„Edward Schatz," ich setzte ein gekünsteltes Lächeln auf, „was machst du denn hier?"
„Das könnte ich dich fragen!" zischte er mich an und setzte sich energisch neben mich.

„Du sollst zu Hause bleiben, der Arzt hat dir Bettruhe verordnet."

„Okay, okay. Ich glaube wir sollten jetzt lieber gehen und euch alleine lassen." unterbrach Alice uns.

„NEIN!"
„Ja!"

Edward und ich sahen uns mit zusammengekniffenen Augen an.

„Bella, wir reden ein anderes Mal, war schön dich wieder gesehen zu haben." meinte Kenzie und die beiden verschwanden.

Soviel zu beste Freundinnen.

Plötzlich packte mich Edward fest am Oberarm und beugte sich zu mir vor.

„Ich warne dich Bella, ich finde das nicht witzig. Du gehst jetzt schön mit mir aus dieser Cafeteria und wir werden darüber reden. Oder willst du etwa, dass ich hier meine Geduld vor allen Leuten verliere?"

Leute, die uns mittlerweile eh schon anstarrten.

Ich verdrehte wütend die Augen und lief ihm widerwillig hinterher.

Als er jedoch Richtung Parkplatz lief, stoppte ich.

„Nein! Ich geh auf keinen Fall nach Hause Edward!"
„Bella." Er drehte sich um und sah mich auffordernd an.

„Nein, ich weigere mich und du kannst mir nichts befehlen." Ich lächelte ihn überlegen an und setzte mich auf die nächste Parkbank.

Wir waren zwar draußen, aber da sich alle noch im Schulgebäude befanden, konnten wir in Ruhe reden, zu seinem Vorteil.

„Ich glaub du hast sie nicht mehr alle. Ich versteh dich nicht Bella. Was Bella, was hab ich dir getan?"

Er kniete vor mich hin und nahm meine Hände in seine. Unsicher sah ich ihn an. Er war verzweifelt.

„Willst du, dass wir unser Kind verlieren? Dass ich dich verliere?"
„Was?!" Ich entzog ihm meine Hände und stand energisch auf, doch mir wurde plötzlich schwindelig und ich musste mich an der Banklehne abstützen. Er wollte mir seine Hand reichen und mich stützen aber ich stieß sie weg.

„Wage es nicht!" presste ich mühsam aus.

„Bella..."

„Nichts Bella! Wie kannst du so etwas behaupten? Ich würde mein eigenes Kind umbringen wollen?"
„So meinte ich das nicht."
„Natürlich hast du das so gemeint."
„Ich mach mir doch nur Sorgen um dich." seufzte mein Freund.

„Ja und zwar so langsam zu viele. Ich halte das nicht mehr aus."
Sein Blick durchbohrte meinen.
„Machst du Schluss?" fragte er mich ungläubig.

„Nein.. ich denke nicht. Aber es kann nicht sein, dass ich mich keine zwei Zentimeter bewegen darf ohne, dass du es kommentieren musst. Das kann so nicht weiter gehen."
„Bella, du kannst bei der ganzen Sache hier sterben, verstehst du das nicht? Mein Gott, du bist doch nicht mehr diese hohle Tusse, die mit jedem Typen pennt. Du musst doch nur noch 9 Wochen warten. In neun Wochen ist der Geburtstermin. Ist das denn so schlimm neun Wochen im Bett zu bleiben und dafür kein Risiko für dich und das Kind zu schaffen? Du könntest das Ganze vielleicht überleben Bella. Ich will dich nicht für deine eigene Dummheit verlieren."
Fassungslos starrte ich ihn an.

„Erstens: Ich bin eine hohle Tusse, die mit jedem pennt? Nett, Edward, wirklich nett. Ich hätte mir gewünscht etwas anderes von dir zu hören-"
„Ich hab gesagt das warst du früher." unterbrach er mich.

„Macht es nicht besser! Du hast dich damals von mir abgewandt. Du warst mein bester Freund und hast mich im Stich gelassen. Du warst daran Schuld, allein du!"

Mir kamen die Tränen und ich begann zu schluchzen.

Er legte, trotz meines Widerstandes, seine Arme um mich und drückte mich an sich. Meine Fäuste schlug ich gegen seine Brust, auch wenn ich wusste, dass es ihm nichts ausmachen würde.

„Shh." flüsterte er und drückte mich enger an sich, bis ich nachgab.

„Ich will nicht sterben Edward. Ich will nicht. Bitte denk das nicht von mir!" brachte ich leise unter meinen Tränen raus.

„Ich weiß Schatz, ich weiß." Ich hörte auch seine Stimme leicht beben.

Wo hatte uns das Schicksal hingebracht?

War es das, was hätte sein sollen?

Hatte ich kein glückliches Leben verdient?

Erst wurden mir meine Eltern genommen, mein bester Freund verließ mich und nun sollte ich sterben.

Auch wenn ich wollte, dass mein Kind weiter lebte, der Gewissheit ins Auge zu sehen, dass man selbst das Ganze zu einer großen Wahrscheinlichkeit nicht überleben wird ist schrecklich.

War es Gottes Wille?

Edward brachte mich, immer noch schluchzend, nach Hause.

Wir verbrachten den ganzen Tag und die ganze Nacht aneinander gekuschelt in unserem Bett. Seine Arme legte er um mich und streichelte meinen Bauch, während er mir beruhigende Dinge ins Ohr flüsterte.

Ich war mir im Klaren, dass ich ihn mit meiner Tat an diesem Tage verletzte, da ich unser Risiko, mein Risiko zu sterben erhöhte. Doch sollte man nicht die letzten Wochen, die einem verbleiben nutzen und das tun was man wollte? War es denn so verkehrt, dass ich wieder leben wollte, nach all dem Leid, das mir widerfuhr?

„Ich liebe dich. Ich liebe dich so sehr." flüsterte er mir zärtlich zu und küsste meine Wange.

„Ich begehre dich Isabella. Mit allem was ich habe, du bist mein Ein und Alles."

Ich drehte mich zu ihm um und nahm sein Gesicht in meine Hände. Wir blickten uns tief in die Augen. Ich konnte seine Liebe sehen, seine Begehren und seine Leidenschaft.

„Wir werden das schaffen, nicht wahr Edward? Bitte sag mir, dass wir das schaffen werden." murmelte ich verzweifelt.

Er presste seine Lippen aufeinander, schaute kurz weg; er wich mir aus.

Mir kamen erneut Tränen, das war Antwort genug.

Ich schloss schmerzhaft meine Augen und kniff sie zusammen, meine Hände lies ich sinken. Hatte er die Hoffnung also auch aufgegeben. Wer sagte, dass die Hoffnung zuletzt stirbt? Hier ist sie doch schon erloschen, so kam es mir jedenfalls vor.

Plötzlich griff er nach mir, drückte mich enger an sich, legte seine linke Hand auf mein Gesicht und presste seine Lippen auf meine. Einen Moment weiteten sich meine Augen, ehe ich sie schloss

Wie zwei Ertrinkende hielten wir uns an den jeweils anderen. Meine Hand drückte ihn enger am mich. Ich wollte ihn, so sehr.

Er war meine Luft zum atmen. Er war mein Leben. Ohne ihn war es sinnlos. Ich liebte ihn.

Man spürte unsere Verzweiflung, es lies sich nicht mehr leugnen.

Der Countdown lief.