkeit passieren würde, brachte mir das Ganze auch nichts.
7:20 Uhr
Ich trommelte mit meinen Fingern am Armaturenbrett, ich wurde immer nervöser. Sobald er mich entdecken würde, wäre das mein Ende, es sei denn es ist nach Schulbeginn.
Die ersten paar Stunden habe ich dienstags nie mit ihm, deswegen habe ich mir auch diesen Tag ausgesucht um in die Schule zu kommen. Ich hielt es einfach nicht mehr zuhause aus.
7:22 Uhr
Ich öffnete die Autotür und stieg langsam heraus. Mein Atem wurde immer schneller.
War meine Idee doch nicht so gut? Sollte ich wieder umkehren?
„Nein Bella, du schaffst das. Du schaffst das!" murmelte ich weiter vor mich ihn und lief den Parkplatz entlang.
„Bella bist du das?" Erschrocken blickte ich auf. Angela. Beruhigend atmete ich wieder aus.
„Hey Ang, wir geht's dir so?"
„Das sollte ich dich fragen Bells! Dich hab ich hier schon ewig nicht mehr gesehen. Mir geht's gut. Bin jetzt endlich mit Ben zusammen,stell die das mal vor. Hey warte mal, musst du dich nicht schonen? Edward hat gesagt du darfst keinen Besuch kriegen wegen dem Risiko das Baby zu verlieren und du müsstest zuhause bleiben?!"
„Ach ja, hat er das?" zischte ich.
Angela sah mich entschuldigend an.
„Sorry Bella, ich hätte dich sonst echt besucht - Oh scheiße, du ich muss los, hab in der ersten Stunde gleich Mr Dalton, kennst ihn ja, den ollen Sack." sie lachte während sie von ihrer Uhr aufblickte.
„Oh ja, immernoch der selbe Schlappschwanz wie früher, hey Ang ich muss auch los. Wir sehen uns in Französisch?"
„Ja klar!" rief sie mir zu während sie schon weiter rannte.
7:27 Uhr
Ich lief zügig zu den Raum 243. Dort fand nun der Wirtschaftsunterricht statt und da ich zuhause natürlich weiterlernen musste, sollte das Ganze kein Problem für mich sein.
„Ah Miss Swan, wie ich sehe beehren Sie uns auch mal wieder!" Ich drehte mich um und lächelte Mr Kingston an.
„Ja Sir, ich möchte wieder ein bisschen Schulluft schnappen."
„Natürlich meine Liebe, natürlich."
Er begleitete mich in das Klassenzimmer rein und wie erwartet wurde ich natürlich von jedem angestarrt.
„Ja ja ich weiß, ihr habt sie alle schrecklich vermisst, aber hier habt ihr eure Bella wieder."
lachte mein Lehrer und die Schüler lächelten mich an.
Während ich mich noch auf dem Weg zu meinem Platz neben Kenzie machte, ging das Gerede los.
„Bella"
„Bella! Wie geht's dir!"
„Wie geht's dem Baby?"
„Wie weit bist du schon?"
„Kommt es bald?"
„Leute! Lasst sie doch erstmal ankommen, bevor ihr sie volllabert!" brach Mr Kingston das Ganze ab.
Er war immer noch der coolste von allen und ich schickte ihm einen dankenden Blick zu.
Die folgenden 2 Schulstunden musste ich alle Fragen rund um Edward, mich und unser Kleines beantworten. Dass ich im Krankenhaus war und es gar nicht so gut um uns steht, habe ich natürlich ausgelassen.
„Oh Bells, ich hab dich so vermisst! Endlich bist du wieder da! Wie lang bleibst du?" Kenzie legte eine Hand um meine Hüfte und drückte mich an sich.
„Erstmal nur heute, je nachdem wie viel Stress das mit Edward gibt."
Sie lachte leise.
„Ja das versteh ich. Aber hey, er hat sich ganz schön geändert der Hottie-"
„Hey!" warf ich lachend dazwischen.
„Jaja Bells, er ist dein, ich weiß. Aber man darf ja wohl noch schwärmen dürfen." Sie zog mich kichernd zur nächsten Bank. Es war einer der Orte, die fast niemand betrat, wir waren in einem Flur, der nur an die Smartboard Räume grenzte und die waren schon seit einem Jahr kaputt.
„Und wie geht's dir ?"
Ich erzählte ihr alles und die komplette nächste Stunde verbrachte ich mit weinen und Umarmungen.
„Du bist dir sicher?" fragte sie mich mit zitternder Stimme.
„Kenz, es ist mein Kind. Es ist jetzt seit mehr als sieben Monate in mir, ich kann das nicht."
„Ja ich kann dich verstehen...dennoch, was mach ich ohne meine Queen Bee? Das hier ist dein Königreich, nicht meins."
„Nein, es war unseres!"
„Alice vermisst dich auch."
„Ja ich weiß... aber sie sehe ich wenigstens öfters als dich!"
„Tut mir Leid Bells, aber du kennst doch meine Eltern. Ich muss jeden Tag schon dreißig Minuten hier her fahren und kann froh sein wenn sie mich abends und am Wochenende rauslassen. Als sie gehört haben, dass du schwanger bist...naja..."
„Ich versteh schon Kenzie..."
„Es tut mir Leid Bells, ich weiß ich war ne scheiß Freundin in den letzten Monaten. Aber das wird sich ändern okay? Mum und Dad gehen eh ersteinmal für die nächsten 3 Monate auf so einen Kirchentrip nach Rom. Sie gehen zwar erst nächste Woche aber ich werde dich besuchen, hörst du mich? Jede Woche, regelmäßig!"
„Was machen sie dort? Bissl chille mille und paar Kasten kille?" lachte ich leise.
„Ja" lachte sie leise und wischte mir meine Tränen aus dem Gesicht.
„Gott wenn die mal Alkohol trinken, dann werd ich Päpstin!"
„Pass auf was du sagst Bells! Am Ende kommen sie stockbesoffen heim!"
„Ja klar." meinte ich ironisch.
10:00 Uhr
Die große Pause begann.
„Ich schick Al noch schnell eine SMS, dass du hier bist."
„Nein!" erschrocken blickte sie mich an.
„Warum nicht?"
„Sie wird es Edward erzählen! Sag einfach sie soll herkommen!"
„Okay okay..." Kenzie sah mich mit einem grinsenden Blick an.
Keine 4 Minuten später war Alice auch schon bei uns.
Ich sah noch wie sie mit einem fröhlichen Blick auf uns zu kam, doch sobald sie mich erblickte, wurde sie wütend. Automatisch fuhr ich ein wenig zurück.
„Bella!" zischte sie leise.
„Alice!" sagte ich in einem ängstlichen und unschuldigen Ton.
„Was machst du hier? Ich dachte der Arzt hätte dir das verboten!"
„Nein, er hat nur gesagt ich soll Anstrengung vermeiden."
„Und wie nennst du das hier?"
„Freunde treffen, Spaß haben?" versuchte ich es.
„Bella!" ihre Augenbrauen zogen sich zusammen.
„Alice, ist ja gut. Ich mein ein bisschen Spaß kann sein. Sie kam in den letzten Wochen gar nicht mehr weg."
Alice grummelte ein wenig, aber gab letztendlich doch Ruhe.
„Gehen wir was essen? Hab sau Hunger!" maulte Kenzie.
„Und ich erst." stimmte ich zu.
11:25 Uhr
Wir machten uns auf den Weg in die Cafeteria und holten uns unser Essen.
Wie damals saßen wir wieder an unserem Stammtisch.
„Hey Bells, hast du gehört das Mike Jessi betrogen hat?"
„Was? Okaaay. Die Arme!" ich verzog meinen Mund.
„Geht so, ne? Sie ist jetzt mit Tyler zusammen." zischte Kenzie.
„Tyler? Deinem Tyler?"
„Ihr Tyler." korrigierte sie mich.
Alice legte einen Arm um sie.
„Ach Kenz, mach dir nichts draus, er ist eh hässlich, von außen, wie aber auch von innen."
Gerade wandte sich Alice an mich, doch plötzlich hielt sie inne.
Sie sah hinter mich. „Oh oh."
Ich drehte mich verwundert um.
„Willst du mich verarschen?"
Edward.
